Megaro tou Krateidoi | Das Anwesen der Krateiden

  • Am Kanal von Canopus lag das Anwesen der Krateiden, die Residenz des alten Patriarchen, der von hier aus die Geschicke seiner Familie lenkte. Umrahmt von Zeder-, Dattel- und Olivenbäume thronte der weiße und hellenische Bau am Rande des dahin fließenden Wassers, deren Oberfläche so grün wie das Laub der Bäume schillerte. Eine hohe Mauer war um die Villa gezogen. Eiserne Pfosten sollten es jedem Dieb schwer machen, aber auch die Leibwächter, die durch das Anwesen streiften und gnadenlos jeden Eindringling stellen würden.


    Hatte man erstmal dieses Hindernis überwunden, lud der prächtige Garten jedoch jeden Ästheten zum Verweilen ein. Denn jede Blume, jeder Strauch schien mit einander wetteifern zu wollen, wurden nur von den zahllosen Lotusblumen übertrumpft. Blüten, die schon die alten Ägypter geschätzt hatten. Das Haus selber war prachtvoll. Zeugte von dem Reichtum der Familie, den sie durch mehr oder minder unlautere Wege angesammelt hatten. Und das schon über viele Generationen hinweg.

  • Düster verhangene Sänften erschienen einer nach dem anderen vor dem Anwesen der Krateiden. Die Leibwächter spähten zwischen die Vorhänge und inspizierten die Ankommenden genau. Dann nickten die bulligen Männer, nubische Söldner allesamt. Sklaven neigten dazu, den Herrn zu verraten. Aber wer an das Gold glaubte, dem konnte man wenigstens so lange vertrauen, so lange man ihn besser als der Feind bezahlte. Die Tore öffneten sich jedes Mal, wenn eine Sänfte von Sklaventrägern hinein gebracht wurde. Das Haus war hell erleuchtet und es hatten sich schon einige Hellenen eingefunden. Alle waren sie an diesem Abend zu dem Haus gestrebt, um der Versammlung der Krateiden heute bei zu wohnen. Denn es sollten Pläne geschmiedet, Bündnisse geflochten und Verträge ausgehandelt werden.


    Es erstaunte Geórgios noch selber, dass er auch auf dem Weg zu dem Haus war. Es war mehr die Neugier, die ihn trieb. Grimmig ließ er die Inspektion über sich ergehen. Verschlossen reagierte er auf das gönnerhafte Nicken des Schwarzen. Schlecht gelaunt stieg er aus der Sänfte als er das Haus erreichte. Er streckte sein Kreuz durch und spähte zu dem Haus hoch. Einige Jahre hatte er hier gelebt. Es schien Äonen her zu sein. Und es war keine gute Zeit gewesen. In seiner Kindheit. "Ich wusste doch, dass Du kommst, Bruderherz.""Ah ja?" Themistoklís nickte selbstzufrieden. "Komm’. Das Essen wird gleich angerichtet. Der Alte hat sich heute nicht lumpen lassen und das Beste vom Besten herbei geschafft. Und Tänzerinnen. Ich sage Dir, die schönsten Sklavinnen von ganz Afrika." Geórgios rollte mit den Augen, folgte seinem Bruder jedoch die Treppen hinauf.






    OOC: Wer Lust hat, als potentieller oder realer Verbündeter, als wichtige Persönlichkeit, die man auf seine Seite ziehen oder als ‚Spion’ der Gegenseite zu kommenl, kann sich gerne eingeladen fühlen. Jederzeit natürlich.


  • Eirene, eine geheimnisvolle Frau:



    Vier nubische Sklaven hatten eine Sänfte vor dem Landhaus der Krateiden abgesetzt und der Insassin auf die Beine geholfen. Dabei handelte es sich um eine hochgewachsene Gestalt, die in einem seidenen Himaton steckte, das ihr auch über den Kopf gezogen war, sodass ihr Gesicht zunächst verdeckt blieb.


    Mit geschmeidigen Bewegungen schlängelte sich die Gestalt durch die Trauben von Menschen im Hof des Hauses und auf die Treppe zu. Zwei Diener folgten ihr dabei auf den Schritt. Fast theatralisch wehte das Gewand, von der Geschwindigkeit ihres Ganges wie zurückgelassen. Die Gestalt eilte nicht, doch sie ging, als wüsste sie ihr Ziel genau.


    Unauffällig gab sie einem ihrer Diener, einem Knaben mit tiefschwarzer Haut, der nur mit einer kurzen Tunika bekleidet war, wie, um niemanden um den Anblick seiner schlanken, dunklen Beine zu bringen, ein Zeichen, worauf dieser zu einem der Diener des Hauses ging.


    "Chaire. Meine Herrin möchte den Hausherren sprechen. Ist dies möglich?", fragte der Junge.

