[Templum Apollonis Granni Mogonis] Die Ausbildung des Helvetius Curio

  • TEMPLVM APOLLONIS GRANNI MOGOUNIS
    DIE AUSBILDUNG DES IULLUS HELVETIUS CURIO


    Der Tempel des Apollo Mogon befindet sich im Stadtzentrum Mogontiacums. In einem der Nebenräume des Tempels findet der Unterricht für Iullus Helvetius Curio statt, den der Aedituus des Heiligtums, Livianus Pythermon, persönlich durchführt.

  • Livianus Pythermon


    Nachdem sie im Nebenraum angekommen waren, setzte der alte Aedituus sich ächzend auf einen Scherenstuhl, neben dem auch ein Hocker für Curio stand. Mit einer Geste bedeutete er ihm, sich zu setzen.


    "Dann erzähle mir mal ein bisschen, was du bereits weißt. Was kannst du mir zur Pax Deorum sagen? Was ist das und welche Rolle haben wir Menschen dabei?"


    begann er direkt mit ein paar Fragen.





    MPC

  • Curio setzte sich auf den kleinen hocker und schaute besorgt zum Aedituus, der sich nur mühsam auf seinen Stuhl setzen konnte. Dann aber kamen die Fragen, der junge Helvetier hörte genau zu, atmete einmal tief ein und aus, wobei er sich nochmal in Erinnerung rief, was der Aedituus in Noviomagus ihm erzählt hatte und antwortete dann langsam und mit lauter Stimme auf die Fragen.


    Die Pax Deorum, ist der Friede zwischen der Göttern und uns Menschen. Dieser ist wichtig, da wir auf das Wohlwollen der Götter angewiesen sind. Damit dieser Frieden erhalten bleibt, ist es die Aufgabe des Menschen, also... unsere Aufgabe, alle Kulthandlungen entsprechend der althergebrachten Regeln durchzuführen. Wir, als Priester, sind natürlich besonders angehalten, diese Regeln weiterzutragen und allen, die Kulthandlungen durchführen wollen mit Rat und Tat, zur Seite stehen, wenn es notwendig ist.


    Curio machte eine kurze Pause. Das laute Sprechen war er nicht gewöhnt, atmete daher ein weiteres Mal tief durch und fuhr dann fort.


    Sollte dann doch Verstöße gegen die althergebrachten Regeln vorkommen, was wir nicht hoffen wollen, geben und die Götter Zeichen, dass sie mit uns nicht zufrieden sind. Meistens sind dies Zeichen der Natur, wie ein Blitzeinschlag, aber auch verlorene Schlachten. Jedoch können die Zeichen sehr unterschiedlich ausfallen. Diese Zeichen bezeichnen wir als Prodigia. Auch hier sind wir Priester aufgerufen, die Augen aufzuhalten, damit ein solches Prodigium nicht übersehen wird.


    Erneut machte Curio eine Pause und legte sich die nächsten Worte zurecht.


    Ist der göttliche Frieden dann aber tatsächlich gestört, können und müssen verschiedene Sühnehandlungen durchgeführt werden. Darunter die Lustratio oder ein Sühneopfer.


    Bislang hatte es Curio noch nicht mit Prodigien zu tun gehabt, sodass er auch die praktische Umsetzung solcher Sühnehandlungen nicht kannte. Und natürlich hoffte er auch, dass es zumindest hier in Mogontiacum nicht zu einem Bruch der Pax Deorum kommen könnte.

  • Livianus Pythermon


    Zufrieden nickte Livianus - die Antwort des jungen Mannes sprach dafür, dass er sich schon intensiver mit dem Kult befasst hatte.


    "Sehr richtig. Aber wer ist dann für die Pax Deorum zuständig? Wer entscheidet darüber, ob so etwas vorliegt und wer übernimmt die Entsühnung?"


    fragte er direkt weiter.





    MPC

  • Curio dachte einige Augenblicke nach, wobei er die Stirn leicht kräuselte.


