[Caelimontium] Insula C. Fundanii Vulsonis - Habitatio des Helvetius Severus

  • Insula des Caius Fundanius Vulso
    Habitatio des Marcus Helvetius Severus (Stock I, Habitatio V)


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    Zwischen der Porta Querquetulana im Süden und dem großen Aquaeductum im Norden befindet sich die Insula des Caius Fundanius Vulso. In der fünften Wohnung des ersten Stocks befindet sich das Heim des Marcus Helvetius Severus.


    Es bietet zwei mittelgroße Räume nach Süden gerichtet, beide mit jeweils einem Fenster, und drei klein Kammern nach Norden gehend ohne Fenster, die als Servitricium dienen. Der Korridor ist lang genug, um an dessen Ende ein kleines Officium einzurichten, das allerdings nur durch einen Vorhang vom Rest des Korridors abgetrennt werden kann und kein Fenster besitzt.

  • Einige Stunden nach seiner Ankunft in der Stadt und dem Gespräch mit seinem Cousin in der Casa des Helvetius Varus kam Severus an jener Insula an, zu dem ihn die Wegbeschreibung führte, die er von seinem Onkel erhalten hatte. Laut klopfte er an eine Tür und es dauerte einige Zeit bis ein voluminöser Kerl mit Glatze diese öffnete. Der misstrauische Blick löste sich schnell in Lust auf und er entblößte seine raren Zähne zu einem seltsam schiefen Lächeln, als ihm der Helvetier die Bestätigung zeigte. Mit einer ausladenen Handbewegung gefolgt von einem zweifelnden Blick auf den alten Gaul, der doch tatsächlich auch noch den Weg hierher überlebt hatte, bat er Severus ins Haus. Dieser schnappte sich seine Reisetasche und folgte, während der Glatzkopf in einem Schwall von seinen Geschäften, diesem Haus, seinen Verwandten usf. brabbelte. Das Treppenhaus war zwar nicht total verfallen, aber sicherlich auch nicht der neuste Schrei. Im ersten Stock angekommen, gingen sie den dunklen, nur von einigen wenigen Öllampen beleuchteten Flur entlang, bis sie an einer Tür ankamen. Der Dicke blieb stehen, nestelte in seiner Tasche, zog einen Schlüssel hervor und reichte ihn Severus. Dann verabschiedete er sich und kehrte zurück ins Erdgeschoss. Währenddessen steckte Severus den Schlüssel in die Tür und öffnete sie.


    Als er in seine neue Wohnung eintrat, wehte ihm ein kühler Luftzug um die Ohren. Er schaute sich um, von rechts drangen durch zwei offene Türen die letzten Sonnenstrahlen des Tages auf den Boden. Dort befanden sich also seine beiden Wohnräume. Ein Blick gradeaus eröffnete ihm den Blick auf eine noch gut erhaltene Schrankwand, möglicherweise für Bücher oder Unterlagen, davor eine Vorrichtung, an der man einen Vorhang anbringen konnte. Der Zwischenraum war groß genug für einen Schreibtisch, der allerdings fehlte. Eine erster Punkt auf seiner Zu-Erledigen-Liste, die er noch zu erstellen hatte. Danach trat er in den ersten Raum auf der rechten Seite ein, ein Raum, groß genug für drei Klinen, die man aber auch zugunsten eines Tischs an die Seiten schieben konnte. Der Tisch und zwei Stühle waren zwar vorhanden, die Klinen müsste er allerdings selber anschaffen. Ein Blick ins zweite Zimmer auf der rechten Seite ließ ein Bett zum Vorschein kommen. Dem ersten Augenschein nach würde es wohl für die erste Zeit ausreichen, auf Dauer müsste er sich aber wohl noch ein Bett und eine vernünftige Kleidertruhe anfertigen lassen. Danach besah er sich auch die drei Kammern auf der linken Seite. Zwei boten sich für jeweils einen Sklaven an, auf Dauer würde er wohl eine Köchin und einen Allzwecksklaven brauchen, in der mittleren, etwas größeren Kammer gab es noch die Kochstelle und bot sich als Aufenthaltsraum für die Sklaven an. Mit der Einrichtung der Kammern beschäftigte sich Severus freilich noch nicht, das wurde ohnehin erst notwendig, wenn er sich Sklaven anschaffen würde.


