"Zum duften Viri"





  • "Zum duften Viri"
    (Viridomarus Geschäft)



    Der Architekt Apollodoros schuf die berühmten Trajansmärkte. Die bekannten Märkte sind im Einschnitt des Berges gebaut worden. Hier wurde der Hang wurde in mehreren Stufen abgetragen, ferner wurde hier ein komplexes System von Anlagen errichtet. Die Form des beeindruckenden Bauwerks erinnert an eine Staumauer.


    Im Untergeschoss sind elf Läden zu finden, rechts und links gibt es einen Eingang hierzu. Darüber, im zweiten Geschoss, verläuft ein überwölbter Gang, an welchem zehn weitere Läden zu finden sind. Rundbogenfenster durchbrechen hier die Fassade und sorgen für ausreichend Licht.


    Nördlich verlängert sich die halbrunde Fassade zu einer geraden Linie. Hier findet man weitere Läden.


    Eine Terrasse bildet das dritte Stockwerk, über dem Gang des darunter liegenden Stockwerks.
    Hier führt die Via Biberatica entlang. Auch hier sind weitere Läden zu finden, so dass das gesamte Forum über 150 Läden für schau- und kauflustige Kundschaft bietet.


    Von der Via Biberatica führt eine Treppe zu einer zweigeschossigen Halle, die das Zentrum der Anlage bildet und den Eingang der Trajansmärkte bildet. Im Erdgeschoß findet man an den Längsseiten jeweils sechs Läden.


    Von der Südseite des Saales erreicht man die Verwaltungsräume des Verkaufskomplexes, sowie mehrere zweistöckige Lagerräume.


    Die 150 Läden mit denen die Trajansmärkte aufwarten können bieten Nahrungsmittel, Gebrauchsgegenstände, Kleidung und selbstverständlich erlesene Luxusartikel. Händler und Kunden aus aller Welt findet man hier.



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    Das Geschäft "Zum duften Viri"


    Im Luxusgeschäft "Zum duften Viri" bleiben keine Einkaufswünsche für die gehobene Kundschaft offen. Ob betörende Düfte in Form von Parfüms und Räucherwerk, Kosmetik, Pflegeprodukte, Schmuck und modische Accessoires wie Seidentücher und Perücken machen den Einkauf zu einem ganz besonderen Erlebnis.


    Beratung rund um Schönheit und Gesundheit wird bei uns großgeschrieben. Jünger aussehen? Mit uns kein Problem. Haarwuchs erwünscht? Oder einzudämmen? Auch hierfür bieten wir vielfältige Lösungen.


    Ferner kann die edle Kundschaft hier ganz besondere Sklaven erwerben, die den gehobenen Bedürfnisse entsprechen. Von der geübten Kosmetikerin, die ihre Herrin mit entsprechenden Produkten hervorragend zur Geltung zu bringen weiß, bis hin zur Friseuse die sich der edlen Haarpracht der Hausdame annimmt. Gleich ob ihres echten Haares oder wundervollen Perücken.


    Selbstverständlich sind auch Sklaven für den Herrn des Hauses im Angebot.


    Fähigkeiten, Fleiß und Gehorsam machen noch lange keinen guten Sklaven aus. Unsere Odalisken überzeugen zudem durch ihr hervorragendes Aussehen, dass die Schönheit der neuen Besitzer unterstreicht.



    Hier sind wir zu finden:
    "Zum duften Viri"
    Rom
    Via Biberatica
    Trajansmärkte
    2. Geschoss

  • Ein ganz besonderer Duft für einen ganz besonderen Mann



    Der Morgen hatte mit einem starken Gewitter und Platzregen begonnen und das grollende Gewitter hatte in der Baracke so manchen missmutig aus dem winzigen Fenster schauen lassen. Der Himmel war zugezogen und grau, ab und an sah man noch einen Blitz zucken, gefolgt von mächtigem Donnergrollen. Aber größtenteils war das Unwetter vorbei.


    Lurco stellte sich neben Pullus ans Fenster und beobachtete das Schauspiel. Sein Kamerad riss ein Stück von seinem Brot ab und reichte es ihm, so schauten beide schweigend und essend nach draußen. Dann endlich hatte sich der Regen verzogen, es klarte auf und die Sonne brach sich wieder ihre Bahn durch die Wolkendecke.


    Mit dem Himmel hellte sich auch die Laune von Lurco auf. Er rüttelte Scato wach und sagte ihm, dass sie heute die Patrouille an einem ganz besonderen Ort abhalten würden. Lurco beeilte sich damit sich anzuziehen und sich zu rüsten. Er wartete auf Scato, der kaum einen Atemzug später abmarschbereit war.


    Die Straßen glänzten noch nass vom Regen, aber Lurco führte seinen Kumpel Scato zielsicher durch die Stadt. Wohin? Nun dass schien nur Lurco zu wissen, denn jede versuchte Frage, wohin es denn ging beantwortete er nur mit einem breiten Grinsen.


    Urplötzlich standen sie in den Trajansmärkten. Einem Ort der nur so vor Leben wimmelte. Händler, Kunden, Schaulustige und die Waren die feilgeboten wurden, schienen einander in Farbe und Duft übertrumpfen zu wollen.


    "Schön hier oder?", fragte Lurco freundlich und kaufte ihnen beiden eine mit Käse gefüllte Brottasche zum Frühstück.


    Genüsslich aß er die gefüllte Tasche, während er mit Scato wachsamen Blickes über den Markt schlenderte. Aber sie blieben nicht im Untergeschoss, sondern wanderten die Treppe nach oben in die zweite Etage. Vor einem Laden blieb Lurco stehen und deutete mit dem Daumen darauf.


    "Unser Ziel. Du wolltest einen passenden Duft, heute bekommst Du ihn", sagte er freundlich und tippte Scato auf seine Anhänger. Was die Geste bedeutete, wussten nur die beiden allein.


    Lurco betrat gemeinsam mit Scato das Geschäft von Viridomarus "Zum duften Viri". Was hier angeboten wurde, war purer Luxus. Die kleine Dekadenz für zwischendurch, ebenso für den ganzen Abend, den Tag oder sogar weitaus länger.

  • Eine Seite des Geschäftes war den Kosmetika vorbehalten, die andere dem Schmuck und weiteren Schönheitsutensilien. Die Parfüms befanden sich an der Kopfwand, direkt hinter dem Tresen, so dass kein Kunde sofort Zugriff darauf hatte.


    Und hinter dem Tresen stand der Hausherr, freundlich bis in die feisten Wangen und strahlend wie der junge Morgen.


    "Salve meine Freunde, schaut Euch nur um", grüßte Viridomarus.


    Er trat hinter den Tresen hervor, gestellte sich aber nicht direkt zu Lurco und Scato, da der Laden auf sie wirken sollte. Ein Verkäufer der es mit dem Verkauf zu eilig hatte, verscheuchte mehr potenzielle Kunden als ein Obdachloser vor der Tür. Das gute Mittelmaß zwischen Kundenfreiheit und guter Beratung war das A und O.


    Nubius neben der Tür wirkte wie eine Statue die zur Dekoration den Laden schmückte. Wofür der große Mann anwesend war, war klar. Unliebsame Kundschaft mit zu langen Fingern lehrte der Nubier die Kunst des Fliegens.


    Auf einem der Ausstellungstresen stand ein handgeschnitztes Köfferchen, welches mit Intarsien geschmückt war. In seinem Inneren befanden sich winzige Amphoren aus Glas, Ton und Alabaster. Salben, Cremes und Parfümes waren darin aufbewahrt. Zudem lagen in dem Köfferchen noch weitere Utensilien, unter anderem Kämme, Haarnadeln, Pinzetten und Spatel.


    Das Köfferchen war in der Mitte drapiert, drumherum standen weiterer kleine Gefäße. Lurco nahm eines aus Alabaster zur Hand und betrachtete die feine Handwerkskunst.


    Viri stellte sich neben Lurco und legte ihm eine Hand auf den Arm.


