Auf der Flucht | Rutger (in der Rolle des 'Barbaren') und Arrecina (als 'geraubte Patrizierin')


  • Der Morgen graute. Über den Gipfeln der Apenninen verfärbte sich der Nachthimmel zu einem blassen Blau, einige zart gefächerte Schleierwolken prangten in Perlmuttönen, dann glühten die Konturen der Bergkämme rosig auf, und der rote Sonnenball hob sich strahlend über den Horizont. Langgezogene Schatten bildeten sich in den Tälern, und die vom Tau benetzten Flanken der kargen Berge gewannen einen goldenen Schmelz.


    Rutger hatte keinen Blick für die Wunder der Natur übrig. Übermüdet setzte er einen Fuß vor den anderen, die Augen hielt er starr auf den holprigen Pfad vor sich gerichtet, und immer wieder sah er sich gehetzt über die Schulter um.
    Phaidra führte er inzwischen am Zügel hinter sich her. Nachdem sie die ganze Nacht in Bewegung gewesen waren, war auch die feurige Stute erschöpft, und trottete mit hängendem Kopf hinter ihm her. Von Zeit zu Zeit blieb sie störrisch stehen, Rutger zerrte sie dann ungeduldig weiter.
    Arrecina saß jetzt, in dieser einsamen Gegend, aufrecht auf dem Pferderücken, mit gefesselten Händen, die Füße unter dem Pferdebauch mit einem Riemen verbunden.
    Wieder hielt die Stute inne. Rutger gähnte, und lehnte sich kurz an ihrer Seite an. Aufmerksam musterte er die Umgebung. Stieg da hinten nicht ein feiner Rauchfaden in die Luft? Er zögerte. Sie brauchten dringend Proviant. Aber natürlich war es besser, von niemandem gesehen zu werden.
    "Zeig mir deine Hände." sagte er zu Arrecina, und griff auch schon nach ihnen, um ihre Fesseln zu kontrollieren.

  • Dieses Erlebnis war wohl das schlimmste was sie jemals erlabt hatte. Ihr tat jeder Knochen weh auch die kleinsten in ihren Körpern schmerzten ohne Unterlass. Viel zu lange hatte sie auf dem Pferderücken liegen müssen und ihre Gelenke schienen schon fast steif zu sein als er sich endlich erbarmt hatte sie aufrecht hinzusetzen. Er müsste doch wissen, dass es egal war, denn auffallen würde es egal wie. Sicher waren schon Hundertschaften auf der Suche nach ihnen. Arrecina war sich ganz sicher, dass man sie finden würde, es konnte einfach nicht anders sein. Immer wieder war sie auf dem Rücken von Phaidra weggenickt, aber die Schmerzen die sich langsam aber sicher in ihren Händen breit machten hielten sie dann doch immer wieder wach, ausserdem frohr sie.
    Als sie noch in der Decke eingewickelt war hatte sie sich viele Gedanken gemacht und immer wieder war das Gefühl aufgeklommen, dass sie kurz vorm Ersticken war Die Luft unter dieser Decke war weder frisch noch wirklich sauerstoffreich gewesen und hatte ihr bald die Sinne geraubt, aber dann, dann war er in dieser Sicht doch zur Vernunft gekommen.


    Ihre Haare waren total zottelig und hingen an ihr hinunter, das Gesicht war immer noch dreckig und eigentlich zeugte nur noch ihre Tunika. die auch nicht mehr die reinste war, von ihrer vornehmen Herkunft, ansonsten hätte man sie für eine Sklavin halten können. Welch ein Hohn, eine Sklavin von einem Sklaven, wenn sie gekonnt hätte, wäre ihr sicher bei diesem Gedanken ein Lachen über die Lippen gekommen, doch diese zitterten einfach nur vor sich hin. Die Tränen hatte sie schon vor ettlichen Meilen aufgegeben und man sah nur noch verwichte Spuren in ihrem Gesicht. Auch sie hatte kein Auge für die Umgebung hier, aber sie versuchte trotzdem darauf zu achten ob sie nicht irgendwo eine Menschenseele ausfindig machen konnte. Es musste doch jemanden geben der ihr helfen würde, aber sie hatte nicht einmal die winzig kleine Möglichkeit zu fliehen so hatte er sie an das Pferd gefesselt.


    Arrecina war froh darüber, dass sie endlich einmal anhielten und sie schaute ihn aus müden Augen an. Er selber sah nicht besser aus und schien auch am Ende seiner Kräfte, doch sie musste noch welche mobilisieren. Sie brauchte einen Plan, aber sie konnte nicht denken. Noch bevor sie etwas sagen oder machen konnte griff er schon nach ihren Händen. "Auuu!" jammerte sie und verzog ihr Gesicht. Das Licht reichte noch nicht vollkommen aus zu sehen wie ihre Handgelenke aussahen, aber so wie sie schmerzten waren sie bestimmt ein wenig aufgescheuert.

  • "Halt still." Rutger prüfte den Sitz der Stricke - und bekam ein schlechtes Gewissen, als er eine kleine wunde Stelle auf der zarten Haut entdeckte. 'Unsinn!' sagte er sich. Er war doch viel zu weichherzig. Deswegen hatte ihn schon sein Vater früher immer gerügt. Sein Vater, oder sein Bruder Lingwe, hätten das Mädchen auch schon längst getötet, anstatt sie so planlos mitzuschleppen, wie er das gerade tat - ach, keiner von den beiden hätte sich überhaupt jemals von den Römern gefangennehmen lassen...
    Resigniert riss Rutger einen Streifen am Saum von Arrecinas Tunika ab, und knotete die Fesseln auf. Er hielt ihre Hände fest, sah sie warnend an, und wickelte den weichen Stoff als Polsterung um die Handgelenke, bevor er den Strick sorgfältig wieder festknüpfte.
    Wie kalt ihre Hände waren. Er rieb sie kurz in seinen, und schlang dann die Pferdedecke wie einen Umhang um das Mädchen herum.


    Sein Magen knurrte. Rutger führte Phaidra weiter, und hielt auf den Ursprung des Rauches zu. Es ging einen grasbewachsenen Hang hinunter, und dann auf einem ganz schmalen Ziegenpfad durch einen Wald niedriger Korkeichen. Die Luft war kühl und frisch, die Vögel begrüßten zwitschern den Morgen, und die Sonne wanderte schnell höher. Es versprach ein klarer und heißer Tag zu werden.