    Na ja, eigentlich entscheiden die Götter, ob der göttliche Frieden gestört ist. Wenn dem so ist, geben sie uns Zeichen dafür und wir müssen diese Zeichen melden. In Rom entscheidet dann der Senat gemeinsam mit den Quindecimviri, dem Collegium Pontificium und den Haruspices. Was ich mich dabei aber immer gefragt habe, ist, ob die Meldung immer nach Rom gehen muss, oder ob auch die lokalen Magistrate und der Ordo decurionum darüber entscheiden können. Schließlich brauchen Nachrichten von hier nach Rom und zurück ja auch immer eine gewisse Zeit.


    antwortete Curio, stellte aber auch gleichzeitig eine Frage. Aber schließlich war er ja hier, um zu lernen.


    Die Entsühnung wird dann von den Magistraten und den Priestern durchgeführt, wobei auch oft das Volk miteinbezogen wird.

  • Livianus Pythermon


    "Das hängt immer von der Bedeutung der schlechten Zeichen ab - sie können nur lokale Bedeutung haben oder größere Tragweite. So ist davon auszugehen, dass ein Blitzeinschlag oder ähnliches wohl eher darauf hinweist, dass die Götter vor Ort unzufrieden sind. Solche Fälle müssen auch unsere Pontifices vor Ort in Absprache mit dem Ordo Decurionum beurteilen. Der plötzliche Tod eines Statthalters oder ein Erdbeben, das gleich ganze Regionen zerstört, muss dagegen auch nach Rom gemeldet werden. Auch das entscheiden dann aber unsere Pontifices."


    antwortete er auf die Frage des Schülers. Alles andere hatte er natürlich sehr richtig gesagt, weshalb es hier bestenfalls eines Zusatzkommentars bedurfte:


    "Die Magistrate sollten wir generell nicht vergessen. Wir Aeditui, aber auch die Pontifices sind zwar die Spezialisten des religiösen Bereichs und erledigen manche Dinge selbstständig. Grundsätzlich repräsentieren aber die Magistrate unsere Gemeinschaft und vertreten sie vor den Göttern und wir sind in erster Linie als ihre Berater zu verstehen."


    Natürlich würde Curio dies auch schon selbst festgestellt haben - immerhin wurden die meisten öffentlichen Opfer ja auch von einem Magistraten durchgeführt. Aber sicherheitshalber wies Livianus noch einmal darauf hin.


    "Kommen wir zu den Göttern. Du hast gesagt, du hast im Tempel des Saturn gedient - welche weiteren wichtigen römischen Götter kennst du? Wofür sind sie zuständig? Und kennst du die Namen, unter denen sie von den Germanen und Kelten verehrt werden?"





    MPC

  • Curio nickte verstehend und machte sich nun auch die ersten Notizen. Als dann die Sprache auf die Götter kam, wusste Curio genau was er sagen musste. Die römischen Götter kannte er durch die Bank weg, noch aus seiner Arbeit im letzten Tempel, bei den germanischen Entsprechungen müsste er allerdings teilweise länger überlegen. Da er da - zu seiner eigenen Schande - teilweise weniger gut aufgepasst hatte.


    Also, da gibt es einmal die zwölf Dei consentes An erster Stelle natürlich Iuppiter, den Göttervater, der auch besonders als Schwurgott und Gott für Donner und Blitz verehrt wird. Daher wird er als Donar oder Thor verehrt. Aber auch als Odin, der germanische Göttervater.


    Juno, seine Ehefrau, und Göttin der Frauen und der Familie. Sie wird von den Germanen als Frigg verehrt.


    Weiterhin ist Minerva die Göttin der Weisheit, hat aber noch zahlreiche weitere Aufgaben, insbesondere als Handerwerkergöttin, aber als Göttin der strategischen Kriegsführung. Iuppiter, Juno und Minerva bilden zusammen die Kapitolinische Trias.


    Neptun ist für die Meere zuständig, aber auch für Erdbeben. Bei ihm weiß ich nicht, ob er von den Germanen verehrt wird.


    Vesta ist die Göttin des Herdes, aber auch eine wichtige Staatsgöttin, da sie den Staatsherd beschützt. Ihre Bedeutung wird durch ihre besondere Priesterschaft, die Vestalinnen, unterstrichen.


    Mars ist der Gott des Krieges und der Soldaten. Er wird unter verschiedenen Namen verehrt, hier in der Umgebung vor allem als Leucetius, in anderen Regionen Germaniens aber auch als Tyr.


