Audienz für Consular Claudius Menecrates und Claudius Marcellus

  • Ein Prätorianer geleitete den Consular und seinen Großneffen in den Audienzsaal des Domus Flaviana, wo sie ihren Termin mit dem Kaiser wahrnehmen konnten.

  • Menecrates folgte dem Praetorianer, während er nebenbei die Gedanken laufen ließ.
    "Möchtest du dein Anliegen selbst formulieren, nachdem ich dich vorgestellt habe?" Er erinnerte sich an frühere Termine und nicht alle verliefen wunschgemäß. Da er Marcellus noch nicht gut einschätzen konnte, fragte er zur Sicherheit nach. Der junge Mann sollte sich wohlfühlen und daher selbst wählen.

  • Die Aula Regia des Palastes bot einen überwältigenden Anblick. Hier war das Zentrum der Macht und man spürte dies auch, wenn man die Halle betrat. Hier trafen, in Lucius Vorstellungen, die wichtigsten Köpfe des Reiches auf einander und hier wurden auch die wesentlichen Entscheidungen für das Reiche getroffen, Politik gemacht und Kriege erklärt. Das er nun selbst in Begleitung seines Großonkels hier in diesem Saal stand, löste ein unglaubliches Gefühl der Erhabenheit in ihm aus, fasst als würde es von diesem Raum auf ihn selbst abstrahlen oder abfärben. Natürlich versuchte er dennoch sein Glücksgefühl einigermaßen unter Kontrolle zu halten und brach nicht in Jubelstürme aus. Aber das breite Lächeln konnte er vorerst dennoch nicht aus seinem Gesicht vertreiben. "Wenn du denkst, dass dies beim Kaiser gut ankommt, dann gerne Großonkel. Ich richte mich da ganz nach deiner Erfahrung." sagte er ehrlich. Er kannte den Kaiser ja schließlich noch nicht und konnte daher auch nicht einschätzen ob dieser es für gut befand, wenn sich ein junger Mann selbst mit seinen Wünschen an ihn wandte, oder ob er dies als brüskierend empfand und stattdessen lieber mit dem höhergestellten Consular über die Zukunft seines Großneffen redete.

  • Der Kaiser kam wie immer kurz nach den Bittstellern in die Aula. Seitdem der Claudier nicht mehr Consul war, fühlte sich der mächtigste Mann des Imperiums auch nicht mehr ganz so verpflichtet, alles sofort stehen und liegen zu lassen. Trotzdem mussten die beiden nicht allzu lange warten, bis eine Tür sich öffnete und eine Schar von Scribae und Dienern erschien, dann mehrere Prätorianer in zivil und zuletzt der Kaiser.


    Severus kam wie im vergangenen Jahr auch lächelnd auf Menecrates zu und begrüßte ihn per Handschlag. "Salve, Consular Claudius! Es überrascht mich, dass wir uns nach deiner so anstrengenden Amtszeit so schnell wieder sehen. Ich hatte erwartet, dass du erst einmal ein paar Tage nach Capri oder Baiae reisen würdest." Er lächelte scherzhaft. Aber der Claudier hatte sich während seines Consulats ja tatsächlich sehr umtriebig verhalten.


    "Aber ich nehme an, dieser junge Mann war es, der dich von deiner wohlverdienten Muse abgehalten hat." fügte er dann an und blickte lächelnd zu Marcellus. "Sei auch du willkommen, Claudius Marcellus." Den Begleiter hatte der Consular ja angekündigt.

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  • Menecrates registrierte gerade noch Marcellus' Antwort, als sich ein Schar an Vorboten in die Aula ergoss und den Kaiser ankündigte. Der alte Claudier drehte sich der Tür zu und erwiderte beim Eintreffen den Gruß.


