Übungsmarsch der anderen Art

  • Durch den Hinweis auf die nötige Kontrolle sämtlicher Straßen Roms reifte in Vesuvianus ein Entschluss.


    Er durfte nicht nach Germanien, um während seiner Amtszeit einem Kommandanten unterstellt zu werden? Kein Problem.
    Ungünstige Umstände hatten ihn dazu veranlasst, seiner Prima den Rücken zu kehren? Kein Problem.
    Eine ereignislose Amtszeit lag vor dem kampfwilligen Ex-Stabsoffizier? Auch das war kein Problem mehr.


    Die Auskundschaftung der Lage war abgeschlossen, die taktischen Vorbereitungen waren getroffen, die Waffen gewählt, die Truppe zusammengestellt, für den Nachschub hatte er gesorgt. Froh gelaunt begab sich Claudius zum Sammelplatz seiner Einheit und wartete darauf, dass die Mannschaften eintrafen, um ihm Meldung zu erstatten.

  • Zwei contubernia der cohortes urbanae marschierten zum Klang ihrer genagelten Stiefel durch die Stadt. Straßenkontrollen mit dem quaestor urbanus, so lautete der Befehl. Sie näherten sich dem Sammelpunkt bei der porta capena. Dort steuerte der dienstälteste miles, dessen erste Verpflichtungszeit schon lange abgelaufen sein musste, auf den vermeintlichen quaestor urbanus zu.


    "milites consistite!"


    Cunctator trat auf den Beamten zu, nahm Haltung an grüßte.


    "salve quaestor! miles Atius Cunctator, ich melde mich mit zwei contubernia zur Straßenkontrolle!"



  • Claudius, der in Vorfreude auf den zwar ungewöhnlichen, aber immerhin nicht minderschweren "Übungs"-Marsch durch Rom, viel zu zeitig aufgestanden und am Sammelplatz erschienen war, ging gedanklich nochmals alles durch. Er hatte insgesamt fünf seiner Haussklaven mitgenommen. Mit einem hatte er in der Villa Claudia die Benutzung eines dem im Militär benutzten Cornu ähnlichen Horn geübt. Einem weiteren hatte er aufgetragen, das überreichte Schild, auf dem "Straßenkontrolle" stand, stets gut sichtbar in die Höhe zu holten. In Vesuvianus' Gedanken wandelte sich dieses Schild, das eigentlich keinen praktischen Zweck verfolgte, in ein Signum. Zwei weitere Sklaven hielten jeweils ein Maultiere am Strick, das vor einen Karren gespannt war, auf dem je ein im Militär üblicherweise verwendetes Zelt, ein Mühlstein, Säcke mit Verpflegung, Spaten und anderes Schanzwerkzeug untergebracht war. Auf die Mitnahme nachempfundener Schanzpfähle hatte er wegen der zumeist gepflasterten Straßen und Plätze in Rom verzichtet.
    Der fünfte Sklave diente zu seiner Assistenz.


    Voller Tatendrang ging der ehemalige Tribun in munterem Wechsel jeweils fünf oder sechs Schritte hin und her. Mitunter hielt er an, zog die Wegepläne aus der Gürteltasche und studierte sie zum wiederholten Male. Eigentlich hatte er die Strecke für den heutigen Tag im Kopf, aber er musste irgendwie die Wartezeit überbrücken. Zutiefst bedauerte er, dass er des Amtes wegen eine Toga tragen musste. Etwas Unpraktischeres konnte man sich für einen langen Marsch nicht vorstellen, aber Dienst war Dienst, sagte sich der Quaestor. In der Legion hatte er auch nicht die schwere Ausrüstung aus Bequemlichkeit modifizieren können.


    Endlich, und natürlich überaus pünktlich, trafen "seine" Männer ein. Es waren einfache Soldaten, kein Offizier, so wie er es gewünscht hatte. Claudius nahm in aufrechter Haltung die Meldung entgegen.


