[Grundausbildung] Flavius Amisius

  • Auf dem Campus außerhalb der Lagermauern oder auf dem Intervallum findet die Grundausbildung der Tirones statt. Hier lernen sie die Grundzüge des Reitens, den Umgang mit Waffen und Rüstung und schreiten schließlich zur Krönung ihrer Ausbildung: Dem berittenen Kampf.


    Die Ausbildung leitet ein Duplicarius unter der regelmäßigen Aufsicht eines älteren und erfahrenen Decurios.


    In dieser Ausbildungsgruppe befinden sich unter anderem der Tiro Flavus Amisius und seine Kameraden Swidger und Vilmar.



    I. Körperliche Ertüchtigung


    II. Grundzüge des Reitens


    III. Waffenübungen
    - Schwertkampf zu Fuß
    - Speerwerfen zu Fuß
    - Schwertkampf zu Pferd
    - Speerwerfen zu Pferd


    IV. Formationen
    - Rechteck
    - Rauten
    - Keil


    Rot = Laufend
    Grün = abgeschlossen

  • Am Tag nach dem Einzug der Ala erschienen die drei Tirones pünktlich kurz vor Sonnenaufgang auf dem Campus außerhalb der Befestigung ihres 'neuen' Castellums. Nachdem man insbesondere auch während der Reisetage einen straffen Zeitplan zu befolgen hatte, fiel es weder Amisius noch Swidger oder Vilmar schwer, sich rechtzeitig von ihrem Nachtlager zu trennen. Vorsorglich hatten sie alle jeweils ihre Ausrüstung am Mann, da die Erfordernis von Märschen mit vollem Gepäck im Voraus nie auszuschließen war. Nacheinander reihten sie sich bei ihren Kameraden auf, wobei die beiden "Voll-Germanen" noch etwas gemächlicher und mit etwas Abstand, gedämpft plaudernd, hinter Amisius hinterdrein trotteten. Sie schienen es nicht nötig zu haben, sich von dem anstehenden Training aus der Ruhe bringen zu lassen. Der "Halb-Germane" hingegen machte einen deutlich eifrigeren, nervöseren Eindruck. Er vergegenwärtigte sich nicht erst in diesem Moment die Tatsache, dass man es fortan mit neuen Ausbildern zu tun bekäme, die er bis dato noch nicht einschätzen konnte. Folglich war er sehr darauf bedacht, diesen ersten Eindruck nicht zu vermasseln und sich nicht gleich von Beginn an in das Zentrum der Aufmerksamkeit ihres neuen Ausbilders zu begeben. Ohnehin würde er als einer der jüngeren und neueren Tirones schon früh genug noch mit dem Erfahrungsvorsprung seiner Kameraden - darunter auch Swidger und Vilmar - zu kämpfen haben.


    So war es auch Amisius, der seinen kleinen räumlich-zeitlichen Vorsprung nutzte, die formelle Meldung ihrer Anwesenheit beim Ausbilder zu machen. "Ave, Duplicarius. Die Tirones Flavus Amisius, Swidgar und Vilmar von der Turma IV melden sich zur Stelle."

  • Duplicarius Labienus

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    Der Duplicarius stand breitbeinig auf dem Campus und betrachtete mit angewidertem Gesichtsausdruck, wie die Tirones sich in Grüppchen oder einzeln auf dem Exerzierplatz einfanden. Der Mann sah aus wie der klassische Menschenschinder. Breites Kreuz, grimmiger Blick, Pranken wie ein Bär und eine Ausstrahlung, die einem das Blut in den Adern gefrieren ließ.


    "Ab ins Glied, Tiro", blaffte er Amisius an, als dieser ordentlich Meldung machte. Der Duplicarius hatte daran offenbar gar kein Interesse, sondern richtete seine Aufmerksamkeit nun vielmehr auf die ganze Gruppe der Tirones, die ungeordnet herumstanden.


