Pagus Chattorum | Aut bibat, aut abeat!

  • Die Vexillatio in pagos Chattorum war in aller Frühe aufgebrochen, um am ersten Tag ihres Marsches bereits möglichst viel Weg hinter sich zu bringen, da doch die Gaue der Chatten mindestens zwei Tagesreisen entfernt lagen und sie somit eine durchaus beachtliche Reise vor sich hatten, ehe sie die führenden Häupter jenes kriegerischen Stammes treffen würden. Manius Minor war voller Exaltation besonders zeitig erwacht, hatte zur Tunica Laticlava auch seinen maßgeschneiderten Brustpanzer angelegt und darüber das Paludamentum drapiert, hatte sodann seinen Cornicularius rufen lassen und schließlich seine beachtliche Eskorte, bestehend aus vier Centuriae Legionären sowie einer Turma der Ala II Numidia, zusammen mit seinem Stab versammelt, an deren Spitze er den Rhenus überschritten hatte, noch ehe die Sonne sich gänzlich Horizont gänzlich gelöst hatte.


    Sodann marschierte der Trupp weiter gen Norden auf eben jener Straße, auf welcher der junge Flavius seine wohl erste Dienstreise absolviert hatte. Diesmalig hatte er allerdings keinerlei Auge für die mühsam kultivierte Landschaft, welche sich von der befestigten Straße aus bot, sondern verweilte auf seinem Ross gänzlich in Gedanken versunken, im Geiste Mal um Mal jene Informationen durchgehend, bis endlich er sich aus seinen vielfältigen Gedanken erhob und das höchst ungeistige Bedürfnis verspürte, sich über den Fortgang der Reise zu informieren. Folglich wandte er sich den beiden Offizieren ihm zunächst zu, bei welchen es sich um den Decurio der Ala und Centurio Tiberius handelte.
    "Wie lange können wir heute noch marschieren? Wie viel Zeit ist für die Aufstellung eines Lagers für unsere Vexillatio erforderlich?"
    , fragte er somit beide relativ immediat.

  • Kunolf war verwundert gewesen. Plötzlich brach Hektik aus, Sachen wurden gepackt, Befehle gegeben. Es sollte zu einer Mission gehen. Saß genau wussten dir Männer nicht. Zumindest die Tirones.
    Jeztt zeigte sich das einige Tirones noch nicht gut reiten konnten. Bei Kunolf war das anders. Er war ja schließlich auf Alswinn hier her geritten. Überhaupt ritt er bevor er überhaupt richtig laufen konnte.
    Aufmerksam sah er sich um und lauschte...

  • Auch wenn sich Ocella fragte warum ausgerechnet die Turma Prima diese Mission begleiten sollte, schließlich war sie diejenige Turma, die noch am unkoordiniertesten arbeitete, zu viele Neulinge und noch zwei Tirones. Ocellas Haltung zum Marschbefehl hatte ihm einen sehr ernsten Blick Varro´s eingetragen. Doch was sollte es? Die Männer ritten in Zweierreihe hinter den Verpflegungs- und Ausrüstungskarren her. Varro war irgendwo da vorne bei diesem kindlichem Tribun. Er sah sich um und freute sich ein wenig, daß die Tirones noch auf ihren Pferden saßen.

  • Zitat

    Original von Manius Flavius Gracchus Minor
    "Wie lange können wir heute noch marschieren? Wie viel Zeit ist für die Aufstellung eines Lagers für unsere Vexillatio erforderlich?"
    , fragte er somit beide relativ immediat.


    Die Frage konnte ihm der Plattfuß am besten beantworten, immerhin hatte er fast 400 Mann zum Lagerbau dabei. Die Aufgabe der Ala bestand in anderen Gebieten. Ich schlage vor zunächst Speculatores für ein geeignetes Gelände vorauszuschicken Tribun,...Er nickte er dem Centurio auffordernd zu den Wissensdurst des jungen Tribunen nach der Tagesmarschleistung der Legion zu stillen.