    "Regredere! Movemini, Milites!"


    Claudius schickte zunächst den vorgetretenen Mann zurück in die Reihe, dann ließ er die Soldaten rühren.


    "Ich erwarte noch einige Männer aus den Reihen der Vigiles. Nach deren Eintreffen, das in den nächsten Minuten erfolgen sollte, werde ich den Tagesplan für heute bekannt geben."



    Sim-Off:

    Ich rechne nicht mit einem aktiven Vigilis. Kommt noch jemand aus den Cohorten?

  • Zitat

    Original von Herius Claudius Vesuvianus
    "Regredere! Movemini, Milites!"


    Claudius schickte zunächst den vorgetretenen Mann zurück in die Reihe, dann ließ er die Soldaten rühren.


    "Ich erwarte noch einige Männer aus den Reihen der Vigiles. Nach deren Eintreffen, das in den nächsten Minuten erfolgen sollte, werde ich den Tagesplan für heute bekannt geben."


    Aus der Nähe betrachtet, sah das Gefolge des quaestor fast wie ein Legions-Tross aus. Das sah nach mehr aus, als nur eine widerwillig geleistete Amtsperiode als Tribun. Das versprach etwas anderes zu werden, als die üblichen Kurz-Patrouillen.


    Cunctator trat wie befohlen zurück und die Gruppe stand bequem. Sobald die vigiles eingetroffen waren, folgte bestimmt eine der Anreden eines Feldherren an seine Truppen.


    Sim-Off:

    Nein, du wirst mit mir Vorlieb nehmen müssen. :D


  • Sim-Off:

    :D Dann lass uns mal Spaß haben. ;)


    Zelte, Mühlsteine und Maultierkarren gehörten nicht unbedingt zum Grundstock eines Patrizierhaushaltes, auch wenn seine Bewohner bereits über Generationen dem Militär angehörten. Es war nicht leicht gewesen, in Kürze alles Notwendige zu ordern. Claudius erwartete demnach nicht nur das zugesagte Contubernium an Vigiles, sondern zwei weitere Sklaven samt bepacktem Maultiergefährt. Auf einem dieser Karren wurde sein Zelt transportiert, das er, wie es als Tribun und bereits als Centurio übliche gewesen war, alleine bewohnte.


    Ein prüfender Blick zum Himmel besagte, dass die anberaumte Stunde, zu der die Männer am Sammelplatz einzutreffen hatten, jeden Moment erreicht war. Ein weiterer Blick Richtung Innenstadt registrierte tatsächlich die erwartete Stubengemeinschaft, die sich im Eilmarsch näherte. Von rechts hörte Claudius die Räder eines Karrens quietschen. Er wendete sich dem Geräusch zu, hoffte aber, dass es bei der ersten Rast eliminiert werden konnte. Zum augenblicklichen Zeitpunkt wollte er sich nicht mit derlei Dingen länger aufhalten lassen.
    Die Arme hinter dem Rücken verschränkt, sah er dem Eintreffen von Mannschaft, Karren und Hilfskräften ruhig entgegen, nahm die Meldung entgegen, gebot den Männern das Durchrühren und baute sich vor seiner Truppe auf. Zufrieden schweifte sein Blick über die Reihen, die zwar ungewohnt licht, aber derzeit unglaublich wertvoll für den ehemaligen Tribun waren.


    "Milites, Männer, vor uns liegt ein hartes Stück Arbeit (er betrachtete den Auftrag als Kampf gegen Roms Straßenschäden). Ich habe drei Contubernia, aber Roms Straßen sind zahlreich und lang (ausdrücken wollte er, dass sie in der Unterzahl waren, einem zahlenmäßig überlegenen Feind gegenüberstanden). Zeitweise werden wir uns aufteilen (in Gedanken sah er einen Angriff über die Flügel); es wird Pausen, aber keine zwischenzeitliche Rückkehr in die Castra geben (und er meinte damit das Errichten eines Marschlagers am Abend). Das Wetter ist gut (und er dachte dabei an das Opfer, das positiv ausgefallen war und dem Vorhaben nun nichts mehr im Weg stehen würde). Gehen wir es an!"


