Alexandria

Aus Theoria Romana

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Daten der Stadt
Name:Polis Alexandria
Gründung:331 v. Chr.
Rechtsform:Civitas Libera et Immuna
Provinz:Aegyptus
Heutige Stadt:Alexandrien (Ägypten)
Alexandria oder Alexandrien (griech.: Αλεξάνδ�?εια / Alexandreia ; arabisch الإسكندرية / al-Iskandariyya) ist eine Hafenstadt am Delta des Nils an der Mittelmeerküste Ägyptens. Mit ca. 3,8 Millionen Einwohner (2005) ist sie heute nach Kairo die zweitgrößte Stadt des Landes.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Alexandria liegt westlich vom Nildelta an der Mittelmeerküste. Dort wurde die Stadt auf einen etwa 2 km breiten Kalksteinrückenstreifen, der durch Meer und den See Mareotis im Süden begrenzt, errichtet. Diesem vorgelagert ist die mit dem Festland verbundene Insel Pharos, auf der der berühmte Leuchtturm steht. Gegenüber von der Insel liegt das Kap Lochias mit der Königsstadt, auf dem ebenfalls ein kleiner Turm, der Pharillon, gebaut wurde. Eine weitere Insel im Hafenbecken ist Antirrhodos, so genannt aufgrund ihrer geographisch gegenüberliegenden Position zu Rhodos. Westlich der Stadt liegen die Nekropolen mit ihren weiten Katakomben, östlich finden sich die kopria - die Abfallhügel.

Der Legende nach soll der Gründungsort Alexander im Traum erschienen sein. Viel wahrscheinlicher ist allerdings, dass strategische und ökonomische Erwägungen, vor allem die vorteilhafte Lage für den Handel zwischen Mittelmeer, Afrika, Arabien, Indien und Ostasien eine Rolle spielten. Zum Beispiel ermöglicht es die Meeresströmung Schiffen vom Norden des Mittelmeeres über die offene See auf direktem Weg nach Alexandria zu kommen ohne sich an der Küste halten zu müssen.

Stadtgliederung

Die Stadt ist in die sogenannten Phylen (~ Stadtviertel), die die fünf griechischen Anfangsbuchstaben trugen, wobei nur noch die Lage von Alpha und Delta genau bekannt ist. Später erhielten die Phylen Namen von Gottheiten oder aus dem Königshaus. Die Viertel, deren Lage heute noch bekannt sind, sind das Königsviertel an der Lochias-Halbinsel, Neapolis oder Brucheion ("Weizenspeicher") am großen Hafen, Rhakotis (die ägyptische Altstadt) im Süden und Delta, das Judenviertel im äußersten Osten. In einer Phyle lebten zwölf Demos (~ Gemeinde), in jeder Demos 720 Phratrien (~ Bruderschaften).

Charakteristisch ist für die Stadt außerdem das für Stadtgründungen in hellenistischer Zeit typische, strenge Schachbrettmuster, das vor allem zur Regulierung des Klimas in der Stadt dient (z.b. bietet diese Aufteilung den größtmöglichen Windeinfall). Der Legende nach soll Alexander selbst an der Stadtplanung beteiligt gewesen sein. Die Stadt orientierte sich an zwei Hauptachsen, dem 14 Meter breiten Meson Pedion, der West-Ostachse und dem ebenso breiten Argeus-Boulevard von Nord nach Süd, zwei ausgeschmückten Prachtstraßen, die sich in der Mitte am Alexanderplatz trafen, auf dem ursprünglich das Alexandermausoleum stand, bevor es von Ptolemaios VIII. ins Palastviertel verlegt wurde. Eine weitere wichtige Straße war der Serapis-Boulevard im Westen, der paralell zum Argeus-Boulevard lag. Insgesamt gab es 7 vertikale und 11 horizontale Hauptstraßen im Abstand von 280 bzw. 330 Meter. Jede war etwa 7 Meter breit. Die Hauptstraßen wurden mit Obelisken, Stauten und Brunnen reich geschmückt. Abgegrenzt wurde die Stadt von einer Stadtmauer mit vier Stadttoren an den Enden der Hauptstraßen, dem Mondtor (Norden), Sonnentor (Süden), Westtor und Kanopischen Tor (Osten). Die Besiedlung in römischer Zeit ging allerdings nach Süden über die Stadtmauer hinaus.

Die Stadt wurde von einem beschiffbaren Kanalsystem durchzogen, welches die Römer enorm ausbauten. Der wichtigste war der im Jahre 10/11 angelegte Schedia-Kanal, der sich im Süden der Stadt von West nach Ost über 37 Km bis zum Hafen Iuliopolis an der Nilmündung entlangzog. Von diesen spalteten sich in Nord-Süd-Richtung zwei weitere Kanäle ab: einer in den Eunostos-Hafen, ein anderer, der Nepherotes-Kanal, in den großen Hafen, wodurch er den Delta-Bezirk von den übrigen Stadtbezirken abtrennte.

Klima

Alexandria gehört zu den Städten mit den höchsten Niederschlagswerten Ägyptens. Trotzdem handelt es sich um ein mediterranes Klima mit trockenen, heißen Sommern und regenreichen, milden Wintern.

