La dolce vita - Zwei flavische Sklaven on tour

  • Sobald man das Forum Augusti hinter sich gebracht hatte, tauchte man in eine andere Welt ein. Hier war es dreckig, laut und feucht. Dafür aber schienen die Preise um einiges erschwinglicher zu sein, als in den mondäneren Vierteln der Stadt. Man fand sich mitten in der Subura, dem berüchtigten Vergnügungs- und Rotlichtviertels Roms, wieder. Jenen Teil der Stadt, den man besser nur bei Tageslicht aufsuchte. Es sei denn man liebte die Gefahr, denn in der Dunkelheit kam all jenes lichtscheue Gesindel aus seinen Verstecken heraus und trieb sein Unwesen.


    Wochen später nach ihrer Begegnung im Bad, war es den beiden flavischen Sklaven nun endlich gelungen, einen Tag auszumachen, an dem man ihnen beide einen freien Nachmittag zugestanden hatte. Nun war es für Angus an der Zeit, ein Versprechen einzulösen…


    Ich hatte mich frisch gemacht, eine einfache aber recht neue Tunika übergezogen und ein paar Spritzer von Scatos Duftwässerchen stibitzt. So konnte ich gehen! Zusammen mit Lyciscus, dem Thraker, wollte ich heute ein wenig Zerstreuung in der Stadt finden. Ich hatte es ihm ja versprochen, ihm ein paar Ecken von Rom zu zeigen, die er garantiert noch nicht kannte. Selbstverständlich trug ich auch einen Beutel mit einigen Münzen darin bei mir. Das sollte reichen, um etwas zu essen und zu trinken und vielleicht auch noch für einiges mehr! „Wie sieht´s aus, Lyciscus? Magst du erst was trinken?“ Eile mit Weile, dachte ich mir. Der Nachmittag war noch lang.


    edit: Link repariert;)

  • Völlig überraschend hatte Angus den Thraker herbeigerufen, um ihm Rom etwas zu zeigen, wobei der Sklave nicht wusste, welchen Bereich genau der Nordmann meinte. Doch Lyciscus war interessiert, und einen Tag mit einem guten Freund zu verbringen, war immerhin etwas, was dem Thraker durchaus Freude bereitete. Und so folgte er dem Briten, um mit ihm seinen Freien Tag zu verbringen. Lyciscus trug diesmal die Braune Tunika, die er am zweiten Tag die er in Rom war, gekauft hatte. Es war kein Kleidungsstück das dem Sklaven gefiel, aber es erfüllte seinen Zweck.


    Lyciscus war erstaunt, die Gegend in die Angus ihn gebracht hatte, war völlig anders als die, wo er mit seiner Domina unterwegs war. Mit der Herrin hatte er einen Tag am Marktplatz verbracht, teilweise auch hinter den Verkaufsständen die den Marktplatz füllten. Dem Sklaven fielen an dem Tag keine besonderen Menschen auf, gerade mal die rücksichtslosen, die seine Herrin hin und wieder anrempelten. Hier in diesem Bereich zusammen mit Angus, sah er weitaus schlimmere Gesichter, die so gar nicht an das Volk von Rom erinnerten. Er konnte sich nicht vorstellen, das seine Domina jemals einen Fuß mit ihm hier hinein gesetzt hätte.


    Doch der Thraker war nicht abgeneigt auch dieses Viertel kennen zu lernen, er war schon immer ein sehr interessierter Mensch, außerdem könnte es sich durchaus Positiv auswirken, auch solch eine Gegend zu kennen. "Ja mein Freund, meine Kehle ist schon ein wenig trocken, also lass uns was trinken gehen." entgegnete er Angus, während seine Blicke in jede Richtung umher wanderten. Wie so vieles in Rom, hatte der Sklave auch solch einen Bereich der Stadt, niemals in seinem Heimatland zu Gesicht bekommen.

  • Durch die engen Gassen schoben sich Menschenmengen. In den mehrstöckigen Mietskasernen befanden sich im Erdgeschoss Geschäftsräume. Garküchen reihten sich an Spelunken und Läden. Davor standen Krämer und Handwerker, die ihre Waren anboten. Am Eingang zu einem der Wohnhäuser bellte wütend Hund und zog dabei an seiner Kette, weil er hinter einer Katze herjagen wollte. Vor einem der unzähligen Bordelle standen Mädchen und Frauen und boten den vorbeigehenden Männern ihre Dienste an. Nebenan saß ein halbnackter Bettler auf dem Boden und lamentierte. In der Luft lag ein fauliger Gestank, der hin und wieder durch den Geruch der Garküchen unterbrochen wurde. Ein Stimmengewirr, bestehen aus scheinbar unendlich vielen Sprachen drang an die Ohren der Besucher.


    Ich hatte völlig richtig gelegen, der Thraker war vorher noch nicht hier gewesen. Dann wurde es Zeit, dass er auch diese Gegend hier kennenlernte. Ich hatte schon eine Idee, wo es hingehen sollte, um sich in angenehmer Atmosphäre einen zu genehmigen. Nicht eine von diesen x-beliebigen spelunken, die es hier an jeder Ecke gab. Nein, bei meinen Expeditionen durch die Subura war ich vor einiger Zeit auf eine Taberna der besonderen Art gestoßen, die in mir heimatliche Gefühle geweckt hatten, als ich dort zum ersten Mal gewesen war.
    „Na, dann komm mal mit!“, sagte ich zu Lyciscus und stiefelte los. Die Taberna lag etwas versteckt in einer Seitengasse. An der Hauswand hing ein Holzschild, auf dem mit schwarzer Farbe die Umrisse eines Baumes mit voller Krone abgebildet war. Darüber stand in großen Lettern 'CRANN NA BEATHA" (sprich: Grann na Ba-ha). Hier gab es nicht den üblichen römischen Fusel. Der Wirt braute sein eigenes Bier, so wie ich es von zu Hause gekannt hatte. „So, hier sind wir! Komm lass uns reingehen.“
    Ich öffnete die Tür, die direkt in den Schankraum führte. Ein untersetzter Mann, mit grauem längerem schütteren Haar sah auf und begann zu lächeln, als er mich sah!
    „Fáilte, mo chara! Ní fhaictear le tamall fada! Cén chaoi a bhfuil tú?“*, rief er mir zu und kam mir entgegen, um mich freundschaftlich zu umarmen. „Danke, mir geht´s gut! Ja, schon lange nicht mehr gesehen, Cian! Wie geht´s Aine und den Kindern? Das ist übrigens mein Freund Lyciscus!“ Ich wies auf meinen Begleiter und bedeutete ihm, näher zu kommen. Cian lächelte dem Thraker zu und wandte sich dann wieder an mich.
    „Ach, Aine geht es wieder gut soweit. Hatte ein paar Probleme bei der Geburt unseres keinen Jungen, vor zwei Monaten. Und die Kinder sind auch wohlauf.“ Ich lachte und schüttelte den Kopf. „Das glaube ich ja nicht, du bist schon wieder Vater geworden? Herzlichen Glückwunsch!“ Cian klopfte mir freundschaftlich auf die Schulter
    „Danke, danke! Was kann ich euch beiden gutes tun? Ein Bier und ein Lammeintopf für jeden von euch?“ Das klang doch richtig gut! Cians Lammeintopf schmeckte wie zu Hause. Ich wandte mich an meinen Begleiter.„Na, was meinst du? Hast du Lust auf einen Lammeintopf und Bier?“


