[Ludi Scaenici] Theatrum Marcelli: Antigone


  • Zweifelsohne hätte das Wetter an diesem Tage der Theatraufführung besser können sein - der Himmel war überzogen von einer pudrigen Decke hellgraufarbener Wolken, durch welche die Sonne nur als schwache Scheibe erkennbar war, und der aufkommende Frühling war eher eine Ahnung denn eine Tatsache. Doch mit Kissen, Decken oder Fellen ausgestattet konnte das Theatervergnügen durchaus ein behagliches werden - insbesondere in den Rängen der Bessergestellten, die von ihren Sklaven zudem mit heißen Getränken versorgt und gewärmt wurden - wiewohl sich zweifelsohne die meisten Besucher einig waren, dass eine solche Witterung angenehmer war als die brennend heiße Sonne der Sommermonate. Gleichwohl hatte ein wenig Wetter die Bewohner Roms wohl noch nie davon abhalten können, sich dem Vergnügen der Stadt hinzugeben, so dass die Zuschauerränge sich alsbald füllten. Auf dem Programm für diesen Tag stand ein klassisches Stück des Dichters Sophokles, welcher wohl als einer der herausragendsten Tragödiendichter bekannt war - die Antigone.

    cdcopo-pontifex.png flavia.png

    IUS LIBERORUM

    PONTIFEX PRO MAGISTRO - COLLEGIUM PONTIFICUM


  • Als kaum noch ein Platz frei war, kündeten einige Trommelschläge den Beginn der Spiele an. Ein Schauspieler mit graufarben bemaltem Gesicht und einer langen, weißen Kutte trat zur Mitte der Bühne und wandte sich an das Publikum.
    "Willkommen Römer und Römerinnen, willkommen Bürger und Freunde der Stadt! Diese wunderbare Tragödie - die Antigone von Sophokles - wird euch präsentiert von unserem hochgeschätzten Consul Manius Flavius Gracchus, dem es ein ganz besonderes Anliegen ist, eure Sinne mit Kunst und Kultur zu erfreuen, ganz im Sinne der Minerva, der Hüterin aller schönen Künste! Macht es euch nun bequem, genießt genießt das Spiel und lasst euch hinabziehen in den Strudel menschlicher Tragödien und Schicksale!"


    Ein weiterer Trommelschlag ertönte, doch ehedem die Zuschauer in den Genuss des Schauspiels kamen, folgte selbstredend zuvor ein kleines Opfer an Minerva. Duftender Weihrauch wurde verbrannt und Blumenkränze, Speltekse und Wein der Göttin der schönen Künste dargebracht.

    cdcopo-pontifex.png flavia.png

    IUS LIBERORUM

    PONTIFEX PRO MAGISTRO - COLLEGIUM PONTIFICUM

  • Severus konnte sich nicht mehr an jedes Wort erinnern, das er der Plinia auf der Saturnalienfeier vor die Füße geworfen hatte und er wusste auch nicht mehr, dass es tatsächlich Zeichen gegeben hatte, die für die offenbar eher sittenstrenge Medica nur auf eine Art hatte verstanden werden können, nämlich in einem mehr als offensichtlichen Annäherungsversuch, den diese unter diesen Umständen - und vor allem deutlich nüchterner, als es der Helvetier gewesen war - nur hatte ablehnen können. Allzu sehr hatte sich Severus danach nicht mehr mit dieser uangenehmen Angelegenheit beschäftigt, doch nachdem sich seine Versetzung auf den Palatin nun endgültig in die Länge zog, hatte sich Severus entschieden, seinen gesellschaftlichen Fauxpas wieder gutmachen zu wollen und die Plinia zur heutigen Aufführung von Sophokles' Antigone ins Marcellustheater einzuladen. Zu seiner Überraschung hatte sie tatsächlich zugesagt und gemeinsam mit den übrigen Zuschauern nahmen die beiden nun ihre Plätze in den Zuschauerreihen ein.


    Ich möchte mich noch für mein Verhalten bei den Saturnalienfeierlichkeiten des decimischen Praefecten entschuldigen, Plinia. An dem Abend hat der Alkohol in jedem Fall mehr aus mir gesprochen, als mein Verstand, was allerdings sicherlich keine Begründung dafür sein kann. sagte Severus, als sie schließlich zwei gute freie Plätze gefunden hatten, die sie beide nebeneinander einnahmen.

  • "... und jetzt ruhig sitzen und zuschauen." Nysa ermahnte die Zwillinge nochmal, sah sich um, ob Agricola ebenfalls den Weg hierher gefunden hatte.
    Die Aussicht war gut und die Kinder würden zumindest für einige Zeit Ruhe geben.


    Crassus saß neben Marsa und sah zu, wie die Opfergaben dagebracht wurden. Er staunte über die vollen Ränge - in Baiae gab es solch einen Auflauf nur bei höchsten Festen.
    Marsa war nicht weniger fasziniert, ihr fielen besonders die feinen Tücher auf, in welche die Darsteller gewandet waren.


    "Wir werden uns später hinsetzen und eurer Mutter eine Nachricht schreiben - also passt gut auf."
    Nysa war eine Idee gekommen - warum sollte man nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden....


    Crassus und Marsa hingegen seufzten leise ob dieser Ankündigung.

