Hochzeit

Aus Theoria Romana

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Dieser Artikel behandelt die rituellen Handlungen im Zusammenhang mit der Eheschließung. In diesem Zusammenhang werden die rechtlichen Aspekte des hier vollzogenen Schrittes ausgeblendet.


Inhaltsverzeichnis

Allgemeines zur Bedeutung

Die Hochzeitsrituale und -zeremonien erfüllten verschiedene Zwecke und Ziele in Bezug auf die daraus hervorgehende Ehe. Im Vordergrund standen dabei natürlich die Kultur und die Religion. So sollte der neue Bund von Mann und Frau durch Opfer besiegelt und bekräftigt werden. Das Paar wurde kultisch gereinigt, gestärkt und seine Fruchtbarkeit gesteigert. Besonders die Braut stand im Mittelpunkt dieser Bemühungen und erfuhr Schutz vor Unheil auf ihrem Weg zum Haus des Bräutigams, wo sie offiziell in ihren neuen Status als Ehefrau und Mutter eingeführt wurde. Dadurch wurde dieser Übergang aus dem Elternhaus in den neuen Haushalt erleichtert und betont.

Planung der Hochzeit

Bevor eine Hochzeit stattfinden konnte, waren einige vorbereitende Schritte notwendig. Zum einen wurde meist vorab die Verlobung begannt gegeben. Zum anderen galt besondere Aufmerksamkeit der Auswahl des genauen Datums für die Hochzeit.

Verlobung

Eine Verlobung war für eine nachfolgende Hochzeit nicht zwingend notwendig, fand jedoch meistens statt. Aus ihr ergab sich eine gesellschaftliche und moralische Verpflichtung, die versprochene Ehe auch tatsächlich zu schließen. Die beiden Verlobten, vor allem die Frau, sollten sich von nun an bis zur erfolgten Eheschließung von gesellschaftlich bedenklichem Umgang besonders fernhalten.

Bei der Verlobung überreichte der Bräutigam der Braut ein Handgeld (arra) oder einen Verlobungsring. Diesen Ring trug sie am vierten Finger ihrer linken Hand. Man ging davon aus, dass von diesem Finger ein direkter Nerv zum Herzen, dem Zentrum der seelischen Empfindung, führe. Der Ring bestand meistens aus Metall. Er konnte aber auch aus Glas oder geflochtenem Haar und von unterschiedlicher Qualität sein. Blei war als Material ausgeschlossen, da dies als minderwertig, mit der Unterwelt verhaftet und somit unglücksbringend galt. Zusätzlich wurden Glückszeichen, Namensmonogramme, Gemmen oder auch Perlen eingearbeitet. Das Handgeld, bei welchem es sich auch um kostbare Geschenke handeln konnte, durfte bei Auflösung der Verlobung wieder zurückverlangt werden.

Auswahl des Termins

Beim Datum der Hochzeit wurde eine sorgfältige Auswahl getroffen. Es gab viele ungünstige Tage, durch welche eine an diesem Termin geschlossene Ehe unter schlechtem Vorzeichen gestanden hätte. Auch Festtage kamen für die Eheschließung nicht in Frage. Man war also auf der Suche nach einem Glück verheißenden Tag, um die Dauerhaftigkeit der Ehe durch göttliche Zustimmung noch zu begünstigen. Um diesen Tag zu finden, wurden die Auguren befragt. Sie führten astrologische Berechnungen durch, beobachteten Opferzeichen und schlugen daraufhin einen Termin vor.

Zusätzlich gab es einige Tage, die generell mit einem negativen Vorzeichen belastet waren. So galt der März als gänzlich ungeeignet, da dies der Monat des Mars und damit des Krieges war. Im Mai fanden die meisten Erd- bzw. Unterweltfeste statt, so dass auch hier viele Tage (1., 9., 11., 13., 14., 21., 23., 24., 25.) nicht in Frage kamen. Ebenso waren der 7. bis 15. Juni als dies religiosi ausgeschlossen, da an diesen Tagen der Vestatempel gereinigt und neu geweiht wurde. Am 24. August, 5. Oktober und 8. November stand die Unterwelt offen (mundus patet), so dass hier die Seelen Verstorbener durch Opfer besänftigt werden mussten. Weiterhin waren sämtliche dies religiosi und die dies endotercisi im Kalender ausgeschlossen. Die Morgen- und Abendstunden galten in diesen Fällen als nefas, an denen keine rechtsrelevanten Handlungen durchgeführt werden durften.