    * Willkommen, mein Freund! Lange nicht mehr gesehen! Wie geht es dir?

  • Lyciscus war erstaunt, in was eine Welt er hier gerade geführt wurde, und das nicht einmal so weit entfernt von der, aus der er gekommen war. Nach jedem Schritt den er machte, berührte ihm eine andere Hand, einmal die eines Bettler, einmal die einer Frau die für Geld des Männer's Lust befriedigte. Der Geruch der hin und wieder seine Nase reizte, störte den Thraker nicht sonderlich, auf dem Schlachtfeld selbst, und auch Tage nach der Schlacht, hatte er schlimmeres wahrnehmen müssen. Anstatt einen Ekel für die Menschen zu empfinden, wie es wohl einige taten, empfand der Sklave eher Mitleid. Ihm war nicht bewusst wie groß die Unterschiede zwischen dem Volk in Rom gewesen war. Einmal mehr wurde Lyciscus bewusst, wie gut er es eigentlich unter den Händen seiner Domina hatte.


    Angus führte den Thraker durch die Gassen, während dieser immer noch seine Blicke hin und her wandern ließ. Der Brite musste wohl schon mehr Zeit hier verbracht haben, so Zielsicher wie er seinen Weg beschritt. Vor einer großen Tür machten die Beiden halt, der Mann aus dem Norden gab zu verstehen, das man sogleich eintreten würde, und der Thraker folgte ihm natürlich. Schon kurz nachdem man die Tür passierte, wurde Angus äußerst freundlich empfanden, vermutlich war es sogar der Besitzer dieser Taverne. Lyciscus verstand kein Wort das der Mann sprach, erst als Angus ihm antwortete, konnte er sich zusammen reimen, was er wohl gesagt haben mochte. Nachdem der Brite den Sklaven knapp vorstellte, erwiderte er das lächeln des Besitzers, indem er ihm respektvoll zunickte und selbst lächelte.


    Lyciscus ließ die beiden bekannten ein wenig tratschen, er selbst ließ wiedermal seine Blicke wandern. Die Taverne sah zwar nicht besser aus, als die, wo der Thraker bereits einmal gegessen hatte, jedoch fühlte er sich nicht unwohl. Auch hier befanden sich Menschen, die wohl eher zu dem einfachen Volk gehörten. "Das klingt gut mein Freund!" entgegnete Lyciscus dem Briten auf seine Frage. Bei dem Bier hatte der Sklave weniger bedenken, davon konnte er schon ein paar trinken, bevor man ihm nachhause tragen musste, Wein hingegen vertrug er nur schlecht, vor allem, wenn dieser nicht verdünnt war. Oft reichten schon zwei Becher, und der Thraker wusste nicht mehr wo oben und unten war, einer der Gründe warum er kaum Alkohol trank. Lyciscus bewegte sich zugleich an einen freien Tisch, setzte sich auf einen Stuhl und stellte Angus zugleich eine Frage "Du scheinst die Menschen hier gut zu kennen, kommst Du öfters hier her?"

  • Cians Taberna war sehr einfach eingerichtet, aber dafür war es hier sauber. Als Sitzgelegenheiten dienten Hocker aus Holz, die Tische waren aus Dielenbretter zusammengenagelt. Die Wände waren vor langer Zeit einmal weiß angetüncht gewesen, doch davon war nicht mehr viel übrig. Vielmehr erinnerte die Farbe inzwischen an ein ockergelb. An einigen der Tische saßen Leute, die tranken und aßen. Zu Cians Kunden zählten kaum Römer. Alle anderen, die sich an einem guten selbstgebrauten Bier erfreuen konnten, waren hier am richtigen Ort. Oft kamen Leute hierher, die wie Cian oder Angus aus Britannia stammten.


    Ich hatte mich an einen Tisch gesetzt und bot nun Lycicus den Platz mir gegenüber an. Nachdem sich auch der Thraker für das Bier und den Lammeintopf begeistern konnte, machte sich Cian auf den Weg hinter den Tresen. Ein wenig später kam er mit zwei tönernen Krügen, gefüllt mit Bier zurück.
    „So, dann zuerst euer Bier! Essen kommt gleich!“ Er stellte es vor uns ab und verschwand gleich wieder. Seinen Landsmann wollte er nicht lange warten lassen.
    „Lass uns anstoßen, Lyciscus! Slàinte mhath! Gute Gesundheit!“ Ich nahm meinen Krug und prostete ihm zu, dann genoss ich das kühle Bier. Ach war das gut! Gespannt sah ich zu meinem thrakischen Freund, ob auch ihm der Gerstensaft mundete.
    „Cian habe ich vor einigen Jahren durch Zufall kennengelernt. Er ist, wenn du so willst, noch meine einzige Verbindung zu meiner Heimat. Manchmal, wenn mich die Sehnsucht packt, komme ich hierher, schließe die Augen und denke für einen Moment, ich wäre zu Hause. Leider kommt dann immer wieder der Gestank von der Straße durch. Dann weiß ich, dass ich doch noch in Rom bin,“ beantwortete ich lachend Lyciscus‘ Frage.