    "TIRONES!", brüllte der Duplicarius nun lauthals und in bestem Kasernenhofton. "In aaaaciem veeeenite! Oculos ad proooosam!"
    Die Tirones sollten in Linie antreten und den Blick geradeaus gerichtet halten, so viel stand nun fest. Der Duplicarius brüllte weiter.
    "Ich bin Duplicarius Labienus und ich werde euch Würmer zu richtigen Equites machen!", begann er seine Ansprache. Unter den Tirones waren auch einige ganz frische Burschen, die soeben erst rekrutiert worden waren. Amisius und seine Kollegen zählten somit schon fast zu den erfahreneren unter den Rekruten.
    "Ihr werdet von nun an auf mein Kommando hören. Ihr werdet stehen, wenn ich es befehle, ihr werdet marschieren, wenn ich es befehle. Ihr werdet verdammt nochmal essen und ihr werdet bei Pluto nochmal scheißen, wenn ich es euch befehle.Ich mache aus euch verweichlichten Lappen richtige Soldaten, bis eure Mütter euch nicht mehr wiedererkennen. Und wer mir hier blöd kommt, der kriegt 'ne ordentliche Tracht Prügel, VERSTANDEN?"


    Eine kurze Pause, dann stimmte der Duplicarius scheinbar einen freundlicheren Ton an. "Na gut, dann sehen wir erstmal, ob auch alle von euch da sind...", sprach's und ließ sich von seinem Adjutanten eine Wachstafel reichen. Als Offizier musste man wenigstens rudimentär lesen und schreiben können, weshalb es Labienus nicht allzu schwer fiel, die aufgelisteten Namen der Reihe nach vorzulesen. Wer aufgerufen wurde, meldete sich. Simple Anwesenheitskontrolle.


    Nachdem das erledigt war, warf der Duplicarius den Tirones einen Blick, der töten könnte, zu und stemmte die Arme erneut in die Seiten. Dann brüllte er:
    "Bona dea, jetzt schau sich mal einer diesen Haufen gaffender Schafe an! Steht gefälligst stramm, wenn ich es sage! Rücken durchgestreckt, Kopf hoch, Blick geradeaus!"
    Der Duplicarius marschierte die wackelige Reihe entlang und korrigierte die jüngsten der Rekruten mit recht harschen Griffen. Die Tirones, die bereits in Confluentes die gröbsten Lektionen der Grundausbildung gelernt hatten, waren nicht betroffen, solange sie sich richtig verhielten.
    "Ich sehe schon, hier kommt einige Arbeit auf mich zu. So einen jämmerlichen Haufen Ziegenschiss habe ich schon lange nicht gesehen!"
    Jetzt bringen wir euch erstmal auf Trab. Fünf Runden im Laufschritt um den Campus.


    Ad sinistraaam! PEEERGITE!"


    Die Reihe der Tirones, es waren knapp dreißig junge Männer, sollte nach links drehen und losmarschieren. Labienus marschierte mit, stetig den Rhytmus vorgebend. Der Duplicarius wusste nicht, was die Tirones in Confluentes alles gelernt hatten, aber er würde sie in den nächsten Tagen ausführlich testen. Zuerst würden sie bis an ihre körperlichen Grenzen gehen und anschließend würde er diesen Nichtsnutzen den Umgang mit Pferd und Waffen beibringen. Falls sie es bis dahin durchstanden.



  • Erschrocken zuckte Amisius zusammen, als er doch zuerst geglaubt hatte mit seiner Meldung alles richtig zu machen, und dann doch so angefahren wurde. Sofort reagierte er und wich von dem Duplicarius zurück, um schnell in die Gruppe der anderen Rekruten aufzuschließen. Eine verbale Antwort ersparte der Tiro an dieser Stelle sowohl sich selbst als auch dem Unteroffizier, um keinen weiteren Anstoß zu erregen. Noch eine Weile blieb der erschrockene Gesichtsausdruck jedoch in seiner Mimik verhaftet, während er das Erlebnis im Begriff war zu verarbeiten.


    Kurz darauf kamen auch Swidger und Vilmar bei ihm an, grinsten nicht schlecht ob dieser sie maßlos amüsierenden Abfuhr und konnten es nicht sein lassen, ihren Kameraden damit noch zusätzlich aufzuziehen. In gedämpfter Lautstärke raunten sie ihm zu: "Tja, du Streber... Da haste deine Quittung bekommen, hrhr." "...soviel dazu, dass ausgerechnet du jemals der Liebling des Duplicarius werden könntest." Nicht dass Amisius diese Absicht so konkret jemals gehegt hätte, doch es unterhielt sie hörbar ihm dies zu unterstellen. Der Halb-Germane hatte dazu keine schlagfertige Antwort zu bieten und quittierte diese Neckerei nur stumm, indem er an die beiden Kameraden gewandt das Gesicht zu einer gequälten Grimasse verzog.


