Erste Anhörung - Decimus Livianus vs. Germanicus Sedulus

  • Für den PRIDIE KAL IUL DCCCLIX A.U.C. (30.6.2009/106 n.Chr.) hatte der Praetor Urbanus gleich mehrere Anhörungen angesetzt. Darunter auch einen prominenten Fall, nämlich die Anzeige von Decimus Livianus gegen Germanicus Sedulus, immerhin beides Senatoren.


    Geduldig wartete der Praetor auf das Eintreffen der beiden bzw. ihrer Anwälte und vertrieb sich bis dahin die Zeit mit dem Lesen anderer Prozessunterlagen.

  • Da sich Sedulus nicht nachsagen lassen wollte unpünktlich zu sein, erschien er auch rechtzeitig zu "seiner" Anhörung.
    Er hoffte für sich selbst das er sich heute ein klein wenig zusammenreißen würde.


    Er meldete sein Kommen dem Scriba der ihn wiederum beim Praetor anmeldete.
    So trat er in das Officium des Praetors und grüßte diesen.


    Salve Praetor Urbanus.


    Sedulus blickte sich um und sah das er der Erste war. Von der Gegenseite war noch keine Menschenseele zu sehen.

  • "Germanicus Sedulus", grüßte der Praetor zurück. Man kannte sich schließlich aus dem Senat, wenn auch nur vom Sehen her beziehungsweise vom Zuhören bei den Reden des anderen.

  • Was genau wird mir eigentlich vorgeworfen?


    Fragte Sedulus neugierig da noch immer niemand von der Gegenpartei anwesend war und suchte sich einen Platz. Im Sitzen war es halt doch angenehmer sich zu unterhalten.

  • "Ist dir das bei der Vorladung nicht mitgeteilt worden? Nötigung, Bedrohung, Üble Nachrede" erklärte der Praetor nüchtern und ohne eine Regung angesichts dieser recht alltäglichen Vorwürfe.

  • Sicher war es das, nur es war Sedulus etwas unangenehm hier rumzusitzen und nichts zu sprechen. So nickte er.


    Was geschieht eigentlich wenn die Gegenpartei nicht erscheint?


    Wäre ja interessant zu erfahren. Würde die Klage fallengelassen?
    Zumindest würde Sedulus nicht mehr lange warten, hatte er ja auch noch etwas anderes zu tun.

  • Pünktlich zur ausgemachten Stunde erschien Senator Decimus Livianus in Begleitung seines Anwalts und Bruders Mattiacus. Der Geklagte war bereits anwesend, wie Livianus recht schnell bemerken konnte. Vermutlich war Sedulus einer von jenen, die lieber überpünktlich erschienen, um so besser die Übersicht zu behalten. Der Scriba, der die beiden Männer herein geführt hatte, deutete auf die vorbereiteten Plätze für die Klägerpartei und zog sich dann wieder hurtig zurück. Er nickte den Anwesenden zu


    "Salvete die Herren."


    und setzte sich dann auf den ihm zugewiesenen Stuhl.

  • Nachdem Tiberius Durus Post von einer ihm kaum bekannten Dame erhalten hatte, hatte ihn die Neugier gepackt: Einerseits, weil er offensichtlich für seinen Patron von Interesse war, andererseits weil es gegen jemanden ging, den er ebenso hasste wie verachtete: Einen Germanicus!


    Die Formalien zu Beginn der Sitzung waren gewohnt langweilig, obschon Decimus Livianus ein wenig verspätet erschien, was allgemein nicht ratsam war, denn dies konnte den Richter gegen einen selbst aufbringen!

  • Da kam auch schon der Kläger und auch Sedulus`"Freund" Tiberius Durus.


    Er begrüßte Beide recht knapp mit einem Salve die Herren. und wandte sich sogleich an den Praetor.


    Ich wußte gar nicht das der ehrenwerte Senator Tiberius Durus auch in diese Sache involviert ist? Ich ging davon aus das dies nur den Senator Decimus Livianus und mich betrifft. Was macht er also hier?


    Erstaunt und fragend sah Sedulus den Praetor an. Noch war es eine Anhörung und kein Gerichtstermin. Außerdem wunderte er sich, dass wie ihm schien halb Rom und sogar die entferntesten Käffer der Provinzen von diesem Termin wußten.