  • "Ich mach doch gar nichts" platzte es bei ihr raus und es klang schon fast wie das Fauchen eines Kätzchens. Was dachte er sich eigentlich? Sie hatte sich nicht einmal leicht bewegt, sondern war nur mitgegangen als er an ihren Händen gezogen hatte. Mit zusammengepressten Lippen sah sie ihn an, aber lange nicht sah sie so aus wie sonst. Sie wirkte nun wirklich wie das junge Mädchen was sie eigentlich war. Nichts zeugte von der Stärke der Patrizierin die sie immer nach aussen hin gezeigt hatte. Wieder verzog sich ihr Gesicht als er begann die Fesseln zu lösen, denn es gab schon eine Stelle die ziemlich schmerzte. Seinen warnenden Blick wich sie einfach aus, denn was hätte sie denn mit gefesselten Füßen schon ausrichten sollen hier oben auf der Stute? Er hatte Angst, das konnte sie spüren, seine Angst war bald schon greifbar und vielleicht konnte sie es gegen ihn verwenden. Wissen war Macht, das war schon immer so gewesen. Sie erschak etwas als er ein Stück ihrer guten Tunika abriss und sie ihr dann um die Handgelenke wickelte. Die Hoffnung, dass er sie nicht weiter wieder fesseln würde war schnell dahin, denn schon hatte er den Strick wieder um ihre Hände gewickelt. Das würde nie ein Ende nehmen und einen Moment war da wieder diese unendliche Angst die sie gefühlt hatte als er den Stein erhoben hatte um sie damit niedrezustrecken.


    Ihr Blick veränderte sich, als er ihre Hände in seine nahm und diese rieb weil sie so kalt waren und dann auch noch die Decke die er ihr um die Schultern legte. Aus ihm konnte man nicht schlau werden und sie verstand immer noch nicht warum er sie überhaupt mitgenommen hatte. Er hätte sie nicht töten müssen, aber einfach liegen lassen können, so wie sie war. Bevor er wieder die Zügel ergriff sagte sie ihm noch etwas. "Danke Rutger." Es war Absicht, dass sie seinen Namen sagte, auch wenn sie es wirklich ernst mit ihrem Danke meinte.


    Es wurde einfach nicht besser, sie war fertig und er war es auch, keinem von beiden würde es etwas nützen wenn einer von ihnen zusammenbrach. "Wir müssen eine Pause machen. Du hast nicht geschlafen und wir brauchen etwas zu Essen, es nützt nichts wenn du zusammenbrichst." Sie hatte sanft gesprochen und hoffte, dass er darauf eingehen würde, denn sie wusste nicht wie lange sie noch auf dem Rücken von der Stute sitzen konnte. Alles tat weh und sie mussten sich ausruhen ob er wollte oder nicht und das galt für beide.

  • "Wir rasten später." erwiderte Rutger. "Siehst du den Rauch da vorne? Wo ein Feuer brennt sind auch Menschen, vielleicht finden wir da etwas zu essen, und Futter für Phaidra."
    "Sollten wir jemandem begegnen, wirst du dich muxmäuschenstill verhalten, hast du mich verstanden, Römerin? Sonst..." Rutger starrte Arrecina finster an, und schlug sich mit der flachen Hand auf den Nacken, so daß es leise klatschte.
    "Ich scherze nicht damit." knurrte er grimmig. "Obgleich ich es nicht gerne tun würde... also zwing mich nicht dazu."
    Noch ein brennender, durchdringender Blick, dann wandte er sich wieder ab, und ging weiter mit ausladenden Schritten den Pfad entlang. Furchtbar schäbig kam es ihm vor, ein Mädchen so zu bedrohen und einzuschüchtern - allerdings würde dieses holde Geschöpf hier bestimmt auch keinen Herzschlag lang zögern, ihn ans Kreuz nageln zu lassen.


    Das Kreuz... was für ein elender Tod! Kein sauberes, oder wenigstens schnelles Ende wie durch einen Hieb in der Schlacht, oder durch Erhängen - das waren Dinge, die man mit Würde ertragen konnte - nein, eine Kreuzigung war ein endlos hingezogenes Verrecken... eine so grausame Prozedur, daß auch die tapfersten Männer schwach wurden während sie langsam verendeten... und dazu, typisch römisch, auch noch ein Spektakel für die Zuschauer, die die Sterbenden angaffen und sich an ihren Qualen ergötzen konnten... Halt!
    Rutger untersagte sich diese Gedanken. Er würde ganz sicher nicht so enden. Er hatte einen guten Vorsprung, ein schnelles Pferd, eine wertvolle Geisel, und gegen ein paar verweichlichte Römer würde er sich auch zu wehren wissen.


    Zwischen den knorrigen Eichen tauchte jetzt eine flache Talsohle auf. Die weich geschwungenen Hänge waren grün, und mit vielen kleinen weißen Tupfen übersät - weidende Schafe. Eine Hütte mit mörtellosen Mauern aus grob aufgeschichteten Steinen stand neben einem kleinen Pferch. Von dort stieg der Rauch auf. Kein Mensch war zu sehen.
    Rutger band Phaidra an einem dicken Ast an, halbverborgen hinter einem großen Dorngestrüpp mit ledrigen Blättern.
    "Du wartest hier." Sein Lächeln war eisig, als er sich sacht einen Finger auf die Lippen legte. "Psst."
    Er griff nach dem Geldbeutel, den er Arrecina abgenommen hatte, sah im Gehen hinein, trat zwischen den Eichen hindurch, und hielt auf die ärmliche Hütte zu.


    Um Arrecina herum rauschte es leise in den Bäumen. Rutger war ihrem Blick entschwunden. Irgendwo hämmerte ein Specht. Die Stute knabberte, wie das so ihre Art war, an der Baumrinde herum. Von ferne, aus dem Wald, war ein leises Rascheln zu hören. Nach einer Weile wurde es lauter, Äste zerbrachen knackend, und es klang immer mehr so, als würden sich da schwere Schritte nähern...

