[Wall und Graben] Vorbereitungen für den Ernstfall

  • In den guten zwei Wochen von Licinus abwesenheit hatte ich einiges im lager getan. Der praefectus castrorum war alles andere als untätig gewesen und hatte für die Außenanlagen des Lagers Unmengen an Ausbesserugns- und Verstärkungsarbeiten geplant, sodass sich ein Gutteil der legio gerade vor dem vallum befand und hart am schuften war.
    Licinus selbst hatte am Vormittag noch den übrigen Offizieren berichtet, was sich zugetragen hatte, jetzt war er auf der Suche nach seiner legio. Schon auf dem Weg nach draußen hatte er allerlei entdecken können.
    Neben den Toren, seit jeher die Schwachstelle jeder Lagerverteidigung, lagen Sandsäcke bereit um die Tore gegen Rammen zu verstärken, in den Türmen lagen wettergeschützt und daher nicht sichtbar zerlegte Skorpione, aber die zugehörigen Fassungen auf dem Wall konnte man gegen den Horizont abstehen sehen.


    Und draußen war alles in vollem Gange.
    Während eine Abteilung Soldaten einen zweiten Graben aushob und einen Außenwall aufschüttete, waren andere Trupps dabei am Boden der Gräben Lilien anzubringen, in den Boden gerammte spitze Holzpföcke, die sich durch die Sohlen der caligae der feindlichen Soldaten bohren sollten. Nur vor den Toren wurden Wege freigelassen, auf die man später die eisernen Fußangeln kippen würde, wenn sie tatsächlich angegriffen werden sollten.
    Einem der relativ schmalen freien Wege folgte Licinus nun und wandte sich um den äußeren Graben dorthin wo er seine Soldaten vermutete.
    Die Luft schwoll an von den Geräuschen der Arbeit und den Flüchen, die die Soldaten ausstießen, wenn etwas nicht lief. Es roch nach Schweiß und Erde. Alles im krassen Gegensatz zu den grünenden Frühjahrsfeldern, die das Lager umgaben. Eine eigenartiger Gegensatz, befand Licinus, da passten die wüste Gegenden des Ostens, die er auf dem Feldzug kennengelernt hatte, doch deutlich besser zu einem heraufziehenden Kriege.
    Langsam, um nicht eine Schaufel Erde abzubekommen, ging er weiter.


    Sim-Off:

    Soweit die Szenerie, ich hoffe, es finden sich möglichst viele angesprochen

  • Der Boden war feucht. Die Erde klebte. Marius holte kräftig aus und rammte die Schaufel tief in den Boden. Den Aushub warf er in hohem Boden auf den Streifen zwischen dem alten und dem neuen Graben . Aretas wischte sich Gesicht und Nacken mit seinem Focale trocken und schaufelte weiter. Varus und Sebio, schaufelten wie zwei besessene um die Wette. Sixtus stand oben und klopfte die Erde etwas fest, damit sie nicht gleich wieder runter rutschte. Cato war eingeteilt zum Grassoden legen. Es ging zügig voran. Marius unterbrach seine Arbeit. "Cato, geh Wasser für uns holen." Cato reagierte nicht. " He, Grashüpfer, mach schon." scherzte Marius. Cato murmelte unwillig. " Warum ich? Immer ich. " zog trotzdem los. Er wusste, dass Marius durchaus handgreiflich wurde, wenn was nicht lief. Sixtus stand oben auf dem halbfertigen Wall und sah in die Gegend, als ob ihn das alles nichts anginge. Aretas zwinkerte Marius zu. Schwang seine Schaufel mit Dreck und schwub, begann Sixtus laut zu Fluchen. Spuckte Dreck, den er beim Fluchen in den Mund bekommen hatte. Wischte sich die Augen. Hatte ein vollkommen Dreck verschmiertes Gesicht. " Na wartet, meine Rache wird furchtbar sein. Das schwöre ich bei Mars." Marius und Aretas krümmten sich vor lachen. Sixtus gab da oben eine jämmerliche Figur ab, so dreckig wie er aussah. " Ja, ja. Arbeite du und guck nicht in der Gegend rum." rief Marius. " Werden wir fertig bis sie kommen?" fragte Aretas, Marius. " Was wird mit der Stadt und ihren Bewohnern?" Marius zuckte mit den Schultern und schaufelte weiter.