    "Das mein lieber Lurco wird meist für die Kosmetik für die edlen Damen verwandt. Selbstverständlich kann man auch in diese kleinen Gefäße Duftcremes hineinfüllen. Dass was Ihr beiden hier im Köfferchen seht ist eine Komposition für den Schönheitsgrundbedarf der Dame.


    Wichtigster Grundsatz bei der Kosmetik für die Frau, sie muss die Gute verjüngen, erfrischen und in neuem Glanz erstrahlen lassen.


    So ist es üblich das der Dame eines werten Hauses die Augenbrauen nachgezogen werden und ebenso schattiert man die Lider. Ferner nutzt man Tintenfischtinte, Antimon oder Ruß von vorzüglich gerösteten Datteln um die Augen der Dame dunkel zu umranden", erläuterte Viri.


    Der Thraker nahm einen weiteren Tiegel zur Hand, öffnete ihn und zeigte Scato und Lurco eine dunkle Paste.


    "Dies sind, Ihr werdet es kaum glauben, geröstete Ameisen. Mit dieser Paste die gleichzeitig den Abschluss des morgendlichen Schminkes der Hausdame darstellt, werden die Lippen betont.


    Um die Lippen zu färben haben wir eine Vielzahl von Farben im Angebot, der meistverkaufte Farbton ist und bleibt jedoch dieses satte, dunkle Rot. Hergestellt wird der Kassenschlager aus Zinnober oder Mennige. Beides ist toxisch, aber die Lippenfarbe ist auch nicht zum Verzehr gedacht. Wir weisen selbstverständlich darauf hin.


    Würdet Ihr eine Dame des Hauses bei der morgendlichen Schinkstunde sehen, dann hätte ihr Mädchen zuerst die Grundierung aufgetragen. Hierzu wird Honig mit einigen Fetten und Bleiweiß gemischt. Bleiweiß ist sehr hell meine Lieben und verleiht dem Gesicht die Blässe die eine vornehme Dame zur Schau zu tragen hat. Natürlich bleibt es nicht allein bei dem Weißen, nein das Gesicht benötigt Frische und Jugend. Hierfür nehmen wir das kostbare Hämatitpulver. Es verleiht der Haut ein Strahlen, vorab vielleicht noch ein wenig rote Pigmente um ein klein wenig rose auf die Wangen zu zaubern.


    Damit meine Lieben wären wir aber erst beim Gesicht. Soll Euch der gute Viri etwas flüstern?


    Manche der edlen Damen färben nicht nur in ihrem ganz persönlichen Morgenritual ihre Gesichter, manche färben sich sogar den Rest ihres Körpers. Bei jenen Kundinnen ist es üblich, sich die Hände und Fußsohlen rot und die Brustspitzen golden zu färben. Selbstverständlich gilt das nur für die Dame die es sich finanziell und auch körperlich leisten kann. Keiner betont die hängenden Gärten von Seramis", lächelte Viri schelmisch.


    "Was im Moment besonderen Anklang findet, sind Schönheitsflecken. Sie haben je nach Auftragung, eine geheime Botschaft. Also falls Ihr beiden Mannsbilder eine Frau mit einem aufgemalten Muttermal seht, wisst Ihr diese Trägerin teilt der Welt etwas mit und zwar jenen die die Fleckchen zu deuten wissen.


    Hinzu kommt unser Angebot an Schmuck, Kleinigkeiten wie Tüchern, Schals, Perücken und vielem mehr.


    Aber all das interessiert Euch vermutlich nur am Rande. Folgt mir zu den Schönheitscremes. Denn meine Lieben, auch die Heilung gehört in den Bereich der Schönheit. Das werde ich niemals müde kundzutun.


    Für fast alle Hauptprobleme habe ich eine passende Creme, ob Haut- und Altersflecken, Sommersprossen, Furunkeln oder Schlimmeren - scheut Euch nicht Viri anzusprechen.


    Eine Kostprobe meines Wissens, Backpulver verwendet man bei Narben, Melonenkerne oder Kümmel als Bleichmittel, Entzündungen der Haut bekämpft man erfolgreich mit Kalbsgenitalien, Stiergalle setzt man bei fleckiger Haut ein, Butter hilft gegen Sommersprossen.


    Ihr seht, es gibt viele Rezepte mit denen man den geplagten Mann oder auch der leidenden Frau helfen kann. Nicht immer muss es der Medicus sein, der hilfreich zur Seite steht.


    Wenden wir uns der Kosmetik für den edlen Herrn zu. Hier fängt alles am Morgen mit einer gründlichen Rasur an. Je schärfer das Rasiermesser, je weniger Hautirritation habt Ihr. Wir führen die besten Rasiermesser in ganz Rom. Man munkelt sie wären schärfer als die schärfste Zunge der Tratschbasen.


    Zudem führen wir Pinzetten für das störende Haar an den Augenbrauen, dem Hals, den Nacken und sogar in der Nase.


    Für die tägliche Enthaarung haben wir Wachs im Angebot, dass nicht nur das feinste Haar aus der Haut reißt, sondern diese ebenso durch seine Inhaltsstoffe pflegt.


    Ihr beiden habt den Göttern sei Dank noch volles Haar. Aber sollte Euch einst das Haupthaar ausgehen, dann habe ich ebenfalls ein manigfaltiges Angebot um Euch beizustehen. Von Pflege bis Vertuschung ist alles dabei.


    Mein Hauptaugenmerk und meine Liebe gelten allerdings der Welt der Düfte, den Parfüms. Falls Ihr daran Interesse habt, könnt Ihr gerne einmal einige Düfte erschnuppern.


    Also was meine Lieben darf es für Euch sein?", fragte Viri freundlich.

  • Scato freute sich sehr über den Ausflug. Er genoss die Freizeit nach dem schweißtreibenden Dienst, genau wie die käsegefüllte Brottasche. Während sie im Gehen aßen, schaute Scato sich die Trajansmärkte neugierig an. Er entdeckte ein paar Kameraden, die Dienst hatten und gerade irgendwen die Taschen leeren ließen, aber das war zum Glück gerade nicht sein Problem. Er hatte keines, er war glücklich. Im Gehen rempelte er leicht gegen Lurco, während er den letzten Zipfel Brot in seinem Mund verschwinden ließ.


    "Einen Duft für mich? Das ist eine gute Idee, ich glaube, wenn ich mir einfach irgendwas kaufe, wird das Murks. Wirklich schön hier", stimmte Scato zu, doch die Märkte selbst waren es nicht, was er meinte. Als Lurco auf seinen Anhänger tippte, lächelte Scato. Ihm fiel auf, dass sie schon einige Tage keinen Wein mehr getrunken hatten und ihm das gemeinsame Ausnüchtern fehlte. "Lass uns auf dem Rückweg ein paar Flaschen Wein organisieren", schlug er mit verschlagenem Gesichtsausdruck vor.


    Kurz darauf erreichten sie den Laden vom duften Viri, dessen Inhaber sie offenbar schon erwartet hatte.


    "Salve, Viri", grüßte Scato und weiter kam er nicht.


    Scato, der keinerlei Vorwissen in dem Bereich hatte, wurde von der schieren Flut an Informationen regelrecht erschlagen, als der feiste Mann ihn beriet. Er blinzelte nervös und fragte sich, ob man ihn für einen barbarischen Trampel halten würde, wenn jemand mitbekam, dass er sich überhaupt nicht mit solchen Dingen auskannte. Er nickte hin und wieder höflich. Als Viridomarus davon plauderte, wie sich feine Damen die Brustspitzen vergolden ließen, fasste Scato sich mit entsetztem Blick unwillkürlich an die Brust und dachte an den blutig-eitrigen Matsch, den Ramnus mit seinen Zähnen an Tarpas Brust angerichtet hatten, als Viridomarus schon wieder in den höchsten Tönen von Pinzetten und Wachs zu schwärmen begann. Die Enthaarungswut der Römer teilte Scato nicht. Faunus ging schließlich auch nicht rasiert, notfalls würde Scato seinen Unwillen dahingehend auf seine Religion schieben.