  • Bunte, leuchtende Stoffe, geschminkte Gesichter, gekringelte Locken bei genauso den männlichen Gästen, wie auch den wenigen Frauen, schlugen dem hiereús entgegen. Überschwängliche und blumigen Begrüßungen wurden ausgetauscht. Die ewig gleichen und genauso heuchlerischen Floskeln gewechselt. Geórgios beteiligte sich daran und strebte über die große Eingangshalle, die von einem imposanten Steinchenmosaik geschmückt wurde. Ein goldener Streitwagen, der von vier Pegasi gezogen wurde und die flammende Sonne hinter sich her zog. Geórgios Schuhwerk traten darüber hinweg. Ohne dass er das Mosaik mit Aufmerksamkeit bedachte. Bunte Lichter in gefärbten, ledernen Laternen erleuchteten das mit Blumen und Weingirlanden geschmückte Haus. Die Gäste kannte Geórgios fast alle nicht. Er meinte jedoch einige von der Korleikenfamilie wieder zu erkennen, die fast genauso viel Dreck am Stecken hatten wie seine eigene Familie. Aber von teilweiser noch üblerer Natur waren. Es wunderte den Priester nicht, diese heute in dem Anwesen zu sehen.


    Es war zuerst der Knabe, der die Beachtung des Priesters errang. Er folgte dem schlanken Knabenkörper mit den Augen und betrachtete ihn beifällig. Seine Mundwinkel hoben sich dabei. Die Worte des Knaben verstand der Priester nicht. Doch dafür die Stimme des Dieners, der den Knaben prüfend musterte und dann zu der Dame sah. Was wiederum Geórgios Wahrnehmung auf diese lenkte. "Richte Deiner Herrin die Willkommensgrüße der Familie Krateidos aus. Wenn sie sich einen Augenblick gedulden würde?" Der Diener, ein Ägypter von eher schlankem Wuchs, verneigte sich in Richtung der mysteriösen Gestalt. Er war kein Sklave, wie viele in diesem Hause es nicht waren. Der Alte traute Sklaven nicht weit. Der Diener verschwand hinter einem seidenen Vorhand, der sich im lauen Abendwind und der Bewegung hin und her bewegte.


    Geórgios musterte die Frau ohne Scheu und mit einem Lächeln auf den Lippen. "Kennst Du die Frau?" Themistoklís sah zu ihr und runzelte die Stirn. Ehe er den Kopf schüttelte. "Nein, aber Du darfst nicht vergessen, dass ich drei Jahre fort war. Da verändert sich vieles, Bruderherz." Geórgis nickte verstehend. Bündnisse und Feindschaften zerbrachen und entstanden schneller als die Bäume ihr Laub wechselten und der Nil sein Wasser über die Ufer trieb. Der Vorhang teilte sich und ein bulliger Mann spähte hinaus. Er hatte einen Glatzkopf und Narben quer über den Stiernacken und seinem Gesicht. Finster stierte er die Frau an, dann nickte er zu dem Diener, der neben ihn getreten war.


    Der Diener schritt zurück, verneigte sich und sprach: "Der Hausherr wird euch mit Freuden empfangen, werte Dame." Somit drehte sich der Diener um, in der Erwartung dass sie ihm folgte. Wobei er auch Geórgios mit den Augen streifte. "Dich wünscht er auch zu sehen, Gorgis!" Erst da erkannte Geórgios den Ägypter. Nebou. Die kleine Natter war schon lange im Dienste von dem Alten und sie hatten sie nicht sonderlich gemocht. Geórgios Augen verengten sich bei der laksen Anrede durch Nebou. Er folgte ihm jedoch ebenso, wobei er mit einem höflichen Gestik der Dame den Vortritt liess. Direkt am Vorhang wartete der Stiernacken. Grimmig war sein Ausdruck und grollend die Stimme. "Tragt ihr Waffen bei euch?", fragte er die Dame. Höflich war er noch nie gewesen, Geórgios war es gewöhnt.


  • Eirene, eine geheimnisvolle Frau:



    Etwas abseits stehend hatte die Frau zugesehen, wie ihr Diener nach dem Hausherren gefragt hatte. Sie merkte, dass der Hausdiener sie angeblickt hatte. Schließlich sah sie dessen Verneigung. Sie ließ sich Zeit, ehe sie diese mit einem huldvollen Kopfnicken beantwortete. Dann zitierte sie mit einem leisen Fingerschnippen den dunklen Knaben herbei, der sich sie um mehr als einen Kopf überragte.


    Die Frau hatte auch den Mann bemerkt, der sie, etwas schamlos wie sie fand, angesehen hatte. Sie beachtete ihn jedoch nicht.


    "Ich danke dir.", sagte die Dame herablassend, als der Diener die Nachricht überbrachte. Mit sorgsam gewählten Schritten bewegte sie sich auf die von einem Vorhang bedeckte Wandöffnung zu. Ihr Leibdiener folgte ihr auf den Tritt. Als der Mann, der sie zuvor schon gemustert hatte, ihr den Vortritt gewährte, nickte sie höflich.


    "Ich danke dir, ehrenwerter Herr.", sagte sie. Plötzlich hörte sie jemand sie von der Seite ansprechen. "Ich trage keine Waffen bei mir. Der Knabe auch nicht.", sagte sie, die Worte überdeutlich aussprechend, doch ruhig und höflich.

  • Examinierend musterte der Glatzkopf und Söldner des alten Patriarchen der Krateiden die Frau vor sich. Ohne einen Muskel im Gesicht zu verziehen sah er hoch und runter. Suchte wohl nach versteckten Waffen unter den kostbaren Stoffen, was er bei dem Diener der Dame ebenso tat. Dann nickte er leicht, obwohl sich der natürlich und professionelle Misstrauen noch in seinen Augen hielt. Er hob die Hand und schob den leichten und sich bauschenden Vorhang zur Seite, damit Eirene in den Gang treten konnte, samt Gefolge und natürlich Geórgios, der gedachte, sich der Dame anzuschliessen. Eine Hand legte der Glatzkopf jedoch auf die Schulter des Themistoklís. "Du nicht.", brummte der Kämpe. Themistoklís zog ein enttäuschtes Gesicht, trollte sich jedoch sofort.