    Daher ging er erstmal in sein neues Schlafzimmer, ließ seine Reisetasche auf den Boden gleiten und setzte sich auf sein neues Bett, das dabei leicht quietschte. Der Helvetier seufzte leise. Das ist also mein neues Heim, dachte er sich und ließ sich auf seinem Bett nieder, bevor er, erschöpft von dem langen Tag, so wie er war einschlief.

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    Es hatte eine ganze Weile gedauert bis Serrulus die Habitatio von Helvetius Severus gefunden hatte. Den ganzen Vormittag um genau zu sein. Er war froh das er sie jetzt gefunden hatte und sich den Weg genau eingeprägt hatte.
    Er hoffte jetzt einfach mal das das Ziel seines heutigen Botenganges anwesend war.


    KLOPF KLOPF

  • Severus brauchte einen Sklaven. Dringend. Es war kein Dauerzustand, dass er selbst die Tür öffnete. Da könnte ja sonst wer klopfen. Ganz abgesehen davon, dass Severus auch beschäftigt war, seine diversen Pflichten für den germanicischen Curator auszuführen, dass er auch jemanden brauchte, der bei Bedarf Leute abwimmeln konnte. Jetzt jedenfalls musste Severus das noch selber tun, erhob sich von seinem Stuhl, am Tisch im Triclinium, ging zur Tür und öffnete sie langsam, bereit sie sofort wieder zuzuschlagen. Doch sah er erstmal: Nichts. Erst ein Blick nach unten eröffnete ihn den Blick auf einen einfach gekleideten Jungen. Severus hob eine Augenbraue, blickte nach links und nach rechts und wieder zurück zu dem Jungen. Salve... sagte er dann erstmal unverbindlich. Mal schauen was der Junge wollte.

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    Irgendwas hatte Serrulus die Sprache verschlagen als die Tür geöffnet wurde.
    Es dauerte so lange bis er eine Antwort zu Stande brachte das Severus schon denken musste er wäre stumm oder sowas.


    "SS...Salve ich bin Serrulus Sohn des Her... äh nur Serrulus. Ich diene im Haushalt von Tiberius Helvetius Varus, der auch die Ehre... die Ehre hat Marcus Helvetius Commodus zu beherbergen. Diese beiden hohen Herren wollen dich zum Essen einladen. Wann hast du Zeit?"


    Irgendwie schien es so das der Junge sich den ersten Teil seiner Botschaft noch gut gemerkt hatte oder sie schon sehr oft überbracht hatte. Der zweite Teil dagegen war etwas knapp gehalten...

  • Dass der Junge kein beredter Hausierer war, war Severus sofort klar, als ihm keine lange auswedig gelernte Verkaufsrede auf ihn einprasselte. Dass der Junge stumm zu sein schien, überraschte den Helvetier aber doch. Severus blinzelte und wollte die Tür schon wieder schließen, als der Junge endlich seine Sprache wiederfand. Der Helvetier wartete die kurze Rede und trat dann endlich heraus. Serrulus, also. Aus der Casa des Helvetius Varus. Severus musterte den Jungen von oben bis unte Nun gut. Richte deinen Herren aus, dass ich mich über ihre Einladung freue und ihr gerne in drei Tagen* nachkommen werde. Dann wartete er einen Augenblick, ob es noch weiteres gab, was ihm der Sklave auszurichten hatte.


    Sim-Off:

    *Ich komm dann einfach vorbei, wenn das Ok ist.

  • Indigniert ließ Severus den Schlüssel ins Schloss gleiten, drehte ihn ruckartig herum (manchmal klemmte das Schloss nämlich) und trat in seine Wohnung ein. Die Familie konnte schon lästig sein, vor allem, wenn sie ihm einerseits immer wieder für entbehrlich erklärten, dann, wenn er aber erstmal weg war, ständig irgendwelche Schreiben zukommen ließen, dass es ohne ihn nicht ginge. Sobald die Tore der Stadt geöffnet waren, war er daher nochmal zurück zum Landgut gereist, hatte dort alles auf Vordermann gebracht (natürlich auch nur den geringsten Dank dafür zu bekommen, das verstand sich ja von selbst) und war wieder zurückgeritten. Kurz: Es war lästig und es würde auch lästig bleiben. Dumm nur, dass er durch dieses ganze hin und her nicht nur seine Anstellung als Stadtschreiber verloren hatte, es war wohl auch naheliegend, dass er es sich mit dem Germanicus verscherzt hatte.


