leichte Arbeiten

  • Luna schlich mit einem Korb voller Wäsche um den Platz herum, wo die Männer ihr tägliches Training absolvierten. Sie spürte die Blick, doch sie hob ihren nicht. Eine große Schüssel war schnell gefunden. Mit einem Einer wurde diese mit frischem Wasser befüllt. Sie setzte sich vor eines der Gebäude und begann damit die schmutzige Tuniken ihres Dominus zu waschen. Die Blicke die ihr die Soldaten die an ihr vorbei gingen bemerkte sie nicht. Zu tief war sie in ihrer eigenen Gedankenwelt versunken. Verus.. er sah sie nicht an, wich ihren Blicken und auch den Gesprächen aus. Und wenn sie doch mal einen Blick in seinen Augen erhaschen konnte, sah sie darin nur Leere. Wie immer wenn sie an diese Leere in seinen Augen dachte liefen ihr die Tränen über die Wangen. Sie hatte keine Kraft mehr... sie wollte nicht mehr... zu den körperlichen Qualen kamen nun auch noch die seelischen. Ihr Körper wollte nicht heilen, ja sie spürte genau, dass einige der tiefen Wunden sich entzündet hatten und eiterten. Aber sie sagte nicht. Sie ertrug die Schmerzen, genauso wie sie seine Missachtung ertrug. Rom hatte gewonnen. Sie hatte verloren. Seit Tagen sprach sie nicht mehr und sie war es, die sich wegdrehte wenn sie ihn sah. Wenn er sie zu sich befahl hielt sie ihre Blicke gesenkt. Ja sie wich ihm aus, so wie er es mit ihr tat. Sie ertrug es einfach nicht und doch war sie gebunden an ihn. Nicht nur wegen des Brandmals, nein das war es nicht. Sie fühlte sich an ihren Schwur gebunden. Und doch wusste sie, dass sie so nicht weiterleben konnte. So war es Idun, die sich immer mehr und mehr zurückzog, die tief in ihrem Inneren einen sicheren Hafen fand. Übrig blieb nur die Sklavin Luna. Und die war das was sich jeder Römer wünschte. Ruhig. Unauffällig – ein lebendes Möbelstück eben.
    Luna wusch also die Tuniken ihres Dominus, jedem einzelne Fleck rückte sie zu Leibe. Sie hörte die Kommentare der vorbeilaufenden.
    „Ha schau sie dir an, die große Seherin der Barbaren. Nun ist sie da wo sie hingehört.“
    „Ja der Centurio hat es ihr ordentlich gezeigt.“
    „Sie hätte noch viel mehr verdient.“
    „Ach der hätte sie an Kreuz nageln sollen.“
    „Aber der Tiberius ist schon ein harter Hund. Man sagt sie hat ihm geholfen.“
    „Ja wer weiß was sie mit dem vorhatte. Er hat alles richtig gemacht. Ich hätte sie tot geschlagen.“
    „Wieso? So kann sie der Truppe doch noch nützlich sein.“
    „Hä?“
    „Na Frauen im Lager.. du weißt schon, vielleicht überlässt uns der Centurio sie ja mal, dann haben wir unseren Spaß mit der da.“
    „Ja dann könnten wir es der mal so richtig zeigen.“


    Natürlich trafen sie die Worte, doch von ihr kam keinen Reaktion.
    Das wurmte die Männer wohl noch mehr, denn gerade als sie nun mit ihrer gesäuberten Wäsche an den Männer vorbei wollte, stellte ihr einer ein Bein, so dass sie fiel und die Wäsche sich auf dem sandigen Platz verteilte.
    Die Männer brachen in Gelächter aus. Einer der Männer trat zu ihr.
    „Na wo sind deine Götter jetzt, Sklavin?“
    Mühsam rappelte sie sich unter dem Gelächter der Männer und unter Schmerzen wieder hoch. Sie biss sich auf die Lippen um ihre Tränen zu unterdrücken – nein so viel Stolz hatte sie noch, sie würde sicher nicht vor diesen Männer weinen, diese konnte sie Abends in ihrer Zelle – in die sie ja immer noch in der Nacht eingeschlossen wurde – tun.
    Auf ihrem Rücken konnte man nun auch die feuchten Stellen jener Wunden erkennen, die nicht verheilen wollten. Sie sammelte schweigend die Wäsche wieder ein und begann ihre Arbeit von neuem. Sie würde nun wohl noch bis zum Abend brauchen...


  • Cersobleptes Bavius Persaeus


    Persaeus , der gerade des Weges kam hörte das Gerede der Legionäre. Der sonst so besonne sachliche Miles war nicht mehr zu halten. Habt ihr nichts zu tun? Elende Schwachköpfe ihr? Wenn ihr es so nötig habt dann geht ins Lupanar. Lasst sie in Ruhe! Ohne sie hätte dass in Germanien ganz anders ausgehen können.
    Wütend stierte er die Legionäre an und wartete darauf, dass sie sich endlich verzogen.
    Er konnte nicht anders, er hatte ganz in ihrer Nähe gestanden bei der Auspeitschung. Mehr noch er hatte sie mit an die Pfähle gekettet und er hatte sie auch mit in den Carcer gebracht. Er hatte ihren Rücken direkt vor sich gesehen. Er verstand auch warum der Centurio so handeln musste wie er es tat und fand es richtig. Dennoch den Anblick, des wie er meinte, gebrochenen, geschundenen Weibes, würde er bestimmt nie vergessen. Sie hatte bekommen was nötig war, doch jetzt war es genug.
    Persaeus blieb noch eine Weile dort stehen und wartete ab ob sich wirklich alles beruhigt hatte.