  • Chrysogona war mehr als überrascht als sie eine Einladung von Marcus Helvetius Severus erhielt, mit ihm die Antigone-Aufführung im Marcellustheater anzusehen. Die Griechin wäre ohnehin zu dieser Aufführung gegangen, denn sie liebte Sophokles Antigone. War die Heldin doch eine starke und kluge Frau mit Prinzipien, ganz wie Chrysogona selbst. Aber so konnte sie sehen, ob sie sich so sehr in dem jungen Helvetier getäuscht hatte, wie es bei der Saturnalienfeier den Anschein gehabt hatte. Sie war gespannt auf das Zusammentreffen.
    Gehüllt in ein hellgründes langes Gewand, schlicht aber von hoher Qualität, und mit einem weißen Manteltuch angetan, das entweder als Sonnenschutz oder als Wind- und Kälteschutz genutzt werden konnte, nahm Chrysogona den Platz neben dem Helvetier ein.


    Zitat

    Ich möchte mich noch für mein Verhalten bei den Saturnalienfeierlichkeiten des decimischen Praefecten entschuldigen, Plinia. An dem Abend hat der Alkohol in jedem Fall mehr aus mir gesprochen, als mein Verstand, was allerdings sicherlich keine Begründung dafür sein kann. sagte Severus, als sie schließlich zwei gute freie Plätze gefunden hatten, die sie beide nebeneinander einnahmen.


    Sein erster Satz enthielt eine Entschuldigung für sein Fehlverhalten bei den Saturnalien im Hause der Decimer. Sie legte den Kopf leicht schief, lächelte ein feines Lächeln und sah ihm direkt in die Augen.
    "Ich nehme deine Entschuldigung an. Die Verehrung der Gaben des Dionysos kann einem schon einmal die Sinne vernebeln und einem Athene als Aphrodite erscheinen lassen. Dennoch hielt ich eine Verabschiedung zu diesem Zeitpunkt für angemessen. Umso mehr freut es mich, dass du die Anspielung trotz deines von Sinnesfreuden verzückten Zustandes richtig gedeutet und mich zu diesem Kulturgenuss eingeladen hast. Danke dafür. Ich nehme an du kennst die Antigone?"


    Sie sah den jungen Mann interessiert an.

  • Severus war einigermaßen erleichtert, dass die Plinia ihm verzieh. Wäre ja auch noch schöner gewesen, wenn er sich noch vor dem Antritt seines neuen Amtes auf dem Palatin schon die erste Feindin gemacht hätte, weil er geglaubt hatte, dass sie eben eine Frau war, die an den Tagen des Saturn ebenfalls ein bisschen freizügiger sei, wie er selbst. Nun ja, so hatte man sich irren können. Allerdings ging sie hier ja sogar noch einen Schritt weiter, und stellte sich quasi in eine Reihe mit der jungfräulichen Athena bzw. Minerva. Nun, an den Tagen des Saturn sind die Sinne oft eher an der einfachen, denn der gelehrigen Freude interessiert, nicht wahr? fragte er, wobei ihm auffiel, dass sie wieder einmal den Kopf leicht schief gelegt hatte, so wie sie es offenbar häufig tat. Allerdings ging er darauf nicht ein, sondern beantwortete stattdessen lieber ihre Frage. Ja, das Stück ist mir bekannt. Wobei ich ja der Meinung bin, dass man es nur im Zusammenhang der gesamten Labdakidensage sehen muss. So lohnt sich zum Beispiel auch die Lektüre oder der Besuch des Oedipus des Sophokles oder der Sieben gegen Theben des Aischylos. Zusammen bieten sie sozusagen ein Gesamtbild, das zum Beispiel für das Verständnis der Antigone von Nutzen sein kann. Natürlich kam ihm hier die große Bibliothek seines Großvaters in Fregellanum zugute, der seinen Kindern und Enkelkindern stets den Zugang dazu ermöglich hatte. Severus hatte sich besonders für historische Texte interessiert, aber auch dramatische Texte übten eine gewisse Anziehung auf den jungen Severus aus. Heute allerdings hatte er keine Möglichkeit mehr, die Bibliothek des verstorbenen Großvaters aufzusuchen. Dessen Erben hatten große Teile der Bücher verkauft oder verschenkt... Was für eine Schande...

  • Der flavische Consul war selbstredend bei dieser Vorführung anwesend, saß in der vorderen Reihe auf einem flauschigen Hirschfell und nippte an einem Becher warmen Würzwein. Neben Gracchus saß seine Gemahlin Prisca, welche dem Ereignis ebenso wenig konnte fernbleiben wie er selbst, denn gerade bei solch repräsentativen Anlässen war die Frau an seiner Seite schlichtweg obligatorisch.
    "Ich hoffe sehr, die Aufführung wird dir gefallen"
    , raunte er in der kurzen Pause nach dem Opfer ihr zu, in einem Tonfall als wäre dies der vorrangige Zweck des Tages - seiner Gemahlin zu gefallen. Seit dem Tag der Eheschließung lebten sie mehr nebeneinander denn miteinander, teilten zwar regelmäßig die abendliche Cena, doch nicht ein einziges Mal seitdem das eheliche Bett. In der Öffentlichkeit indes konnte diesem separierten Leben keine Präsenz zukommen, so dass Gracchus stets bemüht war Prisca zu diesen Gelegenheiten jene Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, welche er ihr sonstig seinem Naturell folgend verwehrte.