    Als Viridomarus geendet hatte, rieb Scato sich verlegen lächelnd die Hände. "Kannst du mich beraten wegen Parfums und Duftölen? Er sollte nicht nach Zimt riechen. Zumindest nicht stark."


    Er liebte diesen Duft, allerdings war er damit nicht der einzige im Haushalt. Er hatte den Verdacht, dass Terpander nicht ganz uneigennützig jedem einen Zimtduft aufschwatzte, vermutlich war das wieder einer seiner humoristischen Anflüge, denn Scato war aufgefallen, dass es auch im Ganymed ziemlich zimtig in manchen Ecken gerochen hatte - zumindest, bevor es den Flammen zum Opfer gefallen war.


    "Und irgendwas gegen raue Hände wäre nicht schlecht." Er zeigte seine Handflächen, die vom täglichen Waffentraining furchtbar aussahen. Hornhaut und Schwielen unterschiedlicher Alterstadien bildeten eine futuristische Hügellandschaft. Etwas leiser sagte er: "Und wenn man sich mal schick machen will ... was ist da für einen Soldaten angemessen?"


    Wie der bis zur Unkenntlichkeit geschminkte Kyriakos mit seiner falschen Lockenpracht wollte er nicht gerade aussehen, nur weil er ausnahmsweise versuchte, sich herauszuputzen.

  • Valeria Maximilla war diesmal ganz standesgemäß in einer Sänfte zu den Traiansmärkten getragen worden. Der Maiordomus hatte darauf bestanden. Er fürchtete nämlich, dass wenn die Valeria noch längere Zeit mit ihrem Hund und vier Sklaven durch Rom rennen würde, „damit Wölfchen Bewegung bekommt“ sie irgendwann nur noch als schrullige Tante durchgehen würde.
    Aber Maximilla sollte ja eine gute Partie machen.


    „Wölfchen braucht wirklich Bewegung“, verteidigte sich Maximilla.:
    "In der Aquensis war er den ganzen Tag draußen!"
    „Soll er ja selbstverständlich auch bekommen, Domina“, brummte der Maiordomus:
    „Remigius oder einer der anderen kann mit dem Hund hinter deiner Sänfte hertraben."
    Valeria Maximilla nickte ergeben.


    Was sie nicht bedacht hatte, war, dass man sich auch an eine Sänfte gewöhnen musste. So sehr sich die Sklaven Mühe gaben, bei dem vielen Verkehr und Ausweichmanövern wackelte die Sänfte ganz schön. Maximilla fühlte sich seekrank, als man sie herunter ließ, versprach den Trägern Posca und Fleischspießchen und ordnete an, dass sie auf sie warten sollten.
    Dann begab sie sich mit dem jugendlichen Remigius, und dem älteren Antipatros ins Getümmel der Trainansmärkte.
    Den Laden mit der Katze aus Aegyptus und den Papageien aus Indien ließ Maximilla links liegen, diese Tiere waren viel zu teuer.
    Heute plante sie sich in dem bekannten Luxusgeschäft „Zum duften Viri“ im zweiten Geschoss Schminksachen zu kaufen und sich beraten zu lassen.
    Wenn sie wirklich Stellas und Phoebes Verwandten Iulius Caesoninus vorgestellt werden sollte, wollte sie nicht wie das letzte Landei wirken.


    „Antipatros, bleibst du draußen bei Wölfchen.“, befahl sie und betrat das Geschäft in Begleitung von Remigius, der ziemlich vergnügt wirkte. Das Leben war viel lustiger, seit die junge Domina in der Casa Valeria lebte. Täglich lange Spaziergänge mit dem Wolfshund machte dem Jugendlichen mehr Spaß als Hausarbeit.


    Vor Maximilla wurden noch zwei Herren bedient.


    Die Valeria schlenderte herum und sah sich die Glasphiolen mit den kostbaren Essenzen an. Es war klug gewesen, Wölfchen vor der Tür zu lassen. Der große Wolfshund konnte sich sehr freuen. Dann bestand die Gefahr, dass durch heftiges Schwanzwedeln etwas zu Bruch gehen würde.

  • Viridomarus wandte sich Scato zu.


    "Salve Scato, es freut mich Dich in meinem Laden als neuen Kunden begrüßen zu dürfen. Mein Lieber eines nach dem anderen. Zuerst sei Dir gesagt, wenn Du kein Zimtduft magst oder möchtest, muss Dein Parfüm auch kein Zimt enthalten. Nicht allen Menschen steht ein Duft. Denn der Duft im Fläschchen ist ein anderer als der auf Deiner Haut. Die Wärme, Dein Eigengeruch all dies mischt sich und das wird erst das tatsächliche Parfüm, dass Dir schmeichelt.


    Ich persönlich würde Dir etwas mit Moschus empfehlen, einer Tieren Komponente. Ein Moschus ist so etwas wie ein Hirsch Scato. Du hast auch etwas animalisches an Dir und wie ich weiß bist Du Faunus verschrieben.


    Moschus steht für Anziehungskraft, wie gesagt das Animalische aber vor allem sorgt diese Komponente für ein Gefühl - Wärme. Verbunden mit eine anderen warmen Note wie etwa etwas Holziges, Moosiges. Ich würde für Dich vorschlagen dass wir eine Mischung aus Zitrusduft nehmen, etwas Blumiges hinzufügen wie Jasmin oder falls Dir Rosen lieber sind jene Komponente und zum Schluss wie gesagt Moos, Holz und Moschus. Ein warmer, weicher, gemütlicher und dennoch frischer Duft mit dem gewissen Etwas.


    Nun zu Deinen Händen", sagte Viri, ergriff behutsam die Hände von Scato und schaute sie sich ganz genau an. Er drückte hier und dort, untersuchte sie regelrecht und nickte dann zufrieden.


    "Deine Hände leiden wirklich nur unter Hornhaut und Schwielen und nicht unter einer krankhaften Veränderung. Aber Obacht! Auch Hornhaut kann zu Problemen führen und ist mehr als nur ein optisches Problem.


    Wer viel mit den Händen arbeitet so wie Du, bekommt Schwielen an den Händen. Eine Waffe zu führen ist genauso wie der Handwerker sein Werkzeug und so entstehen die Schwielen, der Körper schützt sich durch die Hautverdickung.


    Zu Deiner Beruhigung, Hornhaut ist unschön aber auch ungefährlich. Sie kann allerdings zu Greifbeschwerden führen, wenn sie zu dick wird. Angesagt ist hier Vorbeugung, sobald man die Hornhaut einmal richtig bekämpft hat. Hier hilft nur eines, konsequente Hautpflege Scato.


    Die Vorbeugung wird mit einer feuchtigkeitsspendenen Creme gewährleistet. Diese werde ich Dir gleich aushändigen. Vorher jedoch muss die Hornhaut herunter.


    Hierfür begleitest Du bitte meinen Gehilfen Charilaus nach hinten.


    Er wird Deine in warmen Wasser baden, hinzu kommt guter Essig der die Hornhaut aufweicht. Dann wird diese mit einem Bimsstein entfernt. Sobald dies geschehen ist, wird eine fettende und pflegende Creme in Deine Hände einmassiert, mit einem ganz besonderen Grundstoff - Urin. Du hast richtig gehört. Dieser Inhaltsstoff kann Wasser besonders gut in der oberen Hautschicht speichern und macht die Haut direkt geschmeidig. Keine Angst, man riecht davon nichts.


    Und eine Warnung, hüte Dich davor Hornhaut abzuschneiden, dies hilft nicht und verschlimmert das Problem.


    Charilaus!", rief Viridomarus und klatschte in die Hände.


    Ein junger, schlanker, gepflegter Mann erschien und grüßte alle Anwesenden mit einer leichten Verbeugung.


    "Salve an die werte Kundschaft. Wie kann ich behilflich sein?", fragte der Jüngling.
    "Unser Kunde Scato benötigt ein Handbad zur Lösung der Hornhaut und im Anschluss nachhaltige Pflege", erklärte Viridomarus und deutete auf Scato.


