Ersehnter Besuch

  • Seneca musste nicht lange warten. Man führte ihn ins Atrium und bot ihm auch gleich freundlich etwas zu trinken und einen Sitzplatz an. Allerdings konnte er diesen nicht wirklich einnehmen, denn seine Cousine kam geradezu um die Ecke gestürmt, barfuß, und fiel ihm ohne weitere Begrüßungsfloskeln erst einmal in die Arme, drückte ihn an sich, hielt sich an ihm fest.
    Axilla wusste nicht, wie lange sie so dastand. Sie war nur so froh, dass Seneca da war, dass er wirklich gekommen war, und auch noch so schnell. Jetzt würde sicher alles gut werden, ganz bestimmt. Seneca würde wissen, was sie tun sollte. “Ich bin so froh, dass du da bist“, flüsterte sie wohl wenig hilfreich, ohne Seneca dabei auch nur ein kleines bisschen aus ihrer kindlichen Umarmung zu entlassen.


    Erst, als nach einer gefühlten Ewigkeit ihr Verstand wieder die Oberhand über ihre Gefühle übernommen hatte und sie sich vorstellte, wie sie auf ihren Vetter wirken musste, ließ sie ihn los, fast schon ein wenig hektisch und eindeutig peinlich berührt. “Tut mir leid. Ich bin nur.. ich bin wirklich froh dass du da bist. Geht es dir gut?“

  • Seneca war überrascht von der überfallartigen Begrüßung seiner Cousine, allerdings nicht negativ nein, er erwiderte selbstredend ihre Umarmung und drückte sie an sich, strich ihr dabei übers Haar und sagte leise "Ich freue mich so doch zu sehen.", als Axilla dann los ließ setzte Seneca sein altbewährtes Lächeln auf, ein ehrliches Lächeln natürlich, dennoch sollte es jedem der ihn kennt bekannt sein..
    Wie es mir geht? Naja noch gut, wer weiß wie's in ein paar Wochen aussieht. Aber das ist ja noch ein wenig hin, wie geht es dir denn Axilla?, scherzte Seneca weil er nicht wollte dass sich seine Cousine wegen den bevorstehenden Kampfhandlungen sorgen um ihn machte, letztendlich kannte sie es aus der Familie ja nicht anders, aber Seneca wollte sich sich noch ein wenig Zeit lassen bevor er sich zu seinen Ahnen begeben würde.

  • Er war ihr nicht böse. Axilla war so erleichtert. Von all ihren Verwandten war es bei Seneca als einzigstes so, dass sie wirklich nicht wollte, dass er böse auf sie war, dem sie gefallen wollte, für den sie alles richtig machen wollte. Woran das lag, wusste sie selbst nicht so genau. Vielleicht, weil er sie am ehesten an ihren Vater erinnerte, aber eigentlich wollte sie die beiden nicht vergleichen.
    Als er allerdings gleich den sich androhenden Bürgerkrieg ansprach, verschwand die kurze Freude und die Erleichterung über sein Erscheinen, und kurz flackerte es sorgenvoll in Axillas Augen, ehe sie Seneca langsam richtig los ließ und ihm mit einer kleinen Geste einen Platz anbot. Wie es ihr ging? Sie hatte Angst, sie machte sich Sorgen, um ihn, um ihren Sohn, um Imperiosus, um die Menschen auf den Straßen, um das römische Imperium, um die Geister des Verstorbenen Kaisers, um die Zukunft... Axilla hatte nicht einmal gewusst, dass ein einzelner Mensch sich so viele Sorgen machen konnte.
    Sie sah kurz zu Seneca auf und woltle ihm das alles sagen, aber irgendwie traute sie sich auch nicht ganz. Er schien sich keine Sorgen zu machen, und sie wollte nicht, dass er sich so sorgte. Und genausowenig wollte er, dass er sie für verrückt hielt.
    “Ich... ich hab einen Sohn bekommen“ fing sie also themenfremd an, und der Satz zauberte ihr ein ehrliches Lächeln aufs Gesicht. “Er ist so wunderbar, Aulus, so... so... perfekt. Wirklich! Ich meine, das sagt sicher jede Mutter über ihr Kind, aber er ist wirklich perfekt. Er heißt Titus Atticus. Nach meinem Vater. Also, das Atticus.“ Das Titus hatte er mehr von seinem wahren Vater. Eine Verrücktheit, dass Axilla ihren Mann danach gefragt hatte, ob ihm der Name gefallen könnte. Aber so fühlte es sich richtig an.