    Dämmriges Schummerlicht schlug ihnen entgegen. Ein Gang der von Bronzelampen erleuchtet wurde und in einem großen Raum endete, der nicht weniger düster war. Schwarzweiße, geometrische Steinmosaike verzierten den Boden. Von den Fresken war kaum etwas zu sehen, da die Fenster völlig verhangen waren und die Bronzeschalen, die Rauchwerk und Kohle verbrannten, kaum Licht spendeten. Nur eine nymphengleiche Statue, die in ihren schlanken Händen je eine Öllampe trug, war der einzige Lichtschein in dem Raum.


    Auf einer thronähnlichen Erhöhung und am Ende des Raumes saß in einem hohen Lehnstuhl ein alter Mann. Grauweiß umwucherter ein dichter Bart sein Kinn. Seine Augen lagen in tiefen Schattenhöhlen, seine ganze Erscheinung war im düsteren Zwielicht verhüllt. Ein Methusalem schien er zu sein, obwohl man sein Alter schwer einschätzen konnte. Neben ihm stand eine bildschöne, junge Frau germanischer Abstammung. Ihr goldblondes Haar floss über ihren Rücken hinab. Ihre Augen waren starr auf die Wand gegenüber gerichtet als ob sie die Ankommenden nicht bemerkte. Der Söldner gesellte sich an die Seite des Alten, der seine alte und knochige Hand hob.


    "Gorgis, Junge. Komm' her!" Dunkel und sonor klang die Stimme des Alten. Geórgis verzog missgestimmt das Gesicht. Dass er schon vier Lebensdekaden hinter sich gebracht hatte, änderte wohl kaum etwas daran, immer noch ‚Junge’ genannt zu werden. Steif und reserviert trat Geórgis an die Seite des Raumes und verschränkte die Arme vor der Brust. Der Alte hatte schon längst wieder seine Augen von ihm abgewandt und sah durchdringend auf die Frau. "Chaîre." Keine Überraschung. Kein Wundern in der Stimme des Alten. Ganz als ob er die Frau erwartet hätte.


  • Eirene:


    Mit federndem Gang bewegte sich die Frau in den Raum hinter dem Vorhang und dort in Richtung des alten, etwas verwilderten und wie es schien schmutzigem Greis, der wie ein König des Morgenlandes auf einem Thron saß, eine überaus unhellenische Attitüde, wie die Frau fand.


    Würzig und schwer war die Luft im Raum von schwelender Kohle und Räucherwerk. Auch fand kein Abendwind Einzug in dieses Zimmer, da die Fenster verhangen waren.


    Kurz schien es, als müsse die verschleierte Frau nach Atem ringen, schnell jedoch beherrschte sie ihre Reflexe. Mit einer grazilen Bewegung schob sie den Schleier von der Stirn. Nun wurde ihr Gesicht, das zuvor im Schatten gelegen hatte, sichtbar. Sie war kein junges Mädchen mehr, doch zart. Die Haut im Gesicht war blass, zusätzlich mit Kalkschminke gebleicht, was mit Rötel abgemildert worden war.


    Auf die Begrüßung des Altens hin nickte die Frau. Sie trat einen weiteren Schritt auf ihn zu. Dann hielt sie ihm ihre schmale, blasse, mit einer Vielzahl an filigranen und einem einzelnen schweren Siegelring (eigentlich eher das Attribut eines Hausherren und Familienvaters) geschmückte rechte Hand hin.


    "Es ist mir eine Ehre.". sagte die Frau. Bei jedem Wort spitzte und beugte sie ihre Lippen wie eine Schauspielerin, die sich um eine deutliche Aussprache bemüht.
    "Mein Name ist Eirene. Du wirst mich nicht kennen."

  • Nur am Rande registrierte der Alte noch seinen Enkel. Einer von vielen, die sich in die Schar der Krateiden reihte. Und einer, den der Alte für ein schwarzes Schaf und Versager der Familie hielt. Der Alte musterte die Frau stumm und betrachtete den Siegelring, der sich ihm entgegen streckte. Doch er rührte sich auf seinem Thron nicht. Er erhob sich auch nicht. Das vermochte er schon seit einigen Jahren nicht mehr. Immerzu wurde er von den Männern, die ihm schon lange dienten, von einem Raum zum Anderen getragen. Es hatte jedoch nicht die eiserne Faust geschwächt, mit der er über seine Familie herrschte. Nur ein leichtes Nicken von seinem grauweißen Bart war zu sehen. Kyrios Krateidos, oder auch nur der Alte von seiner Familie genannt, liess an seiner Mimik nicht erkennen, ob er Eirene nicht kannte oder ob ihr Name schon an sein Ohr gedrungen war.