    "Ave, mein Kaiser. Capri oder Baiae würden mir sicherlich gut tun, aber ich habe nach meiner Amtszeit noch nicht alle abschließenden Wege erledigt. Und wie das Leben so spielt, gesellen sich zu den bereits geplanten Vorhaben stets weitere dazu." Menecrates erwiderte das Lächeln, denn er nahm die nicht abreißenden Verpflichtungen weitgehend mit Humor. Die erste Zeit nach dem Consulat hatte er sich tatsächlich ruhiger vorgestellt.


    Er wartete die Begrüßung zwischen Kaiser und Marcellus ab, bevor er antwortete.
    "Mein Großneffe ist tatsächlich einer der Gründe, weswegen ich mir Baiae aktuell nicht erlauben kann, aber ich habe noch mehr Gesprächsstoff heute mitgebracht. Ich hoffe, du wurdest darauf vorbereitet?" In seinem Ansuchen bat Menerates um ein entsprechend größeres Zeitfenster und hegte die Hoffnung, dass dies dem Kaiser mitgeteilt wurde. Aber selbst wenn nicht, wollte er zumindest an der Reihenfolge der Anliegen nichts ändern.


    "Wenn du einverstanden bist, würde ich gerne Marcellus den Vortritt lassen. Mein Großneffe ist mit einem ambitionierten Vorhaben nach Rom gekommen und ich möchte ihn darin unbedingt unterstützen. Aber vielleicht erläutert er selbst, weswegen er das Gespräch mit dir sucht." Er blickte zu Marcellus und nickte ihm aufmunternd zu. Ein Lächeln sollte dem jungen Mann zeigen, dass er ganz locker von der Seele sprechen konnte und auch sollte.

  • "Ein bisschen Zeit habe ich natürlich." antwortete der Kaiser lächelnd. Normalerweise reichte die Zeit ja immer. Dann wartete er aber gespannt, was der junge Claudier von ihm wollte.

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  • Das war er also, der mächtigste Mann der bekannten Welt, der Kaiser des Römischen Reiches. Im ersten Moment war Lucius vollkommen überrascht, dass dieser seinen Namen kannte, doch im nächsten Augenblick wurde ihm bewusst, dass der Kaiser gewiss vor solchen Audienzen bestens informiert und vorbereitet wurde. Dennoch war es ein besonders erhebendes Gefühl vom Augustus persönlich und noch dazu so freundlich, mit Namen angesprochen zu werden. Der junge Claudier verneigte sich und wartete ab, bis die beiden großen Honoratioren die ersten Begrüßungsfloskeln ausgetauscht hatten. Erst als er dazu aufgerufen wurde sein Anliegen vorzubringen, erhob er freundlich lächelnd das Wort. "Hab Dank Augustus für diese besondere Möglichkeit. Ich habe mich bisher sehr intensiv mit der Religio Romana auseinandergesetzt, die Opferriten und Kulte studiert und mich mit den Numen unserer Götter auseinandergesetzt. Es wäre mir nun ein großes Anliegen diese bisher sehr persönliche Hingabe auch zu meiner Berufung werden zu lassen. Ich wollte dich daher voller Hochachtung und Ergebenheit um die Aufnahme ein eines der römischen Priesterkollegien bitten."


    Damit war der erste Schritt getan und Lucius hatte dem Kaiser sein Anliegen vorgebracht. Doch er selbst hatte sich ja im Vorfeld bereits einige Gedanken über seine Berufung und seine Interessen gemacht und daher wollte er es nicht nur alleine der Willkür des Kaisers überlassen, zu welchem römischen Kollegium die Zuteilung erfolgte, sofern der Kaiser überhaupt mit dieser Berufung einverstanden war. Er setzte daher gleich mit einem Vorschlag nach, um sein Interesse hervorzuheben. "Ich selbst würde mich besonders für den Dienst im Collegium Augurum interessieren." Lucius war sich bewusst, dass ein Augurenamt nicht alleine, sondern in den meisten Fällen nur als Nebenaufgabe ausgeübt wurde. Vielleicht würde er als zwar junger aber gut ausgebildeter Patrizier auch etwa im Kollegium der Pontifices weitere Aufgaben vom Kaiser erhalten. Doch das überließ er dem Schicksal. Sein vordergründiger Wunsch war einmal platziert und nun lag es am Kaiser, dem Pontifex Maximus, eine Enscheidung zu treffen und der junge Claudier war gespannt, ob dieser sich für ihn und sein Anliegen erwärmen konnte.