  • Luna hatte wirklich mit sich zu kämpfen um nicht in Tränen auszubrechen, aber diese Blöße wollte sie sich nicht geben. Sie nahm wieder Platz, füllte neues Wasser in die Schüssel und wusch den Staub des Platzes aus den Tuniken. So hob ihre Blicke nicht. Ja die Worte waren verletzend, sie trafen die junge Frau, zeigten sie ihr doch deutlich wo ihr Platz war. Die Soldaten hatten recht. Ihre Worte waren derb un doch sagten sie wohl nichts anderes als Verus ihr mit seiner Missachtung. Sie war nichts weiter als eine Sklavin. Die Träume, die Hoffnungen ...zerschlagen, verloren in der Dunkelheit. Ja in der Dunkelheit in der sich auch ihr Römer verloren hatte.
    Hätte sie gehen sollen als er es ihr angeboten hatte? Sie hatte sich die Entscheidung wahrlich nicht leicht gemacht und sich dann doch für ihn entschieden. War diese die falsche Entscheidung gewesen?
    Sie hatte so viele Hoffnungen, so viele Träume gehabt... nicht die Peitschenhiebe habe diese zerstört. Nein das tat er gerade jeden Tag mehr. Er redet nicht mir ihr, er weicht ihr aus. Er sieht sie nicht mal an. Jeder Blick den er von ihr weg richtet töte sie – ihre Seele - ein Stück mehr.
    Sie war allein, einsam wie noch nie in ihrem Leben. Seit sie wusste was Einsamkeit ist tat dies noch mehr weh.
    Sie hielt in ihrer Tätigkeit innen und betrachtete ihre Hände die gerade eine Tunika in das Wasser drückten. Sie beobachte die kleinen Wellen die sich um ihre Handgelenke bildeten. Sie beobachtete die Kreise, die immer größer wurden, bis sie schließlich aufeinandertrafen und sich gegenseitig zerstörten. Lange blieb ihr Blick an diesem Bild hängen, bis sie einen wütenden Soldaten wahrnahm. Der jene die sie die ganze Zeit tritzen zur Ordnung rief. Natürlich gaben die Männer entsprechenden Gegenworte die alle darauf hinausliefen, dass sie es nicht besser verdient hatte, das man den Barbaren schon gezeigt hätte wer hier das sagen hat und man mit der doch anfangen könnte.
    Aber schließlich trollten sie sich.
    Als sie schließlich gegangen waren hob die Sklavin den Blick und sah den Soldaten an. Leere waren ihren Augen. Man konnte fast meinen man schaute in die Augen einer Toten.
    „Danke, Dominus.“ sagte sie mit emotionsloser monotoner Stimme. Sie stand kurz auf um das Wasser in der Schüssel zu wechseln, als sie sich wegdrehte konnte man deutlich Abdrücke der Wunden sehen, die nicht verheilen wollten. Dunkel färbten sie sich. Deutlich sah man der Frau an, dass jede Bewegung schmerzte, doch hielt sie nicht inne, sondern ging weiter ihrer Arbeit nach.
    Die Schüssel wurde mit frischem Wasser gefüllt und sie wusch einfach weiter, so als ob dies das Normalste der Welt wäre. Ja diese Sklavin hatte man wohl gebrochen, so wie es Rom wünschte, so wie es Rom wollte.

  • Allein. Unter tausenden von Menschen allein. Tausende Füße die die Erde erbeben ließen und doch allein. Ein undurchdringliches Gewirr tausender Stimmen und doch einsam. Ja sie nahm das Leben um sich herum nicht war. Monoton waren die Bewegungen mit denen sie die Tuniken wuschen. Einen nach der anderen. Wie viele es waren? Sie konnte es nicht sagen.
    So viel Worte die sie sagen könnte, aber sie schwieg.
    So viel was sie tun könnte, aber nicht tat.
    So viel was sie sehen konnte, aber sie sah weg.
    So viele Tränen die vergossen werden wollte, aber nicht geweint wurden.
    So viele Träume, die nicht geträumt wurden.
    So viele Hoffnungen die nicht erfüllt wurden.
    So viel Kämpfe die geschlagen werden wollten, doch sie wollte nicht mehr kämpfen.
    Ja das Licht von Rom war ihre Dunkelheit.
    In der nun nur noch mit Wasser gefüllten Schüssel spiegelten sich ihre dunklen alten Augen. Augen, die ihr Leben hinter sich gelassen haben. Augen ohne Glanz, ohne Leben, ohne Emotionen und ohne Seele. Stumme Tränen hingen an den Wimpern und wurden doch zurückgehalten.
    Unfähig sich zu bewegen sah sie in das dunkele Wasser das Schüssel.
    Und ihre Tränen fallen in die Schüssel und bilden kleine Kreise.
    Jede ihrer Tränen ist für ihn.
    Sie wünschte sich bei jeder Träne, dass er all das hören könnte was sie nicht sagt. Sie wünschte er könnte mit jeder Träne sehen, was sie ihm nicht zeigt.
    Sie wünschte dass er bei jeder Träne die Sehnsucht spüren könnte.
    Jede einzelne Träne brennt sich in ihre Seele ein und ihre Seele vernarbt.
    Der Preis ist Einsamkeit.

  • Ein toter Geist trat aus der Distanz heran. In seinen Augen war Leid und die gleiche Einsamkeit, die Luna gerade kannte. Alles, was war, schien verloren, denn hinter ihm lagen nur brennende Schatten. Der Centurio wurde in Ehrfurcht von den Soldaten gegrüßt, während er festen Schrittes über den Hof ging. In seiner Hand trug er sein Standeszeichen, jenen Vitis, den er fest in seiner Linken hielt. Das cingulum militäre gab keinen Ton von sich und der Pugio, ebenfalls ein Standeszeichen eines Soldaten, lag fest am Gürtel. Es war ein Römer, der über sein Herrschaftsgebiet schritt; es mit jedem Schritt beanspruchte und keinen Zweifel an der Allmacht Roms erlaubte. Doch etwas war anders, denn der Centurio hielt bei einer arbeitenden Sklavin an, die Wäsche wusch. Ihre Wunden waren durch die alte Tunika, die sie trug, ersichtlich. Der römische Offizier verweilte in einem Abstand zur Sklavin. Wieder grüßten Soldaten militärisch und flüsterten nicht einmal mehr, wenn sie an der Bestie vorbeitraten. Er galt als der härteste Centurio der Legion. Ein hart verdienter Ruhm. Man fürchtete ihn, wie man ihn auch schätzte. Der Centurio blickte mit harten Augen auf Luna herab. Stille war zwischen beiden, als die brennenden Schatten unsichtbar zwischen beide drangen. Ein Windzug huschte vorbei. Dieser Centurio war Tiberius Verus, der nun an die Sklavin herantrat. Seine Lippen begannen zu brechen, gar zu beben, als er sie anblickte. Die Härte zerbrach, wie Marmor und sein Gesicht wurde weich. "Luna", sagte seine Stimme, die die Schatten zerschlug und voller Wärme war. "Ich bin da," erklärte er, während der mächtige Stock aus seinen Händen fiel, der ansonsten Standeszeichen seiner Disziplinargewalt war. Achtlos fiel er in den Staub vor Idun, wo er noch einen Zentimeter in Richtung des Korbes rollte. Verus atmete schwer; suchte gar noch Luft, als er zu ihr sprechen wollte aber fand keine Worte. Ihr Anblick, dieses Angesicht der geteilten Einsamkeit, brach ihn.

