2. Punischer Krieg

Aus Theoria Romana

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Der Zweite Punische Krieg wurde von 218 v. Chr. bis 201 v. Chr. zwischen Römern und Karthagern (lat.: Punier) ausgetragen. Der karthagische Feldherr Hannibal brachte Rom zunächst durch eine Reihe strategisch genial geführter Schlachten an den an den Rand der Niederlage. Die Römer gingen daraufhin zu einem langjährigen Abnutzungskrieg über und siegten schließlich in der Schlacht von Zama unter ihrem Feldherrn Scipio dem Jüngeren. Der Krieg entschied den Kampf der beiden Städte um die Vorherrschaft im Mittelmeerraum endgültig zugunsten Roms.


Inhaltsverzeichnis

Quellenlage

Aufgrund der totalen Vernichtung Karthagos im Dritten Punischen Krieg im Jahr 146 v. Chr. existieren keine historischen Quellen, die den Kriegsverlauf und dessen Hintergründe aus karthagischer Sicht beschreiben. Historiker können sich daher nur auf Werke griechischer und römischer Autoren der Antike - vor allem des Polybios und Livius - stützen und müssen diese vorsichtig interpretieren.


Ausbruch des Krieges

Nach dem Ersten Punischen Krieg, nach dem Karthago seine Besitzungen auf Sizilien an Rom abtreten mussste, hatte die Stadt ihren Einflussbereich auf der iberischen Halbinsel ausgebaut. Besonders aktiv tate sich bei diesem Kolonisierungsunternehmen der Karthager Hamilkar Barkas und dessen Söhne Hasdrubal und Hannibal hervor. Nach den Quellen schloss Hasdrubal 226 v. Chr. mit den Römern den Ebro-Vertrag, der den Fluss als Grenze zwischen der römischen und der karthagischen Interessensphäre festsetzte. Im Jahr 218 v. Chr. verlangte aber eine römische Delegation in Karthago die Auslieferung Hannibals, da dieser widerrechtlich die Stadt Saguntum angegriffen habe. Die Römer betrachteten die Stadt als verbündet und den Angriff auf sie als Verstoß gegen den Vertrag, obwohl Saguntum weit südlich des Ebro lag. Die Römer drohten mit Krieg, sollte ihnen Hannibal nicht ausgeliefert werden. Die Karthager lehnten diese Forderung ab, und es folgte die römische Kriegserklärung. Hannibal wollte einem Angriff zuvorkommen und plante den Einmarsch in Italien. Ein Angriff von See war zu dieser Zeit nicht möglich, weil die karthagische Flotte noch nicht dafür gerüstet war. Hannibal beabsichtigte deshalb über die Alpen nach Italien einzufallen und führte Verhandlungen mit den keltischen Stämmen, deren Gebiet er durchqueren musste.

Hannibals Zug nach Italien

Im April 218 begann der Feldzug gegen Rom. Über 100.000 Soldaten nahmen daran teil. Der Zug über die Pyrenäen war von zahlreichen Kämpfen gegen die einheimischen Stämme bestimmt. Die Kelten in Südfrankreich konnte Hannibal überzeugen, dass er sie nicht als Gegner betrachten würde, aber an der Rhone leistete ein keltischer Stamm kurzen und vergeblichen Widerstand. Die Karthager überquerten den Fluss. Mit 38.000 Soldaten und 37 Elefanten begann Hannibal die Überquerung der Alpen.

Inzwischen war der Consul Publius Cornelius Scipio mit Truppen an die Rhone geeilt, um Hannibal abzufangen, aber er kam zu spät. So schiffte er sich mit einem Großteil seiner Truppen ein, um die Karthager in der Po-Ebene zu erwarten.

Die Überquerung der Alpen war für Hannibals Truppen sehr verlustreich. Feindliche Stämme bedrängten die Karthager, und die Natur forderte weitere Opfer. Ende 218 erreichte Hannibal die Po-Ebene. Die Region wurde zu dieser Zeit von Stammesfehden unter den Kelten und Aufständen gegen Rom erschüttert. Es gab aber auch keltische Stämme, die auf Seiten Roms standen. Hannibal eroberte Turin und mehrere Völker unterwarfen sich anschließend dem Karthager.

Erste Siege der Karthager

Beim Fluss Ticinius kam es zu einem ersten kurzen Gefecht zwischen den Truppen Hannibals und Scipios. Die Römer wurden besiegt. Hannibal zog weiter hinter den Römern her und bot eine Schlacht an. Doch Scipio zögerte, was zur Folge hatte, dass erste keltische Truppen das römische Heer verließen. Am Fluss Trebia traf Hannibal im Dezember auf die Truppen von Scipio und die eines weiteren Consuls. Den Karthagern gelang ein überragender Sieg, die römischen Verluste waren sehr hoch.

