Nachtstreife CU & Vigiles

  • Gemäß Befehl hatte der Quintilier nun das designierte erste Contubernium der Suburacenturie zu der Station der Vigiles geführt, welche für die städtischen Regiones VI und VII in Rom zuständig war. Er hatte am dienstfreien Tag zuvor, vor der Nachtstunde, sichergestellt, dass jeder der Kameraden den Befehl der vorgesetzten Stellen verstanden hatte: Militärische Kleidung, als Bewaffnung nur ein Pugio, rechtzeitiges Sammeln in der Castra Praetoria, um rechtzeitig abmarschieren zu können. Da die Straßen nur an den wenigsten Stellen ausreichend beleuchtet waren, führte der Quintilier als militärischer Führer der Teileinheit ebenfalls eine Fackel - jedenfalls bis zur Station der Vigiles. Es war für die Männer eine ungewohnte Situation zu dieser Stunde Streife laufen zu müssen, noch zusammen mit dieser anderen Einheit hier in Rom. Doch Befehl war Befehl. In jedem Falle war er froh, dass er trotz fehlenden Ranges, als inzwischen Dienstältester des Contuberniums klar als militärischer Vorgesetzter festgelegt worden war - dies beugte Kompetenzstreitigkeiten vor. Für das Vorhaben selbst, hatten aber deutlichst die Vigiles das Sagen, die Urbaner sollten 'nur' folgen, aufpassen und Informationen aufsaugen.


    An der Station der Vigiles angekommen waren auch schon einige wenige von ihnen auszumachen, scheinbar schienen sie sich für die bevorstehende Nachtstreife zu sammeln - sie waren diese Aufgabe immerhin auch gewohnt.


    "Salvete," begrüßte Canus zunächst die Vigiles, nachdem er mit seinem Contubernium zum Stehen gekommen war. "Miles Quintilius Canus, ich melde das erste Contuberium der neuen Suburacenturie der Cohortes Urbanae bereit zum Dienst. Wir sollen euch heute Nacht begleiten," fügte er dann schließlich hinzu und zweifelte dabei gar nicht daran, dass die Vigiles über das Vorhaben bereits unterrichtet worden war.

  • Nicht unbedingt aussergewöhnlich empfand Cerretanus den Marsch durch die dunklen Gassen, bewaffnet nur mit Dolch, einer Fackel und der üblichen Ausstattung.
    Das man mit einer Einheit der Vigiles diese Unternehmung ausführte war dann aber doch eine Abwechslung.


    Flackernd geisterten die Schatten der Männer an den Hauswänden entlang und die gleichmässigen Schritte hallten wieder. Vermutlich wprden sich die Bewohner bun Gedanken darüber machen was ein Contubernium der Cohorten hier zu suchen hatte.....


    Angelangt an der Castra kam nun mal alles zum stehen. Canus zelebrierte die Meldung das nun die Urbaner hier wären die für heute die Unterstützung stellen würden.


    Basta. Punkt. So war das. Wenn man Zigaretten hätte würde sich vermutlich ein Großteil der Anwesenden sich eine dieser Glimmstengel lässig zwischen die Lippen schieben, diese an einer der Fackeln entzünden und dann, ebenso lässig, in der Gegend rumstehen. Einer würde vllt akrobatisch Ringe mit dem Rauch des Tabaks in die Luft blasen und sich fühlen als wäre er der tollste Hecht im Teich. Dazu fehlten ihm aber die Weiber. Man kann nicht alles haben.


    Tatsache war dass nun das Contubernium da stnd und sich nicht sonderlich bewegte. Aber auch nicht lässig da stand. Man stand einfach da

  • Vor der Statio der Vigiles warteten einige Vigilen und unterhielten sich scherzend miteinander. Immer wieder kamen auch Kollegen aus der Wache und verabschiedeten sich zu ihren Routen auf der Nachtwache, andere kamen zurück, um nach einem langen Dienst nun noch etwas zu essen und anschließend einen hoffentlich erholsamen Schlaf zu finden. So, wie es wohl überall in Rom während eines Wachwechsels war: Die einen kamen, die anderen gingen, die dritten warteten.


    Als die Männer der Cohortes Urbanae ankamen und sich zackig vorstellten, verstummte das Gespräch kurz. Einer der Vigiles sagte etwas zu seinen Kameraden in einer Sprache, die eindeutig nur sehr fern von Rom gesprochen wurde, was die anderen Männer kurz zum Schmunzeln und verhaltenen Lachen animierte.


    “Salvete. Ich bin Vigil Sam“, stellte sich ein großer Cambrier mit rötlichblondem Haar freundlich vor. “Für die Nachtwache wäre es gut, wenn wir uns in zwei Gruppen aufteilen. Es bringt nicht so viel, wenn wir hier mit sechzehn Mann durch die Gegend stapfen. Normalerweise sind wir auf Streife zu zweit oder zu viert. Heute eben mit Gästen“, machte er auch gleich einen praktischen Vorschlag zur Durchführung des ganzen. Sie konnten zwar auch als kleine Privatarmee durch die Straßen ziehen, aber so würden sie nur unnötig viel Aufmerksamkeit erregen. Und wenn Sam seine Vorgesetzten richtig verstanden hatte, ging es darum, den Cohortlern einen einigermaßen realistischen Einblick in die Subura zu geben.


    “Und hat man euch nicht gesagt, keine Fackeln zu benutzen? Die sind nur eine unnötige Brandgefahr. Ehrliche Leute benutzen Laternen. Fackelträger nachts in der Subura sind schon einmal von Grund auf verdächtig. Also löscht sie im Brunnen. Ich organisier euch dann noch ein paar Laternen, dann können wir los.“

  • Aaaja. Feuerwehrmann Sam hatte als das Kommando. dachte sich der Furier schmunzelnd. Und sein Erkennungszeichen war wahrscheinlich sein rotes Hauothaar sponn er still, für sich, weiter.
    Die Sache mit den Fackeln war schon mal ein Anfang der zeigte wer hier, also in diesem Fall, die Kompetenz hatte.
    Cerretanus nickte den Vigiles still zu und musterte jeden von ihnen mit ein wenig Skepsis. Das Gemauschel und Gekicher machte diese Männer nicht sonderlich symphatisch aber da musste man vllt nachhaken was es zu kichern gab....