  • Traurig sah es da das kleine Mädchen an dem dunklen See und beobachtet die Ringe der fallenden Worte Wodans. Nein sie streckte ihre Hände nicht mehr nach ihnen aus. Sie wollte sie nicht mehr auffangen. So fielen sie ungehört in den See und bildeten kleine Kreise, die immer größer wurden und ineinander sich verwoben. Der Spiegel des Mondes im See verblasste immer mehr man konnte ihn nur noch erahnen.
    Ein Geräusch in der Stille lies aufblicken und trübe kindliche Augen sahen den Stock und das Kind zog sich weiter in die Dunkelheit zurück.


    Der Blick gehoben zum Centurio und sah ihn doch nicht. Augen so leer so kalt konnten nicht sehen. Monoton die Stimme der Frau, die nun ihre Hände aus der Schüssel nahm und den Blick wieder senkte. „Ja Dominus? Ich bin gleich fertig.“ Zitternde Hände legten die Tuniken zusammen und griffen nach der Schüssel um sie zu leeren.


    Er ist hier. Hör doch die Stimme. Schrie eine kindliche Stimme in ihrem Inneren. Doch wurde sie niedergerungen. Luna wollte nicht hören. Luna wollte nicht sehen. Er wird wieder gehen und der Schmerz wird nur noch größer sein.


    Und doch nahm ihr die Nähe die Luft zum atmen. Sie hatte nicht die Kraft die Schüssel anzuheben, so dass sie ihr aus den zittrigen Händen glitt und sich vor den Füßen des Centurios ergoss. Die Lippen bebten zitternd die Stimme und doch kein Klang, keine Emotion in ihren Worten. „Bitte verzeih. Dominus.“ Vor seinen Füßen knienden versuchte sie mit dem Saum der alten Soldatentunika, die sie trug, die Sandalen zu trocknen.

  • Es gab eine schmale Linie zwischen, die Verus nun überschreiten musste, um einen Menschen zu retten. Seine Idun schwebte in Gefahr zu ertrinken. Die ergossene Flüssigkeit auf seine Sandalen war nur kaltes Zeichen für eine böse Macht, die sich Idun bemächtigen wollte. Verus war erschüttert, musste handeln und im Zweifel das Bild, welches er spielte, zerstören. Sein Herz befahl ihm, die römische Maske zu verbannen. Luna, Idun, all das, was vor ihm kauerte, schien verloren. Dieser verlorene Anblick, ließ ihn auf die Knie fallen. Verus war hilflos und wusste sich nicht mehr zu helfen. Ihre Augen, so furchtbar leer, dass er sich Selbst die Schuld dafür gab. Wie konnte er sie retten? Beide Händen griffen nach ihrem Gesicht und so tat er das, was ihm sein Herz befahl: Er küsste sie auf den Mund, um das Leben in ihr zu spüren, welches er einst gesehen hatte. Verus wollte ihre Wärme spüren; ihre Nähe und jene Hoffnung, die verloren schien. Auch hoffte sein Herz, dass ein Kuss, ihr neue Lebenskraft einhauchen konnte. Der Kuss verweilte nicht lange, dann zog Verus seinen Schädel zurück und ließ die Hände fallen. Es war ein hillfloser Versuch, den der Mann in letzter Kraft seiner eigenen Verzweifelung beging. Es war ihm egal, was die anderen Soldaten dachten. Es war ihm egal, was die Welt dachte. Er wollte ihr Leben spüren; sie bei sich wissen und nicht verloren, wie ihre Augen.

  • Er ist hier! Schrie das Kind. So schau doch hin! Doch Luna wollte das Kind nur beschützen. Wollte beschützen was noch übrig war. Wollte bewahren.
    Die Hände auf ihrem Gesicht gaben Wärme, gaben Nähe.
    Spüre es. Rief das Kind. Doch immer noch versperrte Luna sich.
    Die sanften Lippen, sanft wie der Flügel eines Schmetterlings und doch mächtig genug um Ketten zu sprengen. Ihre Lippen zitterten, die Augen weinten. Tränen rannen und sie wuschen den Blick.
    Spüre es! Rief das Kind. Und Luna trat zur Seite und gab den Blick frei. Sie gab ihn frei für das Kind, das langsam vom See wegtrat.
    Nur um Nuancen veränderte sich der Blick. Zuviel Angst verletzt zu werden, zu viel Angst vor weiteren Narben auf der Seele und doch genug kindliche Neugier um sich auch ein zweites mal am Feuer zu verbrennen.
    Die Hand tastete nach seiner, wollte spüren, wollte Gewissheit, dass es kein Traum war.
    Ihre Augen hoben sich. Nein es war noch kein Licht. Aber ein Schimmer, ein Schimmer der hoffnungsvoll auf ihn blickte. „Verus.“ flüsterten bebend Lippen.