    Den unüberhörbaren Befehl zum Strammstehen vernahmen dann wiederum - mit ihren bis dato namenlosen Kameraden - auch diese drei Tirones und beeilten sich dem mehr (Amisius) oder weniger (Swidger und Vilmar) schnell nachzukommen, sowie die jeweiligen Gesichtszüge zur Ausdruckslosigkeit zu glätten. Derlei grundlegende Befehle waren für alle drei längst nicht mehr neu und so wussten sie, wie zu reagieren war. Kurz darauf standen sie alle wie vorgeschrieben in einer Reihe.


    Die erste Standpauke ertrugen diese drei angehenden Soldaten mit Fassung, hatten sie sich schließlich schon einiges von der Sorte anhören müssen und wussten es zu nehmen. Als dann die Anwesenheitskontrolle unmittelbar folgte, entspannten Vilmar und Swidger sich sogleich und nahmen eine bequemere Haltung ein. Amisius wagte dies nicht, da er sich noch tunlichst bemühte seinen Fehler von zuvor durch tadelloses Verhalten einigermaßen auszubügeln. Sobald ihre jeweiligen Namen aufgerufen wurden, meldeten sie sich jeweils knapp und vernehmlich.


    Der nächste Anschiss ließ nicht auf sich warten: Rasch nahmen Vilmar und Swidger wieder Haltung an und bewiesen darin ihre große Routine, welche bei der anschließenden Kontrolle keinen Grund zur Klage aufkommen ließ. Wenn sie nur wollten und es darauf anlegten, wussten sie sehr wohl wie sie sich zu verhalten hatten. Allein der unglückliche Amisius hatte sich - ohne es selbst zu bemerken - eine etwas schiefe Körperhaltung angewöhnt, welche sich teilweise noch auf der Reise von Confluentes nach Mogontiacum ohne ständige Kontrolle seiner Form verfestigt hatte. Als er deswegen wie ein blutiger Anfänger korrigiert werden musste, wäre er vor Scham am Liebsten im Boden versunken und ärgerte sich sehr über sich selbst.


    Auf den Befehl des Duplicarius hin wandte er sich schließlich nach links und setzte sich mit grimmiger Miene in einer Reihe mit den anderen in Bewegung. Der Tag war noch jung und somit hatten sie alle noch reichlich Energie, um den Marsch zügig umzusetzen. Zumindest hier kam Amisius seine gute körperliche und konditionelle Verfassung zu Gute, die er schon vor dem Eintritt in die Ala gehabt hatte und im Rahmen der bisherigen Übungen und des Dienstes weiter ausbilden konnte. Die ersten beiden Runden lief er daher ohne nennenswerte Ermüdungserscheinungen und musste sich erst gegen Ende unter dem Gewicht seiner Ausrüstung etwas mehr anstrengen. An der nötigen Willenskraft, die Übung dennoch bis zum Ende mit einer guten Leistung durchzustehen, fehlte es ihm nicht und so vollendete er die fünf Runden ohne weitere Patzer.

  • Duplicarius Labienus

    http://www.kulueke.net/pics/ir…/f-roemer-soldaten/58.jpgDuplicarius Labienus marschierte sämtliche fünf Runden neben den Tirones her, kommandierte das Schritttempo und korrigierte zu langsam, ungleichmäßig oder zu schnell marschierende Tirones mit kräftigen Stockschlägen auf Oberschenkel, Schultern oder Helm der erbarmungswürdigen Rekruten.


    Endlich kam der Trupp an ihrem Startpunkt an. Der Duplicarius besah sich die Rekruten und nickte grimmig. Die waren gerade erst warm geworden. Gut so.
    "Ich sehe, ihr seid keine völligen Frischlinge mehr", bemerkte Labienus. Ob das ein Lob war oder ob Labienus sie dadurch nicht weniger verachtete, ließ sich seinem Kasernenhofton nicht entnehmen. "Dann machen wir mal weiter!", ließ er die Rekruten wissen.


    Als nächstes standen Kniebeugen und Liegestützen auf dem Programm. Die beiden Übungen waren unvergleichlich schwerer, wenn man eine Lorica Hamata über einer Unterpolsterung, dem Subarmalium, trug sowie den Cassis, den römischen Helm. Das zusätzliche Gewicht machte die Übungen anstrengender und führte dazu, dass einige Tirones nach viermal fünfundzwanzig Kniebeugen sowie derselben Anzahl Liegestütze bald schon leicht aus der Puste waren.