  • Der Kaiser bewegte sich hinauf auf seinen Thron. Das hier war ja immerhin eine Audienz. Und von dort hörte er sich das Anliegen des jungen Claudiers an. "Nun, dass den Claudiern die Religio Romana am Herzen liegt, wurde zuletzt ja recht deutlich." bemerkte er abschließend. Natürlich eine Anspielung auf die zahlreichen Feiertage, die Menecrates ausgerichtet hatte.


    Trotzdem wollte er natürlich ein bisschen mehr erfahren: "Aber warum das Collegium Augurum? Hast du persönliche Kontakte dorthin?"

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  • "Nein, dass habe ich nicht. Aber ich bin auf einem Landgut nahe Genua aufgewachsen und hatte dort Kontakte zum städtischen Collegium Augurum. Ich fand es bereits als Kind interessant und spannend zu beobachten, wie sie die Decurionen bei ihrer Regierungsarbeit berieten und habe irgendwann begonnen mich dafür genauer zu Interessieren. Daraus ist ein guter Kontakt zu einem hiesigen Augur entstanden, der mir dann die Listen der aves augurales und die Zeichen näher brachte, welche man aus ihrem Flug lesen kann." berichtete der junge Claudier den offensichtlich interessierten Kaiser. Doch gleich im Anschluss hob er beschwichtigend seine Hände. Der Kaiser sollte keinen falschen Eindruck von ihm bekommen und glauben, dass hier ein ausgebildeter Augur vor ihm stand. "Also ich habe bestimmt noch viel zu lernen. Aber ich bringe einige Vorkenntnisse mit und mein Interesse an der Arbeit in einem Auguraculum ist nach wie vor ungebrochen." Das traf es ziemlich auf den Punkt und Lucius war gespannt ob dies ausreichte, um einen Platz im römischen Collegium Augurum zu erhalten.

  • "Das hört sich ja gut an." antwortete der Kaiser und zuckte mit den Schultern. Er hatte sich für kultische Belange nie mehr als notwendig interessiert. "Unter diesen Umständen habe ich keine Einwände gegen deine Bewerbung als Augur. Traditionsgemäß werden die höchsten Collegia aber kooptiert und durch den Senat gewählt. Du solltest also ein Gesuch an Matius Metellus schreiben und ihm am besten auch eine Liste deiner Fürsprecher nennen. Er wird dann die Auguren abstimmen lassen und den Senat um Zustimmung bitten*." erklärte er das Verfahren. Als Mann des Senates hatte er diesem ja versprochen, ihn zur Rate zu ziehen. Das galt auch für kultische Belange.


    Sim-Off:

    * Du kannst einen Brief schicken. Der Narrator wird dann eine Abstimmung im Senat einleiten.

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  • Damit war auch die Frage beantwortet, ob der Kaiser Lucius supra numerum, also über die 15 Mitglieder hinaus, in das Collegium berief. Er legte dem Claudier stattdessen dem Gang zum amtierenden Consul nahe, der eine Senatsabstimmung einleiten würde, was Lucius vor die nächste Herausforderung stellte - Fürsprecher?! Er hatte seinen Großonkel Menecrates. Aber ansonsten hatte er alle Hoffnungen in das heutige Gespräch mit dem Kaiser gesetzt und versuchte entsprechend seine Enttäuschung zu verbergen. Kurz und fragend sah er zu seinem Großonkel der den direkten Gang zum Kaiser sogar vorgeschlagen hatte, ehe er sich wieder dem Kaiser zuwandte. "Das werde ich mein Kaiser. Ich hoffe meine Frage wirkt nicht unverschämt oder anmaßend, aber darf ich auch dich auf dieser Liste nennen?" Mit diesem Geistesblitz versuchte der junge Claudier noch zu retten, was zu retten war. Schließlich würde wohl kaum einer den Kandidaten des Kaisers eine Absage erteilen und vielleicht kam er auch so einfacher über diesen aufgezwungenen Umweg an sein ersehntes Ziel.