    "Schöne Frauen sind immer gerne gesehen in diesem Haus." Doppeldeutig. So war das von Kyrios auch gemeint. Kyrios sprach leise. Doch seine klare und einst geschulte Stimme war im ganzen Raum gut zu hören. Einst hatte Kyrios als Demagoge die Ekklesia beherrscht mit seiner Stimme. Er hatte sie zum Lachen, Toben oder manchmal sogar zum Weinen gebracht. In seiner besten Zeit hätte er sie sogar zu einem Aufstand anstacheln können. Doch der war schlecht für sein Geschäft. Und Kyrios bestrebt, sich mit den Machthabern gut zu stellen. Seine Nachkommen waren dahin gehend nur noch ein Schatten der alten Familie. Darum das Licht der Krateiden in der Ekklesia gebrochen. "Was wünscht die Dame, die den Namen der Tochter des Zeus trägt? Willst Du den Frieden an mich heran tragen?"


  • Eirene:



    Eirene bleckte kurz die Zähne. Einige Goldzähne waren darunter, die im Schein der Lampen aufblitzten. Sie entfernte mit einer fast hochmütigen Geste eine Haarlocke aus der Stirn. Zu kunstvollen Spiralen und Wellen war ihr Haar geformt.


    "Das freut mich.", erwiderte sie kühl auf die Anspielung des alten Mannes. Sie schürzte die Lippen. "Ich weiß gar nicht, wie sehr dir am Frieden liegt, werter Herr dieses vornehmen Hauses.", sagte sie langsam. Jedes Wort schien ihr als Perle über die Zunge zu rollen, um dann mit einer grazilen Lippenbewegung ausgespuckt zu werden. "Du kennst mich nicht, doch ich weiß von dir und noch von anderen. Du bist ein überaus berühmter Mann in dieser Stadt. Dein Stamm ist einer der vornehmsten. Doch ich weiß auch, dass dein Einfluss nicht mehr der ist, den du einst hattest. Ihr Krateiden und die Nearchäer sind im Abstieg begriffen." Sie schürzte die Lippen. "So wie die Sonne am Morgen aufgeht, mittags ihren höchsten Stand hat und schon abends- " Ihre Augen funkelten eisig. "-vergeht. Im Gegensatz zur Sonne blühen Stämme nicht nur einen Tag, sind aber auch nicht nur eine Nacht lang abwesend. Die Geschichte hat einen anderen Lauf als die Gestirne. "Ich komme mit einer Botschaft, die zu hören dich überraschen wird. Möchtest du sie hören?"

  • Eine Fliege summte durch das schattige Dämmerlicht, das in dem Raum vorherrschte. Dick und träge schwebte die Fliege bis zu dem Alten und setzte sich auf seinen Arm. Die welke Haut an seinem vom Alter fleckigen Arm rührte sich nicht. Gemächlich begann die Fliege ihre schillernden Flügel zu putzen. Der Leib glänzte grünschwarz im Schein einer Öllampe, die schwach flackerte.


    Geórgios beobachtete sowohl seinen Großvater, den alten Patriarchen der Familie, als auch die Frau. Gerade jene nebulösen Konversationen, die bedeutungsvollen Geschäfte, die sie machten und die sonst das Licht des Tages scheuten, widerten den Priester an. Warum? Das wusste Geórgios selber nicht so genau. Denn er war weder ein sonderlich ehrlicher, noch aufrechter Mensch. Er fluchte gerne. Er nahm die Gläubigen aus. Übervorteilte die Polis, wenn er einen Vorteil für sich sah. Oder vielleicht war er gar nicht angewidert? War es vielleicht Neid, den er mit einem Deckmantel der Selbstlüge zu verbergen suchte?


    Ehe Geórgios jedoch dazu kam, sich weiter darüber Gedanken zu machen, sah er, dass die Augenbraue seines Grossvaters nach oben zuckte. Ein spöttisches Lächeln zeigte sich unter dem massigen Bart. Jedoch meinte Geórgios auch etwas wie Wut bei dem Alten zu erkennen. Er kannte ihn ja doch genug noch von früher. Und Geórgios wusste, dass die Frau ins Schwarze traf. Mit jedem ihrer Worte. Wie vergiftete Pfeile, die erst stachen, aber dann ihre volle Wirkung entfalteten. Todbringend. "Ich höre.", erwiderte der Patriarch kalt.


  • Eirene:


    Wieder schürzte die Frau die Lippen und wieder ließ sie die Zähne zwischen ihren schmalen Lippen hindurchschimmern. Ein Lächeln zeichnete sich im Gesicht der Frau ab. Es war ein eisiges Lächeln. Sie bewegte ihre Hand so, dass die Geschmeide, die sie schmückten, in den Schimmer der Öllampen kamen und ihn dann wieder gen Schatten verließen. Das spöttische Lächeln des Alten war ihr nicht verborgen geblieben. Und doch wusste sie, dass dies ein solches Lächeln war, wie eine grinsende Theatermaske, deren Träger noch gerötete Augen vom Weinen haben konnte, ohne dass es jemand sähe.


    "Genausowenig, wie du mir unbekannt bist, dürfte dir ein gewisser Nikolaos, Sohn eines Atheners namens Philon, unbekannt sein.", begann sie. Sie ließ sich Zeit. Sie hatte viel Zeit. Schließlich war sie noch nicht, wie der Greis es war. Sie hoffte innerlich, er würde mit jedem Augenblick, den sie ihn länger warten ließ, auf das, was sie ihm sagen würde, in Ungeduld verbringen. Leider, das meinte sie einschätzen zu können, schien der Alte ein durchaus bedächtiges und kühles Wesen zu haben. Was nicht weiter schlimm war, doch bereitete ihr der Anblick eines Gesichtes, von dem ein Ausdruck der Wut mit größter Mühe ferngehalten wurde, ein großes Vergnügen.