Ablauf der Hochzeitsfeier

Die Hochzeitsriten erstreckten sich über mehrere Tage. Sie begannen im Haus der Braut, wo diese sich vom elterlichen Herd trennte. Anschließend beging man den Weg zum Haus des Bräutigams, in welchem sie unter den Schutz der neuen Hausgötter gestellt wurde.

Vorbereitung der Braut am Vorabend

Für die Braut begannen die rituellen Zeremonien der Hochzeit bereits am Abend vor dem eigentlichen Hochzeitstag. Zu diesem Zeitpunkt begann für sie der Abschied von ihrer Kindheit und der Übergang in die Welt der Erwachsenen. Aus diesem Grund legte sie ihre Kleidung der Kindheit ab und weihte sie in einem Opfer mitsamt ihren Spielsachen den Göttern.

Anschließend wurden die Braut für den kommenden Tag hergerichtet. Sie erhielt eine lange, weiße, stolaartige Tunika, die tunica recta (regilla). Der Name dieses Kleidungsstück rührt vermutlich daher, dass die Kettfäden vertikal verliefen. Der Stoff des Kleides sollte im Haus der Braut, möglichst von ihr selbst, gewoben sein. Gehalten wurde die Tunika durch einen Wollgürtel. Dieser wurde durch die Brautmutter mit dem nodus Herculis gebunden und sollte stärkende und auch schützende Wirkung gegen äußere schädliche Einflüsse haben. Die Göttin Iuno Cinxia ("gürtende Iuno") trat hier als Schützerin auf und in ihrer Vertretung wurde der Knoten durch die Brautmutter geknüpft.

Anschließend wurde das Haar der Braut auf besondere Weise zurechtgemacht, wobei man die kraftspendende hasta caelibaris verwendete. Dabei handelt es sich um eine Lanze, welche bereits im Krieg verwendet und durch die schon ein Feind getötet worden war. Die Spitze der Lanze wurde nach unten umgebogen und dazu verwendet das Haar in sechs Strähnen zu teilen. Die einzelnen Strähnen wurden mit wollenen Bändern (vittae) umwickelt, welche Kraft bringen und reinigen sollten. Anschließend wurden die umwickelten Strähnen kunstvoll zu einem tutulus hochgesteckt. Dies ist eine Hochfrisur, welche den Nacken frei lässt und auch von den Vestalinnen getragen wurde.

Ein Kranz aus Blumen schmückte den Kopf der Braut und den Abschluss bildete ein roter Brautschleier (flammeum), mit welchem ihr Haupt verhüllt wurde. Er galt als Sinnbild der Vitalität der jungen Frau.

Die Braut bleibt auf diese Weise zurechtgemacht während der Nacht und dem kommenden Hochzeitstag.

Eheschließung

Die weitere Zeremonie begann am frühen Morgen des Hochzeitstages im Haus der Braut. Man führte Auspizien oder Eingeweideschau durch, um ein günstiges Vorzeichen für die Ehe zu ermitteln. War dies geglückt, so wurde den Göttern geopfert. Es gingen Gebete an Iuno, Tellus, Ceres und eventuell auch Pilumnus und Picumnus.
Eine in erster Ehe verheiratete Frau übernahm die Rolle der Brautführerin (pronuba). Sie legte nach erfolgtem Opfer die Hände der Brautleute ineinander (dextrarum iunctio) und überwachte die gegenseitige Erklärung der Einigkeit (consensus).
Damit war die Ehe geschlossen und die Zeugen der Trauung brachten ihre Glückwünsche (feliciter) zum Ausdruck. Im Anschluss begann ein großes Festmahl (cena), das vom Brautvater ausgerichtet wurde.

Confarreatio

Eine besondere Form der Eheschließung, die confarreatio, war den Patriziern vorbehalten. Bei dieser Zeremonie war die Anwesenheit des Flamen Dialis notwendig. Die folgenden Handlungen erfolgten im Falle der confarreatio zusätzlich nach dem consensus und vor der cena. Die Brautleute setzten sich auf zwei Stühle, welche durch das Fell eines geopferten Schafes miteinander verbunden waren. Dadurch sollte zum einen der Kontakt zwischen Mann und Frau hergestellt werden und zum anderen die Eigenschaft des Fells als Kraftträger positive Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit des Paares haben. Braut und Bräutigam teilten sich den eigens für diesen Anlass gebackenen Speltkuchen (farreum libum). Dieser Vorgang soll die Gemeinschaft zwischen den beiden schaffen und Übel abwehren. Anschließend führt der Flamen Dialis ein unblutiges Opfer aus Früchten und Speltbrot (panis farreus) an Iuppiter durch. Während des Gebets umschritt das Brautpaar den Altar rechtsherum.