  • Seneca grinste nochmal kurz, bevor er sich auf den angebotenen Platz setzte. Die Casa Pompeia war ganz nett, aber seine Cousine strahlte auch, scheinbar ging es ihr gut, was Seneca doch sehr freute.
    Was sie dann allerdings sagte, ließ Seneca fast die Kinnlade auf den Boden fallen. Einen Sohn? So lange hatten sie sich nicht gesehen? Seine Atmung wurde schneller, und die Knie eines gestandenen Prätorianeroffiziers begangen weich zu werden, gut dass er saß.
    Ein ungläubiges Lachen ging über Senecas Gesicht, er war glücklich, aber es schmerzte ihn auch dass er nicht da war um ihr beizustehen...
    "Einen Sohn! Aber.... Aber wo war ich?", fragte Seneca sichtlich verstört, "Es tut mir leid, ich hätte bei dir sein müssen. Aber all die Geschehnisse.", Seneca stammelte weiter, "Er ist wohlauf? Atticus, Onkel Atticus ja. Er ist also ein echter Iunius im Pompeius Fell. Ich freu mich so für dich Axilla, und gleichzeitig schäme ich mich, weil ich nicht da war.", sagte Seneca und umarmte seine Cousine nochmals unverhofft. "Wo ist der Kleine?", fragte er neugierig.

  • Wo sollte Seneca denn gewesen sein? “Deine Pflicht erfüllen?“ gab Axilla nicht minder verwirrt zurück, weil sie nicht wusste, ob die Frage ernst gemeint war oder nicht. Erst, als Seneca weiterredete und sie merkte, dass er anscheinend wirklich gern eher dagewesen wäre und ihr vielleicht gerne beigestanden hätte – auch wenn er wohl nicht hätte tun können. Imperiosus stand ja auch nur rum, auch wenn der dagewesen war. Da hätte ihr keiner helfen können, das Kind zu bekommen – erst da wurde ihr bewusst, dass er sich wohl deshalb Vorwürfe machte.
    Jedoch sagte Seneca einen Satz, der Axillas Freude doch erheblicher dämpfte als die Erkenntnis, dass ihr Cousin nicht ganz glücklich war. “Ja, ein echter Iunius...“, murmelte sie mehr, als dass sie sprach. Das war ja auch die eigentliche Wahrheit: Ihr Sohn war ja kein wirklicher Pompeius. Gut, jetzt schon, Imperiosus hatte ihn angenommen, damit war er einer, und auch ehelich. Dennoch nagte das Wissen an Axilla, dass es eigentlich eine Täuschung war.
    “Oh, er ist mit der Amme gerade in seinem Cubiculum. Willst du ihn gerne sehen? Er ist so schön, Aulus!“ Es war erstaunlich, wie schnell der Gedanke aber an ihren Sohn selbst es dennoch schaffte, ihre Gedanken aufzuhellen. Axilla beschloss einfach, nicht mehr darüber nachzudenken, was sie getan hatte, zumindest nicht jetzt. Es gab ohnehin so viel, was sie bedrückte und was sie ihrem Vetter erzählen wollte, da musste sie das nicht auch noch dazupacken.
    Noch ehe Aulus so richtig antworten konnte, winkte sie also auch schon einem Sklaven zu, und der nickte auch sogleich stumm und ging los, hatte ja mitgehört, worum es ging. "Und du brauchst dich nicht schämen", plapperte sie also auch gleich weiter, hauptsächlich, um sich selbst auch damit abzulenken. "Er kam ohnehin etwas früher, als ich gehofft hatte, und... du hättest da ja sowieso nichts machen können. Und jetzt bist du ja da, und nur das ist wichtig!"