    cdcopo-pontifex.png flavia.png

    IUS LIBERORUM

    PONTIFEX PRO MAGISTRO - COLLEGIUM PONTIFICUM


  • Nach dem Opfer kehrte der Schauspieler in der weißfarbenen Kutte auf die Bühne zurück, begann ein wenig auf und ab zu wandern, immer wieder kurz pausierend und die Einleitung des Stückes dabei vortragend.
    "Werte Zuschauer! Sicherlich kennt ihr alle die Geschichte, wie es überhaupt erst zum Beginn dieser Tragödie kommen konnte. Seit drei Generationen schon hängt das Unheil über dem Herrschergeschlecht von Theben, dem Hause der Labdakiden - seitdem König Laios verflucht worden war, seinen Sohn Oedipus darob ausgesetzt hatte, um dem Unheil zu entgehen, doch damit noch größeres Unheil über sich brachte! Denn Oedipus erschlug nicht nur seinen Vater, sondern heiratete unwissentlich seine Mutter Iokaste und zeugte mit ihr vier Kinder, die ebenso seine eigenen Geschwister waren: Antigone und Ismene, Eteokles und Polyneikes. Nach Oedipus' Tod sollen seine Söhne abwechselnd die Herrschaft innehaben, doch sind sie darüber zu Feinden geworden und Polyneikes wird in die Verbannung geschickt. Nach langem Kriege töten die beiden Brüder sich schlussendlich gegenseitig vor den Toren Thebens, und als nächstem Verwandtem fällt ihrem Onkel - Kreon, dem Bruder ihrer Mutter - die Herrschaft zu. Den Sitten folgend wird Eteokles bestattet, dem Polyneikes jedoch - dem Feind der Stadt wird dies durch Kreon verwehrt. Sein Leichnam bleibt vor den Toren der Stadt liegen, so dass ihm auch der Einzug in das Totenreich verwehrt bleibt, und unter Androhung einer Steinigung ist es jedem Menschen verboten, seinen Leib zu bestatten."
    Er tritt ein wenig zu Seite ab. "Hier nun nimmt die nächste Tragödie ihren Anfang, mit einem Gespräch unter Schwestern - Antigone und Ismene ..."


    Zwei Frauengestalten in Kleidern nach hellenischem Stil, ebenso die Haare der Masken, betraten nun die Bühne. Dem tönernen Antlitz der Ismene war ein Ausdruck von Trauer anzusehen, dem der Antigone indes ein Hauch von Entschlossenheit. Auch in ihren Stimmen war dies zu vernehmen als ihr Dialog begann und Antigone der Schwester wie den Zuschauern von Kreons Verbot berichtete, den Bruder zu bestatten. Gleichwohl tat sie ihren festen Willen kund, im Angesicht der Strafe dies dennoch zu tun, wobei sie die Hilfe der Schwester erbat. Doch Ismene zögerte, verwies auf ihre Aufgabe als Frau, welche nicht sei sich den Männern zu widersetzen und verwehrte ihr Zutun zu dieser Straftat, auf welche doch die Steinigung drohte.


    Antigone indes stellte die Gesetze der Götter - eben jenes der Unterweltgötter, welches gebot, einen Leichnam zu bestatten - über weltliche Pflicht und Anordnung, versuchte jedoch nicht ihre Schwester umzustimmen. Sie selbst freue sich bereits darauf, nach der Tat zu sterben und so mit ihrem Bruder auf ewig zusammen zu sein. Auch den Wunsch Ismenes, die Tat doch zumindest heimlich zu begehen wies sie mit abwehrender Geste zurück. So traten zuletzt die Schwestern in gegensätzliche Richtungen von der Bühne ab, die Gegensätze ihrer Ansichten widerspiegelnd - Ismene des Ansinnens unverständig, Antigone entschlossen zu ihrer Tat.

    cdcopo-pontifex.png flavia.png

    IUS LIBERORUM

    PONTIFEX PRO MAGISTRO - COLLEGIUM PONTIFICUM

  • Zitat

    Original von Marcus Helvetius Severus:
    Nun, an den Tagen des Saturn sind die Sinne oft eher an der einfachen, denn der gelehrigen Freude interessiert, nicht wahr? fragte er, wobei ihm auffiel, dass sie wieder einmal den Kopf leicht schief gelegt hatte, so wie sie es offenbar häufig tat. Allerdings ging er darauf nicht ein, sondern beantwortete stattdessen lieber ihre Frage. Ja, das Stück ist mir bekannt. Wobei ich ja der Meinung bin, dass man es nur im Zusammenhang der gesamten Labdakidensage sehen muss. So lohnt sich zum Beispiel auch die Lektüre oder der Besuch des Oedipus des Sophokles oder der Sieben gegen Theben des Aischylos. Zusammen bieten sie sozusagen ein Gesamtbild, das zum Beispiel für das Verständnis der Antigone von Nutzen sein kann.


    Chrysogona lächelte wieder fein und enthielt sich eines weiteren Kommentars zu den Saturnalien. Heute war der Tag der Muse Melpomene. Sie wollte diesen Kulturgenuss würdigen. Und, siehe da, sie hatte sich nicht in dem jungen Helvetier getäuscht. Er kannte sich aus. Die Griechin nickte beifällig. Natürlich war die Antigone nur die logische Fortsetzung der Ödipussage und stand auch mit den "Sieben gegen Theben" in Zusammenhang.
    "Sehr richtig, Severus!", pflichtete sie ihm bei. "Oh, sieh da! Es geht los!"


    Die Schauspieler betraten die Bühne und Ismene und Antigone spielten die erste Szene. Chrysogona sah gebannt zu. Sie verehrte Antigone für ihre Entschlossenheit, dafür dass sie sich ohne Rücksicht auf die in Aussicht gestellte Frage für die Einhaltung der Begräbnisriten entschied. Ja, so musste es sein!
    Als beide Schauspielerinnen abtraten sah sie den Helvetier von der Seite an. Hatte er Verständnis für die charakterstarke Heldin oder war er Opportunist wie Ismene.