    Charilaus nickte Scato freundlich zu.
    "Wenn Du mir bitte folgen würdest", sagte er freundlich und legte dabei Scato eine Hand ins Kreuz, um ihn höflich aber bestimmt in die hinteren Räume zu führen.


    Scato sah dass dort das Geschäft von Viridomarus weiterging. Im hinteren Bereich gab es vier einzelne kleine Kabinen in denen Schönheitsbehandlungen durchgeführt werden konnten und einen größeren Raum, in dem die Salben, Cremes und Parfüms hergestellt wurden.


    Charilaus deutete Scato an, auf eine der Liegen Platz zu nehmen. Derweil bereitete er zwei Handbäder vor. Sobald Scato lag, stellte Charilaus die beiden vorbereiteten Schalen ebenfalls auf die Liege und legte die Hände von Scato hinein.


    "Ein klein wenig Geduld, sobald das Essigwasser seine Wirkung gezeigt hat, werde ich Dich von der Hornhaut befreien und Dir dann eine Pflegecreme in die Hände massieren. Möchtest Du während der Wartezeit etwas Trinken?", bot Charilaus an.

  • Noch während Viridomarus Scato beraten hatte, betrat eine junge Dame den Laden und schaute sich interessiert um. Als Charilaus Scato zur Behandlung in die hinteren Räumlichkeiten führte, gesellte sich Viri zu der jungen Frau. Selbstverständlich blieb er im gebührlichen Abstand stehen, wie es sich gehörte.


    Die Kundin sollte sich in keinster Weise bedrängt fühlen. Sein Geschäft hatte Viri jenen Dingen verschrieben, die das Wohlbefinden steigerten und unterstrichen. Ebenso sollte sich der Besuch in seinem Laden gestalten. Man sollte spüren, dass man willkommen war, aber bedrängt wurde man nicht.


    "Salve werte junge Dame und willkommen im duftenden Viri. Hast Du an etwas bestimmten Interesse, hast Du Fragen oder möchtest Du Dich erst einmal in Ruhe umschauen?


    Ein Getränk vielleicht? Dies geht selbstverständlich aufs Haus. Wir haben frische Posca mit Honig und Rosenblättern verfeinert und eine leichte wie auch belebende Weinschorle", begrüßte Viridomarus die junge Kundin.

  • "Moschus? Was gibt es denn als animalische Alternative?", erkundigte er sich. "Holzig und moosig, das mag ich, aber Moschus ist mir etwas zu scharf. Ähm ... am besten wir sprechen später darüber."


    Der Sklave ließ ihm keine Zeit, sondern schob ihn ins Hinterzimmer, was Scato aber ganz angenehm fand. Das gab ihm einen Vorgeschmack auf sicher vorhandene Massagekünste und genau das wurde ihm auch versprochen. Gerade eben betrat eine junge Dame den Laden, vielmehr noch ein kleines Dämchen. Dann waren Dame und Lurco aber schon aus seinem Blickfeld verschwunden und Scato stand im Hinterzimmer. Er machte es sich auf der Liege bequem und stellte sich auf das Verwöhnprogramm ein.


    "Ich habe keinen Durst", verkündete Scato, der sich schon auf die Handmassage freute, dabei wären irgendwelche Getränke nur störend. Hoffentlich schlief er vor lauter Entspannung nicht ein, das passierte ihm dauernd in den öffentlichen Thermen, wo es Massagesklaven gab. Mit einem Ohr lauschte er, was draußen so gesprochen wurde, so weit er es verstehen konnte.

  • Maximilla hörte mit halbem Ohr dem Gespräch Scatos mit Viridomarus zu. Der Kunde war ihr gleich sympathisch, als er von Schwielen an den Händen sprach.
    „Besser Schwielen an den Händen vom Arbeiten als Schwielen am Hintern vom Sitzen“, hatte Adalheidis immer gesagt.
    Der Römer sah aus wie ein junger Mann, der tüchtig zupacken konnte.
    Maximillas Blick fiel auf seinen Begleiter. Auch der wirkte für sie ansprechend, kein bißchen schnöselig, eher wie ein Bauer oder ein Soldat. Da die Valeria zwischen Soldaten und Bauern aufgewachsen war, fand sie das sehr anheimelnd.
    Wer die Römer wohl waren?Aus welcher Gens?
    Valeria Maximilla kannte keine Zurückhaltung, die beiden zu taxieren. Aber zum Heiraten kamen sie leider doch nicht in Frage:
    Beide Römer waren noch jung, vielleicht fünf, sechs Jahre älter als sie selbst. Maximilla hoffte auf eine Bekanntschaft, die den zehnjährigen Militärdienst hinter sich oder höchstens ein kurzes Militärtribunat vor sich hatte.
    Eventuell hatten die Beiden ja ältere Brüder.
    Leider entführte ein diensteifrig und kompetent wirkender Sklave den einen nun zur Handpflege.


    Maximilla wurde von einem korpulenten, sehr gutaussehenden und gepflegten Herren angesprochen, vielleicht der Geschäftsinhaber, vielleicht der Geschäftsführer:
    "Salve werte junge Dame und willkommen im duftenden Viri. Hast Du an etwas bestimmten Interesse, hast Du Fragen oder möchtest Du Dich erst einmal in Ruhe umschauen?
    Ein Getränk vielleicht? Dies geht selbstverständlich aufs Haus. Wir haben frische Posca mit Honig und Rosenblättern verfeinert und eine leichte wie auch belebende Weinschorle."


    „Salve,werter Meister oder wie du genannt werden möchtest.“, sagte sie:
    „Ich möchte bitte nichts trinken. Mir ist immer noch schlecht von dem Geschaukel meiner Sänfte. Aber Remigius hier wäre garantiert dankbar für einen Becher Wasser. Und draußen wartet Antipatros mit meinen Hund. Die zwei haben bestimmt auch Durst.
    Was ich möchte? Nun ja:Ich möchte einen jungen Ritter beeindrucken und hätte daher gerne eine Beratung, wie man sich richtig schminkt und richtig duftet.“


    Maximilla überlegte einen Moment und dachte an Adalheidis‘Ermahnungen. Adalheidis hatte ihr nie erlaubt, sich zu schminken. Auch Germaninnen verschönerten sich natürlich, doch Adalheidis fand Kosmetik unpassend für ein Kind. Jetzt war die Valeria aber schon vierzehn und damit eindeutig kein Kind mehr:
    „Mit beeindrucken meine ich, dass er weiß, dass ich als Mater Familias in Frage komme. Nicht etwa beeindrucken wie ein Flittchen.", sagte sie.


    Der Sklave Remigius bekam einen plötzlichen Hustenanfall.


    „Und dann wäre es nett, etwas mit meinen Haaren zu machen, damit ich größer wirke.
    Ovid schreibt ...“
    ,endlich hatte Maximilla die ganzen Tipps der Liebeskunst lesen können:
    „dass eine kleine Frau sitzen oder liegen sollte, damit man nicht bemerkt, wie klein sie ist, aber das ist höchst unpraktisch, nicht? Irgendwann muss ich ja aufstehen!“

  • Viridomarus hörte der jungen Dame aufmerksam zu.


    "Für meine verehrte Kundschaft einfach nur Viri junge Dame. Übelkeit durch Geschaukel mit der Sänfte? Da möchte ich Dich sanft korrigieren, Du benötigst etwas zu trinken und zwar eingekochten Essighonig als Hausmittel gegen Übelkeit. Ein uraltes und äußerst wirksames Rezept bei genereller oder Reiseübelkeit. Nur zur Erläuterung, damit Du weißt, was ich Dir anbiete. Zur Herstellung von Essighonig erwärmt man Honig mit reinem Wasser. Als nächstes entfernt man den Schaum, welcher dabei entsteht. Nun kommt der Essig hinzu, bis daraus eine breiartige Masse entstanden ist. Zum Schluss wird der Essighonig in kleine, saubere Amphoren gefüllt. Man kann entweder einen puren Esslöffel des Essighonigs verzehren, oder man gibt einen Esslöffel in einen Becher und gießt mit warmen Wasser ein Heißgetränk daraus auf. Mir hilft das Heißgetränk vorzüglich. Probiere einfach mal, falls es Dir nicht mundet, musst Du es nicht austrinken. Der Essighonig enthält nichts weiter als Honig, Essig und sauberes Wasser.