  • Er hatte hier das Sagen und sie musste sich seinem Willen beugen auch wenn sie jetzt gerastet hätte. Sicher sah sie den Rauch und wusste auch was das zu bedeuten hatte. Dort mussten Menschen leben, Menschen die ihr vielleicht helfen konnten. Während sie ihm zuhörte presste sie ihre Lippen auf einander und fragte sich was er sich eigentlich dachte. Sicher würde sie jeden Moment ausnutzen den sie finden konnte um zu schreien oder sich bemerkbar zu machen, dass sie eine Entführte war, auch wenn es anderen sicher schwer fiel das zu glauben so wie sie aussah. "Ich habe dich verstanden" sagte sie zähneknirschend fügte dann aber noch bei "Nur was glaubst du was andere denken wenn sie mich so gefesselt auf dem Pferd antreffen?" Wieder wusste sie, dass er nicht schrezen würde und wieder hielt sie lieber gleich den Mund und sah auf die Mähne der Stute. Arrecina musste sich dazu zwingen sich noch ein wenig ihrer Würde zu wahren, denn sie war schon wieder kurz davor einfach in Tränen auszubrechen um diese innerliche Anspannung los zu werden. Sogar das erneute Zittern versuchte sie vor ihm zu verbergen und hob ihre gefesselten Hände an um sich die fusseligen Haare an den Seiten nach hinten zu streichen, aber ansonsten vermied sie es sich großartig zu bewegen, damit er nicht auf dumme Gedanken kam.


    Arrecina selbst dachte zur Zeit nicht groß über Strafen für den Sklaven nach, denn das Problem war, dass sie ihn zu einem kleinen Teil verstehen konnte. Aber es konnte auch sein, dass dieses Verstehen auch nur beruhte weil er sie nun in seiner Gewalt hatte und sie versuchte sich in ihn reinzufühlen. Ihre Gedanken hingegen waren wirklich bei ihrem Vater und sie hoffte, dass sie endlich gemerkt hatten, dass sie nicht wieder in die Villa zurückgekehrt war. Sicher machten sie sich alle Sorgen und, dass sie ihnen wegen einer Dummheit solche Schmach bereitete nagte an ihrem Gewissen.


    Wenn sie wenigstens wüsste wo genau sie waren, aber viel bringen würde es ihr ja auch nichts, kannte sie sich in dieser Gegend nicht aus. Ihr Herz schlug und schlug und schlug. Es hatte einen Takt angeschlagen den sie fast hören konnte,denn das Pochen war auch in ihren Ohren zu spüren und bereitete ihr langsam aber sicher Kopfschmerzen. Ihre Finger waren ineinandergeschlagen und lagen locker zwischen Sattel und Mähne der Stute. Sie kamen dem rauchenden Häusschen immer näher und sie spürte wie sie langsam aufgeregt wurde, weil sie sich dort Hilfe erhoffte. Arrecina konnte die Hütte sehen, die Schafe und suchte unauffällig nach den Menschen. Irgendwo mussten sie doch sein, sicher ganz in der Nähe. Seinen Spruch hätte er sich auch sparen können und sie schenkte ihm einen kaum zu deutenden Blick und sagte nichts darauf. Dann sah sie ihm nach und sobald er aus ihrem Sichtfeld verschwunden war begann sie zu versuchen die Fesseln zu lösen. Zuerst zerrte sie mit ihren Händen und dann versuchte sie an den Knoten zu kommen mit ihren Fingern, bis ihr einfiel, dass sie Zähne hatte. Nun begann sie mit den Zähnen an dem Knoten rumzumachen, aber dieser war so fest, dass es fast unmöglich war ihn zu öffnen doch so schnell wollte sie nicht aufgeben und beachtete dabei auch nicht, dass die Fesseln auch trotz des Stoffes begannen an der Haut zu reiben.


    Und dann begann das Geräusch und ihr stockte der Atem und sie hielt in jeder Bewegung inne und lauschte.Irgendwer oder was war dort. Vielleicht Hilfe, vielleicht aber auch Rutger. Sie wusste nicht was sie machen sollte und das Zittern wurde immer stärker. Arrecina beugte sich nach vorne um zu sehen ob Rutger irgendwo war, aber sie sah ihn nicht und schon wieder das Knacken von Ästen. Sie hielt ihren Atem an und versuchte auszumachen woher das laute Geräusch kam, es schien fast als wäre es hinter ihr?

  • Noch vor Sonnenaufgang war er schon auf den Beinen gewesen, hatte die Schafe gemolken und dann rausgelassen, das Feuer geschürt, Wasser geholt, und den Kessel für den Morgenbrei über die Flammen gehängt. Bis das kochte dauerte es immer ewig, und so hatte er die Zeit genutzt, und war den Berg hinaufgestiegen, bis zu dem kleinen Schrein, den er selber gebaut hatte. Dort hatte er, wie schon so oft in den letzten Wochen und Monaten inbrünstig zu den Göttern gebetet, Milch und Käse geopfert, und wieder und wieder darum gefleht, daß sie ihm seinen größten Wunsch erfüllen möchten, denn er hielt es so einfach nicht mehr aus.
    Nun stapfte er schwerfällig durch den Wald zurück zu seiner Behausung, viel zu viel Arbeit lag heute noch vor ihm, auch das wäre anders, wenn sein Wunsch in Erfüllung ginge. Ennius war ein Bär von einem Mann, seine verfilzten Haare, der Vollbart, und der lange Überwurf aus Schafsfell trugen noch zu diesem Bild bei.


    Und wie ein Bär brach Ennius durch das Gehölz hinter Arrecina - und blieb stehen wie vom Donner gerührt.
    Das gabs doch gar nicht! So prompt fand er hier vor, was er eben erfleht hatte: ein Weib. Ein Weib auf einem Pferd, noch dazu, das eben ein wenig unruhig tänzelte.
    "Ich danke euch!" rief er zu den Unsterblichen hinauf, und tapte auf das Göttergeschenk zu. Zwar ein bisschen klein geraten, aber er wollte sich da mal nicht beklagen.
    "Komm, Hübsche, komm zu Ennius!" lockte er das kleine Weib mit seiner brummigen Stimme, so wie er auch ein ängstliches Lämmchen gelockt hätte. "Bei mir wirst du es gut haben!"