    Damit war das grobe Ziel umrissen.


    "Die Stubenältesten progredere!"

  • Auch die vigiles trafen bald ein und die Feldherrenrede des quaestors traf dann auch tatsächlich ein. Die Reaktion der milites darauf war, äußerlich natürlich unbewegt, innerlich recht unterschiedlich. Die Jüngeren sahen sich in Gedanken schon auf einem Feldzug, einige Ältere begrüßten, was versprach ein abwechslungsreicher Auftrag zu werden und wieder andere fragten sich, warum ausgerechnet sie dem hyperaktiven Magistraten zugeteilt worden waren. :D


    Zitat

    Original von Herius Claudius Vesuvianus
    "Die Stubenältesten progredere!"


    Cunctator und der andere Stubenälteste traten wie befohlen vor.



    Sim-Off:

    Klasse, das wird mein erster Feldzug. ;)

  • Als die Führer der Contubernia (Vesuvianus' Teileinheiten) vorgetreten waren, zog Claudius eine Unterlage heraus.


    "Gut, wir befinden uns gerade hier." Er tippte auf die Position 1, die Porta Capena. "Diese ganzen Stadtbezirke müssen wir abschreiten (das Gebiet wollte er erobern)."
    Er gab jedem der Männer eine Abschrift dieser Liste aus und ließ ihnen Zeit, sie durchzulesen.


    [list=1]
    [*]Porta Capena
    [*]Caelimontium CM
    [*]Caelimontium TM
    [*]Isis et Serapis CM
    [*]Isis et Serapis TM
    [*]Subura [unhistorischer Stadtbezirksname]
    [*]Via Sacra [unhistorischer Stadtbezirksname]
    [*]Esquiliae CM
    [*]Esquiliae TM
    [*]Alta Semita CM
    [*]Alta Semita TM
    [*]Via Lata
    [*]Forum Romanum
    [*]Horti Luculliani [unhistorischer Stadtbezirksname]
    [*]Stadium Domitiani [unhistorischer Stadtbezirksname]
    [*]Circus Flaminius
    [*]Insula Tiberina [unhistorischer Stadtbezirksname]
    [*]Palatium
    [*]Circus Maximus
    [*]Piscina Publica CM
    [*]Piscina Publica TM
    [*]Aventinus CM
    [*]Aventinus TM
    [*]Trans Tiberim[/list=1]


    CM=Cis Munera im Bezug auf die Servilianische Stadtmauer
    TM=Trans Munera im Bezug auf die Servilianische Stadtmauer



    "Gut, wir werden uns nachher aufteilen. Grundlage jeden Erfolgs ist die gute Kommunikation zwischen uns (und er meinte damit seine Truppenteile). Ich habe für jeden ein Cornu, wir verwenden das übliche Signal, das sonst bedeutet, erstes Erklingen: Rüstungen anlegen, zweites: Ausrüstung nach draußen bringen, drittes antreten und marschbereit sein. Wir ändern mal die Signale folgendermaßen ab: Ein ausgestoßener Signalton bedeutet jetzt: Es wurde ein Straßenschaden gefunden. Ich werde mich dann zu dem jeweiligen Contubernium aufmachen, um ihn aufzunehmen. Zwei Signaltöne hintereinander bedeutet, dass wir uns überraschend und vor Ablauf der vereinbarten Strecke sammeln müssen (in Form eines Rückzugs) und zwar dort, wo kurz darauf drei Signaltöne hintereinander erklingen. Das wäre dann bei mir. Soweit alles erst einmal klar?"

  • Zitat

    Original von Herius Claudius Vesuvianus
    Als die Führer der Contubernia (Vesuvianus' Teileinheiten) vorgetreten waren, zog Claudius eine Unterlage heraus.