    Venus ist die Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit. Von den Germanen wird sie als Freya verehrt.


    Besonders wichtig für uns ist natürlich Apollo. Er ist Gott der Kunst und des Gesundheit, aber auch ein Orakelgott. Hier in Mogontiacum ist er ja Stadtpatron, und wird daher als Mogon verehrt, aber auch als Grannus.


    Diana ist die Göttin der Jagd.


    Vulcanus ist der Gott des Feuers und Schutzherr der Schmiede.


    Ceres ist die Göttin der Ernte und der Felder.


    Und schließlich Mercurius als Gott der Händler und Götterbote. Auch er wird teilweise als Odin verehrt, wobei ich da die Verbindungslinien nicht so ganz verstanden habe.


    So, lange Ausführung, einiges fehlte, einiges hatte er genannt. Natürlich würde er sich einige Notizen machen müssen, und so griff er den Stilus in der Hand wieder fester.

  • Livianus Pythermon


    Der Alte war einigermaßen beeindruckt, als Curio prompt alle Dei consentes aufzählte, angefangen bei Iuppiter bis hin zu Mercurius nannte.


    "Mercurius ist gerade für die Kelten hier ebenfalls sehr wichtig. Er wird hier zusammen mit seiner Göttergattin Epona verehrt. Ebenso Mars mit Nemetona - du siehst also, dass die Leute hier gern Götterpaare verehren."


    erklärte er zuerst, bevor er auf die Frage seines Schülers einging:


    "Für die Germanen und Kelten haben die Götter teilweise andere Zuständigkeiten oder ein Gott vereint Aufgaben auf sich, die bei uns von verschiedenen Göttern übernommen werden und umgekehrt. Deshalb nennen die Germanen die Gottheit, die wir Iuppiter nennen, teils Odin, denn er ist ihr Göttervater, und teils Thor, denn er ist ihr Gott des Donners und der Blitze. Mercurius ist unser Götterbote, der den Himmel durchreist. Diese Funktion wird von den Germanen aber ebenfalls Odin zugesprochen, sodass sie diesen Aspekt ebenso nennen. Man kann es ein bisschen damit vergleichen, wie bei uns Römern auch bestimmte Beinamen vergeben werden, je nachdem, welchen Aspekt einer Gottheit wir gerade anrufen: Beispielsweise bei uns Iuppiter Optimus Maximus, wenn es um den Schutzherrn des Imperium geht, aber Iuppiter Feretrius, wenn er unsere Eide garantieren sollen oder Iuppiter Victor, wenn ein Feldherr ihn als Siegbringer verehrt. Genauso können wir also auch die regionalen Namen von hier als Beinamen verwenden und dann gibt es eben einen Mercurius Odin und einen Iuppiter Odin. Obwohl hier im Süden eigentlich die gallischen und keltischen Götternamen fast noch wichtiger sind. Da wäre Mercurius etwa mit Lug oder Esus gleichzusetzen. Oder Iuppiter mit Taranis. Apollo wird übrigens auch noch als Belenus bezeichnet."


    Er wartete, bis Curio sich dazu Notizen gemacht hatte.


    "Für uns hier in Mogontiacum ist es wichtig, die Gebräuche der Gallier und Germanen gut zu kennen, wie du schon siehst. Weißt du, wo und wie diese Völker ihre Götter verehren?"





    MPC

  • Fleißig mitschreibend nickte Curio wieder verstehend und notierte sich dabei die wichtigsten Punkte, die Livianus ihm dann eröffnete. Die nächste Frage jedoch eröffnete noch etwas anders, nämlich den großen weißen Fleck, eine weitrechende Terra incognita seines Wissens über die germanischen und gallischen Rituale. Der alte Aedituus, der ihn nahe seiner Heimatstadt ausgebildet hatte, kam selbst nicht aus dieser Region, sondern aus Italia und sprach zwar viel über die Götter, ihre Aufgaben und wie man sie verehrte, bei den Germanen und Kelten wusste er aber selbst nicht weiter... Schade ab auch. Da musste Livianus dann doch noch von vorne anfangen.