  • Gebannt schaute sie auf die Stelle und immer noch in ihrer Panik gefangen wollte sie ihre Fesseln lösen und dabei verrutschte der Stoff unter diesen nur noch mehr und gab ihre Haut frei an der nun der Strick weiter reiben konnte. Wenn wenigstens ihre Füße nicht gefesselt gewesen wären, dann hätte sie die Möglichkeit gehabt vom Pferd zu springen, aber es ging nicht und so musste sie mit ansehen wie dieses Etwas aus dem Gestrüpp nach draussen trat. Im allerersten Moment dachte sie wirklich ein Bär wäre da und wollte schon schreien, doch noch bevor sie ihren Mund wirklich öffnen konnte erstarrte sie. Es war ein Mensch, den Göttern sei dank, ein Mensch der ihr sicher helfen würde, doch schnell sah sie davon ab ihn um Hilfe zu bitten als er begann zu reden. Er sprach mit ihr wie mit einem Tier...sah sei denn so aus? Je näher er kam desto schneller wünschte sie sich den Sklaven wieder hier her, aber er ließ auf sich warten. "Stehen bleiben und fass mich nicht an. " Ihre Stimme zitterte, sie hatte nichts mehr unter Kontrolle und der Mann trug auch nicht zu einer Besserung bei.


    Die Stute tänzelte immer mehr und Arrecina musste sich nach vorne beugen und mit ihren gefesselten Händen in ihre Mähne fassen um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Wenn Phaidra wenigstens nicht angebunden wäre, aber nein er musste ja in allen Punkten auf Nummer sicher gehen aber, dass auch die Möglichkeit bestand, dass wer aus einer anderen Richtung kam damit hatte er nicht gerechnet. "Binde mich los" versuchte sie es dann in ihrem gewohnten Ton in dem allerdings eine ganze Portion Unsicherheit mitschwang. Arrecina hob ein wenig ihre Hände an, aber ließ sie auch gleich wieder sinken um sich festzuhalten. War es wirklich eine gute Idee ihn nach Hilfe zu fragen? Ihr Blick ging schnell auf die Seite in der Hoffnung Rutger zu sehen. Er war nicht da. Da wünschte man ihn sich einmal her und er war nicht da. "Was willst du von mir?"

  • Was hatte die Kleine nur? Ennius trat näher und bleckte seine großen gelben Zähne zu einem breiten Grinsen. Aus der Nähe verbreitete er den durchdringenden Geruch von schlechtgegerbtem Leder und von Mist.
    "Komm Hübsche, mußt keine Angst haben!" Da hob sie ihre Hände, und er sah mit tumber Miene auf die Fesseln. "Aber warum bist du denn angebunden?" Flugs zog er seinen Hirschfänger aus der Lederscheide am Gürtel: ein schmaler Dolch, fast eine Elle lang und ein wenig schartig.
    "Ich will, daß du mein Weib wirst." antwortete Ennius bereitwillig. "Und die Götter wollen das auch, sonst wärst du nämlich nicht hier." Mit seinen großen Pranken griff er nach Arrecinas Händen, hob den Dolch, und in einer schnellen Bewegung durchtrennte die Klinge die Fesseln.
    "Aber jetzt mußt du nicht mehr angebunden sein." Er bückte sich, und zerschnitt auch den Riemen, der ihre Füße verband, dann packte er Arrecina, und hob sie, so mühelos als wäre sie ein Kleinkind, vom Pferd herunter.
    "Komm mit, kleines Weib, wir gehen zu meinem Haus. Gleich da vorn. Ich hab es selbst gebaut." Der Schafhirte nahm seine Beute bei der Hand, und zog sie einfach mit sich.
    "Dein Pferd holen wir später." beschloß er. "Oder kehrt es dahin zurück, wo du hergekommen bist?"
    Er musterte Arrecina kritisch, und fasste ihr prüfend an den Po.
    "Ein bißchen mager bist du," bemängelte er, "aber das wird schon noch. Ich mache sehr guten Käse. Und deine Hüften sind auch zu schmal. Naja, was solls. Du scheust dich doch nicht anzupacken, oder? Es gibt nämlich einiges zu tun. Zuerst muß mal das Haus geputzt werden. Und ich hoffe doch, du kannst melken?"

  • Je mehr sie ihn ansah desto schlechter wurde es ihr. Nicht einmal die Sklaven die sie kannte sahen so ungepflegt aus wie dieser Mann. Wieder huschte ihr Blick zu allen Seiten und sie wünschte sich nichts mehr, als Rutger wieder hier her. Was war wenn er mit dem Kerl unter einer Decke steckte? Nein sie wollte gar nicht daran denken, denn alleine dieser Gedanke begann ihr die Luft abzuschnüren. Arrecina sah ihn mit großen Augen an und fühlte sich ihm ziemlich ausgeliefert und als er dann noch seine Waffe zog erschreckte sie sich, denn eine solche hatte sie noch nie gesehen, doch er befreite sie was wenigstens etwas positives war, aber als er dann weitersprach, verschlug es ihr die Sprache. "WAS?" krächzte sie schon fast und sah den Mann entsetzt an. Was dachte der sich eigentlich? Ihre Hände schmerzten, vor allem jetzt wo das Blut wieder ungehindert fließen konnte. Richtig bewegen konnte sie ihre Hände nicht denn sie fühlten sich an als seien sie eingeschlafen und begannen zu kribbeln. Sie konnte gar nicht so schnell gucken, da war sie schon vom Pferd unten. "Ich werde nicht mitkommen und schon gar nicht deine Frau werden. Du weißt wohl nicht mit wem du es hier zu tun hast. Nimm endlich deine Finger von mir oder sie werden dir bald fehlen!" Sie sträubte sich gegen seinen Griff und hatte nicht vor mit ihm auch nur einen Schritt weiter mitzukommen und als er ihr auch noch an den Po fasste hob sie ihre andere Hand und schlug ihm auf den Arm, was ihm aber bestimmt nichts ausmachte. "Du wirst am Kreuz landen wenn du mich nicht auf der Stelle gehen lässt. Ich bin nicht irgendeine Sklavin mit der du das machen kannst, ich bin eine Patrizierin. Also nimm deine dreckigen Finger von mir" jammerte sie und stemmte sich immer noch gegen seinen Griff. "Ausserdem bin ich nicht alleine hier und wenn du mich nicht los lässt wird er kommen und das wirst du dann bereuen. Er ist groß, größer als du und stärker." Der Mann musste einen Schaden haben wenn er glaubte, dass sie mit ihm freiwillig mitgehen würde. Wie ein Fisch an der Angel versuchte sie sich zu winden und seinem Griff an ihrer Hand zu entkommen. Wo war Rutger nur so lange?
    "Rutger! HILFE!" rief sie auf einmal. Phaidra wurde immer unruhiger und hatte den Kopf zu ihnen gedreht. Sie spürte, dass etwas nicht in ordnung war, aber konnte ja auch nichts machen.