  • Verus fühlte sich unwohl. Er hatte immer noch mit den Erinnerungen zu kämpfen. Immer noch erschien ihm vieles undurchdringlich und auch diese erneute Reise ins fremde Land, welches zum Teil auch gewohnte Fremdheit und somit sicherlich ein Teil Heimat war. Dennoch konnte sich Verus nie ganz an diesen Umstand gewöhnen. Verus holte tief Luft, während er seine ängstlichen Gedanken bei Seite schob: "Da ich die Männer schonen wollen würde, auch um die Marschlast zu reduzieren, denn wir befinden uns in Feindesland, halte ich eine baldige Unterbrechung für sinnvoll." Immerhin hatten sie bereits einen Weg zurückgelegt und Verus war nicht bekannt dafür, dass er ein Freund des Gewaltmarsches war. Nun ließ Verus seinen Blick schweifen. Auf dem erhöhten Sitz des Pferdes, konnte er die Straße entlang blicken. Dieses Pferd nutzte er nicht aus Stand, sondern schlicht, weil er nicht gut zu Fuß war, denn seine Kriegswunde machte ihm noch zu schaffen. "Ich denke, dass die Männer noch zwei Stunden marschieren sollten," ergänzte der altgediente Tiberius, während sein Blick wieder zum Flavius wanderte. "Die Reiter sollten in der Tat eine Erkundung durchführen," entgegnete der Centurio Tiberius dann auf den Einwurf des Germanicus mit einem abschließenden Nicken. "Ein Lager benötigt je nach Lage eine Stunde bis vier Stunden. Aus diesem Grund kann ich erst bei Begehung des Lagergrundes eine genaue Aussage treffen, Tribun," formulierte Verus dann erklärend, damit er auch die letzte Frage beantwortete.

  • "Eine formidable Idee, Decurio! Leite dies in die Wege!"
    , konfirmierte der junge Flavius den Rat des Kavalleristen, welcher ihm ein wenig wortkarg erschien. Nun, da er ausgiebig über seine Mission spintisiert hatte, erwachte in ihm endlich das Bedürfnis, sich etwas näher mit seinen Subalternen zu befassen, hinsichtlich welcher ihn ja Luna gewarnt hatte.


    Doch galt es erstlich, die organisatorischen Umstände zu klarifizieren, weshalb er nun sich dem Centurio zuwandte, welcher ebenso nicht zu den geistlosen Plappermäulern zu zählen schien, ja sogleich wieder an jenen Umstand gemahnte, der dem Tribun beinahe aus dem Sinn war geschwunden, nämlich dass sie nun bereits eine beachtliche Distanz überwunden, ja den Limes überschritten hatten und die Villae Rusticae und gerodeten Felder diesseits und jenseits der Straße gleichsam sinistren Wäldern und undurchdringlichen Dickichten gewichen waren. Augenscheinlich waren sie äußerst hurtig vorwärts gekommen.
    "Dann sollten die Equites in-"
    , hob der Jüngling zu einer Order an, als ihm gewahr wurde, dass er keineswegs wusste, welche Distanz seine Vexillatio auf jener nun nicht mehr sorgsam gepflasterten Römerstraße, sondern einem ausgetretenen, durchaus breiten Handelspfad im freien Germania sich fortbewegten. Zu Pferd verspürte man kaum eine Differenz, doch womöglich hemmte die Erde doch die beschlagenen Caligae des Fußvolkes. Dessenungeachtet vermochte er noch nicht einmal zu sagen, wie rasch sie am vergangenen Tage vorwärts gekommen waren, sodass er für einen Augenschlag ob seiner Inkompetenz ein disturbiertes Gesicht aufsetzte, ehe er, flankiert von einem insekuren Gestus, erklärte:
    "-einer Distanz von zwei Marschstunden einen Platz zum Campieren ausmachen."
    Zweifelsohne würden die Männer der Ala auch diesbezüglich profundere Kenntnis haben als er selbst, sodass jene Order sich hoffentlich als suffizient erwies.