Bevölkerung

Alexandria war in der Antike neben Rom die zweitgrößte Stadt der antiken Welt. Die genaue Einwohnerzahl der Stadt ist jedoch nicht bekannt. Schon bald nach der Stadtgründung müssen aber bereits an die 100.000 Menschen dort gewohnt haben. Diodor schätzt die Bevölkerung der Stadt im 1. Jahrhundert v.Chr. auf 300.000 Freie. Andere Quellen und Schätzungen nennen zwischen 180.000 und 2 Millionen (Haas). Bedingt durch die Bedeutung und geographische Lage lebten in Alexandria zahlreiche Ethnien aus der gesamten Welt, neben Griechen, Juden, Armenier, Perser, Araber, Syrer, Nubier, Berber, Inder, Italier, Chinesen und natürlich Ägypter, die in der Stadt lebten oder sich, vor allem wegen der Bedeutung der Stadt als Handelszentrum, vorübergehend dort aufhielten.

Griechentum und Bürgerrecht

Die eigentliche Bürgerschaft der Stadt und Träger der städtischen Politik, Kultur und Ökonomie waren Griechen und Makedonen. Sie stammten vor allem aus Kreta, Kleinasien und dem griechischen Festland, insgesamt sind über 200 Herkunftsorte verbürgt. Die Gründe für die Ansiedlung waren vielfältig: Einerseits leißen sich die Soldaten der makedonischen Armeen mit ihren Familien dort nieder, viele kamen als Händler oder Botschafter anderer Städte, auch politische und Wirtschaftsflüchtlinge sind vertreten. Viele hofften auch einfach, in Alexandria ihr Glück zu finden. Man muss auch erwähnen, dass die Bezeichnung „Grieche“ (bzw. historisch: „Makedone“) für alle Personen mit alexandrinischen Bürgerrecht galt, d.h. auch ursprüngliche Nichtgriechen miteinschloss. Möglichkeiten, das Bürgerrecht zu erlangen, waren Herkunft, Ephebia am Gymnasion und Ernennung durch die Ekklesia oder den Herrscher bzw. dessen Vertretung. Es gab zwei Arten von Bürgerrecht. Die astoi, wozu auch die Frauen zählten, die alle Privilegien alexandrinischer Bürger genossen und die eigentlichen politoi, die auch politisch mitbestimmen durften. Im Gegenzug dazu bezeichnete der in Quellen oft genannte Passus alexandros einfach nur einen Menschen aus Alexandria. Unter Ptolemaios VIII. wurden viele Griechen gezwungen, die Stadt zu verlassen was dem griechischen Element der Stadt großen Schaden tat. In römischer Zeit scheinen die meisten Griechen Alexandrias Nachkommen von Ägyptern und anderen gewesen zu sein.

Die Juden Alexandrias

Durch die Eroberung Palästinas durch Ptolemaios I. migrierten zahlreiche Juden nach Alexandria. Ab Ptolemaios VI. wurden Juden eingeladen, sich in Alexandria anzusiedeln und die jüdische Gemeinde erhielt einen besonderen Status als politeuma (latein: religio licta), der ihnen Selbstverwaltungsrechte einräumte. Zeitweise förderten die ägyptischen Herrscher, die jüdische Gemeinde als Gegengewicht zu der politisch übermächtigen Bürgerschaft der Stadt. Die alexandrinische Gemeinde wuchs zur größten und bedeutenden jüdischen Gemeinde der hellenistisch-römischen Welt und übertraf alte Zentren wie Jerusalem bei weitem. Die jüdische Strömung des hellenistischen Judentums, welche Juden- und Griechentum verbinden wollte, entstand. Besonders während der römischen Herrschaft radikalisierte sich die Lage, vor allem durch den Zuzug stark antirömischer Juden aus Palästina, denen die alexandrinische Gemeinde sehr reserviert gegenüber stand. 115 kam es zu einen Aufstand messianischer Juden gegen Kaiser Trajan und die Griechen, in dessen Lauf zahlreiche Tempel zerstört wurden. Nachdem die römischen Truppen 117 die Stadt zurückerobern konnten, wurden zahlreiche Juden massakriert und der Gemeinde alle Sonderrechte entzogen. Dennoch blieb die Stadt bis in die Spätantike Zentrum jüdischer Kultur. Die jüdische Gemeinde Alexandrias war auch ein wichtiger Nährboden des Christentums.

Religion

Aufgrund ihrer griechisch-ägyptischen Mischkultur und der Stellung als Königsstadt der Ptolemäerdynastie entwickelte die Stadt eine individuelle Form der Religionsausübung, die zwar noch im hellenistischen Kontext verläuft, aber dennoch in Vielem in der Antike einzigartig ist. Viele alexandrinische Gottheiten und Kulte konnten sich auch im Rest der Mittelmeerwelt durchsetzen. Man kann sogar von einem regelrechten Götterexport v.a. in der vorrömischen Zeit sprechen.

Griechische und römische Kulte

Für die Gründungszeit der Stadt ist noch die hauptsächliche Verehrung der zwölf olympischen Götter belegt. In der Gründungsakte werden Zeus, Hera und Poseidon angerufen und die Existenz eines Tempels der olympischen Götter, des Pantheons im Königsviertel, sind belegt. Mit der Zeit veränderte sich die Bedeutung der griechischen Götter allerdings zunehmend.

