[Ludi Palatini] Eröffnung und Hinrichtungen

  • Bereits seit Anbruch der Dämmerung liefen Herolde durch die Straßen der noblen und auch der armen Viertel. In leichten Abwandlungen riefen sie die Bürger auf, zum Circus Maximus zu kommen.

    "In weniger als fünf Stunden beginnt die spektakulärste Massenunterhaltung, die es je im Imperium gab: sechs Hinrichtungen von Schwerverbrechern - unter anderem durch wilde Tiere, drei Vorläufe bei den Wagenrennen, ein Finalrennen und diverse Theateraufführungen - verteilt auf vier Tage.
    Bürger Roms, was wollt ihr mehr? Eilt herbei, ergötzt euch an den Rennen und fallt in den Begeisterungstaumel. Unterstützt eure Factio, setzt auf eurer Lieblingspferd oder auf euren Favoriten und nutzt die Chance auf einen Gewinn!


    ES GIBT AUßERDEM KOSTENLOS WEIN, BROT UND KLEINE HAPPEN!"

  • Zeitgleich wurden Götterstatuen und Bilder vom Capitol in Richtung Circus Maximus getragen oder gefahren und auf der Spina platziert. An jedem ihrer Enden standen drei Malzeichen in Form eines Kegels aus vergoldeter Bronze, so auch heute.
    Nach und nach füllten sich die Ränge im Circus. Männer und Frauen saßen gemischt. Es herrschte eine fiebrige Stimmung auf den Rängen. Manche Gäste verweilten zwar noch in den Tavernen, in der Nähe der Eingänge, und labten sich an den kostenlos bereitgestellten Erfrischungen und Kleinspeisen, aber auch sie nahmen bald die Plätze ein, ebenso das Preisgericht.
    Die besten Plätze in unmittelbarer Nähe zur Rennbahn standen den Senatoren und Rittern zur Verfügung. Hier reichte es, kurz vor beginn der Eröffnung zu erscheinen, weil niemand um die Plätze kämpfen musste. Die Loge des Kaisers stand im Augenblick noch leer. Bei dessen Erscheinen würde sich die Menge von den Plätzen erheben und jubeln, Tücher schwenken und Grußworte rufen.


    Der Consul, als Ausrichter der Ludi, befand sich bereits vor Ort. Eine spürbare Aufregung hielt ihn gefangen, obwohl er äußerlich ruhig wirkte.

  • Dicht umringten wir Liktoren den Consul als wir den Circus Maximus betraten. Egal was heute anstehen würde, ich würde nicht von der Seite des Consuls Claudius Menecrates weichen. Ich hatte vier Liktoren die Anweisung gegeben ein besonderes Augenmerk auf auf die weitere Umgebung zu haben. Wir anderen würden versuchen die nähere und unmittelbare Umgebung genauestens zu beobachten. Meine Sorge begründete sich vor allem darin, dass entkommene Sklaven des Sklavenaufstandes sich wieder zusammengerottet hätten um Rachepläne zu schmieden. Schließlich war die Hinrichtung ihrer Anführerin geplant. Natürlich ging von den gefangenen Sklaven keine Gefahr aus. Außerdem wurden sie bestimmt von den besten Soldaten Roms bewacht. Doch der Kaiser, die Consule, Praetoren, Aedile und sonstige hohe Amtsinhaber, sah ich in Gefahr und befürchtete einen Anschlag auf sie.

  • Je näher die Eröffnung rückte umso größer wurde das Gedränge auf den Tribünen. Manch ein verwegener Mann nutzte die Enge und drückte sich fest an die Seite seiner oft unbekannten Nachbarin. Zum Abrücken hatte sie keine Chance: Entweder bremste ihr Nachbar auf der anderen Seite oder sie saß am Ende der hölzernen Sitzreihe. Wer würde wohl mit wem flirten?
    Immer noch drängten einfaches Volk, Unfreie und Wohlhabende in dem Circus, hektisch liefen die letzten Vorbereitungen. Auch die Zuschauer wollte sich nicht beruhigen, denn sie hatten schon lange den Spielen entgegengefiebert. Jeder von ihnen sehnte die willkommene Ablenkung von seinem mühsamen Tagesgeschäft herbei.


    Endlich öffnete sich das mittlere Haupttor des Circus. Aus ihm quoll ein Pulk an Sängern und Musikanten, die den Zug ausgewählter Götterbilder und allen voran eine Büste des Augustus begleiteten. Die Bilder der Götter und die Büste wurden auf Bahren und Thronen getragen, die Attribute der Götter auf kostbaren Wagen gefahren, die von Maultieren, Pferden und Elefanten gezogen wurden. Zahlreiche Priesterschaften begleiteten sie. Statuen, Altäre und die Gestelle wurden zusätzlich auf der Spina platziert, die damit ihre endgültige Ausstattung erhielt.
    Ihnen allen folgte der Consul als Ausrichter der Spiele auf einem bunt geschmückten Wagen. Das Gespann bestand aus zweimal vier Pferden - ebenfalls bunt geschmückt. Liktoren und Sklaven befanden sich an seiner Seite. Verschiedene größere und kleinere Preise wurden für die Zuschauer gut sichtbar hochgehalten. Das Publikum erhob sich von den Plätzen, klatschte und jubelte.

  • Etwa mittig der langen Sandbahn hielt der Wagen des Consuls. Mehrere Herolde strömten aus und positionierten sich zu beiden Seiten der Spina und entlang der Bahn. Ihnen lagen die Begrüßungsworte des Ausrichters dieser Spiele vor und sie lasen von Wachstafeln ab, während Menecrates sich große Mühe gab, mit seiner Stimme so viel wie möglich Zuschauer persönlich zu erreichen.

    "Werte Ehrengäste, werte Senatoren, meine Freunde und Bürger Roms, all ihr Zugereiste! Ich begrüße euch alle herzlich zu den Ludi Palatini!"

    Er hob seine Arme, um einen optischen Gruß zu jenen zu senden, die ihn nicht hören konnten. Es dauerte eine Weile, bis der Jubel abschwoll und Menecrates fortfahren konnte.