  • Verloren in einem Hauch; verloren in einem Atemzug, war dieses Gefühl. Das Zittern ihrer Lippen, jene Tränen waren ein Schrei, ein lauter Ruf im Stillen, das Wunder, was einst war, wieder möglich zu machen. Beide gehörten hierher. An diesen Ort und in diese Zeit, doch blieb ihn nicht viel mehr als die Ewigkeit für ihre Erlösung. Verus und Idun waren verloren in einem fernen Paradies; jener Hoffnung, die diesem Gefühl nachfolgte. In seiner Hand, fand sie Gewissheit, als Verus seine Finger um die ihre Hand schloss. Verus war hier. Allein waren die beiden, denn die Zeit machte sich endlos, vertrieb den Anblick der anderen Menschen, denn dieses geteilte Leben gehörte allein ihnen. Mit magischer Kraft vertrieben sie die Pein, die sich beider bemächtigen wollte. Jene Nacht der Seelen, welche viele Herzen befallen hatte. Es war eine Seuche der Verdammten und Verachteten. Doch beide Herzen schlugen mit der Allmacht dieses ewigen Gefühls gegen die Finsternis an. Seine Augen suchten ihre Augen, fanden endlich ein Leben darin; ein echtes Leben, welches Verus kannte. Idun lebte, irgendwie und irgendwo, gab es sie noch. Er hatte sie nicht getötet. Es war dieser Schimmer, der ihn wahrlich hoffen ließ. Beide waren verloren in ihrem Paradies, welches von Sehnsucht nach gemeinsamer Erlösung getragen wurde. Beide Augenpaare schimmerten mit dieser Magie, welche unmöglich schien und sich zum Leid kleingemacht hatte. "Idun," flüsterten nun auch seine Lippen im gleichen Beben; wollten erneut ihr Leben spüren, begierig darauf, diese Hoffnung nicht zu verlieren. Ein Windhauch wollte die beiden trennen, doch Verus hielt ihre Hand fest, ließ sie nicht mehr los. Er glaubte in seinem Leben wieder an etwas. An etwas Echtes. Lügen hatten er genug erlebt, anderen angetan und sich selbst hoffnungslos gemacht. Doch hier war etwas Echtes; etwas, was er wirklich retten konnte und auch wirklich erretten musste. Nicht nur für Idun, sondern auch für sich selbst. Verus fiel hinab in dieses Gefühl, welches ihn gleichsam brach und erbaute. Er kannte Einsamkeit und ihre Traurigkeit verdammte ihn gänzlich in diesen Zustand. "Liebe," sagte er nur ein Wort, während er sich erneut vorneigte, um sie erneut zu küssen. Es war egal, völlig fort gespült, was zukünftig oder vergangen wichtig war. Hier zählte nur eines, ihre Seele mit Hoffnung zu füllen, damit sie leben konnte. Verus wollte ihr zeigen, dass er für sie hier war. Nur für sie. Allein für ihre gemeinsame Absolution in der Ewigkeit. Verus konnte sich nicht verzeihen aber konnte auch nicht aufgeben. Gefangen zwischen seiner Schuld und seiner Hoffnung, legten sich seine Lippen auf ihre, während seine Augen, solange, wie sie konnten, in ihrem Licht verweilten. Und dort war die Reinheit, jene Allzeit, die beide umgab. Es war die Essenz dessen, was Hoffnung war. Das Gefühl umspielte alles, wollte nicht mehr weichen, während sein Herz heftig schlug und Wärme in seine Wangen trieb.

  • Venus oder wie die Germanen sie nannten Freia hatte genug. Ja sie war erzürnt. Sie als Göttin der Liebe konnte dieses Kummer nicht mehr mit ansehen. Da hatten die Nornen die Schicksalsfäden der beiden verwoben doch natürlich passte das einigen der Götter wieder mal nicht. Ja die Liebe der Beiden war stark. Stärker als alles was sie bisher so gesehen hatte.


    Natürlich wusste sie das viele der Götter dies nicht guthießen. Sie waren neidisch. Neidisch auf Sterbliche, die etwas schufen,was über die Macht der Götter hinaus ging. Doch nun hatte die Göttin der Liebe die Nase gestrichen voll egal wie erzürnt Wodan war, dass sich eine Voeva von seinen Worten abwandte. Egal wie erzürnt Mars war, dass einer seiner menschlichen Krieger sein Herz fand. Die Nornen hatten entschieden, dass die beiden Fäden miteinander verwoben worden. Und sie knüpften ein festes Band. So fest, dass selbst die Macht der Götter es nicht zerreißen konnte.
    Sie hatten vieles versucht. Hatten sie Qual und Pein, Schmerz und Leid gesendet um die beiden zu trennen. So hatten die Herzen, die zueinander gehörenden Seelen doch einen Weg gefunden. Nun suchte einige schon wieder einen Weg die Beiden zu trennen und die aufkeimende Hoffnung zu zerstören. Nein dies würde sie nicht zulassen.
    Sie blickte auf das Paar am Rande des Platzes der Legio herab.


    Ein Falke kreise über dem Lager. Er stieß herab, und flog nur knapp über die Köpfe des Paares. Mit einem lauten Schrei erhob er sich und lies sich von der Sonnen erwärmten Luft wieder in die Höhe tragen. Zufrieden mit sich legte sie ihr Falkengewand wieder ab und betrachtete die Szene noch eine Weile, bevor sie ihre Liebe unter den anderen Sterblichen verteilte. Ja diese Welt konnte eindeutig mehr Liebe vertragen.

  • Die Hand die die ihre hielt gab ihr die nötige Sicherheit, sie gab Halt und Hoffnung. Sie gab ihr das was sie brauchte. Die Schatten auf ihrer Seele sie wichen zurück. Ihr Blick lag in dem seinem und der Schimmer wurde zu einem Glanz, als er ihren Namen sprach. Liebe. Er sprach es aus. Dieses eine Wort. Das doch so mächtig war, das es Kriege beenden, dass es Dunkelheit vertreiben konnte , das Götter machtlos werden ließ. Liebe. Seine Lippen trafen auf die ihren und das Band was scheinbar verloren war wurde neu geknüpft, es wurde fester und enger verschlungen. Es verband zwei Menschen, zwei Seelen, zwei Leben ja es konnte ganze Welten verbinden. Das Leben kehrte zurück in ihre Augen langsam aber beständig. Sie spürte wir ihr sein Kuss wieder Leben einhauchte, wie er die Ketten sprengte, die sich zum Schutz um ihre Seele, um ihr Herz gelegt hatten. Ja sie war verloren gewesen ohne ihn. Leer und ohne Sinn am Leben. Eine Hülle nichts weiter als eine Hülle, ohne Seele, ohne Herz. Und nun gab er ihr all das mit seiner Geste, seiner Zärtlichkeit, seine Lippen die auf den ihren lagen wieder.
    Sie spürte den Lufthauch, des über ihre Köpfe hinwegfliegenden Vogels. Sie löste sich von ihm und hob den Blick um den Flug des Vogels zu verfolgen. „Danke Freia.“ Flüstere sie und als sie nun wieder zu Verus blickte, waren es wieder jene Augen voller Lebenskraft, die auf ihn blickten. Sie waren wieder so klar und rein wie ein Bergsee in der Nacht. Dieser Moment, er gehörte nur ihnen. Losgelöst von Raum und Zeit, ungeachtete dessen wo sie waren. Sie hob ihre Hand und legte sie auf seine Brust um sein Herz zu spüren, dass nicht nur für ihn, sondern auch für sie schlug. Seine Hand die ihre zweite Hand hielt wurde von ihr an ihr Herz geführt. Denn ihr Herz schlug ebenso für sie beide. Zwei Herzen im Gleichklang, sangen ein gemeinsames Lied. Ja sie waren stark genug um gegen alle und alles zu kämpfen. Sie würde bestehen, wenn sie zusammenhielten. „Liebe.“ Hauchte sie. Ja sie wusste, dass sie ihn heilen konnte, ebenso wie er sie heilen konnte. Sie brauchten sich. Es würde kein Leben mehr ohne den anderen Geben. Dies war wohl beiden bewusst. Dies würde nicht immer einfach sein und es wird sicher noch viele Klippen geben. Dennoch wussten sie nun beide, dass sie es nur gemeinsam schaffen konnten.
    Ihr Blick lag in dem seinen und er konnte all ihre Liebe in ihnen lesen, ja sie verbarg nichts vor ihm. Wahrhaftigkeit. Darum hatte sie ihn gebeten und sie konnte sie sehen, die Wahrhaftigkeit in seinen Augen.
    Der Moment verflog und doch würde er wohl ewig dauern.