    “ Lasst uns mitlachen. Die Nacht wird lang und jede Form der guten Unterhaltung ist willkommen.“ Er grinste kurz und warf den anderen Urbanern einen amüsierten Blick zu.

  • Albinus versah meisten schweigend seinen Dienst. Wenn er den Mund aufmachte, dann besaßen seine Worte Gewicht. Aktuell gab es dafür keinen Anlass, auch wenn er den Blick seines Stubengefährten Cerretanus erwiderte und ebenfalls grinste. Eigentlich interessierte ihn das Getuschel nicht, sondern vielmehr wie Canus die Männer aufteilen und vor allem, in welcher Gruppe er landen würde. Er blickte zum Stubenältesten. Noch hatte der nicht reagiert.

  • Nachdem der Quintilier die Truppe kurz vorgestellt hatte, war die Unterhaltung der Vigiles für einen Moment verstummt - nur um durch einige Worte in einer fremden Sprache ersetzt zu werden. Nur für einen Moment richtete sich Canus' Blick daraufhin auf denjenigen, der diese Worte ausgesprochen hatte. Sein Gesichtsausdruck zeugte nicht gerade von Begeisterung, aber für den Moment sagte er lieber nichts dazu. Immerhin wollten sie etwas von den Vigiles und nicht umgekehrt.


    Schließlich aber stellte sich einer der Vigiles als Sam vor, woraufhin der Miles seinen Blick auf diesen richtete. Es folgte ein kurzes Nicken auf die Worte seines Gegenüber hin. "Verzeih', das mit den Fackeln hatte mir niemand gesagt, mein Fehler," erwiderte er zunächst und blickte dann zu den übrigen Urbanern. Dass der Furier dabei mit den übrigen Vigiles ein wenig scherzen wollte, hatte er zwar notiert doch er würdigte es lieber noch keines Kommentars. "Ihr habt Sam gehört, löschen wir die Fackeln," befahl er, als er sich auch in Bewegung ín Richtung des nahegelegenen Brunnen an der Statio versetzte, um die Bitte... oder viel mehr die Anweisung des Vigil auszuführen. Kurz darauf beäugte er auch wieder seine Entourage, welche nach und nach ebenfalls der Anweisung folgten.


    "Cerretanus, Albinus, Didius - ihr bildet mit mir die erste Gruppe. Der Rest die zweite," befahl er schließlich und hob seinen rechten Arm, um sich kurz am Nacken zu kratzen. Insgesamt ein merkwürdiges Unterfangen. Ein wenig ließ er noch seinen Blick schweifen, während sie darauf warteten, dass der bisher freundliche Vigil den Urbanern ebenso Laternen beschaffte.


    Sim-Off:

    Ich hab' uns Urbaner mal in eine gemeinsame Gruppe gepackt - sodass wir zusammen schreiben können. War jedenfalls mein erster Gedanke. Falls jemand anderer Meinung ist, kann er mir diese gern mitteilen und ich editiere fix ;)

  • Sim-Off:

    Noch mit falscher, weil ziviler Signatur, aber dafür mit ausdrücklicher Genehmigung von Atticus und mit großem Enthusiasmus: Azizos! :D In wenigen Stunden sollte diese ID dann auch offiziell Tiro bei den Vigiles sein, der Eid ist jedenfalls schon abgeleistet.


    So unsicher und durchgerüttelt hatte Azizos sich das letzte Mal als Tiro der Classis auf den Schiffen der kaiserlichen Marine in Misenum gefühlt: Denn kaum hatte er als frischgebackener Tiro der Vigiles in Rom seine ersten Schritte in seinem neuen Zuhause, der Castra der Cohors II Esquilina, getan, als er auch schon abkommandiert wurde zu derjenigen Statio der Vigiles, die für die Stadtbezirke VI und VII verantwortlich war.


    Azizos war von diesem Befehl völlig überrumpelt worden und hatte zudem auch nicht wirklich verstanden, was er dort eigentlich tun sollte. Immerhin aber musste er sich nicht allein auf den Weg zu dieser Statio machen, sondern mit ihm zusammen war ein weiterer, ebenso frischer Tiro der Cohors II Esquilina dorthin abkommandiert worden, den Azizos allerdings bislang nur vom Sehen kannte, weil er zu einem anderen Contubernium als er gehörte: Charminus.


    Wegen ihrer in Rom erst rudimentären Ortskenntnis und angesichts der um diese Jahreszeit so früh hereinbrechenden Dämmerung hatten diese beiden Tirones der Cohors II Esquilina, Charminus und Azizos, Mühe gehabt, ihre Ziel-Statio zu finden. Unterwegs hatten sich die beiden natürlich über den Zweck ihrer Abkommandierung unterhalten, über den sie sich beide nicht vollständig im Klaren waren. Soviel aber schien festzustehen: Von der Statio der Vigiles, die für die Stadtbezirke VI und VII zuständig war, sollte wohl eine nächtliche Patrouille abgehen, die zu einem Teil aus einem Contubernium der dort ansässigen Vigiles bestand, zu ihrem anderen Teil aber aus einem Contubernium der Cohortes Urbanae, die in der Subura jetzt wohl neuerdings auch eine Statio hatten und sich nun mit Hilfe der einschlägig geschulten Vigiles an nächtliche Kontrollgänge gewöhnen sollten. Irgendein Vorgesetzer bei den Vigiles hatte es jetzt offenbar für eine gute Idee gehalten, an diesem Ausbildungsgang auch die beiden neuen Tirones Charminus und Azizos teilnehmen zu lassen.


    Über diese dienstlichen Angelegenheiten hinaus erfuhr Azizos auf dem Weg zur Statio der Vigiles für die Stadtbezirke VI und VII auch noch, dass sein Kollege Charminus von den britischen Inseln stammte. Was das für ihn bedeutete, begriff Azizos dann, als sie beide endlich an ihrer Ziel-Statio angelangt waren: Nach einer kurzen Vorstellungsrunde mit den anderen Vigiles, die an der avisierten nächtlichen Ausbildungs-Patrouille teilnehmen sollten und zu diesem Zweck bereits vor der Statio warteten, konnte sich Charminus lachend in seiner Muttersprache mit den dortigen Vigiles unterhalten, während der semitisch-sprachige Azizos mit langem Gesicht daneben stand.