    Als kleinen Hoffnungsschimmer blieb wenigstens, dass er sich dieses Mal einfach einen der jungen Sklaven vom Landgut mitgenommen hatte, der hier als sein Faktotum arbeiten sollten. Natürlich wussten seine Verwandten nichts davon, aber ein junger Sklave mehr oder weniger fiel eh nicht auf.


    Nun aber musste er wieder von vorne anfangen. Zum zweiten Mal, und einzig wegen dieser Trottel vn Verwandten, die einfach nicht mit ihren Aufgaben klarkamen... Mit einer unmotivierten Handbewegung deutete er auf eine der beiden Sklavenkammern und verschwand dann selbst in seinem Schlafzimmer. Er brauchte einen neuen Plan. Möglichst schnell.

  • 'O tempora, o mores!', so dachte sich Dives nicht selten bereits gleich zu Beginn eines Briefes, wenn er es wagte, einen Blick in seine Post zu werfen. Denn selbstredend hatte er gewiss nicht den leichtesten Namen von seinen Eltern bekommen. Weder hieß er Primus, noch Secundus, noch nach seinem Vater Constantius oder nach seinem väterlichen Großvater Lepidus. Stattdessen hatte man ihm keinen Namen mit Suffix -us gegeben, sondern ihn kurz und knapp Dives genannt - ein Name, der durchaus so seine Tücken hatte...
    Ja, der Iulier konnte durchaus ein Lied davon singen, bereits in der Anrede vom Dives zum Divus gemacht zu werden, wobei er sich nicht ganz sicher war, ob er sich ob dieser - wahrscheinlich unbeabsichtigten - Vergöttlichung geschmeichelt oder doch eher gekränkt fühlen sollte. Immerhin fand eine Apotheosis doch für gewöhnlich erst nach dem Tod statt - wenn überhaupt. Und bei allem Kummer und Leid, der ihn belastete, plante der Iulier dennoch eigentlich nicht, in allzu naher Zukunft bereits abzutreten von dieser Welt.


    Nunja. Aber es gab sie noch. Es gab sie noch, die Männer und Frauen, die Römerinnen und Römer, welche auch in diesen Zeiten noch die Mores hochhielten und auch bei schwierigen Namen den Kampf mit der Grammatik aufnahmen. Dives - Divitis - Diviti - Divitem - Divite. Divites - Divitum - Divitibus - Divites - Divitibus. Ja, es entlockte dem Iulier immerwieder ein zufriedenes Lächeln, einen Brief von einem dieser Männer oder einer dieser Frauen zu bekommen. Da formulierte sich ein positives Antwortschreiben fast schon von ganz allein...


    Roma, A.D. VI ID SEP DCCCLXV A.U.C.

    Ad
    Marcus Helvetius Severus
    Insula C. Fundanii Vulsonis
    Caelimontium, Urbs Aeterna



    Iulius Dives Quaestorius Helvetio Severo s.d.


    Mit Interesse habe ich deinen Brief gelesen und lade dich in der Folge gerne ein, am vierten Tag vor den Iden des September zur achten Stunde * mein Gast in der Domus Iulia zu sein.


    Sim-Off:

    * Das Datum ist rein SimOn. SimOff kannst du jederzeit kommen.


    Ich schließe diesen Brief mit den besten Grüßen. Mögen die Götter stets mit dir sein. Vale bene!


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    MARCUS IULIUS DIVES
    QUAESTORIUS

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    CIVIS
    DECURIO - OSTIA
    INSTITOR - MARCUS IULIUS LICINUS
    IUS LIBERORUM
    VICARIUS DOMINI FACTIONIS - FACTIO VENETA

    Klient - Marcus Vinicius Hungaricus

  • Severus hatte ein bisschen auf eine Antwort warten müssen. Fast hatte er schon geglaubt, dass der Iulier keinen Bedarf an neuen Klienten hatte (was ja eigentlich irgendwie komisch gewesen wäre). Nun aber war der ersehnte Brief angekommen, der vielleicht dazu führen konnte, dass sich seine Wartezeit zum Wechsel in die Kanzlei deutlich verkürzte. Der Tag war gerettet, seine Laune war gut und so notierte sich Severus den Termin und stellte sicher, dass er da auch in der Casa Iulia erscheinen könnte. Schließlich gäbe es nichts peinlicheres, als diesen Termin zu verpassen.

  • Am Abend kam Severus erschöpft aber gut gelaunt zu Hause an. Mit dem Empfehlungsschreiben des Raciliers hatte er einen wichtigen Baustein für seine Karriere auf dem Palatin einsammeln können. Daher legte er die Tabula auch in die Schublade seines Schreibtisches in der Arbeitsecke.