  • Seneca lächelte als Axilla von ihrem Sohn erzählte, und Seneca versucht sich im Kopf zusammenzulegen was genau er denn jetzt für den Jungen war? Großcousin? Oder doch irgendwas anderes? Seneca würde versuchen sich als Onkel zu etablieren, irgendwie würde es das schon hinkriegen..
    "Ich würde ihn gerne sehen Axilla, nichts lieber als das.", sagte Seneca und freute sich schon auf den kleinen Zuwachs im Hause Iunia, auch wenn es momentan das Hause Pompeia war, so würden Axilla und Seneca sicherlich schon dafür sorgen dass der Junge nicht zu knapp nach den Iuniern käme..
    "Es freut mich für dich, du strahlst.", sagte Seneca, ein zugegeben seltener Anblick seiner Cousin, welche viel zu häufig von Sorgen geplagt war, was allerdings scheinbar, so zeigte es seine Erfahrung zumindest, ein Attribut der Frauen in Rom zu sein schien...
    "Die Götter scheinen eure Verbindung ja gesegnet zu haben, wenn der Nachwuchs es so eilig hatte.", scherzte Seneca, und kniff seiner Cousine sanft in die Wange, in der Erwartung den kleinen Iunius im Pompeius-Pelz zu sehen..

  • Zum Glück merkte Seneca nichts von ihren Zweifeln, sondern sah nur ihre Freude über ihren Sohn. Auch wenn Axilla sich einen Moment nicht so sicher war, ob sie darüber auch wirklich glücklich sein sollte. Sie wusste, dass sie sich gut verstellen konnte, machte es die meiste Zeit, aber manchmal...
    Gleichgültig. Axilla schüttelte den Gedanken beiseite wie so viele in der letzten Zeit. Überhaupt überschlug er sich mit dem nächsten, als Seneca sie so unvermittelt wie ein Kind in die Wange kniff und vom Segen der Götter sprach. Axilla war sich nicht ganz so sicher, ob der Segen der Götter sich nicht bald als Ruhe vor dem Sturm entpuppen würde, wenn sich alles rächen würde, was sie an Schuld auf sich geladen hatte.


    “Ich weiß nicht, ob ich so unter dem Schutz der Götter stehe. Es gibt da noch etwas, worüber ich mit dir reden...“
    Axilla unterbrach ihren Satz, als sie die Schritte der Amme hörte, und stand auf, als Salvia Pulchra mit ihrem Sohn auf dem Arm den Raum betrat. Atticus hatte wohl grade geschlafen, seine Augen blickten noch etwas müde und verwirrt in der Gegend herum. Aber er weinte nicht. Atticus weinte überhaupt sehr selten.
    Axilla kam ihm lächelnd entgegen und reckte ihre Arme nach ihm aus. Als er sie sah, lächelte er und streckte ihr seine Arme entgegen. “Kommst du zur Mama?“ fragte sie ihn mit sanfter Stimme und nahm ihn auf den Arm. Sie hatte immer noch schreckliche Angst, dass sie ihn irgendwie kaputtmachen könnte, auch wenn es fast schon unheimlich war, wie schnell er wuchs. Inzwischen schaute er sich schon richtig um, wenn man ihn auf dem Arm herumtrug. Und so sah er jetzt auch Seneca groß aus strahlend blauen Augen heraus an, als Axilla ihren Sohn zu ihrem Vetter herübertrug. “Ist er nicht einfach wunderbar?“ fragte sie ihn, ohne dabei auch nur eine Sekunde die Augen von ihrem Kind zu lassen. Sie liebte den Jungen. Über alles.

  • Seneca war einfach nur gespannt auf den Kleinen Neuzugang im Hause der Iunier. Als Axilla dann jedoch über etwas reden wollte, konzentrierte er sich für den Bruchteil einer Sekunde auf seine Cousine, bevor ihr Sohn ins Zentrum der Aufmerksamkeit kam, und Seneca einfach nur strahlen musste als er den kleinen Knopf sah.


    "Na wer bist denn du?", fragte Seneca mit einer zugegeben leicht ungewohnten Art für einen Prätorianer während einen Zeh des kleinen berührte, "Wunderschön der Kleine.", befand Seneca und blickte den kleinen Mann mit großen Augen an, bevor er scherzhaft leise flüsterte, "Du bist ein echter Iunier nicht wahr? Da sorge ich schon für.", ein leichtes Lächeln über seine eigene Art wenn er diesen kleinen Kerl sah konnte sich Seneca nicht verkneifen, bevor er wieder auf das wesentliche zurückkam..
    "Süß der Kleine, sehr nach der Mutter.", befand Seneca und gab Axilla einen sanften Kuss auf die Stirn, "Aber über was wolltest du sprechen Axilla?", fragte Seneca, noch bevor er sich in sein Sitzmöbel zurückfallen ließ..