    Und dennoch war die Zeit, die Realität ein harter Gegner und er holte sie wieder ein.
    So bemerkte sie auch die Blicke der Soldaten. Ja sie hatten eine Rolle zu spielen. Sie beide. So hob sie ihre Hand und legte sie auf seine Schulter. „Dominus? Alles in Ordnung?“ Sie rüttelte leicht an seiner Schulter. Ja sollten die Soldaten ruhig denken, dass seine Verletzungen ihm noch zu schaffen machte. Es war ja noch nicht lange her und er trug auch immer noch den Verband an seinem Bein. So wäre es wohl ein leichtes den Soldaten einzureden, dass er einen kleinen Rückfall hatte. „Dominus? Darf ich dir aufhelfen?“ Vorsichtig erhob sie sich um Verus genau dabei zu unterstützen. Ja eine Rolle spielen, dass konnte sie. So lange sie wusste, dass Verus sie in seinem Herzen trug konnte sie jede Rolle spielen, die dafür notwendig war.
    Schon waren zwei Soldaten herbei geeilt. Zwei Soldaten seiner Einheit. „Centurio Tiberius? Alles in Ordnung?“ Ja sie hatten Respekt vor dem Mann, immerhin hatte er sich für seine Einheit opfern wollen. Den Götter sei dank, dass sie ihn beschützt hatten.
    Misstrauisch jedoch beobachten sie die Sklavin. Doch diese hatte nun wieder ganz wie es sich für ihren Stand gehörte den Blick gesenkt und wartete auf die Anweisung ihres Herren.

  • Es verschaffte ihm ein Gefühl. Ein neues Gefühl. Die Einsamkeit, die eigene Verachtung, verschwand für mehrere Atemzüge und jeder Herzschlag verband sich mit ihrem. Es schien alles möglich, während die Macht ihrer Liebe, die Grausamkeit vertrieb. Jene Leere verschwand mit dem Kuss. Doch irgendwann würde Verus für sein Leben bezahlen müssen. Ihre Liebe ließ keine Leere zurück und doch war ohne sie dort ein Nichts. Es war die Lehre des Momentes, dass sie für immer einsam sein würden, wenn der andere fehlte. Doch, sofern sie zusammen waren, war dort Ewigkeit. Doch ohne einander würden beide Stück für Stück verschwinden. Es war das Gebot ihrer Wundermacht. Tatsächlich fand er kurz Vergebung. Beide verfielen diesem Gebot. Ein Vogel flog über die beiden, gab ein fernes Zeichen und auch Verus bemerkte dies. Zusammen mit seiner Idun blickte er hinauf, lauschte ihrem Flüstern und wartete darauf, dass sie ihm wieder in die Augen schauen würde. Ihre Hand auf seiner Brust konnte ein heftiges Pochen spüren. Denn das Herz lebte stark und schlug mit aller Kraft für eine Zukunft, die am Ende auch enden würde. All die Kraft war wertvoll, da sie allein ihrer Zweisamkeit galt und am Ende auch enden müsste. In der endlosen Abfolge von Leben, von Zeiten und Erfahrungen, war diese Geste alles, was zählte. Alles, was von Bedeutung war, denn am Ende fand sich Bedeutung nur im Vergehen. Verus und Idun kosteten göttliche Macht, die unantastbar und unverrückbar gegen jeden ankämpfte und doch verlieren musste. Denn es war klar, das selbst am Ende Götter fielen. So fiel auch dieser Moment der unendlichen Macht. Verus wollte sich nicht mehr von ihren Augen lösen, da er darin Wahrheit gefunden hatte. Einen Schimmer jener Hoffnung, die er so sehr brauchte, um leben zu können. Nicht nur zu Überleben. Die römische Welt kehrte erneut ein. Mit grausamer Hand zog sich das Schicksal die beiden heran und zeigte ihnen, dass ihr Traum zu enden hatte. Wieder begann das Theater. Verus musste lernen, dies zu akzeptieren, denn es gab keinen anderen Weg in dieser Welt. Schließlich rüttelte sie an seiner Schulter und machte damit klar, dass das Theater wirklich erneut begonnen hatte. Dennoch war in ihren Augen wieder Lebenskraft, die auch ihm half, dieses Theater erneut zu beginnen. Er liebte sie und hatte sie nicht verloren an jene Dunkelheit, die ihnen beiden zu folgen schien. Es war der Fluch der einsamen Seelen; die Getriebenen einer fernen Hoffnung, die losgelöst von Raum und Zeit träumten. "Ja," sagte Verus und ließ sich von ihr aufhelfen. Den beiden Soldaten deutete er mit einer Handgeste an, dass sie warten sollten. Nun war es wieder an ihm, den harten Offizier zu spielen. Der Kriegsheld kehrte zurück und wollte wieder Soldat sein. Verus fügte sich in diese Maske. Dennoch lag in seinem Gesicht keine soldatische Härte mehr. Seine Augen sprachen eine andere Sprache. Mitgefühl lag in seinem Blick. Er sah nun mehr wieder Leben. Verachtung verfiel zu Staub und Hoffnung brachte Mitgefühl zu sich. "Die Verletzung," erhob Verus die Stimme und erklärte damit seinen Kniefall vor seiner Sklavin und verbarg damit den Kuss und die ungesprochenen Liebesschwüre.