  • Die Frage nach dem Ausbleiben der klagenden Seite erübrigte sich mit deren Eintreffen, so dass der Praetor seine Akten beiseite legen und die Anhörung beginnen konnte. "Ich hatte bisher keinen Anlass, die Anhörung für nicht-öffentlich zu erklären", beantwortete er noch kurz die Frage des Beschuldigten und begann dann mit den üblichen Formalia. Nach der Feststellung der Anwesenheit, der Erläuterung des Prozederes, der Erläuterung des Sinns der ersten Anhörung und der Verlesung der Anzeige wandte er sich an Decimus Livianus.


    "Nach der Prozessordnung kommt zunächst der Verletzte zu Wort. Ich erteile dir beziehungsweise deinem Advocatus hiermit das Wort."

  • Wie es schien mußten die Beiden sich erst absprechen wer denn nun etwas sagen soll. Oder wollten sie gar nicht?
    Doch eines hoffte Sedulus, das sie bald zur Sache kommen würden.
    So zupfte er sich seine Toga zurecht und drehte gelangweilt an seinem Siegelring und machte ein ebenso gelangweiltes Gesicht. 8)

  • Senator Sedulusmachte irgendwie einen nervösen und ungeduldigen Eindruck auf den Decimer – was bei diesem durchaus gefallen fand. Er sah wieder zu Mattiacus und nickte diesem zu. Hier begann die Arbeit des Advocatus und Livianus wollte sich da weitestgehend heraushalten.

  • Nachdem er erfahren hatte, dass hier ein Fall zwischen zwei Senatoren, noch dazu zwischen dem fast schon zum Helden stilisierten Decimus Livianus und Germanicus Sedulus verhandelt wurde, kam auch Modestus hinzu. Nachdem sein Sklave Callicrates sich unnauffällig nach anderen bekannten Zuschauern umgesehen hatte, setzte sich Modestus neben Tiberius Durus und begrüßte ihn im ruhigen Tonfall, um die Sitzung nicht zu stören.


    >Salve, Senator Tiberius Durus.<

  • Durus grinste raubtierhaft, als der Praetor ihm sein Zuhörer-Recht einräumte. Der Einschätzung des Tiberiers nach war dies wieder einmal ein Beweis für die Inkompetenz dieses 'Senators'. Er mochte sich in die Toga Praetexta kleiden, eine beachtliche Ahnentafel vorweisen, einen goldenen Ring und rote Schuhe tragen - für Durus war Germanicus Sedulus trotz allem ein glänzender Vertreter der Plebs - aus eigener Schuld. Und natürlich passte es da hervorragend hinein, dass er sich nicht so gut in Gesetzestexten auskannte.


    Dann wurde die Sitzung eröffnet und Mattiacus zu Wort gebeten. Schon lange hatte Durus nicht mehr eine Gerichtssitzung mit seinem alten Vorgesetzten gehört. Endlich war es wieder so weit. Und zu alledem kam nun auch Annaeus Modestus, ein weiterer Senatskollege hinzu und setzte sich neben ihm. Diese Anhörung glich bereits jetzt einem schillernden Schauprozess - so viel Aufmerksamkeit wegen einer Beleidigungs-Sache!


    "Salve, Annaeus."


    grüßte er knapp zurück, dann verfolgte er die Rede.

  • Mattiacus trug seine Senatorentoga und hatte ebenso wie sein Bruder Livianus die Anwesenden gegrüßt. Als er dann aufgerufen wurde erhob er sich und begann seine Rede:



    "Werter Prätor, werte Herren, werte Anwesenden!


    Wir sind heute zusammengekommen, um über eine Straftat gegen den hier anwesenden werten Decimus Livianus zu reden.


    Lasst mich kurz beschreiben, was vorgefallen ist: In der Senatssitzung vom ANTE DIEM IV NON IUN DCCCLIX A.U.C. (2.6.2009/106 n.Chr.) zur Kandidatur eben jenes Livianus zur Prätur fielen hässliche Worte gegen Livianus aus dem Munde des hier ebenfalls anwesenden Germanicus Sedulus. In der Diskussion drohte Germanicus Sedulus meinem Mandanten damit, ich zitiere hier aus dem Senatsprotokoll: "Aber sollte ich irgendwann einmal die Möglichkeit haben dies wieder gut machen zu können und mag es in meinem nächsten Leben sein, so werd ich dir und das kannst du mir glauben mein Gladius in den Oberschenkel rammen!", ihm also physische Gewalt anzutun.


