Officium - Iunia Axilla

  • Zurück aus dem Palast war Silanus durch das vollkommen angeräumte Atrium gegangen. Eigentlich konnten die Sklaven nun tatsächlich alles so dort stehen lassen wie es war und es für die Abreise nach Germanien vorbereiten. Er freute sich zwar immer noch über seine bevorstehende Ernennung zum Praefectus der Ala Secunda, doch nun kam das nächste Problem auf ihn zu. Er musste Narcissa erklären, dass sie in den nächsten Tagen nach Germania abreisen mussten und dort in Zukunft leben würden. Confluentes sollte ihre zukünftige Heimatstadt sein. Bestimmt ein nettes Städtchen und zum Glück auch in der Nähe der Provinzhauptstadt Mogontiacum, doch war es nicht Rom und der Iunier konnte sich bereits jetzt ausmalen, dass Narcissa alles andere als erfreut darüber sein würde. Er selbst tat sich schwer mit der Aussicht auf das kalte und graue Germanien, dass er bisher nur von Erzählungen und Berichten kannte, wo er doch gerade aus dem sonnigen und warmen Alexandria angereist war. Wie musste es dann erst Narcissa gehen, die in Achaia ebenso eher Wärme und Sonne gewohnt war. Es blieb ihm jedoch nichts anderes übrig, als ein klärendes Gespräch zu führen. So wie er war – in voller Rüstung - zog er sich daher gleich in sein Officium zurück und ließ nach ihr schicken.

  • Iunia Narcissa hatte den ganzen Nachmittag im Garten verbacht und sich in Gesellschaft ihrer neuen Sklavin, dem stummen Mädchen Phila, befunden, als Araros ankam und ihr sagte, Silanus sei zurück und verlange sie zu sprechen. Erleichtert legte sie die kleine Handharfe zur Seite, auf der ihr die völlig untalentierte Phila etwas vorspielen sollte und ging gemütlichen Schrittes zu dem Officium, dass sie bereits in der Abwesenheit des Hausherren erkundet hatte. Sie klopfte an, wartete einige Augenblicke und trat dann ein, "Herein" hin oder her, sie war ja schließlich die Herrin im Hause.


    "Schon zurück? Was gibt es denn zu berichten?" fragte sie halbwegs interessiert, innerlich noch darüber nachdenkend, ob der Sklaventausch in Ostia wirklich eine allzu gute Idee gewesen war.

  • In der Zwischenzeit hatte sich der Iunier gesetzt, stand jedoch höflichkeitshalber auf, als Narcissa den Raum betrat. Er deutete auf den Stuhl, der vor dem Schreibtisch stand und wartete bis die junge Frau sich gesetzt hatte.


    "Ich kann durchaus zufrieden sein. Eigentlich hatte ich mich für ein Tribunat bei der Cohortes Praetoriae, der Garde des Kaisers beworben. Der Kaiser hat jedoch anders entschieden und mir ein eigenes Kommando übertragen. Das Kommando einer Reitereinheit, der Ala II Numidia. Eine besondere Ehre für mich und für unsere Gens."


    Das diese Einheit in Germanien stationiert war, ließ er vorerst aus. Er wollte es Narcissa halbwegs schonend beibringen.

  • "Dann gratuliere ich dir." sagte sie mechanisch, sie meinte es zwar auch so, aber wirklich berühren tat es sie nicht. es war natürlich toll, wenn er Karriere machte aber sie interessierte im Moment mehr, in wie fern sie das betraf. Welche Auswirkungen das auf sie haben würde. Ein leiser Verdacht schlich sich in ihren hübschen Kopf und sie sah ihn misstrauisch an. "Ich gehe davon aus, dass die Ala II Numidia nicht in Rom stationiert ist?"

  • Er atmete tief ein, ehe er weiter sprach.


    "Ursprünglich kommt diese Ala aus der Provinz Hispania wie auch der Zweig meiner Familie. Es hat also irgendwo auch daher bereits eine besondere Bedeutung für mich, diese Einheit zu übernehmen………. Derzeit ist sie jedoch in Confluentes stationiert."


    Sichtlich besorgt wartete er auf die Reaktion der jungen Frau.