  • "Nun sei mal nicht so zickig, meine Hübsche!" polterte Ennius, und hob das unwillige Weib kurzerhand hoch, legte sie sich über die Schultern, und marschierte zügig zu seiner Hütte zurück.
    "Was?" Ein Rivale? "Wo ist der Kerl!?" Blutgierig zückte er wieder seinen Dolch, und drehte sich auf dem staubigen Vorplatz der Hütte einmal im Kreis, so daß Arrecina nur so herumgewirbelt wurde.
    "Den stech ich ab! Hackfleisch mach ich aus dem! Zeig dich, du Lumpenhund!" Die blutige Herausforderung hallte von den Wänden des Tals wieder zurück: "Hund...hund...und..."
    Kein Rivale in Sicht. Ennius grübelte.
    "Jaja, den hast du dir doch ausgedacht! Versuchst mich zu täuschen, aber ich bin nicht auf den Kopf gefallen!" Er schüttelte Arrecina ein bisschen, damit sie sowas in Zukunft lassen würde, drückte die grobe Holztür nach innen auf, und trat gebückt in den Innenraum. Es war düster, muffig, und furchtbar unordentlich darin, durch die kleinen Fensterlöcher fiel kaum ein Sonnenstrahl, nur ein kleines Feuer brannte in einem primitiven Kamin und auch das spendete mehr Rauch als Licht. Ein rußgeschwärzter Kessel hing darüber, in dem braunes Getreidemus blubberte. Davor stand eine Bank aus einem grob behauenen Baumstamm, und ein klobiger Tisch, bedeckt mit Essensresten, einer großen Schere an der noch die Wollflusen klebten, schmutzigem Geschirr, und einer wimmelnden Ameisenstraße. Ja, Ennius' Behausung hätte wirklich mal einen Hausputz vertragen können. Sonst war wenig in der Dunkelheit auszumachen.
    "Da wärn wir." Ennius ließ sich schwer auf die Bank plumpsen, und zog Arrecina von seinen Schultern direkt auf seinen Schoß. "So, kleines Weib, jetzt sei mal ein bißchen nett zu mir, und hör endlich auf zu keifen!" verlangte er gebieterisch, drückte Arrecina eng an sich, umfasste mit den großen Pranken kräftig ihren Po, und wölbte die Lippen inmitten des wilden Bartgestrüpps erwartungsvoll vor.

  • Sie war müde und ausgelaugt, aber versucht doch noch ihre letzten Kraftreserven zu mobilisieren, aber es schien alles nichts zu nutzen. Mit ihren schmerzenden Händen schlug sie auf seinen Rücken ein und strampelte mit ihren Beinen. Sicher hatte sie ihn auch ein paar mal getroffen, aber der Kerl schien sich von rein gar nichts beirren zu lassen. Rutger musste mit dem Kerl zusammenarbeiten, denn ohne Grund hätte er sie sicher nicht alleine gelassen, sie war doch seine Geisel, sein Freiheitsschein und nun in der Hand eines Verrückten. Dann als er begann sich bei der Hütte schnell zu drehen griffen ihre Finger in den Stoff seiner Kleidung weil sie schon befürchtete jeden Moment runterzufallen. "Nein ihn gibt es wirklich.....also lass mich runter oder er befördert dich ins Jenseits" seufzte sie nur noch und versuchte wieder ihn zu schlagen. Um Arrecina drehte sich langsam alles, war sie eine solche Behandlung sicher nicht gewohnt und dann die Müdigkeit dazu gaben ihr den Rest. "Auuuuu" jammerte sie erneut, als er so grob mit ihr umging und sie in die Hütte schaffte. Es war grasusam und erinnerte sie etwas an die Sklavenunterkünfte in der Villa Flavia. Es war ein einziges Horroszenario und ließ Übelkeit in ihr aufsteigen. Sie traute sich fast nicht sich noch weiter umzusehen und gab langsam auch ihre Versuche auf sich zu wehren. Sicher würde er sie gleich runterlassen und dann könnte sie immer noch versuchen die Flucht zu ergreifen.
    Doch es kam anders als sie gedacht hatte, denn auf einmal saß sie auf seinen Schoß und dann seine Hände die sie an ihn zogen. "Ich werde nichts tun, lass mich endlich in Ruhe. Du bist verrückt!" Mit all ihrer letzten Kraft versuchte sie sich von ihm wegzudrücken, indem sie ihre Hände an seine Schultern legte und drückte. Arrecina drehte ihren Kopf auf die Seite, denn sie hatte nicht vor ihn zu küssen und mit einer raschen Bewegung schaffte sie es ihm eine zu scheuern. Sie atmete wie ein Tier was man die ganze Zeit gejagt hatte und nun in einer Ecke stand, gegenüber der Jäger der es fangen wollte. Tränen standen in ihren Augen, denn sie hatte sich niemals träumen lassen in einer solchen Situation zu landen. Es war schon schlimm genug gewesen, dass sie diesem Sklaven getraut hatte und er sie dann hintergangen hatte, aber was hier passierte war ein Alptraum aus dem es nur kein Erwachen gab, ganz einfach aus dem Grund weil es die Wirklichkeit war. Hatte sie nicht eben eine Schere gesehen? Sie war zu weit weg, wie alles und seine Hände zu groß und stark als, dass sie es alleine schaffen konnte.
    Arrecina konnte nichts dafür, als die ersten Tränen sich einen Weg über ihre Wangen suchten, sie würde sich wehren bis zum Schluß.

  • "Jetzt reichts!" Ennius fasste sich wütend an die Wange. Die war ja eine richtige Wildkatze. Aber das machte ihn gerade scharf.
    "Stillhalten jetzt oder es setzt was!" drohte er, grabschte mit der einen Hand nach Arrecinas Brust, packte mit der anderen grob ihr Haar und riss sie zu sich heran.
    Ein Schwall seines übelriechenden Atems erreichte sie voll, seine gierigen Lippen kamen immer näher... als plötzlich ein Luftzug ihre Wange streifte, in Ennius' Rücken richtete sich jemand auf, und mit brutaler Wucht fuhr eine solide Hacke auf den Kopf des Mannes hernieder - ein dumpfer Aufprall, ein trockenes Bersten, Ennius' Finger krampften sich fest in Arrecinas Haar, verloren dann ihren Halt, er ließ sie los und sackte mit lautem Poltern von der Bank - doch Ennius war, eben wie ein Bär, auch verwundet noch immer gefährlich: noch im Fallen stieß er seinen Dolch nach hinten, und traf auf Fleisch. Zufrieden grunzte er auf, und krachte auch schon benommen auf den Boden, den blutigen Hirschfänger in der Faust.