    Es mag dahinstehen, und das will keiner hoffen und ich ihm auch nicht unterstellen, ob der werte Germanicus Sedulus seine Ankündigung wahrmachen will, aber es ist doch mehr als anpassend, ja es ist ein Affront gegen den ehrwürdige Senat, wenn er dieses nicht in privato, sondern in publico im Senat von sich gibt. Es bleibt ein rechtserschütternder Eindruck, wenn solche Worte ohne jede Sanktion stehenbleiben. Jeder aufrechte Römer muss über solche Vorgänge im Senat empört sein.


    Ausserdem behauptete Germanicus Sedulus, dass mein Mandant gegen geltendes Recht verstoßen hätte und deswegen nicht als Praetor geeignet sei.


    Nach eingehender Prüfung und Konsultation der einschlägigen Literatur und Klassiker bin ich daher im Einklang mit meinem Mandanten zur Überzeugung gekommen, dass Germanicus Sedulus hier, in Bezug auf die erste Aussage, der Straftatbestände der Nötigung § 81 CodIur und der üblen Nachrede § 84 CodIur und hinsichtlich der zweiten Aussage ebenso der üblen Nachrede, welche als natürliche Handlungseinheit anzusehen ist und daher hier in Tateinheit mit der zweiten Aussage steht, strafbar gemacht hat. Ich bitte daher die gegerische Partei dazu Stellung zu nehmen."




    Mattiacus setzte sich wieder neben seinen Bruder und wartete auf eine Reaktion.

  • Der Praetor hatte keine Zwischenfragen und wandte sich dann gemäß der Prozessordnung für die Durchführung der ersten Anhörung an den Beschuldigten Senator.


    "Nach der Prozessordnung kommt nun der Beschuldigte zu Wort. Ich fordere daher nun Senator Germanicus Sedulus auf, zu sprechen."

  • Nun war also Sedulus an der Reihe. Er erhob sich und sah über die Anwesenden hinweg konnte allerdings seinen Onkel nicht entdecken obwohl er um der Familie Friedenswillen förmlich auf Sedulus einsprach die Sache hier halbwegs auf friedliche Weise über die Bühne zu bringen. Aber gut.


    Es war immer bescheiden als Zweiter zu beginnen da die ersten Worte entweder die selben oder ähnliche waren wie sie schon der Vorredner benutzt hatte.
    So drehte sich Sedulus zum Praetor hin und begann.


    Werter Praetor Urbanus.


    Dann drehte er sich dem Ankläger und seinem Verteidiger so wie den Gästen zu.


    Werte Anwesenden.


    Sedulus machte eine kurze Pause.


    Ja es stimmt, ich habe dies so gesagt warum sollte ich es also leugnen es waren ja genug Zeugen zugegen.


    Begann Sedulus.


    Doch es ist ein Unterschied ob ich es nur sage oder es auch tue. Zumal für mich feststeht das es keine Wiedergeburt gibt. Ich weiß nicht wie es sich bei den Anwesenden hier verhält. Von daher kann Senator Decimus Liviuanus ausgehen das ihm von mir kein Haar gekrümmt wird. Und seien wir doch ehrlich, im Senat sind schon schlimmere Drohungen gesagt und auch wahr gemacht worden. Sogar Morde wurden schon in der Curia verübt. Was meine Worte nicht entschuldigen sollen.


    Wie dem auch sei, es war ein Fehler meinerseits gewesen. Es war meine Unbeherrschtheit welche mich in diesem Moment hatte gehen lassen. Emotionen wie sie hier mit Sicherheit schon jeder gehabt hat und auch immer wieder haben wird. Dabei dürften die Örtlichkeiten keine große Rolle spielen und gerade bei einer solchen Debatte kommt es wohl schneller vor als irgendwo auf der Straße.