  • Gleich beim Morgenappel erfuhren wir was Sache war. Wir konnten es uns ja schon fast denken. Die Verteidigungsanlagen des Castellums wurden auf vorderman gebracht und ausgebaut. Jeder der irgendwie zu entbähren war arbeitete dort mit.
    Und es war einiges das zu tun war.
    Die Männer der Turma I waren erst seit knapp einer Stunde am Werk, aber der Schweiß floss in Strömen, die Flüche fielen wie Regen. Niemand hatte sonderlich Lust dazu, aber die Arbeit musste getan werden, den schließlich stand der Krieg vor der Tür.
    Metalus erledigte seine Aufgabe ohne zu Muhren, er war der erfahrener der Soldaten, schon lang dabei und einiges gewöhnt.
    Brutus, der jüngste war in einer Tour am Fluchen.
    So ein Scheiß, ich bin zur Legion um Germanen oder sonst ein Dreckspack abzumurcksen, und nicht hier im Graben zu stehen, mit stinkenden Männern, die Pfurzend Rumfluchen..
    Während Brutus ein Fluch nach dem anderen loslies näherte ich mich von hinten, mit einer Schaufel bewaffnet.
    Brutus, halt dein Maul und Schaufel weiter. Vom Fluchen wird der Graben auch nicht fertig.
    Meine Lust hielt sich auch in Grenzen, aber Befehl war Befehl...

  • Priscus stand in keinem der Gräben und brauchte sich auch keine Sorgen machen, von einer Schaufel voll Erde getroffen zu werden. Viel besser war seine Position aber auch nicht. Mit Seilen gesichert stand er auf einem provisorischen Baugerüst, das an einem der Ecktürme hing. Da zum Aufbauen eines großen Gerüstes weder die Zeit noch der Platz war angesichts der Arbeiten im Graben, hatte man einfach zwei waagerechte Balken an starken Tauen von der obersten Plattform des Turmes herunter gelassen. Auf diesen Balken, die zusammen kaum breiter waren als eine Fußlänge, stand nun der Optio und besserte mit eigenen Kameraden die Holzklappen aus, mit denen die Turmöffnungen auf einer der unteren Ebenen verschlossen werden konnten. Eigentlich war er ja für die Geschütze eingeteilt, aber mit denen war alles in Ordnung, so dass er sich nun eben auch um den Schutz der Geschütze kümmern musste. Jahrelang waren die Holzklappen kaum genutzt worden und wurden bestenfalls mal bei einem starken Unwetter an der Wetterseite geschlossen. Aber jetzt sollten sie stabil sein, um nicht gleich beim ersten Beschuss auseinander zu fallen. Manche machten keine Probleme, bei anderen musste mehr oder weniger viel ausgetauscht werden. Und immer musste Priscus aufpassen, dass kein loses Teil nach unten fiel und die Kameraden unten im Graben verletzte.

  • > an der Porta Principalis Sinistra <



    Nachdem sie ihre Arbeiten zugewiesen bekommen hatten, schufteten Pulvillus und seine Kameraden Fistus und Graecinus aus der contubernia IV mit vorbildlichem Eifer.


    "Das bißchen Graben ist doch nicht so schlimm!"
    meinte Graecinus und wischte sich den Schweiß von der Stirn.


    "Spissigradissimus (1)"
    brummte Pulvillus böse vor sich hin, schwieg aber und buddelte weiter.


    "Und vielleicht gibt es dafür einen Tag Sonderurlaub!"


    "Vervex (2)"
    dieses Mal war es lauter.
    "Wie blöd bist du eigentlich? Sonderurlaub? Das wäre zu schön!"


    "Ich habe gehört, daß man bei der Armee für alle Sonderarbeiten einen Sonderurlaub bekommt!"


    "Jetzt reicht`s aber, stultissimus (3)! Wer hat dir diesen Schmarrn erzählt? Und jetzt sag`bloß noch, daß du den auch noch glaubst? Das gibt`s doch auf keinen Schiff, daß einer so blöd sein kann!"


    "Wieso soll denn das nicht stimmen?"


    "Verdammt nochmal. Halt endlich dein Maul. Ich brauche meine Kraft zum Graben und nicht dazu, um auf deine Quasselei einzugehen."
    Pulvillus nahm einen Schluck aus seiner Feldflasche und würdigte seinen wissensdurstigen Kameraden keines Blickes mehr.