    "Na wunderbar", begeisterte Duplicarius Labienus sich nun hämisch. "Dann können wir ja jetzt dazu übergehen, wie die Blöden auf Baumstämme einzukloppen" Wenn einige Tirones jetzt komisch guckten, weil der Duplicarius offenbar eine Art Humor kannte, würden sie sich bald erst recht umgucken. Denn das 'Einkloppen auf Baumstämme' war eine besonders beliebte Übung im römischen Militär, um die Muskelkraft in den Armen der Tirones zu fördern (und nicht nur beim Militär, sondern auch in Gladiatorenschulen).
    Der Duplicarius führte seine Lämmer nun also zu einem Areal auf dem Exerzierplatz, auf dem jeder Tiro einen Gegenspieler in Form eines senkrecht in den Boden gerammten, massiven und mannshohen Baumstamms vorfand. Zudem stand dort eine große Kiste voller hölzerner Schwerter.


    Der Duplicarius wies auf die Holzschwerter. "Das dort sind eure Schwerter. Ich will hier beim Üben niemanden mit einem scharfen Spatha rumrennen sehen. Das einzige, was ihr in den nächsten Wochen zu sehen bekommt, sind diese schönen Dinger hier!" Labienus nahm eins der Übungsschwerter zur Hand und hielt es in der Waagerechten vor sich hin, um den Tirones die gute Balance zu demonstrieren. Dann warf er das Schwert wahllos einem der vorne stehenden Tirones zu.
    "So, Kinder, jeder nimmt sich jetzt so ein Ding und postiert sich vor einem Stamm. Die Schwerter haben einen Bleikern, damit sie extra schwer sind. Das ist gut für eure Ärmchen, ha, ha!"


    Was als nächstes kam, war klar. Zehn Hiebe von rechts, zehn Hiebe von links, zehn Stiche durch die Mitte, immer schön abwechselnd. Es war eine äußerst ermüdende Übung, wenn man sie richtig durchzog. Und das hatte der Duplicarius vor. Mit wachsamem Blick tigerte er zwischen den Tirones umher, um etwaige Schwächen zu erkennen und zu kritisieren.



  • Von den drei Tirones der Turma IV gaben Flavus Amisius und Swidger keinen Grund zur Klage, was ihre körperliche Verfassung anbelangte. Beide waren schon ihr ganzes Leben mit regelmäßiger körperlicher Arbeit auf Zack gehalten worden, da sie jeweils in landwirtschaftlichen Betrieben (Flavus Amisius als einfacher Knecht, Swidger als Stallbursche auf einem Pferdegestüt) hatten arbeiten müssen. Im Vergleich mit ihnen hinkte Vilmar (als ehemaliger Gehilfe eines Kaufmanns) etwas hinterher, zumal er allgemein keine sonderlich große Freude an derlei Betätigung empfand und sie daher bislang nach Möglichkeit vermieden hatte. Folglich war es bei all den Kniebeugen und Liegestützen an ihm, seinen Anteil an Zurechtweisung durch den Duplicarius zu bekommen, was seinen beiden Stubenkameraden jeweils ein schadenfrohes und überlegenes Lächeln entlockte.


    Während sie anschließend zu den besagten Baumstämmen hinüber gingen und Swidger des Duplicarius' Aufmerksamkeit anderenortes glaubte, konnte er es sich nicht verkneifen den Kameraden mit seiner Leistung ein wenig aufzuziehen. "Ohh... Armer kleiner Vilmar... Machen deine kümmerlichen Weibermuskeln allmächlich schlapp?" Der Angesprochene zischte dazu verächtlich, hatte aber durchaus noch den Atem seinem Kameraden eine Antwort zu geben. "Du bist doch höchstens einen halben Digitus größer als ich... und mit deiner großen Klappe versuchste wohl das kümmerliche kleine Etwas in deinen Feminalia zu kompensieren!" Auf diesen Tiefschlag hin war ein verärgertes Knurren von seinem Kameraden zu hören. "Na warte, du..." Flavus Amisius seufzte indes leise, aber demonstrativ und mischte sich nach anfänglicher Zurückhaltung ebenso in die kleine Kabbelei ein. "Ach, Leute... Es is' doch müßig sich darüber zu streiten, wer von euch den Größeren hat und der bessere Miles is'. Gegen mich seht ihr schließlich alle beide in jeglicher Hinsicht reichlich blass aus..." Erst zum Schluss entlarvte ein breites Grinsen die scherzhafte Natur seiner Worte. Dementsprechend verblüfft sahen seine beiden Kameraden ihn zunächst von der Seite an und als sie gerade mit den anderen das neue Areal erreichten, lachten beide inzwischen doch einigermaßen vernehmlich auf. Sie konnten wohl nur hoffen, dass der Ausbilder die Ursache für ihre Erheiterung nicht falsch bzw. zu ihren Ungunsten deuten würde.