    Eirene sah den Greis durchdringend an.

  • Ein finsteres Glühen zeigte sich auf dem Gesicht des Patriarchen. Was Geórgios mit einiger Freude bemerkte. Die Frau wurde ihm richtig gehend sympathisch. Denn jegliches Ungemach, was sie ihm bereitete, erfreute auch den Priester und Enkel des Mannes. Der Alte hatte schon oft genug seinen Enkel mit Verachtung und Hohn gestraft. Gerade in den Jahren als Geórgios noch nicht schlagfertig genug gewesen war, um sich ihm gegenüber zu wehren. Aber ob das inzwischen anders war?


    Geórgios hatte von jenem Genannten natürlich auch schon gehört. Er hatte auch an den Versammlungen teil genommen, die den Mann gewählt hatten. Wenn er auch in der Masse untergegangen und nur stiller Beobachter war, denn noch musste er sich nicht wieder zur Wahl aufstellen für das Priesteramt. Die Zeit währte noch ein wenig länger mit seiner Amtsdauer. Aber er wusste auch, dass noch zwei andere Männer mit jenem Nikolaos bedeutend dazu beigetragen hatten, so dass die Krateiden ihre Niederlage erhaltieten. Ein empfindlicher Schlag für die politische Seite der Familie. Geórgios hatte es damals gefreut. Auch, weil er seinen Vetter Eudoxos nicht ausstehen konnte. Diesen aufgeblasenen Lackaffen.


    Ein Husten schüttelte den alten Patriarchen. Die blonde und betörend schöne Sklavin trat besorgt näher. Doch eine Hand, die sich hob, liess sie inne halten. "Ein Name, der in diesem Haus nicht gerne gehört wird. Also rate ich Dir, sprich gut und weise mit Deinen nächsten Worten. Wenn Du nicht als das Futter meiner Fischzucht enden willst. Meine Laune ist nicht sehr gnädig heute." Von seinem Halbbruder hatte Geórgios vernommen, dass der Alte immer mehr unter Gicht litt und sehr reizbar an solchen Tagen war. Höflichkeit und kalte Grausamkeit widersprachen sich in der Vorstellungswelt des Alten nicht.


  • Eirene:


    Das Lächeln der Eirene wurde breiter. Fast zu einem Grinsen wurde es, als der Alte von seiner Fischzucht sprach. Doch von diesem Grinsen abgesehen schien sie von der Drohung vollkommen unbeeindruckt zu sein. Sie schürzte die Lippen und legte das Lächeln nicht ab. Fast warm war es nun, dieses eigenartige Lächeln; Eirenes Augen hingegen schienen genüßlich Funken, oder besser Gifttropfen zu versprühen. Ihr war nicht entgangen, welche Wirkung ihre Worte auf den Greis hatten. Dass dieser sich nun zu Grobheiten herabließ, erheiterte sie.


    "Deine Fischzucht ist sicher eine sehr prachtvolle.", sagte Eirene. "Jedoch glaube ich nicht, dass ich den Fischen schmecken würde."
    Ihr Lächeln war wieder eisig geworden.


    "Mir scheint, du hast wenig Lust, das zu hören, was ich dir zu sagen hätte, werter Herr. Wenn ich irren sollte, so darfst du mich selbstverständlich eines besseren belehren. Anderenfalls möchte ich dich nicht länger belästigen."


    Ihr Blick wanderte vom Alten weg in die Gesichter der Umstehenden. Das blonde Weib und die Wächter streifte ihr Blick nur kurz. Etwas länger - doch so kurz, dass es dem Alten nicht auffallen würde - sah sie den Mann an, der Seite des Raumes an, den der Alte Gorgis genannt hatte und der zwar jünger als der Greis war doch keineswegs jung. Ihr Blick sprach Bände, wie diese zu lesen wären, hätte der Mann selbst herauszufinden.


    Ihr Blick kehrte wieder zum Alten zurück.

  • Geórgios pfiff leise durch die Zähne, was der Alte auch hörte, aber nicht mit einer Reaktion bedachte. Die Frau hatte Mut und eine gehörige Portion Schneid. Geórgios konnte es nicht lassen. Er grinste breit. Interessiert musterte er die Frau. Solche wie sie fand man nicht oft. Es war eine besondere Mischung an menschlichen Eigenschaften, die sie vereinte. Mal von ihrer Schönheit und Eleganz abgesehen, die viele Frauen vorzeigen konnten. Davon liess sich Geórgios nicht beeindrucken. Es war vielleicht die Unverfrorenheit, gemischt mit offensichtlicher Intelligenz.