    Aus diesem Grund konnte Azizos es auch gar nicht mehr abwarten, dass die Patrouille endlich losging, obwohl er sich zugleich Sorgen machte, wie er sich dabei schlagen würde, denn seine eigene Ausbildung hatte ja noch kaum angefangen. Nervös spielte Azizos an seiner Laterne und war sichtlich erleichtert, als das Contubernium der CU eintraf. Interessiert blickte Azizos zu den Kollegen von den Stadtkohorten hinüber, von denen einige auch gleich freundlich versuchten, mit den Vigiles in Kontakt zu kommen. Dafür aber blieb keine Zeit, denn schon gingen ein Miles der CU und ein gewisser Sam, der augenscheinlich Anführer der Vigiles war und von demselben Flecken Erde stammte wie Charminus, an die Einteilung von Gruppen für den Patrouillengang.


    Azizos war sehr gespannt, in welche Gruppe er kommen würde. Auf jeden Fall nahm er sich vor, zusammen mit den Kollegen von den Stadtkohorten in dieser Nacht soviel wie möglich zu lernen.

  • Bevor Sam verschwand, um die versprochenen Laternen zu organisieren, war er natürlich noch eine kurze Antwort schuldig.
    “Nunja, es hat schon etwas amüsantes, wenn ein Haufen Peregrini ein paar waschechte Römer in ihrer eigenen Stadt herumführen sollen“, erklärte er den kleinen Scherz, den er zur Auflockerung seinen Männern gegenüber gemacht hatte. In der Tat waren diese doch auch ein wenig angespannt ob der ungewöhnlichen Situation. Nicht nur, dass diesem Contubernium kurzerhand zwei Neulinge zugeteilt worden waren für die heutige Aufgabe, was es sicherlich nicht einfacher machte. Erst letzte Woche hatten sie zwei gute Männer verloren, weil in der Subura ein Haus eingestürzt war. Aber der eigentliche Grund für die Anspannung lag wohl darin begründet, dass viele Mitglieder der Cohortes Urbanae auf die Vigiles herabzublicken gewöhnt waren, so wie Römer an und für sich gerne auf Peregrini und Libertini herabblickten. Das machte eine Zusammenarbeit nicht unbedingt einfacher. Aber Sam hatte zumindest vor, das beste aus diesem Abend zu machen.


    Sogleich verschwand er dann auch im Ausrüstungslager und kehrte nach wenigen Augenblicken mit vier Laternen wieder, von denen er zwei an jede Gruppe gab. Es würden sich also immer zwei Urbaner eine Laterne teilen müssen, das war bei den Vigiles aber auch nicht anders. Es war immer praktisch, wenn zumindest die Hälfte beide Hände frei hatte.
    “Hier bitte. Ich hab mal ein bisschen gesucht und euch verschiedene Laternen mitgebracht. Diese hier benutzen wir eigentlich fast ausschließlich“ erklärte Sam und zeigte dabei auf eine einfache Laterne. Ihr Korpus bestand aus einem unteren Teller aus dünnem Stahl und einem ebenso stählernen Deckel oben, der einige Luftlöcher hatte. Dafür, dass die beiden Teile auf Abstand zueinander blieben, sorgten insgesamt vier dünner Stahlstreben. Der eigentliche Körper der Laterne bestand aus sehr dünner, gespannter Haut. Nachdem Sam die Öllampe im inneren mit einem langen Wachsstab entzündet hatte, verbreitete sie ein warmes, helles, diffuses Licht. “Wie ihr sehr, spenden die viel Licht, und durch die Haut heizt sich die Laterne auch so gut wie nicht auf. Wir Vigiles sollen ja auch nachts gut gesehen werden, aber ihr Cohortler braucht vielleicht etwas unauffälligeres Licht. Deshalb hab ich noch die hier rausgesucht“, erzählte Sam weiter und deutete damit auf die zweite Laterne jeder Gruppe. Diese bestand komplett aus einem Stahlgehäuse. Nur an einer Seite ließ sich mittels Scharnier eine Klappe in verschiedenen Positionen öffnen. “Mit den Blendlaternen kann man das Licht auch schnell verdecken oder mit halboffener Klappe nur den Boden vor sich beleuchten. Die werden mit der Zeit aber recht heiß, also solltet ihr sie besser am Stock halten und nicht in der Hand“, erklärte er weiter und deutete dabei auf den etwa ellenlangen Holzstock, der mittels eines einfachen Hakens an einer Öse im Deckel der Laterne festgemacht war.


    “Gut, Charminus, Azizos und Aelfwine bilden mit mir die erste Gruppe, der Rest begleitet die zweite Gruppe. Und dann gehen wir mal los.“


    Nachdem alles eingeteilt und alle mit entsprechend Licht versorgt waren, entzündete Sam seine eigene Laterne, die er an einem langen Stock befestigte, welchen er kurzerhand schulterte. So schwebte eine helle Laterne auf ihrem Weg gute anderthalb Fuß über ihren Köpfen.
    Jetzt im anfangenden Winter begann die erste Stunde der Nacht noch zu Zeiten, als ein guter Teil Roms noch wach und unterwegs war. Nichts desto trotz begann Vigil Sam mit seiner nächtlichen Pflicht pünktlich mit dem endgültigen Untergang der Sonne.


    “Es ist die ERSTE Stunde der Nacht, liebe Leut', schlaft gut, schlaft sicher, liebe Leut', liebe Leut! Ich wach für euch, liebe Leut', liebe Leut', zur ERSTEN Stunde der Naaaaaacht!“ verkündete er in sattem Bariton in einer kleinen Melodie die Stunde der Nacht, während er gewohnt loslief.


    “Gibt es eigentlich irgendwas bestimmtes, was ihr wissen wollt?“ fing er dann ein Gespräch an. Bislang erschien ihm die ganze Angelegenheit ja noch reichlich abstrus. Die Cohortler, die hier jeden Tag durchliefen, würden sich ja auch nachts nicht auf einmal verlaufen. Es zog ja niemand nachts los und verlegte die Straßen neu oder baute heimlich Gebäude.

  • Ihr erster Arbeitseinsatz war also das Löschen der Fackeln. Albinus verstand den Grund anfänglich, fragte sich aber später, wieso denn Fackeln beim Verbleib des Trägers auf einer Straße Brände verursachen sollten. Zumindest stellte er sich die Streifen zum Brandschutz so vor, dass zunächst niemand in Häuser marschierte. Trotzdem nahm er die Tatsache hin. Sie waren hier zum Lernen, nicht zum Besserwissen. Mit der Laterne kam er sich wie ein Nachtwächter vor. Allerdings verliehen die Urbaner dem Namen wegen dem abgeänderten Tätigkeitsbereich eine neue Bedeutung. Sie wachten und das während der Nacht. Es machte Sinn und passte für ihn.