  • Der Kaiser strich sich durch den Bart. Die Sache mit den Candidati Principis war immer schon eine schwierige Angelegenheit gewesen. Die meisten Senatoren fühlten sich gezwungen, jemanden zu wählen, den er offiziell unterstützte. Das machte die Abstimmung quasi überflüssig.
    "Wie gesagt habe keine Einwände gegen deine Ernennung, was du den Auguren gern mitteilen darfst." redete er sich deshalb etwas heraus. "Aber eine klare Empfehlung für dich kann ich derzeit nicht geben, wie ich fürchte. Immerhin haben wir uns gerade erst kennen gelernt und ich kann folglich schwer beurteilen, ob du ein geeigneter Augur wärst. Aber ich bin sicher, dass das Wort deines Großonkels bereits viel zählt. Vielleicht bittest du zusätzlich noch den ein oder anderen weiteren Senator um Unterstützung, dann bin ich sicher, dass mein Wort überhaupt nicht nötig sein wird." Was dem Senat das Gefühl geben würde, eigenständig entschieden zu haben.

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  • Nun dieses Endergebnis seines kurzen ersten Gastspiels beim Kaiser war nun doch ein wenig enttäuschend für den jungen Claudier. Vermutlich hatte sich auch sein Großonkel den Ausgang dieses Themas ein wenig anders vorgestellt, denn so war der Gang zum Kaiser zwar nett, aber eigentlich auch umsonst gewesen und man hätte gleich direkt den Weg in den Senat wählen können. Den wie der Kaiser richtig festgestellt hatte, wählte man ja dort ganz ohne seine Beeinflussung die Kandidaten für das Collegium Augurum aus. Und nun war weder mit seinem Eingriffsrecht, noch mit seiner Empfehlung für eine Inauguration zu rechnen. Die Ausrede, dass der Kaiser ihn nicht kannte schien ihm auch ziemlich fragwürdig zu sein. Die Senatoren welche über seine Berufung in das Collegium entschieden, kannten ihn genau so wenig. Doch das konnte er ja schließlich recht schlecht einem Kaiser entgegenhalten. Dennoch versuchte Lucius auf gute Mine zu machen und nickte dankend. "Ich danke dir Augustus und werde deinem Rat folgen." Damit war sein Auftritt bereits beendet und er sah fragend und ein wenig ratlos zum älteren Claudier. Würde dieser noch etwas dazu sagen? Sollte Lucus nun bleiben oder gehen?

  • Auch wenn der junge Claudier tapfer die Höflichkeit wahrte, spürte der Kaiser, dass er ein bisschen enttäuscht war. Aber Severus wusste, dass er sehr genau beobachtet wurde. Wenn er an dieser Stelle begann, in Rom völlig unbekannte junge Männer an allen Traditionen vorbei in ein Collegium zu hieven, würden bald eine Menge Leute Schlange stehen.


    "Ich bin sicher, dass der Magister Augurum leicht von deinem Anliegen zu überzeugen sein wird. Du kannst ihm auch gern meine Grüße bestellen." Das war nicht direkt ein Befehl zur Cooptatio, aber würde sicherlich auch einen Wink geben.

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  • Während der Unterhaltung zwischen Kaiser und Marcellus hielt sich Menecrates zurück. Er konnte sich dadurch ein unverfälschtes Bild von seinem Großneffen machen, der - würde es heute um ein vorgezogenes Tribunat gehen - vermutlich bessere Chancen gehabt hätte als seine Cousins. Allerdings ging es bei der Vorsprache nicht um einen Offiziersposten und damit blieb der Vorstoß genauso ergebnislos wie die beiden Anfragen nach einem Tribunat.