Zeus als Himmelsvater genoss zwar in verschiedenen Versionen, v.a. als Zeus Basileus Zeus Soter, Patron der Soldaten und Seefahrer, hohe Ehren, wurde aber schon bald von Dyonisos als oberste Gottheit verdrängt. Wichtige Götter können in Alexandria fast gar nicht nachgewiesen werden und wenn, dann nur im Zusammenhang mit anderen Kulten. (z.B. Apollon im Zusammenhang mit den Musen.) Weiter verehrt wurden dagegen geringere Gottheiten wie Leto, die Dioskuren, Hermes und Herakles. Die Bedeutung der Göttinnen Demeter (zusammen mit Kore und Persephone) und Aphrodite. wuchs dagegen enorm an. In Alexandria existerte einer der wenigen Demeter-Kulte, die Kore unabhängig von ihrer Mutter Demeter verehrten.

Dyonisos wurde in ptolemäischer Zeit vom Gott des Rausches und des Weines zum König der Erde hochstilisiert. Er wurde zum unangefochtenen Herrscher aller Länder, zum Eroberer und Sieger und Bringer von Leben und Tod. In seine Person wurden dabei zahlreiche andere Götter und Kulte mit aufgenommen, wie der des Hades, des Asklepios, des Alexander, des Zeus oder des Apollon. Außerdem war er der Patron und Urahne des ptolemäischen Herrscherhauses und somit auch der Staatsgott Ägyptens. Ihm zu Ehren wurden zahlreiche extatische Heil- und Erlöserkulte geschaffen, die auch im religiösen Alltag der Alexandriner Einzug fanden. Die Verehrung des Dyonisos nahm im griechischen Alexandria bereits henotheistische Züge an.

Die Römer gründeten in Alexandria dazu noch einen Kult des Kronos, der eher mit dem römischen Saturnus identifiziert werden kann als mit dem griechischen Gott.

Synkretistische Kulte

Die Ptolemäer setzten von Anfang an griechische und ägyptische Gottheiten gleich, wohl um die Ägypter zu hellenisieren. Dadurch übernahmen auch die Griechen ägyptische Rituale. Gleichzeitig setzte sich auch die Tendenz durch, Götter in ihren Attributen wild durcheinander zu mischen, so dass verschiedene Gottheiten nicht mehr voneinander zu trennen waren und nur noch verschiedene Namen des selben Aspektes darstellten. Den Höhepunkt erreichte dieser Synkretismus in römischer Zeit.

Die mit Abstand wichtigste Göttin Alexandrias wurde Isis, die alte ägyptische Göttin des Mondes, der Nacht und der Magie. Es wird auch angenommen, dass der Isiskult nicht erst in Alexandria von den Ägyptern übernommen wurde, sondern bereits in den Städten Griechenlands bestand und von dort aus nach Alexandria zurückgeführt wurde. In ptolemäischer Zeit jedoch übernahm Isis immer mehr Aspekte des alltäglichen Lebens und wurde zum weiblichen Grundprinzip der Weltordnung. Die proportional meisten Tempel in Alexandria waren ihr geweiht. Isis wurde mit der Demeter-Triade, Aphrodite und der Alexander-Tyche gleichgesetzt. Die alexandrinische Isis wurde in griechischer Symbolik verehrt und stellte eine der größten reichsweiten Kirchen in römischer Zeit dar.

Isis wurde zusammen mit Sarapis und Hermokrates (Horus als Kind) in einer göttlichen Triade verehrt. (Manchmal kam auch noch Anubis hinzu). All diese Götter ausser Serapis sind zwar ägyptischen Ursprungs, wurden aber in griechischer Art verehrt und dargestellt.

Der Gott Sarapis, oder später Serapis stellt wohl den innovativsten Synkretismus Alexandrias dar. Wahrscheinlich geht er auf den memphischen Osiriskult zurück, dem die Ptolemäer als Staatsgott auch für die Griechen einführen wollten. Mit der Zeit näherte sich Serapis immer mehr dem alexandrinischen Dyonisos an und in römischer Zeit ging der Dyonisoskult wahrscheinlich vollständig in Serapis auf. Ob Serapis der Gatte der Isis war oder nur so mit ihr in Verbindung gebracht wurde, ist umstritten.

Eine vollständige Neuschöpfung der alexandrinischen Religion ist die Alexander-Tyche. Sie hat ihre Ursprünge im Kult des Agathos Daimon, einen alexandrinischen Schlangenkult, den Alexander der Große gestiftet haben soll. Mit der Zeit wurde sie mit Tyche, der Göttin des Schicksals gleichgesetzt und bald wurden die Gottheiten Agathos Daimon, Tyche und Alexander als eine einzige Gottheit verehrt, die nicht zu trennen ist. Die Alexander-Tyche war die Schutzgottheit der Stadt.

Eine weitere wichtige Göttin Alexandrias war die kleinasiatische Kybele, die mit Arthemis und Bendis gleichgesetzt wurde. Sie stellt jedoch kein spezifisch alexandrinisches Phänomen dar, sondern ist für die gesamte hellenistisch-römische Welt der Zeit bezeugt (vgl Magna Mater.

Herrscherkult

Der Herrscherkult war ein spezifisch ägyptisches Phänomen, das in der antiken Welt seinesgleichen sucht. Im Unterschied zu anderen Herrscherkulten war der Pharao nämlich nicht nur Herrscher von Gottes Gnaden, sondern selbst lebendiger Gott auf Erden. Die Ptolemäer und später die römischen Kaiser übernahmen diese Sitte aus politischen Gründen.