    LITTERAE COMMENDATICIAE A. RACILII CRASSI


    Als Senator der Stadt Roma sowie amtierender Curator Aquarum möchte ich den Bürger


    Marcus Helvetius Severus


    durch dieses Schriftstück mit Nachdruck loben für seinen spontanen, schnellen und hilfreichen Einsatz als städtischer Schreiber und empfehle ihn darüber hinaus für weitere Tätigkeiten und höhere Aufgaben auf diesem Gebiet.



    A. Racilius Crassus


  • Sim-Off:

    Ich bin mal so frei, nicht erst auf meinen lieben Göttergatten zu warten. 8)


    Ich sollte seinen Klienten Helvetius kennenlernen und ihm etwas unter die Arme greifen, damit er auf dem Palatin einen Job als Kanzlei-Primicerius bekam. Kein Problem. Das machte ich doch liebend gerne.... wenn auch für mich am Ende was dabei raussprang. Mein lieber Onkel Kaeso war zum Beispiel als Prätor zur Zeit so unglaublich beschäftigt, dass der Senat noch immer nicht über meine Änderungsvorschläge zur Lex Flavia de frumentationibus gesprochen hatte.... Und für diesen Helvetius fiel mir sicherlich auch noch etwas ein, wie er sich bei mir später bedanken könnte, wenn er erstmal erfolgreich als Primicerius in der Kanzlei installiert wäre..




    SERGIA FAUSTA



    Ad
    Marcum Helvetium Severum

    Insula C. Fundanii Vulsonis
    Caelimontium - Rom - Italia



    Sergia Helvetio s.d.


    Mein Mann teilte mir mit, dass du mich kennenlernen willst, weil du anstrebst, bald ebenfalls in der kaiserlichen Kanzlei tätig zu sein. Gerne tue ich dir und ihm den Gefallen, und helfe dir bei der Verwirklichung deines Vorhabens.


    Und auch vorab treffen können wir uns gerne. Komm einfach in zwei Tagen * auf den Palatin. Ich sitze an dem Tag den ganzen Tag in einer kleinen Kammer bei den Archiven ** und kontrolliere und überwache die ordentliche Arbeit meiner Notarii. Da findet sich mit Sicherheit auch die Gelegenheit für ein kleines Gespräch.


    Bis dahin: Grüß die Götter schön, wenn du sie siehst!
    Vale.


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    Sergia Fausta
    ANTE DIEM XIII KAL DEC DCCCLXV A.U.C.
    Casa Iulia | Rom | Italia


    Sim-Off:

    * komm einfach, wanns dir am besten passt; ** Wegweiser: Eine kleine Kammer bei den Archiven

  • Nur wenige Tage nach der Salutatio bei seinem Patron kam eine Tabula der Sergia in der Habitatio des Helvetiers an. Darin lud sie ihn zu einem Vorabgespräch in zwei Tagen ein und sagte auch bereits ihre Unterstützung zu, die Beförderung auf den Palatin zu unterstützen. So schnell konnte es gehen. Severus notierte sich den Termin und sorgte dafür, dass er an diesem auch genug Zeit hatte, die Sergia auf dem Palatin aufsuchen zu können.

  • Neugierig ließ er noch einmal seine Blicke über die Fassade des Hauses streifen und biss dabei in die süße, syrische Birne, die er sich neben ein wenig gut gewürztem Speck und einem Laib Brot in einer der Garküchen besorgt hatte. Reisen machte verdammt hungrig, doch nun fühlte Scaeva sich satt, wenn auch vom langen Fußmarsch recht erschöpft. Hier wohnte also Helvetius Severus, den er bei einem irrtümlichen Versuch in der Casa Helvetia nicht angetroffen hatte. Stattdessen hatte man ihn an dieses Haus verwiesen, von dem Scaeva nun hoffte, dass es auch wirklich das Richtige war. Ein Blick gen Himmel verriet, dass es schon bald dunkeln würde und er überlegte tatsächlich noch einmal ernsthaft, ob er seinen Cousin noch an diesem Abend stören sollte, oder ob ein Gasthaus irgendwo in der Subura nicht viel angebrachter war. Immerhin wurde er ja nicht einmal erwartet. Lange war es her, seit sie sich das letzte Mal begegnet waren. Er selbst war noch ein Kind gewesen. Ein Kind, aus dem nun ein junger Mann geworden war, der es sich zum Ziel gesetzt hat ein waschechter Soldat zu werden. Würde sein Vetter ihn überhaupt erkennen? Noch einmal biss Scaeva in die Frucht, ehe er sie achtlos beiseite warf und auf die Tür zu hielt. Dabei schulterte er den Sack, der seine wichtigsten Habseligkeiten enthielt. Auf der Reise von Ostia nach Rom hatte er sich nicht mit allzu viel belasten wollen und das meiste von dem was er brauchen würde, würde er sowieso mehr oder minder gestellt bekommen. Darüber hinaus reichte das Geld, welches er mitgenommen hatte gewiss noch eine Weile. Auch um sich alles Nötige im Zweifelsfall zu kaufen. Vor der Türe angekommen atmete er noch einmal tief durch, überwand auch den letzten Zweifel und Gedanken an eine Herberge und klopfte kräftig gegen das hölzerne Türblatt.