  • Der Thraker fühlte sich wohl, selbst wenn ab und zu ein fauliger Geruch zu vernehmen war, allein das er mit Angus einen neuen Freund gewonnen hatte, und zugleich mit diesen durch Rom wanderte, stimmte Lyciscus fröhlich. Geduldig wartete der Sklave auf das Bier und das Essen, das Angus ankündigte und auch geordert hatte. "Zum Wohle mein Freund! Ich Danke Dir für diesen Tag!" entgegnete er dem Briten während er seinen Krug in die Luft hielt. Mehrere kräftige Schlucke trank der Thraker aus dem Krug, stellte diesen dann auf den Tisch ab und wischte sich mit seinem Arm über seinen Mund. Plötzlich ertönte ein kräftiges rülpsen aus der Richtung des Sklaven, dieser wiederum hielt sich seine Hand vor dem Mund und seine Augen vergrößerten sich. Zuerst wollte er sich entschuldigen, doch dann fing Lyciscus herzhaft an zu lachen, während er mit der Hand auf seinen Oberschenkel schlug.


    Auch wenn der Mann aus dem Norden lachend seine Frage beantwortete, so war zwischen den Zeilen definitiv Trauer zu erkennen. Lyciscus verstand Angus sehr gut in dieser Angelegenheit, freute sich aber für ihn, das er zumindest eine Kleinigkeit hatte, die ihn zurück in die Heimat brachte. "Angus, was würde in Britannien auf Dich warten? Kinder? Familie? Eine wunderschöne Frau?" der Sklave wollte etwas mehr erfahren, schließlich wusste er eigentlich nicht, was Angus alles zurückgelassen hatte. Und obwohl Lyciscus gerade mal seinen Krug zur hälfte geleert hatte, spürte er wie sich der Alkohol bereits in seinen Adern breit machte.

  • Oh ja, es mundete! Sein Rülpsen war Beweis genug. Schließlich saßen wir beide da und lachten aus vollem Halse.„Alles gut! Lass es dir schmecken, mein Freund! Es ist schön, wenn man sein Bier nicht alleine Trinken muss“, gab ich zur Antwort. Und das stimmte. Ich weiß nicht, wie lange es her war, seit ich das letzte Mal so herzhaft gelacht hatte. Musste schon eine Ewigkeit her sein. Gerade zum rechten Zeitpunkt kam Cian mit unserem Essen an.
    „Zweimal Lammeintopf mit frischen Brot. Lasst es euch schmecken!“ sagte er, als er die beiden Teller vor uns abstellte. Sofort griff ich nach dem Löffel. Doch bevor ich zu essen begann, wünschte ich dem Thraker noch einen guten Appetit. Der Eintopf war wirklich vorzüglich und das Brot, es schmeckte ein wenig nach Thymian, war noch warm.


    Als Lyciscus mich nach meiner Heimat auszufragen begann legte ich den Löffel beiseite. Auch mein Grinsen wich aus meinem Gesicht. „Es gibt niemanden mehr, der dort auf mich wartet. Die, die mich verraten haben, haben ganze Arbeit geleistet.“ Ich schwieg einen Moment, bis ich weitererzählte. „Cedrec, der Mann, der mich verraten hat, hatte es auf meine Frau abgesehen. Wir hatte uns gegen Rom erhoben, weil er uns aufgestachelt hatte. Sie kamen und haben mein Dorf dem Erdboden gleichgemacht. Ich dachte Aislin, meine Frau sei tot. Aber sie hatte überlebt. Sie machte sich auf den Weg, mich zu finden. Was sie jedoch nicht wusste, Cedric verfolgte sie Sie fand mich tatsächlich hier in Rom. Ich glaubte damals, ein Traum wird wahr. Doch dann kam Cedric und hat sie umgebracht. Ich habe ihn und jeden seiner Männer getötet.“ Danach wurde ich zu dem, was ich bis vor kurzem gewesen war, ein unbeseeltes Instrument, dass nur Befehle ausführte, ganz gleich was es war.

  • Es war schön zu sehen, das Angus des Thraker's Missgeschick mit Humor nahm, er lachte sogar mit Lyciscus zusammen, was wirklich erfreulich war. "Danke mein Freund. Da gebe ich Dir recht, ich könnte mir aber kaum vorstellen, mit jemanden anderen als wie mit Dir, so genüsslich zu trinken!" entgegnete er dem Briten. Der Sklave war sichtlich Froh darüber das der Nordmann ihn mitnahm, es war ihm kaum möglich genug Dank dafür auszusprechen. Schon stand auch das Essen da, es duftete herrlich, und Lyciscus lief das Wasser im Mund zusammen. Er wünschte auch Angus einen guten Appetit, ehe er selbst den Löffel in die Hand nahm, und sofort zu Essen begann. Was für ein Genuss, der Eintopf und das Brot schmeckten vorzüglich, Angus hatte wirklich eine Nase dafür, dem Sklaven eine Freude zu machen.


    Noch während er sich einen Löffel in den Mund stopfte, antwortete der Brite auf seine Frage, mit großen Augen hörte der Thraker aufmerksam zu, und hatte dabei vergessen, das er noch Essen in seinem Mund hatte. Es sah total lächerlich aus als ihm dieses wieder zurück in die Schüssel fiel, doch die Antwort versetzte dem Sklaven solch einen Stich, das er nicht weiteressen konnte. Die Schicksale der Beiden war wirklich sehr ähnlich, obwohl es Angus wesentlich schlimmer erwischt hatte. Die Augen des Thraker füllten sich mit Tränen, als sein Gegenüber von der geliebten Frau erzählte. Das die plötzliche ersehnte Vereinigung in einem Alptraum endete, musste wohl eine Katastrophe für den Briten gewesen sein. "Ich... Ich bedaure Deinen Verlust wirklich sehr... mein Freund... jedoch bedaure ich nicht, das Schicksal der Verräter... Du hast richtig gehandelt, ich hätte es vermutlich nicht anders gemacht..." Lyciscus bestärkte die Handlungen von Angus, auch wenn diese seine Frau niemals zurückbringen würden, war es nur gerecht, das der Brite sie ihres Leben beraubte. Um die Situation wieder etwas zu lockern, versuchte der Thraker etwas mehr über den restlichen Verlauf des Tages herauszufinden "Und mein Freund, was hast Du eigentlich noch vor? Wo wollen wir noch hin, was möchtest Du mir zeigen?" Der Tag war noch lange nicht vorbei, und wer weiß ob Angus nicht auch was für die Nacht geplant hatte, langsam widmete sich Lyciscus wieder dem Essen und dem Bier, während er auf eine Antwort wartete.