Inzwischen war ein Bruder Scipios in Richtung Spanien marschiert. Er sicherte auf seinem Marsch Rom ergebene Städte und eroberte mehrere Ortschaften.

217 v. Chr. zog Hannibal weiter nach Süden. Mit zahlreichen Versprechungen versuchte er italische Stämme auf seine Seite zu ziehen. Beim Trasimenischen See traf Hannibal auf die Legionäre unter Flaminius. Er umzingelte die Legionen, und die Schlacht ging für Rom verloren. 15.000 Römer und ihr Feldherr fielen. Ebenso viele Legionäre gerieten in Gefangenschaft. Hannibal entließ die nichtrömischen Soldaten, ohne Lösegeld zu fordern. Er wollte damit die Italiker zum Überlaufen veranlassen. Die Römer sandten weitere Truppen gegen Hannibal, doch auch diese wurden geschlagen. 2.000 Legionäre fielen, weitere 2.000 gerieten in Gefangenschaft.

Der römische Senat veranlasste die Wahl eines Diktators, um Hannibal aufzuhalten. Gewählt wurde C. Fabius Maximus, der mit zwei Legionen losmarschierte. Doch Maximus wich einer Schlacht aus. Er wollte Hannibal durch Abwarten zermürben. Der Karthager zog weiter in Richtung Campanien, um am Fluss Volturnus das Winterquartier aufzuschlagen. Hier wollte Maximus den Gegner zur Schlacht zwingen. Doch Hannibal entkam mit einer Kriegslist und zog nach Gerunium. Hier baute er sein Winterquartier.

Im Vorfeld attackierten die Römer unter ihrem Reiteroberst M. Minutius Rufus die Punier und errangen kleinere Siege. Die römische Volksversammlung ernannte deshalb Rufus zum zweiten Diktator. Rom besaß nun, im Widerspruch zu seiner Verfassung, zwei Diktatoren. Die Wahl sorgte für Unstimmigkeiten zwischen den beiden Feldherren. Als Hannibal aus seinem Quartier ausbrach und die Truppen von Rufus bedrängte, drohte dessen Vernichtung. Doch es gelang Maximus Rufus zu Hilfe zu eilen. Hannibal kehrte deshalb wieder in sein Lager zurück. Wenig später endete die Amtszeit der Diktatoren. In der Folgezeit lieferten sich die Römer nur vereinzelte Scharmützel mit den Puniern.

Inzwischen war es auch auf See zu Kämpfen gekommen. Scipio plünderte und brandschatzte die spanische Küste, römische Truppen gingen für kurze Zeit in Nordafrika an Land.

Die Schlacht von Cannae

216 v. Chr. wollte Hannibal die Römer zur Schlacht zwingen und zu diesem Zweck den Ort Cannae angreifen. Die Römer stellten sich ihm mit acht Legionen entgegen, befehligt von den beiden Consuln Paulus und Varro und von Geminus. Am 2. August kam es zur Schlacht. Die Römer boten 80.000 Fußsoldaten und 6.000 Reiter auf. Die karthagische Truppen bestanden aus 40.000 zu Fuß und 10.000 Reitern.

Die Römer planten einen Angriff auf das karthagische Zentrum. Hannibal befahl seinen Soldaten, langsam dem römischen Angriff auszuweichen. Die karthagische Reiterei sollte an den Flügeln vordringen und den Rücken des Gegners erreichen. So geschah es auch. Die Römer folgten den karthagischen Truppen im Zentrum und links und rechts von ihnen blieben die Flügel der Karthager stehen. Diese Truppen umfassten schließlich das römische Heer. Die zahlenmäßige Überlegenheit nützte den Römern nichts mehr, da sie auf engstem Raum zusammengedrängt wurden. Die Römer wurden vernichtend geschlagen, die Feldherren Geminus und Paulus fielen im Kampf. Zeitzeugen berichteten von fast 60.000 gefallenen Legionären. Das römische Heer hatte aufgehört zu existieren. Cannae ging in die Kriegsgeschichte als Musterbeispiel einer Umfassungsschlacht ein und ist an Militärakademien bis heute Unterrichtsthema.

Doch Hannibal nutzte seinen Erfolg nicht dadurch aus, dass er gegen Rom marschierte und die Stadt belagerte. Er rechnete wohl damit, dass der Machtbereich Roms nach dieser Niederlage auseinanderbrechen würde. Die Römer wählten wieder einen Diktator und hoben neue Truppen aus. Hannibal entließ wieder die gefangenen römischen Hilfstruppen und fand dadurch neue Verbündete, die ihn unterstützten.