    Bei der Einteilung der Gruppe trat Albinus zu den mit ihm aufgerufenen Kameraden. Er tippte Cerretanus mit dem Ellenbogen an, blickte aber zu Boden als er sprach, um möglichst wenig Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
    "Hoffentlich kommen Leute in unsere Gruppe, die wir verstehen." Er blickte kurz zu Cerretanus, um sich zu vergewissern, dass der ihn gehört hatte, dann sah er zu Quintillius. "Ich kann kein ausländisch. Gleich welche Art", flüsterte er.


    Nicht alle Vigiles wirkten selbstsicher, das beruhigte ihn. Er merkte sich den Standort des Brunnens sowie die Station und blickte sich um. Sein Blick blieb an Sam hängen, weil der das Wort ergriff. Er begrüßte die Übersetzung des anfänglichen Getuschels, hoffte aber gleichzeitig, sie würden nicht für alles einen Übersetzer brauchen.
    Danach wurde es für ihn interessant, denn das Ausrüstungsstück Lampe besaß verschiedene Ausführungen. Die Blendlaternen sagten ihm zu, aber auch die anderen fand er nicht schlecht. Weit trug der Schein der Lampen nicht. Es sei denn, sie erhellten zu mehreren den Ort. Immerhin wusste er, aus welcher Richtung sie vorhin kamen und wo die Castra lag. Diese Eckpunkte gelangten als erste auf seine imaginäre Karte, denn sich in der Dämmerung oder Dunkelheit zu orientieren wollte gelernt sein. Schließlich gehörte er weder zur Stammmannschaft, die tagsüber die Subura durchzog noch schlenderte er privat durch diese Gegend. Nun gut, ab und zu und dann auch gezielt an diverse Orte, die er sicherlich jederzeit wiederfinden würde.


    Als der Gesang einsetzte, musste er grinsen. Genauso hatte er sich einen Nachtwächter vorgestellt. Er hoffte, die Urbaner würden nicht singen müssen - im Prinzip war er sich dessen sicher - und er wollte dazu beitragen, der Wache bei Nacht eine andere Wirkung zu verleihen. Verstecken würde er sich des nachts nicht als Urbaner, weswegen er das unauffälligere Licht sicher nicht empfehlen würde, wenn ihn jemand fragte.
    Er blickte zu seinen Kameraden.


    "Was findet ihr wichtiger? Helleres Licht oder eine Lampe, die variables Licht spendet?"


  • Zitat

    Original von Titus Pompeius Atticus
    [...]
    “Gibt es eigentlich irgendwas bestimmtes, was ihr wissen wollt?“


    "Soviel wie möglich!" hätte Azizos am liebsten laut auf die Frage Sams, des Anführers ihrer kleinen Gruppe, geantwortet. Mit großem Interesse hatte er den Erklärungen zugehört, mit denen dieser Sam die beiden unterschiedlichen Laternenarten bedacht hatte, welche sie in dieser Gruppe jetzt in ihren Händen hielten. Azizos hatte sich während dieser Ausführungen die Laterne genauer angesehen, die sie Charminus und ihm in der heimatlichen Castra mitgegeben hatten und an der er eben noch so gedankenverloren herumgespielt hatte. Sie glich derjenigen Laterne, die Sam selbst gerade an einem Stock befestigt hatte, den er dann über seine Schulter legte, um seiner Gruppe den Weg zu leuchten.


    Die andere Art von Laterne, diese Blendlaterne, die Sam dann besprach, hatte Azizos dagegen noch nie gesehen. Verstohlen warf er einen Blick auf diejenigen Blendlaternen, welche eben die CUler von Sam erhalten hatten. Er hätte sich diesen Laternentyp gerne noch einmal genauer angesehen, traute sich aber nicht so recht, näher an die Milites der Stadtkohorten heranzutreten.


    Das änderte sich, als sich Sam singend und im Gleichklang mit dem Sonnenuntergang in Bewegung setzte. Charminus, den Sam seiner eigenen und damit auch Azizos' Gruppe zugeteilt hatte, gesellte sich dabei gleich wieder zu seinem Kameraden aus der vigilischen Cohors II Esquilina. Natürlich konnte Azizos irgendwo verstehen, dass Charminus es eben genossen hatte, mit den anderen Vigiles in seiner Muttersprache zu reden, aber er hatte dieses Verhalten dennoch als unhöflich empfunden und war nach wie vor deswegen etwas eingeschnappt. Um Charminus das auch ja spüren zu lassen, rückte der Peregrinus aus Palmyra ein wenig von seinem Kameraden ab und an die Urbaner heran. Dabei bekam er gerade noch so mit, wie einer der CUler nach der Abwägung zwischen den beiden durch Sam vorgestellten Laternentypen fragte. "Salvete! Na ja, welche Laterne man nimmt, hängt wohl davon ab, was man in dem Licht, das sie spendet, machen möchte - oder muss. Das helle Licht der Laterne, die Vigil Sam da über seiner Schulter hängen hat, ist zumindest mir jetzt ziemlich willkommen. Mein Kamerad Charminus da" - Azizos deutete mit dem Finger auf ihn - "und ich, wir kommen zum Beispiel nämlich gar nicht aus der Subura und der Wache, wo wie eben losgegangen sind. Für uns ist das hier alles fremd, und da ist es natürlich gut, wenn so eine helle Laterne einem den unbekannten Weg leuchtet." Zumal die Dämmerung jetzt im beginnenden Winter nur kurze Zeit dauerte; mittlerweile war es schon sehr dunkel geworden, und es fiel Azizos gar nicht leicht, in den unübersichtlichen Gassen, durch die sie gingen, den Überblick zu behalten.