    Und hier wechseln wir wieder die Perspektive - Ennius hat sich in den letzten Minuten als Unhold entpuppt, wer möchte da noch mit seinen Augen sehen? Also zurück zu Rutger (als Entführer zwar auch eine ambivalente Figur, aber doch mit deutlich mehr Sympathiebonus):


    Der hatte sich vorsichtig an die Hütte herangepirscht, und da er keinen Menschen hatte ausmachen können, war er hineingetreten. Gerade hatte er sich ein bisschen nach brauchbaren Sachen umgesehen und kurz von dem Getreidebrei probiert, als er Arrecinas Hilferuf hörte. Er griff sich das nächstbeste was als Waffe taugte - eine große erdverkrustete Hacke - spähte aus der Türe, sah den Hirten mit seiner Beute und seinem langen Dolch, und beschloß, ihm in der Hütte aufzulauern. So verbarg er sich in der dunklen Nische neben dem Kamin, um im rechten Moment hervor zu treten, und den Mann zu erschlagen - nur daß der sich erstaunlich zäh zu Wehr setzte!
    Rutger zuckte zusammen, als er den heißen Stich in seinem Oberschenkel spürte, und wie es warm an seinem Bein hinunterrann. Weitausholend schwang er die Hacke erneut, und schmetterte den Mann, der sich gerade taumelnd wieder aufrappelte, mit einem brutalen Hieb vor die Brust zu Boden - beinahe wäre das Scheusal im Kaminfeuer gelandet, doch gerade noch warf es sich herum, und prallte statt dessen knapp daneben bäuchlings vor der Bank auf, direkt vor Arrecina.

  • Sie dachte nicht daran still zu halten und setzte sich weiter zur Wehr als würde ihr Leben davon abhängen, aber das tat es vielleicht ja sogar. Sie konnte es ja nicht wissen. Seine Hände an den bestimmten Stellen waren einfach zuviel und als er ihr in die Haare griff und so dolle zupackte, dass einige dabei schon ausgerissen wurde stieß sie einen erneuten Schmerzensschrei aus und versuchte seine Hand zu erreichen um den Griff zu lockern. Doch anstatt seine Hände los zubekommen griffen sie auf einmal noch viel fester zu und dann ging alles viel zu schnell, als dass sie es begreifen konnte. Die Bilder blitzten nur so vor ihrem Auge hin und her. Sie wusste noch, dass er sie eben zu einem Kuss zwingen wollte, dann dieses schlimme dumpfe Geräusch, die Augen von den Mann, der feste Griff und dann knallte sie selber auf den Boden. Ihr Kopf drohte in diesem Moment zu platzen und sie konnte wegen einem Tränenschleider nicht all zu viel sehen,aber da war noch jemand.


    Als sie ihren Kopf auf die Seite drehte sah sie Rutger und dann wieder den Mann der nicht tot war wie sie eben noch schnell gedachte hatte. Arrecina selber kauerte auf der Stelle wo sie hingefallen war und wagte es nicht sich auch nur einen Millimeter zu bewegen. Wie erstarrt war sie da und sah mit an wie Rutger noch einmal zuschlug und der Mann nun vor ihr auf dem Boden aufschlug. Das Blut rauschte in ihren Ohren und sie spürte nicht einmal wie stark sie eigentlich zitterte. Alles was sie tat war den Mann anzustarren und darauf zu warten, dass er sich jeden Moment wieder rühren würde, aber nichts geschah. Arrecina hatte weder gesehen noch bemerkt, dass Rutger verletzt wurde, denn zur Zeit saß der Schock noch zu tief über das grade erlebte, dass sie auf rein gar nichts wirklich reagierte und weiter dort saß und zitterte.


    Auch wenn es nur wenige Sekunden wohl waren kam es ihr wie eine Ewigkeit vor wo sie sich auf dem Boden immer weiter nach hinten verkroch, weg von diesem Mann, der sie angefasst hatte. Ihre Haare waren nun noch viel schlimmer zerzutzelt und sicher waren genügend Haare ausgerissen dank dem netten Mann.


    "Rutger?" fragte sie flüsternd und sah zu ihm, bemerkte nun auch das Blut an seinem Bein und erstarrte noch mehr.

  • Der Hirte lag gefällt auf dem Boden. Rutger schlug sicherheitshalber noch mal zu, gezielt ins Genick, es knackte, und mit Ennius war es endgültig aus.
    Mit verbissener Miene stützte Rutger sich auf den Tisch, ließ die Hacke los, und besah sich den heftig blutenden Schnitt an der Außenseite seines Oberschenkels.
    "Arrecina, bist du verletzt? War er allein, oder sind da noch andere?" fragte er gepresst, riss jetzt auch von seiner Tunika einen Fetzen ab, und band ihn fest um sein Bein herum. Schnell hinkte er zu Tür, und warf einen Blick hinaus. Nachdem er sich überzeugt hatte, daß wohl niemand sonst in der Nähe war, stieß er die Türe weit auf. Etwas Licht fiel nun hinein, auf den Toten, die Verwüstung durch den Kampf, dazu noch eine schmutzige Lagerstatt aus Fellen, eine Korbtruhe, ein Regal mit einigen Krügen und Tontöpfen... und Rutger sah jetzt auch ganz deutlich Arrecina auf dem Boden kauern, tränenüberströmt, zitternd, völlig aufgelöst - so gar nicht mehr die boshafte junge Herrin.
    "Komm, Arrecina, lass uns nach draussen gehen, an die frische Luft. Dann essen wir erst mal was, und trinken was, und ruhen uns ein bisschen aus. Na komm. Wir haben jetzt sogar was warmes. Wird uns guttun."
    Mit zusammengebissenen Zähnen ging er neben ihr auf ein Knie herunter, und wollte ihr aufhelfen.