    Er sah aber auch, dass sich der Söldner an der Seite von Kyrios anspannte. Bereit zu reagieren, wenn der Alte den Befehl dazu gab. Der beugte sich etwas nach vorne. Beide Hände auf die Lehne seines Thrones abgestützt. Goldene Ringe zierten diese. Prunkvoll. Seine Stimme war leise. Noch leiser als zu Anfang. Aber deutlich und klar zu vernehmen. Sie klang dadurch womöglich etwas schärfer und kälter, als wenn er sie angehoben hätte. Und dennoch hatte Geórgios das Gefühl, er sah ein altes Wrack vor sich. Dessen glanzvolle Zeiten nun mal vorüber waren. "Meine Fische begnügen sich auch mit dem sehnigen Fleisch weitaus weniger zarter Geschöpfe von Prometheus Kindern."


    Dass der Alte eine Fischzucht besaß, war Geórgios neu. Doch wer wusste schon, was sich der Alte in den letzten Jahren angelacht hatte, um unliebsame Konkurrenten los zu werden. Früher wurden sie noch im Meer versenkt. Mit Steinen an den Füssen. Damit die Fische sie dort auffraßen. Vielleicht waren ja welche angeschwemmt worden und die Augen des Gesetzes wachsamer? "Du siehst, ich bin alt. Meine Geduld hat ihr Ende erreicht. Entweder Du gehst sofort oder Du sprichst, damit wir zur Sache kommen. Länger erdulde ich Dein profanes Spiel nicht."


  • Eirene:



    Die Frau namens Eirene fand, dass mit dem Alten keine Geschäfte zu machen waren. Es schien sich nicht zu lohnen. Vermutlich würde er ohnehin kein ganzes Jahr mehr leben. Dafür wollte Eirene nicht riskieren, gewisse Geheimnisse zu verraten und dadurch dem Greis aus dem Krateiden-Geschlecht einen Vorteil verschaffen, wozu auch immer dieser ihn nutzen würde.


    Dass er nun sogar offen zugab, die Geduld zu verlieren, entlockte der Frau ein feines, kaltes Lächeln. Sicher wäre es ein Vergnügen, den Mann noch länger zu reizen, ihn vielleicht gar zu einem köstlichen Tobsuchtsanfall anzustacheln. Dafür jedoch war Eirene nicht gekommen.


    Sie bleckte wieder einmal die Zähne. Dies schien eine Angewohnheit von ihr zu sein, oder aber Teil ihres Kalküls.


    "Werter Mann, ich will deine Geduld wahrlich nicht überanspruchen. Ich vermute, eine ganze Schar wartet noch draußen, während ich dich in Beschlag nehme. Ich wünsche dir einen schönen Abend, eine wohlige Nachtruhe und gutes Gelingen in allen Dingen."
    Sie lächelte kühl.
    "In allen Dingen, nicht zu vergessen bei der Fischzucht. Auf ein Wiedersehen, werter Mann."


    Mit diesen Worten wandte sich Eirene ab und ging in Richtung des Vorhangs. Ihr Diener folgte ihr. Als sie an den Mann vorbeikam, den der Alte Gorgis genannt hatte, wandte sie sich, ohne anzuhalten und unauffälllig, an ihn.


    "Wenn du dies hören magst, was ich erzählen wollte, komme mir nach. Ich werde draußen auf dich warten. Du findest mich nahe der Sänfte mit dem roten Baldachin.", flüsterte Eirene. Nur der Mann namens Gorgis könnte es hören.

  • Nachdem er herausgefunden hatte wo der Priester sein Haus hatte, kam Vibulanus an einem Nachmittag auf seiner alten Stute Fusca zu dem Anwesen der Krateiden geritten. Er kam allein, doch er hatte zwei anderen gleichgesinnten Centurio von seinem Vorhaben informiert, sodass er sich keinerlei Sorgen machte, da einem toten Centurio und Klienten des Statthalters blutige Vergeltung folgen würde. Kurz vor dem Tor zügelte er Fusca. Dann stieg er ab und klopfte drei Mal fest mit der Faust ans Tor.


    >Ich bin Centurio Quintus Fabius Vibulanus und ich möchte Geórgios Krateidos sprechen.<

  • Zitat

    Original von Nikolaos Kerykes


    Eirene:


    ....
    "Wenn du dies hören magst, was ich erzählen wollte, komme mir nach. Ich werde draußen auf dich warten. Du findest mich nahe der Sänfte mit dem roten Baldachin.", flüsterte Eirene. Nur der Mann namens Gorgis könnte es hören.



    Eirene war nicht die Einzige, die dem Methusalem namens Kyros Krateidos kein langes Leben mehr prophezeite. Sie war aber auch wirklich nicht die Erste. Schon vor vielen, vielen Jahren hatten einige das gedacht. Und noch mehr hatten es sich erhofft, dass der Alte endlich krepieren und die Zügel an einen seiner Söhne weiter geben würde. Aber scheinbar hielt er seine Söhne, die er zum großen Teil sogar überlebt hatte, nicht für fähig, das kleine Familienimperium zu leiten. Und es waren nicht wenige in der eigenen Familie, die dem Alten den Tod herbei wünschten. Kalt glomm es in den Augen des Mannes, dessen Haut welk um die wachen Seelenfenster hing. Einem scheinbar gleichmütigen Nicken folgte den Worten von Eirene. "Die Götter mit Dir, junge Frau.", erwiderte Kyros, beobachtete jedoch mit Argus Augen, was sie noch tat.