  • Ja genau, eine Ewigkeit war es her. Damals, als noch die rote Füchsin Vulpes in der Villa lebte, ja, da hatte es anders ausgesehen. Mit ihr, der Sklavin des Flavius Dexter hatte ich mich unterhalten können, obwohl sie ein Produkt der flavischen Zucht gewesen war. Doch Vulpes hatte ich tatsächlich schon eine Ewigkeit nicht mehr gesehen. Ich fragte mich, ob sie noch lebte. Ansonsten gab es unter der flavischen Sklavenschaft wohl keinen außer dem Thraker, mit dem ich hierher gehen konnte. „Ja, das sehe ich genauso! Also lass uns das hier genießen. Wer weiß, wann wir wieder die Gelegenheit dazu haben werden!“


    Ich hoffte, ich hatte Lyciscus mit meiner Geschichte nicht den Appetit verdorben. An Cians Essen konnte es jedenfalls nicht liegen. Das schmeckte wie immer fantastisch. Zumindest aber hatte ich es geschafft, ihm einige Tränen zu entlocken. Mit einer solchen Gefühlsregung hätte ich bei einem Mann wie dem Thraker nicht gerechnet. „Ich danke dir sehr für dein Mitgefühl, mein Freund. Es war damals eine sehr schwere Zeit für mich. Manchmal kommt es mir so vor, als hätte ich selbst heute noch nicht ihren Tod überwunden.“
    Doch die Sache mit Morrigan hatte mir damals endgültig den Rest gegeben. Sie war die Dolchspitze, die mein Herz endgültig zerfetzt hatte.


    Lyciscus Frage war es dann, die mich aus meinen düsteren Gedanken riss. Ich hatte wieder damit begonnen, zu essen. Den einen Bissen schluckte ich hinunter und spülte ihn mit etwas Bier nach. „Nun, früher gab es hier in der Nähe ein sehr gutes Lupanar. Eines der besten und saubersten in Rom. Allerdings hat es seit einiger Zeit geschlossen. Aber natürlich gibt es auch andere Häuser, die nicht schlecht sind.“ Wobei keines annähernd an das „Aedes iste Laetitia“ herankam. „Wozu hättest du den Lust?“ Zu einer entspannenden Massage hatte ich nichts einzuwenden. Doch ich dachte mir, der Thraker sollte entscheiden. Vielleicht hatte er ja noch eine bessere Idee. Schließlich kannte ich nicht seine Vorlieben.

  • Das Essen war wirklich ausgezeichnet, der Thraker hatte schon lang nicht mehr so gut gegessen, was aber nicht bedeutete, das er bei seiner Herrin nichts anständiges bekam, ganz im gegenteil, die Aurelia war äußerst großzügig, wenn es um ihren Leibwächter ging. Auch das Bier war köstlich, auch wenn Lyciscus selten trank, so schmeckte es ihn diesmal, und da er so selten trank, bemerkte er natürlich schnell, das der Alkohol zu wirken begann. Angus hatte natürlich vollkommen recht mit seiner Aussage, der Sklave würde definitiv diesen Tag genießen, bisher war es auch wirklich sehr unterhaltsam.


    Auch wenn Lyciscus natürlich immer noch großes Mitgefühl hatte, wollte er nicht weiter kommentieren, schließlich waren sie hier um etwas Spaß zu haben. Doch trotzdem schmerzte es ihn sehr, das Angus seine Liebe verloren hatte, er selbst war nie in so eine Situation geraten, weder hatte er jemanden verloren den er liebte, noch... liebte er jemals jemanden in diesem Sinne. Wie es ihm selbst wohl nach solch einer tragischen Sache ginge, nun, eigentlich wollte er es gar nicht wissen.


    Als der Brite dann anfing zu erzählen, das es ein gutes Lupanar gab, schluckte der Thraker erstmal, er selbst hätte sich nie vorstellen können, solch ein Haus jemals zu betreten. "Du kennst Dich hier wesentlich besser aus, mein Freund. Also würde ich es bevorzugen, wenn Du entscheidest, was wir machen, Hauptsache, es macht Spaß." grinste ihn Lyciscus entgegen, er wusste nicht so richtig, auf was er jetzt wirklich Lust gehabt hätte, also überließ er es lieber Angus, denn nächsten Ort zu wählen. Außerdem vertraute er dem Nordmann sehr, allein mit dieser Taverne hatte er ihn bereits überrascht, also würde das nächste Ziel bestimmt genau so gut werden. "Falls Du es aber wirklich nicht entscheiden willst, kannst Du mir gerne ein paar Optionen nennen, für die ich mich entscheiden könnte." fügte er schlussendlich hinzu, und prostete Angus noch mit dem letzten Schluck Bier in seinem Krug zu.

  • Nanu, registrierte ich da etwa eine Abneigung, als ich das „Aedes iste Laetitia“ erwähnt hatte? Nunja, ich kannte ja nicht wirklich seinen kulturellen Hintergrund nicht. Womöglich kannte man in Thrakien ja keine Freudenhäuser. Jedoch musste es dort doch sicher auch Frauen oder sogar Männer geben, die ihren Körper für Geld verkauften. So etwas gab es doch überall, oder?


