Castra Vigilum

Aus Theoria Romana

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Als Castra Vigilum bezeichnete man die Kasernen der Vigiles in Rom, aber auch in Ostia, wo ein solcher Gebäudekomplex erhalten ist. Anhand von diesem lässt sich rekonstruieren, wie die Unterkünfte der Sicherheitseinheit in der Hafenstadt und möglicherweise auch die sieben Standorte der stadtrömischen Kohorten aussahen.

Das Castrum Vigilum in Ostia

Das castrum in Ostia weist zwei Bauphasen auf: Eine erste aus domitianischer und einen kompletten Neubau aus hadrianischer Zeit. Hatte ersterer fünf Centurien, also insgesamt 320 Mann aufzunehmen - wobei möglicherweise die Hälfte separat in Portus untergebracht war, wurde die Vigiles-Besatzung 205 n.Chr. auf 640 Mann verdoppelt (allerdings ebenfalls für Ostia und Portus gemeinsam, sodass nun wohl etwa 320 in Ostia lebten).

Die Anlage war ein rechteckiges Gebäude von ca. 40 x 80 m, an dessen kurzer Ostseite der Haupteingang mit einem kleinen Vestibulum lag. Dahinter erstreckte sich ein ziegelgepflasterter Innenhof (21 x 40 m), der von einem Porticus mit ziegelgemauerten Säulen umgeben war. An der Ostseite des Hofes befanden sich zwei große Becken, die evtl. für Pumpen-Übungen verwendet wurden.

Gegenüber des Haupteinganges lag ein großer Kultbezirk für den Kaiserkult (augusteum), der repräsentativ gestaltet war. Zentral lag hier eine rechteckige Cella (11,68 x 6,6 m) mit einem davor liegenden Pronaos aus severischer Zeit, der mit Marmorsäulen dekoriert war. Der Boden beider Räumlichkeiten war mit schwarz-weißen Mosaiken ausgekleidet, die im Vorraum drei Phasen eines Stieropfers abbildeten. In der Cella selbst standen in der Mitte ein gemauerter Altar, an der Westmauer zwei weitere Altäre aus Marmor auf einem Podium. Auf diesem befanden sich außerdem drei vermutlich silberne Statuen des Marc Aurel, Septimius Severus und des Lucius Verus, eine weitere von Lucius Aelius Verus Caesar, dem Adoptivsohn Hadrians, war an der rechten Mauer zu finden. Die Wände des Kultraumes waren im unteren Bereich mit Marmor ausgekleidet. Vor dem Pronaos standen weitere Kaiserstatuen, nämlich Septimius Severus, Geta, Caracalla und Iulia Domna, unter deren Herrschaft das castrum offensichtlich zuletzt renoviert wurde, auf der linken Seite erneut Caracalla mit Gordian III. und seiner Frau Furia Sabinia Tranquillina.

Neben dem Haupteingang existierten zwei weitere, breite Pforten an der Nord- und Südseite. Am Ende der östlichen Portikus-Seite führten zwei Treppen in das Obergeschoss, das ebenfalls von den Vigiles bewohnt wurde. Zwei weitere lagen eher im westlichen Bereich des Baus.

An der Westfassade befanden sich vermutlich ursprünglich Ladenlokale, die aber im Zuge der hadrianischen Erweiterung in die Kaserne einbezogen wurden. Dazu vermauerte man die großen Öffnungen zur Straße hin und brach dafür Türen zu einem bestehenden breiten Korridor durch, in dem sich auch ein kleiner Brunnen fand und an dessen Ende eine Latrine mit einem Fortuna-Altar lag. In diesem Bereich wurden vermutlich die Offiziere untergebracht.

Weitere bemerkenswerte Räume sind die Räume direkt neben dem Haupteingang, von denen der rechte nicht nur mit Mosaikboden, sondern auch Wandbemalungen und Weiheinschriften für verschiedene Kaiser ausgestattet war, und der linke offensichtlich eine Kultnische (aedicula) beherbergte. Wägen waren offensichtlich in einem größeren Raum rechts des augusteum untergebracht, worauf Wagenspuren hindeuten.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass sich die Kaserne lediglich durch den auffallend großen Innenhof, den Kultbezirk und die Orientierung aller Räume auf den Hof hin von anderen Häusern in Ostia unterschied (so besitzt bereits das Nachbarhaus einen sehr ähnlichen Grundriss).

Die Vigiles-Kasernen in Rom

Für Rom selbst ist davon auszugehen, dass die Vigiles ursprünglich nicht kaserniert waren, sondern lediglich ihre Ausrüstung in sogenannten excubatoria (Gerätehäusern) aufbewahrten, von denen jeweils eines in einer Regio zu finden war. Erhalten ist hier ein Exemplar in Trastevere, das offenbar auch einen kleinen Schrein für den Kaiserkult beherbergte.

Später existierten jedoch auch Kasernen für die Feuerwehreinheiten, von denen allerdings keine erhalten ist. Allerdings lässt sich annehmen, dass diese ähnlich aufgebaut waren wie das ostiensische Exemplar. Dabei ist zu berücksichtigen, dass in Rom nicht nur 320, sondern jeweils eine ganze Cohors, also 560, seit 205 sogar 1120 Mann in jedem castrum stationiert waren. Dementsprechend dürften die Anlagen um das 1,7-3,5fache größer gewesen sein. Ebenfalls gibt es Quellen, die besagen, dass zumindest das castrum der I. Kohorte besonders repräsentativ mit Marmor, Säulen, Bögen und Statuen geschmückt war.

Da jede Kohorte für zwei der augusteischen Regionen verantwortlich war, ist davon auszugehen, dass die Stationen über das gesamte Stadtgebiet verteilt lagen. Bekannt sind allerdings nur der Cohors II auf dem Esquilin und der Cohors V auf dem Caelius.


Quelle: Ostia Antica: Caserma dei Vigili

Literatur: J.S. Rainbird: The Fire Stations of Imperial Rome, in: Papers of the British School at Rome 54 (1986), S. 147-169.

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