  • Es war mal wieder ein langer Tag gewesen. Der Aufstieg in die Kanzlei wollte mühsam erarbeitet werden und grade die Einladung zum Vorstellungsgespräch ließ noch auf sich warten. so galt es für Severus, seine Arbeit in der städtischen Schreibstube so gut wie möglich zu erfüllen, um sich auch weiterhin für das Primiceriusamt auf dem Palatin zu empfehlen. Wie meist in den letzten Wochen war er auch heute wieder recht spät zu Hause angekommen, und hatte sich dann ein kleines aber feines Abendessen von seinem Sklaven herrichten lassen. Die Abendstunden nutzte er nämlich stets für seine Regeneration, denn auch wenn er arbeiten und sich anstrengen wollte, schließlich strebte er nicht weniger als den Ritterstand und die Übernahme einer kaiserlichen Procurator an, brauchte der Mensch doch auch Pausen und diese nahm sich der Helvetier immer am Abend.


    Grade hatte er sich aber zum Essen gesetzt, da klopfte es auch schon an der Tür. Das konnte doch nicht wahr sein! Hoffentlich war es keiner der Nachbarn, die sich nur allzu gern über irgendwelche Nichtigkeiten aufregten, und erst recht nicht der alte Hausbesitzer, der sich zu Severus' Leidweisen zu einer Art Centurio Statuorum des Haus aufgeschwungen hatte und mit harter Hand die von ihm aufgestellte "Hausordnung" auch durchzusetzen. Nicht, dass es Severus nicht guthieß, dass man es hier mit klaren Regeln zu tun hatte, nein, das Problem war, dass der Verwalter die Regeln wilkürlich zu ändern pflegte. Severus konnte dem mit seinem mittlerweile selbst zusammengesuchten juristischen Kenntnissen gut etwas entgegensetzen und da ihm, und nicht mehr dem Hausbesitzer, diese Wohnung gehörte, hatte der herrschsüchtige Fundanius ohnehin nicht mehr viel zu melden.


    Unmotiviert schlurfte der Sklave derweil zur Tür, öffnete sie und sagte seinen auswendig gelernten Spruch. Salve! Wer bist du und was möchtest du? Severus hatte ihn angehalten, grade bei Fremden notfalls auch auf Höflichkeiten zu verzichten, vor allem, wenn der Helvetier am Abend seine Ruhe haben wollte. Dennoch spitzte Severus im Triclinium die Ohren, um zu hören, wer ihn zu dieser Zeit störte.

  • Noch einmal rückte er sich den schweren Sack auf dem Rücken zurecht, während er wartete. Dabei kreisten seine Gedanken noch um seinen Cousin Severus und der Empfang, der ihm bevor stand. Viele Worte hatte er sich zugegebenermaßen nicht zurecht gelegt, obwohl er auf dem langen Fußmarsch eigentlich genug Zeit gehabt hätte. Große Worte, die viel Planung erforderten waren nun eben einmal nicht seine Welt und wie es schien machte dieser Umstand nicht einmal bei einem verwandtschaftlichen Besuch eine Ausnahme. Spontanität war also gefordert und diese umso mehr, als ein Sklave die Türe öffnete und rau und schmucklos fragte, wer er sei und welches Begehr er denn hatte. Scaeva räusperte sich und setzte ein leicht schräges, aber verlegen wirkendes Lächeln auf, während er dem Unfreien entgegen blickte. “Salve! Ich bin Quintus Helvetius Scaeva und ich bin hier, in der Hoffnung meinen Cousin anzutreffen. Helvetius Severus. Wohnt er hier?“ Nach der kleinen, vergeblichen Odyssee in die Casca Helevetia war dies immerhin eine berechtigte Frage. Schließlich befanden sich Häuser genug in der Straße, um sich in der Tür zu irren. Es blieb allerdings zu hoffen, dass er nach der Wegbeschreibung nun auch an der richtigen Schwelle stand.