    Nun gut, ich ließ sein Zögern außer Acht und begann darüber nachzudenken, was man mit dem Rest des Tages noch anstellen konnte. „Also gut, dann unterbreite ich dir einige Vorschläge und du entscheidest dann! Mhh, lass mich nachdenken. Ganz in der Nähe gibt es ein Lupanar, das dem bereits erwähnten Etablissement so in etwa nahe kommt. Die Frauen dort sind sauber und manche sogar ganz hübsch. Naja, sie bieten das Übliche. Dann gibt es ein paar Straßen weiter einen orientalischen Laden, wo man Opium rauchen kann.“ Ein alter flavischer Sklave hatte mir vor Jahren einmal diesen Tipp gegeben. Einst sei er dort einmal mit seinem Herrn gewesen, kurz vor dessen Hochzeit. Der Laden war zwar nicht ganz billig, doch das Opium vernebelte deinen Geist und du konntest für eine Zeit lang abtauchen. „Hast du schon mal Opium geraucht, Lyciscus?“, fragte ich den Thraker, um sicher zu gehen, dass er wusste, wovon ich sprach. „Oder hättest du Lust auf eine entspannende Massage?“ Unter Amastris‘ Händen wurde noch jeder Mann schwach. Die kleine Partherin hatte eine unglaubliche Begabung, wobei ihre Fähigkeiten nicht nur in ihren Fingern steckten…

  • Lyciscus hatte fertig gegessen, er ließ nichts übrig, selbst der Krug Bier war leer getrunken. Zufrieden lehnte sich der Thraker zurück und entspannte sich ein wenig, während er sich weiterhin mit Angus unterhielt. Aufmerksam hörte er sich die Vorschläge des Briten an, ein Lupanar hörte sich grundsätzlich nicht uninteressant an, Lyciscus hatte schon was übrig für schöne Frauen, auch wenn er sie eigentlich am liebsten betrachtete. Es war tatsächlich schon lange her, als er das Bett mit einer Frau geteilt hatte, nicht mal wie lange es bereits her war, wusste der Sklave. Dennoch, sein Bauchgefühl lehnte diesen Vorschlag bereits ab, nachdem Angus ihn ausgesprochen hatte, warum auch immer.


    "Opium? Gehört habe ich davon, jedoch nie selbst geraucht, mein Freund." ja selbst in Thrakien gab es genügen Menschen die davon sprachen, aber es wurde auch erzählt, das es Menschen gab die soviel geraucht hatten, das sie nicht mehr aufgewacht sind. Gerade Lyciscus hatte es wohl kaum notwendig sich mit Opium aus dieser Welt zu katapultieren, seine Gedanken allein schafften es oft genug, ihn in eine art Trance zu versetzen, auch wenn es immer nur dann passierte, wenn er die Aurelia erblickte. Eine Massage jedoch klang wirklich verlockend, sehr selten hatte der Thraker eine genossen, meist war er selbst derjenige, der seine geliebten massierte, da die Frauen in Thrakien seine Hände regelrecht genossen. "Also ein Lupanar ist nicht unbedingt ein Ort, an dem ich mich wohl fühlen würde. Jedoch gegen eine Massage hätte ich nichts einzuwenden, Entspannung kann nie schaden." grinste der Sklave dem Briten breit entgegen. Ja, Entspannung war etwas, was der Thraker wirklich genießen konnte, und wenn man bedenkt, beim Entspannen konnte man sogar gute Freunde gewinnen, sowie es auch mit Angus der Fall war.

  • Nach dem leckeren Essen, das uns mein Freund Cian servieret hatte, war ich für alles offen. Wie ich schon fast vermutet hatte, konnte sich der Thraker nicht für den Besuch eines Lupanars begeistern. Vielleicht änderte sich das ja, wenn er mal lange genug in Rom gelebt hatte. Ich selbst hatte ja damals meinen Weg dorthin auch nur wegen Morrigan gefunden.
    Wie sich herausstellte, hatte Lyciscus auch noch keinerlei Erfahrungen mit Opium gemacht. Ich selbst gönnte mir diese Wonne nur ganz selten, da sie für jemanden für mich recht kostspielig war. Doch wenn der Thraker es gewollt hätte, wäre ich mit ihm dort hin gegangen. Lyciscus entschied sich letztendlich für die Massage. Nur wenige Schritte weiter, verborgen in einer Seitengasse, gab es eines von unzähligen kleineren Privatbädern, welchen man für dein kleines Eintrittsgeld besuchen konnte.
    Zimraan, ein Parther, war der Pächter dieses Bades hatte daraus eine orientalische Oase der Entspannung gemacht. Das Interieur wirkte zwar zugegebenermaßen etwas schmuddelig und abgegriffen. Das Personal allerdings und im Besonderen eben jene Amastris war wirklich fähig. Unter ihren Händen hatte er schon mache entspannende Stunden verbracht. „Na gut! Dann lassen wir uns nun verwöhnen!“ Verheißungsvoll lächelte ich ihm zu. Ich trank meinen Becher aus. Kurz darauf stand ich auf, um bei Cian für das Essen zu zahlen. Mein Freund allerdings weigert sich das Geld anzunehmen, da wir selbstverständlich Gäste des Hauses seien. Ich dankte ihm vielmals. Dann brach ich mit Lyciscus auf.


    Das balnea meritoria sah von außen sehr unscheinbar aus. Ich ging voraus und drückte einem Mädchen, welches am Eingang stand, für unseren Eintritt einige Münzen in die Hand. „Komm, mein Freund!“, rief ich dem Thraker zu und trat ein. Ein anderes Mädchen führte mich zu einem kleinen Raum, indem wir uns umziehen konnten. In den Wänden des schmucklosen Raumes befanden sich kleine Nischen, in denen wir unsere Kleidung ablegen konnten. In einer Ecke lagen Handtücher und hölzerne Badesandalen bereit.
    Ich begann mich zu entkleiden, legte meine Kleidung in eine der Nischen, suchte mir ein paar passende Badesandalen, nahm mir ein Badetuch und schlang es um meine Hüften.

  • Lyciscus war verwundert das der Gastgeber kein Geld von Angus annahm, bisher hatte er in Rom nur Menschen kennengelernt, die nicht erwarten konnten genügend Münzen in ihrer Hand zu halten. Daraufhin verbeugte er sich respektvoll und bedanke sich beim Gastgeber für seine Einladung, natürlich fügte er auch hinzu das die Speisen ausgezeichnet waren, und er hoffte bald wieder vorbeischauen zu können.