  • Eine Theateraufführung war eine stets willkommene Abwechslung, zumindest im - ansonsten eher eintönigen - Tagesablauf einer verehelichten Patrizierin. Noch dazu wenn es sich um eine spannende Tragödie (mit vielen Toten) handelte. Antigone von Sophokles - ja dieses Theaterstück war ganz nach Priscas Geschmack. Allerdings war ihre Anwesenheit heute weniger ihrem eigenen Geschmack geschuldet. Es lag vielmehr an der Tatsache, dass der eigene Gemahl der Ausrichter dieser Veranstaltung war. Kein geringerer als Manius Flavius Gracchus, der flavische Konsul (nebst Gattin) war verantwortlich für dieses öffentlichkeitswirksame Spektakel, welches im Grunde nichts weiter als Werbung in eigener Sache war.


    Für Prisca war es demzufolge eine Selbstverständlichkeit, dass sie an der Seite ihres Mannes die "brave und ergebene" Ehefrau mimte - ganz so - wie es von ihr erwartet wurde. Und demzufolge gab sie sich nach außen hin stets freundlich lächelnd und ansonsten eher schweigsam, ganz der Meinung ihres Mannes beipflichtend. Diese Haltung hatte natürlich nichts mit den familiären Interna gleich, denn da brodelte es gewaltig!! Die gemeinsamen Aktivitäten genügten Prisca nämlich bei weitem nicht: Die tägliche cena und das übliche Blabla … Prisca hatte der Worte vieler so langsam satt, denn zum reden allein hatte sie nicht nochmal heiraten wollen. Doch was blieb ihr anderes übrig bei einem Mann, der sie vor vollendete Tatsachen gestellt hatte und das, obwohl er damit im Grunde wider seiner Natur handelte.


    Die flavisch-aurelische Beziehung (zwischen Gracchus und Prisca) mochte gar Potenzial für eine eigene Tragödie haben, doch deren Aufführung stand heute nicht zur Debatte. Und demzufolge blendete Prisca all die grüblerischen Gedanken aus, um nicht am Ende ihrem Mann gar eine patzige Antwort auf seine Frage zu geben: " Oh, natürlich gefällt mir die Aufführung. Ich überlege gerade, ob ich nicht Antigones Vorbild folgen soll, indem ich einfach Suizid begehe. Denn was soll ich noch auf dieser Welt? Kinderlos und ohne das Bett mit dir zu teilen? Soll ich mich, mein Leben lang an deiner Seite langeweilen? In dem Wissen, dass du es nicht einmal fertig bringst, mich ordentlich zu schwängern, nur, weil du ständig an deinen schwulen Liebhaber denkst, diesem ...diesem … "elenden Wurm", in der Tat eine derart ordinär und herblassende Bezeichung, die Prisca nicht einmal gedanklich in den Mund nehmen wollte, an solch einem "schönen" Tag.


    "Oh, natürlich gefällt mir die Aufführung. Mit einem gespielt schmachtenden Blick, lächelte Prisca ihrem Gatten zu: "Es ist eines meiner Lieblingsstücke. Woher wusstest du das?", verpackte sie überflüssig erscheinende Frage in eine nichtssagende Floskel, mit der ihrem Mann augenscheinlich gefallen wollte. Genauso wollte sie natürlich der Öffentlichkeit gefallen, indem sie sich in einer makelosen Gewandung (samt Schmuck und Haarpracht) offenarte. Das schneeweiße Kleid, samt Goldschmuck … schlicht und gleichzeitig in einem solch edlen Stil gehalten, wie ihn selbst eine (reitende) Kaiserin nicht besser hätte treffen können …


  • Auf die Bühne trat nun ein Mann in prächtigem Gewand, seine Maske von einem krausen Bart geziert, auf seinem Haupt ein goldfarbener Lorbeerkranz - Kreon, Bruder der Iokaste und Onkel der Antigone und ihrer Geschwister. Mit gewaltigen Worten erklärte er vor den Zuschauern sich zum neuen Herrscher der Stadt Theben, berief sich auf seine Verwandtschaft zu Ödipus und seinen Söhnen. Gleichsam elaborierte er sein Verbot den Polyneikes zu bestatten, welcher ihm doch als Vaterlandsverräter galt.
    "Polyneikes aber, seinen Mitgebornen, der die Vaterlandschaft und die Landschutzgötter selbst, von seinem Bann heimkehrend, wollt in Feuerglut von Grund heraus wegsengen, wollt am Blute sich der Seinen sättgen, euch in Knechtschaftsbande ziehn, den solle niemand, wie der Heroldsruf gebot, mit Grabbestattung ehren noch mit Klageruf!"
    Der Chorführer zu Füßen der Bühne - das Volk von Theben repräsentierend - anerkannte die Herrschaft, wie die Weisung, verneigte sich zum Zeichen seines Einverständnisses, welchem der übrige Chor folgte.


    Just in diesem Augenblicke indes erstürmte ein Soldat aufgeregt die Bühne, berichtete eilig und unter der Befürchtung einer Strafe allein für das Überbringen der Nachricht, dass Kreons Verbot übertreten worden sei und die Leiche vor der Stadt heimlich mit Staub bedeckt worden war. Zornig vermutete der Herrscher, dass diese Schandtat nur für Münzen konnte begangen worden sein, und drohte den Wächtern mit ihrem eigenen Tode, so sie den Schuldigen nicht würden auffinden. In gegengesetzte Richtungen verließen beide die Bühne.