  • Ein weiterer Helvetier also. Einige Augenblicke wirkte der Sklave uneins darüber, was er tun sollte, doch war schnell eine Stimme aus der ersten Tür auf der rechten Seite zu hören. Lass ihn rein! rief Severus seinem Sklaven zu, der daraufhin sofort den Weg freimachte, während sich Severus von seinem Platz erhob, um den Gast zu empfangen. Danach führte der Sklave Scaeva in den Raum, aus dem man vorher die Stimme gehört hatte. Dort stand ein Tisch mit drei Stühlen - denn wenn er alleine war, nutzte Severus die Klinen, die am Rand des Raum aufgestellt waren, normalerweise nicht. Auf dem Tisch war ein kleines Abendessen mit Hühnerfleisch, Puls, Brot, Olivenöl und einem Krug verdünnten Wein vorbereitet. Severus besah sich dabei seinen Cousin. Salve! Ich bin Marcus Severus, und wenn du tatsächlich Quintus Scaeva bist, kannst du mir sicherlich etwas über unseren Großvater erzählen. stellte er gleich klar, dass er hier nicht jeden Dahergelaufenen an seinen Tisch einladen würde. Bereits, sowohl eine Einladung auszusprechen, als auch einen hinter einer Kommode versteckten Knüppel hervorzuziehen, blickte er den jungen Mann an, der sich an der Tür als Helvetier vorgestellt hatte. Mal schauen, ob er seine Behauptung mit Fakten unterfüttern konnte.

  • Offenbar stand man hier in diesem Haus Besuchern skeptisch gegenüber. Ob er doch die falsche Tür gewählt hatte? Oder lag es an der Uhrzeit? Scaeva schaute dem unschlüssigen Sklaven fragend entgegen, bis dann eine Stimme aus dem hinteren Zimmer mitteilte, dass er eintreten dürfe. Also galt es nun dem Diener zu folgen, was der junge Helvetier auch tat und es dabei nicht unterlassen konnte, sich ein wenig umzusehen. Vor Reichtum strotzte die Wohnung nicht gerade, doch prunkvoll ausgestattete Räume waren auch nicht das, was er erwartet hatte. Falls er überhaupt irgendetwas erwartet hatte. Wie er bereits richtig vermutete, gehörte die Stimme zum Hausherrn, also zu Severus, dem auch nun gegenüber stand und offenbar beim Abendessen störte. Ein wenig neigte Scaeva nun den Kopf, blickte seinem Cousin entgegen und ließ ein Lächeln erstrahlen. Eindeutig Severus. Seine Gesichtszüge waren vielleicht ein markanter und männlicher geworden seit dem letzten Mal als sie sich gesehen hatten, doch er war es eindeutig. Scaeva hatte ihn sofort wieder erkannt. Doch andersherum schien es definitiv nicht so zu sein. Sein Cousin betrachtete ihn zwar, doch Anzeichen eines Erkennens schien es nicht zu geben. “Ja, ich bin es tatsächlich! Quintus Scaeva!“ Er trat einen Schritt auf Severus zu, doch hielt er gleich wieder inne. “Über unseren Großvater?“ Wollte Severus auf diese Weise also sicher gehen, keinem Schwindler gegenüber zu stehen? “Du erkennst mich wirklich nicht!? Unser Großvater, Marcus Helvetius Verus… er… er...“ Nun musste Scaeva doch leise auflachen. Es war so sonderbar da zu stehen, vor jemandem, der ein naher Verwandter war und etwas über Großvater erzählen zu sollen. “Nun, er wurde in den Stand eines Eques erhoben, war zuvor Praeco Regiae und schließlich Primicerius a libellis. Ein Mann von großer Würde und Ansehen, der sich auf sein Landgut in Fregellanum zurückgezogen hatte.“ Seines ersten Auflachens ungeachtet, brachte die Scaeva diese Worte recht sachlich und nüchtern hervor. “Er… lebte dort und hat dich bei sich aufgenommen, nachdem deine Eltern.... An dieser Stelle sprach er besser nicht weiter, denn er wollte nicht an alten Wunden rühren. Du musst mich doch noch erkennen!“, sagte er stattdessen. “Ich war als Kind dort mit meiner Mutter und Vater.“ Fieberhaft dachte er nach, wie er noch mehr Belege für seine Identität hervorbringen konnte “Marcus Geta und Priscilla!?“ Überfordert hob er nun etwas die Arme an und ließ sie wieder sacken.