  • Einen Augenblick lang hatte Axilla schon Befürchtung, ihr Sohn könne wie Astyanax beim Anblick des vollgerüsteten Hector in Tränen ausbrechen, als Seneca ihn so unvermittelt berührte und ansah. Ihr Sohn hatte noch nie einen bewaffneten Mann in Rüstung gesehen, sein Leben war bisher wohlbehütet innerhalb der Räumlichkeiten der Casa Pompeia verlaufen. Aber Atticus weinte nicht nur nicht, er lachte. So richtig. Kicherte, als hätte Seneca gerade die lustigste Sache der Welt erwähnt, barg lachend sein Köpfchen an Axillas Schulter und sah immer wieder mit zahnlosem Grinsen zu Seneca.
    Und Axilla lachte mit ihrem Sohn mit, strahlte ihn an, nur kurz zuckte etwas in ihrem Blick, als ihr Vetter meinte, er würde aus Atticus einen Iunius machen, aber sie sagte nichts dazu.


    Erst, als ihr Cousin noch einmal auf das zu sprechen kam, was Axilla vorhin sagen wollte, wurde ihr Gesicht wieder ernst. Sehr ernst. Und ihr Sohn bemerkte den Stimmungsumschwung sofort, hörte auf, zu quietschen und zu lachen, und wurde unruhig und drehte sich in Axillas Armen. Hilfesuchend sah Axilla zu Salvia Pulchra, und die Amme nahm ihr ihren Sohn auch gleich wieder ab.
    Ich bringe ihn mal wieder nach oben“, meinte sie leise, als sie merkte, dass das Gespräch zwischen den beiden Iunii vertraulich war. Axilla nickte kurz und wartete, bis sie den Raum verlassen hatte, schickte auch die übrigen Sklaven weg, Arbeiten im Haus erledigen. Erst, als sie und Seneca allein waren, sprach sie weiter.
    “Aulus, bevor ich es dir sage, musst du mir schwören, dass du nie, nie, niemals mit irgendjemandem darüber reden wirst. Nie, egal, wer dich fragt oder darum bittet. Du schwörst es beim Stein des Iuppiter, beim heiligen Feuer der Vesta, bei all unseren Ahnen!“ Und Axilla meinte das tödlichst ernst. Sie würde sonst nichts sagen, auch wenn sie Seneca an sich vertraute. Aber die Sache war zu wichtig.

  • Seneca freute sich über die Reaktion des kleinen Atticus, und wank noch einmal kurz hinterher als der Kleine, nun etwas ernster, wie seine Mutter, aus dem Raum gebracht wurde. Etwa in diesem Moment wurde Seneca klar dass es gleich sehr ernst werden würde, wie so oft wenn die beiden Sprachen, aber das machte ihre Beziehung auch irgendwie so besonders..
    "Ich schwöre es, bei unseren Ahnen, Iuppiter, dem heiligen Feuer der Vesta und meiner Ehre als Prätorianer.", Seneca ahnte ja nicht was auf ihn zu kam, er wurde sich nur langsam der tatsache bewusst dass es kein Firlefanz sein würde, weshalb er spürbar stiller und ernster wurde, kurz durchatmete und sich anhörte was Axilla zu sagen hatte..