    So folgte der Thraker dem Briten, bis sie nicht weit entfernt, in ein weiteres Haus eintraten. Irgendwie wirkte es nicht so, als würde man hier Entspannung erfahren können, doch der Sklave vertraute seinen Freund, Angus wusste bestimmt schon wohin man gehen musste, schließlich war er lange genug in Rom. Als der Nordmann begann sich bereit zu machen, in dem er sich entkleidete, machte es ihm Lyciscus nach. Der Thraker war schon gespannt was ihn hier erwarten würde, schließlich kannte er diese Seite von Rom nicht. Noch während er selbst ein Tuch um seine Hüften wickelte, suchte er wieder ein Gespräch mit Angus.


    "Mein Freund, wir trafen uns das erste mal in der Villa Claudia, falls Du Dich erinnern kannst." tatsächlich war es so gewesen, denn als Lyciscus bei den Schaukämpfen teilnahm, sah er noch ein paar Tage davor alle Kämpfer in dem Vorraum wo diese begutachtet worden waren. "Ich kann mich noch erinnern als Du eingetreten warst, und fast zu Boden gegangen bist." Der Thraker befestigte das Tuch so das er es nicht mehr halten musste, bevor er sich wieder Angus widmete, dabei lächelte er ihn an. "Gut sehen wir aus! Wir sollten aufpassen das wir nicht von Frauen umzingelt werden!" ein breites Grinsen folgte, bevor er wieder zum Thema in der Villa Claudia umschwenkte. "Es schien mir damals so, als kanntest Du die Persische Sklavin, Morrigan, denn Deine Augen klebten regelrecht an ihr." erinnerte sich der Sklave, und wusste eigentlich nicht welches Verhältnis der Brite zu Morrigan hatte. Lyciscus selbst hatte nur ein wenig Kontakt mit der Perserin, doch mittlerweile, hatte er großes vertrauen zu ihr, aus verschiedensten Gründen. "Kann es denn sein das mein Freund sein Herz verschenkt hat?" völlig direkt kamen diese Worte aus dem Mund des Thrakers, dabei lächelte er Angus direkt an. Natürlich hatte er zuvor noch in der Taverne erzählt, welches Leid ihm zugefügt worden war, allein durch die Tatsache, das seine Frau getötet wurde. Jedoch hieß das noch lange nicht, das er sich in der Zeit in Rom nicht verliebt haben hätte können, und Morrigan war durchaus eine schöne Frau, auch wenn sie dem Geschmack des Thrakers nicht entsprach. Aber um sein Herz zu verschenken gehörte auch meist einiges mehr als nur das äußerliche Erscheinungsbild, zumindest sah es Lyciscus so, und so wie er Morrigan kennengelernt hatte, steckte in der Sklavin wesentlich mehr, als nur eine hübsche Frau. "Also mein Freund, erzähl mir doch ein wenig, ich Liebe gute Geschichten!" feuerte er quasi den Briten an, und wartete Geduldig darauf, Entspannung genießen zu können und dabei von Angus unterhalten zu werden.

  • Eine junge Sklavin, die aufgrund der im Bad herrschenden Wärme nur spärlich bekleidet war, holte uns ab, um uns zum Sudatorium zu bringen. Doch bevor wir das Dampfbad betraten, hatten wir noch Gelegenheit, uns den Staub der Straße abzuwaschen. Dann ging ich vor ins Dampfbad und setze mich. „Ja, so ist es. Zumindest haben wir uns dort zum ersten Mal bewusst wahrgenommen,“ entgegnete ich ihm lächelnd. Genau diesen Tag hatte ich versucht zu verdrängen, denn er war so schmerzlich für mich verlaufen. Nicht etwa, weil ich von einer Frau besiegt worden war. Nein, Hiera war eine begnadete Kämpferin gewesen und sie hatte zurecht gewonnen!
    Als der Thraker dann weitersprach, wich mein Lächeln zusehends aus meinem Gesicht. Offenbar war er ein guter Beobachter, dem nichts entging. Eine gute Voraussetzung für einen Kämpfer! „Ach ja? Das ist dir aufgefallen?“, fragte ich beiläufig und wischte die ersten Schweißperlen aus meinem Gesicht. Eigentlich wollte ich nur etwas Zeit gewinnen, da ich mit mir rang, wie viel ich Lyciscus von der Sache zwischen Morrigan und mir preisgeben wollte. Ich war ganz in Gedanken und bekam seinen Scherz, den er machte, gar nicht richtig mit. „Jaja,“ meinte ich geistesabwesend. Schließlich wurde ich wieder ins hier und jetzt zurückgerissen, als er wieder den Tag in der Villa Claudia ansprach. Mit der Erwähnung von Morrigans Namen kam es mir so vor, als stäche er mir in die Seite. Einen Moment lang musste ich mich sammeln, dann räusperte ich mich und antwortete. „Ich kenne Morrigan von früher.“ Ich war spartanisch mit den Informationen, die ich ihm gab, denn Morrigan bedeutete mir immer noch etwas, trotz der schmerzenden Wunde, die sie in meinem Herzen hinterlassen hatte. Doch der Thraker lies nicht locker. „Erwischt! Ja, du hast recht!“ gab ich nun endlich zu, da ich inzwischen glaubte, dass es besser wäre darüber zu sprechen. „Damals, in meinem ersten Jahr in Rom, lernte ich sie kennen. Es war an den Saturnalien. Wie heute war ich damals auch in der Subura. In einer Taberna habe ich sie zum ersten Mal gesehen. Sie war so schön und so ganz anders, wie alle anderen Frauen, die ich bis dahin hatte. Ihr schwarzes Haar und dann ihr Name Morrigan … ich begehrte sie damals und fürchtete mich zugleich vor ihr. Du musst wissen, bei uns ist der Name Morrigan der Name eines Geistes, einer Art Dämonin, die das Schicksal der Menschen lenkt. Und tatsächlich, das Schicksal hat uns zusammengeführt und auch wieder getrennt.“Ich ahnte schon, dass sich der Thraker damit alleine nicht zufrieden geben würde...