    Einen Augenblick bitte. Corinna? Einen heißen Essighonig ins Geschäft, zwei Becher Posca und eine Schale Wasser für einen Hund!", rief Viridomarus nach hinten.


    Es dauerte nur kurz, dann kam eine kleine Frau mit dem Gewünschten auf einem Tablett in den Verkaufsraum und neigte zum Gruße höflich den Kopf. Viridomarus nahm den Becher warmen Essighonig vom Tablett und reichte ihn seiner jungen Kundin. Danach deutete er auf ihren Begleiter und nach draußen.


    Corinna reichte dem Mann der Kundin einen Becher Posca, ebenso erhielt der Wartende vor der Tür einen Becher. Der Hund bekam eine Wasserschale. Genauso leise wie die Sklavin erschienen war, zog sie sich auch wieder zurück.


    "So nun zu dem eigentlichen Grund Deines Besuches meines Ladens. Zuerst möchte ich Dich freundlich darauf hinweisen, dass sich eine Dame üblicherweise nicht selbst schminkt, dafür hat sie ein Mädchen also eine passende Sklavin. Ist sie von besonderer Güte, versteht sie sich auch darauf Dir die Haare zu machen.


    Aber es gibt nichts, was man selbst nicht lernen könnte. Manche Dame zieht es vor, sich trotz des hohen Standes selbst zu schminken, da es für einige Personen unangenehm ist, wenn ihnen ins Gesicht gefasst wird.


    Falls Du möchtest kannst Du hier von meinem zuständigen Mädchen gezeigt bekommen wie Du Dich schminkst, oder Du kannst ein entsprechendes Mädchen erwerben.


    Ich verstehe wie Du zu beeindrucken gedenkst, Du möchtest als die Dame wahrgenommen werden die Du bist. Die hohe Kunst des Schminkens ist, dass die Trägerin gar nicht geschminkt aussieht. Das ist wahres Können. All Deine Vorzüge werden so unterstrichen, dass sie noch strahlender hervorgehoben werden.


    Ebenso muss der passende Duft Dich umschmeicheln. Bedenke, solange Du in der Gegenwart Deines Auserwählten bist, schmeichelt Deine Anweisenheit und Deine Schönheit. Verlässt Du den Raum, ohne einen Duft zu tragen bist Du schlichtweg fort. Trägst Du aber ein Parfüm... Dein Parfüm, dann bist Du für einen gewissen Zeitraum unsichtbar immer noch da. Und genau das muss ein guter Duft vermitteln. Er muss Deine Persönlichkeit unterstreichen und für einen Moment für die kleine Ewigkeit konservieren. Auch hier gilt, niemals zuviel, lieber einen Tropfen zu wenig.


    Zu Deinen Haaren samt Deiner Größe, Du hast absolut Recht eine Frau kann weder dauerhaft liegen noch sitzen. Aber die Frau sollte ebenso stets etwas kleiner als ihr Mann sein.


    Haarmoden wechseln sehr häufig, von der einfachen Hochsteckfrisur bis hin zu wahren Kunstgebilden ist alles möglich. Für derart hohe Frisuren benötigt man eine Perücke oder Perückenteile um entsprechende Höhe zu erlangen. Damit bist Du erst einmal informiert.


    Nun zu Dir ganz persönlich. Du bist eine junge, attraktive Frau und dies soll hervorgehoben werden. Mache Dich niemals älter als Du bist, dass wird man leider schnell genug von allein.


    Zuerst würde ich Deine Haare mit leichten Locken versehen lassen. Dies lässt sie schon etwas mehr Volumen gewinnen und lässt Dich optisch größer wirken. Dann stecken wir sie locker auf, so dass Du zusätzlich an Größe gewinnst, aber nicht durch die Strenge ein Jahr Deiner Jugend verlierst.


    Zur Kosmetik. Vor dem eigentlichen Schminken, wird Deine Haut gereinigt. Die Grundlage für eine natürliche strahlende, jugendliche Haut ist ein ebenmäßiges Hautbild. Deshalb wird eine helle Grundierung aufgetragen, mit der Du noch heller, frischer und strahlender wirkst. Fixiert wird dies alles mit Hämatitpulver. Danach wird ein Hauch von Rose auf Deine Wangen aufgetragen.


    Im Anschluss werden Deine wohlgeformten Augenbrauen mit einem Bürstchen in Form gebracht um sie danach betonen zu können. Hier wählen wir als Farbe einen leichten Braunton und kein mächtiges Schwarz, ebenfalls um Deine Jugend zu betonen. Mit diesem wird die natürliche Form Deiner Brauen nachgezeichnet.


    Für das perfekte Aussehen einer jungen Dame benutzen wir erdige Töne für Deinen Lidschatten. Verwenden werden wir ein helles, mattes Braun, mit welchem weiche Übergänge gezeichnet werden. Der Lidschatten wird zudem auch am unteren Wimpernkranz aufgetragen.


    Abgeschlossen wird Dein Schminken durch das Färben der Lippen. Hier tragen wir einen sanften fast hautfarbenen Ton auf, der einen Ticken Rose auf Deine Lippen verteilt und decken dies ebenfalls mit einem Hauch Hämatit ab, damit diese glänzen.


    Damit hättest Du das perfekte junge Aussehen um Deinen Verehrer mit dem zu verzaubern, was Du zu bieten hast, wundervolle Jugend.


    Das korrekte Aussehen fängt mit der Kosmetik an, geht über die passende Kleidung hin zur Frisur, dann folgt das Parfüm und gipfelt in den Accessories. Kleine Hingucker, die die Blicke auf Dich ziehen und den Berachter länger bei Dir verweilen lassen. Ob ein Tuch aus zarter Seide, ein schlichtes und dennoch geschmackvolles Geschmeide oder Ohrringe die Deine hochgesteckte Lockenpracht hervorheben, die Auswahl ist groß.


    Falls Du bereit bist, würde ich mein Mädchen für Kosmetik und Frisuren rufen und sie nimmt sich Deiner an. Wir sind selbstverständlich ein ehrbares Haus, kein Mann wird die Hände an Dich oder Dein Gesicht legen. Stets wird die Frau von einer Frau und der Mann von einem Mann gepflegt.


    Welche Duftrichtung bevorzugst Du? Süßlich und blumig, frisch oder warm?", hakte Viridomarus freundlich nach.

  • Je mehr Maximilla hörte, desto zufriedener wurde ihr Gesichtsausdruck. Viri, wie er ihr erlaubte, ihn zu nennen, strahlte gerade diese Mischung aus Kompetenz und Tatkräftigkeit aus, die Adalheidis sie gelehrt hatte, zu schätzen.
    Ohne mit der Wimper zu zucken, ordnete er an, Maximillas Sklaven und auch den Hund zu bewirten. Jemand, der an die Dienerschaft plus Haustier dachte, war bestimmt ein guter Mensch.


    Für was Viri wohl stand? Vielleicht für ein Cognomen:Virginius, Viridio oder Virilis? Ob er am Ende ein Civis Romanus war?


    Maximilla nahm das heiße Honigessigwasser entgegen und nippte daran. Wie gut das Getränk tat. Wirklich ein ausgezeichnetes Mittel gegen Reiseübelkeit.