  • Natürlich fiel es ihr nicht leicht den großen kräftigen Mann auf die Beine zu helfen und doch biss sie tapfer die Zähne zusammen. Ja Theater sie musste eine Maske trage beide. Doch so lang sie wussten, wie der Mensch hinter der Maske dachte und fühlte würde diese Theater nur halb so schwer fallen. Natürlich wusste die Germanin, dass die Männer seiner Einheit sie immer noch voller Misstrauen beobachtet. Zu groß war ihr Aberglaube, zu Groß ihre Befürchtungen, dass sie ihren Centurio mit einem Bann belegen könnte. Idun seufzte innerlich. Gegen Aberglauben konnte man nichts tun. Sie musste ihre Rolle aus unterworfene Sklavin überzeugend spielen, damit auch der letzte irgendwann begriff, dass Verus nicht unter ihrem Bann stand.
    Sie senkte also ihre Blicke und sah keinen der Männer an. Kurz trat sie zur Seite um die Schüssel mit den gewaschenen Tuniken aufzunehmen.
    „Dominus? Stütze dich auf mich, ich bring dich in deine Unterkunft.“ Sagte sie leise ohne aufzublicken. Sie stellte sich so neben ihn, dass er sich auf sie stützen konnte und geleitete ihn zu seinem Raum.
    Ja es war wohl ein Schauspiel sondergleichen. Doch er konnte jetzt ja kaum so als ob nichts gewesen wäre über den Platz marschieren. Nein die Illusion mussten sie aufrecht halten, dass die verletzung es war, die Verus in die Knie gezwungen hatte.

  • Es war einer dieser endlos langer, öder Tage, an denen der Octavier nichts mit sich in seiner Freizeit an zu fangen wusste. Morgens hatte der Optio durch die Gegend gescheucht und später Formationsübertragungen bis zum geht nicht mehr mit ihnen durchgeführt. Anschließend gab es noch schwimmen in den Thermen, dass war aber schon nicht mehr in seinem Dienst. Eigentlich hätte er sich einen Urlaubsschein abholen können, wie seine Freunde Persaeus und Pompus, doch er hatte keine Lust dazu. Im Grunde hatte er seit jener denkwürdigen Auspeitschung zu gar nichts mehr Lust, obwohl etwas hätte er gerne gemacht, was er sich aber jeden Tag mehrmals selber verbot. Frugi kannte sich, einmal hatte er diesem Bedürfnis nachgegeben, bei seinem Neuanfang hier, als er in einem Garten aufwachte um sich gleich ins nächste Besäufniss zu stürzen. Diesesmal würde es aber nicht mit einer gepfefferten Strafpredigt des Optio und einer Nacht im Carcer mit dazugehörigem Strafdienst abgehen.
    Er konnte sein inneres Gleichgewicht nicht finden, selbst der Besuch im Marstempel hatte ihm nicht weiter geholfen.
    Jetzt überlegte er ob er eine Lagerlupa aufsuchen sollte, seine Lust dazu hielt sich aber in Grenzen. Seine zweite Wahl wäre ein Würfelspiel, was er aber auch nicht berauschend fand.Trotzdem führten ihn seine Füße ihn in Richtung Lagerschuppen, hinter einem Bretterhaufen von diesem sollte derzeit das heißeste Spiel laufen.
    Was, besser gesagt wen er dann sah, ließ ihn inne halten. Bisher hatte er tunlichst versucht ihr aus dem Weg zu gehen. Etwas in ihm hatte sich gesträubt ihr zu begegnen. Von weitem hatte er sie seit ihrer Genesung schon öfter gesehen, war dann aber immer in eine andere Richtung gegangen. Verdammt jetzt musste er aber einfach zu ihr, der Rücken ihrer verdreckten Tunika war blutig. Verprügelte der Kerl sie etwa noch immer? Was für ein Dreckskerl dieser Centurio doch ist, polterte es gleich in dem Octavier. Mit ein paar schnellen Schritten war er bei ihr, „Lass stehen, ich nehme ihn“, raunzte er die Seherin an. Er nahm den Wassereimer hoch schaute sich um, „wohin mit ihm?“ im gleichen gleichmütigem Ton fragte er weiter, „ich dachte dein Rücken wäre inzwischen verheilt, wieso schlägt er dich noch immer?“

  • Sim-Off:

    zeitlich gesehen spielt das vor dem ersten Post hier


    Luna versuchte sich so unauffällig wie nur möglich im Lager zu bewegen. Obwohl das kaum möglich war. Sie spürte die Blicke. Jene die sie bedauerten, jene die sie verachteten, die neugierigen genau so wie die abwertenden. Immer mal wieder hörte sie hämische Kommentare, doch bisher hatte keiner sie direkt angesprochen So ließ sie auch prompt den Eimer mit Wasser wieder auf den Boden, als der Soldat sie anraunzte. Kurz hob sie ihren Blick, man konnte sehen, dass sie sichtlich erschrocken war. Sie deutete in die Richtung wo ihre Schüssel und der Korb mit den Tuniken stand.
    Leise ohne den Blick zu heben flüsterte sie nun mit ineinander verkrampften Händen. „Dort hin, Dominus.“
    Der Soldat nahm den Eimer auf und Luna wollte schon in Richtung der Wäsche gehen, als er eine Frage stellte, die sie vollends aus dem Takt brachte. „Was?“ Fragte sie entsprechend verwirrt. Bis sie begriff, was der Soldat meinte. Sie blickte nach unten auf ihre Füße.Sagte sie. „Nein tut er nicht.“ Er quälte sie , wenn auch nicht absichtlich, auf andere Art und Weise.
    „Die Wunden sind tief. Sie heilen schlecht. Manche Wunden brauchen länger als andere.“ Das der Heilungsprozess nicht voranging, weil sie seelisch litt, musste sie dem Mann ja nicht auf die Nase binden. Schnell aber setzte sie noch die für Sklaven typische Anrede für eine Römer hinterher. „Dominus.“ Es konnte ja auch sein, dass der Mann, denn sie inzwischen sehr wohl erkannt hat – er hatte sie auf das Forum geschleift und war nun ja nicht gerade nett mit ihr umgegangen, sie nur testen wollte und sehen wollte ob sie ihre Lektion in der Gnade Roms auch verstanden hatte.