  • Nachdem Lyciscus sich ebenfalls gewaschen hatte, folgte er Angus zugleich in das Dampfbad. Schon das durchwandern entspannte ihn ein wenig, als er sich dann auch noch setzte und seine Arme locker ausbreitete, schloss er für einen kurzen Augenblick seine Augen. Der Thraker fühlte sich richtig wohl, der Brite hatte wirklich viel Ahnung davon wo man das bekam, nachdem man sich gerade sehnte.


    Mit leicht geöffneten Augen betrachte der Sklave Angus, während dieser sehr sparsam mit Antworten umging. Etwas merkwürdig fand er es schon, denn bisher hatte er dem Thraker kaum was verschwiegen, hatte Lyciscus vielleicht eine Wunde geöffnet? Nun, dies lag bestimmt nicht in seiner Absicht, es war reines Interesse das er für Angus sowie auch für Morrigan hegte. Erst als ein ...Erwischt!... aus dem Mund des Nordmanns entwich, setze sich Lyciscus wieder in eine aufrechtere Position, dabei galt seine Aufmerksamkeit ganz dem Briten und seinen Worten, die er zu sprechen begann. Trotz des Dampfes der einem leicht die Sicht nahm, konnte der Sklave gut erkennen, das Angus aus vollen Herzen sprach. ...Sie war so schön und so ganz anders, wie alle anderen Frauen... Oh ja, da musste Lyciscus ihm recht geben, Morrigan war definitiv eine Blume der besonderen Art.


    Als Angus dann aber über das Schicksal zu sprechen begann, hob der Thraker eine Augenbraue, sie waren also schon mal zusammen und wurden wieder getrennt, nur jemand der tatsächlich keine Interesse hätte, würde hier aufhören Fragen zu stellen. "Warum haben sich Eure Wege getrennt?" fragte Lyciscus direkt heraus, dabei legte er eine Hand an Angus Schulter. "Morrigan ist doch eine anständige Frau, und Du... scheinst mir ein anständiger Mann und ein Guter Freund zu sein, also wie kam es dazu?" interessiert legte der Sklave nach, einerseits wollte er mehr über Angus erfahren, andererseits hatte er noch gut im Kopf, das er ihn angeboten hatte, ihm zu helfen, wann immer er Hilfe benötigte. Da er Morrigan kannte, auch wenn er mit Sicherheit nicht den besten draht zu ihr hatte, so konnte er sich immer noch für seinen Freund einsetzen, wenn es denn sein Wunsch war.

  • Auf meiner Haut hatte sich inzwischen ein feuchter Film aus Wasser und Schweiß gebildet, den ich mit meinen Händen einfach abwusch. Wie ich es bereits vermutet hatte, wollte Lyciscus noch mehr wissen. Seine Frage war berechtigt, nachdem was ich bisher alles über Morrigan und mich preisgegeben hatte. Das Schicksal hatte uns beiden wirklich übel mitgespielt. Jedem auf seine Weise.
    Bevor ich weitersprach, seufzte ich, denn wieder musste ich die Geister der Vergangenheit herbeirufen. „Nun, ich hatte dir doch von Aislin, meiner Frau erzählt. Sie war damals nach Rom gekommen, um mich zu suchen. Und sie fand mich auch. Aber so schnell wie ich sie wiederbekommen hatte, verlor ich sie auch wieder. Danach war ich am Boden zerstört. Ich eilte damals zu Morrigan, weil sie noch die einzige war, die für mich im Leben eine Bedeutung hatte. Ich bot ihr an, dass Scato, mein Dominus, sie kaufen könne, damit wir von nun an zusammen sein könnten. Doch sie geriet darüber außer sich und hielt mir als Antwort ihre Freilassungsurkunde vor die Nase. Damit konnte ich natürlich nicht mithalten. Damals hätte ich mit ihr fortgehen können. Aber ich war zu feige! Dann verließ ich sie und sah sie danach nicht wieder… bis zu dem Tag in der Villa Claudia.“ Damit schloss ich – vorerst. Denn was danach folgte, war wirklich nicht ruhmreich. Nachdem ich alles verloren hatte, hatte ich mich am Ende selbst verloren.


    „Du glaubst tatsächlich, ich sei ein anständiger Kerl, Lyciscus? Nein, das bin ich nicht, mein Freund! Wegen mir starb meine Frau, weil ich zu feige war habe ich Morrigan für immer verloren und das widerwärtigste von allem, was ich getan habe, war das, was ich Iduna angetan haben. Du weißt, die kleine Rothaarige. Sie ist ebenfalls in Scatos Besitz.“ Langsam stieg mir die Hitze zu Kopf. Ich bruchte eine Abkühlung, in jederlei Hinsicht!

  • Das Dampfbad war wirklich ein Genuss, für den Thraker war es der reinste Segen sich hier einfach nur zu entspannen. Lyciscus freute sich schon auf die Massage, die demnach auch bald folgen sollte, er war Angus wirklich sehr dankbar für diesen Besuch, hoffentlich könnte er sich einmal revanchieren dafür. Der Brite erzählte bereitwillig weiter, und der Thraker hörte natürlich aufmerksam zu. Das Wort Freilassungsurkunde ließ Lyciscus erstmal aufschrecken, Morrigan war also Frei? Völlig verwundert über diese Tatsache, stellte er zugleich die nächste logische Frage. "Was? Morrigan war frei? Wie kam es zu ihrer Versklavung?" zugleich schoss er aber die nächste Frage nach "Und aus welchem Grund hast Du Morrigan verlassen?" etwas, was der Thraker überhaupt nicht nachvollziehen konnte.


    Nun zählte der Brite auf, warum er eigentlich nicht anständig war, dabei erwähnte er auch eine gewisse Iduna, die Lyciscus nicht kannte. "Iduna? Kleine Rothaarige? Von wem sprichst Du?" er hatte noch nie diesen Namen gehört. Scheinbar gehörte sie aber auch in die Villa Flavia, da Angus erwähnte, das sie den selben Herren hatten. Da in der Villa aber ständig Sklaven herum liefen, und Lyciscus kaum von einem den Namen kannte, wusste er auch von der erwähnten Sklavin nichts.