  • Sie konnte gar nicht denken, was wollte er von ihr? Wie gefesselt sah sie auf seinen verletzten Oberschenkel und wie er sich ein Stück seiner Tunika abriss. Das Geräusch schallte in ihren Ohren wieder, so kam es ihr zumindest vor und es tat schon fast weh. Dann sah sie zu wie er es um sein Bein band und das Blut welches weiter lief. Alles war rot und begann sich um sie zu drehen.....der Mann...ihr Blick fiel nun auf den Mann, der in grefibarer Nähe zu ihr lag und sich nie wieder rühren würde. Arrecina konnst spüren wie ihr schlecht wurde und sah schnell weg. Das Licht was reinfiel wegen der nun offenen Tür machte das alles auch nicht besser, denn diese Hütte war mehr als nur nicht einladend und einfach nur schrecklich. Wer hier hauste konnte kein Mensch sein so dreckig wie es hier war. Esw ar wirklich fast noch schlimmer als die stinkenden Unterkünfte der Sklaven bei der Villa Flavia.
    Raus? Raus war gut, aber essen? Der Gedanke daran ließ sie schlucken und sie spürte etwas brennendes in ihrem Hals und schluckte noch etwas mehr. Sie wollte endlich aus diesem Alptraum aufwachen und hatte keine Lust mehr dieses Spiel weiter zu spielen. Noch nie hatte sie sich in die Arme ihres Vaters so sehr gewünscht wie jetzt in diesem Moment und aller Ärger wäre ihr lieber als hier zu sitzen mit einem Toten zusammen in einem Raum.
    Das Mädchen bewegte sich immer noch nicht und gab auch keine Antwort. Sie zitterte weiter vor sich hin bis er auf einmal neben ihr war. Nun konnte sie direkt auf sein Bein sehen und das Blut welches wieder vor ihrem Augen zu einem seltsamen Muster verschwamm. Langsam sah sie zu dem Sklaven auf und kam ihm dann sogar ein kleines Stückchen entgegen, fast einer mechanischen Bewegung gleich. Zitternd sank sie ihm einfach in die Arme und schluchzte.


    "Lass mich nie wieder einfach alleine.............NIE WIEDER!" Sie konnte sich einfach nicht beruhigen, aber wusste innerlich, dass sie es einfach musste. Sie rief sich in Gedanken, dass er verletzt war und dann auch in wessen Armen sie hier lag, aber alles zusammen bis es ihr Gehirn verarbeitet hatte dauerte eine Weile und so hielt sie sich erst einmal an ihm fest.
    Dann als sie ihren Kopf wieder etwas anhob um ihn zu sehen deutete sie auf sein Bein und wischte sich nebenbei einige Tränen aus ihrem Gesicht. "Wir müssen uns zuerst um dein bein kümmern, das sieht schlimm aus." Zwar suchte sich die ein oder andere Träne noch ihren Weg, aber sie stand dann doch entschlossen auf und hielt dem Sklaven ihre Hand hin um ihm dieses mal aufzuhelfen. Hier musste es irgendwo etwas geben womit man ihn verbinden konnte, aber er hatte recht, sie sollten nach draussen zu allererst und dann musste sie suchen.

  • Frowe Hulda hilf! Rutger hielt die schluchzende Tochter des Römers, den er am meisten hasste, in den Armen. Er schluckte, strich ihr völlig überfordert ein bisschen über den Rücken, hatte schon wieder den Duft ihres Haars in der Nase, und war heilfroh, als sie ihre Beherrschung wieder erlangte.
    "Es ist nur eine Fleischwunde."
    Rutger übersah Arrecinas Hand, stand etwas unsicher alleine wieder auf, und wurde dabei plötzlich ganz blass.
    "Geht schon." presste er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und hinkte zu Türe, vergass dabei auch nicht, dem Toten seinen Dolch aus den gekrümmten Fingern zu nehmen.
    Am Türrahmen hielt er sich erst mal fest, und atmete tief ein und aus. Es schmerzte höllisch, und sein Bein war ganz in Blut gebadet. Er presste die Hand auf den durchweichten Verbandsfetzen.
    "Kannst du mir... etwas Stoff bringen... bitte?" bat er abgehackt, und ließ sich langsam auf die steinerne Türschwelle niedersinken, das verletzte Bein gerade von sich gestreckt.


    Vor ihm erstreckte sich das idyllische, sonnendurchglühte Tal. Eine Windbö fuhr von den Bergen herunter, und ließ die hohen Gräser in Wellen weich auf und nieder wogen. Verstreute graue Felsen lagen wie Inseln in dem Grasmeer. Es roch noch immer nach Sommer, doch das Laub der Bäume an den Hängen färbte sich schon rot und golden. Rutger fragte sich, ob er bis zum Winter zu Hause sein würde.
    Stetig quoll frisches Blut aus der Wunde und tropfte in den Staub. Kleine rote Kreise blühten dort auf wie Blumen, vereinten sich zu einem Rinnsal, dann zu einem dunkel glitzernden Fleck, der immer weiter wuchs. Rutger sah benebelt auf diesen Fleck... da wurde ihm auf einmal blitzartig bewußt, daß er der Römerin, da hinter ihm in der Hütte, gerade viel zu sorglos den Rücken zuwandte - hastig drehte er sich halb um, um sie wachsam im Auge zu behalten, falls sie sich entschließen sollte, seine Schwäche auszunutzen.

  • In diesem Moment fühlte sich Arrecina geborgen und war ihm innerlich auch dankbar dafür, dass er sie einfach nur festhielt und sie nicht von sich stieß, aber wohl noch froher war sie darüber, dass er kein weiteres Wort darüber mehr verlor, als sie aufgestanden war und ihm eigentlich hochhelfen wollte, aber da spielte sein Stolz wohl nicht mit, denn er machte keine Andeutung, dass er ihre Hand ergreifen wollte deswegen ließ sie diese auch wieder sinken. Arrecina sah, dass er Schmerzen hatte und nahm seine Worte nicht wirklich für wahr, dass es nur eine Fleischwunde war. Den Toten wollte sie nicht mehr ansehen und ging eiligst an ihm vorbei und zu Rutger der an der Tür stand und sich langsam nieder ließ. "Ich werde etwas suchen gehen" sagte sie und wandte sich wieder um um in diese schreckliche Hütte zu gehen. Warum sie ihm half wusste sie nicht, denn eigentlich hätte sie seine Schwäche nun ausnutzen müssen und einfach wegrennen. Verfolgen hätte er sie nicht mehr können aber sie konnte es nicht, es war fast so als stünde sie in seiner Schuld,denn er hatte sie gerettet. Sie musste diese Geschichte mit dem Mann einfach vergessen, schließlich war nichts geschehen. Im düsteren Schein des Hauses sah sie sich um und versuchte es zu vermeiden den Mann auf dem Boden anzusehen.