    Sim-Off:

    (1) Schleicher (2) Schafskopf (3) Blödmann

  • Bei seiner Einheit angekommen hieß es kurz
    „Salvete, Männer! Weitermachen!“
    Dann stieg er vorsichtig und den Graben ein, legte er erst eine Fingerspitze auf die Lilie und rüttelte anschließend vorsichtig an ihr. Das Stück Holz saß jedoch fest in der Erde und gab nicht nach. Einige weitere sah er sich noch genauer an, dann kletterte er wieder aus dem Graben, lief über den gerade aufgeschütteten Erdwall ein Stück zurück und wieder außenherum zu seinem optio. Sie begrüßten einander und Licinus fragte nur ein Wort:
    „Und?“
    „Du siehst ja, wie es geht. Pila und Bolen für die ballista haben wir heftig aufgestockt…“
    „Ja, hab ich heute früh gesehen, der Lagerraum mit der Ausrüstung quillt gut über, was noch?“
    „Ich wünschte, wir hätten noch ein paar scuti auf Reserve, der capsarius hat sich über die Zuteilungen vom valetudinarium beschwert, dass Zeug sei zu wenig und zu alt. Wollte ich mich heute spät drum kümmern.“
    „Übernehm dann ich. Scuti müssen wir sehen, glaub die haben grade auch nicht die erste Priorität.“
    Er sah seinem Vertreter in die Augen und beide wussten, welcher Teilsatz fehlte: Wir stehen ja defensiv. Sie wurden vermutlich deutlich weniger Geschossen ausgesetzt, als die Angreifer.
    Dann wandte sich Licinus an seine Einheit:
    „Weiter so Männer!
    Hier wird der Usurpator scheitern! An uns! An der ersten legio des Reiches!
    Für Rom! Für den rechtmäßigen Kaiser!“
    Nun, ganz richtig war das alles nicht. Sie würden nicht allein stehen und auch nicht unbedingt hier, aber für den Moment reichte es. Aus den Kehlen der Soldaten stieß ein wenig artikulierter Laut, dann wandte sich Licinus an seinen optio.
    „Ich gehe noch eine Runde.“


    Beim Abschnitt der turma I angekommen, konnte er keinen der Offiziere entdecken und rief laut
    "Heda! decurio?!"

  • Sie gruben und schwitzten. Zum Fluchen war ihnen die Lust vergangen und die Luft ausgegangen. Die benötigten sie dringend zum Schnaufen, denn wieder einmal hatten sie begriffen, daß das Reiterleben trotz der längeren Dienstzeit leichter zu ertragen war als das der Kameraden zu Fuß. Sie nahmen nichts mehr um sich herum wahr.


    Sie halfen ungefragt wo sie konnten, da ihnen vieles nicht mehr so von der Hand ging wie ihren Kameraden. So bemerkten sie auch nicht, daß sie beobachtet wurden.


    Zitat

    Original von Marcus Iulius Licinus


    Beim Abschnitt der turma I angekommen, konnte er keinen der Offiziere entdecken und rief laut
    "Heda! decurio?!"


    Erschrocken sahen sie sich um. Verschmutzt und mit schweißbedecktem Gesicht nahm der Gerufene Haltung an und machte Meldung.


    "Decurio Decimus, turma I, mit zwölf equites bei Grabungsarbeiten, centurio."


    Er drehte sich um und wandte sich an seine ebenfalls zur Meldung stehenden Männer.


    "Turma I, weitermachen!"

  • "Ah, mitten dabei also!" murmelte Licinus anerkennend, als der decurio aus dem Dreck auftauchte. Immer gut für die Moral, wenn sich auch die höheren Ränge schmutzig machten, fand er.
    Den Männern, die ihre Arbeit wieder aufnahmen nickte er schnell zu.
    "Wie sieht es bei euch aus? Kommt ihr mit dem Bauarbeiten voran?


    Wir brauchen wahrscheinlich bald eine lange Meldekette, wie sieht es bei euch mit Pferden aus, habt ihr Überschuss und wenn ja wie viel? Nur die gesunden."

  • "So wie ich es beurteilen kann,"
    antwortete der decurio und wischte sich den Schweiß von der Stirn,
    "erreichen wir die Vorgaben. Zu deiner Frage nach unserem Pferdeüberschuß. Derzeit müssen zehn Pferde zusätzlich bewegt werden. Die kann ich dir anbieten. Zwei davon sind in der Rekonvaleszenz, können aber, wie der veterinarius betonte, bedingt eingesetzt werden. Einem Einsatz bei einer Meldekette dürfte nichts im Wege stehen. Aber wie sieht es mit dem Personal aus? Benötigst du auch equites?"

  • "Umgekehrt," lächelte Licinus zynisch. Den aufhorchenden Equites ringsum warf er einen scharfen Blick zu. Hier wird nicht gelauscht, sollte das heißen.
    "Du brauchst welche. Die genauen Pläne stehen noch nicht ganz, aber wahrscheinlich wirst du mit deiner Turma eine der Ketten übernehmen. Und dazu für jedes freie Pferd darfst du dir einen reitfähigen miles aussuchen, den du zusätzlich mitnimmst.
    Genaue Befehle folgen heute Abend, du bekommst noch eine Liste mit milites, die reiten können."