    Der Chor besang zum Abschluss der Szene die außerordentlichen Taten des Menschen - Seefahrt und Landwirtschaft, Vogel- und Fischfang, und Viehzucht; das Denken, die Sprache und Staatenlenken; Heiler schwerer Krankheiten, Erfinder von Gutem und Schlechtem, Bewahrer von geschaffenen Gesetzen und von den Göttern gegebenen Rechten.

  • Zitat

    Original von Plinia Chrysogona
    Chrysogona lächelte wieder fein und enthielt sich eines weiteren Kommentars zu den Saturnalien. Heute war der Tag der Muse Melpomene. Sie wollte diesen Kulturgenuss würdigen. Und, siehe da, sie hatte sich nicht in dem jungen Helvetier getäuscht. Er kannte sich aus. Die Griechin nickte beifällig. Natürlich war die Antigone nur die logische Fortsetzung der Ödipussage und stand auch mit den "Sieben gegen Theben" in Zusammenhang.
    "Sehr richtig, Severus!", pflichtete sie ihm bei. "Oh, sieh da! Es geht los!"


    Die Schauspieler betraten die Bühne und Ismene und Antigone spielten die erste Szene. Chrysogona sah gebannt zu. Sie verehrte Antigone für ihre Entschlossenheit, dafür dass sie sich ohne Rücksicht auf die in Aussicht gestellte Frage für die Einhaltung der Begräbnisriten entschied. Ja, so musste es sein!
    Als beide Schauspielerinnen abtraten sah sie den Helvetier von der Seite an. Hatte er Verständnis für die charakterstarke Heldin oder war er Opportunist wie Ismene.


    Für Severus war die Konstellation etwas anders. Für ihn war Antigone eine junge Frau, die, durch ihre Unerfahrenheit angestachelt, eine geradezu pubertären Trotz vor sich hertrug, anstatt sich, wie es sich für eine Frau gehörte, darum bemühen, die staatliche Ordnung zu loben, zu verteidigen und mit all ihrer Kraft zu schützen. Entsprechend kritisch war sein Gesichtsausdruck während des Dialogs zwischen Antigone und ihrer Schwester.


    Es war wohl seinem Pragmatismus geschuldet, dass er eher auf Kreons Seite stand, wobei er auch dessen Handlungen nicht durchweg befürwortete, denn eigentlich hielt er es für die Schuld der beiden - recht eindimensional denkenden - Brüder, beide egoistisch und machthungrig und ganz anders als ihr rechtschaffener Vater und ihr demütiger Onkel, der die Herrschaft über Theben, wie doch im Oedipus zu lesen war, stets abgelehnt hatte, und erst jetzt, in der Antigone übernahm, weil sein Sohn sich für das Wohl des Staates selbst von den Mauern der Stadt niedergestürzt hatte. Daher waren sie wohl auch nun am Knackpunkt, der ganzen Geschichte angekommen, sodass der Helvetier jetzt, wo der Satz von Kreon fiel, leise schnaubte. Denn natürlich hätte er den im Volk verhassten Polyneikes begraben müssen, aber eben ohne jegliche Ehrerbietung, ohne Klageruf, ja ganz abseits des Familiengrabs irgendwo weit weg von der Stadt. Dann beginnt also nun die Tragödie. raunte er der Plinia daher zu, als die entscheidenden, ja, schicksalsträchtigen Worte Kreons verklungen waren.


  • Der Wächter betrat wieder die Bühne, ebenso die Antigone, welche er mit seinem Schwerte voran trieb.
    "Die war es, diese, jener Tat Verüberin. Die ward ertappt am Grabe. Doch wo blieb der Fürst?"


    Von der anderen Seite her trat Kreon auf und wies den Soldaten mit einem ungeduldigen Wink der Hand unterstrichen an zu berichten. Der Wächter schilderte darauf hin - ein wenig gefestigter diesmalig als beim überbringen der Botschaft - wie Antigone am Grab des Polyneikes gefasst worden war als sie eben dabei war, die Leiche mit Staub zu bedecken und den Toten zu beklagen. Ohne Zögern, überzeugt von ihrer rechtmäßigen Handlung, bestätigte Antigone dies und gestand somit die Tat, berief sich dabei auf die Gesetze der Götter. Denn die Unterweltgötter verlangten eine Bestattung in Hinblick auf die Taten, welche im Leben begangen worden waren. Und auch alle Bewohner der Stadt Theben sähen dies so, doch niemand wagte es noch zu äußern im Angesicht der Drohungen Kreons. Gleichwohl sorgte sie sich nicht um ihr eigenes Ende, mochte ihr Tod ohnehin nur ein Leben voller Leid beenden.


    Kreon wies ihre Sturheit und ihren Starrsinn zurück, gleichwohl wollte er sich niemals beherrschen lassen von einer Frau. "Hinabgesendet liebe, wenn du lieben mußt, Die dort. Im Leben aber zwingt mich nie ein Weib!"


    Ismene eilte nun ebenfalls in die Szene, ihr klagendes Antlitz noch immer mehr als passend, und auf die zornigen Fragen des Kreon ob ihrer Kenntnis oder gar Mitschuld suchte sie die Tat einzig auf sich zu nehmen. Antigone indes wies schroff ihr Geständnis ab, wollte weder ihr das Recht an einer nicht begangenen Tat zugestehen, noch sie im Tode sehen. Auch alles Flehen der Ismene an Kreon war vergebens, letztlich ließ der Herrscher beide Frauen abführen.