Brautzug

Beim Einbruch der Nacht war das Festmahl zuende und der Brautzug fand statt. Dieser begann mit der deductio der Braut. Dabei wird sie durch den Bräutigam in einer Art Scheinraub der Mutter entrissen und zu seinem Haus geleitet. Falls es keine Mutter mehr gab, wurde deren Rolle von der nächsten weiblichen Verwandten der Braut übernommen. Das Paar wurde auf seinem Weg von den Gästen der Feier begleitet. Flötenspieler (tibicines) flankierten den Bräutigam. Drei Knaben, deren Eltern noch leben, geleiteten die Braut. Durch ihre Vitalität sollten sie diese auf ihrem Weg beschützen und mit einer unpersönlichen, höheren Kraft erfüllen. Es wurden Fackeln aus Weißdornholz entzündet und als glücksbringend und zum Schutz gegen bösen Zauber dem Paar vorangetragen. Es wurden derbe Scherzgesänge (fescennina iocatio), Verse und Lärm gemacht, sowie Nüsse ausgestreut um Unheil abzuwenden und Fruchtbarkeit zu bringen. Rocken und Spindel wurden als Zeichen hausfraulicher Tätigkeit hinter der Braut her getragen. In seiner Bedeutung und dem Ursprung schon den Römern unverständlich erklang immer wieder der Ruf talasse oder talassio.

Beispiel für einen Spottvers

"Ite, agite, o pueri, pariter sudate medullis
omnibus inter vos, non mumura vestra columbae,
brachia non hederae, non vincant oscula conchae."
- Kaiser Gallienus, 253-268 n. Chr. (Gallienus 11, 7 f.)

(Übersetzung: "Eilet, Kinderchen, eilet in gegenseitiger Wollust, kämpfet den heißen Kampf. Nicht stehet nach girrenden Tauben, nicht an Umschlingung dem Efeu, nicht an Küssen den Schnecken." )

Ankunft im neuen Heim

Am Haus des Bräutigams angekommen entbrannte bei den Hochzeitsgästen der Kampf um die Hochzeitsfackeln. Diese waren der Göttin Ceres heilig und sollten Glück bringen. Dann salbte die Braut den Türpfosten mit Öl und umwickelte ihn mit Wolle. Um ein mögliches unglückverheißendes Stolpern zu verhindern wurde sie anschließend über die Schwelle getragen. Im Haus empfing sie der Bräutigam daraufhin mit Wasser und Feuer, den wesentlichen Bestandteilen des Haushaltes, auf dass sie zur Teilnahme am häuslichen Kult berechtigt sei. Mit sich führte die Braut drei Asse. Das erste dieser Geldstücke gab sie dem Bräutigam in die Hand, das zweite legte sie in den Herd, als Inbegriff der Häuslichkeit. Das dritte As legte sie an der nächstgelegenen Wegkreuzung (compitum) für die dortigen Laren nieder. Anschließend setzte man die Braut auf ein hölzernes fascinum (Phallos), welches als personifizierter Mutinus Titinus betrachtet wurde. Dann wurde das junge Paar zum Brautbett (lectus genialis) geleitet, welches von der Brautführerin (pronuba) im Ehegemach oder im Atrium bereitet worden war. Man ließ die beiden allein, auf dass die Braut ihren Schleier ablegte und der Bräutigam ihren kunstvoll geknoteten Gürtel löste. Vor der geschlossenen Tür gingen möglicherweise noch die Gesänge der Gäste weiter.

Abschluss am nächsten Tag

Am Tag nach der Hochzeit empfing das Brautpaar erneut Besuch von Verwandten und Freunden. Es wurde beschenkt und man brachte wieder ein Opfer dar. Ein weiteres Festmahl (repotia) bildete den Abschluss der Feierlichkeiten. Dabei nahm die neue Hausherrin (domina) zum ersten Mal ihre neuen Pflichten als Gastgeberin wahr.



Literatur:

Mareile Haase, Renate Oswald: "Hochzeitsbräuche und -ritual", "Der neue Pauly. Enzyklopädie der Antike", Bd. 5 (Gru-Iug), Stuttgart/Weimar 1998, S. 649-656.
Ingemar König: Vita Romana - Vom täglichen Leben im alten Rom, Darmstadt 2004, S. 33-40.

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