  • Ich erhob mich uns schlurfte langsam zum Ausgang. Mein Kopf und auch mein Körper waren leicht gerötet. Eine Abkühlung fand ich im Frigidarium. Das kalte Wasser war eine Wonne! „Ja natürlich! Wusstest du das nicht? Ihr gehörte das „Aedes iste Laetitia“, das beste Lupanar der Stadt, nicht weit von hier,“ rief ich. Ein Jammer, dass es nun geschlossen war. Ich erinnerte mich gerne an meine Besuche dort. „Man hat Morrigan mit dem Sklavenaufstand in Verbindung gebracht. Die Prätorianer müssen ihr ziemlich zugesetzt haben, in ihrem Carcer! Sie wurde dann öffentlich versklavt und ihr alter Dominus hat sich ihrer wieder angenommen. Leider ist sie nicht mehr die, die sie einmal war.“


    In der Zwischenzeit hatte sich Amastris kurz blicken lassen. Die Partherin mit den begnadeten Händen hatte uns mitgeteilt, dass sie und eine andere Badesklavin uns nun zur Verfügung ständen. Das ließ ich mir nicht zweimal sagen! Mit einem Satz sprang ich aus dem Becken und trocknete mich ab. „Das hier Monima!“, sagte Amastris mit ihrer zarten Stimme und deutete auf die Nubierin, die mit ihr gekommen war. „Möchtest du von Amastris massiert werden, mein Freund? Ich lasse dir gerne den Vortritt und begnüge mich mit ihrer Freundin hier!“ Ich lächelte der dunklen nubischen Schönheit zu, die meines erwiderte. Die beiden führten uns in einen separaten Raum, in dem zwei Liegen bereitstanden. Des Weiteren gab es dort ein kleines Tischchen, auf dem zwei Becher und eine Kanne mit frischem Wasser bereitstand. Ich legte mich auf eine der Liegen und erzählte, währenddessen die beiden Masseurinnen sich vorbereiteten, weiter. „Als wir uns nun wieder trafen, war das für mich ein richtiger Schock. Sie machte mir gleich wieder Vorwürfe, wo ich die ganzen Jahre gewesen sei. Dabei war sie es doch, die mich damals hatte abblitzen lassen. Aber dar war noch immer etwas in mir. Ein kleines Flämmchen der Liebe, verstehst du? Weißt du, ich liebe sie noch immer! Aber sie… sie haben sie zerstört! Die Pretorianier! Es gibt leider keine Chance mehr für uns.“
    Und außerdem war da noch Iduna, für die ich die Verantwortung übernommen hatte und für die ich etwas empfand. Meine Liebe zu ihr war zwar nicht so stark, wie die, die ich für Morrigan empfand. Jedoch war die Perserin unerreichbar geworden. Jedenfalls glaubte ich das.
    „Sag bloß, du hast Iduna noch nicht gesehen? Nun, dann werde ich sie dir einmal vorstellen. Mein Dominus hat mir die Erlaubnis gegeben, ihr Gefährte zu sein, denn ich fühle mich für sie verantwortlich... Ich stehe in ihrer Schuld.“

  • Lyciscus blickte Angus hinterher, während dieser scheinbar eine Abkühlung benötigte, kein Wunder bei den vielen Fragen die ihm der Thraker stellte. Er selbst blieb jedoch sitzen, am liebsten würde er wohl ewig hier sitzen bleiben wollen. Die Informationen überrollten den Sklaven regelrecht, und wieder waren durch die Antworten des Briten, weitere Fragen aufgetaucht. Lyciscus überlegte kurz, denn eigentlich waren sie zum entspannen hier her gekommen, er unterhielt sich wirklich gerne mit Angus, und scheinbar hatte der Mann aus dem Norden auch kein Problem damit, ihm seine Fragen zu beantworten. Dennoch, wollte der Thraker sich ein wenig zurück halten, und vorerst keine neuen Fragen zu neuen Themen stellen.


    "Das ist sehr zuvorkommen von Dir, mein Freund!" entgegnete er Angus, er war schon sehr gespannt wie die Massage wohl ausfallen würde, und so folgte er dem Briten zugleich. Lyciscus legte sich auf die zweite Liege, und versuchte ein angenehme Position zu finden, als er diese gefunden hatte, ließ er seine Arme erstmal hinunter hängen, und seufzte zufrieden. So wie Angus die Geschichte erzählte klang sie tatsächlich hoffnungslos, doch Lyciscus setzte so gut wie immer einen Positiven Schatten über solche Dinge. "Es gibt immer eine Chance, mein Freund, vor allem wenn da wahre Liebe im Spiel ist." sprach der Thraker locker aus, dabei sollte er sich mit diesem Satz eigentlich mal selbst an der Nase packen. "Angus, mein Freund, Du solltest vielleicht ein Gespräch mit Morrigan suchen, aber nimm eine starke Kette mit und leg sie Dir an, dann kannst Du nicht wieder davon laufen." Ja Lyciscus neckte ihn ein wenig, wobei er es in keinster Weise Böse meinte. Jedoch hielt er es für das beste, wenn die Beiden sich wirklich ausgiebig unterhalten würden.


    Als Angus dann weiter von Iduna erzählte, musste Lyciscus erstmal den Kopf schütteln bei dem Wort Gefährte, denn er verstand gerade nicht was genau das bedeuten sollte, dafür kannte er die Gegebenheiten in Rom dann doch zuwenig. "Also sie wäre mir nicht aufgefallen, vielleicht sind wir aneinander vorbei gelaufen, ich weiß es ehrlich gesagt nicht mein Freund." erklärte er kurz, warum er Iduna noch nicht zu Gesicht bekommen hatte. "Was meinst Du damit, das Du ihr Gefährte bist? Geht ihr jetzt gemeinsam Jagen und Pilze sammeln, oder was?" ja der Thraker hatte definitiv keine Ahnung was dies zu bedeuten hatte, und konnte nur hoffen, das Angus ihn das ganze etwas genauer erklären würde.

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