    Mehr schien augenblicklich nicht zu tun zu sein, sodass er aufs Neue sich dem Decurio zuwandte, welcher seinen Akten zufolge ein Germanicus war, was Manius Minor sogleich jenes tollen Germanicus erinnert hatte, dessen Missio Ignominosa das Fanal seines Rom-Aufenthalts vor der Abreise hierher gebildet hatte.
    "Man sagte mir, in den Reihen der Ala dienen zahlreiche Germanen, unter welchen auch solche zu finden sind, die den hiesigen Stämmen angehören?"
    Wenn diese Affiliation für die germanische Gesellschaft in der Tat jene Bedeutung besaß, die ihm das Gespräch mit der Seherin suggeriert hatte, würde der Decurio hoffentlich genauer darüber informiert sein.
    "Ich wurde gewarnt, dass die Angehörigen fremder Stämme bei den diplomatischen Verhandlungen möglicherweise für Spannungen sorgen würden."
    , explizierte er sodann hurtig seine Frage, da doch das lakonische Wesen des Soldaten es ihm geboten erscheinen ließ, seine Rede in den Verdacht belanglosen Geplappers geraten zu lassen.

  • Varro versuchte ob des seltsam geckenhaften Vokabulars nicht seine sprichwörtliche Ruhe zu verlieren und brachte ein trockenes Jawohl Tribun!
    hervor und winkte Ocella heran. Dieser preschte heran und stoppte sein Pferd neben ihm.
    Das brachte ihn in den Genuss des nächsten Tribunischen Ergusses. Er sah Varro grinsend an und bevor die Lage eskalieren konnte gab dieser kund...Vier Mann, entlang des Marschweges einen Lagerplatz suchen...übliche Kriterien...Rückmeldung in einer Stunde,...Vorsicht und ab! Er machte ein betont ernstes Gesicht und wischte zum Gruß kurz an der Helmkante.

  • Ocella bemühte sich ernsthaft nicht zu grinsen, zog nach der Order sein Pferd herum und holte sich Baldur und die beiden Tirones. Baldur, Andriscus, Kunolf,...Speculatores...wir suchen ein Lager für die Plattfüsse,...Die Lanzen bleiben hier,...nur Bogen und Schild...ab...wir brechen sofort auf.
    Er gab seine Lanzen dem Tross und wartete bis die anderen das gleiche taten. Dann preschte er davon. Als er die Spitze des Zuges passierte waren die anderen direkt hinter ihm.

  • Zitat

    Original von Manius Flavius Gracchus Minor
    "Man sagte mir, in den Reihen der Ala dienen zahlreiche Germanen, unter welchen auch solche zu finden sind, die den hiesigen Stämmen angehören?"
    Wenn diese Affiliation für die germanische Gesellschaft in der Tat jene Bedeutung besaß, die ihm das Gespräch mit der Seherin suggeriert hatte, würde der Decurio hoffentlich genauer darüber informiert sein.
    "Ich wurde gewarnt, dass die Angehörigen fremder Stämme bei den diplomatischen Verhandlungen möglicherweise für Spannungen sorgen würden."
    , explizierte er sodann hurtig seine Frage, da doch das lakonische Wesen des Soldaten es ihm geboten erscheinen ließ, seine Rede in den Verdacht belanglosen Geplappers geraten zu lassen.


    Varro hörte sich die Thesen des Flaviers an und entgegnete, Die Männer der Ala sind römische Legionäre Tribun, sie wissen was Eide und Ehre bedeuten und ich stelle ihre Loyalität nicht in Frage.
    Er straffte sich ein wenig ...der einzige Stamm dem sie ihr Leben schulden ist ihre Einheit...das einzige was für sie zählt ist mein Befehl. Doch wenn es deinerseits Bedenken gibt halten wir die Equites dort wo sie üblicherweise hingehören,...in den Hintergrund als schlagkräftige Einsatzreserve.
    Verfluchtes Gör.Warum hatte er denn nicht die Reiterei der Legio mitgeführt und auf eine Ala Turma zurückgeriffen? ...ich garantiere dir deine Informationen treffen nicht auf die hier reitenden Equites der Ala II Numidia zu.