    „Mein Name ist Valeria Maximilla, aber Freunde nennen mich Maxi.“, sagte die Valeria sehr freundlich:
    „Ich möchte sehr gerne lernen, wie ich mich schminken kann und die entsprechenden Produkte erwerben. Vielleicht kann mir deine Sklavin auch zeigen, wie ich ein Calamistrum benutze. Ich finde es vorne recht einfach, aber am Hinterkopf schwierig, denn da habe ich schließlich keine Augen.
    Wertvolle Sklavinnen, wie sie in deinem Geschäft zu finden sind, kann ich leider nicht einfach einkaufen. Da müsste ich erst meinen Cousin um Erlaubnis fragen.
    Ein Acc...Accc...“


    Maximilla hatte das Wort „ Accessories“ noch nie gehört und stolperte darüber:
    „Na egal, ein Dingsda, um meine Persönlichkeit zu unterstreichen, hätte ich auch gerne.
    Hast du hier jemanden, der alles mitschreiben könnte, was mir dein Mädchen beibringt, sonst kann ich mir den Kram nicht merken. Ich würde ja Remigius zum Schreiben bitten, aber anscheinend hat er sich eine Erkältung eingefangen, und Antipatros muss auf Wölfchen aufpassen.


    Mein Lieblingsduft sind übrigens Rosen, aber ich probiere auch mal gerne etwas Neues aus.“


    Valeria Maximilla nahm einen zweiten Schluck. Sie fühlte, wie die Farbe in ihre Wangen zurück kehrte. Es ging ihr gut, und sie wollte noch ein wenig mit diesem interessanten Viri plaudern:
    „Viri, für welchen Namen steht das denn? Bist du ein römischer Bürger?“ , fragte sie.
    Von Umwegen hielt die Valeria nichts.

  • "Erfreut Deine Bekanntschaft zu machen Valeria Maximilla. Viri steht für Viridomarus und nein ich bin kein römischer Bürger sondern Peregrinus, ich bin Thraker meine Liebe.


    Eine sehr löbliche Einstellung die ich teile. Man sollte versuchen alles selbst zu beherrschen, denn nur so kann man schauen ob die Sklaven auch tatsächlich gute Arbeit leisten. Wüsste ich nicht wie man eine Person schminkt, wie sollte ich beurteilen ob meines Sklaven es wirklich können?


    Über die Aufzeichnungen musst Du Dir keine Gedanken machen. Ich werde für Dich die Anleitung Schritt für Schritt notieren, so dass Du einen Leitfaden hast den Du folgen kannst. Damit wirst Du nichts vergessen und sobald Du Dich einige Male geschminkt hast, wird Dir die Handhabung immer leichter fallen. Meine Aufzeichnung wirst Du dann nicht mehr nötig haben.


    Mein Mädchen wird Dich schminken Dich bewusst langsam schminken, so dass Du Dir die einzelnen Schritte einprägen kannst. Theorie ist gut, aber in der Praxis lernt man immer am Besten.


    Bei der Verwendung des Calamistrum mahne ich immer zur Vorsicht! Bitte und dies ist keine Übertreibung, bitte gehe vosichtig damit um. Bei Benutzung des Calamistrum sind Ruhe, Zeit und entspanntes Vorgehen absolut Notwendig. Eile oder falsche Handhabung kann zu schlimmsten Verbrennungen führen. Drum bitte nimm Dir meine Warnung zu Herzen.


    Am Hinterkopf benötigst Du keine Augen meine Liebe, was Du benötigst sind zwei Spiegel. Du sitzt ruhig vor Deinem Spiegel, den zweiten hältst Du hinter Dich. So siehst Du in dem Spiegel vor dem Du sitzt, wie Du mit dem Calamistrum an Deinem Hinterkopf arbeiten musst. Das ist also kein Problem, sei unbesorgt.


    Die Rose hat es Dir also angetan? Die Königin der Blumen, eine vortreffliche Wahl.Hierfür wird im Parfüm Rosenöl verwendet. Jedes Parfum durftet ein klein wenig anders, nämlich derart wie auch die Rosenarten anders duften.


    Das Rosenöl, welches zur Herstellung von Parfums verwendet wird, wird größtenteils aus Damaszener-Rosen hergestellt. Ihre Art soll sehr alt sein, die Perser sollen sie schon sehr lange kultivieren. Übrigens wird diese Rose auch in meiner alten Heimat angebaut. Sie hat einen feinen blumigen Duft.


    Und nicht nur das, die Damaszener-Rose gilt in meiner Heimat auch als Heilpflanze. Die Rose wirkt entzündungshemmend, krampflösend und fiebersenkend. Als Raumduft verwandt wirkt ihr Rosenöl entspannend.


    Auf der Haut aufgetragen ist Rosenöl in meiner Heimat ein Geheimtipp für samtigweiche und wundervoll duftende Haut. Dort findet die Rose sogar als Rosenwasser Anwendung in der Küche, vor allem im Gebäck.


    Deinen Duft würde ich wie folgt kreieren, Rosenöl denn die Rose soll absolut im Fordergrund stehen. Abgerundet wird sie mit einem Hauch von Citrus und die Wärme zaubern wir in den Duft mit Moschus. So entsteht ein Duft der Romantik und Zärtlichkeit verströmt, ohne dabei kitschig oder gar flittchenhaft zu wirken. Ein Duft der Deine Jugend genauso wie Deine weibliche Seite betont.


    Wir verkleiden Dich weder durch Duft noch Kosmetik, wir unterstreichen all das, was Du bereits zu bieten hast.


    Accessories meine Liebe, Kleinigkeiten, Zubehör wie Schmuck, Tücher, all diese kleinen Dinge die zusätzlich das gewisse Etwas haben. Du hast wieder Farbe im Gesicht, sehr schön", freute sich Viri.


    Viridomarus drehte sich um und rief nach seiner Kosmetikerin.


    "Lanassa, Kundschaft!", rief Viridomarus.


    Eine hochgewachsene Frau mittleren Alters mit freundlichen Gesicht erschien aus den hinteren Räumen und verneigte sich vor der Kundin.


    "Die junge Dame bekommt folgende Behandlung, Grundreinigung und Schminken. Helle Grundierung für einen hellen, frischen und strahlenden Hautton. Fixiert wird mit Hämatitpulver. Danach ein Hauch von Rose auf die Wangen aufgetragen. Im Anschluss werden die Augenbrauen mit einem Bürstchen in Form gebrachtund betont. Farbe ein leichter Braunton ebenfalls um ihre Jugend zu betonen. Mit diesem wird die natürliche Form ihrer Brauen nachgezeichnet. Für das perfekte Aussehen einer jungen Dame benutzen hier wir erdige Töne für den Lidschatten. Verwenden werden wir ein helles, mattes Braun, mit welchem weiche Übergänge gezeichnet werden. Der Lidschatten wird zudem auch am unteren Wimpernkranz aufgetragen. Ihre Lippen bekommen einen sanften fast hautfarbenen Ton, der einen Ticken Rose auf den Lippen verteilt und decken dies ebenfalls mit einem Hauch Hämatit ab, damit diese glänzen.


    Zur Frisur, die Haare unserer jungen Kundin werden mit leichten Locken versehen. Volumen ist hier das Schlagwort, sie möchte optisch etwas größer wirken deshalb wird ihr Haar am Ende locker aufgesteckt. Keine Strenge in der Optik.


    Alles bitte langsam und in Ruhe Lanassa, denn die junge Dame möchte erlernen wie man sich selbst schminkt. Zeige Ihr auch die sichere Handhabung mit dem Calamistrum. Nicht dass sie sich verletzt, so etwas könnte ich mir nicht verzeihen", gab Viridomarus seiner Kosmetikerin den Auftrag und wandte sich wieder an seine Kundin.


    "So meine Liebe, Lanassa nimmt sich Deiner an. Ich schreibe Dir hier direkt alles auf und widme mich Deinem Parfüm. Falls etwas sein sollte, einfach fragen oder nach mir rufen und schon bin ich da", sagte Viridomarus gut gelaunt.


    "Wenn Du mich bitte begleiten möchtest", bat Lanassa freundlich.