    "Es ist so weit, wir erleben in Kürze aufregende Wagenrennen. Drei Vorläufe werden uns begeistern. Zwischen den Läufen werden uns Athleten, Komödianten und verschiedene Hinrichtungen unterhalten. Allem vorangestellt wird die Hinrichtung der Rädelsführerin des letztjährigen Sklavenaufstandes.
    Nehmt von meinen Spenden. Lasst euch kulinarisch verwöhnen und gut unterhalten!
    Doch nun der Worte genug: Ich erkläre hiermit die Ludi Palatini für eröffnet!"


    Beifall brandete auf, während diejenigen, die noch saßen, von ihren Sitzen aufsprangen. Unter Jubelrufen zogen die Pferde an und der Wagen des Consuls fuhr an jenen vorbei, die er bisher nicht mit einem Winken begrüßen konnte. Die Herolde platzierten sich an den Stellen, wo entlang der Rennstrecke auch die Schiedsrichter standen. Sie sollten die Vorgänge kommentieren und Ankündigungen machen.


    Als der Consul seinen Platz eingenommen hatte, traten die Herolde in Aktion.


    "Die Sandbahn betritt nun: Varia - die schlimmste Bedrohung für unser Imperium und unseren Kaiser, angeklagt und zum Tode verurteilt, eskortiert von unseren verlässlichen Soldaten."


    Eines der Tore öffnete sich.



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  • Auch ich hatte mich an diesem Tage eingefunden, um Zeuge der Hinrichtungen zu werden. Gemeinsam mit meinem Sklaven Muckel hatte ich mir einen leidlich guten Platz ausgesucht und verfolgte gespannt was sich vor meinen Augen tat. Als Jubel aufbrandete stimmte ich mit ein und sprang sogar - von der Menge mitgerissen - von meinem Sitz.
    Die Ludi Palatini waren stets eine Schau, doch dieses Mal hatten sie noch ein besondere Bedeutung. Immerhin fanden nun die widerlichen Aufrührer ein Ende und das konnte ich mir nicht entgehen lassen. Immerhin hätte ich fast mein Leben verloren. Gut, ich hatte es auch schnell wieder gewonnen, dank der Anführerin des Aufstandes. Dennoch. Ich empfand es als meine römische Bürgerpflicht hier zu sein.
    Pferde und Wagen zogen vor meinem Blickfeld vorüber und in einem dieser Wagen befand sich der Consul höchst selbst. Muckel und ich winkten ihm frenetisch zu. Die Stimmung war einfach viel zu ansteckend. Dann hatte er seinen Platz eingenommen und die Herolde verkündeten, dass nun Varia die Bildfläche betreten würde. Mein Blick schwenkte zu dem Tor, das sich nun öffenete.
    Mein Sklave und ich setzten uns wieder und linste an dem beleibten Mann vorbei, der vor mir saß.

  • Natürlich befanden sich auch die Claudia Schwestern auf den Rängen, um ihrem Opa beizuwohnen. Sie hatten sich zwar in letzter Zeit etwas rar gemacht, da Silana mit ein paar römischen Damen aneinander geraten war und Sassia die Scherben aufräumen musste. Silana war heute etwas schüchtern, da ihr Großvater seinen Auftritt hatte und sie selbst diesen Pomp nicht sehr schätzte. Aber die Pflicht band die junge Frau an ihre Aufgabe, schön und gepflegt auf einem der Plätze in den Jubel einzustimmen und ihrem Großvater wirkmächtig zu winken. Sassia saß direkt neben ihr.

  • Die Ludi Palatini wurden in diesem Jahr mit einer Pracht zelebriert, welche selbst das dekadente Rom nicht alltäglich schaute. Dies zumindest vermeinte der junge Gracche, als er in diesem Jahr in seiner Funktion als Quaestor Consulum hinter seinem Wagen Claudius Menecrates in die Arena folgte, während vor ihm die Götterbilder nicht von Sklaven oder Pferden, sondern partiell sogar Elefanten gezogen wurden.


    Manius Minor indessen hatte kaum Augen für jenes exotische Getier, welches im Einzelnen ihm ja ohnehin von diversen anderen Spielen, respektive die Prozessionen in Alexandria, familiar war, da doch die Präparation einer spektakulären Exekution, wie er sie bisherig noch niemals hatte unternommen, ihm zu einiger Aufregung gereichte.

  • Niemand entkam. Niemand konnte vor dem fliehen, was längst durch fremde Macht beschlossen war. Es war die düstere Magie dieses Augenblicks, der die leichte Abfolge von Ereignissen offenbarte. Verus stand in prachtvoller Rüstung in der Vorhalle, umgeben von seinen handverlesenen Prätorianern, um auf die Objekte zu warten, die es zu verarbeiten galt. Noch trug er nicht jene prunkvolle Silbermaske über seinem Gesicht, sondern blickte unter jenem geschmückten Helm hervor, welche überteure weiße Federn zeigte und breites Rosshaar, welches jenen Helmbusch der anderen überragte. Sein Rang zeichnete sich deutlich über diesen Prunkbesatz ab, da er als einziger Prätorianer mit zusätzlichen weißen Federn auflief. Man vernahm die Schritte von Soldaten, die mit Peitschenschlägen eine beachtliche Anzahl an Verfolgten und Gefangenen herantrieben, die in schweren Fußketten kaum gehen konnten. Verus beobachtete dies kühl, sortierte ihm Geiste bereits deren Laufwege, um seine Mission in dieser Arena mit Sachlichkeit erträglich zu erfüllen. Varia folgte dem Tross an Verdammten, jedoch wurde diese Frau, weil sie erheblich entkräftet war, von zwei kräftigen Prätorianern getragen. Mit einem Handzeichen ließ er die besonders Verstoßene heranbringen, um diese ausgiebig zu betrachten. Sie war nackt, einer Bestie gleich und entmenschlicht durch Schmutz und Wunden. Verus nahm seines Rebstock, um ihr Kinn aufzurichten. Er wollte ihre Augen sehen. Die beiden Soldaten stützten Varia behutsam.