  • Dass die Equites der Auxiliae römische Legionäre waren, mochte Manius Minor ernstlich in Zweifel ziehen, doch verbat er sich jene Altklugheit, den verbalen Fehltritt des Decurio zu thematisieren, zumal ihm die Intention jener Aussage ja durchaus nicht entgangen war, und bemühte sich stattdessen, das Risiko weiterer Differenzen, welche ob der antizipierten Kritik an der Loyalität der Männer des Germanicus aufzuziehen drohten, zu senken:
    "Keinesfalls wollte ich deinen Männern Illoyalität unterstellen. Ich wurde vielmehr gewarnt, dass die Präsenz verfeindeter Stammesglieder bei den Verhandlungen mit den chattischen Stammesfürsten von letzteren als Provokation verstanden werden könnten. Insofern wäre es wohl in der Tat besser, deine Männer im Hintergrund zu halten."
    Der Tribun kniff nachdenklich die Augen zusammen, als in ihm schlagartig eine alternative Option aufkam, und lächelte den Offizier sodann freundlich an:
    "Wenn deine Männer jedoch so loyal sind, könnten wir uns das andererseits selbstredend zunutze machen, falls unter ihnen gebürtige Chatten zu finden sind. Du musst wissen, dass ich mit den hiesigen Konstellationen und Gebräuchen nur mäßig vertraut bin, sodass mir ein ortskundiger Ratgeber durchaus willkommen wäre."
    Zwar wusste der junge Flavius nicht, ob die Bekräftigungen eines gemeinen Decurio so vertrauenswürdig waren, dass er darauf seine gesamte Strategie errichten sollte, doch war ein römischer Soldat zweifelsohne als eine sicherere Quelle zu titulieren als eine germanische Seherin, welche kürzlich versklavt worden war und bisherig seine maßgebliche Konsultorin in dieser Mission gewesen war.

  • Es war noch nicht lange her, das Runa ihr Kind bekommen hatte, es war ein Mädchen gesund und munter. Ein wahrer Sonnenschein und doch hatte Runa die Kleine nun zurücklassen müssen. Sie musste einfach. Es war an sie herangetragen worden, dass der Tribun sie als Unterstützung brauchte. Er wollte tatsächlich zu den Stämmen reisen. Runa war skeptisch gewesen. Doch nachdem Sie mit Idun darüber gesprochen hatte und diese ihr gut zugeredet hatte war Runa nun schon vor einigen tagen aufgebrochen um sich mit einigen der Oberhäupter der Stämme zu treffen. Alle zu kontaktieren war ob der Kürze der Zeit nicht möglich gewesen. So hatte sie nur drei von ihnen treffen können. Jene Stämme, deren Siedlungen nahe des Limes waren. So konnte sie sich ihnen wenigstens vorstellen. Es war fast schon unheimlich gewesen. Ja es war fast so, als hätten sie sie erwartet. Idun hatte wirklich gute Vorarbeit geleistet. So wie ihr berichtet wurde hatte Idun den Stämmen schon von Anfang an mitgeteilt, dass eines Tages eine Seherin von jenseits des Limes kommen würde. Eine die Gabe der alten Götter hatte und dennoch auch römisches Blut in ihren Adern. Man hatte Runa als freundlich empfangen und es gab keine Abneigung gegen sie. So war es ihr nun auch möglich bei Thing dabei zu sein und wenn nötig auch auf diesem zu sprechen. Ja sie wurde von den Stämmen akzeptiert.
    Sie hatte sich verabschiedet und ritt nun dem Tribun und seinen Truppen entgegen. Schon von Weiten konnte sie sie ausmachen und verlangsamte ihren Ritt. Sie wusste nicht ob der Flavier sie in ihrer nun durch und durch germanischen Aufmachung überhaupt erkennen konnte. Den ersten Soldaten auf den sie traf sprach sie an. „Ich suche den Tribun Flavius. Bring mich bitte zu ihm.“