    Über die gallischen und germanischen Rituale kann ich dir leider nichts sagen.


    antwortete Curio daher ehrlich, obwohl es ihm unangenehm war, dies so offen auszusprechen.

  • Livianus Pythermon


    Der Alte nickte wieder.


    "Das ist kein Problem, denn sie sind nicht sonderlich kompliziert: Die Gallier haben eine eigene Priesterkaste, die Druiden. Vielleicht hast du schon von ihnen gehört - sie wurden gelegentlich verfolgt, weil sie das Volk zum Aufstand angestachelt haben. Auch für die Germanen gibt es etwas vergleichbares, die Goden. Sie bilden aber keinen eigenen Stand wie die Druiden.


    Ihre Rituale brauchen uns aber nicht weiter zu beschäftigen - sie werden nur intern weitergegeben und sind oft auch geheim. Was uns eher interessieren sollte, sind die Riten, die die einfachen Menschen vollziehen: Sie verehren ihre Götter nicht in Tempeln, sondern unter freiem Himmel, oft in heiligen Hainen oder Mooren. Die Gallier haben aber auch richtige Kultstätten, die oft irgendwie eingefriedet sind. Dort stellen sie auch manchmal Kultbilder auf. Diese sind allerdings ziemlich grobschlächtig, wenn man sie mit dem vergleicht, was in unseren Tempeln steht.


    Dort bringen sie ihren Göttern auch Gaben dar, so ähnlich wie wir. Allerdings munkelt man, dass die Germanen auch Menschen opfern - allerdings habe ich noch nie einen Germanen getroffen, der das getan hätte.


    Wichtig für uns ist also, dass die Opfergaben oft direkt der Natur übergeben werden und nicht auf den Altar gelegt werden. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass jemand sein Trankopfer hier im Tempel direkt in die Quelle schüttet. Oder dass es hier traditionelle Prozessionen um den heiligen Ort gibt - hier bei uns durch den Gang rund um die Cella. Aber dazu werden wir ein andermal kommen."


    Er schien kurz nachzudenken. Dann hatte er offensichtlich den Faden wiedergefunden:


    "Weißt du noch etwas mehr über Apollo Grannus Mogon?"





    MPC

  • Wieder notierte sich Curio stichpunktartig die Ausführungen des Livianus, wobei er schauen musste, dass er klein genug schrieb, um die Tabula nicht allzu früh vollzuschreiben. Zum Glück hatte er ohnehin eine relativ kleine Handschrift, sodass ihm das nur geringe Probleme bereitete. Nachdem der Aedituus mit seinen Ausführungen zu den Kulten der Germanen und Gallier geendet hatte, schaute Curio wieder hoch, um die nächste Frage zu beantworten.


    Soweit ich weiß fallen bei Apollo Grannus Mogon einige Eigenheiten auf. Durch die Verehrung als Apollo Grannus Mogon wird vor allem Apollos Verbindung zu Gesundheit und Krankheit betont. Auch weiß ich von einigen Heilquellen, in denen uns Apollo Grannus seine Heilungskräfte zukommen lässt.


    führte Curio aus, wobei das jetzt auch nicht allzu viel war. Aber immerhin, besser als nichts.

  • Livianus Pythermon


    "Heilquellen sind genau das richtige Stichwort. Sie sind nämlich quasi der Grund, warum wir davon ausgehen können, dass Grannus oder Mogon die einheimischen Namen für Apollo sind. Auch hinter dem Tempel hier gibt es eine solche Quelle. Wer von ihr trinkt, erhält Linderung bei seinen Leiden - vor allem den Schmerzen in den Gelenken. Diese Kraft ist eine Gabe des Gottes, die wir ebenfalls zu verwalten haben."


    Tatsächlich kamen häufig Leute, die sich etwas von dem heilenden Wasser abzapfen wollten, um regelmäßig davon trinken zu können. Gegen eine kleine Spende für das Heiligtum war dies auch jederzeit möglich.


    "Diese Quelle ist von so großer Bedeutung, dass ihr Besitzer Apollo Mogon sogar namensgebend für diese Siedlung wurde. Aber wenn wir uns etwas mehr den "klassischen" Aspekten des Apollo zuwenden - kennst du Mythen über ihn? In welchen Bereichen wird er noch verehrt?"