    Die anderen Verdammten wurden kurz vor dem Tor zum Halten gebracht, da ihr Auftritt zeitversetzt stattfand. Sie sollten mit ihr brennen aber ihre Fackel sollte im Zentrum stehen, so hatte es Verus beschlossen. Der Konsul hatte ihn beauftragt, der Kaiser ermächtigt und Rom fürchtete ihn. "Diese Welt ist begrenzt, nicht wahr?" - fragte Verus die Gefangene, die bald brennen würde. "Wir lügen, um zu überleben. Wir kämpfen, um zu überleben aber am Ende bleibt nichts," stellte Verus nüchtern fest, als ihm selbst bewusst wurde, welche Grausamkeit er selbst inzwischen verkörperte. "Ich frage mich oft, was mit uns geschehen ist aber dann blicke ich hinaus und finde nur ein Gestern, ein ständiges Gestern, was mich fragend anblickt," meinte der Offizier und leistete sich eine müde Sekunde Menschlichkeit. "Ehre für dich, Ehre für uns; Ehre für alle," murmelte der Trecenarius, dessen Authorität weitreichend war und die Männer wagten es nicht, seine Person infrage zu stellen, da er in vielen Bereichen über Leben und Tod entschied. Wenn er mit dieser Frau noch reden wollte, dann tat er es und man erlaubte sich keine öffentliche Meinung. "Dir wurde ein schneller Tod versprochen, Varia!" Mit einer Handbewegung ließ er sich von Manius, der ebenfalls anwesend war, ein Fläschen mit Gift reichen, welches er öffnete. Der Korken fiel in den Staub. "Möchtest du Gift? Oder willst du lebendig ins Feuer gehen?" - fragte Verus ehrlich. Er wollte ihr wirklich den Flammentod ersparen. Ein großes Geschenk, was ihr unlauter zustand, wenn man die anderen Leidtragenden in ihren Ketten betrachtete, welche ohne Unterlass bedrängt wurden, damit sie nicht ihre Position verließen. Ihr Wimmern durchflutete die Umgebung mit einem wachsendem Ton der Ungerechtigkeit. Das Tor öffnete sich. Es war nicht mehr viel Zeit. In der Arena errichteten Helfer bereits mehrere Holzkreuze, die mit Reben, welche in Öl getränkt waren, umgeben wurden. Die Kreuze bildeten an den Arenawänden einen Kreis mit einem Kreuz im Zentrum, welches für Varia bestimmt war.

  • Um nichts, aber auch um gar nichts in der Welt würde sich die Kaiserin die öffentliche Hinrichtung jener, die das Imperium und die Sicherheit Roms bedroht hatten entgehen lassen. Gerade als der Consul die Eröffnungsrede hielt, kam die Kaiserin in ihrer Loge an. So fiel nun auch ihr Blick, wie wohl der aller anwesenden auf das sich öffnende Tor. Ja sie wollte die Frau – FRAU! Sie konnte es immer noch nicht glauben – sehen. Ja sie wollte diese Frau sehen, die den Aufstand angeführt haben soll.
    Sie wollte eine Blick auf jene werfen und dann würde die Kaiserin ihr mit Genugtuung bei Sterben zusehen. Jeder der das Reich bedrohte würde sterben, früher oder später.

  • Varia hob den Blick und starrte aus leeren Augen den Mann vor ihr an. Sie hörte seine Worte doch drang er nicht zu ihr durch. Sie wollte seine Worte nicht hören. Sie wollte nur ein diese Welt endlich für immer verlassen.
    „Ehre? Wir kämpfen nicht für die Ehre, nicht für die Götter. Es geht doch immer nur um blanke Macht, also ziehen wir in den Kampf doch dann dürfen wir uns nicht wundern wenn der Zorn den wir sähen in Gewalt nieder bricht und die Seelen verbrennt...Die Gewalt ist doch nur noch das Mittel zum Ziel und unterbewusst wirst du Teil dieses Spiel's.“ Varias Stimme war so kalt wie ihre Augen.
    Auf das Angebote des Giftes hin schüttelte sie den Kopf. „Aufrecht....Aufrecht im Kampf und auch im Tod. Ja ich werde lebendig in das Feuer gehen. Es wird furchtbar und qualvoll sein, aber danach bin ich endlich frei.“
    Sagte sie, dann wand sie ihren Blick ab von den Soldaten und blicke durch das geöffnete Tor in die Arena. Ihr Körper strafte sich. Ja sie bot ihre letzten Kräfte auf und aufrecht und erhobenen Hauptes in den Tod zu gehen. Endlich würde sie von dem Leben, das sie nie hatte führen wollen – von den Fesseln die sie ein Leben lang getragen hatte befreit werden. Ja sie würde endlich frei sein.

  • Auch Luna hatte sich heute hier eingefunden. Auch wenn Verus ihr gesagt hatte, dass sie lieber fern bleiben sollte. Sie wollte einfach sehen, wie grausam das Imperium – und damit wohl auch Verus sein konnte. Sie wusste, das er es sein würde, der die Aufständischen zur Hinrichtung führen würde. Er würde sie wohl auch hinrichten. Ob er es selbst tat oder ob er nur die Befehle gab war dabei unerheblich. Schuld würde er so oder so auf sich laden. Sie wusste, wie sehr er wohl damit zu kämpfen haben würde. Aber Befheln befolgte er immer. Er führte aus was man ihm auftrug. Luna hatte sich unter das einfache Volk gemischt und schaute nun gebannt auf das Tor welches sich gerade öffnete. Ja auch sie wollte jene Frau sehen, die es gewagt hatte sich gegen Rom zu erheben.

  • Sassia hatte in den letzen Wochen alle Hände voll zu tun gehabt. Zum einen war da ja ihre Hochzeit die bevorstand und zum anderen war ihre kleine Schwester mal wieder in einen Fettnapf gesprungen. So dass sie hatte die Wogen glätten müssen. Nun da aber wieder alles in Ordnung gebracht war erschien sie heute hier mit ihrer Schwester. Ihre Anwesenheit war natürlich selbstverständlich, schließlich war kein geringerer als ihr Großvater Ausrichter dieser Spiele. Und dann kam ja auch noch dazu, dass diese Verbrecher, die es gewagt hatten Rom für ein paar Tage in Angst und Schrecken zu versetzen, gerichtet wurde. Sassia empfand Genugtuung. Ja sie sollte ruhig zittern vor ihren nahenden Tod. Schließlich hatten sie sie auch in Angst versetzt. Sie hatten die Spiele ihres Verlobten ruiniert und dafür gesorgt, das Sassia für ein paar Tage nicht das sorglose Leben führen konnte, dass ihr zustand. Als der Herold nun die Verbrecher ankündigte, stieß sie ihre Schwester sanft an. „Da wird dieses Varia endlich ihre Strafe bekommen.“