  • Kunolf ritt auf Alswinn gemütlich den andren hinterher. Es war Bewegung. Der Decurio ritt zum Tribun und führte ein Gespräch, um was es ging konnte er nicht sagen.
    Mit jedem Schritt in Richtung "Feindesland" kamen immer mehr Bilder in Kunolf hoch. Seine Kindheit, die Schlacht... Gedanken die ihn traurig machten. Alswinn schien das zu spüren, nervös hob er seinen Kopf und schnaubte. Kunolf Strich seinem Freund über den Hals....

  • Verus verlor sich für einen Moment in seinen Erinnerungen. Die Rüstung wog auf seinen Schultern und auch die Bewaffnung, die er an sich trug, erleichterten nicht seinen Sitz. Als Offizier hatte er gelernt, manche Dinge loszulassen aber auch manche Dinge an sich zu pressen. Nicht alles konnte er verdrängen, von sich weisen oder vergeben. Er wusste stets, was er getan hatte und was er war. Der junge Flavius schien eifrig, wenn auch unsicher im Umgang mit seinem militärischem Kommando. Verus entschied sich, zu schweigen, solange es möglich war. Er wollte dem Flavius nicht verunsichern, denn er selbst fühlte sich hier nicht sicher. Und jede Bewegung, jeder Schritt hier, in diesem Land barg eine große Gefahr. Es war nicht die römische Welt, die im Zweifel auf Ordnungskräfte oder Soldaten zugreifen konnte. Hier galten alte Sitten und Regeln, die Verus immer noch fremd waren. Man war hier stets ein Fremdkörper, der in Abgründe oder Wunder blicken konnte. Er kannte ein paar dieser Sitten aber wollte nie wirklich an diesen partizipieren. Das Gesicht des kriegsgeschundenen Tiberius wurde kalt, während er wieder dieses Gefühl der Angst fand. Keine treibende, sinnesberaubende Angst, sondern viel mehr ein Gefühl, das etwas hinter ihm lauerte und seinen Nicken mit Frost umschmeichelte. Verus blickte sich hektisch um, um die Bestie zu entdecken aber fand sie nicht. Doch sie war dort. Er spürte ihre Krallen, wie sie mit dem Mordwerkzeug über die vernarbte Wunde strich. Die Haut spannte sich und der Schmerz kehrte ein. Nicht fordernd und auch nicht preisgebend aber er machte sich deutlich bemerkbar. Verus schloss seinen Mund fest, biss die Zähne fest zusammen, um einen Druck zu erzeugen, der ihm half die Angst und den Schmerz zu vertreiben. Er hatte sich getäuscht. Auf einem Pferd zu Reiten, verschlimmerte seine Lage und erleichterte sie nicht. Sein Bein verlangte nach Bewegung. Die stille Haltung brachte ihm nur Schmerz, so dass Verus schwungvoll mit einer geübten Bewegung absaß. Er kommentierte dies nicht und gab einem Soldaten die Zügel seines wertvollens Schlachtrosses, welches in sattem Schwarz glänzte und mit roter Satteldecke bedeckt war. Verus landete mit beiden Militärsandalen im morastigen Boden, der mit Moos und Bodendecker überwuchert schien. Es fühlte sich gut an, fest auf dem Boden zu stehen. Der Schmerz löste sich dezent auf, während sich sein Oberschenkel bewegte. Im sanften Tritt folgte Verus, nun dem Flavius im Blicke unterlegen, festen Schrittes. Der Legionär zog das Pferd gezielt neben Verus mit sich, um es Bedarfsfall bereit zu halten. Ein anderer Legionär nahm dem Pferdehaltenden das Marschgepäck ab und