    MPC

  • Das Wort Heilquellen notierte sich Curio besonders dick und umkreiste es auch nochmal. Hier im Tempel würde also auch eine Hauptaufgabe darin bestehen, diese Quellen zu verwalten und zu pflegen. Somit übernahm er fast schon Aufgaben, die schon in die Felder einer Taberna Medica fielen. Vielleicht würde es sich ja anbieten, bei Alpina eine Grundlagen der Medizin in Erfahrung zu bringen und eventuell käme ja auch eine Kooperation mit den Tabernae medicae in der Stadt in Frage, wenn es mal darum ging, körperlich Kranke auch langfristig zu behandelten.


    Schon schweiften Curio Gedanken kurz ab, doch dann konzentrierte er sich wieder auf die Ausführungen und Fragen von Livianus. Nun ging es also um den Apollomythus. Curio wissen darüber war jedenfalls recht gering, da er sich im letzten Tempel vor allem mit dem Saturnmythus beschäftigt hatte. Einige grundlegende Sachen wusste er aber noch.


    Apollo ist zudem der Gott der Voraussicht und wird weiterhin im griechischen Delphi verehrt, wo ein Orakel von ihm steht, aber auch das Orakel im italischen Cumae steht dem Apollo nah.


    antwortete Curio daher erstmal mit einer weiteren wichtigen Aufgabe des Apollo, die jedoch den Mythus nur anschnitten.


    In diesem Zusammenhang steht er auch den Sybillen nahe. Allerdings weiß ich nicht, wie die Verbindung da genau aussieht.

  • Livianus Pythermon


    "Apollon ist auch der Gott der Orakel, sehr richtig. Der Zusammenhang sind wohl auch die Künste. Aber es gibt auch einen Mythos hierzu - er wird über das Orakel von Delphi erzählt:


    Iuno war eine Enkelin Gaias. Gaia prophezeite ihrer eifersüchtigen Enkelin, dass Leto, ihre Nebenbuhlerin und eine der Geliebten Iuppiters', dereinst Zwillinge gebären würde, die größer und stärker als alle ihre Kinder seien. So schickte sie Python, eine tödliche Schlange, los, um Leto zu verschlingen, noch bevor diese ihre Kinder zur Welt bringen konnte. Diese Intrige wurde von Iuppiter verhindert, und Leto gebar Diana und Apollo.


    Eine der ersten Taten Apollos war die Rache an Python für den Anschlag auf seine Mutter. Er stellte sich gegen Python bei Delphi und tötete den Drachen. Durch das vergossene Blut Pythons übertrugen sich dessen hellseherischen Fähigkeiten auf den Ort. So wurde Delphi der Kontrolle Gaias entrissen und befand sich fortan unter dem Schutze Apollons."


    Das war zwar nicht wirklich eine vollständige Erklärung, aber immerhin...


    "Alle Hellseherei geht somit meist auf Apolls Gnade zurück, die er vor allem den Sibyllen geschenkt hat. Weißt du, wo es diese Sibyllen noch jenseits von Delphi gibt?"





    MPC

  • Eine kurze Zusammenfassung des Mythos landete ebenso auf seiner Tabula wie das dick unterstrichene "Orakel von Delphi". Denn letzteres kannte er bislang noch gar nicht. Bei der nächsten Frage von Livianus schluckte Curio kurz. Hatte er wieder zu leise gesprochen? Wahrscheinlich. Er musste sich immer wieder daran erinnern, dass Livianus ja offensichtlich nicht mehr so gut hörte, sodass er immer laut und deutlich sprechen musste. Daher setzte er nun etwas lauter an.


    Ich kenne noch das Orakel im italischen Cumae, wo, soweit ich weiß, auch Sybillen die Kunst der Vorraussicht betreiben.


    Der erwartungsvolle Blick Curios zu Livianus verriet, dass der junge Helvetier eine Reaktion erwartete, was verraten würde, ob er dieses Mal laut genug gesprochen hatte.