Abnutzungskrieg

Hannibal zog durch Süditalien. Es kam zu einzelnen Belagerungen. Er schickte Gesandte nach Karthago, um neue Mittel und Truppen zu erhalten. In den nächsten Jahren kam es immer wieder zu Gefechten und Belagerungen. Keine Seite war dabei in der Lage, Vorteile zu erringen.

211 v. Chr. belagerten die Römer Capua, einen wichtigen Stützpunkt der Karthager. Hannibal versuchte mit einem Marsch auf Rom die Legionen wegzulocken, aber es gelang ihm nicht. Capua kapitulierte.

In Spanien dagegen errangen die Karthager Erfolge. Die beiden römischen Scipio-Brüder fielen bei den Kämpfen. Die Römer entsandten weitere Truppen nach Spanien unter dem Kommando von Publius Cornelius Scipio Africanus Major, dem Sohn des gefallenen Publius Scipio.

Der junge Scipio errang seinen ersten eindrucksvollen Sieg 206 v. Chr.. Scipio streckte danach seine diplomatischen Fühler nach Nordafrika aus, um unter den Numidern Verbündete zu finden. Doch die römischen Senatoren zögerten noch, ihrem Feldherrn einen Angriff auf Nordafrika zu erlauben. Noch glaubten die Senatoren an einen Sieg über die karthagischen Truppen im eigenen Land. Scipio dagegen wollte mit einer Invasion Hannibal aus Italien fortlocken. Trotz der Ablehnung des Senats schickte Scipio eine kleine Flotte an die afrikanische Küste, um dort zu plündern. Die Karthager sahen sich bedroht und suchten Verbündete bei verschiedenen afrikanischen Stämmen und den Makedoniern.


Wende zugunsten Roms

Das Jahr 204 v. Chr. sollte zum Wendepunkt des Zweiten Punischen Krieges werden. Die Kämpfe in Spanien waren vorbei; auf dem Balkan hatte Rom die Makedonier zurückgeschlagen. Nun konnten die Römer ihre Truppen in Italien sammeln, um gegen die Karthager vorzugehen. Inzwischen landete Scipio bei Ityke. Die Karthager versuchten mit ihrer Flotte die gelandeten römischen Kräfte vom Mutterland abzuschneiden.

In Norditalien erwarteten die Römer den Angriff der Karthager, die mit keltischer Unterstützung über die Alpen kamen. Im Süden kam es zu Gefechten mit Hannibals Truppen. Scipio hatte in Afrika den Numider Massinissa als Verbündeten gewonnen und drang mit diesem gegen Karthago vor.

Der karthagische Senat erkannte die ausweglose Situation und schickte eine Delegation zu Scipio, um den Frieden anzubieten. Der römische Feldherr stellte harte Bedingungen: Karthago sollte seine Heere aus Europa zurückziehen und die europäischen Ländereien aufgeben, die karthagische Flotte sollte ausgeliefert werden. So forderten die Karthager Hannibal zum Rückzug auf. 203 v. Chr. verließ er Italien nach 15-jährigem Kampf.

Die Römer schickten zwei Gesandte nach Karthago, um den Frieden zu beschließen. Inzwischen waren mit Hannibal auch die punischen Soldaten aus Italien zurückgekehrt. Dadurch fühlte sich der karthagische Senat so gestärkt, dass er das Friedensangebot zurückzog. Die Kämpfe wurden fortgesetzt.

Die Schlacht von Zama

Scipio drang weiter auf Karthago vor und 202 v. Chr. trafen sein Heer und das Hannibals bei Zama aufeinander. Der karthagische Feldherr bot erneut Frieden an und versprach, dass sich Karthago aus allen europäischen Ländern zurückziehen wolle, wenn die Römer Afrika verließen. Doch Scipio verlangte unerbittlich die Kapitulation.

Die Schlacht von Zama ging für Karthago verloren, und Hannibal floh in die Stadt, wo er dem Senat zur Kapitulation riet. Scipio stellte wieder seine Bedingungen und bot einen dreimonatigen Waffenstillstand an. Die Karthager akzeptierten. Wenig später beauftragte der römische Senat Scipio mit den endgültigen Verhandlungen. Der siegreiche Feldherr ließ im Jahr 201 v. Chr. als Zeichen seines Triumphes die Reste der karthagischen Flotte verbrennen. Karthago musste die Unabhängigkeit des Königreichs Numidien unter dem römischen Verbündeten Massinissa anerkennen und Gebiete u.a. in Tripolitanien abtreten.

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