    Wonnevoll betrachtete Geórgios jedoch das einmalige Schauspiel, was sich ihm bot. Er genoss jede Sekunde, die der Alte, den er als ungemein neugierig kannte, nicht erfuhr, was die Frau von sich geben konnte. Immer wieder zuckte es verdächtig um seine Mundwinkel und da er im Halbschatten stand, würde sein Mienenspiel ihm auch nicht gefährlich werden. Aber selbst wenn, auf die Meinung des Alten legte er seit langer Zeit keinen Wert mehr. Unverhohlen betrachtete er schließlich die anmutigen Bewegungen der Frau als sie sich von seinem Großvater abwandte.


    Sein Kinn bewegte sich etwas zur Seite als er ihrem Flüstern lauschte. Ein dünnes und ironisches Lächeln zeigte sich auf seinen Lippen. Er deutete kein Nicken an und antwortete auch nicht, ließ sie damit im Zweifel, ob er folgen würde oder nicht. Dennoch sah er ihr noch hinter her, bis sie den Raum verlaßen hatte und bemerkte dabei nicht, wie der Alte nach einem jungen Mädchen winkte und ihr etwas zu flüsterte. Leise und auf lautlosen Sohlen verschwand das Mädchen darauf hin. "Wir haben einiges zu besprechen, Gorgis." Geórgios verzog das Gesicht während der Söldner die Tür schloss, um unliebsame Zuhörer zu verbannen.


    ....Einige Minuten später. Mit einer deutlich schlechteren Laune, aber dem Gefühl eines kleinen Triumphes marschierte der Priester hinaus und durch den Gang wieder zu den Gästen. Wo auch sein Bruder voll der Ungeduld wartete. Thémis trat sofort auf ihn zu. "Hast Du ja gesagt?" - "Nein." Entgeistert starrte Thémis ihn an. "Reden wir später darüber, ich muss noch etwas erledigen.", fügte Geórgios an und ließ seinen jüngeren und reisefreudigen Bruder stehen.


    Schwüle Luft schlug ihm entgegen und das Zirpen von Zikaden am Rande des Gartens. Ein Vogel trällerte leise sein Lied in die Nacht hinaus. Lachen vermischte sich mit Musik und irgendwo weiter hinten unterhielten sich munter die Sklaven, die die Gäste in ihren Sänften heran getragen hatten. Gemächlich schlenderte Geórgios den Kiesweg entlang. Unter seinen Füssen knirschte es leise als er sich nach jener ominösen Frau umsah. Zugegeben: Auch Geórgios war mit einer unstillbaren Neugier gesegnet. Manchmal sogar verflucht.

  • Zitat

    Original von Quintus Fabius Vibulanus
    Nachdem er herausgefunden hatte wo der Priester sein Haus hatte, kam Vibulanus an einem Nachmittag auf seiner alten Stute Fusca zu dem Anwesen der Krateiden geritten. Er kam allein, doch er hatte zwei anderen gleichgesinnten Centurio von seinem Vorhaben informiert, sodass er sich keinerlei Sorgen machte, da einem toten Centurio und Klienten des Statthalters blutige Vergeltung folgen würde. Kurz vor dem Tor zügelte er Fusca. Dann stieg er ab und klopfte drei Mal fest mit der Faust ans Tor.


    >Ich bin Centurio Quintus Fabius Vibulanus und ich möchte Geórgios Krateidos sprechen.<



    Die Sonne strahlte auf den gepflegten und weitläufigen Garten. Sie glitzerte in den zahllosen Bachläufen, Quellen, Brunnen, die den Garten mit Frische füllte. Selbst wenn die Sonne die meiste Zeit des Jahres hitzig und manchmal sogar erbarmungslos auf die Menschen herunter schien. Gerade die Frische tat in dem Augenblick gut, als Geórgios sich auf einer Kline lümmelte und den weitschweifigen Erzählungen seines Bruders lauschte. Höchst ungerne war er in das Anwesen seines Großvaters, der Residenz der Krateiden gekommen. Aber sein Bruder hatte ihn eingeladen. Zudem genoß er gerade einen kühlen Wein, mit Eis versetzt. Wo der Alte immer solch einen Luxus her bekam, war für den Priester rätselhaft.


    "Acht Arme?", wiederholte Geórgios und betrachtete Gedanken verloren eine rote Kelchblume. "Du hörst mir gar nicht zu, Bruderherz. Ich war schon gar nicht mehr bei der Göttin. Die Freudenhäuser ... ich sage Dir, die Freudenhäuser sind eine wahre Wonne." Desinteressiert sah Geórgios auf. Er suchte eigentlich nicht solche Örtlichkeiten auf. Im Gegensatz zu seinem Bruder, der jede zweite Nacht an verschiedenen in solchen Etablissements aufzufinden war. "Die Frauen sind auch sehr ... nun ... sagen wir mal, seltsam. Aber es gibt auch schöne unter ihnen. Und auch manch einen netten Knaben.", fügte er mit einem Augenzwinkern an. Was auf die gleiche Indolenz traf.