  • Livianus Pythermon


    "Sehr richtig! Daneben gibt es aber auch zahlreiche weitere Sibyllen, etwa auf Samos, in Tibur, Erythrai, am Hellespont, in Lybia, in Phrygia und Persia. Sie alle sagen die Zukunft voraus, genauso wie manche andere Seherinnen. Gerade die Germanen haben häufig alte Frauen, denen Apoll das Auge in die Zukunft geschenkt hat."


    Natürlich hatten auch sie hier mit diesem Phänomen zu tun - selbst wenn es in Mogontiacum selbst nach dem Wissen des Aedituus keine Seherin gab.


    "Aber kommen wir zurück zu unserem Apollo Mogon hier in Mogontiacum. Er wird auch Grannus genannt, wie ich schon sagte. Weißt du, mit wem er hier normalerweise verehrt wird?"


    spielte er dann auf die Kultgenossin der hiesigen Gottheit an, denn auch zu ihr kamen immer wieder Gläubige, da sie keinen eigenen Tempel hier besaß.





    MPC

  • Curio runzelte die Stirn und versuchte sich an seinen ersten Besuch des Tempels zu erinnern. Da hatte er doch auch die Statuetten der Kultpartnerin gesehen und eine davon war sogar beschriftet gewesen. Langsam entwickelte sich das dazugehörige Bild in seinem Kopf und schon hatte er einen Namen: Hygeia. Ja klar, als Tochter des Asklepios war sie ebenfalls eine Heilgöttin. Doch da stand doch auch ihre keltische Erscheinungsforum. Irgendwas mit S...


    Seine Kultpartnerin ist Sirona, eine Personifikation von Hygeia.


    sprudelte es dann plötzlich aus ihm heraus, ohne, dass er genau wusste, wo dieser Geistesblitz herkam.

  • Livianus Pythermon


    "Wieder richtig!"


    bestätigte er und erhob sich mit einem Ächzen. An der Wand stand ein Regal mit Buchrollen, von denen er eine herauszog und zu Curio zurückkehrte.


    "Hier ist ein kleines Büchlein über Apollo - das solltest du dir einmal ansehen, wenn du freie Zeit hast. Aber das Wichtigste weißt du ja bereits."


    Damit gab er dem jungen Discipulus das Buch und nahm wieder auf seinem Stuhl Platz.


    "Ich denke, das genügt für heute. Dann kannst du jetzt noch den Weg zum Tempel fegen - die Besen findest du in der kleinen Kammer nebenan!"


    Immerhin sollte der Discipulus ja nicht nur lernen, sondern sich auch nützlich machen! Und Livianus hatte auch noch jede Menge zu tun!





    MPC

  • Curio strahlt über das ganze Gesicht, als seine Antwort erneut von Livianus für richtig befunden wurde. Wieder notierte er sich einige zentrale Sachen auf seiner Tabula, bevor sich der alte Aedituus dann erhob und langsam zun Regal mit den Bücherrollen ging. Dort zog er nach kurzer Suche eine Rolle heraus, blickte kurz hinein, nickte und reichte sie an Curio weiter. Der nahm sie an sich und nickte auf die Aufforderung hin, das Buch zu lesen.


    Das werde ich tun, Aedituus.


    Sodann erhob sich auch Curio und nahm ebenso die Aufforderung auf, den Weg zum Tempel zu säubern.


    In Ordnung, Livianus, ich hole mir dann den Besen. Vale und bis morgen.


    sagte er dann, bereits in freudiger Erwartung auf den nächsten Tag, und verließ den Raum mit der Bücherrolle und holte sich den Besen aus der anliegenden Kammer.

  • Livianus Pythermon


    An diesem Tag hatte Livianus sich vorgenommen, seinem Discipulus endlich an einen Bereich zu führen, der über das Alltagswissen eines guten Römers hinaus ging - aber trotzdem die eigentliche Kernaufgabe des Lebens als Aedituus ausmachte.


    Seufzend setzte er sich deshalb wieder auf seine Cathedra und begrüßte den jungen Mann, der heute Morgen bereits den Auftrag erhalten hatte, einige Kultgefäße zu polieren.


    "Hast du die Paterae schön glänzend geschrubbt?"


    fragte er deshalb, ehe er mit der Lektion begann.





    MPC

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