    Bald darauf standen sie alle drei an ihren jeweiligen Baumstämmen und widmeten sich - wieder zur Räson gebracht - der recht schematisch ablaufenden Bekämpfung ihrer hölzernen Gegner. Dabei machten die drei in verschiedener Hinsicht eine unterschiedliche Figur:
    Flavus Amisius schien körperlich noch nicht an seine äußersten Grenzen gebracht. Zwar breitete sich eine gewisse Erschöpfung inzwischen auch bei ihm aus, jedoch wirkte sich diese noch nicht auf die Ausführung der Angriffe aus. Allerdings wurde durchaus offenbar, dass dieser Tiro noch kein großer Techniker war und die Bewegungsabläufe noch nicht vollends verinnerlicht hatte. Immer wieder gelangen Treffer nur unpräzise und Hiebe oder Stiche waren unsauber ausgeführt. Er bemühte sich jedoch sehr und war vollends konzentriert, stets ehrgeizig bemüht sich zu verbessern und die Übung zu nutzen.
    Tiro Vilmar hingegen beherrschte die Technik der Schläge mit größerer Routine und Genauigkeit. Allerdings wirkte sich bei ihm die seine Glieder zunehmend beherrschende Müdigkeit aus und nicht immer wollte ihm sein Körper so gehorchen, wie es die Übung vorschrieb. Das schwere Übungsschwert kam ihm vor, als wäre es nicht nur teilweise, sondern gänzlich aus Blei. Dementsprechend finster war bisweilen seine Miene, unzufrieden mit den eigenen Ergebnissen.
    Letztlich war Swidger von diesen dreien noch das vorbildlichste Exemplar, was die grundlegenden Fähigkeiten anbelangte. Hinsichtlich Konstitution und Technik gab es kaum etwas an ihm auszusetzen. Sein hauptsächliches Problem war allerdings seine Einstellung. Es war ihm deutlich anzusehen, dass er seine Überlegenheit auch spürte und ausstrahlte, geradezu meinte eine kleine 'Show' zu veranstalten, worunter wiederum seine Konzentration bisweilen litt.

  • Duplicarius Labienus

    http://www.kulueke.net/pics/ir…/f-roemer-soldaten/58.jpgDuplicarius Labienus kam nicht zur Ruhe. Während die Tirones auf ihre hölzernen Gegner eindroschen, war er mitten unter ihnen.


    "Bei den Göttern, steh' breitbeinig, du Hanswurst!", korrigierte er lautstark die Fußstellung eines Tiros.


    Ein anderer bekam ordentlich Dresche auf die Schulter. "Schwing die Spatha, verflucht. Du sollst damit nicht hacken wie ein verlauster Bauer!"


    Auch Flavus Amisius bekam sein Fett weg: "Bei dem Bart meiner Mutter, das ist kein Knüppel in deiner Hand! Ziel gefälligst und streng dich ein bisschen an! Wir sind hier nicht bei den Banditen von Borbetomagus!" Mit dieser Anspielung konnten zwar wohl nur die wenigsten der jungen Burschen hier etwas anfangen, aber das machte der Duplicarius mit seinem Gebrüll wett.


    "Was denn, schon müde? Scheiße nochmal, Tiro, mach mir jetzt nicht schlapp!", traf es schließlich auch Vilmar. Labienus hatte bemerkt, dass Vilmar etwas schwächelte und verpasste dem Tiro sogleich einen wachrüttelnden Schlag mit dem Stock auf den gepanzerten Rücken.


