Legio XI Claudia Pia Fidelis

Aus Theoria Romana

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Die Legio XI Claudia Pia Fidelis ist eine der ältesten und am längsten aktiven Legionen der römischen Geschichte. Obwohl nicht klar ist wann sie ausgehoben wurde, ist sie sicher von 30 v.Chr. bis ins 5. Jahrhundert n.Chr. an verschiedenen Standorten und mit nur zwei verschiedenen Namen nachweisbar. Ihre Embleme waren vorallem Neptun, dann aber auch die Wölfin mit den beiden Jungen Romulus und Remus.

Die wohl plausibelste Möglichkeit der Gründung ist, dass sie aus der 11. Legion von Caius Iulius Caesar hervorging. Diese Legion wurde 58 v.Chr. für den Helvetierfeldzug ausgehoben. Caesar selbst nennt die Legion in seinem Bericht über die Schlacht gegen die Nervier (57 v.Chr. / C.I.Caesar, Bellum Gallicum, Buch 2, Kapitel 16-28). Danach wurde sie im Jahre 45 v.Chr., nach der Entlassung vieler Veteranen, mit der Legio XII zusammengelegt. Für diese Verbindung der späteren Legio XI CPF zur caesarianischen Legio XI gibt es allerding keine historischen Beweise.

Da diese Verbindung jedoch heute allgemein in der Forschung angenommen wird, nenne ich hier kurz die wichtigsten Ereignisse der Geschichte, an welchen die Legio XI unmittelbar beteiligt war. Vermutlich war sie aktiv an den Belagerungen von Bourges und Alesia beteiligt. Fest steht jedoch, dass sie zusammen mit Caesar den Rubicon überschritt und damit bei der Invasion Italiens eine wichtige Rolle spielte. Danach war sie längere Zeit in Apulien stationiert. Im Herbst 48 v.Chr. kämpfte sie erwiesenermassen in der Schlacht um Dyrrhachium und nahm in der Schlacht bei Pharsalus teil (C.I.Caesar, Bellum Civile, Kapitel 3.88-99 oder auch Cassius Dio, Römische Geschichte, 41.52-63).

Nach der vermutlichen Zusammenlegung mit der Legio XII durch die Entlassung der Veteranen, wurde die Legio XI im Jahre 42 v.Chr. durch Octavian wieder in den Dienst berufen. Sie kämpfte auf der Seite Octavians gegen das 2. Triumvirat in der Schlacht bei Philippi (Appian, Bürgerkriege, 4.105-138) und unterdrückte die folgende Rebellion in Perugia. Dies wird durch gefundene Schleudergeschosse mit der Inschrift "L XI" bewiesen. Es ist sehr wohl möglich, dass schon zu dieser Zeit die Legio XI einen Übernamen erhalten hatte, doch ist dieser nicht bekannt. Erst im Jahre 31 v.Chr., nach der Schlacht bei Actium, taucht erstmals ein solcher auf. Von diesem Moment an heisst sie LEGIO XI ACTIACA.

Nun wurde die Legion im Balkan stationiert, wo sie längere Zeit blieb, ohne dass genau bekannt wäre, wo genau. Erst nach der Katastrophe im Teutoburger Wald und der darauf folgenden Neuverteilung der Truppen im ganzen Imperium weiss man, dass die Legio XI Actiaca in Burnum (heute Kistanje) beheimatet war. Einzelne Arbeitstrupps waren an ganz verschiedenen Orten tätig, so unter Anderem in Salonae (heute Split), der Provinzhauptstadt. Eine Abteilung war sicher auch in Gardun stationiert. Die Hauptaufgaben der Legio XI Actiaca waren zu dieser Zeit die wirtschaftliche Erschliessung der Provinz.

Im Jahre 42 n.Chr. initiierte in Dalmatien der Statthalter, L. Arruntius Camillus Scribonianus, als Reaktion auf die vielen Ermordungen unter Kaiser Claudius einen Aufstand. Dieser wurde von der Legio XI und der Legio VII innerhalb von 5 Tagen niedergeschlagen. Im Zuge dieses Einsatzes und ihrer dabei gezeigten Treue zum Kaiser erhielt die Legio XI ihren neuen Ehrennamen, CLAUDIA PIA FIDELIS.

Im Vierkaiserjahr, nach dem Tode von Nero und seinem ersten Nachfolger Galba (69 n.Chr.), stellte sich die Legio XI CPF auf die Seite von Otho. Sie schickte eine grosse Abteilung los, um ihm militärisch in der Schlacht von Cremona zu helfen, kam aber zu spät. Vitellius, der Sieger, bestrafte die Legion nicht, sondern schickte sie lediglich zurück ins Castellum nach Dalmatien. Nun stellte sich die Legio XI CPF auf die Seite von Vespasian und gehörte schon bald, im Oktober bei der zweiten Schlacht von Cremona, zu den Siegern.

Im Jahre 70 n.Chr. gehörte die Legio XI CPF zu den Siegreichen Truppen des Quintus Petillius Cerialis, dem Schwiegersohn des Kaisers Vespasian, welcher den Aufstand der Bataver, Treverer und Sequaner zu Beginn des Jahres niederwarf (Tacitus, Historiae 4.68). Der Anführer dieses Aufstandes war Gaius Iulius Civilis. Die Folge dieses Einsatzes war ihre Verlegung nach Vindonissa (heute Windisch) an Stelle der Legio XXI Rapax. Bis heute ist der Grund dafür ungeklärt. Man spekuliert über Übergriffe der Legio XXI Rapax auf die Zivilbevölkerung und manchmal sogar über Überlaufsversuche der Legio XXI. Dafür gibt es aber keine Beweise.