    "Kennt ihr euch denn hier alle gut aus?" richtete der Peregrinus aus Palmyra das Wort wieder an seine Kollegen von den Stadtkohorten. "Ihr seid zwar wahrscheinlich alle Stadtrömer, aber eure Wache hier ist doch auch neu, wie ich gehört habe. Wenn ihr dann hier Straftäter jagen sollt, ist es wahrscheinlich besser, man nimmt so eine dieser Blendlaternen, wie ihr sie ja bekommen habt. Dann werdet ihr nicht so leicht gesehen und könnt euch besser anschleichen." Das setzte natürlich voraus, dass die CUler sich hier in der Subura auskennen mussten wie in der Stube ihres Contuberniums. Falls sie Verbrecher allerdings nicht jagen, sondern abschrecken sollten, wäre ein so helles Licht wie das aus der Laterne Sams oder Azizos' möglicherweise auch für Milites der Stadtkohorten besser.


    Mitten in seinen Überlegungen wurde dem neuen Tiro auf einmal klar, wie unhöflich er sich selbst gerade benommen hatte, und er setzte schnell hinzu: "Ach übrigens, mein Name ist Azizos."

  • Die Antwort des Vigil war zumindest ehrlich und auch sicherlich nicht unbegründet. Auch Canus war nicht unbedingt abseits jegliches Vorurteils gegenüber mancher Peregreni. So nickte er auf diese Worte hin, ließ sie kurz wirken und vergas sie dann auch wieder. Abseits jeglicher möglicher Spannungen hatten sie hier einen Auftrag zu erfüllen und dies eben in Zusammenarbeit mit Gestalten, welche zwar nicht unbedingt das Bürgerrecht besaßen, aber dem Reich dennoch dienten. Ein zweischneidiges Schwert, wenn man so wollte. Dem Quintilier jedenfalls fiel es nicht sehr leicht, sich eine Meinung über die Männer hier zu bilden.


    Schließlich aber kam der Wortführer der hier versammelten Vigiles wieder, übergab die Laternen. Zwei an Urbaner, zwei an Vigiles - auf jeden Gruppe aufgeteilt. Quintilius nahm eine dieser entgegen, was er sich als militärischer Führer der Urbaner einfach herausnahm - die andere bekam Cerretanus. Die Erklärung bezüglich der verschiedenen Ausführungen war dabei sicher nicht verkehrt, an diesem Punkt hörte der Quintilier aufmerksam zu - nützliche Informationen. Nach der Erklärung bezüglich der Laternen, teilte der Führer der Vigiles diese schließlich auch den beiden Gruppen zu und Canus ließ noch einmal seinen Blick über die Männer schweifen. Dies würde sicherlich eine interessante Erfahrung werden.


    Die dann folgenden Worte des Vigil Sam vernahm der Quintilier mit gespitzten Ohren - eine Aufgabe, die den Urbanern sicherlich nicht zukommen würde. Dennoch war dies ein Klang, den es sich zu merken lohnte, wenngleich auch für ihn nicht völlig unbekannt. Die Worte des Albinus hatte er dabei vernommen, diesem zugenickt. Dem Quintilier ging es genauso. "Du hast recht. Dennoch: Wir haben in dieser Nacht einen Auftrag zu erfüllen. Passen wir uns den Begebenheiten also an," erwiderte Canus in dieser Hinsicht.


    "Nun, ich persönlich würde ein helleres Licht bevorzugen, anstatt der Variabilität," entgegnete der Führer des Contuberniums. "Allein aufgrund unser Ausrüstung sind wir sowieso schon schnell aufzuspüren, also wird es keine Not für irgendeine Heimlichtuerei geben. Solche Laternen, mit variablem Licht, vorrätig zu haben, ist zwar sicher eine Idee, die ich der Führung mitteilen werde. Doch für die normale Streife in der Subura ist dies nicht von Nöten, eher überflüssig," gab der Quintilier dann zu, teilte seine taktische Meinung in dieser Angelegenheit dem Albinus mit.


    Auf die Frage des Sam hin schüttelte Canus schließlich kurz den Kopf. "Nun, es ist sicherlich vor allem die Orientierung bei Nacht, die manch einem unserer Soldaten sicherlich fehlt. Allgemein kennt sich auch nicht jeder in der Subura aus. Aber abseits dessen benötigen wir keine allzu detaillierten Informationen, über euren Dienst. Es wäre natürlich dennoch gut zu wissen, ob es irgendwelche Gebäude, irgendwelche Gruppierungen gibt, denen unser Augenmerk gelten sollte. In dieser Hinsicht haben wir nur rudimentäre Informationen." Dies war eine Feststellung, die dem Quintilier gegenüber Sam sicherlich nicht unbedingt leicht fiel, die dennoch ausgesprochen gehörte. Immerhin war es wohl am besten, wenn sie an dieser Stelle mit offenen Karten spielten.


    Einer der anderen Vigiles richtete dabei aber seine Worte an die Urbaner der ersten Gruppe, welcher dieser scheinbare Peregrinus auch zugeteilt worden war. "Nun, wie gesagt, unsere Ausrüstung sorgt nicht gerade dafür, dass wir jeden Weg ungesehen oder ungehört beschreiten können. Deswegen sollte unser Augenmerk darauf liegen, dass unser Weg stets gut beleuchtet und sichtbar ist. Und... es freut mich deine Bekanntschaft zu machen, mein Name ist Quintilius Canus," erwiderte er auf die Worte desjenigen hin, welcher sich als Azizos vorstellte. Zwar waren ihm Peregreni schon suspekt, doch immerhin legte dieser eine freundliche Art und Weise an den Tag und versuchte auch nochmals die verschiedenen Vor- und Nachteile der Laternenvarianten zu erklären, was für die Urbaner sicherlich nur eine Hilfe war. Wieso also nicht freundlich sein?

  • Sie setzten sich also in Bewegung und begannen ihre Runde. So kurz nach Sonnenuntergang war eigentlich kaum ein Unterschied zum Tag festzustellen. Es wurde zwar schnell dunkel, aber noch war der Himmel eher grau als schwarz, und im gleichen Maße, in dem das Tageslicht schwand, wurden Lampen und Laternen an allen Ecken und Enden entzündet. Kinder spielten noch auf den Straßen und wurden nach und nach von ihren Eltern heimgerufen, Tagelöhner und Handwerker räumten noch den Rest ihrer Habseligkeiten zusammen und machten sich auf den Heimweg und die Thermopolia heizten ihre Öfen an, denn in der Subura hatte kaum ein Haus die Erlaubnis für eine eigene Küche, so dass fast jeder hier in einer der dutzenden Tavernen sich seine warme Mahlzeit des Tages besorgte. Kurzum: Es herrschte ebenso viel Betrieb, wie tagsüber.