    Der Duplicarius schiss noch den ein oder anderen Tiro zusammen, bis er bei Swidger ankam. Neben diesem blieb er einen Moment stehen und sah der Show zu, die der Tiro veranstaltete. Irgendwann schnaubte er ärgerlich, hob den Kopf und schnauzte: "IN ACIEM VEEEEEENITE! STAAAAATE!"
    Labienus gab den Tirones nur wenig Zeit um sich zu einer ordentlichen Reihe aufzustellen und korrigierte auch diesmal wieder schlampige Haltung rigoros mit dem Stock. Als er schließlich leidlich zufrieden war, stellte er sich breitbeinig vor Swidger auf.
    "So, meine Damen. Wir haben wir einen ganz besonders talentierten Tiro, der sich offensichtlich so fit fühlt, dass er am liebsten gleich aufs Pferdchen steigen und ein paar Runden am Limes drehen würde."
    Er sah Swidger verächtlich an. "Weit gefehlt, ihr Pappnasen! Ihr werdet noch lange nicht den Rücken eines Pferdes sehen. Vorher muss ich euch einprügeln, wie man zu Fuß kämpft. Warum? Weil ihr sonst wie die Hornochsen vom Pferd in die Schlampampe fallt, sobald ihr eure Klinge schwingt!"
    Der Duplicarius sah aus als würde er Swidger am liebsten den Kopf abbeißen. "Erklär deinen Freundinnen hier mal, was du da überhaupt am Leib hast. Der ganze Plunder, wie heißt das Zeug und wozu ist es gut?" Ein Tiro musste schließlich wissen, wozu die Ausrüstung gut war, die er erhalten hatte.



  • Sim-Off:

    Sorry - turbulente Zeiten...


    Tiro Flavus Amisius nahm sich die Kritik des Duplicarius gleich zu Herzen. Er zuckte bei dessen Worten kurz zusammen und bemühte sich, sich die einst erlenten Anweisungen zu den Schlägen ins Gedächtnis zu rufen. "Jawohl, Duplicarius!" Geradezu verbissen sah bald darauf seine Mimik aus, während er immer wieder versuchte sich von fortgeschritteneren Kameraden etwas abzuschauen. Auf die Weise stellte sich keine unmittelbare Verbesserung ein, jedoch allmählich wurden seine Schläge etwas präziser und näherten sich dem gewünschten Lernziel langsam an.


    Bei Tiro Vilmar lösten die alleinigen Worte zunächst wenig aus, denn er selbst war sich ohnehin schon nur allzu sehr dessen bewusst, in Sachen Konsitution nicht das Optimum zu leisten. Erst als ihn im wahrsten Sinne des Wortes der Schlag traf, wurde ihm der Ernst seiner Lage etwas bewusster und insgeheim nahm er sich vor, an seiner körperlichen Verfassung künftig endlich proaktiver zu arbeiten. Für den Moment half ihm dieser Vorsatz natürlich nicht allzu viel und es blieb ihm nur die Chance - die er auch ergriff - zumindest mit dem entsprechenden Elan stärker an seine persönlichen Grenzen zu gehen. Viel machte dies im Augenblick allerdings nicht aus - außer, dass man seine Entschlossenheit und seinen Willen erkennen konnte.


    Dann kam plötzlich der Befehl von ihren Übungen abzulassen und rasch beeilten sich insbesondere die reumütigeren Tirones Vilmar und Amisius, die befohlene Aufstellung ein- und Haltung anzunehmen. Diesmal war es dabei der erschöpfte Vilmar, welcher den Stock des Duplicarius zu spüren bekam, während Amisius sich jetzt besser am Riemen riss. Der selbstgefällige Swidger kam etwas langsamer daher und sah für den Moment offenbar keine Veranlassung, einen besonderen Eifer an den Tag zu legen.