    Menecrates fing sowohl zwischendurch als auch am Ende einen ratlosen Blick seines Großneffen auf. Eine sofortige Antwort fiel ihm für Marcellus nicht ein, er musste sich selbst zunächst sammeln. Daher kam es ihm gelegen, dass der Kaiser abschließend noch anfügte, Marcellus könne Grüße bestellen. In dieser Zeit traf er ansatzweise sein eigenes Resümee, über das er aber noch einmal in Ruhe nachdenken wollte.


    "Soll ich dich zum Magister begleiten?" Er formulierte seine Frage bewusst als Angebot und fügte keine Alternative an, damit sich Marcellus möglichst frei entscheiden konnte. "Falls ja, würden wir das vermutlich nicht mehr heute schaffen, denn die Audienz für mich beginnt gerade erst.“


    Damit sendete Menecrates zwischen den Zeilen, dass er Marcellus' Anwesenheit im weiteren Fortlauf der Audienz für unzweckmäßig hielt. Bei einem anderen Ausgang hätte er für den Verbleib des jüngeren gestimmt, sofern der Kaiser ebenfalls zugestimmt hätte, aber dies erübrigte sich jetzt.

  • Zumindest Grüße des Kaisers waren erlaubt. Das war ja zumindest einmal etwas Greifbares, dass dem jungen Claudier bestimmt in einem gewissen Grad weiterhalf. Er nickte dem Kaiser daher dankend zu und nahm dann auch sehr erfreut das Angebot seines Großonkels zur Kenntnis, ihn zum Magister Augurum zu begleiten. Dennoch entschied er sich dafür es abzulehnen. Schließlich machte es wohl einen besseren Eindruck auf den Kaiser und auch auf seinen Großonkel, wenn er sich selbst darum bemühte und damit auch Eigeninitiative zeigte. Menecrates würde er dann ohnehin wieder brauchen, wenn es um die vom Kaiser erwähnten Unterstützungserklärungen von Senatoren ging. "Vielen Dank Großonkel, aber ich werde deine kostbare Zeit nicht mit derlei Belangen überstrapazieren und mich beim Magister Augurum alleine vorstellen." Den Wink des älteren Claudiers konnte er vermutlich richtig deuten und wandte sich daher an den Kaiser. "Auch dir möchte ich nochmals für deinen Rat danken Augustus und wenn du gestattest, werde ich mich nun wieder zurückziehen. Mein Großonkel hat gewiss wichtigere Dinge mit dir zu besprechen. Es war mir eine große Ehre dich kennen lernen zu dürfen." Lucius verneigte sich vor dem Kaiser und wartete darauf, dass ihn dieser aus der Audienz entließ.

  • "Es sei dir gestattet." bestätigte der Kaiser zufrieden. Er hatte dem jungen Mann hoffentlich zumindest ein bisschen weiterhelfen können.


    Dann wandte er sich dem Consular zu. Claudius Menecrates hatte ja offensichtlich noch ein paar mehr Anliegen mitgebracht.

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  • Mit Marcellus' Auftreten und Präsentation zeigte sich Menecrates sehr zufrieden. Der junge Mann vertrat sein Anliegen, ließ sich nicht entmutigen und bewahrte Haltung. Menecrates freute sich über dessen Entschlusskraft und hegte keine Zweifel, dass er den Termin beim Magister Augurum selbstständig meistern würde. Ein aufmunterndes Nicken beinhaltete Zustimmung und beste Wünsche zugleich.


    Nachdem der Kaiser Marcellus entlassen hatte, fasste Menecrates dessen Zuwendung zu seiner Person als Aufforderung zum Fortfahren auf. Er wartete, bis Marcellus die Aula verlassen hatte, dann begann er, sein nächstes Anliegen zu erklären.
    "Ich möchte die heutige Audienz vor allem zur Erörterung der Ergebnisse der Ermittlungskommission nutzen. Ich hatte dieses Versprechen in meiner Res Gestae abgegeben, ebenso wie die Fortführung der Debatte im Senat. Allem voran möchte ich jedoch eine weitere Bitte an dich stellen."


