Marcus Tullius Cicero

Aus Theoria Romana

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Marcus Tullius Cicero (* 3. Januar 106 v. Chr. in Arpinum (heute Arpino) zwischen Rom und Neapel; † (ermordet) 7. Dezember 43 v. Chr. bei Formiae (heute Formia)), war ein römischer Politiker, Anwalt und Philosoph, sprichwörtlich der berühmteste Redner Roms und Consul im Jahr 63 v. Chr.


Herkunft und Ausbildung

Ciceros Vater war römischer Ritter und gehörte damit der zweithöchsten Gesellschaftsschicht an, für die es zu diesem Zeitpunkt jedoch wenig Möglichkeiten zur politischen Betätigung gab. Durch Bekanntschaften waren jedoch Beziehungen zu Angehörigen der Senatsaristokratie vorhanden, welche Cicero zu einer guten Ausbildung in Rom verhalfen. Sein Vorbild war der zu dieser Zeit berühmte Redner Lucius Licinius Crassus.

Cicero studierte Recht, Rhetorik, Literatur und Philosophie in Rom. Nach seinem Militärdienst setzte er seine Studien in Griechenland und Kleinasien fort. Er hörte Philon von Larissa und Antiochos von Askalon, die Philosophen der Neueren Akademie waren. Er kehrte 77 v. Chr. nach Rom zurück und begann seine Karriere als Politiker und Rechtsanwalt.

Ciceros Frau hieß Terentia (1). Aus der Ehe gingen die von ihm sehr geliebte Tochter Tullia (* 77; † Februar 45 v. Chr.) und der Sohn Marcus (* 65 v. Chr.) hervor.

Nach mehr als 30 Jahren Ehe leitete Cicero aus letztlich nicht geklärten Gründen die Scheidung ein. Wenig später heiratete er als 60-Jähriger die noch nicht 20-jährige Publilia. Nach dem Tode seiner Tochter wurde jedoch auch diese Ehe bald wieder geschieden.

Politische Laufbahn

Alle Ämter des Cursus Honorum erreichte er in dem dafür vorgeschriebenen Mindestalter (suo anno). So war er im Jahre 75 v. Chr. Quaestor in Sizilien, wo er sich durch die Redlichkeit seiner Amtsführung den bleibenden Respekt der Sizilianer erwarb.

69 v. Chr. wurde er zum Aedil gewählt. In dieser Funktion veranstaltete er die obligatorischen Spiele, zugleich eine wichtige Maßnahme, um sein weiteres politisches Fortkommen zu sichern. Ansonsten tat Cicero sich jedoch im Amt des Aedils nicht besonders hervor, sondern führte in jenen Jahren vor allem seine Geschäfte als Anwalt weiter, die ihn zum Verteidiger in zahlreichen wichtigen Strafprozessen machten.

Praetor wurde Cicero im Jahr 66 v. Chr. Das Los wies ihm unter den Prätoren das Amt des Vorsitzenden des Gerichtshofs für Erpressungen zu, einer Materie, mit der er sich schon als Advokat nachdrücklich befasst hatte.

Im Jahre 63 v. Chr. bekleidete er das Amt des Consuls, was für ihn als Aufsteiger (homo novus) aus dem Ritterstand (ordo equester) eine besondere Auszeichnung bedeutete. Während seines Konsulats kam es zu der Verschwörung Catilinas, die jedoch verraten und unter Mitwirkung Ciceros im Ansatz erstickt wurde. Bei der Senatsberatung war es zwar Cato, der für die Todesstrafe plädierte, aber später blieb die Verantwortung für die Hinrichtung der Catilinarier an Cicero hängen, da der Senat zuvor in einem Notstandsbeschluss die Consuln mit Maßnahmen zur Rettung des Staats beauftragt hatte. Ciceros Leistung bei der Niederschlagung des Putschversuchs darf allerdings auch nicht überschätzt werden: Die Hauptquellen stammen von ihm selbst, und da er als homo novus keine Vorfahren hatte, auf die er stolz verweisen konnte, neigte er dazu, seinen Beitrag in manchmal schwer erträglicher Eitelkeit herauszu streichen. Theodor Mommsen spricht daher von Ciceros „Talent offene Türen einzurennen“.

Ab dem Jahr 60 v. Chr. begann Ciceros politischer Einfluss zu sinken und seine Gegner erwirkten 58 v. Chr. seine Verbannung aus Rom, aus der er 57 v. Chr. zurückkehrte, ohne jedoch jemals die frühere politische Macht wiederzuerlangen. Daran änderte nichts, dass er als ehemaliger Consul weiterhin zur höchsten Rangklasse der Senatoren gehörte. Ab dieser Zeit wurde er stärker schriftstellerisch tätig, namentlich mit seinen politischen und philosophischen Schriften.

Cicero war ein politischer Gegner Caesars. Nachdem Cicero, 51 v. Chr. Statthalter in Kilikien, 50 v. Chr. nach Rom zurückkehrte, fand er sich im Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompeius wieder. Er schloss sich letzterem an, wurde nach dessen endgültiger Vernichtung 48 v. Chr. jedoch von Caesar 47 v. Chr. begnadigt.

Cicero hatte seinen bemerkenswerten Aufstieg nicht nur seinem großen Rednertalent zu verdanken, sondern auch seinem Ehrgeiz und der oft als Opportunismus angesehenen Anpassung an die politischen Verhältnisse. Während er zu Beginn seiner Laufbahn noch als zwar vorsichtiger, aber umso erfolgreicherer Gegner Sullas und der Optimaten auftrat, schwenkte er spätestens mit der Prätur um: Seitdem vertrat er die Position der Senatspartei, eine Haltung, die er bis zu Caesars Diktatur beibehielt. Ciceros politische Haltung wurde in der Forschung daher oft negativ beurteilt, so etwa im 19. Jahrhundert vom Althistoriker Theodor Mommsen:

"Marcus Cicero, notorisch ein politischer Achselträger, gewohnt bald mit den Demokraten, bald mit Pompeius, bald aus etwas weiterer Ferne mit der Aristokratie zu liebäugeln und jedem einflußreichen Beklagten ohne Unterschied der Person oder Partei - auch Catilina zählte er unter seinen Klienten - Advokatendienste zu leisten, eigentlich von keiner Partei oder, was ziemlich dasselbe ist, von der Partei der materiellen Interessen. "

Proskription und Tod

Im Jahre 43 v. Chr., ein Jahr nach Caesars Ermordung, fiel Cicero während des zweiten Triumvirates den Proskriptionen zum Opfer und wurde, da er sich stark für den Fortbestand der Republik eingesetzt und in seinen 14 Philippischen Reden (Philippicae orationes I–XIV) sehr persönlich gegen Marcus Antonius agitiert hatte, auf dessen Geheiß bestialisch ermordet: Er wurde verstümmelt durch die Straßen Roms geschleift, sein Kopf und seine Hände wurden auf der Rostra am Forum Romanum ausgestellt. Sein Bruder Quintus Tullius Cicero fiel den gleichen Proskriptionen zum Opfer.


Literatur: Wiki

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