    Sedulus machte erneut eine Pause und ging auf Mattiacus zu.


    Verzeih ehrenwerter Decimus Mattiacus, doch ich wüßte nicht wo ich behauptete das dein Mandant gegen geltenes Recht verstoßen hat. Ich habe nur infrage gestellt ob er denn als Praetor geeignet sei. Mehr habe ich nicht. Ich habe ihn weder beschuldigt eine Straftat begannen zu haben noch sonstwas.


    Mit diesen Worten zog sich Sedulus zu seinem Platz zurück und setzte sich.

  • Leider entpuppte sich die Eröffnungsrede von Mattiacus als nicht besonders schillernd. Im Grunde hatte Durus damit zwar rechnen können, doch von so viel Schlichtheit und Nüchternheit war er doch überrascht. Nun, der Decimer war eben ein Jurist durch und durch - und kein Rhetor. Kein Wunder, dass er lieber im Stab des Kaisers arbeitete, als als freier Advocatus! Immerhin hatte er den Sachverhalt klar dargestellt und präzise die Punkte genannt, auf die sich die Anklage stützte - dies war seine Spezialität!


    Die Antwortrede des Sedulus war hingegen von wenig juristischem Sachverstand geprägt. Er gab die Worte sofort zu und versuchte, sich mit einer fadenscheinigen Begründung herauszureden. Darüber hinaus zeigte sich, dass er den Senat - wie der Tiberier es von allen Germanicern annahm - nicht besonders schätzte, sondern der Curia Iulia wohl eine ähnliche Bedeutung wie der Subura zumaß. Man konnte einen Proleten eben in so viel Purpur kleiden, wie man wollte: Er blieb ein Prolet!


    Es war klar, dass Mattiacus keine große Mühe haben würde, Sedulus seiner gerechten Strafe zuzuführen. Ein hämisches Lächeln zeichnete sich auf die Züge des Pontifex. Wieder einmal ein Punkt für die Optimaten!

  • Modestus nickte dem Tiberier noch freundlich zu und hörte sich dann die erste Rede an. Decimus Matticus, der Ankläger des Kaisers, war in senien Augen ein sehr guter Rechtsgelehrter, aber nach der Rede war Modestus der Meinung, dass er die Rethorik, ein Mittel über welches jeder Advocatus verfügen sollte, nicht so ganz im Griff hatte. Die Rede des Germanicus war besser, aber er hatte ein großes Problem. Er hatte es nuneinmal gesagt und leugnen war zwecklos. Nun musste er sich herausreden, was Sedulus nur bedingt schafte, aber für ihn stand auch nicht furchtbar viel auf dem Spiel. Was waren ein paar Aurei für den Neffen des zweitreichsten Mann des Imperiums? Man würde jedoch noch sehen wie es weiterging.
    Als er kurz zu seinem Nachbarn herüberblickte entging ihm nicht das hämische Lächeln, was Modestus irgendwie ungewohnt auf den Zügen des Patriziers vorkam. Zwar hatte er in letzter Zeit nicht wirklich viel mit Tiberius Durus zu tun gehabt, aber er war ihm immer als recht anständiger, tugendhafter Mann in Erinnerung geblieben. In Zukunft würde er sich an diese Seite des Tiberiers erinnern müssen, wenn er ihm begegnete.

  • Der Praetor machte ein zufriedenes Gesicht. Offenbar entwickelte sich die Anhörung ganz nach seinen Vorstellungen.


    "Ich stelle fest, dass über den Anklagepunkt der Bedrohung keine Uneinigkeit zwischen den Parteien besteht. Der Beschuldigte hat den Vorwurf in vollem Umfang zugegeben. Ich schlage vor, wir einigen uns auf eine Wiedergutmachung und verzichten in diesem Punkt auf eine weitere Verhandlung. Ich schlage einen Betrag in Höhe eines zu erwartenden Strafmaßes von 500 Sz. vor."


    Fragend blickte er zwischen den beiden Seiten hin und her, bevor er weiter sprach.


    "Bezüglich der Klage auf üble Nachrede scheint es noch Uneinigkeit zu geben. Ist die klagende Seite in der Lage, die behauptete üble Nachrede aus den Senatsprotokollen zu zitieren?"

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