  • Die Stunden vergingen. Mit jeder stunde wurde der Graben tiefer und die Flüche imme lauter. Hier ubd dort war die Stimmung kurz vor überkochen. Nachdem die entsprechenden Soldaten zur Sau gemacht wurden ging ich wieder an meine Arbeit. Dort hielt es mich nicht lange. Ich braucte Wasser.
    Hey wo steht das Wasser?
    Diese Frage war an einen Kameraden gerichtet der neben mir stand. Ich kannte ihn nicht.

  • Zitat

    Original von Marcus Iulius Licinus
    "... Genaue Befehle folgen heute Abend, du bekommst noch eine Liste mit milites, die reiten können."



    Der decurio sah den primus pilus mit gerunzelter Stirn an. Dessen zynisches "umgekehrt" erinnerte ihn wieder daran, daß er wie bei jedem Zusammentreffen mit diesem Vorgesetzten, diesen nicht zu verstehen wußte.


    Er nahm Haltung an.
    "Dein Befehl, centurio,"
    und grub mit seinen Männern weiter.

  • Eigentlich hatte Licinus noch etwas sagen wollen, da ertönte ein schriller Aufschrei in seinem Rücken und Licinus wandte sich um.
    Der Schrei war eindeutig aus den Reihen seiner Abteilung gekommen.
    Mit weit ausladenden Schritten lief er zurück und sah schon bald seinen optio am Boden liegen. Schnurgerade hielt er auf ihn zu.
    Einer der Soldaten brüllte laut nach einem medicus und winkte hoch, um auf sich aufmerksam zu machen. Je näher Licinus kam, desto besser erkannte er, was passiert war.
    Neben dem Bein des Veteranen lag ein stählerner Block, ehemals der Kopf einer dolabra. Der Fuß in der caliga war blutüberstömt und und die Zehen.. waren kein schöner Anblick mehr. Noch weniger der in Agonie schreiende optio, der von zwei Mann gehalten wurde.
    Gleichzeitig mit dem herangerufenen medicus kam er an und kniete neben seinem Stellvertreter nieder. "Hier gibt es nichts zu sehen! Macht gefälligst weiter!" hatte er gerade noch gerufen, bevor der Sanitätsoffizier ihm etwas in die Hand drückte, wobei er "Immerhin sauber ab." murmelte. Etwas lauter sprach er zu Licinus "Drück das auf die Wunde.". Dieser tat wie befohlen und der medicus begann den mit Mull umwickelten Block mit noch mehr Binden zu fixieren. Immer wieder schrie der optio dabei auf, bis er endlich gnadenhalber das Bewusstsein verlor.
    Währenddessen kamen noch mehr Sanitäter, die eine Trage herbeitrugen, auf die der Bewusstlose geladen wurde. Der medicus hob noch einmal den Kopf und blickte Licinus bedauernd, aber auch nicht zu sehr, an. Dieser verstand.

  • Ein Geschrei von gegenüber. Antias fuhr zusammen. Alle reckten ihre Köpfe. Sixtus stand am nächsten. Er drehte sich kreidebleich weg taumelte zum Wall und kotze sich die Seele aus dem Leib. Cato hätte sich gleich daneben gestellt. Antias gab ihm eine Ohrfeige und zerrte ihn zur Seite. " Hol Luft, tief Luft und vergiss was Sixtus macht." Cato war durch die Ohrfeige abgelenkt, sah zu Antias und befolgte was er sagte. " Besser?" Cato nickte. " Geh oben weiter Soden auflegen." Weg aus dem Dunstkreis von Sixtus. Marius spuckte aus. " Der hat ausgedient."


    Der Brüller vom Primus Pilus brachte alle zurück zum Arbeiten. Antias beeindruckte der Brüller nicht. Ohne mit der Wimper zu zucken sah er hin. Es war nicht der der erste blutende Mann den er sah. Bei dem Optio war es nur der Fuß. Beim Wagenrennen, ging es blutiger zu. Man erkannte die verunglückten Fahrer kaum noch. An ihnen war nichts mehr heil. Blutige Körper, abartig verrennte Glieder, entstellte Gesichter. GLück hatte der, der sich gleich beim Sturz das Genick brach und starb und dann erst vom folgenden Wagen überrollt wurde. Wie oft hatte er bei den aufgebahrten Toden gestanden.


    Antias holte tief Luft. Mit der Schaufel warf er das lockere Erdreich auf den Wall. Schaufel für Schaufel.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!