brachte es auf den Versorgungswagen, etwas abseits. Es brauchte keine Befehle für gewohnte Handgriffe und Drill. Der Tiberius konnte dem Gespräch des Tribuns mit dem Decurio lauschen, verzog erneut ein wenig sein Gesicht und verdrängte seine Angst. Diese Welt konnte er später noch Schwarz genug färben. "Ich möchte nicht ins Wort fallen," fiel er mit erhoben-militärischer Stimme ins Wort. "Aber ich denke, dass wir germanisch Blütige aus der diplomatischen Mission fernhalten sollten. Uns als Römern ist nicht klar, welche Feindschaften oder Fehden noch bestehen. Diese Kultur, welche wir aufsuchen, ist anders und besteht aus festen Traditionen, die nicht mit den Unseren übereinstimmen," sprach er zum Flavius, bevor er seinen Blick zum Decurio erhob. "Ich unterstelle deinen Männern keine falschen Absichten aber in dieser Sache kann schon eine falsche Geste oder Handlung, ein Blutbad auslösen," nickte er ab und wandte sich dann wieder an den Tribun, während er beide Hände zur Erleichterung ins cingulum militare legte, um sie dort seitlich ruhen zu lassen. Seine Rüstung, ein typisches aber hochwertiges doppeltbeschlagenes Kettenhemd mit verstärkten Schultern gab dabei ein leises Geräusch von sich, wie es schon die ganze Zeit erklang, mit jedem Schritt. Seinen Helm trug er an einer Lasche in der Nähe seiner Hüfte, wo auch dieser dezent klapperte. Er mochte es, frei zu atmen und schätzte dessen Gewicht nur im Kampfe. "Ich empfehle, sobald wir ein befestigtes Lager errichtet haben, mit einer handverlesenen Einheit aus wenigen Legionären zu deinem Geleit aufzubrechen. Wir lassen die Ala um das Stammesgebiet patroullieren, um im Notfall Entsatz zu stellen und die Männer aus dem Lager zu schützen oder zu informieren. Wir müssen wirklich sanft agieren, denn die Germanen könnten dies als Invasion werten," empfahl Verus erfahren und unterstrich diese Aussage mit einem steifen und direkt gerichteten Blick. Er wollte hier nicht erneut in eine Falle tappen aber ebenfalls nicht, einen neuen Kampf herausbrechen, indem man zu drastisch militärische Macht demonstrierte. Natürlich würde er selbst mit seinen besten Soldaten die Garde des Flavius bilden, da er nur so sichergehen konnte, dass alles statthaft verlief. Eine Fremde näherte sich der Front des römischen Heerwurmes, wurde aufgehalten und Verus konnte mit seinen scharfen Augen bereits ein Gesicht ausmachen. "Forderungen stellt man nicht," brüllte Verus gereizt, da diese Unterbrechung ihm nicht gefiel, doch er wollte der Frau nicht ihren Wunsch abschlagen und deutete mit einem Fingerzeig an, dass die Männer Platz machen konnten. "Absitzen und zu Fuß," brüllte er ein weiteres mal, da es ein Sicherheitsgebot war, eine(n) fremde(n) Reiter(in) nicht auf dem Pferd näher kommen zu lassen. Sobald sie abgesessen war, würden zwei Legionäre sie auf Waffen untersuchen und heranbringen. Verus blickte dann wieder zum Flavius und war sich sicher, dass er diesem Jüngling noch viel abnehmen musste, da in dieser Welt schnelle Entscheidungen gefragt waren. Langes Gerede oder Zögerlichkeiten waren hier eindeutig ein Todeszeichen.