  • Confluentes... Moment, das war doch in Germanien!? Gerade Germanien. Narcissa atmete einen Moment durch und sah in besorgte Gesicht ihres Gegenübers. Sie schnaubte wütend und zog ihre Augenbrauen zusammen, konnte er es ihr nicht einfach sagen. Wieso musste er so nett sein, das ging ja schon fast so weit, dass sie ihn als weich bezeichnen wollte. Er war kein richtiger Mann, er war nicht bestimmt oder setzte sich durch und das war wahrscheinlich das Einzige, was bei Narcissa wirklich fruchtete. Sie brauchte etwas Gegenreaktion, wo sie doch so gerne ihre Grenzen austestete und ihre eiskalten Launen innerhalb von Sekunden umschwenken konnten. Wenn sie diese erst einmal ausgelebt hatte und genau das tat sie jetzt . Sie seufzte einmal theatralisch und erhob dann ihre Stimme.


    "Germanien, richtig? Du willst also allen Ernstes, dass ich mit dir an das Ende der Welt reise und dort vor Langeweile sterbe, die ewige Stadt vergessend und dir ein braves Eheweib?" Eigentlich wollte sie ihn nicht direkt so angehn, aber je länger sie sprach, desto wütender wurde sie und sich selbst zu bremsen hatte sie schon lange nicht mehr gekonnt. Ihr Gefühl ohne Zenon völlig allein auf der Welt zu sein, machte es für sie sehr schwer, noch höflich zu bleiben - denn sie ging nicht davon aus, dass sie Silanus besonders viel sehen würde, wenn er erstmal seinen Dienst angetreten hatte. Demnach war sie wieder allein. "Das kannst du vergessen. Ich will nicht nach Germanien und du wirst mich nicht überreden, wenn du darauf bestehst. Wir sind ja noch nicht mal verlobt, du hast überhaupt keine Gewalt über mich." Ihre patzige Antwort war wahrscheinlich keine Fortsetzung des höflichen Eindrucks, den sie noch am Vormittag gemacht hatte.

  • "Bitte beruhige dich Narcissa. Es ist nicht so schlimm wie es sich im ersten Moment anhört. Wir werden im Castellum der Ala wohnen und dort ein Haus zur Verfügung haben das weitaus größer und bestimmt auch um einiges prunkvoller sein wird als unser Haus hier. Ein Praetorium gleicht einer römischen Villa. Du wirst also auf keinen Komfort verzichten müssen.


    Und Confluentes liegt nicht weit von der Provinzhauptstadt Mogontiacum entfernt. Besuche dort werden dort also durchaus immer wieder möglich sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es dir Langweilig werden wird. Praefectus Ala ist ein sehr angesehener ritterlicher Posten und als Verlobte eines solchen wirst du in Germanien in den besten Kreisen verkehren."


    Er konnte sie ja verstehen. Es war bestimmt ein Schock. Doch irgendwie musste er es schaffen sie zu beruhigen und umzustimmen. Ihr Vater wäre alles andere als erfreut, wenn Silanus sie wieder zurück nach Achaia schicken musste.

  • Narcissa verschränlte die Antwort und hörte sich mich sichtlichem Unwollen seine Antwort an. Ihr Vater hätte jetzt auf den Tisch gehauen, sie eine dumme Tochter genannt und darauf bestanden, dass sie ihm gehorchte. Was natürlich nur noch eine patzigere Antwort ihrerseits nach sich gezogen hätte. Doch Silanus war anders, er appelierte an ihre Vernunft und versuchte ihr das germanische Dorf schön zu reden. Die Verlobte eines Präfectus Ala, ja, das wäre sie dann wohl. Aber er war ihr Verwandter, verdammt nochmal! Da konnte ihr die besten Kreise aus Confluentes auch nicht weiterhelfen. Sie schwieg ihn an und sah seinen flehenden Gesichtsausdruck, der sie allerdings nicht wirklich umstimmen konnte.


    "Ich schätze, ich muß mit. Ob ich will oder nicht." sagte sie frech und stand auf, obwohl es eher so aussah als sprang sie auf. Sie war wütend, was man ihr ansah und sie war sich dahingehend auch nicht für eine noch größere Szene zu schade.