Bereits auf den ältesten Dokumenten Alexandrias taucht Alexander der Große als 13. Gott zwischen den 12 Göttern auf. Die Ptolemäer setzten diese Reihe fort und ließen sich als 13. Gottheit verehren. Dafür wurden komplizierte Stammbäume entwickelt, die die Ptolemäer als Nachfahren des Zeus, des Dyonisos und des Alexander darstellten. Der Dyonisoskult gewann in Alexandria nicht zuletzt deswegen so viel Bedeutung.

Eine andere Besonderheit ist die Verehrung der Königinnen. Diese waren religiös gesehen fast noch wichtiger als die Könige und galten als Reinkarnation der Isis, der Aphrodite oder der Demeter.

Auch die Römer übernahmen den Herrscherkult. Allerdings setzten sie sich, wohl da sie keine dynastische Nachfolgeregelung kannten, nicht mehr in eine Ahnenreihe mit bestimmten Göttern, sondern ließen sich so als Götter verehren. Das Caesareum, der Tempel des Iulius Caesar war das Zentrum des römischen Kaiserkultes in Alexandria.

Geschichte

Die Ptolemäer

Neuesten archäologischen Analysen zufolge war der Ort bereits von etwa 2700 bis 2200 v. Chr. besiedelt. Eine zweite Blüte erlebte die Region von 1000 bis 800 v. Chr. Die griechische Stadt Alexandria wurde am 7. April 331 v. Chr. von Alexander dem Großen gegründet (ohne, dass er sie jemals zu Gesicht bekam) und von Deinokrates von Rhodos weitergeplant. Obwohl im Verlauf des Alexanderzugs noch andere Städte gleichen Namens gegründet wurden (etwa im Iran oder an der Grenze zu Indien), sollte dieses Alexandria das bedeutendste von allen werden. In den Jahren nach Alexanders Tod erlangten die Ptolemäer die Herrschaft über Ägypten und bauten Alexandria zu ihrer Hauptstadt aus. Ptolemaios I. ließ Alexanders Leichnahm stehlen und errichtete ihm in Alexandria ein Mausoleum. Unter der Herrschaft der Ptolemäer wurde Alexandria zu einer der berühmtesten Städte in der Mittelmeerwelt. Von Bedeutung der Stadt zeugten vor allem der Pharos von Alexandria, ein etwa um 300 bis 279, auf der gleichnamigen Insel erbauter Leuchtturm an der Hafeneinfahrt, der zu den sieben Weltwundern der Antike zählt, sowie die Bibliothek von Alexandria, die damals mit ca. 700.000 Schriftrollen die größte der Welt war.

Das römische Alexandria

Im Jahre 30 v. Chr. wurde Alexandria von Octavian eingenommen, der sich in einem Machtkampf im römischen Reich durchgesetzt hatte, und – wie ganz Ägypten – dem Imperium Romanum einverleibt. Auch in römischer Zeit blieb die Bedeutung Alexandrias fast ungebrochen; es war zeitweilig nach Rom die zweitgrößte Stadt der Welt und gab der Alexandrinischen Periode ihren Namen. Ebenso war die Bevölkerungsdichte der Stadt für antike Verhältnisse enorm: Diodor berichtet von 300.000 freien Einwohnern in späthellenistischer Zeit, während moderne Schätzungen von bis zu 500.000 Einwohnern in spätrömischer Zeit ausgehen. Auch zahlreiche Juden lebten in der Stadt. In den antiken Quellen wird die Bevölkerung als traditionell leicht erregbar beschrieben, was auch zu zahlreichen Aufständen führte.

Spätantike

Alexandria blieb während der gesamten Spätantike ein wichtiges urbanes und kulturelles Zentrum, vor allem auch in Hinblick auf theologische Fragen. Ägypten wurde 619 von den Sassaniden erobert, doch nach 628 erhielten die Oströmer das Land zurück. 642 ging die Stadt dem Reich dann aber endgültig verloren - sie fiel in die Hände der Araber.

Politik

Alexandria galt weder unter makedonisch/ptolemäischer noch unter römischer Herrschaft als Teil Ägyptens, sondern als selbstständige politische Einheit. Über die genauen politischen Strukturen der Stadt ist relativ wenig bekannt. Genauere schriftliche Quellen sind erst aus römischer Zeit überliefert. Es ist allerdings naheliegend, dass sich die politischen Funktionen der Stadt analog zu denen anderer griechischer Stadtgründungen in hellenistischer Zeit entwickelten. Die Stadt war als typische griechische Polis, d.h. als Stadtstaat definiert und hatte wahrscheinlich eine oligarchisch-demokratische Verfassung.

Die Ekklesia

Die oberste politische Instanz Alexandrias war die Volksversammlung (Ekklesia, griech.: Εκκλησία), an welcher alle alexandrinischen Vollbürger (politeis), die männlichen Geschlechts waren und die Ausbildung am Gymnasion durchlaufen hatten, teilnahmen und in allen wichtigen Innenpolitischen Belangen entschied. Die Volksversammlung wählte auch die politischen Ämter der Stadt. Statt der in der hellenistischen Welt üblichen Loswahl existierte ein Akklamationsverfahren nach Muster der makedonischen Heeresversammlung. Jeder Bürger hatte gleichberechtigt Rede- und Stimmrecht. Die Ekklesia trat in unbestimmten Abständen zusammen.