    Der neue Tiro beantwortete unterdessen schon einmal die erste Frage. “Azizos hat es schon richtig gesagt: Wir benutzen die helleren Laternen. Aber wir Vigiles haben ja auch andere Aufgaben wie ihr Urbaner. So etwas wie verdeckte Ermittlungen gibt es bei uns quasi nicht, und es wäre eine Katastrophe, würde es irgendwo brennen, und wir wären nicht leicht zu finden. Deshalb hab ich meine Laterne auch an der langen Stange: Damit die Leute die ganze Straße herunter sehen 'Aha, da kommen die Vigiles'.“ Abgesehen davon hatte es in diesem Gewühl der frühen Nacht auch den Vorteil, dass man nirgends anstieß, denn das Vorankommen momentan war eher langsam.


    “Bei der Orientierung hilf es, sich wichtige Eckpunkte einfach zu merken. Wenn man sich mal verläuft, muss man nur einen dieser Punkte wiederfinden und schon weiß man wieder, wo man ist. Die einfachsten beiden sind natürlich der Murrus Terreus und das Argiletum. Über die Mauer kommt man nicht einfach rüber, die begrenzt die Subura in Richtung Oppius Mons. Und das Argiletum... naja, das ist die verdammt breite Straße zwischen dem Forum Romanum und der Via Labicana, die einmal quer durch die Subura geht. Die kann man gar nicht übersehen. Und ansonsten merkt man sich einfach die Tabernae und die Lupanare. Die wichtigsten auf unserer Runde zeig ich euch auch noch. Wenn man das im Kopf behält, kann man sich eigentlich gar nicht mehr verlaufen.“


    Sie bogen um die erste Ecke zwischen die hohen Insulae ein und folgten dem Duft nach gebratenem Gemüse und Brot, wie diverse Familien. Einige grüßten die Vigilen flüchtig, vor allen Dingen die Kinder, und Sam grüßte lächelnd zurück, während er erneut sang:


    “Es ist die ERSTE Stunde der Nacht, liebe Leut', schlaft gut, schlaft sicher, liebe Leut', liebe Leut! Ich wach für euch, liebe Leut', liebe Leut', zur ERSTEN Stunde der Naaaaaacht!“


    Ein bisschen merkwürdig war es schon, dass Sam vom Schlafen sang, während halb Rom noch auf den Beinen und auf dem Weg zum Abendessen war, aber das Lied hatte nur den einen Text, die Strophen unterschieden sich einzig in der Angabe der Stunde.

  • Albinus nickte Qunintilius zu. Zum einen musste er sich ohnehin fügen, zum anderen lautete sein Plan: viel hören und merken, wenig sagen. Er blickte weiter zu Azizos. Ihm war das helle Licht des Frontmanns ebenfalls sehr willkommen.
    "Auskennen ist zu viel gesagt", erwiderte er auf dessen Nachfrage. Er überlegte, ob er an seinem schweigsamen Plan festhalten solle und entschied sich dagegen. "Ein paar Ecken kenne ich, aber dann hört die Erfahrung auf. Ich glaub, wir könnten beide Lampen gebrauchen. Für die Streife eine helle, für die Verfolgung vielleicht eine Blendlampe." Er zuckte ratlos mit der Schulter. "Allerdings denke ich, ein Verfolgter sieht auch das abgeblendete Licht. Anschleichen geht mit Licht auch nicht.
    Sollten wir in der Subura nicht in erster Linie vorbeugend für Ruhe sorgen?"
    Hilfesuchend blickte er sich zu Quintilius um. Für diese Aufgabe durften sie sich nicht verstecken, sondern mussten selbstbewusst auftreten und dazu gehörte auch helles Licht.
    Zum Glück hörte er gerade noch, wie sich der Gruppenälteste ebenfalls für die helle Lampe aussprach. Er nickte, weil ihm die Begründung einleuchtete und sie sich weitgehend mit seiner Einschätzung deckte. Ihn würde genauso wie den Älteren interessieren, ob und wo Gruppierungen bekannt waren.


    Auf eine Antwort hoffend, drehte er sich den Vigiles zu.


    Anschließend setzten sich alle in Bewegung und er verfolgte den Gedankenaustausch zwischen Quintilius und dem Vigil Sam. Währenddessen schweifte sein Blick über Häuserwände, hielt an handtierenden Personen und Familien an und glitt zurück zur Truppe. Er rümpfte die Nase, als sie eine Stelle passierten, die vermutlich der Treffpunkt freilaufender Hunde war.


    Albinus wiegte den Kopf, als die Sprache auf verdeckte Ermittlungen kam. Bislang konnte er sich nicht vorstellen, dass die nachts abliefen. Sie sollten Sicherheit ins Viertel bringen, aber brachten sie Sicherheit, wenn man sie von weitem mit den Vigiles verwechselte?
    "Eine Laterne mit Stab sollten wir uns nicht zulegen. Überhaupt, wie wollen wir uns abgrenzen?" Vielleicht hatte Quintillius eine Idee oder es musste erst eine entwickelt werden.


    Als Orientierungspunkte aufgezählt wurden, lauschte Albinus, um keinen zu verpassen. Straßen, die Mauer, soweit reichte sein Wissen annähernd, aber es schadete sicherlich nicht, es aufzufrischen. Die Lupanare und Gaststuben hingegen würden erst beim jeweiligen Erreichen benannt werden, also wartete er ab.

    Ein wenig verwundert stellte er fest, dass sie gegrüßt wurden. Die militärische Erziehung hielt ihn ab, seinerseits zu grüßen und wenig später grinste er seine Kameraden an.


    "Wehe, einer von euch schlägt vor, dass wir auch was singen sollen!"


  • "Quint..." Azizos stockte, als er den Namen des Anführers der CUler wiederholte, der sich ihm gerade vorgestellt hatte: Vor Kurzem war dem Peregrinus ja noch durch den Kopf gegangen, dass sich die Cohortes Urbanae aus Stadtrömern zusammensetzten. Doch dabei hatte sich Azizos gar nicht wirklich bewusst gemacht, dass dort eben auch ausschließlich Männer dienten, die über das römische Bürgerrecht verfügten, während bei den Vigiles ja zumindest in den Mannschaftsrängen fast nur Freigelassene oder Peregrine wie er selbst waren. Dieser Unterschied sollte aber bei der vor ihnen allen liegenden gemeinsamen Nachtstreife keine große Rolle spielen, das hoffte Azizos jedenfalls, und so grüßte er den Anführer der CUler freundlich zurück: "Quintilius Canus, ich freue mich ebenfalls, Dich kennenzulernen."