  • Er schwor, und Axilla hoffte, Iuppiter hatte zugehört und würde dafür sorgen, dass Seneca einhielt, was er geschworen hatte. Trotzdem zögerte sie, sah sich noch einmal um und schluckte, ehe sie näher zu Seneca rückte und ihm leise und stockend die grausame Wahrheit beichtete.
    “Es geht um meinen Mann.. und um Vescularius. Also... Imperiosus weiß nicht, dass ich es weiß, und er soll es auch nicht erfahren. Aber... er hat das Testament des Kaisers für seinen Patron gefälscht. Verstehst du? Vescularius ist nicht der Erbe von Valerianus. Das Testament, das er im Senat verlesen hat, ist falsch! Und Imperiosus weiß das und hat ihm geholfen!“
    Axilla sah zu Boden, rang mit ihren Gefühlen. Die Angst kam wieder, und auch die Scham, dass sie nicht mutig genug war, zu tun, was richtig war. Und jetzt auch noch Seneca mit in die Sache reinzog und ihn durch seinen Schwur ebenfalls zur Tatenlosigkeit verurteilte.
    “Ich habe das echte Testament in den Unterlagen meines Mannes gefunden. Es... ich hab wirklich nicht geschnüffelt oder so, es lag einfach da, und ich hab es gesehen und gelesen. Cornelius Palma ist der eigentliche Erbe von Valerianus. Vescularius hat den Thron nur an sich gerissen, und jetzt stürzt er uns in einen Bürgerkrieg. Ich bin mir sicher, dass er das alles schon lange geplant hat. Mein erster Mann... Archias... ich glaube nicht mehr, dass er vom tarpejischen Felsen wirklich gesprungen ist. Er war ein Verwandter von Valerianus, und auch im Palast zuhause. Ich glaube, Vescularius hat ihn ermorden lassen. Oder Prudentius Balbus, der Praefectus Praetorio war, er war mit einer Aelia verheiratet, der Nichte von Valerianus. Und auch die vielen Legatensöhne, die jetzt im Senat sitzen, weil Vescularius sie dahin gebracht hat. Und jetzt der Mord am Kaiser... ich bin mir sicher, dass er es war. Und jetzt sitzt der Mörder auf dem Thron und fängt einen Bruderkrieg an. Die Götter müssen weinen, wenn sie auf Rom blicken.“ Und nicht nur die Götter. Auch Axilla weinte, während sie immer weiter sprach und die Verzweiflung endlich einmal zuließ, die ganze Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit, gegen die sie sich so tapfer zu wehren versuchte, und der sie doch nichts entgegensetzen konnte.
    “Und Imperiosus hilft diesem Mörder. Und er weiß nicht, dass ich das alles weiß. Und er möchte nicht, dass ich weggehe aus Rom. Als der Ausnahmezustand verhängt wurde, habe ich ihn angefleht, Aulus, ich habe gebettelt, dass er mich aufs Land fahren lässt. Aber er will, dass ich hier bleibe, bei ihm. In der Stadt von Vescularius. Und... ich weiß doch nicht, was ich machen soll!“ Bei den letzten Worten wurde das leise Weinen nun wirklich zu einem Schluchzen, bei dem Axilla ihr Gesicht in ihren Händen barg. Sie wusste doch wirklich nicht mehr weiter.

  • Seneca konnte nicht glauben was er da hörte, sicher, auch bei den Prätorianern war Salinator nicht sonderlich beliebt, und die Umstände der Krönung zum Imperator waren seltsam, aber Axilla hatte den Beweis gesehen, gesehen! Seneca wusste nicht was er sagen sollte, am liebsten hätte er seine Klinge ergriffen und den Vescularius zu seinen Ahnen befördert, sollte es diesem ehrlosen Verräter überhaupt gestattet werden zu den seinen aufzusteigen.
    Seneca war froh noch keinen Eid auf den Mann geleistet zu haben, aber was hätte er tun sollen? Ein Attentat wäre nicht nur das Ende Salinators gewesen, sondern auch seins, Axillas und wahrscheinlich von vielen Anderen welche ihm nahe standen..
    Mit Wut und Verwirrung im Blick rang Seneca um eine Antwort,
    "Das ist...", Seneca war bemüht leise zu sprechen, "Diese Ratte, der Verräter kommt aus unseren Reihen, das ist, das, das erklärt alles...", Seneca konnte sich kaum auf dem Sitz halten, "Axilla, wie soll ich Römer töten wenn zu einem Krieg kommt? Wie soll ich Römer töten wenn ich doch weiß dass ich auf der falschen Seite stehe?", kurz beruhigte sich der Iunier, "Aber du, du musst die Stadt verlassen, und wenn ich dich persönlich aufs Land bringe."

  • Axilla weinte. Jetzt, wo sie endlich einmal alles sagen konnte, gab es irgendwie kein Halten mehr für ihre Tränen. Sie fühlte sich so schrecklich hilflos, und auch auf die Fragen von Seneca wusste sie keine Antwort. Sie wollte nicht, dass er Römer tötete, schon gar nicht für diesen Mörder. Aber was konnte sie tun? Was konnte er tun? Sie wusste es doch nicht.
    Axilla versuchte, sich selbst wieder zu beruhigen, was aber nur bedingt gelang. Erst, als Seneca meinte, er würde sie höchstpersönlich aus der Stadt schaffen, schreckte sie kurz aus ihren Tränen auf und sah ihn mit einer selbst nicht genau zu definierenden Mischung aus Hoffnung und Verzweiflung an. Sie wollte ja weg von hier, so weit weg wie es nur ging. Aber sie konnte doch nicht!
    “Aber... Atticus! Er ist viel zu klein, um zu reisen. Und... wo soll ich denn hin? Wenn Imperiosus nein sagt? Wenn ich Atticus trotzdem mitnehme, raube ich ihn! Und hierlassen kann ich ihn auf gar keinen Fall allein!“
    So sehr Axilla auch weg wollte, sie würde niemals ihren Sohn zurücklassen. Für keinen Preis der Welt, nicht mal den ihres Lebens, würde sie ihn aufgeben. Das stand für sie völlig außer Frage. Aber ohne die Zustimmung ihres Ehemannes konnte sie den Jungen nicht aus dem Haus bringen. Rein rechtlich gehörte der Junge ihm, mit Leib und Leben.