  • Dieser kompetente und tatkräftige Meister der schönen Dinge war leider nur ein Peregrinus. Damit schied er als Heiratskandidat aus. Für eine Valeria kam selbstverständlich nur ein römischer Bürger guter Abstammung in Frage.
    Aber auch wenn es mit der Liebe nichts wurde. Der Mann war Maximilla sympathisch. Er behandelte sie wie eine geschätzte Kundin.
    „Mich freut deine Bekanntschaft auch. Wo lebt denn ihr Thraker, Meister Viri?“, fragte sie interessiert:
    „Seid ihr so etwas wie Griechen?“
    Immer noch war Maximilla auf Griechen nicht gut zu sprechen. Das hatte mit einer Blamage zu tun. Doch bei Viri hätte sie glatt eine Ausnahme gemacht.


    Was Viridomarus über das Calamistrum erklärte, leuchtete ihr ein. Sie nickte Remigius zu:
    „Du wirst mir den Spiegel künftig so halten, dass ich meinen Hinterkopf sehen kann.“, bestimmte sie. Der blonde Jüngling nickte eifrig: „Ja, Domina“, sagte er.


    „Etwas Rosenwasser ins Gebäck, das machen wir in Germanien auch.“, erklärte Maximilla:
    „Man glaubt es nicht, aber Germanen sind verrückt nach feinen Düften. Stell dir einen riesigen bärtigen Krieger mit Speer und Schild vor, und der riecht wie ein Iltis nach allen möglichen Parfüms. Er hat nicht nur eines, sondern gleich vier verschiedene verwendet.“
    Die Valeria erinnerte sich an ein Erlebnis in Aquae, dem Zentrum der Civitas. Ihre Augen funkelten vergnügt.


    Sie fuhr fort:
    „Wir hatten in der Villa Rustica Rosenwasser, freilich kein Dalmatiner. Oder war es Damaszener? Auf das Schminken und den neuen Duft bin ich gespannt.“


    Die Sklavin, die Viri Lanassa nannte, eine freundliche ältere Frau, erschien und verneigte sich.
    „Salve, Lanassa“, sagte Maximilla und giggelte:
    „Dann mal ran an den Speck, wie Adalheidis sagen würde."
    Maximilla drückte Remigius den leeren Becher in die Hand. Danach folgte sie der Sklavin in die hinteren Räume.

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    Castor & Pollux


    Es nützte nichts. Wenn vom Schatz des Kyriakos noch etwas anderes übrig war als ein Metallklumpen, dann war der noch immer unter den Trümmern des Ganymed verborgen. Castor und Pollux mussten wieder arbeiten, denn langsam knurrte ihnen der Magen. So besuchten sie die kostenlosen Thermae Agrippae, wo sie samt ihrer griechischen Röckchen und Sandalen ins Wasser gingen, damit alles sauber wurde. Sie ließen sich rasieren - auf die Massage verzichteten sie - und dann borgten sie sich bei weiblichen Kollegen etwas von deren Schminke. Maskenhaft geschminkt und fast nackt, suchten sie in den Trajansmärkten nach Kunden. Ihre Gesichter waren vollständig geweißt, die Brauen ein fingerbreit über ihrer normalen Höhe schwarz nachgezeichnet. Auch um die Augen herum waren dicke schwarze Lidstriche gezogen, deren geschwungene Spitzen bis zu den Schläfen verlängert waren. Die Lippen leuchteten scharlachrot. Dazu standen ihre kurzen Haare ungekämmt in alle Himmelsrichtungen. Perücken hatten die Zwillinge noch nie getragen und für kunstvolle Frisuren war ihr Haar zu kurz, aber es ging ihrer Meinung nach auch so. Entgegen ihrer Aufmachung bewegten sie sich vollkommen männlich.


    "Guck mal, der Laden ist neu", stellte Castor fest und schnupperte. "Riecht nach Seife oder so."


    Lesen konnten sie beide nicht, nur raten. "Ein Seifenladen?, mutmaßte Pollux. "Vielleicht haben die auch Schminke. Das Schwarz ist schon ganz klein."


    "Ja, weil DU es aufgebraucht hast!"


    "Und DU hast den Rest vom Lippenstift gegessen, ich habe es gesehen. Schau mal, der Fettsack da sieht reich aus! Los wir versuchen unser Glück."


    Die Zwillinge betraten den Laden nicht, sondern schauten in die Tür. Sie setzten ihr strahlendstes Lächeln auf. Wegen ihrer weißen Gesichtsfarbe leuchteten ihre Zähne quittegelb.


    "Schöner Meister", gurrte Pollux. "Wie lange du heute schon arbeitest! Es ist spät."


    Sein Bruder legte den Arm um Pollux. "Möchtest du dich entspannen? Wir können dir helfen." Wie zum Beweis küsste er ihn auf den Mund, dann blieben sie aneinandergeschmiegt posierend stehen und lächelten den Dicken selig an.

  • Nahe der Tür wartete immer noch Antipatros, der gutmütige, ältere valerische Sklave mit Maximillas Hund Wölfchen.



    Er hielt ihn kurz, denn obwohl Wölfchen nicht aggressiv war, konnte er durch seine schiere Größe erschreckend wirken. Oder selbst durch etwas erschreckt werden, und dann würde Antipatros seine ganze Kraft brauchen, ihn festzuhalten.
    Valeria Maximilla war schon lange im Zum Duftenden Viri verschwunden, und Wölfchen langweilte sich. Leise begann er zu fiepen.
    Antipatros kannte das schon. Aus dem leise Fiepen wurde ein lautes Fiepen. Dann ein Winseln und dann ein Gejaule, das unweigerlich Maximilla herbeirufen würde.
    Dass die junge Domina in den hinteren Räumen verschönert wurde, wußte er nicht.


    Doch dann kamen zwei junge Burschen in höchst eigentümlicher Aufmachung daher.
    Sie waren übertrieben geschminkt, und trugen nur griechische Röckchen.
    Lupos, urteilte Antipatros etwas verächtlich. Aber offensichtlich Zwillinge. Zwillinge galten in Rom als äußerst glücksbringend, bestimmt hatten sie viele Kunden.


    Die Jungen küssten sich und versuchten den Ladenbesitzer mit schmeichelnden Worten herauszulocken.
    Hoffentlich musste das die junge Domina nicht sehen, das ist kein Anblick für eine junge Dame, dachte der valerische Sklave besorgt.


    Im gleichen Moment änderte sich Wölfchens Gefiepe von Tonart „Langeweile“ in Tonart „Begeisterung“.
    Er zog und wollte unbedingt zu den jungen Männern. Sein Schwanz wedelte wie wild und Antipatros gegen die nackten Beine.
    „Ruhe! Sitz!“, befahl der Sklave.


    Da machte Wölfchen schon einen Satz vorwärts und riss Antipatros mit.


    Der graue Wolfshund sprang an Castor, der ihm am nächsten stand, hoch. Seine Zunge fuhr raus und schlabberte den bloßen Arm des Zwillings ab.
    Wölfchen begrüßte Castor so liebevoll, als sei er ein lang vermisster Freund.




    Sim-Off:

    Ist mit den Zwillingen abgesprochen :D

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    Castor & Pollux


    "Ei bist du ein Feiner", freute Castor sich, ging in die Knie und kraulte dem riesigen Hund mit beiden Händen die Mähne. "Sooo ein Guter, ja bist du ein Guter! Willst du meine Schminke abschlabbern? Ja, willst du das?"


    Hunde liebten es, wenn man in dieser Manier mit ihnen sprach, es erinnerte sie vermutlich an freudiges Miepsen. Castor hatte als Mann von der Straße schon mit etlichen Hunden gesprochen, sie hatten im Winter seine Füße gewärmt und waren seine Brüder im Leid. Mit ihrem warnenden Gebell hatten sie so manchen Überfall auf die schlafenden Zwillinge rechtzeitig verhindert.


    Pollux musterte derweil geschäftstüchtig den am anderen Ende der Leine hängenden Sklaven, registrierte dessen wenig begeisterten Blick und wandte sich demonstrativ von ihm ab, um wieder durch die Tür zu lächeln, um den Ladeninhaber herauszulocken.

  • Viri freute sich über die Frage von Maximillia.


