Ala II Flavia Miliaria

Aus Theoria Romana

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Die ALA SECUNDA FLAVIA MILIARIA PIA FIDELIS, also das "zweite flavische, tausend Mann starke, Kavallerieregiment mit den ehrenden Beinamen loyal und treu", abgekürzt ALA II Fl.M.p.f. war eine der überaus seltenen Doppelalen und die einzige die es am ganzen obergermanisch-rätischen Limes gab. Bis zur Verlegung der Legio II Italica nach Castra Regina (Regensburg), während der Markomannenkriege Marc Aurels, war sie die ranghöchste Einheit in der Provinz Raetien und ihr Kommandant scheint der Stellvertreter des, in Augusta Vindelicum (Augsburg) sitzenden, Statthalters gewesen zu sein. Der ganze westliche Abschnitt des rätischen Limes mit den Castellen Schirenhof, Böblingen, Aalen, Rainau und Halheim unterstand dem Befehlshaber der ALA II Flavia. In der 2. Hälfte des 2 Jhdt. n. Chr. gab es außer der ALA II Flavia nur 7 bis 9 weitere Alae miliariae.

Die Geschichte der ALA II Flavia begann im Rheinland. Während des Bürgerkrieges im Jahr 69 n. Chr. und des sich anschließenden Bataveraufstandes ist dieses Regiment aus Resten anderer Kavallerieeinheiten formiert worden. Die Ala II Flavia nahm sehr wahrscheinlich am Feldzug des Cn. Pinarius Cornelius Clemens im Jahre 73/74 n. Chr. in das obere Neckargebiet teil sowie am Chatten-krieg Kaiser Domitians im Jahre 83 n. Chr. im Taunus-Wetteraugebiet. Gründer der ALA war Kaiser Vespasian, nach dessen Familie (Flavia) die Einheit auch benannt wurde. Sie wird in Militärdiplomen von 74 und 82 n. Chr. erwähnt. Zu dieser Zeit noch als einfache, 500 Mann starke, ALA, mit dem Namen ALA II Flavia Gemina und war in Germania Superior stationiert. Ob nun die ALA II Flavia Miliaria aus der ALA II Flavia Gemina hervorgegangen ist, ist nicht sicher. In frühdomitianischer Zeit verschwindet die Gemina aus den Dokumenten, dafür taucht die ALA II Flavia Miliaria in einem Dokument von 107 n. Chr. auf und dies mit dem Zusatz "pia fidelis". 88 n. Chr., während sich die Mainzer Legionen (Legio XIV gemina und Legio XXl rapax), unter Lucius Antonius Saturninus, gegen Domitian verschworen, hielt die ALA und die untere Heeresgruppe (exercitus inferior), unter dem Statthalter Lucius Appius Norbanus Maximus, dem Kaiser die Treue und bekam, so wie alle anderen treugebliebenen Einheiten, dafür die ehrenden Beinamen "pia fidelis Domitiana" (die loyale und treue des Kaisers Domitian). Die Ala II Flavia pia fidelis Domitiana milliaria wird zum ersten Male in dem rätischen Militärdiplom des Jahres 107 n. Chr. als zum rätischen Heer (exercitus raeticus) gehörend erwähnt. Dieses Dokument datiert ihre Gründung auf domitianische Zeit. Vermutlich hatte man die ALA II Gemina während des Chattenkrieges, zusammen mit anderen Einheiten, zu einer Doppelala verschmolzen. Domitian verfiel, nach seiner Ermordung im Jahre 96, der damnatio memoriae und so verschwand der letzte Teil des Beinamens der ALA. Spätestens um 90 n.Chr. wurde die ALA II Flavia m.p.f. von Obergermanien nach Raetia verlegt und erhielt ihr Stammlager vorerst in Aquileia(Heidenheim). Der Grund für diese Truppenverschiebung ist wahrscheinlich die Auflösung des, während des Chattenkrieges im Wetterau-Main-Gebiet zusammengezogenen, großen Heeresverbandes. Dabei wurden alle, für die Besetzung der obergermanischen Limeskastelle, nicht benötigten Verbände nach Rätien, Pannonien und Britannien abgegeben. Die Möglichkeit, dass die Einheit schon unter Vespasian in den Donauraum verlegt wurde und in Guntia (Günzburg) ihr Lager bezogen, besteht auch. Dort hat man ein Bruchstück einer Bauinschrift gefunden, die im Jahre 77 oder 78 n. Chr. vom Praefecten einer ALA gesetzt worden war. Leider ist das Stück mit der genauen Bezeichnung der ALA abgebrochen, doch wurde nicht weit davon ein Ziegelstempel mit der vermutlichen Inschrift einer ALA II Flavia gefunden. Die Abfolge der Standorte Günzburg, Heidenheim, Aalen würde gut mit der Vorverlegung der Grenzlinie nach Norden übereinstimmen. Sollte die ALA II Flavia m.p.f aber bereits 77/78 in Rätien stationiert gewesen sein, kann sie nicht mit der ALA II Flavia Gemina ident sein, da diese noch im Jahr 82 in Obergermanien stationiert war. Denkbar wäre, da das Lager in Günzburg ein kleines, für eine einfache ALA ausreichende Größe hatte, dass diese Einheit eine Zwillingseinheit der Gemina war und diese, nach dem Saturninusaufstand, 88.n. Chr., nach Raetia kam und mit der ALA aus Günzburg in Heidenheim zur ALA II Flavia m.p.f. verschmolzen wurde. Aber auch die Möglichkeit, dass die ALA II Flavia m. schon zur Zeit der Saturninusaufstände, in deren Rahmen mehrere Reiterformationen geschaffen wurde, gegründet wurde und dann erst nach Rätien zur Günzburger Teileinheit verlegt wurde.