  • Mit Tränen in den Augen stand Pina da und hörte die Eröffnungsworte des Consuls. Mit geballten Fäusten stand sie da und versuchte sie weg zu blinzeln. Es half nichts immer wieder löste sich eine Träne und kullerte über ihre Wangen.
    Sie musste etwas unternehmen und das Ganze hier stoppen. Was aber? Schreien? Nein, das würde hier bei diesem Gejohle nicht gehört werden. Wütend starrte sie umher und da hatte sie eine Idee. Jetzt sollte etwas tun und nicht nur für Patrizierinnen oder Frauen und Töchter von irgendwelchen Amtsträgern.
    Unaufhaltsam bahnte sie sich rücksichtslos ihren Weg. Nichts und Niemand würde sie aufhalten können. Noch einen Blick zur Arena, es war noch nicht zu spät. Wie eine Rachegöttin mit Funken sprühenden Blicken stand sie vor der Augusta und sah wie die völlig entspannt, das Schauspiel zu genießen schien.
    „Wie kannst du nur? Du bist doch auch eine Frau. Du musst doch wissen, dass man uns Frauen außer Haushalt und Kinder gebären nichts zu traut. WIR SIND ZU SCHWACH! Immer wieder hat man mir das gesagt. Mehr noch man glaubte mir nicht, das Varia auch kämpfen kann. Und jetzt soll sie so sterben? Weil sie ja so gefährlich ist? Warum lässt du es zu? Warum darf sie nicht zurück in ihre Heimat. Sind nicht eigentlich wir Römer Schuld, dass es soweit kam. Römische Soldaten haben sie gefangen weil sie ihre Heimat beschützen wollte. Römer haben sie zu einer Sklavin gemacht. Ihr Herr der Helvetier hat sie zu dem machen lassen was sie dann wurde, ließ sie und alle Sklaven, des Hauses alleine. Überließ sie einfach ihrem Schicksal. Was sollte sie tun? Einfach in eine Ecke setzen und auf den Tod warten. Wir sind für ihr verhalten verantwortlich.“
    Jetzt schaute Pina voller Verzweiflung zur Kaiserin. Wenn Varia jetzt sterben würde, dann wäre ihr Leben auch zu Ende.

  • Zitat

    Original von Varia
    Varia hob den Blick und starrte aus leeren Augen den Mann vor ihr an. Sie hörte seine Worte doch drang er nicht zu ihr durch. Sie wollte seine Worte nicht hören. Sie wollte nur ein diese Welt endlich für immer verlassen.
    „Ehre? Wir kämpfen nicht für die Ehre, nicht für die Götter. Es geht doch immer nur um blanke Macht, also ziehen wir in den Kampf doch dann dürfen wir uns nicht wundern wenn der Zorn den wir sähen in Gewalt nieder bricht und die Seelen verbrennt...Die Gewalt ist doch nur noch das Mittel zum Ziel und unterbewusst wirst du Teil dieses Spiel's.“ Varias Stimme war so kalt wie ihre Augen.
    Auf das Angebote des Giftes hin schüttelte sie den Kopf. „Aufrecht....Aufrecht im Kampf und auch im Tod. Ja ich werde lebendig in das Feuer gehen. Es wird furchtbar und qualvoll sein, aber danach bin ich endlich frei.“
    Sagte sie, dann wand sie ihren Blick ab von den Soldaten und blicke durch das geöffnete Tor in die Arena. Ihr Körper strafte sich. Ja sie bot ihre letzten Kräfte auf und aufrecht und erhobenen Hauptes in den Tod zu gehen. Endlich würde sie von dem Leben, das sie nie hatte führen wollen – von den Fesseln die sie ein Leben lang getragen hatte befreit werden. Ja sie würde endlich frei sein.


    Zweifelte Verus? Er zweifelte immer. In seinem Herzen tobte ein beständiger Kampf um Ideale, Wirklichkeit und Wunsch. Diese Zweifel zerrissen ihn, so dass sein Gesicht keine passende Reaktion zeigen konnte. Zwang ermöglichte Erleichterung. Pflicht war einfach, man folgte ihr und fügte sich ein. Doch der Zweifel blieb, nicht einmal die Erleichterung konnte ihn ganz vertreiben. Immer wieder stellte sich Verus seinen eigenen Ängsten, indem er andere strafte. Eine missmutige Rolle hatte ihm diese Geschichte zugeteilt. Eine Rolle, die er elegant ausführte aber niemals ganz zu ihm passen wollte. Sein Gesicht war trotz Narbe noch immer zart, fast ungeschlagen und unerfahren aber seine Augen sprachen jenes Lied, welches ihm seit jenen Tagen in den Gefechten folgte. Es gab kein Zurück. Kein erneutes Versuchen, sondern nur ein stetes Vorwärts auf einem Weg, den Verus nicht mehr verlassen konnte. Zu viel hatte er im Namen des Imperiums bereits getan. Nicht nur Luna war Opfer jener Gewalt, sondern auch viele andere. Als römischer Legionär blieb ihm keine Wahl und doch wünschte er sich eine Wahl. Eine echte Wahl, die einem Wunsch gerecht wurde. Diese Frau lehnte ab. "Mutig," kommentierte der Trecenarius nüchtern, obwohl sein Herz diesen Mut bewunderte, da er selbst militärisch tapfer war aber nicht mutig. Verus versteckte sich feige vor sich selbst. Er versteckte sich vor seiner moralischen Verantwortung und führte immer aus, was man ihm auftrug. - Und er führte seine Aufgaben immer gut aus. Sein Sachverstand arbeitete im Gegensatz zu seinem gebrochenen Herzen außerordentlich zielstrebig. Verus war ein gespaltener Mann, der nicht mehr im Einklang mit sich und anderen leben konnte. Er spielte eine Figur, eine Rolle, wie er es gelernt hatte und jetzt als Trecenarius kamen die großen Rollen auf ihn zu. Die Bühne blieb jedoch die selbe. "Die Christianer aus Subura sind vorbereitet," meldete ein Soldat, der an Verus vorbei trat. "Gut," meinte Verus, der kurz zum elendigen Haufen Menschen blickte, die ebenso nackt, wie Vieh zusammengetrieben waren. Man begann bereits sie mit jenem Ölgemisch zu übergießen, damit sie gleichsam besser brannten und auch länger brannten, damit sie jene menschlichen Fackeln ergaben, die einst Nero so geliebt hatte. Die Gefangenen jaulten, weinten und kreischten in Panik. Enttäuscht fiel das Giftgefäß aus seiner Hand, um auf dem staubigen Boden zu zerschellen. Das Gift zerlief und verschwand unrettbar im Staube.