    Am Tor hinwieder eilte sich einer der Bediensteten es zu öffnen. Er musterte den Mann aufmerksam und mit eimem schnellen Blick. Zwei Söldner kauerten im Schatten einer Palme und starrten ebenfalls zum Tor. Der Alte, Kyros Krateidos, beschäftigte fast nur Freie und hielt sich hier kaum Sklaven. Im Gegensatz zu den Arbeitern in den Minen im Süden. In denen fast nur Sklaven ihr Dasein fristeten. Der Mann, der das Tor öffnete, straffte seine Schultern und nickte respektvoll. Einen rhomäischen Soldaten sollte man besser nicht gleich vor den Kopf stossen. Wenn einem eine gesunde Nase lieb war. "Natürlich, werter und hochgeschätzter Centurio. Der Enkelsohn des Hausherrn weilt tatsächlich heute hier. Wenn Du mir bitte folgen würdest." Kriecherisch und devot verbeugte sich der Hellene, dessen Augen schwarz um malt waren.


    Der Mann wandte sich um und nickte den Söldnern zu, die ihre Hände wieder sinken liessen und weiter ihrem Spiel mit seltsamen weißen und schwarzen Steinen frönten. Über den knirschenden Sand und Kieselsteine führte der Mann den Soldaten in den Garten hinein und vorbei an vielen prächtig blühenden Orchideen. Zielstrebig hielt der Bedienstete auf die Sitzgruppe von mehreren Klinen zu, an dem sowohl Geórgios, als auch dessen jüngerer Bruder Themistoklis lagen. Einige Wortfetzten drangen bis zu ihm. Reisegeschichten vom fernen Maurya. Er blieb vor dem Priester stehen und verbeugte sich. "Junger Herr?" Junger Herr war gut. So jung war Geórgios auch wieder nicht. "Der Soldat namens Centurio Quintus Fabius Vibulanus wünscht Dich zu sprechen." Der Mann deutete auf Vibulanus und entfernte sich stumm.


    Nicht nur Geórgios, sondern auch Thémis musterten den Mann neugierig. "Chaîre. Oder besser...Salvete?", grüsste Geórgios den Rhomäer. "Salve heißt das, Gorgis." - "Ja, natürlich." Sein Latein war einfach eingerostet. In Rhakotis und auch in seinem täglichen Priesterdasein hatte er fast ausschließlich mit Ägyptern oder Hellenen zu tun, selten mal ein Rhomäer. "Nimm' doch bitte Platz, werter Centurio. Etwas Wein vielleicht?"

  • Vibulanus nickte dem Bediensteten zu und führte Fusca an ihren Zügeln durch das Tor. Dort lies er sie stehen, denn es gab sicherlich auch Bedienstete, die sich darum kümmern würde. Er folgte dem Mann durch den Garten, dessen Schönheit Vibulanus weniger beeindruckte als das Geld, das wohl für ihn ausgegeben worden war. Als er bei den beiden Männern auf den Klinen angekommen war,


    >Salvete. In der Tat bei einzelnen Personen heißt es Salve.<


    stimmte er dem anderen Mann zu und lies sich wie angeboten auf einer der Klinen nieder. Seine Rüstung hatte er im Lager und seinen Schwertgurt mit dem Gladius bei seinem Pferd gelassen, weshalb er es sich auf Kline auch bequem machen konnte.


    >Ich würde Posca bevorzugen, falls ihr habt. Ansonsten Wasser. Du bist Geórgios Krateidos?<


    fragte er den Mann der ihn als erster angesprochen hatte, denn er nahm an das Gorgis wohl die Kurzform für Geórgis war.

  • Eine Augenbraue zuckte von Geórgios in die Höhe als er die ersten Worte des Soldaten vernahm. Von einem Rhomäer belehrt zu werden, mochte der Hellene natürlich nicht. Doch ausser diesem kurzen Zucken über dem Auge, liess der Priester keine Reaktion darauf erkennen. Auch nicht auf das breite Grinsen von seinem gut zehn Jahre jüngeren Bruder. Ausserdem war es heute einfach zu heiß, um sich über solche Kleinigkeiten aufzuregen.


    "Posca?" Ratlos sah Geórgios zu seinem Welt erfahrenen Bruder. Der dachte scharf nach und zog seine Augenbrauen eng zusammen. Doch auch Thémis kam nicht darauf. Er zuckte mit der Schulter. Dennoch winkte Thémis mit seinem Dattelpalmfächer einer jungen Dienerin zu, die leise trippelnd heran kam. "Hole Posca für den Herrn." Thémis zweifelte nicht daran, dass so etwas zu besorgen sei. Irgendwo im Haus. Auch der verzagte Ausdruck auf dem Gesicht der ägyptischen und zierlichen Dienerin ließ ihn nicht wanken. Gut gelaunt und freundlich lächelnd wandte sich Thémis wieder den beiden anderen Männern zu.


    Geórgios, mehr nur ein Gast in diesem Anwesen, selbst wenn es seiner Familie gehörte, sah den Soldaten aufmerksam und mit einem Quäntchen Neugier an. "So ist es. Denselbigen hast Du in leibhaftiger Manifestation gefunden.", antwortete Geórgios mit einem Anflug eines Schmunzelns auf dem Gesicht. "Darf ich fragen, hoch geschätzter Centurio, wie mein Name an Deine Ohren gedrungen ist? Ich hoffe doch, dass ich nichts Schlimmes zu befürchten habe." Unterschlagung im Tempel, Betrügereien an den Gläubigen. Das waren keine Dinge, für die die Legion zu ständig war. "Im Übrigen, das ist mein Bruder, Themistokles Krateidos." , stellte Geórgios diesen vor.

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