In Vindonissa beginnt wohl die bestbelegte Periode der Legio XI CPF. Hunderte und Tausende von Funden belegen ihre Anwesenheit und ihre Arbeit beim Aufbau von Städten, Strassen und dem Ausbau der Alpenpässe. Am wichtigsten für unser Wissen sind wohl die Abertausenden von Schreibtafeln mit Brieffragmenten aus dem Alltag der Soldaten. Diese Funde belegen auch, dass auch hier die Legio XI CPF nicht nur in Vindonissa stationiert war, sondern sich ihre Abteilungen je nach Einsatz und Einsatzgebiet auch in Mainz, Rupperswil und Baden-Baden aufhielten. In dieser Zeit hielten sie ebenfalls die Rheingrenze aufrecht in den Chattenkriegen unter Domitian. Vorallem aus dieser Kampagne gibt es Hinweise auf einen längeren Aufenthalt der Legio XI CPF in Mogontiacum (heute Mainz).

30 Jahre nach ihrer Ankunft in Vindonissa wurde die Legio XI CPF im Jahre 100/101 n.Chr. ins pannonische Brigetio (heute Szöny) versetzt. Dort gibt es Spuren von Arbeitstrupps auch in Aquincum (heute Budapest). Nur wenig später zog die Legio XI CPF mit Trajan in den Dakerkrieg. Dort waren vorallem Oescus und Durostorum (heute Silistra) ihre Einsatzorte. Letztgenannte Ortschaft wurde 5 Jahre später, 106/107 n.Chr., zum neuen Hauptstandlager für beinahe 40 Jahre.

In dieser Zeit und auch danach wird die Legio XI CPF wohl auch auf der Krim eingesetzt worden sein, um das bosporanische Reich zu unterstützen. In dieser Aufgabe wechselten sich nämlich die moesischen Legionen ab, was durch zahlreiche Inschriften und Funde der Legionen XI CPF, Legio I Italica und Legio V Macedonica belegt ist. Ausserdem wurde in dieser Zeit ein Castellum in Draschna (in den Karpaten) erbaut und die Legio übernahm bürokratische Aufgaben in Tomis, der Provinzhauptstadt.

Auch unter Hadrian wurde weiter auf die Legio XI CPF gezählt. So wurde eine Abteilung nach Iudäa entsandt, um den Aufstand des Simon ben Kosiba zu unterwerfen (132-136). Dieser Mann war der Einzige ausser Jesus, welcher von gewissen Juden als Messias genannt wurde. Auch der Schriftsteller Flavius Iosephus nennt ihn so. Umso wichtiger war der sofortige und bedingungslose Einsatz der Legio XI CPF.

Als im April 193 n.Chr. Septimius Severus zum Kaiser ausgerufen wurde, war die Legio XI eine der ersten Einheiten, welche sich auf dessen Seite stellte. Weil sie wegen der grossen Entfernung nicht mit ihm nach Rom marschieren konnte und so in Durostorum blieb, spielte sie in der folgenden Auseinandersetzung mit dem Rivalen Pescennius Niger eine umso grössere Rolle. Sie belagerte zusammen mit der Legio I Italica Byzantium und kämpften für ihren Kaiser bei Issus. Es ist daher auch sehr wahrscheinlich, dass sie später mit dem Kaiser auf dem Partherfeldzug dabei war und die Einnahme von Ctesiphon (198 n.Chr.) miterlebten.

In den folgenden Jahren hört man wenig von der Legio XI CPF, doch ist erwiesen, dass sie weiterhin ihren Dienst erfüllte. Erst im Konflikt zwischen dem Kaiser Gallienus und seinem Rivalen Postumus des gallischen Imperium tritt die Legio XI CPF ein letztes Mal in den Vordergrund. Sie unterstützt in diesen Kämpfen (260 - 268 n.Chr.) den Kaiser Gallienus so treu und pflichtbewusst, dass dieser ihr gleich zweimal offiziell den Übernamen pia fidelis verleiht. Es ist überliefert, dass dies zum fünften und sechsten Male gewesen sei. Welche Kaiser ihr diese Ehre zum zweiten, dritten und vierten Male zukommen liessen ist leider nicht überliefert.

Weitere kriegerische Aktivitäten sind für die Jahre 295 in Ägypten, und für 298 in Mauretanien nachgewiesen. Im Jahr 302 n.Chr. wird die grausame Folterung und Tötung eines Legionärs mit Namen Iulius überliefert. Dieser Soldat der Legio XI CPF soll Christ gewesen sein und musste daher sein Leben lassen, so wird von ihm und einem andern Mann, Hesychius, berichtet. Sollte dies zutreffen, gibt es Aufschluss über die Gesinnung der Legion. Bis zuletzt wäre sie somit ihren alten Idealen treu geblieben.

Noch im frühen 5. Jahrhundert war die Legio XI CPF in Durosorum ansässig. Wie sie von dort verschwand, oder was mit ihr geschah ist nicht überliefert. Ihre Spuren verlieren sich in den Wirren der Völkerwanderung und des Bürgerkrieges.

Historische Funde

Die Menge an Funden, welche auf die Legio XI CPF hinweisen ist riesig. Alleine während der Zeit in Vindonissa geht diese von Münzen über Ausrüstungsgegenstände bis zu hunderten von Ziegeln mit dem Stempel der Legio. Dies zeugt auch von der immensen Arbeit der Legion für die Umgebung, wurden doch diese Ziegel zum Decken von Häusern überall in der Region und auch bei zivilen Gebäuden benutzt. Einzigartig ist auch die Menge an römischen Wachstafeln, welche in Vindonissa gefunden wurden. Diese, und die auf ihnen entzifferten Briefe, geben uns einen einzigartigen Aufschluss über den Alltag der Legionäre.

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