    "Du hast deine Wahl getroffen," erklärte der Römer und blickte wieder zu Varia, die letzte Kräfte zusammensuchte, um erhobenen Hauptes in die Arena zu streiten. Der Jubel dröhnte bereits hinab, gab einen Vorgeschmack auf jene tobende Masse, die ihren Tod bestaunen wollte. Der Trecenarius verstaute seinen Rebstock am Gürtel, nahm die Maske von einem kleinen Tisch auf, um diese vor seinem Gesicht zu befestigen. Poliertes Silber funkelte nun, verbarg sein Angesicht aber seine Augen sprachen noch immer von seiner kalten Grausamkeit, die er vorallem sich selbst antat. Die Atmung erschwerte sich merklich aber nicht belastend. Verus kannte diese Parademasken und als ranghoher Offizier war es eine ehrbare Pflicht Silber als Maske in die Parade zu tragen. Ja, dies war ein würdevoller Auftritt für seine Prätorianer, die die baldigen Fackeln in die Arena geleiten würden. Auch verschaffte die Maske Erleichterung, da ihn niemand erkennen konnte, wenn er jenen Akt an römischer Gnade vollzog. Römische Macht war gesichtslos und so war auch Verus nun mehr nur noch Vollstrecker einer alten Idee, die so falsch und so wahr zugleich war. "Milites," rief Verus. "Aufstellung!" - war der bekannte Befehl, der die Prätorianer in prunkvollen Rüstungen neben die Gefangenen treten ließ. Sie reihten sich perfekt auf, um die Gefangenen mit Schauwert in die Arena zu führen. Rom wollte Größe zeigen und Verus war willfähriger Gehilfe. Verus selbst nahm die Kette von Varia auf, um sie eigenhändig in die Arena zu führen. Ein Zeichen erging. Laute Instrumente, vorallem Trommeln und Hörner, kündigten den Auftritt an. Eine großartige Hinrichtung begann, die in sich selbst eine Leere offenbarte, da sie nichts anbot, außer grausamen Tod. All die gewünschte Ästhetik verblasste. Hinter Varia reihten sich weitere Soldaten auf, um sie ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu ziehen. Auch um eine elegante Formation abzuschließen, da nach Varia die gefangenen Christianer kamen, die man in den Armenvierteln aufgetrieben hatte. Man wollte Rom zeigen, dass man alle Rädelsführer hinrichtete. Weitere Strafgefangene warteten noch in den Katakomben, um ihre Hinrichtung zu erwarten. Dieser Tag war ein glorreicher Tag der Blutlust. Man begann strahlend mit den Staatsfeinden. "Halber Marsch," donnerte Verus, der sich mit festen Schritten in Bewegung setzte und Varia mit sich führte. Die Prätorianer folgten und mit ihnen die weiteren zur Fackeln bestimmten Seelen. Verus war erschüttert vom Jubel, vom Eindruck der Menschenmassen und fühlte sich bestraft. Ein gewichtige Schwere lag auf ihm. Es fühlte sich erneut nicht richtig an aber es gab keine Flucht. Die Soldaten hielten ihre Formation und teilten sich dann mit den Kleingruppen an Gefangenen auf, um die Fackeln jeweils mit ihren Opfern zu bestücken.


    Verus selbst führte Varia mitsamt einer kleinen Schar an Prätorianern in die Mitte der Arena. Jene Kreuze waren deutlich kleiner als üblichen Instrumente, da man sie in dieser Aufgabe anders verwendete. Man konnte eine Person leicht auf den Tritt heben und mit ihren Ketten um das Querholz binden. So geschah es auch mit Varia, die von den kräftigen Händen der römischen Soldaten hinauf gehoben wurde, um dann von Verus mit ihrer eigenen Kette am Hals und Händen an jenes Holz gefesselt zu werden. Ein Soldat brachte jenen Tonkrug, der brennbares Öl in sich trug, welches speziell abgemischt worden war. Verus nahm ebenso einen Krug entgegen und begann jenes Öl über den Körper von Varia zu gießen, dann ließ er dann Krug fallen, der am Boden zerschellte. Helfer achteten auf die Reben und Hölzer an den Füßen der Kreuze, damit diese nicht verrutschten. Fackeln wurden bereits in einem großen Zeichen hineingetragen und mit großer Geste an die Prätorianer übergeben. Auch Verus erhielt eine Fackel, die er wartend in seinen Händen hielt. Er betrachtete nur Varia. Es fiel ihm schwer, daran zu denken, was er gleich tun musste aber er war verantwortlich. Inzwischen tropfte das schwere Öl von Varias Gesicht. Die Menge schien zu stimmen. Verus kannte seine Aufgabe und dies schmerzte ihn. Er wandte sich zum Konsul, blickte hinauf und rief dann mit lautstarker Stimme: "Ich fordere dich, Konsul Claudius, jenen Befehl im Namen des Volks dieser großen Stadt zu geben, der jene Christianer und Varia verbrennen soll, die unserer Stadt so viel Leid antaten. Ihre Körper sollen brennen, ihre Seelen verdammt sein und ihr Fluch enden, in den ewigen Flammen des römischen Lichtes! Im Namen des Kaisers, unseres geliebten Augustus, präsentieren wir, die Prätorianer, euch Varia und ihr Gefolge. Mit Wohlwollen des göttlichen Imperators, werden wir sie nun hinrichten, sobald der Konsul für Rom sprechen möge!" Verus hasste sich selbst, während er die Fackel hielt und bereits in die Flamme blickte, die ihn blendete. Nein, er wollte nicht zum Konsul blicken oder zum Kaiser. Quo vadis? - Eine Frage, die er sich nun stellte aber zu seinem Glück verbarg die silberne Maske seine persönliche Regung, die schmerzvoll war.