  • Ziemlich heftig landete der Eimer auf dem Boden neben der Schüssel. Der Miles richtete sich auf und schaute sie eindringlich an. Ganz so als wolle er in sie hinein blicken. Langsam als suche er nach den richtigen Worten begann er. Dabei bewegte ihn dies schon von beginn der der Auspeitschung an. Sicher er war immer der Meinung gewesen, Rom müsste dem Germanenvölkern zeigen wer die Macht und damit das Sagen hatte. Der Überfall musste bestraft werden und damit jeder der damit zu tun hatte. Also auch die Seherin und das erst recht wenn sie ihn unter seinem Bann genommen hatte. Das aber war der Punkt, dies bezweifelte er und verstand nicht wieso sie es soweit kommen ließ. „Sag mir warum? Warum hast du es soweit kommen lassen? Du bist eine Seherin und wusstest bestimmt was geschehen würde. Wieso versorgtest du seine Wunden? Mehr noch, brachtest ihn vom Dorf weg? Wohin wolltest du mit ihm? Du hättest dich ihm unterwegs entledigen können oder fliehen. Du bist gewohnt in der Wildnis zurecht zu kommen und so viele Soldaten können sich selbst mit allergrößter Mühe nicht lautlos durch den Wald bewegen. Dazu kam noch der Überfall der jungen Krieger, der war bestimmt zu hören. Warum also? Du sagst verdammt noch mal kein Wort und schweigst verbissen als er da steht und dein Strafmaß verkündet obwohl du ihm das Leben rettetest. Oder stimmt das nicht? Ihr habt doch solche Macht, warum hast du ihn nicht verflucht? Selbst jetzt habe ich das Gefühl, dass du nicht möchtest, dass etwas gegen ihn gesagt wird.“
    Seine Fragen und Gedanken, die zunächst langsam und bedächtig herauskamen, kamen dann schneller, heftiger, anklagender. Wie eine Art von Peitschenhiebe. Frugi wusste da war noch mehr in ihm, was raus musste, doch konnte er ihr trauen? Es betraf ihn, den Centurio und er war sein Vorgesetzter. „Sag mir wieso machte er das? Ich verstehe es nicht. Du rettest ihm das Leben und er peitscht dich so brutal aus und brandmarkt dich auch noch selber. Ich sage nicht, dass es falsch war, getan werden musste es, doch warum er?“ Genau das war das Problem in Frugis Augen. Es war richtig und dennoch falsch und für dies gab er dem Centurio die Schuld. Nicht Rom nicht die Seherin, nein er war das Problem und auch wieder nicht. Bin ich am Ende das Problem? Sehe nur ich alles so? Frugi hatte das Gefühl er drehe sich in einem Kreis und dieser würde ihn gefangen halten. Fragend schaute er sie an. Es waren aber nicht nur Fragen es war eine Art unterdrückter Hilferuf, sie war doch eine Barbarin. Er konnte doch nicht und dennoch nur sie konnte es. Fast unhörbar kam es über seine Lippen. [SIZE=7]„Hilf mir“[/SIZE].

  • Die Fragen prasselten nur so auf Luna ein. Sie schwieg und hielt ihre Blicke gesenkt wollte ihm nicht antworten. Doch das leise kaum hörbare 'Hilf mir.' ließ sie aufblicken. Sie sah den jungen Soldaten nun doch an. Er hatte so viele Fragen, die nicht so einfach zu beantworten waren. Und doch war die Antwort eigentlich ganz einfach zumindest nach dem warum Verus es getan hat.
    Forschend lag nun ihr Blick in den Augen des jungen Mannes. Wollte er sie nur testen? Wollte er wissen ob sie ihre Lektion gelernt hatte? Auch wenn ihr Misstrauen groß war, vertraute sie auf ihre Instinkte, die ihr sagten, dass der Mann wirklich nach Antworten suchte.
    "Ich wollte…" Begann sie leise zu sprechen. "…nicht nur ihn retten. Ich wollte das sinnlose töten gänzlich verhindern, doch ich kam zu spät. Eurer Centurio war der Einzige, der noch am Leben war." Sie stockte kurz, bevor sie weitersprach. "Jedes Leben hat seine Bestimmung. Es war wohl der Wille der Götter, dass ich ihn lebend fand. Deswegen nahm ich ihn mit mir in meine Hütte, dort hatte ich alles um seine Wunden zu versorgen. Er war schwer verletzt. Ich hätte ihn nicht allein lassen können. Vielleicht hättet ihr in ihn der Hütte im Wald nie gefunden. Deswegen brachte ich ihn zu euch. Ja ich komme in der Natur zurecht. Für euren Centurio hätte dies aber den Tod bedeutet. Warum sollte ich ihn also erst retten um ihn dann sterben zu lassen? Er musste zu euch. Ihr kamt um die euren zu rechen. Natürlich hörte ich die Kampfgeräusche. Sie zeigten wo ich euch finde."
    Sie sah den Soldaten an und fragte ihn nun ihrerseits. "Was hätte ich denn sagen sollen? Das ihr einen Aberglauben aufgesessen seid? Das er nicht unter meinem Bann steht? Das ich gar nicht in der Lage bin jemanden zu bannen? Hättest du es geglaubt? Hättest du mir geglaubt? Wie kann man einen derartigen Glauben ein derartiges Gerücht denn bekämpfen?" Ja was hätte sie denn sagen sollen? "Ich habe nicht die Macht jemanden zu verfluchen. Ich kann niemanden bannen. Der Einzige der hätte für mich sprechen können wäre eurer Centurio gewesen. Und doch konnte er es nicht. Er ist wie du Soldat. Der Befehl war, dass er demonstrieren soll, dass ich keine Macht über ihn habe. Was hättest du getan, wenn du einen solchen Befehl erhalten hättest? Was wäre die Alternative gewesen, wenn er sich geweigert hätte? Was hätte ihr mit ihm gemacht? Was hättet ihr dann mit mir gemacht? Dann hätten doch alle wirklich gedacht, dass er unter meinem Bann steht. Also warum soll ich ihn für etwas verurteilen, was nicht sein freier Wille war? Warum verurteilst du ihn nur weil er die Befehle Roms befolgt?"
    Immer noch blickte sie dem Mann offen in sein Gesicht. "Sag mir was wäre gewesen, wenn er vor aller Augen nicht voll durchgezogen hätte um mich zu schonen. Was wäre gewesen? Das Brandmal zeigt jedem, dass ich nun sein Besitz bin, somit stehe ich nun unter seinem Schutz. Das Auspeitschen war nötig um mir das Leben zu retten, weil ihr geglaubt hab, dass eine germanische Seherin einen Römer unter ihrem Bann hat."
    Sie atmete tief durch. "Vielleicht hätte ich alles verhindern können und es hätte keine Toten gegeben. Viellicht lag es in meiner Macht und ich sah es nicht und ich tat nichts. Ich habe nur bekommen, was ich verdient habe."
    Sie sah nun wieder nach unten. "Ich wusste worauf ich mich einlasse." beantwortete sie schließlich auch noch seine zuerst gestellte Frage ob sie wusste was geschehen würde.