  • Seneca nahm seine Cousine in den Arm als sie begann zu weinen. Er war zwar selbst außer sich, versuchte diese Gefühle aber zumindest kurz beiseite zu schieben, um sich um Axilla und den Kleinen zu kümmern.


    "Ihr müsst ja nicht weit weg.", beschwichtigte Seneca seine Verwandte und fuhr dann direkt fort, mit düsteren Aussichten, "Aber wenn sich unsere Informationen bewahrheiten, sieht die Lage sehr ernst aus, und sollte Rom fallen...", Seneca schwieg kurz, sollte er denn Satz zuende führen? Zu düster schien das Bild welches er zeichnete, auch wenn es angesichts der Informationen die die Prätorianer und dank den Aushängen auch ganz Rom hatten gar nicht mal so unwahrscheinlich zu sein schien. "...dann weiß ich nicht was sie mit Salinator und seinen Vertrauten machen. Und dein Mann, nun ja, er steht ihm ja recht nahe.", Seneca redete etwas lauter, nicht so laut dass die Sklaven sie hören konnten, aber so laut dass seine Gefühle gerade so etwas wie ein Ventil finden konnten.
    "Geh aufs Land, nur vor die Tore Roms, Ostia, oder in die Provinz, die Decimer haben einen Landsitz nicht weit weg von der Stadt, vielleicht kann die Auctrix der Acta dich dorthin mitnehmen? Ich werde bald im Krieg sein, und Priscus wird mit der Legio I im Krieg sein, die Götter wissen wie sie zu Salinator stehen. Sag deinem Mann dass du vor die Tore der Stadt willst Axilla, es muss nicht Aegyptus oder Hispania sein.."

  • Wenn sich seine Informationen bewahrheiteten? “Welche Informationen...?“ fragte Axilla in fast ehrfürchtigem Flüstern nach, was in Senecas weiterem Satz aber wohl unterging.
    Was sie mit den Vetrauten von Salinator machten... Axilla wusste, was dann wohl geschehen konnte. Wieder musste sie an Astyanax denken, den Sohn von Hector und Andromache. Nach dem trojanischen Krieg war er von den Stadtmauern geworfen worden, um zu verhindern, dass er sich je für seinen Vater oder seinen Großvater, König Priamos, würde rächen können. Und Andromache, versklavt von dem Mann, der ihren Sohn getötet hatte.
    Gut, Axilla würde wohl nicht als Sklavin enden. Sie war römische Bürgerin, Frau eines Ritters – auch wenn der dann ein Verräter war – und aus einem der ältesten Geschlechter Roms. Aber das konnte sie nicht vor wütenden Massen schützen, die sie umbringen wollten. Oder schlimmeres. Und ihren Sohn würde es auch keinesfalls schützen.
    “Ich weiß, was dann passiert. Mein Sohn wird sterben, wenn ich ihn nicht beschützen kann.“
    Axilla schluckte schwer. Sie würde alles tun, um das zu verhindern, wirklich alles. Aber sie wusste nicht, wie.


    Als Seneca dann aber die Decimi anführte, hörte sie ganz auf mit weinen und sah ihren vetter entgeistert an. “Zu den Decimi?“ Einen Moment blinzelte sie einfach nur entgeistert. “Die sind doch selber auf der Seite von Salinator. Und Terentius Cyprianus, der Mann von Seiana, hat Urgulania umbringen lassen! Und Decimus Serapio hat sehr deutlich gemacht, dass ich ihm niemals willkommen sein werde, weil ich Aelius Archias geheiratet hatte, der mit seiner Schwester verlobt war. Wie kommst du auf die Decimer?“ Axilla fragte sich wirklich, woher diese Idee kam. Seneca schlug das doch nicht von ungefähr vor?
    “Aber ich werde Imperiosus fragen. Vielleicht Ostia... ich meine... vielleicht sagt er ja ja...“, fügte Axilla etwas unsicher hinterher. Sie wusste nicht, was sie machen sollte, würde er nein sagen. Sie konnte nicht zulassen, dass Atticus etwas geschah.