Die Boule

Die Boulé (griechisch: βουλή, oft auch als Bulé transskribiert) war der alexandrinische Stadtrat. Er legte die Tagesordnung der Ekklesia fest, kontrollierte die Amtsinhaber und den Stadthaushalt und war für die Aussenpolitik zuständig. Die Boule Alexandrias war ein oligarchisches Gremium, der die angesehensten Bürger angehörten. In römischer Zeit rückten die Amtsträger nach Ablauf des Amtes automatisch in die Boule ein.

Die Boule wurde wahrscheinlich durch Ptolemaios VIII. (145-116 v.Chr.) als offizielles Organ aufgelöst, da dieser die hohe Macht der dort vertretenen Aristokratie einschränken wollte. In römischer Zeit gab es immer wieder Initiativen, die sich für eine Wiedereinführung der Boule stark machten, so in zwei Bittschriften an Augustus im Jahre 19/20 v. Chr und 10 Jahre später. Die Bitten wurden abgewiesen. Dennoch ist nicht klar, ob die Boule nicht inoffiziell weiter tagte. Erst im Jahre 119 richtete Der Kaiser Septimus Severus den Stadtrat während seines Aufenthaltes in Alexandria wieder ein. Während der Zeit, als der Stadtrat fehlte, übernahm die Magistratsversammlung (koinon) dessen Aufgaben. Die Abwesenheit des Stadtrates hatte auch eine massive Stärkung der Kompetenzen der Volksversammlung zur Folge.

Die Ämterlaufbahn

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Theater

Friedhof der Götter

Ptolemaios VI. Philometor ließ das Grabmahl Alexanders des großen neubauen. Die genaue Lage des Friedhofs und des Mausoleums ist unbekannt, aber er muss in der Nähe der Königspaläste und am Meer gelegen haben, weswegen eine Verortung an der Halbinsel Lochias wahrscheinlich erscheint. Das Grab Alexanders selbst war in Form eines tumulus, eines makedonischen Grabhügels gehalten, wo Alexanders mumifizierter Leichnahm in einen goldenen, nachdem wahrscheinlich Ptolemaios XI. oder die Römer den alten Sarg einschmelzen ließen, gläsernen oder alabasternen Sarkophag verwahrt wurde. Um das Grab herum wurden in Folgendem alle Ptolemäer nebst Gattinnen und Verwandten begraben. Der Friedhof war sowohl Ort der Verehrung als auch Touristenattraktion, ähnlich dem Lenin-Mausoleum in Moskau. Gaius Iulius Caesar und Augustus machten hier ihrem Vorbild ihre Aufwartung. Der Legende nach brach Augustus dabei der Mumie aus Versehen die Nase ab.

Alexanderplatz

Paneion

Das Paneion war ein Heiligtum des Pan, welches auf einem Turm stand, um den sich schneckenförmig ein Weg bahnte. Der Turm war neben den Leuchtturm das höchste Gebäude der Stadt. Von hier aus konnte man die gesamte Stadt überblicken.

Um das Paneion herum befand sich ein weitläufiger Park mit eigenen Zoo.

Caesareum

Erbaut wurde das Caesareum durch Kleopatra als ein Tempel für Caesar, der schon zu Lebzeiten zum Staatsgott erhoben. Im Tempel sollte nach seinem Tod die Verehrung und das Andenken an Caesar Ausdruck finden. Augustus wandelte den Tempel nach seiner Eroberung zu eine Kultstätte um, in der fortan die Kaiser als Götter, wie es schon bei den Pharaonen der Fall war, verehrt werden sollte. Die Kultstätte für die römischen Kaiser lag in der Nähe des Hafens und war einer der belebtesten Plätze in Alexandria, außerdem fanden sich dort zahlreiche Bettler ein, die dort um ihr Auskommen suchten. Augustus und alle nachfolgenden Kaiser galten durch den Tempel als Schutzgott des Hafens. Die „Nadeln der Kleopatra“, die heute in New York und London stehen, sind zwei Obelisken, die direkt beim Tempel des Caesars standen und eine Höhe von fast 20 Metern hatten. Der jüdische Philosoph Philo beschreibt das Caesareum mit folgenden Worten:

Nirgendwo gibt es einen heiligen Bezirk vergleichbar dem sogenannten Sebasteion [Caesareum], ein Tempel des schiffahrenden Caesar [Augustus], gegenüber den für ihre guten Ankerplätze berühmten Häfen [dem Großen Hafen], groß und berühmt, wie sonst nirgends angefüllt mit Weihegaben, von Gemälden und Statuen aus Silber und Gold umgeben, ein gewaltiger heiliger Bezirk mit Wandhallen, Bibliotheken, Räumen, heiligen Hainen, Toranlangen, weiten Plätzen, offenen Höfen, alles aufs Verschwenderischste ausgeschmückt, eine Hoffnung auf Sicherheit für die Ein- und Auslaufenden.“²

Serapeion

Auf einer flachen Kuppe eines Kalksteinhügels lag dieser berühmte Tempel, der zu Ehren der Isis, des Serapis und deren Sohnes Harpokrates bereits in frühptolemäischer Zeit gebaut worden war. Nach mehreren Bauphasen unter Ptolemäus III. und den Römern bildete diese Anlage größte Kultstätte in der antiken Welt zur Kaiserzeit. Bereits die Ptolemäer hatten Komplex mit mehreren Tempelanlagen auf einer Fläche von 75 mal 160 Metern sechs Meter tief in Kalksteinfelsen eingegraben.