  • Severus blieb ruhig und mit jedem Wort seines Gegenübers schwand mehr und mehr sein Misstrauen gegenüber dem jungen Mann. Es stimmte alles, Großvater Verus, der Primicerius gewesen war und dem Severus ja bekanntermaßen nacheiferte, das Gut in Fregellanum, sein Onkel Geta und dessen Frau Priscilla, die die Eltern seines Cousins Quintus Scaeva waren. Zufrieden nickte er. Natürlich habe ich dich erkannt, Scaeva. Aber hier in Rom weiß man nie. Hinterher kommt noch jemand, der zwar aussieht wie du, sich hier aber nur eine billige Unterkunft verschaffen und danach meine Geldkiste ausräumen will. Nicht, dass da sonderlich viel drin war, aber nichts war dann im Endeffekt deutlich weniger als ein wenig. Er grinste seinen Cousin an, trat dann auf ihn zu und reichte ihm die Hand. Aber erstmal herzlich Willkommen in meiner bescheidenen Habitatio. sein Ton war freundlicher geworden, zwar immer noch etwas distanziert, da der Helvetier nicht wusste, was Scaeva nun eigentlich hierher gebracht hatte, aber deutlich freundlicher als die erste Testfrage. Darauf folgte nun eine Einladung an den Tisch. Setz dich doch bitte. Ich habe keine Gäste erwartet, aber sicher wird sich noch was in der Vorratskammer finden lassen. Ein strenger Blick zu dem Sklaven genügte und schon verschwand er in den kleinen Raum, der sowohl als Vorratskammer, als für die Zubereitung von Speisen genutzt wurde.


    Als der Sklave schließlich mit einem weiteren Schale gefüllt mit den Dingen, die bereits auf dem Tisch standen, und einem zweiten Becher zurückkehrte, hatte sich Severus mittlerweile wieder an seinen Platz gesetzt. Der Helvetier nickte dem Sklaven zu, der sich daraufhin wieder unsichtbar machte, und wandte sich dann seinem Verwandten zu. Nun, bedien dich und erzähl mir dabei, was dich in die Stadt führt. Scaeva wohnte ja eigentlich in einem Landgut nahe Ostia und hatte sich auch nicht angemeldet - daher auch die Vorsichtsmaßnahme mit der Testfrage.

  • Immerhin schienen die Informationen über Helvetius Verus ausreichend gewesen zu sein, denn ein zufriedenes Nicken folgte. Severus musste ein sehr vorsichtiger Mann geworden sein, wenn man seine Worte und seinen Auftreten bedachte. Sicherlich war Rom kein sicheres Pflaster, doch darob einfach zu vermuten, jemand anderes würde sich für seinen Cousin ausgeben? Unwillkürlich musste Scaeva ein wenig schmunzeln, denn er gehörte eigentlich nicht zu jenen, die jedermann gleich das Schlechteste unterstellten. Wie sollte er auch? Im Grunde kannte er das Leben und Streben subversiver Elemente in Rom gar nicht, denn das Landgut in der Nähe von Ostia war immer ein recht beschauliches Fleckchen Erde gewesen, das viel Getreide und Oliven, weniger aber Kriminalität abgeworfen hatte. Scaeva reichte Severus die Hand und drückte diese kräftig, ehe er das Grinsen seines Cousins erwiderte. “Danke für das Willkommen!“, sagte er dann, legte den schweren Sack ab und setzte sich auf die Aufforderung hin auf einen der Stühle. “Du brauchst dir keine Umstände zu machen. Ich habe bereits auf dem Weg hier her etwas gegessen.“ Doch der Sklave war auch schon unterwegs zu einem kleinen Raum, der wohl die Vorräte beherbergte.