  • So drastisch wollte Seneca das nicht ausdrücken, aber wenn Axilla es schon so auf den Punkt brachte, sollte es Seneca recht sein, zeigte es ihm doch dass sie den ernst der Lage erkannte..
    "Ich sorge dafür dass euch nichts passiert.", sagte Seneca entschlossen, und ignorierte auch Axillas Frage nach seinen Informationen. Dass die Lage eher düster aussah für seine Truppe musste er nicht rausposaunen und es würde Axilla wohl nur noch weiter beunruhigen.


    Das sie so geschockt war über seinen Vorschlag zu den Decimi zu gehen, konnte Seneca verstehen, andererseits hatte er keine Probleme mit Seiana und ihrer Gens, pflegte er doch eine recht persönliche Bindung zur Decima, auch wenn er versuchte das zu verbergen...
    "Ich besuchte den Landsitz der Decimi, außerdem ist Seiana doch auch bei der Acta und ich dachte.. Na ja, keine gute Idee hm?", schwadronierte Seneca vor sich hin und klammerte sich dann an Ostia, auch wenn die Flucht nach Süden sicherlich besser wäre, "Ich kann auch mit ihm reden Axilla, vielleicht drängt ihn ein Prätorianer zur Einsicht.", sagte er, er würde dem Pompeier schon die Leviten lesen wenn es sein muss.

  • Zu gern wollte Axilla ihrem Cousin glauben, dass er sie beschützen würde. Zweifel an dieser Aussage ließ sie erst gleich gar nicht zu, und wie ein Kind kuschelte sie sich etwas enger an ihn und barg ihren Kopf auf seiner Schulter, genoss dieses Gefühl der Geborgenheit und vertrieb die dunklen Gedanken. Seneca würde sie beschützen, ganz sicher. Er hatte es versprochen. Alles andere zählte jetzt nicht. Sorgen würde sie sich später machen.


    “Warum warst du denn auf dem Landsitz?“ fragte sie etwas verwirrt nach. Das ergab nicht wirklich Sinn für Axilla. Warum sollte Seneca auf dem Landsitz der Decimer sein? Es sei denn....
    “Lässt Vescularius jetzt die Häuser seiner Verbündeten auch durchsuchen?“ schreckte sie auf, in heller Panik. Das Testament war noch immer im Haus, Axilla hatte es versteckt. Aber bei einer Hausdurchsuchung würde es bestimmt gefunden werden. Und dann... ein eiskalter Schauer lief ihr über den Rücken, und panisch wollte sie aufspringen und nach oben in ihr Cubiculum laufen, um es aus dem Haus zu bringen. “Ich meine, die Decimer haben sich ihm ja jetzt auch angeschlossen mit der Hochzeit von Decima Seiana und Terentius... aber wenn er ihnen nicht traut... Sollt ihr die Casa Pompeia auch durchsuchen?“
    Das war jetzt noch wichtiger als die Frage, wer mit Imperiosus sprach, weshalb Axilla da vor lauter Aufregung gar nicht mehr darauf antwortete.

  • "Nein nein.", wiegelte Seneca ab, auch wenn er es Salinator durchaus zutrauen würde, so war es so weit nicht gekommen, noch nicht zumindest, der Vescularier war sich seiner Sache wohl dann doch sicher genug um nicht alle seine Unterstützter zu hinterfragen, "Der Praefectus hatte mich auf den Landsitz geschickt um nach seiner Frau zu sehen, deswegen war ich auf dem Landsitz, keine Durchsuchung oder ähnliches.", versicherte Seneca seiner Cousine, und verschwieg dabei weiter dass sich Seiana und er recht gut verstanden hatten, was wohl auch besser war, sowie Axilla reagierte, "Keine Angst, euer Haus wird nicht durchsucht, und dass mit dem Landsitz war sicherlich keine gute Idee, aber wir haben ja sonst niemandem im Umland zu dem du gehen könntest. Wie sieht es mit den Pompeii aus? Kannst du und Atticus dort irgendwo unterkommen?", hakte Seneca nun doch etwas besorgt nach, schließlich hatten sie nicht allzu viele Optionen.