Über dem alten Gebäudekomplex gossen die Römer das Fundament (opus caementitium) des erheblich größeren Serapeion. Heute sind noch das große Wasserbecken, die sog. Diokletian- oder Pompeiussäule sichtbar, womit eine Anlage nach Vorbild der Kaiserfora entstand, der jedoch selbst das Augustusforum bei weitem übertraf.

Wissenschaft und Forschung

Das Gymnasion

Das Gymnasion von Alexandria war der für die griechische Welt typische zentrale Lehr- und Ausbildungsstädte der Jugend. Darüber hinaus fungierte es noch als Versammlungsort. Es lag wahrscheinlich im Brucheion-Viertel und bestand aus der Palästra, einem Gebäude mit mehreren Räumen darunter Unterrichtsräume, Versammlungsräume, Waschräume und wahrscheinlich einer kleinen Bibliothek. Ab der römischen Zeit kamen auch noch Thermen hinzu. Daran grenzte das Stadion an, ein langer, mit Sand oder Kies gefüllter Platz Platz für sportliche Übungen, der von einer langen Säulenhalle umrahmt war. Es gab noch mehrere kleinere Gymnasien in Alexandria.

Organisation

Das Gymnasion unterstand dem Gymnasiarchen, der sich um die Pflege des Gymnasions, die Besetzung der Räume, die Anstellungen der Lehrmeister und die Aufrechterhaltung der Gymnasienordnung zu kümmern hatte. Die anfallenden Kosten musste er aus eigener Tasche zahlen. Der Kosmet, ein weiterer Beamter, kümmerte sich um die sportliche und paramilitärische Ausbildung der Epheben. Daneben existierten je nach finanziellen Möglichkeiten des Gymnasiarchen kurzzeitig angestellte Pädagogen und Paidiotriben für die restlichen Disziplinen, sowie Lehrer für Spezialdisziplinen und Wandergelehrte, die Gastvorträge hielten. Die Epheben, die auszubildenden Schüler mussten sich ins Schulregister eintragen lassen und vom Gymnasiarchen bestätigt werden. Neben der Ausbildung war das Gymnasion auch ein zentraler Treffpunkt des öffentlichen Lebens Auch die Ekklesia tagte hier ab und zu.

Die Ephebia

Die Ephebia war eine der kulturell bedeutendsten Institutionen der hellenistischen Welt. Ziel dieser Ausbildung war vor allem, den Jungen griechische Werte und Kultur zu vermitteln. Sie dauerte in Alexandria ungefähr ein Jahr und war in der Regel mit dem 14. Lebensjahr beendet. Allerdings beteiligten sich auch viele Ältere an den Übungen, entweder, um selbst das Bürgerrecht zu erhalten, um sich zu trainieren oder auch um den hübschen Knaben nachzustellen. Im Mittelpunkt der Ephebia stand die sportliche Ausbildung. Dort wurden von den Kosmeten neben verschiedenen athlethischen Disziplinen vor allem Kampf- und Waffenfertigkeiten trainiert. Die Epheben Aber auch andere Aspekte der griechischen Kultur, wie etwa die musische Erziehung, Lesen, Schreiben, Rhetorik und die Rezitation griechischer Klassiker wurden gelehrt. Das Gymnasion kannte keinen festen Lehrplan. Dieser war davon abhängig, welche Pädagogen sich gerade in der Stadt aufhielten. Der Erziehungsstil war streng, und setzte vor allem auf Disziplin und gesellschaftliche Anpassung. Prügelstrafe war normal. Neben dem Unterricht am Gymnasion hatten die Epheben noch eine Vielzahl anderer Pflichten wie die Teilnahme an öffentlichen Riten und Prozessionen und die Assistenz der Amtsträger.

Die Ephebia war eine der wichtigsten Vorraussetzungen für die Erlangung des alexandrinischen Bürgerrechtes, ging aber nicht mit ihr einher. Frauen waren von der Ausbildung ausgeschlossen.

Das Museion

Das Museion mit der Bibliothek wurde als Tempel für die Musen von Ptolemaios I. Soter nach dem Vorbild des Lyceums von Aristoteles mit dem Ziel gegründet, die neue Hauptstadt zum Zentrum der hellenistischen Kultur zu machen. Der erste Bibliothekar war Demetrius von Phaleron. Über die Lage und den genauen Aufbau des Museions ist relativ wenig bekannt, obwohl neueste archäologische Ausgrabungen angeblich ein Gebäude gefunden haben, das eventuell die alte Bibliothek darstellen könnte. Ebenso wenig wissen wir über die internen Strukturen des Museions.

Sicher ist, dass die Bibliothekare von den jeweiligen Herrschern persönlich eingesetzt wurden. Der Bibliothekar war gleichzeitig der Priester der Musen. Anscheinend wurde am Museion ähnlich einer heutigen Universität sowohl geforscht als auch gelehrt. Auch Unterkünfte für Lehrer und Studenten sowie eine Mensa gab es, daneben einen weitläufigen Park und Säulengänge zum Nachdenken und Debattieren. Schreibstuben wurden erst in römischer Zeit eingeführt. Das Museion zog Gelehrte aus aller Welt an, woran neben der Fülle des Materials und der Menge anderer Fachleute vor allem die freizügige Art und Weise, wie in Alexandria mit Wissen umgegangen wurde, ausschlaggebend war. Anders als in anderen vergleichbaren Institutionen dieser Zeit konnte man in Alexandria frei und unabhängig forschen. Das Museion war keiner bestimmten philosophischen Richtung verschrieben, damals eine Seltenheit. Sogar Atheismus oder Kritik der Herrscher und der bestehenden politischen Ordnung durfte hier offen gezeigt werden. (Mit einigen Ausnahmen: Hegesias von Kyrene wurde die Lehrerlaubnis entzogen, da er in seinen (gut besuchten) Vorlesungen den Selbstmord als einzige Lösung des menschlichen Daseins propagierte.)