    Während Kreon in Starre verharrte, besang der Chor das Los und Leid des Geschlechtes der Labdakiden.

    cdcopo-pontifex.png flavia.png

    IUS LIBERORUM

    PONTIFEX PRO MAGISTRO - COLLEGIUM PONTIFICUM

  • Crassus versuchte, dem Stück zu folgen, aber ihm war so, als habe er schon früh den Faden verloren. Mit einem Seitenblick sah er, dass Marsa offenbar noch interessiert zur Bühne sah.
    Er sah sich um, schaute kurz Nysa an und als diese streng zurückblickte, starrte er wieder zur Bühne.
    Die Masken gefielen ihm, sie erinnerten ihn entfernt an die Reitermasken, welche er in Baiae einmal bei einer Parade gesehen hatte....


    Crassus zog die Schultern kurz an und versuchte nochmal, in die Handlung wieder einzusteigen.
    Nysa würde bestimmt Fragen stellen, sobald sie zurück in der Domus Iunia waren. Dies war so sicher wie der nächste Morgen.


    Nysa genoss die kurze, ruhige Zeit in vollen Zügen. Hier hatte sie beide Zwillinge im Griff und konnte sich nebenbei etwas ausruhen.
    Mittlerweile machte sich das Alter bei ihr bemerkbar - auch wenn sie es wenn möglich vermied, sich etwas anmerken zu lassen. Treppen steigen war mühsam und wenn sie zu Fuß unterwegs war, zusammen mit Marsa und Crassus, kam sie kaum mehr hinterher.
    Hier nun konnte sie etwas Kraft schöpfen - und die Aufführung gefiel ihr ebenfalls.

  • Zitat

    Original von Aurelia Prisca
    "Oh, natürlich gefällt mir die Aufführung. Mit einem gespielt schmachtenden Blick, lächelte Prisca ihrem Gatten zu: "Es ist eines meiner Lieblingsstücke. Woher wusstest du das?", verpackte sie überflüssig erscheinende Frage in eine nichtssagende Floskel, mit der ihrem Mann augenscheinlich gefallen wollte. Genauso wollte sie natürlich der Öffentlichkeit gefallen, indem sie sich in einer makelosen Gewandung (samt Schmuck und Haarpracht) offenarte. Das schneeweiße Kleid, samt Goldschmuck … schlicht und gleichzeitig in einem solch edlen Stil gehalten, wie ihn selbst eine (reitende) Kaiserin nicht besser hätte treffen können …


    Selbstredend ahnte der Gemahl nichts von den Gedanken seiner Gattin, interpretierte ihr Lächeln darob als aufrichtiges Zeichen ehelich geteilten Vergnügens, welches Gracchus ohnehin im Besuch des Theaters viel eher fand als im heimischen Schlafgemach. Dass auch die Auswahl des Stückes noch dazu gereichte, Prisca zu gefallen war zwar nicht intendiert, doch ein überaus glücklicher Zufall, welchen der Flavier ebenfalls mit einem Lächeln zu seinem Vorteile zu nutzen wusste:
    "Ich bin dein Gemahl, meine Liebe, es ist meine Auf..gabe, dies zu wissen."
    Die Tragödie nahm ihren Lauf und Gracchus wurde in den Bann gezogen von gewaltigen Worten, Anklagen und Klagen. Identifizieren konnte er sich indes mit keiner der Figuren - die Antigone war zweifelsohne viel zu willensstark und gegensätzlich zu Kreon hatten bereits viele Frauen sein Leben bezwungen, so dass höchstens noch die klagende, doch letztlich schwache Ismene blieb. Über diese Überlegung ein wenig unzufrieden raute Gracchus seiner Gemahlin in der kurzen Pause zwischen den Akten zu:
    "Der Chor ist wahrlich wundervoll, findest du nicht auch?"

    cdcopo-pontifex.png flavia.png

    IUS LIBERORUM

    PONTIFEX PRO MAGISTRO - COLLEGIUM PONTIFICUM


  • Zu Kreon hin trat nun dessen Sohn Haimon, der Verlobte der Antigone. Nachdem jener den Vater seiner Liebe und seines Respektes versichert hatte, verwies jener darauf wie ein vortrefflicher Mann zu sein hatte und dass dieser sich nicht von einer Frau unterwerfen lassen durfte. Haimon jedoch berichtete, dass auch das Volk Antigone bedaure, da sie doch eine rühmliche Tat hatte begangen, und forderte von seinem Vater, seine Meinung zu ändern. Kreon jedoch beharrte auf der Position des Herrschers, welcher alleinig das Recht habe, über Antigone zu richten, welche die Ordnung der Stadt verletzt habe. Ein hitziger Disput entbrannte, in welchem Kreon seinem Sohn vorwarf, sich ihm zu widersetzen und Sklave einer Frau zu sein. Haimon indes konterte, dass Kreon die Stadt nicht alleinig gehöre und er zudem das Recht der Unterweltgötter verletze. Sofern Antigone sterben müsse, wolle auch er selbst sterben. Aufgebracht verließ Haimon die Bühne.

    So verfügte Kreon schlussendlich, Antigone bei lebendigem Leibe in eine Grabkammer zu sperren, so dass sie dort den Hades könne anbeten - den einzigen Gott, welchen sie augenscheinlich verehrte.
    "Dort mag vom Hades, welchen Gott sie einzig ehrt, sie dann Befreiung etwa sich vom Tod erflehn; Vielleicht indessen endlich auch einsehn, bemüht sei immer fruchtlos, wer verehrt, was Hades hält!"