  • Natürlich bemerkte Octavius den tief in ihn eindringen wollenden, prüfenden Blick. Er konnte noch nicht einordnen warum sie ihn so anschaute. Misstraute sie ihm oder wollte sie nur ganz simpel fesstellen ob sie ihm Lügen auftischen konnte und er naiv genug wäre ihm zu glauben. Frugi merkte sehr schnell, da war keine Lüge drin, bei dem was sie antwortete. Er hätte nicht sagen können woher er dies wusste, doch für ihn war es einfach so.
    Aufmerksam achtete er auf jedes Wort von Idun, für ihn war sie noch immer Idun, warum konnte er nicht sagen, aber er vermutete dieser Name hatte eine Bedeutung. Vielleicht ergab sich einmal die Gelegenheit sie danach zu fragen, jetzt fand er, war nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Ab und an nickte er, nicht um sie zu bestätigen, es war sein Zeichen, dass er sie verstanden hatte. Das mit ihrer Macht musste er noch genauer hinterfragen, für ihn war das Thema noch nicht abgeschlossen.
    „Er ist wie du Soldat“, das war es was ihm so zu schaffen machte. Sein schlechtes Gewissen trat hervor, er war auch auf seine Weise daran beteiligt gewesen. Er hatte sie mit Genugtuung zur Verurteilung geführt, mit Freuden angebunden, sie entblößt, die Verurteilung begrüßt. In seinen Augen war es richtig gewesen und wenn ehrlich war, hatte er noch immer diese Meinung. Warum suchte er also nur die Schuld beim Centurio? Er hatte die Befehle seinem Rang gemäß ausgeführt. Ihn hatte auch keiner nach seinen Wünschen oder Vorstellungen gefragt. Es war schon wie die Seherin sagte, „Was wäre die Alternative gewesen, wenn er sich geweigert hätte? Was hätte ihr mit ihm gemacht? Was hättet ihr dann mit mir gemacht?“
    Lange Zeit schwieg er und starrte auf einen unbestimmten Punkt, ehe er sich einen Ruck gab und sie anschaute. „Ich muss zugeben ich habe dem Centurio Unrecht getan. Ich schäme mich, weil ich meine Unsicherheit über mein eigenes Verhalten, ihm zuschieben wollte. Zu dem Mitleid, über deinen zerschundenden Rücken stehe ich, aber dennoch, es war richtig was ich machte. Ich danke dir für deine Erklärungen, jetzt habe ich Respekt für den Centurio und auch wenn du nur eine Sklavin und Barbarin bist, hast du meine Achtung.“ Frugi machte eine Pause, dann stellte er die Fragen die ihn noch immer beschäftigten. „Du sagtest, du kannst niemanden verfluchen oder unter einen Bann stellen, es wäre Aberglaube. Was sind denn deine Fähigkeiten? Irgendwoher muss doch die Furcht der Menschen vor solchen Dingen kommen, denn meistens gibt es doch einen wahren Kern, bei solch einem Glauben.“

  • „Danke.“ kam es leise über ihre Lippen. Achtung? Das hatte sie nun wirklich nicht erwartet. Aber sie dankte ihm auch, dass er zumindest Verus nun nicht mehr verurteilte. Das konnte ihr Römer, der sich wahrlich genug Vorwürfe machte nun wirklich nicht gebrauchen. Auch wenn er sie gerade mit Missachtung strafte, ihr auswich weil er ihren Anblick kaum ertragen konnte, würde sie ihm immer helfen. „Nun ich kann sehen. Ich kann die Wörter der Götter hören und bringe ihre Botschaft zu den Menschen. Ich sehe Bilder und weiß sie zu deuten. Man fragt mich um Rat, man sucht mich auf, wenn man bei einer Entscheidung Hilfe braucht.“ Dann schaute sie den jungen Mann an. Ob sie wusste woher die Furcht, der Aberglaube kam? Nein sie wusste es nicht, aber sie konnte es sich denken. „Ich meine, dass viele Angst vor dem haben, was sie nicht kennen. Sie sehen, dass meine Stammesleute mir Platz machen. Vielleicht denken sie dies geschieht aus Furcht. Aber es ist Respekt. Sie haben Respekt vor mir, vor meine Worten. Seherin künden der Götter Worte. Ich weiß, dass es bei euch derlei Flüche und Zauber gibt. Es mag also sein, dass man derlei Dinge einfach auf die Seherinnen überträgt. Oder es ist schlicht so, dass man weiß, dass unser Wort Gewicht hat. Sagen wir voraus, dass ein Stamm der sich erheben will, diesen Aufstand gewinnen wird, so bestärkt dass natürlich die Kämpfer. Sagen wir eine Niederlage voraus, wird zumeist davon Abstand genommen eine kriegerischen Akt durchzuführen. Oder es ist schlicht die Angst davor, dass wir von den Göttern erwählt wurden? Dass sich das göttlich in einfacher Gestalt wie einer Frau zeigt? Ungefiltert ohne einen Tempel, ohne ein Opfer. Ich kann es dir wirklich nicht sagen, woher es kommt.“ Luna schaute den Mann wieder an. „Ich denke es ist Unverständnis etwas fremdem, anderen gegenüber.“

  • „Ich verstehe“, kam zwischendurch von dem Legionär. „Das ist es also, was dein Volk in euch sieht. Ihr, also du und die anderen Seherinnen, habt also einen sehr hohen Stellenwert in eurer Gesellschaft. Um so mehr kann ich dann bewundern, dass du so handeltes und dich in unsere Hand begabst. Es wird wohl die Angst sein. Angst vor dem Unbekannten Fremden, die uns Menschen dazu bringt törichte Gedanken zu spinnen und diese dann auf das Unbekannte zu übertragen. Furcht trägt seltsame Früchte. Oft lässt sie Dinge sehen, die es nicht gibt oder treibt einen auch zu seltsamen Handeln an. Nicht nur bei Kindern, nein weit aus schlimmer ist es bei Erwachsenen. Diese Furcht produziert gelegentlich Hass, unberechtigten Hass. Vielleicht ist dies der Hass der Völker gegeneinander treibt, der Kriege entstehen lässt.“
    Wie schon öfter nickte der Octavier, dieses mal wohl um sich, seine ausgesprochene Gedanken selber zu bestätigen. „Du solltest deinen Rücken weiter behandeln lassen“, völlig aus dem Zusammenhang kam das jetzt mit Vorwurf in der Stimme. „Unsere Wege werden sich bestimmt noch öfter kreuzen“, kam zum Abschluss erleichtert von Frugi. Jetzt brauchte er ihr nicht mehr aus dem Weg zu gehen. Für sich hatte er alles geklärt, er war jetzt im Reinen mit sich. Erleichtert schlug er den Weg zur Lagertaberne ein, Wein würde ihm jetzt gut tun.

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