Die Bibliothek

Der berühmteste Teil des Museions war wohl zweifellos die Große Bibliothek. Um 250 v. Chr. betrug die Gesamtzahl der Rollen in der Bibliothek bereits 400.000, später sollen hier bis zu 700.000 Schriftrollen Papyri gelagert worden sein. Die Schriftrollen wurden in Pinakes genannten Katalogen archiviert, die die Werke wahrscheinlich nach Wissensgebieten (Geschichte, Rhetorik, Philosophie, Medizin und Gemischtes), alphabetischer Reihenfolge des Autors, Biographie und Bibliographie des Autors und Standort des Werkes ordneten. Dies war vor allem deswegen wichtig, da die einzelnen Schriftrollen selten zusammenhängende Werke enthielten und oft Ausschnitte verschiedener Werke vermischt beinhalteten. Insgesamt schätzt man die Anzahl der vollständigen Werke in der Bibliothek im ersten Jahrhundert v. Chr. auf zwischen 70.000 und 100.000. Ptolemaios II. Philadelphos oder Ptolemaios III. Eugeretes gründete eine Schwesterbliothek mit ca. 40.000 Schriftrollen im Serapeion. Wahrscheinlich war die größere den dort anwesenden Gelehrten vorbehalten, während die kleinere nach ägyptischer Tradition öffentlich zugänglich war.

Der Inhalt der archivierten Schriften war sehr vielfältig: Den Quellen zufolge enthielt es neben den Werken der im Museion tätigen Philosophen und Wissenschaftler die wichtigsten Schriften der griechischen Poesie, Philosophie und Wissenschaft, einigen Quellen zufolge u.a. den gesamten Corpus des Aristoteles. So wurden zum Beispiel die Verse des Homer hier editiert und erhielten ihre bis heute gültige Nummerierung. Durch die Eroberungen Alexanders und die Hellenisierung der Welt wurden aber auch Schriften fremder Kulturen aufgenommen und ins griechische Übersetzt. Die Bibliothek enthielt ägyptische Schriften und Kommentare zu den Werken des persischen Propheten Zoroaster. Die Septuaginta, die griechische Version des Alten Testamentes, wurde in Alexandria übersetzt und lieferte die Vorlage für die späteren Werke der Kirchenväter.

Nach den Berichten ist man sehr raffiniert bei der Wissensbeschaffung vorgegangen. Jedes anlandende Schiff, das Rollen und Schriften beförderte, wurde nach der Überlieferung nach Schriftrollen durchsucht, die dann in die kopiert wurden. Die Originale kamen in die Bibliothek. Mit etwas Glück erhielten die "Spender" die Kopien zurück. Die neu hinzugekommenen Schriften wurden vorerst in Lagerhäusern am Hafen gelagert, bis sie editiert und in die Hauptbibliothek aufgenommen wurden. Einer Theorie nach handelte es sich beim Brand der Bibliothek durch Caesar in Wirklichkiet um ein solches Lagerhaus.

Das Schicksal der Bibliothek

Das Schicksal der Großen Bibliothek ist umstritten; einige antike Quellen sprechen von einem Feuer bei Caesars Eroberung der Stadt 48-47 v. Chr.. Wie jedoch Edward Parsons in seiner Quellenanalyse nachweist, stützen nur 6 von 16 Quellen über das Alexandria der Zeit diese Hypothese, die erste dieser Quellen wurde ca. 100 Jahre nach dem angeblichen Vorfall geschrieben, und die Zahl der angeblich verlorenen Bücher schwankt von 40.000 (die erste Quelle) bis 700.000, also der kompletten Bibliothek (Aulus Gellius), die letzte Quelle (Paulus Orosius) spricht wieder von 40.000 Büchern.

Das Museum von Alexandria, an das die Bibliothek angegliedert war, existierte mit Sicherheit weiterhin, da mehrere Leiter des Museums aus nachchristlicher Zeit bekannt sind, und Plutarch schreibt von einem Geschenk von 200.000 Schriftrollen aus der Bibliothek von Pergamon an Caesar. Der letzte bekannte Leiter des Museums war Theon von Alexandria (ca. 335-405). Im Jahre 391 ließ auf Befehl des christlichen Kaisers Theodosius des Großen der Patriarch Theophilus von Alexandria alle heidnischen Tempel in Alexandria zerstören. Mit Sicherheit war darunter das Serapeum, das die Tochterbibliothek beinhaltete; ob auch das Museum (der "Tempel der Musen", und damit aller Wahrscheinlichkeit nach die Bibliothek) zu diesem Zeitpunkt zerstört wurde, ist unbekannt, es kann jedoch nicht wesentlich früher oder später geschehen sein. Im Jahre 415 wurde Theons Tochter, die Philosophin und Wissenschaftlerin Hypatia, von einem christlichen Mob ermordet und damit "das letzte Überbleibsel der Ketzerei aus der Stadt entfernt", wie der christliche Autor Johannes von Nikiu später schrieb. Der zeitgenössische christliche Historiker Sokrates schrieb dagegen: "Mit Sicherheit kann nichts weiter entfernt sein vom Geist des Christentums, als das Zulassen von Massakern, Gewalttaten und Misshandlungen dieser Art."