    "Meine Liebe die Thraker sind ein sehr großes Volk, wir unterteilen uns in verschiedene Stämme. Die Greichen sind ein Volk für sich. Einerseits sagt man, dass sie von uns abstammen. Zeitgleich lassen es sich die Griechen nicht nehmen, uns als Schimpfwort zu nutzen. Vermutlich ist es ihnen peinlich, dass ihre hohe Kultur gar nicht rein griechisch ist, sondern dass sie im Grunde thrakisch ist. Denn die Griechen sind unsere Nachfahren, wie gesagt so heißt es.


    Die guten Griechen sagen uns nach, wir wären trinkfeste und raubeinige Haudegen.


    Er trinkt wie ein Thraker ist ein beliebter abfälliger Spruch. Wusstest Du, dass die Griechen auch Dionysos, der Gott des Weines, als thrakisch bezeichnen? Singen, Tanzen, Instrumentalmusik und Lyrik gelten als Fähigkeiten der Thraker. den Römern ist Dionysos als Bacchus bekannt. Das man uns Thraker für ein Volk hält, das zu feiern weiß und alles Schöne liebt, halte ich nicht für einen Makel. Im Gegenteil. Ich selbst bin dem Schöngeistigen sehr zugetan. Alles was das Leben lebenswert macht, sollte man anstreben. Leben heißt erleben und genießen, so wäre es pure Existenz.


    Thrakien ist die Heimat schneller Rösser, Mutter der Schafe, Lanzenträger und Streitwagenkämpfer und der Rosen. So heißt es und ich kann es Dir bestätigen. Zudem wird fest behauptet, die meisten Tharker wären rothaarig. Das nicht alle Thraker rothaarig sind, kann ich Dir versichern, aber ein Rotstich im Haar kommt sehr häufig vor.


    Auch wird uns eine Vorliebe für Schmuck nachgesagt, was eindeutig der Wahrheit entspricht, wenn ich mich selbst als Beispiel heranziehen darf.


    Den Griechen gelten die Thraker neben den Pelasgern, Lelegern und Karern als die Alten schlechthin. Wir treten in den Geschichten, Legenden, Mythen, ja sogar in Ortsnamen im gesamten Griechenland auf.


    So verwundert es nicht, dass manchmal auch nichtthrakische alte Stämme von den Griechen als thrakisch angesehen werden. Die Zahl der thrakischen Stämme wird auf um die Neunzig geschätzt. Genau kann man das nicht sagen meine Liebe, da Stämme auch miteinander verschmelzen.


    Thrakern liegt das Handeln im Blut. Der Handel verband uns schon seit jeher mit den Griechen, Persern, Skythen und weiteren Steppenvölkern, auch mit Kelten, Römern und sogar Ägypten. Die thrakische Kunst sucht ihres Gleichen und wird sehr hoch geschätzt.


    Bei diesem Lobeslied auf Thrakien könntest Du zu Recht fragen, was sucht der gute Viridomarus dann überhaupt in Rom? Das verrate ich Dir.


    Wer erfolgreich sein will, muss nach Rom!


    Niemand ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, der keine Niederlassung in Rom hat. Zudem ist Rom der Nabel der Welt, Kunden aus aller Herren Länder versammeln sich hier um ihr Geld unter die Händler zu bringen. Und ich bin hier um mir meinen Anteil davon zu sichern. Ich verkaufe dass was mir am Herzen liegt, um etwas zu bekommen was mir am Herzen liegt - Geld.


    Meine Heimat ist Mesembria, ein wundervoller Ort direkt am Meer - Pontus Euxinus gelegen.


    Oh das Germanen verrückt nach Düften sind, war mir kein Begriff. Aber es freut mich, dass Du es erwähnst. Vielleicht sollte ich die Germanen ebenfalls mit edlen Düften versorgen. Erstens wäre das gutes Geschäft und zweitens klingt es so, als benötigten sie tatsächlich meine Hilfe. Vier Düfte übereinander, dass haut den stärksten Feind um.


    Das freut mich zu hören, dass Dir das Rosenwasser ebenso in Speis, Trank und auch in der Welt der Düfte bekannt ist. Ein Wasser für jeden Zweck möchte man meinen. Daheim ist es kaum wegzudenken, es gibt sogar süße Aufstriche daraus. Ich sollte aufhören zu schwärmen, ich bekomme noch Hunger", lachte Viri.


    "So nun überlasse ich Dich Lanassas fähigen Händen, sonst wirst Du noch als vermisst gemeldet, weil ich so lange erzähle", schmunzelte Viridomarus und nickte Lanassa zu.


    Er selbst machte sich umgehend daran, die einzelnen Schminkschritte für Maxi aufzuschreiben.

  • Viridomarus hatte gerade den Leitfaden für seine junge Kundin Maxi geschrieben und sich gerade daran gemacht den Duft für sie zusammenzustellen, als zwei Zwillinge den Kopf in seinen Laden steckten. Nubius schaute kurz verwundert und blickte seinen Herr an. Viri schüttelte den Kopf, räumte die teuren Inhaltsstoffe zur Seite und ging den beiden entgegen.


    Genau vor den Zwillingen blieb Viridomarus stehen und schaute sie sich genau an."Natürlich ist es spät und sicher möchte ich mich entspannen, aber daraus wird wohl nichts. Bei den Göttern Ihr beiden seid wirklich ein kosmetischer Notfall. Und erst diese Haare", antwortete Viri sichtlich bestürzt.


    "Ich kann es mir denken, aber was genau arbeitet Ihr? Zwei solche Gesichter, vernünftig geschminkt, ein Werbe-Doppel-Duo das hätte etwas. Habt Ihr schon mal Kunden geworben, damit sie etwas kaufen? Sprich seid Ihr verkaufstüchtig und könnt einem Kunden etwas Passendes empfehlen? Gesäubert und ordentlich zurecht gemacht dürftet Ihr ein hübscher Anblick sein.


    Ihr könntet Kunden werben und ihnen die Welt der Düfte mit kleinen Proben näher bringen, die Ihr ihnen auf die Arme oder Kleidung träufelt. Interesse?", hakte Viridomarus nach und lächelte wie ein gütiger Onkel.

  • Während Maximilla mit Lanassa ging, drehte sie sich noch einmal um und winkte Viridomarus fröhlich zu.


    Was der Ladenbesitzer ihr über das ihr bis dato unbekannte Volk der Thraker erzählt hatte, gefiel ihr ungemein:
    Trinkfeste und raubeinige Haudegen, die dennoch Musik, Tanz und alles Schöne mögen. Sie waren keine Schnösel. Und das befriedigte die Valeria sehr: Die Griechen stammten von ihnen ab, so toll wie sie immer taten, waren sie gar nicht.


    Vielleicht sollte ich besser Thrakisch statt Griechisch lernen, dachte Maximilla: Schade, dass Viri kein Römer ist. Nach Germanien zurückzukehren und Parfüms zu verkaufen, das könnte wirklich Spaß machen.


    Aber auch die Gegenwart war nicht schlecht. Mal sehen, was ihr Lanassa beibringen konnte.
    Mit halbem Ohr hörte sie Wölfchen draußen freudig bellen und dann irgendein Geräusch und Stimmen.
    Antipatros würde schon alles im Griff haben, beruhigte Maximilla sich.
    So lange Wölfchen keine fremden Leute belästigte, war alles gut.

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    Castor & Pollux


    "Was wir arbeiten? Nichts, das ist keine Arbeit, sondern unsere Passion. Aber eine kleine Spende hilft uns, weiter wohltätig zu sein. Wir sind Castor und Pollux, von den Sternen herabgestiegen, um einsamen Männern die Herzen zu wärmen und traurige Männer froh zu machen", sagte Pollux treuherzig. "Alles, was wir uns wünschen, ist, dass du glücklich bist."


    In ihrem Alter wirkte der Spruch nicht mehr ganz so gut wie zu Kindertagen, aber er fand ihn immer noch gut. Während Castor sich an dem Hund erfreute, übernahm Pollux diesmal allein die Verhandlung.


    "Natürlich haben wir schon einmal Kunden geworben, das machen wir jeden Tag", erklärte er. "Leute mit Parfum beträufeln können wir gut."

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