    Während auch Kreon von der Bühne abging, besang der Chor Eros, den Gott der Liebe und des Begehrens, welcher die Sinne der Gerechten verwirre und auch diesen Streit zwischen Vater und Sohn hatte hervorgerufen.

  • Zitat

    Original von Manius Flavius Gracchus
    "Ich bin dein Gemahl, meine Liebe, es ist meine Auf..gabe, dies zu wissen."
    ... "Der Chor ist wahrlich wundervoll, findest du nicht auch?"


    Ich bin dein Gemahl … es ist meine Aufgabe, dies zu wissen … Prisca schenkte ihrem Mann zum Dank für seine Worte ein verbundenes Lächeln, gepaart mit einem leisen Seufzer, in dem sie stumm jene Antwort verpackte, die ihr spontan auf der Zunge gelegen hatte: … nun, wenn dies deine Aufgabe ist, dann solltest du gefälligst wissen, was deine Aufgaben sind und was ich mir am meisten von dir wünsche! … Na, was war das wohl? Genau! Ich will ein Kind von dir! Doch dieser Wunsch schien unerfüllbar zu sein, zumal ihr Gatte die Familienplanung anscheinend längst ad acta gelegt hatte. Seiner kranken sexuellen Gesinnung wegen und weil es ihm diesbezüglich wohl sehr gelegen kam, dass seine Frau augenscheinlich keinen Kinder bekommen konnte.


    Doch Prisca wusste - nein sie fühlte es - dass der richtige Zeitpunkt einfach noch nicht gekommen war. Irgendwann werde ich ein Kind unter meinem Herzen tragen, …irgendwann … egal, was ich dafür tun muss! Dieser Wunsch ward unauslöschlich in Priscas Gehirn eingebrannt, für alle Zeit und allein die Zeit würde zeigen, ob Priscas Gefühl oder die Natur recht behalten würde. Wider der Natur würde sicher einem Wahnsinn gleich kommen, doch der ganz normale Wahnsinn war seit jeher Priscas ständiger Begleiter. Doch wozu die Aufregung? Noch war sie jung genug und längst waren nicht alle Register gezogen, … Oh nein!!!! Noch galt es allerlei Zaubermittelchen auszuprobieren, ebenso, wie so manch spezielle Praktiken und Körperübungen Erfolg versprachen bis hin zum simplen Motto: "probieren geht über Studieren", was in letzter Konsequenz nichts anderes bedeutete als: Ich muss nur oft genug mit einem Mann - mit wem auch immer - schlafen, bis endlich … Nicht der Funke, sondern einfach nur der Samen "übersprang"…So schwer kann das zum … +++zensiert+++ … doch nicht sein, oder?


    "Der Chor ist wirklich sehr gelungen …überhaupt ..die ganze Besetzung ist vortrefflich gewählt … ", erwiderte Prisca nach einer gefühlten Ewigkeit (gefangen in ihrer eigenen Gedankenwelt) auf die Frage ihres Gatten hin, der ihr immer noch so nah - und doch so fern - war, dass sie sich im Grunde nichts sehnlicher wünschte, als ihm allein zu gefallen. Schließlich waren sie eine Ehepaar und dieser Zustand sollte doch für beide von Vorteil sein.


    "Ich bin so stolz auf dich. … Dieses Schauspiel gefällt dem Volk. … Es liebt dich. … Gib ihm mehr von diesen Spektakeln und der Kaiser wird nicht anders können, als dich ebenso zu verehren, wie das Volk von Rom es tut und … so wie ich es tue" Ein bewundernder Blick in seine Augen und … die letzten Worte waren mit derart süßer Stimme gesprochen, dass ein (normaldenkender) Mann eigentlich gar nicht anders konnte, als sich zu nehmen was ihm so offensichtlich angeboten wurde. Doch was war schon normal? Prisca wollte dennoch nichts unversucht lassen, um ihrem Mann zu gefallen, indem sie ihm sprichwörtlich (bei jeder sich bietenden Gelegenheit) "Honig um den Mund schmierte". Schließlich war er es, der in der Öffentlichkeit stand .. und ohne ihn war sie "nichts". Doch mit ihm war sie eine der ersten Frauen des ganzen Imperiums. Für solch eine Stellung mochten nicht wenige alles geben und wenn schon der Kinderwunsch auf sich warten ließ, so … sollte wenigsten karrieretechnisch alles in "trockenen Tüchern" liegen. …


  • Im nächsten Epeisodion wurde Antigone von dem Wächter herbeigeführt und in der Mitte der Bühne zurück gelassen, wo sie auf Knien Platz nahm und zu ihrer Totenklage anhob, beklagend dass sie nun unverheiratet in den Tod würde gehen müssen. Der Chorführer hielt ihr dagegen, dass sie ruhmvoll und ihrem Gesetze folgend in den Hades gehe. Antigone verglich daraufhin ihr Schicksal mit dem der Niobe, welche in einen Felsen war verwandelt worden, so dass der Chorführer dagegen hielt dass es ihr doch somit ruhmvoll möglich sei gleich einer Göttin zu sterben.


    Doch die Antigone fühlte sich von Chor und Stadt verspottet. "O weh! Du lachst meiner! Warum, Ihr Vatergötter, verhöhnst du im Licht des Tages, eh ich versank, mich?"
    Kein Spott indes intendierte der Chorführer, denn schlussendlich war Antigone nur dem Schicksal - dem Fluch der Labdakiden - zum Opfer gefallen. Auch jene entsann sich eben dieses Schicksales ihrer Familie, welches sie alsbald würde teilen müssen.
    "Unbeweinet, ungeliebt, unvermählet, tret ich Leidvolle geführt an den schon fertgen Weg. Nimmer auch bleibet zu schaun mir der Fackel des Himmels heiliges Aug. Ich Arme! Mein verlassenes Sterben aber beseufzt der Freunde niemand!"