    Menecrates hielt inne und fuhr erst nach einer Atempause fort, um den Kaiser nicht das Gefühl der Überrumpelung zu geben.
    "Ich alleine hätte die Kommissionsarbeit nicht bewältigt. Ich habe sie sogar anfänglich unterschätzt und nicht geahnt, wie zeitintensiv und kräftezehrend solche Arbeit ist. Ohne meinen Quaestor und ohne ein weiteres in seinem Engagement herausragendes Kommissionsmitglied hätte ich am Ende meiner Amtszeit nicht von erfolgreich beendeten Ermittlungen sprechen können. Meinen Quaestor habe ich bereits für eine Auszeichnung vorgeschlagen. Heute stehe ich vor dir und möchte dich bitten, meine zweite Stütze mit einer Auszeichnung zu ehren. Es handelt sich um den Trecenarius Aulus Tiberius Verus."


    Er unterbrach, um dem Kaiser Gelegenheit zu geben, sich eventuell an den Mann zu erinnern, der schon vor der Kommission die kaiserlichen Ermittlungen geleitet hat.
    "Tiberius war nicht nur über die Maßen engagiert bei den Befragungen, sondern hat von der Kommission als wichtig erachtete Zeugen ausfindig gemacht und sie einer Befragung zugeleitet. Als bemerkenswert erachte ich die Tatsache, dass der Trecenarius, ungeachtet seiner eigenen - und teils anders lautenden - Ermittlungen im Vorfeld, die er anfänglich auch offensiv vertreten hat, sämtliche Eitelkeiten abgelegt und zum Wohle Roms alle Kraft auf den Erfolg der Kommission gerichtet hat. Er musste sich von eigenen Ergebnissen teilweise lösen und er ließ neue Erkenntnisse zu, wenn die Befragungen solche ergeben haben. Die Anstrengung, mit der er sich einsetzte, wiegen nicht einmal drei andere Kommissionsmitglieder zusammengenommen auf. Er war wie mein zweites Bein, während mein Quaestor als Gehstock fungierte.
    Und wenn ich jetzt betone, dass ich zu Beginn der Ermittlungen weder Tiberius besonderes Vertrauen entgegengebracht habe noch ihn sonderlich sympathisch fand, zeigt dies vielleicht am anschaulichsten, welche positive Entwicklung der Trecenarius genommen hat und welche Bedeutung ihm beim Ermittlungserfolg zukommt."


    Der Consular blickte abwartend zum Kaiser - bereit, weiter Rede und Antwort in dieser Sache zu stehen.

  • Der nächste Punkt des Consulars kam nicht unerwartet. Sie hatten noch nicht über die Ermittlungsergebnisse gesprochen. Dabei war das höchst notwendig, wie Severus auch geschrieben hatte.


    Vor dem Inhaltlichen wollte Menecrates aber offensichtlich zuerst ein paar formelle Dinge klären. Genauer gesagt eine Auszeichnung für Tiberius Verus. "Eine gute Idee, Tiberius für seine Kooperativität auszuzeichnen." stellte er zuerst einmal fest. So wie er den Trecenarius kannte, hatte zwar nicht pure Aufopferung für die Interessen des Consuls zu seinem Engagement geführt. Aber im Grunde war das Interesse der Prätorianer ja das Interesse des Kaisers. "Ich hätte prinzipiell empfohlen, dass du als Consul selbst eine solche Auszeichnung vornimmst." erklärte er dann. Eine Diploma beispielweise konnte ja quasi jeder ausstellen. Und eine militärische Auszeichnung war für diese Verdienste ja eher unpassend. Zumindest soweit der Aquilier das sah. "Oder an was für eine Auszeichnung hattest du gedacht?"

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  • Erfreut nahm Menecrates zur Kenntnis, dass der Kaiser den Vorschlag zur Auszeichnung für eine gute Idee hielt. Überzeugungsarbeit war also nicht vonnöten, nur noch das Aufspüren einer adäquaten Auszeichnung und hier lag für Menecrates der Hase im Pfeffer.


