Quaestor

Aus Theoria Romana

Wechseln zu: Navigation, Suche

Quaestor war eine römische Magistratur im Bereich der Finanzverwaltung, der in klassischer Zeit das Einstiegsamt in den cursus honorum darstellte.

Inhaltsverzeichnis

Anzahl

Während einige antike Autoren die Ursprünge der Quaestur bereits in der Königszeit sehen, geht man heute davon aus, dass dieses Amt 447 v. Chr. zur Verwaltung der Staatskasse (Aerarium) eingerichtet wurde. 421 v. Chr. wurde ihre Zahl auf vier verdoppelt, sodass neben den Verwaltern der zivilen Staatskasse den Consuln im Feld auch zwei Verwalter für die Kriegskasse und des Nachschubs zur Verfügung standen. Im 3. Jahrhundert v. Chr. erfolgte schließlich eine weitere Verdopplung für die Verwaltung Italias, Sicilias und Sardinias. Vermutlich erhöhte sich ihre Zahl im 2. Jahrhundert durch die Gewinnung weiterer Provinzen erneut, jedoch sind erst für 82 v. Chr. wieder Zahlen bekannt: So soll Sulla ihre Zahl auf 20 erhöht haben, während ihre Zahl unter Caesar kurzzeitig bei 40 lag (wohl zur Belohnung von Parteigängern), bis Augustus sie wieder auf 20 Stellen reduzierte.

Aufgaben in der Republik

Die Quaestoren fungierten als Hilfsmagistrate und verfügten daher weder über ein Imperium, noch über Liktoren. Ihre Wahl erfolgte in den Tributarkomitien. Ehe sie sich jedoch zur Wahl stellen konnten, mussten sie zehn Jahre Militärdienst geleistet haben und seit Sulla mindestens 30 Jahre alt sein (dafür hatten sie nach Bekleidung dieser Magistratur ein Anrecht auf einen Senatssitz).

Die Aufgabenbereiche der unterschiedlichen Quaestoren, die offensichtlich von Jahr zu Jahr anders gelagert sein konnten, wurden im Vorfeld durch den Senat bestimmt und am 5. December, an dem die neuen Quaestoren ihr Amt antraten, zugelost.

Der angesehenste Aufgabenbereich war dabei der der Quaestores urbani. Ihnen oblag die Verwaltung des Aerarium im Auftrag des Senates (wozu die Einziehung von Bußgeldern und Steuern, Konfiskationen und öffentliche Versteigerungen, aber auch die Besoldung der Legionen zählten), sowie die Verwaltung des Tabularium, in dem die staatlichen Verträge, leges, Unterlagen zum census und die senatus consulta aufbewahrt wurden. Weiterhin wurde jedem Statthalter ein (für die Provinz Sicilia sogar zwei) Quaestor pro praetore beigegeben, der die Provinzkasse führte, aber in seiner Provinz auch dieselben Rechtsprechungskompetenzen wie ein Aedil besaß. Zumindest zeitweise existierten wohl außerdem vier Quaestores classici für die Verwaltung der Flotte (diese wurden 267 v. Chr. erstmals erwähnt). 267 v. Chr. wurde einer der zuvor genannten Beamten als Quaestor Ostiensis nach Ostia versetzt und war fortan (bis das Amt unter Kaiser Claudius zugunsten eines ritterlichen procurator annonae abgeschafft wurde) für die Verwaltung des Hafens und die Organisation der damit verbundenen Getreideversorgung verantwortlich. Für den italischen Raum setzte man darüber hinaus gelegentlich Quaestores für die Wasserversorgung, Wegebau oder ähnliches ein. Seit der späten Republik sind schließlich auch Quaestores consulum (anfangs jeweils einer, seit 38 v. Chr. zwei pro Consul) belegt, wobei ihr Aufgabenbereich unklar ist. Vermutlich oblag ihnen die allgemeine Unterstützung der Consuln bei Senatssitzungen, sowie die Übergabe von Beschlüssen etc.

Wandel in der Kaiserzeit

Augustus änderte nicht nur die Zahl der Quaestorenstellen, sondern nahm noch weitere Änderungen vor: So wurde das Mindestalter für die Bekleidung der Quaestur auf 25 herabgesetzt und die Aufgabenzuteilung neben dem Losen stärker durch den Kaiser selbst, aber auch die Consuln beeinflusst. Als kollektive Aufgabe übertrug der erste princeps ihnen außerdem die Straßenpflasterung Roms, die praktisch in eine Geldabgabe jedes Amtsinhabers umgewandelt wurde. Claudius übertrug ihnen stattdessen die Finanzierung von Gladiatorenspielen, wobei sie hierfür (mit Ausnahme der kaiserlichen Kandidaten) durch die Staatskasse bezuschusst wurden. Unter Konstantin sollte dies schließlich zur Hauptaufgabe der Quaestoren werden.

Ein wichtiger Wandel stellte sich auch bei den quaestorischen Aufgabenbereichen ein: So schickte der Senat seit 27 v. Chr. keine Quaestores pro praetore mehr in die kaiserlichen Provinzen, womit die Zahl dieser Stellen auf 10-11 reduziert wurde. 44 n. Chr. wurden außerdem die italischen Quaestoren abgeschafft. Da die Verwaltung der Staatskasse an zwei praefecti aerarii abgegeben wurde, verloren die Quaestores urbani diese Aufgabe und konnten sich auf die Leitung der Archive konzentrieren. In diesem Zusammenhang bestimmte man seit Domitian einen von ihnen zum ab actis senatus, der die Senatsarchive leitete, den Kaiser über Senatsentscheidungen informierte und an der Ausarbeitung der senatus consulta mitarbeitete. Das Ansehen dieses Amtes wurde schließlich von zwei Quaestores Augusti (teilweise auch quaestores principis) übertroffen, die dem Kaiser als Hilfsmagistrate zugeteilt waren. Dementsprechend wurden diese Posten immer von candidati principis (Kandidaten des Kaisers) besetzt. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben war die Verlesung kaiserlicher Anträge und Mitteilungen im Senat - eine Aufgabe, die sie auch in Anwesenheit des Kaisers zu übernehmen hatten. Die Quaestores consulum wurden hingegen ohne Veränderungen beibehalten.

Quaestoren außerhalb Roms

Nach dem Vorbild der römischen Quaestoren wurde in vielen Städten (vor allem in municipia und coloniae) ein gleichnamiges Amt eingeführt, dem die Führung der Stadtkasse oblag. Obwohl auch sie meist den Oberbeamten unterstellt waren, genoss dieses Amt häufig einen höheren Stellenwert und wurde teilweise erst nach Erreichung des Duumvirats bekleidet.


Quellen:
ImperiumRomanum.com, Art. Quaestor.
Ostia-Antica.org, Art. Introduction: 2.3 The late republican period: 267 BC - Octavianus & 3.1 Augustus - Domitianus

Literatur:
Kierdorf, Wilhelm: Art. Quaestor, in: DNP.
Jacques, Francois/Scheid, John: Rom und das Reich in der Hohen Kaiserzeit. 44 v. Chr.-260 n. Chr. Bd. 1: Die Struktur des Reiches, aus dem Französischen übers. v. Peter Riedlberger, Stuttgart u. Leipzig 1998.

Persönliche Werkzeuge