    Die Augen es jungen Helvetiers wanderten über die Schalen mit Hühnerfleisch und Puls. Vielleicht wäre es nicht so freundlich, wenn er nun die Gastfreundschaft seines Cousins diesbezüglich ausschlug. Schließlich schien dieser nun nicht mehr ganz so abweisend zu sein, wie es auf den ersten Eindruck erschienen war. “Aber ein bisschen mehr kann nie schaden! Wer weiß, wann man wieder etwas bekommt!“ Er griff nach ein paar Oliven und behielt sie einen Moment lang in der Hand. Severus wollte wissen, was ihn in die Stadt geführt und eigentlich war diese Frage berechtigt und nicht ganz so schwer zu beantworten. “Nun, ich war schon lange Zeit dazu entschlossen, in Vaters Fußstapfen zu treten. Du kanntest ihn ja. Er war ein hervorragender Centurio, der immer seinen Beitrag geleistet hatte. Meine Brüder wollten ihm ja schon nacheifern, aber dann… war das Schicksal nicht gnädig mit ihnen.“ Gerne dachte er nicht an seine Brüder zurück, denn nichts was er tun oder sagen könnte würde sie jemals wieder lebendig machen. Somit war es auch eine Ehre ihnen, und nicht nur Marcus Geta nachzueifern, doch ganz so wollte er es dann doch nicht formulieren. “Vielleicht ist es mir auch auf dem Landgut ein wenig zu langweilig geworden und ich mochte Mutter nicht mehr beim Nähen und Herumkommandieren zusehen.“ Er lachte wieder leise. “Naja, und da dachte ich, ich statte der Verwandtschaft einen Besuch ab, ehe mir das nicht mehr ohne Weiteres möglich ist. Ich war auch schon bei der Casa Helvetia, doch dort hat man mich an diese Adresse verwiesen. War gar nicht leicht zu finden.“ Scaeva schaute Severus entgegen und schob sich eine Olive in den Mund.

  • Severus war gegenüber der ewigen Stand nicht nur mit ein paar Vorurteilen gesegnet. seine Eltern waren beide durch einen Überfall getötet worden, kaum dass sie in die ewige Stadt umgezogen waren. Das Misstrauen des Helvetiers mochte daher weiter ausgebildet sein, als bei den Menschen in seiner Umgebung, und wenn er sich nicht entschieden hätte, sich von seinen Verwandten in Fregellanum zu lösen und seinen eigenen Weg in Rom zu gehen, würde er wahrscheinlich irgendwo auf dem Land oder ein Stadt ein ruhigeres Leben verbringen. Doch ging es hier ja nicht nur um ihn, sondern auch um den Namen seiner Familie, ja, seiner ganzen Gens, sodass er nun tat, was er tun musste.


    Mit einem weiteren Nicken quittierte er die Annahme der Essenseinladung und bediente sich selber am Fleisch und bestrich eine Scheibe Brot mit etwas Olivenöl. Danach hörte er zu, was sein Cousin zu berichten hatte. Ein weiterer Soldat in den Fußstapfen von Onkel Geta, also. Sehr löblich, wenn natürlich auch gefährlich. kommentierte er dann den Plan Scaevas und schüttete sich und ihm verdünnten Wein in den Becher. Ich nehme an, deine Mutter ist nicht wirklich begeistert davon, zumal sie ja bereits ihren Mann und deine Brüder an den Exercitus verloren hat. fügte er dann noch stirnrunzelnd hinzu. Eigentlich musste ihn ja die Meinung der Oppia nicht wirklich interessieren, denn die Aussicht darauf, einen Verwandten in den Reihen der Stadtkohorten zu wissen, ließ seine Planungen wieder vorantreiben. Würde er es in die Kanzlei schaffen und als leitender Schreiber in der Abteilung für Verwaltungs- und Militärkontakt arbeiten, könnte er womöglich sogar den Aufstieg seines Vetters vorantreiben und hätte im Gegenzug einen Kontakt in der lokalen Sicherheitstruppe.


    Ein weiteres Thema war die Casa Helvetia und da musste Severus unwillkürlich mit den Augen Rollen. Ja, Tiberius Varus aus dem Ostia-Stamm, der in seiner eigenen Casa an der Via Tusculana wohnt, und Cousin Marcus Commodus, dem noch immer die eigentliche Casa Helvetia auf dem Esquilin gehört, haben sich beide auf ihre Landgute zurückgezogen. Der eine wegen einer Frau so glaubte Severus der andere wegen einer weniger erfolgreichen Amtszeit. Seitdem stehen beide Häuser leer, leider. Und soweit er wusste standen damit auch die in Familienhand liegenden Betriebe und Verkaufsstellen still. Er wollte gar nicht wissen, wie viel Geld den Helvetiern dadurch durch die Lappen ging.

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