    "Ich wollte das Thema Auszeichnung mit dir erörtern, wofür es zwei Gründe gibt.
    Zum einen halte ich eine Diploma, die einfach zu verleihen gewesen wäre, für nicht angemessen. Tiberius stand in keinem Amt, ist keine Person der öffentlichen Verwaltung, er hat keine Verpflichtung übernommen, die er besonders gut gemeistert hat, wofür eine Diploma häufig als Auszeichnung verwendet wird. Er ist schlicht und ergreifend freiwillig der Untersuchungskommission beigetreten und hat in seinem Engagement Consulare und Senatoren weit hinter sich gelassen, bei denen zumindest ich ein Pflichtbewusstsein erwartet hatte.
    Er ist Militärangehöriger, aber seine zu würdigende Leistung hat er nicht auf militärischem Sektor erbracht, was die Wahl der Auszeichnung nicht leichter macht.


    Zum anderen habe ich mich während meines Consulats häufig genug in einem Dilemma befunden, weil ich schlicht nicht wusste, wo ich mich hinwenden soll. Das meine ich nicht inhaltlich, sondern in Bezug auf Entscheidungsfreudigkeit. Bin ich zuerst zum Senat gegangen, wurde ich an dich verwiesen. Der Senat wolle nicht entscheiden, ohne deine Meinung zu kennen. Habe ich mich an dich gewandt, lautete die Antwort häufig genug, der Senat soll nicht übergangen werden. Gleich wie ich es anstellte, es konnte nur verkehrt sein.
    Ich bin jetzt davon ausgegangen, dass ich im Senat zu keinem Ergebnis gekommen wäre, da mir eine einzelne Diploma nicht vorschwebt. Deswegen stehe ich mit diesem Thema hier."


    Er hob ein wenig hilflos die Hände. Manches Mal entstand bei ihm der Eindruck, die klugen Köpfe Roms behinderten sich gegenseitig.


    "Mir ist bewusst, dass meine Worte als Kritik aufgefasst werden können, aber ich hoffe, dass sie als Hinweis wahrgenommen werden, dass die römische Verwaltung eine gewisse Lahmheit zu verzeichnen hat und wir gut daran tun würden, sie etwas freizuschaufeln."


    Ganz ohne Vorschlag wollte Menecrates nicht enden, weil er gerade erst Lahmheit angeprangert hatte. Vorlagen stellten für ihn ein geeignetes Mittel dar, worauf das Gegenüber reagieren konnte, ohne sich übergangen zu fühlen. Vorlagen hätte sich Menecrates auch von Seiten des Senats gewünscht statt der Rückzugstaktik. Vorlagen konnten auch verworfen werden oder zu Neuem inspirieren.
    "Ich habe mir im Vorfeld Gedanken gemacht und tendiere zu einer öffentlichen Auszeichnung der anderen Art, weil der Trecenarius in keine der üblichen Schubladen passt. Ich erwähnte es bereits. Außerdem ist mir positiv aufgefallen, dass er in einer Zeit, wo die Traditionen an Wert verloren haben, an römischen Tugenden festhält, was nicht leicht im Alltag umzusetzen ist und für mich eine Art Vorbildwirkung hat." Er atmete einmal durch, dann fuhr er fort. "Würde man all seinen bisherigen Einsatz für das Reich bündeln, könnte man es möglicherweise rechtfertigen, in Abwandlung einer für einen siegreichen Feldherrn üblichen Ehrung, ihm ein einzelnes Lorbeerblatt in Kombination mit einer Diploma zu verleihen." Er blickte den Kaiser erwartungsvoll an, wohl wissend, dass sein Vorschlag kaum unüblicher sein konnte. Möglicherweise produzierte dieser unkonventionelle Gedankengang seinerseits beim Kaiser innovative Ideen, die Menecrates gerne anhören würde.

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