  • Zitat

    Original von Quintilia Pina
    ...
    Jetzt schaute Pina voller Verzweiflung zur Kaiserin. Wenn Varia jetzt sterben würde, dann wäre ihr Leben auch zu Ende.


    Noch ehe die Gefangenen in die Arena geführt wurden stürmte eine junge Frau auf sie zu. Ja sie war jung fast noch ein Kind und kindlich waren auch ihre Worte. Als ihre Wachen sie wegdrängen wollten hielt die Kaiserin sie auf. „Lasst sie. Jeder Römer hat das Recht zu sprechen.“ Dann blickte sie die jungen Frau an. „Wer hat dir gesagt, wir könnten nur Kinder bekommen und den Haushalt führen? Wir sind alle unseres Glückes Schmied – mein Kind.“ Sagte die Venturia in ruhigen Ton. „Wir nur so schwach wie wir uns selbst machen.“ Die Kaiserin blickte in die Arena, denn gerade wurden die Gefangenen in diese geführt. Allen voran die Anführerin Varia. Noch nie hatte die Kaiserin eine derart trainierte Frau gesehen, auch wenn die Zeit in der Gefangenschaft wohl einiges an Muskeln gekostet hatte, konnte man immer noch erkennen, dass der Körperbau dieser Frau mehr dem eines Soldaten gleich. Die Sklavin ging ruhig mit erhobenen Kopf in ihr Schicksal. Sie jammerte nicht wie die anderen. Das nötigte sogar der Kaiserin einen gewissen Respekt ab. So wandte sie sich wieder der jungen Frau zu. „Sie ist eine Sklavin Roms. Sie hat sich gegen uns erhoben. Dafür sollen wir sie jetzt gehen lassen?“ Die Kaiserin nahm nicht an, dass die junge Frau ihre Worte erst gemeint hat. „Jeder von uns hat ein Wahl. Auch sie hatte eine. Sie hat ihr Schicksal selbst gewählt. Wenn ihr Herr sie allein gelassen hat, dann hätte sie doch gehen können. Niemand hätte sie gesucht. Niemand hätte je von ihr erfahren. Doch sie wählte einen anderen Weg. Sie wiegelte die Sklaven auf sich gegen uns zu erheben.“ Noch einmal fiel ihr Blick in die Arena, wo die Sklavin gerade an ihrem Kreuz befestigt wurde. „Niemand bestreitet, dass sie eine Kämpferin war. Dies hat sie eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Doch nun müssen wir handeln. Niemand soll ihrem Beispiel folgen. Niemand soll denken, das wir es tolerieren, wenn man morden durch die Straßen Roms zieht. Sie hat Bürger und Bürgerinnen, Soldaten, Männer, Frauen und Kinder Roms getötet. Was willst du deren Familien sagen? Sie konnte nichts dafür?“ Die Kaiserin schaute der jungen Frau nun tief in die Augen. „Du sagst sie ist eine Kämpferin. Du sagst, dass sie keine Wahl hatte. Hatte sie das wirklich nicht? War sie so dumm? Glaubst du wirklich, dass sie nicht wusste was auf sie zukommt?“ Die Kaiserin ließ ihre Fragen kurz wirken bevor sie weitersprach. „Ich glaube sie wusste genau was sie tat. Sie Wusste wohl auch, dass es ihr Tod sein wird. Wir sind nicht verantwortlich für ihr Verhalten, dass ist sie ganz allein. Und schau...“ Die Kaiserin deutete auf die Gefangene, die immer noch erhobenen Hauptes stand und keine Regung zeigte. „..ihre ganze Haltung zeigt doch, dass sie nichts bereut und auf ihren Tod wartet.“ Die Kaiserin machte erneut eine kleine Pause. „Ich lasse es zu, weil es Recht ist. Jeder der Rom und seine Bürger angreift muss sterben. So wird auch sie nun sterben.“ Die Kaiserin blick erneut in die Arena, dort war nun alles vorbereitet und es würde bald beginnen. So faste sie einen Entschluss. „Ich lade dich ein, an meiner Seite den weiteren Verlauf des Tages zu verfolgen. Nimm neben mir Platz.... Wie heißt du mein Kind?“ Ja erst jetzt fiel der Kaiserin auf, dass die junge Frau sich gar nicht vorgestellt hatte.

  • Pina, schaute immer wieder fassungslos zur Kaiserin und gleich wieder zur Arena. Nein, nein es ist nicht richtig was sie sagt. Sie versucht mich mit ihrem Gerede zum Schweigen zu bringen.
    „Nein", schrie sie auf, „wir sind Schuld, Rom ist Schuld. Wir nahmen ihnen die Heimat, warum? Haben wir nicht schon genug Land? Warum immer mehr und mehr. Müssen wir andere Menschen beherrschen? Das ist nicht richtig?“ Sie überlegte kurz weiter. „Was ist mit Soldaten, die ihre Offiziere verlieren, gehen die einfach weg? Sie sind doch an den Fahneneid gebunden. Sie bleiben doch oder? Was nun wenn sie auch gebunden ist? Es war nicht richtig was sie getan hat, doch hat man sie je in einem Prozess nach dem Grund gefragt? Bestimmt nicht, man wird sie gefoltert, gequält und wer weiß was sonst noch mit ihr gemacht haben. Ich war unterwegs bei dem Aufstand, sie rettete mir das Leben und sie bewahrte mich davor von den Soldaten verschleppt zu werden. Wogegen ein humpelndes Frauenzimmer, sie war nichts besonderes, nur wie es schien die Freundin eines Tiro, mitten im Kampfgetümmel ehrenvoll nach Hause geleitet wurde. Wenn die Soldaten Roms für solchen Firlefanz Zeit haben dann darf man sich nicht wundern, wenn es zu Morden und Aufständen kommt. Die Soldaten haben Schwäche gezeigt und nun will man mit der Hinrichtung von Varia, sich Groß tun und dies überdecken. Anstatt andere Völker zu überfallen, sollten sie in Rom für Sicherheit sorgen und die wahren Missstände aufdecken.“
    Pina hatte sich aufs Neue in Rage geredet, holte tief Atem, so als habe sie sich alles von der Seele geredet. Entsetzt schaute sie die Kaiserin an. Was bei allen Göttern habe ich getan? Sie spürte wie Röte ihr Gesicht bedeckte. „Verzeihung“ murmelte sie mit gesenkten Augen. „mein Name ist Quintilia Pina... zu Hause weiß niemand, dass ich hier bin. Ich...ich..", stotterte sie, "habe nicht verdient neben dir zu sitzen, außerdem würde ich es bestimmt, bei dem was kommen wird, nicht lange neben die aushalten.“ Erschrocken hob sie ihre Hand vor dem Mund, schlimmer kann es nicht mehr werden, dachte sie dabei.