  • "Ich denke daran führt kein Weg vorbei."


    Silanus stimme klang sanft, aber doch ein wenig eindringlich. Auch er brauchte noch etwas um sich mit der neuen Situation und seiner zukünftigen Arbeitsstätte anzufreunden, doch er war sich sicher, dass es Narcissa ebenso gelang, wie ihm selbst.


    "Wir werden das beste daraus machen Narcissa."

  • Das Beste!? Was verstand er schon, was das Beste für sie war!? Narcissa schüttelte wild den Kopf und wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als sie es sich anders überlegte. Sie würde wahrscheinlich noch soviel reden können, bei ihm war alle Mühe vergebens. Er war ebenso stark wie ihr Vater, nur eben nicht so laut. Ob ihre Familie ihn deswegen ausgesucht hatte? Narcissa war ja selbst klar, dass ein Großkatzendompteur wohl bessere Aussichten bei ihr hatte als jeder andere Mann. Daher drehte sie sich einfach nur um und ging.

  • Verwundert sah Silanus auf und legte die Schriftrollen beiseite, an denen er gerade gearbeitet hatte. Ein ehrenvoller Besuch, doch hatte Silanus mit den Germaniern bisher wenig bis gar nichts zu tun gehabt. Was konnte ausgerechnet ein Senator aus dieser bekannten Familie von ihm wollen? Er nickte den Sklaven weg, erhob sich und machte sich auf ins Tablinum.

  • Silanus sah den Sklaven verwundert an. Was seinen neuen Kollegen wohl hier her geführt hatte? Neugierig erhob er sich und richtete seine Tunika. Dann nickte er dem Sklaven zu.


    "Ja, bringe ihn hier her."

  • Caius war dem ianitor dann hinterher getappt und hatte höflich gewartet. Als der Sklave ihn aufforderte, einzutreten, wuchs seine Nervosität schlagartig ins Unermessliche an. Aber, so sagte er sich, immerhin hatte er bei diesem Gespräch mehr vorzuweisen als bei dem letzten seiner Art, und das beruhigte ihn doch schon etwas. Außerdem war er hier bei seinem Kollegen, einem Gleichgestellten, und nicht bei einem wildfremden Senator.


    Er trat also ein.
    »Salve Iunius!« grüßte er ihn erstmal. Es war inzwischen sicher zwei Wochen her, dass sie abends mit Annaeus Varus einen Trinken gegangen waren und seinen Einstand gefeiert hatten.
    »Ich hoffe doch, ich störe dich nicht?«

  • "Du störst nicht Aelius. Willkommen in der Casa Iunia."


    Silanus trat hinter seinem Schreibtisch hervor und streckte dem unerwarteten Besucher freundlich seine Hand entgegen. Er wusste schließlich nicht, dass dem Aelier die Casa bereits bestens bekannt war.


    "Ich bin jedoch überrascht. Was führt dich zu mir?"


    Dann wurde der Iunier plötzlich todernst und ein wenig blass im Gesicht.


    "Es ist doch hoffentlich nichts mit dem Kaiser geschehen?"

  • Oioi. Wenn der wüsste, wie oft Caius in der letzten Zeit schon hier gewesen war. Caius lächelte und nickte höflich.
    »Danke für das nette Willkommen.« Er reichte Silanus die Hand und umgriff kurz dessen Unterarm zum Römergruß. Caius sah Silanus erstaunt an, als der vom Kaiser sprach.
    »Was? Oh nein, keine Sorge. Ich denke, ihm geht es gut. Bestimmt würde man auch nicht mich schicken, wenn's anders wär«, vermutete Caius und dachte dabei an die Prätorianer. Gut, aber nun raus mit dem Anliegen.
    »Ich bin wegen was anderem hier... Ich wollte dich fragen, ob du etwas dagegen hast, wenn ich Axilla heirate.«
    Wenn Silanus bei ihrem Trinkabend aufgepasst hatte, fiel ihm jetzt sicher ein, dass er da von seiner Verlobung mit Seiana erzählt hatte. Caius war auf die Frage danach vorbereitet.