  • Terentius hatte ihn geschickt, um nach Seiana zu sehen? Langsam sickerten Senecas Worte in Axillas Verstand, und nach und nach beruhigte sie sich wieder, wenn auch nur langsam. Ihr Herz schlug ihr noch immer bis zum Hals, so dass sie sicher war, dass Seneca das Wummern und Bumpern eigentlich würde hören müssen.
    “Pompeii?“ fragte Axilla verwirrt und war sich nicht sicher, ob sie das vor lauter Aufregung richtig gehört hatte. Hatte man dort nach dem schrecklichen Vulkanausbruch vor fünfzig Jahren denn schon wieder etwas aufgebaut? Sie wusste es nicht. “Ich... nein, ich weiß da nichts.“
    So langsam hatte sie sich wieder unter Kontrolle, auch wenn sie sich noch immer ein wenig fahrig und durcheinander fühlte.
    “Und vielleicht ist es wirklich gut, wenn du mit Imperiosus mal redest, so von Mann zu Mann“, versuchte sie, das alte Thema wieder aufzugreifen. “Allerdings arbeitet er gerade sehr viel, und ich weiß nicht, wann er dafür so wirklich Zeit hat*“, fügte sie etwas nachdenklicher dazu. Aber diese Problematik verschob sie besser auf später. Wenn Seneca schon fragte, sollte er etwas genaueres bei der Hand haben als 'raus aus Rom'.
    “Und wir haben ja wirklich keine Besitzungen hier direkt in der Nähe. Von daher war der Vorschlag mit den Decimi ja nicht ganz so schlecht, aber... ich glaube wirklich nicht, dass die mich dort haben wollen würden.“ Axilla konnte sich das so wirklich gar nicht vorstellen. Weder Seiana noch ihr Bruder wären darauf erpicht. “Aber vielleicht kann ich in Ostia mir erst einmal eine Unterkunft mieten oder so? Es wäre auch nicht so weit weg, so dass Imperiosus sicher ja sagen würde. Gut, es wäre etwas teuer, aber... das müsste schon gehen. Am liebsten würde ich ja einfach nach Hause, aber... das wäre ja auch noch in Rom.“ Wobei das Axilla dennoch nicht so unrecht wäre. In der Casa Iunia fühlte sie sich sicher. Außerdem wäre Seneca dann ja da. Aber ihr Gefühl würde da wohl nicht reichen, um das Haus auch wirklich sicher zu machen.


    Sim-Off:

    *Der Spieler ist grad in Spanien und hat da wohl noch kein Internet. Keine Ahnung, wann er hier wieder auftaucht.

  • "Ostia.", sagte Seneca leise und nickte, "Ja Ostia ist eine gute Idee, etwas einfaches mieten, sodass niemand etwas merkt sollte es wirklich schlecht ausgehen.", fuhr Seneca nun etwas lauter fort, "Ich sorge schon dafür dass ihr bei Zeiten in Sicherheit seid, unsere Casa wäre schön, da hast du recht, aber dort seid ihr nicht sicher. Nach der Casa Pompeia wäre wohl die Casa Iunia die zweite Anlaufstation, aber ich werde schon dafür sorgen dass unserem Zuhause nichts geschieht.", versicherte Seneca entschlossen, und merkte dass Axilla nicht sonderlich ruhiger war als er. Auf der anderen Seite wurmte es ihn, dass sie unentschlossen war ob sie Rom verlassen sollte oder nicht, er wollte dass sie geht, er würde verlangen dass sie geht. Und selbst wenn Imperiosus etwas dagegen sagen würde, Blut war dicker als Wasser und zur Not würde er Axilla und den Kleinen über die Schulter werfen und nach Ostia tragen, diesen Entschluss hatte der mittlerweile doch recht fest im Sattel sitzende "Herr im Hause Iunia" gefasst.
    "Wenn die Zeit gekommen ist rede ich mit deinem Mann, ich weiß ja immer ungefähr wo die Truppen stehen, und schaffe euch früh genug weg.", versicherte Seneca und gab seiner Cousine nochmals einen sanften Kuss auf die Stirn.


    Sim-Off:

    Pompeii, Pompeier wie auch immer :P

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