  • Zitat

    Original von Aulus Tiberius Verus
    "Ich fordere dich, Konsul Claudius, jenen Befehl im Namen des Volks dieser großen Stadt zu geben, der jene Christianer und Varia verbrennen soll, die unserer Stadt so viel Leid antaten. Ihre Körper sollen brennen, ihre Seelen verdammt sein und ihr Fluch enden, in den ewigen Flammen des römischen Lichtes! Im Namen des Kaisers, unseres geliebten Augustus, präsentieren wir, die Prätorianer, euch Varia und ihr Gefolge. Mit Wohlwollen des göttlichen Imperators, werden wir sie nun hinrichten, sobald der Konsul für Rom sprechen möge!" Verus hasste sich selbst, während er die Fackel hielt und bereits in die Flamme blickte, die ihn blendete. Nein, er wollte nicht zum Konsul blicken oder zum Kaiser. Quo vadis? - Eine Frage, die er sich nun stellte aber zu seinem Glück verbarg die silberne Maske seine persönliche Regung, die schmerzvoll war.


    Wie üblich kündete ein Horn vom Gang eines Verurteilten zu seiner Richtstätte. Weitere Hörner und Trommeln stimmten in die Ankündigung ein, bevor ein Prätorianeroffizier aus dem Tor trat. In seiner Hand hielt er eine Kette, an deren Ende sich der Mittelpunkt der ersten Hinrichtung befand: Varia, die Rädelsführerin des Sklavenaufstandes.


    In korrekten Linien marschierten die Prätorianer aus dem Tor, später teilten sie sich auf. Jeder dieser Vorgänge schien exakt einstudiert zu sein, denn der Aufmarsch kam einer Parade gleich - umjubelt von den Zuschauern. In die freudige Erwartung der Menge mischten sich auch wütende Rufe, geballte Fäuste und teils auch leises Gewimmer, das allerdings im Getöse unterging. Kaum, dass es einer der unmittelbaren Nachbarn wahrnahm. Selbst eine junge Frau, die aufgewühlt Richtung Kaiserloge lief, blieb so gut wie unbemerkt. Menecrates nahm sie jedenfalls nicht wahr, denn seine Aufmerksamkeit lag auf dem Akt, der bevorstand. Er trug schwer an der Verantwortung. Bislang gab es nur eine diffuse Vorstellung von Todeskandidaten, nun liefen sie in den Circus und bestanden aus Fleisch und Blut. Ihre Angst konnte lähmen, wenn sie zu sehr auf das eigene Gemüt einwirkte. Da war es zuträglicher, sich in Wut, Rage oder Hysterie zu steigern. Menecrates konzentrierte sich ganz auf die Abwicklung der Exekution. Wenn seine Gedanken abschweifen wollten, führte er sie zur Erinnerung an die Gefahren, die seine Familie während des Aufstandes durchmachen musste.


    Er beobachtete die Vorgänge um die Hauptverurteilte und dankte den Göttern, dass nicht er selbst das Öl über sie oder andere Todesopfer gießen musste. Ein Kloß entstand in seinem Hals, den er durch Räuspern versuchte loszuwerden. Er gab es auf, als er den Blick des Offiziers spürte und die Worte vernahm. Er wollte sich treiben lassen, doch dann horchte er auf. Hatte der Kaiser tatsächlich zugestimmt, die Verantwortung für die Gräueltaten den Christen in die Schuhe zu schieben? Für einen Moment hielt er den Atem an. Oder gab es inzwischen doch Beweise für diese Spekulation?


    Menecrates blieb keine Zeit und schon gar keine Gelegenheit, das zu hinterfragen. Er beruhigte sich für den Moment damit, dass die hier präsentierten Todeskandidaten sicherlich allesamt bei den Unruhen aufgegriffen und somit verantwortlich waren. Anders konnte es nicht sein. Er warf einen Blick zu seinen Enkeltöchtern, dann sah er wieder zur Mitte der Arena.



    Er hatte um die öffentlichen Hinrichtungen gebeten. Jetzt musste er sie vollstrecken, Kraft seines Amtes, Kraft des Gesetzes.
    Ein Räuspern, dann erklang: "Lege age!" Nicht laut, aber vernehmlich. Die Formel wurde von den Herolden wiedergegeben.

  • Auch Maximilla hatte den Ruf der Herolde vernommen, auch wenn sie bereits zuvor schon gewusst hatte, dass genau dieser Tag der Tag der Abrechnung war. Mit dem ihr eigenen Schwung hatte sich bereits recht früh in den Morgen begeben, um ein leichtes Mahl und ein erfrischendes Bad zu nehmen, welches die Lebensgeister weckte. In der letzten Zeit hatte sich nicht wohl gefühlt und war zumeist auf ihrem Zimmer geblieben, um die müden Knochen nicht allzu sehr strapazieren zu müssen, welche ein Quell der übelsten Launen gewesen war. Überhaupt gefiel ihr die kältere Jahreszeit nicht besonders und sie hatte ihre Garderobe mit einigen wärmeren Kleidungsstücken aufstocken müssen. Sie waren waren farbenfroh und entsprachen natürlich der neuesten jugendlichen Mode, auch wenn die Schneider in Rom ihrer Meinung nach nicht so gut waren wie jene in Tarraco, weshalb auch noch ein weiterer Sklave auf ihrer Einkaufsliste stand, der mit Nadel und Faden wahre Wunder für sie vollbringen würde.
    Aber das war heute noch Zukunftsmusik und sie hatte ihre Sklavin Harmonia mit lauter Stimme und immer wieder dazu aufgefordert, sich mit ihrer Pflege besondere Mühe zu geben. Immerhin würde sie ja in Nähe der Kaiserloge sitzen, was natürlich ein Privileg war, welches man eventuell nutzen konnte.