  • Silanus atmete erleichtert auf, als Archias seine erste Befürchtung widerlegte. In Zeiten wie diesen konnte man nie wissen, welche Nachricht man aus Misenum erhielt und wer sie einem überbrachte. Doch kaum hatte Silanus Herz wieder einen normalen Rhythmus angenommen, brach die nächste Nachricht über ihn herein, die weitaus unerwarteter kam als die Nachricht über das ableben des kranken Kaisers. Der Iunier sah seinen Gast völlig irritiert an und wusste im ersten Moment nicht was er erwidern sollte. Axilla? Heiraten?


    Vermutlich konnte Archias im selben Moment sehen, wie sich die vielen fragenden Gedanken in Silanus Gesicht widerspiegelten und sich nur langsam zu formulierten Fragen ordneten.


    "Aber….. Aber ich dachte du bist mit dieser Decima verlobt? Und du und Axilla.......ihr kennt euch?!"


    Es war weniger das Entsetzen über die eigentliche Frage nach der Verlobung, als viel mehr das der Aelier und Axilla sich überhaupt kannten. Und vor allem anscheinend gut genug für eine Verlobung. Ähnlich wie schon bei Serrana und Sedulus war diese Männerbekanntschaft seiner Verwandten vollkommen an Silanus vorüber gegangen. Fragend sah er seinen Gast an.

  • Caius hatte zwar damit gerechnet, aber irgendwie war er doch überrascht, dass Silanus so überrascht war. Er schob kurz die Augenbrauen zusammen und sah zerknirscht drein, dann entspannte er sich wieder.
    »Nicht mehr, nein«, sagte er erstmal auf die Frage nach der Verlobung. Er hatte sie an diesem Morgen erst austragen lassen, aber das musste er Silanus ja nicht erzählen.
    »Axilla kenne ich noch von mener Zeit in Ägypten. Wir waren damals schon befreundet und wir verstehen uns sehr gut. Und sie hilft mir seit einer Weile mit meinen Betrieben. Öhm... hat sie dir das nicht gesagt?« Gut, Caius wusste ja, dass die beiden irgendwas miteinander hatten, was nicht unbedingt einfach war. Aber dass sie so gar nicht miteinander redeten...


    »Naja. Jedenfalls würde sie mich heiraten, wenn du es erlaubst«, schloss er recht simpel, obwohl Axilla ja eigentlich gar nicht drauf hören musste, was Silanus ihr sagte. Trotzdem war's besser, wenn man sich mit der Familie gut stellte, und deswegen war er ja auch hier.

  • "Nicht mehr. Ähm… Ich verstehe."


    Der fragende Blick wurde nur noch eindringlicher, als Archias die Zusammenarbeit mit Axilla erwähnte und das sie sich sehr gut kannten. Sehr gut? Was meinte er damit? Hatte sie ihm tatsächlich nichts davon erzählt oder konnte er sich einfach nicht mehr daran erinnern?


    "Nein das hat sie nicht erwähnt. Aber das ist nun auch egal."


    Für die Gens war die Verbindung zwischen dem Hause der Aelier und der Iunier ebenso segensreich wie Serranas Verlobung mit einem Senator. Aus dieser Sicht war Silanus daher mehr als zufrieden und hatte keineswegs vor seine Zustimmung zu verweigern oder den beiden Glücklichen zumindest das Leben etwas schwerer zu machen, den verhindern konnte er eine Heirat ohnehin nicht, da er Axillas Vormundschaft bereits vor einiger Zeit zurück gelegt hatte und sie nun selbst diese Entscheidung treffen konnte. Für einen kurzen Moment dachte er zurück an die gemeinsame Zeit mit Axilla und er merkte doch wie ein wenig Wehmut in ihm aufkam, dass diese Heirat nun einen endgültigen Schlussstrich unter alles setzen würde. Doch für Axilla war dies das Beste und auch er konnte zufrieden sein, wie alles nun unerwartet zustande kam. Ein breites Lächeln trat daher wieder in das Gesicht des Iuniers und er legte Archias freundschaftlich die Hand auf die Schulter.


    "Nun wenn es so ist wie du es sagst, dann steht euren Plänen nichts im Wege. Natürlich erlaube ich es. Wie könnte ich dagegen sein. Ich gratuliere dir und natürlich auch Axilla."

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!