Wissenschaft

Alexandria gilt als eine der Ursprungsorte der modernen Wissenschaft. Auf der Lehre des Aristoteles und der Erweiterung des Wissens über die Natur im Zuge der Eroberungen Alexanders des Großen, bei denen die Heerzüge stets von Geometern begleitet wurden, die die Strecken vermaßen und Karten und Landbeschreibungen erstellten, aufbauend, bot das Museion mit seinen zahlreichen naturwissenschaftlichen Sammlungen eine solide Grundlage für die antike Forschung. Neben der Bibliothek existierten Observatorien und zahlreiche naturwissenschaftliche Institute und Sammlungen, sowie zoologische und botanische Gärten. Wichtige bahnbrechende Erkenntnisse vor allem in den Bereichen Mathematik, Mechanik, Geographie, Astronomie, Biologie, Botanik und Medizin wurden hier entwickelt und einige Grundlagen der modernen wissenschaftlichen Methode, wie Experiment und induktive Methode, erarbeitet. Viele der genannten Fachbereiche wurden erst in Alexandria zu selbstständigen Disziplinen.

Auch im Bereich der Geisteswissenschaften erzielten die alexandrinischen Gelehrten einige Erfolge, zum Beispiel durch die Anwendung kritischer Methoden und den Versuch, Objektivität und Neutralität zu wahren.

In Alexandria wurden durch Eratosthenes von Kyrene (280-196 v.Chr.) sowohl der Erdumfang als auch die vermutete Westpassage nach Indien (natürlich ohne Kenntnis der dazwischen liegenden Amerikas) ziemlich genau berechnet, und die Monsumwinde entdeckt. Vor allem das Ingeneurswesen erhielt hier gewaltigen Auftrieb. Hieron von Alexandria entdeckte das Prinzip der Dampfkraft sowie wichtige hydraulische Vorrichtungen. Die Wissenschaftler wurden im Allegemeinen von staatlicher Seite erheblich gefördert, allerdings nicht zum Zwecke praktischer Anwendung der Erkenntnisse, sondern eher um des eigenen Prestigegewinns wegen, weshalb der Großteil des Potentials ungenutzt blieb.

Die alexandrinische Schule

Mit dem Begriff Alexandrinische Schule wird eine fortlaufende Reihe von wissenschaftlichen und philosophischen Bestrebungen in der Zeit von etwa von 300 v. Chr. bis 600 nach Chr. bezeichnet, deren Zentrum die Stadt Alexandria war. Gemeinsames Merkmal der alexandrinischen Schule ist die Verschmelzung griechischer Kultur mit orientalischen Weltanschauungen, begünstigt durch die Forschungsmöglichkeiten des Museions und die Rolle der Stadt als Handelsdrehscheibe zwischen Ost und West. Bedeutende philosophische Richtungen der alexandrinischen Schule waren die Philosophie der Neopythagoreer, aus der Erneuerung angeblich oder vermeintlich Pythagoreischer und orientalischer Weisheit entsprungene, und der am Ende des 2. Jahrhunderts n. Christus aus diesem hervorgegangene Neuplatonismus als Verschmelzung Platonischer und morgenländischer Emanationslehren.

Die jüdisch-alexandrinische Philosophie, die aus der Verbindung Platonischer und jüdischer Lehren entstand, war ebenfalls eine Errungenschaft der alexandrinischen Schule. Bedeutendster Vertreter dieser Richtung war Philo von Alexandria. Die vom hellenistischen Judentum getragene Philosophie beeinflusste die Werke der späteren Kirchenväter, die oft ebenfalls in Alexandria lebten und studierten, und dadurch die christliche Theologie maßgeblich.

Ein starker Einfluss buddhistischer Lehren und indischer Philosophie auf die alexandrinische Schule, beeinflusst durch den für die Stadt wichtigen Indienhandel, wird ebenfalls angenommen.

Wirtschaft und Infrastruktur

Seehandel

Binnenhandel

Handwerk

Literatur

Quellen

Arrianus Flavius, Der Alexanderzug
Diodor, Buch 9
Plutarch, Alexander
Strabo, Geographica, XIII

Sekundärliteratur

Richard Alston, The City in Roman and Byzantine Egypt, London 2002
Manfred Clauss, Alexandria. Schicksal einer antiken Weltstadt, Stuttgart 2003
Diana Delia, Alexandrian Citizenship during the Roman Principate, Atlanta 1991
Peter M. Fraser, Ptolemaic Alexandria, Oxford 1971
Christopher Haas, Alexandria in the Late Antiquity. Topography and Social Conflict, Baltimore u.a. 1997
Roy MacLeod (Hg.), The Library of Alexandria. A Study of Learning in the Ancient World, London u.a. 2004
Michael Pfrommer, Königinnen vom Nil, Mainz 2002
Watts, City and School in the Late Antique Athens and Alexandria
Wikipedia: Ägypten
Wikipedia: Alexandria
Wikipedia: Alexandrinische Schule
²Zitat von M. Clauss, Alexandria, eine antike Weltstadt, Stuttgart 2003, S. 138

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