    Diese Freude des Tiros war ganz echt, obwohl er möglicherweise weder dem Quintilier noch dessen Kameraden je wieder begegnen würde. Immerhin waren diese ja jetzt in der Subura stationiert, während er - so wie auch Charminus - ja eigentlich der vigilischen Kohorte am Equilin zugeteilt war. Allerdings... - dass man dienstlich vielleicht nicht wieder miteinander zu tun bekam, musste ja nicht heißen, dass man sich nicht anderweitig irgendwann noch mal treffen konnte.


    Das aber war im Augenblick Zukunftsmusik. Für die aktuelle musikalische Untermalung der gemeinsamen Nachstreife von CU und Vigiles sorgte dagegen Vigil Sam, der gerade von Neuem einen Nachtwächter-Vers anstimmte, den er zu Beginn ihrer Patrouille schon einmal zum Besten gegeben hatte. "Du, Azizos, müssten wir anderen Vigiles da nicht eigentlich mitsingen?" fragte Charminus leise. Der Angesprochene überlegte: Auf der einen Seite kam ihm die Frage seines Kameraden alles andere als abwegig vor. Auf der anderen Seite... Beinahe hätte Azizos seinen Gedanken laut geäußert, aber er kannte Charminus einfach noch nicht gut genug. Deshalb behielt er zunächst einmal für sich, wie dieser vermeintliche Nachtwächter-Vers tatsächlich bei ihm ankam. Azizos hegte nämlich gegen Vigil Sam den wenig schmeichelhaften Verdacht, dass der sich den Vers selber ausgedacht hatte, vielleicht sogar ganz spontan, um den CUlern zu imponieren; für ihn, Azizos, hörte sich das ganze nämlich genau so an.


    Wie schon gesagt, verschwieg der peregrine Tiro diesen Verdacht aber fürs Erste; hörbar, wenn auch leise dagegen antwortete er Charminus: "Das könnte schon sein, hm... Frag' doch Sam mal danach. Oder diesen Aelfwine. Und das am besten in eurer Sprache." Falls Charminus und er sich durch diese Frage nämlich lächerlich machen sollten, würden das wenigstens die CUler nicht so direkt mitbekommen.


    Der Kamerad aus der vigilischen Cohors Esquilina nickte Azizos auf dessen Vorschlag hin mit Verschwörerblick zu und wandte sich dann auch wirklich in fremder Zunge tuschelnd an Aelfwine. Azizos war gespannt, was dabei herauskam; je nachdem, würden dann bestimmt auch die CUler gerne mitsingen wollen. ( :P)


    Nachdem die Klärung dieser akustischen Angelegenheiten also glücklick angeleiert war, schien der optische Wettstreit zwischen den beiden nunmehr ausführlich diskutierten Laternen-Typen für die Cohortes Urbanae endgültig entschieden, und zwar zugunsten der hellen Laterne, wie sie auch die Vigiles für gewöhnlich trugen. In diesem Sinne verstand Azizos jedenfalls das, was Quintilius Canus und einer seiner Kameraden noch zu diesem Thema äußerten. Der Tiro aus Palmyra wünschte aber, es genau zu wissen: "Entschuldigt bitte, nur dass ich das richtig verstehe: Besteht Euer Auftrag als Stadtkohorten bei euren Streifen durch die Subura also am ehesten darin, hier Präsenz zu zeigen und..." - Azizos zögerte einen Moment, entschied sich aber dann, genau diejenige Formulierung zu verwenden, auf die er vorhin spontan in seinen stillen Überlegungen gekommen war - "... und mögliche Straftäter von vornherein abzuschrecken?" Das wäre natürlich ein völlig anderer Ansatz, als wenn die entscheidende Aufgabe der Cohortes Urbanae in der Subura darin bestünde, Ermittlungen anzustellen.

  • Als Aelfwine angesprochen wurde, schaute er ernst und antwortete seinem Landsmann, dass sie alle bis zum Ende der Schicht einen vierstimmigen Kanon erwarteten. Erst, als er in ein leicht entsetztes Gesicht blickte, konnte er sein Lachen nicht mehr unterdrücken. Da auch einer der Römer gerade da etwas übers Singen sagte, antwortete er in etwas kratzig klingendem Latein. “Reicht, wenn Sam singt. Muss auf Patrouille immer nu eins Mann singen.“


    Sie kamen an einer ersten Garküche vorbei. Ein Teil der Menschen auf der Straße setzte sich auf die bereitgestellten Bänke, während der kleinere Teil der Leute sich in einer Schlange anstellte, um in mitgebrachten Töpfen, Krügen und Schalen das Essen für die Familie mit nach Hause nehmen wollte. Man aß eben gern in Gesellschaft und tauschte sich dabei mit den Nachbarn und Freunden aus, aber die Plätze waren alle schon fest vergeben. Und wehe dem Neuankömmling, der sich einfach in die erlauchte Gesellschaft der Sitzplatzinhaber schleichen wollte, ohne der besondere Freund oder ein Verwandter von irgendwem zu sein.
    “Das ist Masilias Thermopolia. Sie kocht sehr gut, aber man muss lange anstehen“, kommentierte Sam im Vorbeigehen und grüßte die Ladeninhaberin, die hinter den dampfenden Töpfen stand und die hungrige Meute mit Hilfe ihrer Sklavinnen so nach und nach versorgte. Die Frau war schon deutlich älter und trug eine schwarze Perücke auf ihrem Kopf, die die grauen Haare versteckte. Freundlich grüßte sie mit einer erhobenen Hand zurück, ehe sie weiterarbeitete.


    Weil die Frage nach der Unterscheidbarkeit aufkam, antwortete Sam auch eben. “Abgesehen davon, dass die Leute den Unterschied zwischen Vigil und Urbaner riechen: Unsere Helme sind anders und die Vigiles tragen kein Cingulum. Offiziell sind wir ja eine Miliz, kein Militär. Darum haben nur die Offiziere cingula.“
    Während also die Urbaner ihren Weg durch die Straßen klimperten, schepperten die Vigiles nur dahin.