    Ihr fiel ein, dass sie noch nie jemanden verarztet hatte. Es hatte noch nie einen Grund gegeben, denn schließlich gab es dazu Sklaven und den Medicus der sich um Wunden kümmerte. Gut sie hatte sich auch schon in den Finger geschnitten,aber das war auf jeden Fall etwas ganz anderes als wenn man ein Messer im Oberschenkel hatte. Von seiner hastigen Bewegung bekam sie nichts mit und auch nicht von seinem Misstrauen ihr gegenüber, denn daran verschwendete sie auch keinen Gedanken und nicht einmal den Gedanken ihm jetzt hier etwas anzutun. Wahrscheinlich wäre das sogar unter ihrer Würde, aber das wusste nur sie selber.


    Sich in der Hütte umzusehen war ein Akt aus Ekel und Übelkeit, denn was sie hier zu sehen bekam drehte einem doch teilweise den Magen um. Er schien vor noch nicht all zu langer Zeit hier etwas blutiges gemacht zu haben, wahrscheinlich ein Schaf oder etwas ähnliches und er hatte es nicht für nötig gehalten die restlichen Spuren zu beseitigen, denn der Tisch war unsauber und an den Ecken klebte noch Blut und Fell und sie konnte wirklich nicht lange darauf sehen. Schnell wandt sie sich einer anderen Ecke zu wo wohl ein paar Kleidungsstücke waren. Mit spitzen Finger begann sie in dem Berg zu suchen und fand auch eine Art Tunika die nicht ganz dreckig war. Wenn man diese in Streifen riss konnte man sich daraus einen Verband machen, aber sie wusste, dass seine Wunde sicher genäht werden müsste, denn ein kleiner Schnitt war es sicher nicht, aber wie sollte sie das anstellen? Arrecina schreckte zusammen als etwas großes und haariges über ihre Hand lief und sie diese schüttelte. Eine dicke und fette Spinne prallte von dem Schütteln auf den Boden und rannte schleunigst in eine andere Richtung.


    Sie mochte Spinnen nicht und merkte, dass sie eine Gänsehaut hatte. Angeekelt sah sie sich weiter um, aber konnte nichts finden, also musste ein Verband reichen. Sie stand wieder aus der Ecke auf und trat zu Rutger an die Tür. "Ich habe nichts anderes gefunden als das hier." Sie zeigte die Tunika und kniete sich vor ihm auf den Boden und begann die Tunika in lange und große Stücke zu reißen. "Ich mach dir einen Verband, aber ich denke das müsste eigentlich genäht werden nur habe ich hier nichts gefunden" sagte sie ganz nebenbei, aber irgendwie merkte man, dass sie immer noch nicht ganz bei sich war. "Lass mich sehen..." Sie fasste nach dem Stoff seiner Tunika und wollte ihn nach oben schieben um an seine Wunde zu kommen.

  • Rutger nickte, und ließ Arrecina die Wunde freilegen. Sie schien ihm tatsächlich helfen zu wollen. Irgendwie war in den letzten Augenblicken viel durcheinander geraten. Schon tapfer, diese kleine Römerin.
    Die Verletzung war ein schräger Schnitt, dessen Ränder weit auseinanderklafften und das nasse rote Fleisch zeigten.
    "Das wird schon so gehen." meinte Rutger. "Sonst können wir es immer noch ausbrennen."
    Er lehnte sich etwas zurück, und überließ Arrecina sein Bein. Sie schien ja zu wissen was sie tat. Und Frauen waren für so etwas sowieso begabter. Trotzdem sah er ihr genau auf die Hände. Rutger war ein tapferer Patient, er hatte das so gelernt, und kein Schmerzenslaut kam ihm über die Lippen, nur daß er mal schärfer atmete, und noch blasser um die Nase herum wurde. Kleine Schweißtropfen standen ihm auf der Stirn, und verbissen sah er dann doch weg, und starrte auf einen ebenmäßig geschwungenen Hügel in der Ferne. An irgendwas erinnerte der ihn... Rutger grinste schmerzverzerrt - an Ne-fahr-thyrris wunderbare Brüste. Wie kam er jetzt bloß darauf? Schade, daß er diese betörende Frau wohl nicht mehr wiedersehen würde, dachte er bei sich, und guckte wieder was Arrecina tat.
    "Mach es ruhig noch fester."
    Er hoffte nur, daß er kein Wundfieber bekam, das wäre jetzt fatal. Überhaupt, was für ein Pech!
    "Was ist mit dem Pferd?" fragte er Arrecina plötzlich beunruhigt. Der Gedanke, daß er ohne Phaidra verloren wäre, jagte ihm einen gewaltigen Schrecken ein. "Sie ist doch noch da, oder?"

  • Zum ersten mal in ihrem Leben sah sie eine solche Wunde, aber sie wollte sich nichts weiter anmerken lassen. Er musste sicher Schmerzen haben auch wenn er es nicht zugab. Das Wort "ausbrennen" versuchte sie einfach mal zu überhören denn alleine die Vorsstellung ließ ihr die Haare zu berge stehen und es begann überall zu kribbeln. Nein es musste auch anders gehen und sie würde das schon schaffen, irgendwie auch wenn sie keine Ahnung von dem hatte was sie da grade machte. Sie legte sich das sauberste Stückchen Stoff zu einem großen Vierck zusammen und dann auf die Wunde um dann die Streifen fest drumzuwickeln. Da er ja sagte sie solle es noch fester machen gab sie ihr Bestes und machte es noch fester. Arrecina hoffte, dass sie ihm nicht noch zusätzlich weh tat. Er wirkte blass und sie hatte den gleichen Gedanken wir er auch, dass er davon nicht auch noch krank wurde, denn da wäre ihr Latein wirklich am Ende. Wie schon erwähnt hatte sie für jedes Wehwehchen immer einen Medicius an ihrer Seite und brauchte sich um nichts zu kümmern. Zwar hätte sie da aufpassen können aber wer tat das denn schon wenn er behandelt wurde? Nachdem der Stoff aufgebraucht war machte sie noch einen Knoten und hoffte, dass es ausreichen würde, dann wischte sie sich ihre Hände an ihrer schon schmutzigen Tunika ab.


    "Phaidra?" sie sah zu ihm auf, da sie noch vor ihm im Dreck kniete. "Ich werde sie holen gehen, denn du wirst nicht weit laufen können und es bringt dir nichts wenn die Wunde trotz des Verbandes bei großer Anstrengung weiter aufreißt" sagte sie und stand auch schon auf um ihren Worten Taten folgen zu lassen.

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