    Erst als Swidger dann so unmittelbar und zweifelsfrei zum Hauptobjekt des Tadels wurde, schwand die Überlegenheit aus seiner Mimik und wich einem verbissenen, fast ärgerlichen Gesichtsausdruck. Es gefiel ihm keineswegs, dermaßen vor seinen Kameraden bloßgestellt und ausgescholten zu werden. So erwiderte er Labienus' Blick fast ebenso finster, wie jener ihn anstarrte. Die Kiefern fest aufeinandermahlend hörte er sich die Gesamtheit seiner Standpauke widerwillig an, ließ - abgesehen von dem finsteren Blick - für den Moment aber in seiner Körperhaltung keinen weiteren Anlass zum Tadel zu. Zweifelsohne passte ihm die erteilte 'Strafaufgabe' kein bißchen in den Kram. Jedoch hatte Swidger die Unantastbarkeit der militärischen Hierarchie sehr wohl verinnerlicht und so zögerte er nicht, der Anweisung umgehend nachzukommen. Sein Tonfall mochte dabei etwas grimmig klingen und die Wortwahl des Tiro fiel etwas unkonventionell aus.
    "Die Spatha! Das Schwert der Reiterei, unser ständiger und wichtigster Begleiter. Wertvolle Digiti länger als das Messerchen der Infanterie! Niemals is' sie aus der Hand zu geben oder sogar aus den Augen zu verlieren." hob er bei diesen Worten kurz seine Übungswaffe empor. "Das stumpfe Ende is' zum Festhalten, das spitze Ende is' für den Feind." Nein, das hat er sich wohl nicht verkneifen können.
    Auf die für die Übungskämpfe leere Scheide seines Dolches geklopft, fuhr er fort: "Der Pugio! Einerseits letzte Reservewaffe, andererseits auch nützlich im Lageralltag. Maximal variabel einsetzbar, minimale Reichweite."
    Da er seine Speere während der Übung nicht zur Hand hatte, fuhr er fort mit den übrigen Ausrüstungsteilen. Ebenfalls verschwiegen wurden an dieser Stelle durch Swidger - im Glauben, dies entspräche der gegebenen Aufgabenstellung - die an den Pferden verbleibenden Gegenstände, welche er in diesem Teil der Ausbildung ebenfalls nicht bei sich trug.
    "Die Parma! Unser Schild und erste Bastion gegen die Klingen der Gegner.
    Die Lorica Hamata! Schützt den Oberkörper als wiederum letzte Bastion gegen etwaige Treffer. So nützlich sie auch is', sollte man sich auf sie nich' verlassen! Die reguläre Abwehr und Verteidigung erfolgt durch die Geschicklichkeit des Eques mit Pferd, Schild und Schwert!
    Tunica und Feminalia oder Bracae halten warm, erfüllen aber keine militärische Funktion im eigentlichen Sinn!
    Die Caligae equester! Schützen den Fuß des Reiters und mit ihren Sporen lässt sich der Gaul zusätzlich antreiben!
    Das Cingulum! Erkennungszeichen eines Soldaten des Römischen Imperiums!"

    Kurz verengte Swidger seine Augen leicht, als er grübelte noch etwas vergessen zu haben. Für den Moment kam er jedoch zu dem Schluss, am Ende seiner Ausführungen angelangt zu sein. Angespannt erwartete er nunmehr das Urteil ihres Ausbilders.

  • Duplicarius Labienus

    http://www.kulueke.net/pics/ir…/f-roemer-soldaten/58.jpgDuplicarius Labienus behielt seinen tödlichen Blick bei, solange Tiro Swidger seine Ausrüstung erläuterte. Und wie der Duplicarius sich eingestehen musste, bewies der Tiro dabei tatsächlich einen gesunden Humor. Das Messerchen der Infanterie, das stumpfe und das spitze Ende, diese Bemerkungen hatte Labienus selbst auch schon oft genug vergangenen Rekruten an den Kopf geworfen. Darüber hinaus hatte Swidger aber auch mehr Ahnung als der Duplicarius erwartet hätte. Der Bursche lieferte doch tatsächlich eine ganz ordentliche Vorstellung ab.


    "Sehr richtig", lobte der Duplicarius ausnahmsweise den Rekruten. "Ihr habt euren Kameraden gehört", wandte Labienus sich dann an die anderen Tirones, nachdem Swidger geendet hatte. "Merkt euch, was er gesagt hat und vergesst es nicht! Es wird die Grundlage sein für das Überleben im Kampf. Wer nicht weiß, welche Ausrüstung er am Leibe trägt, der kann sie auch nicht benutzen."
    Labienus hielt inne, sah die Tirones der Reihe nach an und pickte sich dann Flavus Amisius heraus. "So. Du, Tiro! Dein Kamerad hat neben der Spatha und dem Pugio noch eine wichtige Waffe vergessen. Die Hasta. Es gibt sie in zwei Ausführungen. Also, Tiro?" Und damit richtete der Duplicarius seinen durchdringenden Blick auf Amisius, von dem er nun selbstverständlich eine ebenso ausführliche Antwort erwartete wie von Swidger.


    Sim-Off:

    Unsere Theoria Romana ist dahingehend leider nicht ganz so ausführlich wie der entsprechende Wikipedia-Artikel.


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