    Während die Stunden bis zur Hinrichtung verstrichen, beschäftigte sie sich mit der Auswahl ihrer heutigen Perücke und dem Durchprobieren der Garderobe, bis etwas Passendes gefunden hatte. Dieses Etwas war blassgrün, reichlich mit Goldfäden verziert und kontrastierte hervorragend mit einer rotblonden Haarpracht, die zu einem rasanten Turm aufgesteckt worden war. Kleiner Zierrat baumelte aus einigen Strähnen herab und klimperte leise, wann immer sie ihren Kopf bewegte. Ihr Gesicht wirkte sittsam blass und ihre Lippen bestachen mit einem frischen, roten Ton. Maximilla gefiel, was sie im polierten Spiegel sah und konnte sich auf den Weg machen, um die Gerechtigkeit zu verfolgen, zu der Rom offenbar immer noch in der Lage war. Schließlich hatte man ihr ihr Heim genommen, die Sklaven und einige Verwandte. Es geschah nur recht, dass diese Varia und der widerliche Mob, der sie in die Raserei begleitet hatte heute endgültig ihr Ende finden würde.


    Hoch erhobenen Hauptes hatte sich die Tiberia also mittels Sänfte zum Ort des Geschehens tragen lassen, ehe sie den Rest des Weges zu Fuß auf sich nahm und auf einem der eigens reservierten Plätze Platz nahm. Von hier aus konnte man alles wunderbar überblicken und ihr würde kein noch so kleines Detail entgehen. Zumindest keines, was nicht ihrer aufkeimenden Kurzsichtigkeit geschuldet war. Nachdem sich die Ränge gefüllt hatten und geradezu greifbare Anspannung in der Luft lag, ergriff sie die Hand ihres Sklaven Hymeas, wobei sie gar nicht merkte, dass sie es mit der Festigkeit ihres Griff wohl ob der eigenen inneren Anspannung ein wenig übertrieb. Dann schickte sie Proximos aus, um noch ein paar Leckereien zu besorgen, die es hier bestimmt wohl auch geben würde. Tatsächlich hatte er Erfolg gehabt und kam rechtzeitig zum Einzug der Götterblilder und der Augustusbüste zurück. Man merkte deutlich, dass einige im Publikum wohl noch niemals Elefanten gesehen hatten, denn ein Raunen ging durch die Menge. Doch Maximilla regte sich nicht und kein Laut des Erstaunens verließ ihre Lippen. Im Geiste hatte sie schon die Zeit angetrieben, damit diese schneller vorwärts lief. Dann, endlich, hielt auch der Wagen des Consuls, der danach die Stimme erhob, um die Vorfreude der Massen weiter zu schüren und um die Ludi Palatini zu eröffnen.


    Auch Maximilla hatte sich erhoben, um Beifall zu spenden. Frenetischen Jubel hörte man allerdings von ihr nicht, denn das gehörte sich nicht für eine Dame von Welt. Ihre Blicke schweiften flüchtig über den Pöbel, der wild auf und ab sprang, mit den Armen wedelte und dem anscheinend jedwede Sitte und Moral abging. Und dann war es so weit. VARIA! Maximillas Habichtsaugen richteten sich wie gebannt auf die elende Delinquentin und auch ihr Gefolge, welches man mit Peitschen antrieb.


    Ein wenig hatte sich die Tiberia vor geneigt, um noch besser sehen zu können und sie sah sehr deutlich, dass ihr Neffe, der eine wahre heroische Figur machte, mit dieser Verbrecherin redete, die nackt und bloß zur Verantwortung gezogen wurde. Abschaum! Und dann noch eine Frau! Eine Schade für ihr eigenes Geschlecht und bestimmt war sie auch perfide und durchtrieben.


    Am Rande bekam sie mit, wie in der Kaiserloge ein junges Ding offenbar die Augusta zur Rede stellte, doch verstehen konnte sie kein Wort, denn sie saß zu weit weg und es waren einfach zu viele Stimmen um sie herum, als es überhaupt möglich gewesen wäre etwas zu verstehen. Unten auf dem Sand unterdessen wurden hölzerne Kreuze errichtet, zu denen die Gefangenen geführt wurden, während die Fackeln schon brannten. Wieder reckte Maximilla das Haupt, während sie sich an ihr Herz griff. “Bald siegt die Gerechtigkeit, Hymeas, du wirst es sehen!“, erklärte sie beinahe ergriffen. Der junge Sklave gab keine Antwort, sondern er nickte nur schwach, während er den Anschein erweckte, gerne auf den Anblick verzichten zu wollen. Im Anschluss ertönte Varus Stimme über den Platz. Wie majestätisch, wie imposant! Was für ein Sohn Roms! Stolz wallte in der Tiberia auf. “Wie ergreifend,“ seufzte sie schwer, straffte aber zeitgleich ihre Haltung. Dann schaute sie hinüber zum Consul, der soeben angesprochen worden war und hoffte, dass die verruchten Christianer, einschließlich ihrer verwunschenen Königin nun den Flammen übergeben wurden.

  • Zitat

    Original von Quintilia Pina
    ....


    „Sei still Kind.“ Sagte die Kaiserin zurechtweisend zu der jungen Frau. „Du kannst vieles denken, jedoch nicht alles sagen. Deine Worte richten sich gegen Rom. Und glaub mir nicht jeder in Rom ist so tolerant wie ich.“ Sie blickte sich vielsagend um. „Behalte deine Worte und deine Meinung für dich. Du solltest nicht für diese Frau dort unten sprechen. Sie ist eine Feindin Roms. Und wenn du für sie sprichst machst du dich zu einer ebensolchen. Du selbst hast gesagt, man hält uns Frauen für schwach und naiv. Sei du dies nicht und überlege dir deine Worte genau.“ Die Kaiserin deutete nun mit einer ausladenden Geste in Richtung der verurteilten Sklavin. „Quintilia Pina du wirst an meiner Seite Platz nehmen und du wirst dir anschauen, was mit Feinden Roms geschieht. Du wirst nicht wegsehen und nicht die Augen schließen. Ich möchte, dass du es dir bewusst ansiehst.“ Die Veturia gab den Männern die sie umringten einen Wink. Ja die Männer sollten dafür sorgen, das die Frau an der Seite der Kaiserin Platz nehmen würde und die Hinrichtung verfolgen sollte.

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