  • Das Ganze ging ihm hier doch inzwischen gewaltig auf die Leber. Jetzt hatte auch der Centurio noch seine Bedenken zum Besten gegeben. Doch anstatt aufzubegehren entschloss sich Varro das Beste aus der Situation zu machen und entgegnete nach kurzer Bedenkzeit, Ich stimme dem Centurio zu Tribun,...es wäre sicherlich klüger die Ala auf ihre eigentlichen Aufgaben zu konzentrieren und den hiesigen Stämmen keinerlei Anlass zu Dünkel und Argwohn zu liefern. Sollte der Centurio doch hier den Germanenkenner mimen mit seiner seltsamen Melanche aus Melancholie und eisenharter Kompromisslosigkeit. Sicher würde sich im Laufe der Missio die Gelegenheit zu einem Gedankenaustausch ergeben, das hier,...das war ihm zu dumm. Wenn man Bedenken in Bezug auf die Zuverlässigkeit oder Auswirkungen der germanischen Reiter auf die indigene Bevölkerung hatte, warum führte man sie dann mit?
    Er nickte dem Centurio sein Einverständis zu und fügte hinzu,
    Einer meiner Männer kennt die Chatten, jedoch aus einer leider gegnerischen Sicht, ich kann ihn holen lassen, Tribun?! Was sich ja angesichts der letzten Gespräche erübrigt haben dürfte.

  • Tja.... Da waren wir. Irgendwo in Germania und niemand
    war da. Zumindest hatten sich noch keine dieser Wilden blicken lassen.
    Andriscus hatte ehrlich gesagt auch keine große Lust darauf bei seinem ersten Ausflug gleich mit diversen "Kriegersachen" zu tun zu haben. Alles mit der Ruhe, bitteschön. Sterben werden wir alle... Aber lieber später als früher.


    Der Germanicer nahm sich wieder einmal die Zeit für ein Pläuschchen wodurch Kunolf, zwei der ihm unkannten Kameraden und er selbst, von der Glücksfall auserkoren wurden ein Plätzchen für ein Lager zu finden.

  • Zitat

    Original von Aulus Tiberius Verus
    .... "Absitzen und zu Fuß," brüllte er ein weiteres mal, da es ein Sicherheitsgebot war, eine(n) fremde(n) Reiter(in) nicht auf dem Pferd näher kommen zu lassen. Sobald sie abgesessen war, würden zwei Legionäre sie auf Waffen untersuchen und heranbringen. Verus blickte dann wieder zum Flavius und war sich sicher, dass er diesem Jüngling noch viel abnehmen musste, da in dieser Welt schnelle Entscheidungen gefragt waren. Langes Gerede oder Zögerlichkeiten waren hier eindeutig ein Todeszeichen.


    Runa rutschte vom Pferd.War das der Tiberius der das so herumbrüllte? Sie kniff die Augen zusammen um gegen die Sonne etwas erkennen zu können. Sie ließ sich widerstandslos nach Waffe durchsuchen. Als die Legionäre ihr zunicken, griff sie jenen Stab, den Idun ihr übergeben hatte und bewegte sich langsam mit bedächtigen Schritten auf den Tiberius und den Flavier, sie hatte nun auch eben jenen entdeckt, zu. Der Stab nahm dabei die Funktion eines Wanderstabes ein. Jene unter den Soldaten, die mit den Gebräuchen und Sitten des Landes auf welchem sie sich gerade befanden vertraut waren würden genau wissen, wofür dieser Stab ein Symbol war. Er wies sie eindeutig aus Seherin aus. Den Centurio bedachte sie nur mit einem kurzen Kopfnicken ohne jedoch das Wort an ihn zu richten. „Salve Tribun Flavius.“ Sagte sie und nickte dabei dem Mann, der immer noch auf seinem Pferd saß zu. Mehr sagte sie zunächst nicht, da sie nicht wusste, in wie weit er seine Männer darüber ins Bild gesetzt hatte, das Runa ihn begleiten würde. So wartete sie ab, was er zu sagen hatte.