    Dies Klagen unterbrach Kreon, welcher auf die Bühne trat, in herrschender Art die Wärter dazu drängte, Antigone endlich fort zu bringen in ihr Grab. Neuerlich bekräftigte die Todgeweihte, dass sie mit Freuden dem Totenreich entgegen sehe, da sie dort ihre Familie würde wieder treffen, gleichwohl dass jene Tat, welche sie für ihren Bruder verübte, sie niemals für ihren Ehemann oder ihre Kinder hätte auf sich genommen - wären jene doch ersetzbar, während ob des Todes der Eltern der Bruder niemals mehr ersetzt werden konnte.


    Während die Antigone von den Wächtern abgeführt wurde, besang der Chor grausame Strafen wie jene der Danaë, des Königs Lykurg und der Söhne von König Phineus.

    cdcopo-pontifex.png flavia.png

    IUS LIBERORUM

    PONTIFEX PRO MAGISTRO - COLLEGIUM PONTIFICUM

  • Zitat

    Original von Aurelia Prisca
    ...
    "Ich bin so stolz auf dich. … Dieses Schauspiel gefällt dem Volk. … Es liebt dich. … Gib ihm mehr von diesen Spektakeln und der Kaiser wird nicht anders können, als dich ebenso zu verehren, wie das Volk von Rom es tut und … so wie ich es tue"
    ...


    Wahrlich war die arme Antiogne nicht zu beiden in ihrem Los auf der Bühne, doch gerade dieses Kalamitäten und die daraus erwachsende Wehmut in ihrer Klage gereichten dazu, Gracchus überaus zu gefallen. Wären die Gesichter der Schauspieler hinter ihren Masken zu sehen gewesen, zweifelsohne hätte er an ihren Lippen gehangen, so indes blickte er nur gänzlich verklärt hin auf die ausfüllende Gestik und ließ sich von den im Theaterrund widerhallenden Worten fesseln. Erst zum Chor hin entspannte er sich wieder ein wenig und lehnte sich zurück, alsbald indes gefesselt von den Worten seiner Gemahlin. ‘... dich ebenso zu verehren ... so wie ich es tue‘. Er blickte sie ein wenig irritiert an, stets verunsichert von allzu weiblicher Emotionalität, welche deutlich auch in ihren Augen lag. Im ersten Augenblicke fragte er sich, womit er diese Frau nur verdient hatte, im nächsten gemahnte er sich, dass er sie nicht verdient hatte, dass der Mord an einem Kaiser sie aneinander hatte gezwungen. Ein leises Seufzen echappierte seiner Kehle, denn wie sehr auch irgendwer ihn liebte oder verehrte - dies alles geschah nur unter dem Deckmantel einer großen Lüge. Abgesehen von Faustus, doch dies wiederum geschah unter dem Deckmantel einer anderen Lüge.
    “Ich ...“
    , begann er ein wenig unbeholfen, begann darob noch einmal neu.
    “Nun ... dies alles ... wäre nicht mögli'h ohne dich, meine Liebe.“
    Was letztendlich nur der Wahrheit entsprach, denn ein Consul ohne Ehefrau war nun einmal nicht denkbar - war insbesondere in patrizischen Kreisen eine regelrechte Absurdität.
    “Der Wettstreit der Rhetoren wird das nächste Spektakel sein, die Redner sind bereits in ihren Vor..bereitungen. Deplorablerweise wirst du dabei nicht an meiner Seite erstrahlen können, denn das Volk fordert unabhängige Ri'hter, doch zweifelsohne wird dein Glanz auch von der Ehrentribüne auf mich herabstrahlen.“

    cdcopo-pontifex.png flavia.png

    IUS LIBERORUM

    PONTIFEX PRO MAGISTRO - COLLEGIUM PONTIFICUM

  • Chrysogona litt mit Antigone. Auch wenn sie das Drama bereits kannte, nahm sie Anteil am Schicksal der standhaften Griechin.
    "Unbeweinet, ungeliebt, unvermählet, tret ich Leidvolle geführt an den schon fertgen Weg. Nimmer auch bleibet zu schaun mir der Fackel des Himmels heiliges Aug. Ich Arme! Mein verlassenes Sterben aber beseufzt der Freunde niemand!"


    Die Medica schluckte. Wie wahr. Wer würde um sie weinen wenn sie nun vor Hades treten müsste? Schnell verscheuchte sie den Gedanken. Noch lebte der Vater und sie war ja nicht gänzlich ohne Freunde. Doch ein wenig erinnerte sie das von Antigone befürchtete einsames Ende an ihr eigenes Leben. Nun wurde sie bald 30 Sommer und war noch immer ohne Familie, ohne Mann und Kinder und mit jedem weiteren Sommer rückte die Wahrscheinlichkeit in weitere Ferne. Chrysogona saß aufrecht, ihre Nägel krallten sich in den Sitz, ihr Blick klebte an dem Geschehen auf der Bühne. Sie hatte die Welt um sich herum vergessen und war ganz eins mit Antigone geworden. In ihrer Vorstellung verbanden sich ihre beiden Schicksale und so ging sie förmlich mit der Schwester des Polyneikes in den verordneten Tod.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!