  • Streife mit den Vigiles zu gehen war eine absolute Neuerung für den Quintilier, wie wohl auch für seine Kameraden. Eine gänzlich ungewohnte Angelegenheit, vor allem unter dem Gesichtspunkt des eigentlichen Auftrages. Dabei war deutlich zu erkennen, das immer noch geschäftiges Treiben herrschte. Gut, für diese Stadt war dies nicht ungewöhnlich, aber aus irgendeinem Grunde kam es dem Quintilier so vor, als ob es in der Subura noch ganz andere Ausmaße annahm, als in anderen Vierteln der Stadt. Doch da täuschte er sich vielleicht auch einfach.


    Wieder lauschte er dabei den Worten des Vigil Sam, während er in Ruhe folgte und nickte für sich. Zunächst bedurfte dies keines weiteren Kommentars. Viel interessanter waren dabei dessen Kommentare bezüglich guter Orientierungspunkte, welche man auch in der Nacht gut ausmachen und erkennen konnte. „Was auch immer Sam als markanten Punkt ansangt, ihr merkt euch dies!“ wandte er sich kurz an die anderen Urbaner mit deutlichem Nachdruck. Denn im Fall der Fälle sollte jeder einzelne der Soldaten wissen, wo er sich ungefähr befand.


    Es war dabei merkwürdig anzusehen, wie die Vigiles von diversenen Bewohnern relativ freundlich zur Kenntnis genommen und begrößt wurden – damit hätte er nun nicht unbedingt gerechnet. Wobei er sich im gleichen Moment auch fragte weshalb, immerhin waren die Vigiles eine sehr viel kleinere Bedrohung für diverses Klientel als es wohl die Urbaner waren. Dem Gesang Sams lauschte er für einen Moment, durchaus belustigt und mit einem leichten Grinsen auf den Lippen – merkwürdige Begebenheit, das fand Canus schon immer.


    Auf Albinus' Worte hin nickte der Quintilier. „Absolut richtig. Sicher, wir sollten beide Arten vorrätig haben, aber für die einfache Streife würde ich die helle Lampe bevorzugen – gehört und gesehen werden wir so oder so, warum also nicht die eigene Sicht gleich verbessern? Sollte es ein Auftrag verlangen, kann man sicherlich auch unter Umständen die abblendbare Lampe verwenden,“ bekräftigte er noch einmal seine eigene Aussage und bestätigte dabei auch die seines Kameraden.


    Nebenbei bemerkte er durchaus irgendeine Tuschelei unter den Vigiles, doch der Quintilier vermochte nicht wirklich zu vernehmen, um was es eigentlich ging. Aufmerksamer jedoch wurde er, als der Vigil, welcher sich als Azizos vorgestellt hatte, eine direkte Frage an die Urbaner bezüglich deren Auftrag richtete. Quintilius Canus blickte zu diesem und befand für sich auch direkt, diese Frage beantworten zu wollen: „Um es ganz direkt auszusprechen, ja: Unser Auftrag besteht eher in der Abschreckung. Wir sollen und wollen Präsenz zeigen, diverse Aktivitäten direkt im Keim ersticken und je nachdem, wie die Lage eben ist, gibt es sicher auch die ein oder andere Ermittlung. Das Vorgehen bei diesen hängt dabei von der jeweiligen Lage ab.“ Ein kurzes, freundliches Lächeln umspielte dabei Canus' Lippen, als er die Frage des Vigil relativ oberflächlich und allgemein beantwortet hatte. Jedoch wollte er nicht zu sehr ins Detail gehen, allein schon weil er den Peregreni – aus welchen die Vigiles überwiegend bestanden – nicht unbedingt sehr weit traute.


    Schließlich folgte Canus' Blick kurz Sams Worten in Richtung der Garküche, an welcher sie gerade vorbeikamen. Er nickte kurz für sich, tatsächlich bekam er an dieser Station gerade irgendwie ein wenig Hunger – doch das musste wohl oder übel warten. Auf Sams weitere Worte hin musste der Miles jedoch schmunzeln. „Na, dass den Menschen in der Subura der Unterschied zwischen Vigil und Urbaner geläufig ist, habe ich auch irgendwo erwartet. Aber die Menschen brauchen sich keine Sorgen zu machen: Bald schon wird wieder für sehr viel mehr Ordnung gesorgt.“ Und dies sprach er durchaus mit einer gewissen Vorfreude aus.

  • Während Azizos, Vigil Sam und Kamerad Canus Gedanken tauschten, ließ Albinus den Blick schweifen. Er besaß gute Augen, merkte aber schnell, wie mit dem Einbruch der Dunkelheit im Minutentakt die dunklen, undefinierbaren Ecken näher kamen und größer wurden. Er fühlte sich ein wenig unwohl, obwohl er sich in reichlich Begleitung befand. Nur mit einem Dolch bewaffnet fühlte er sich nackt. Dabei nützte es nichts, sich einzureden, dass weder Gefahr drohte noch er sich allein auf unbekanntem Terrain befand. Er versah zwar nicht so lange wie Canus den Dienst bei den Urbanern, aber lange genug, dass er sich nur dann vollständig bekleidet fühlte, wenn er sich auch in vollständiger Ausrüstung befand.
    Passend zu diesem Gedanken ertönte Canus' Aussage, dass sich die Bewohner bald weniger Sorge des nachts machen mussten. Albinus suchte seine Waffe und griff zum wiederholten Mal während dieser Streife ins Leere.


    "Und ob das so wird", sagte er im Brustton der Überzeugung. "Wir geben den Menschen hier Sicherheit. Die werden uns schon bald so freundlich begrüßen wie euch." Sicher war er sich freilich nicht, aber heute wollte er daran glauben. Er neigte sich zu Canus. "Wenn wir nachts nur Streife laufen, um die Gegend sicherer zu machen, gewinnen wir Vertrauen. Tagsüber die Ermittlungen und nachts nur dann, wenn vor unseren Augen was passiert, oder?" Er wartete gespannt, ob sein Idee auf Zustimmung stieß. Zu diesem Zweck sah er auch die restlichen Urbaner an und verhielt den Blick beim Vigil Sam.
    Entfernt rollte ein Wagen über das Pflaster. Auch wenn Albinus in die Richtung sah, er erkannt wenig im mickrigen Schein der Laternen. Also bemühte er sein Gehör. "Der Karren kommt von vorn und das Klappern von rechts. Was issn das?" Er legte den Handteller hinter das Ohr, um mehr der Geräusche einzufangen.


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