Auf jeden Fall stand die ALA II Flavia m.p.f. etwa zwischen 90 und 150 in Heidenheim, bis der Limes auf seine endgültige Linie verschoben wurde. Danach bezog die ALA ihr neues Lager in Aalen, welches unter Marcus Aurelius in Stein ausgebaut wurde. Eine solche Einheit in diesem Gebiet hatte weniger mit der lokalen militärischen Situation zu tun, da die Gegend zu dieser Zeit als ruhig galt, als vielmehr mit der Tatsache, dass die ALA als Reservestellung für die römische Grenzverteidigung eingesetzt wurde, hier geschützt stationiert war und im Bedarfsfall an bedrohte Grenzabschnitte gesandt wurde. Strategisch war die ALA gut positioniert, um jeden Angriff auf den obergermanischen Limes, nördlich von Lorch, von Süden in die Flanke zu fallen. Zwischen 222 und 235 trägt die Flavia II den Beinamen Alexandriana, den sie vom Kaiser Severus Alexander verliehen bekommen hatte, welcher aber mit der damnatio memoriae des Kaisers wieder verschwand. Später änderte sich die strategische Lage mit dem Alemannen -einbruch des Jahres 233 grundlegend, denn nun gehörte Rätien zu den akut bedrohten Provinzen. Um 260 wurde der obergermanische-raetische Limes aufgegeben und die Grenze auf die Flusslinie Rhein-Iller-Donau zurückgenommen. Wie die meisten Auxiliareinheiten verschwindet die ALA II Flavia m.p.f. mit der Räumung des Castellums aus den Überlieferungen.

Historische Funde

Eines der interessantesten Zeugnisse der ALA II Flavia fand sich in Rom. Ein Grabstein eines Reiters der Equites Singularis Augusti, aus dem 2. Jhdt., der sehr stolz vermerkt, aus welcher Einheit der Reiter zu den Gardereitern versetzt worden war, nämlich der ALA II Flavia m.p.f.

Weiters gibt es ein, 153.n.Chr. vom Praefectus Alae Tiberius Claudius Rufus, ausgestelltes Militärdiplom des Secundus, Sohn des Sasirus, welches die Ehe des Secundus mit Secunda, Tochter des Borus rechtlich anerkennt. Dieser Secundus hatte es aber nicht weiter als zum Eques gebracht.

Oben erwähnter Praefect erhielt nach Beendigung seines Ala-Kommandos die Ernennung zum procurator Augusti (Finanzverwalter) der Provinz Pannonia superior mit Sitz in Poetovio (Ptui/Petta), im heutigen Slowenien.

Ein weiterer Fund ist eine Inschrift über die gesamte Ämterlaufbahn eines um 160 n.Chr. in Aalen kommandierenden Praefecten, dessen Name sich aber auf der Inschrift nicht erhalten hat. Der Mann stammte aus dem Ritterstand, befehligte zuerst die Cohors XX, dann kam er als Tribunus angusticlavius zur Legio XIII Gemina. Danach wurde er Praefect der ALA Vettonum, dann das Kommando über die ALA II Flavia in Aalen. Später wurde er noch Strassenkommisar östlich von Rom und dann Procurator der Provinz Pannonia superior. Den Abschluss der Karriere bildete die Verwaltung der kaiserlichen Güter bei Sousse, Tunesien.

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