  • Als der Centurio ihn begann ihn hinsichtlich der Exotik jenes fremden Volkes zu belehren, bemerkte der junge Flavius ein wenig altklug:
    "Nun, eben dies ist das Problem. Uns, respektive mir gebricht es an einer intensiven Kenntnis jener Kultur und ich bedarf des Rates jener, welche mit ihr besser vertraut sind. Allerdings habe ich bereits anderweitig Hilfe akquiriert, die demnächst zu uns-"
    In jenem Augenschlag vernahm er einige Unruhe, als eine infamiliare Gestalt sich der Vorhut approximierte.
    "Indessen werde ich selbstredend einen Feind der Chatten nicht zu ihnen nehmen. Dennoch mag es von Vorteil sein, wenn wir im Nachtlager womöglich deinen Mann befragen."
    , beschied er sodann an die Adresse des Decurio, während Verus sich dem Neuankömmling zuwandte. Allerdings gelangte jene Frau, die kurioserweise einen Wanderstab mit sich führte, obschon sie zu Pferd unterwegs war, recht zügig zu ihm.
    Als sie sodann das Wort an ihn richtete, erkannte er auch die Stimme der Frau, welche er in ihrer germanischen Montur selbstredend nicht erkannt hatte, da ihre Züge beim Nähertreten wie gewöhnlich vor den Augen des Jünglings zu einem amorphen Konglomerat zerflossen waren. Jenem Umstande geschuldet hatte Manius Minor hingegen schon lange das Memorieren und Identifizieren von Stimmen exerziert, um nicht versehentlich bedeutsame Persönlichkeiten zu konfundieren.
    "Ave, Duccia!"
    , replizierte er somit den Salut und präsentierte der kurios Gekleideten ein mildes Lächeln.
    "Ich hoffe deine Unternehmungen waren erfolgreich."
    Sodann wandte er sich an seine Offiziere, welche er bisherig über jene Konsultorin noch nicht in Kenntnis gesetzt hatte.
    "Dies ist Duccia Silvana, die Tochter des Flamen Divi Augusti und eine Seherin. Sie hat sich dankenswerterweise bereit erklärt, unsere Mission bei den Chatten zu präparieren und uns zugleich zu geleiten."
    Er strahlte voller Satisfaktion in die Runde, als er jenes Ass aus dem Ärmel zauberte.

  • Die Duccia nickte den Anwesenden nochmals zu, dann wand sie sich wieder dem Flavier zu. „Ja es war ein Erfolg. Die Oberhäupter der Stämme werden in zum Vollmond in drei Tagen zusammenkommen und ein Thing abhalten. Du bist dort willkommen. Ich werde dich begleiten. Natürlich kannst du auch ein paar Männer mitnehmen.“ Sagte sie im ruhigen Tonfall. Sie blickte sich um und sah die vielen Männer, die den Flavier begleiteten. Es waren viele, aber genau dass hatte sie den Stämmen ja auch schon angekündigt. Rom dachte nicht klein und so war auch friedliche Mission, die wohl dem Frieden dienen sollte, von einer riesigen Massen an Soldaten begleitet. Ja das war so typisch für Rom.

  • "Wie überaus günstig!"
    , erwiderte der junge Flavius nun wieder in Direktion der Duccia. Da er bereits Notiz davon genommen hatte, dass sie ihres Pferdes beraubt worden war, gab er seinen Männern ein Zeichen.
    "Ich bin überaus interessiert, wie die momentane Lage bei den Stämmen hinsichtlich unseres Anliegens ist. Du musst mir berichten!"

  • Ocella fand nach einer halben Stunde Ritt ein geeignetes Gelände für die Truppe. Eine ausreichend große Ebene auf einem sanften Hügel. In unmittelbarer Nähe ein kleiner See. Der Blick vom potentiellen Lagerplatz reichte wohl 6000 bis 7000 Fuß. Mehr als ausreichend um auch einen Angriff einer berittenen Horde frühzeitig zu erkennen und Abwehrmaßnahmen einzuleiten.
    Er ritt mit den Männern das Gelände ab und hieß es für gut.
    Na schön, Baldur, reite mit Kunolf zurück zum Zug und melde dem Tribun wir haben einen Lagerplatz in etwa 2 Stunden Fußmarsch gefunden! Und ab,..ihr zwei! Andriscus? Wir reiten das Gelände weiter ab, mal sehen wie es um Germanen bestellt ist...

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