    "Gut, wir befinden uns gerade hier." Er tippte auf die Position 1, die Porta Capena. "Diese ganzen Stadtbezirke müssen wir abschreiten (das Gebiet wollte er erobern)."
    Er gab jedem der Männer eine Abschrift dieser Liste aus und ließ ihnen Zeit, sie durchzulesen.
    ...
    "... Soweit alles erst einmal klar?"


    Die Anweisungen waren soweit klar, auch wenn Cunctator nicht genau wußte, welche plötzlichen Gründe es geben könnte um sich zu sammeln. Zügig las sich Cunctator die Liste durch, während sein Nachbar augenscheinliche Schwierigkeiten mit dem Lesen hatte und halblaut die Silben vor sich hinsprach. Nur die Tatsache, daß der quaestor von einer Liste Stadtbezirke gesprochen hatte, ließ ihn schließlich doch noch fertig werden.
    Als schließlich alle mit dem Lesen fertig waren und niemand eine Frage stellte, meldete Cunctator.


    "Keine Fragen, quaestor!"



    [SIZE=7]Sig eingefügt.[/SIZE]

  • "Gut. Wir teilen uns an der kommenden Straßenkreuzung auf. Miles Maximus biegt dann mit seiner Truppe rechts ab, Vigilis Verus links. Miles Cunctator, du kommst mit mir. Wir gehen weiter geradeaus."


    Claudius übergab an die Kommandierenden der beiden selbstständig operierenden Untereinheiten jeweils eine Wachstafel aus, auf der zunächst ein Quadrat von jeweils einem Miliarius im Quadrat.


    "Treffpunkt ist nach dem Ablaufen genau an dieser Kreuzung, an der wir uns trennen werden. Allerdings rechne ich gerade in diesem Gebiet damit, dass wir nicht zügig voran kommen. (Das Gelände war nicht nur übersichtlich, Claudius rechnete bereits mit vereinzelten Feindkontakten, die den Vormarsch erschweren konnten).


    Milites, regredere!" Die Lagebesprechung war zunächst vorbei.


    Nach dem Eintreten der Unterbefehlshaber betrachtete Claudius noch einmal seine Truppe. Die Männer schienen willig und einsatzbereit zu sein.


    "Milites, ihr seid Soldaten Roms, habt vielleicht nie die Feldarbeit der Legionarii kennen gelernt, aber eines weiß ich: Marschieren könnt ihr auch. Ich möchte Roms Bevölkerung eine disziplinierte Truppe präsentieren, keinen wilden Hühnerhaufen (er meinte, die Feinde fürchteten stets die Disziplin der römischen Armee). Das bedeutet, ihr verbleibt in der Kolonne. Roms Soldat können zudem das Tempo mithalten, dass ein in voller Ausrüstung marschierender Legionär bei durchschnittlichem Ausbildungs- und Trainingstand erreichen kann."


    Ein letzter Blick traf die Soldaten, denen er bei Bewährung durchaus Unterbrechungen des straffen Dienstes gewähren würde.


    "Milites, state! Ad Sinistram! Aequatis passisbus pergite!"


    Claudius ging mit dem Sklaven, der das Schild "Straßenkontrolle" trug an der Spitze der Kolonne. Beim Erreichen der Kreuzung übergab er das Kommando an die Stubenältesten, die mit 'ad dextram' bzw. 'ad sinistram' ihre zeitweilig Untergebenen in das zu kontrollierende (erobernde) Gebiet führten. Claudius marschierte mit seinem Contubernium geradeaus weiter.

  • Am Abend ließ der Quaestor zum Sammeln blasen. Selbstverständlich war dieser Zusammenführung der Truppen nicht die erste am Tag gewesen, denn es fanden sich an der einen oder anderen Stelle in diesem zentralen Bereich Roms tatsächlich Schäden im Straßenpflaster, das aufgenommen werden musste. Dazu wurde Straßen-(Feld-)herr Claudius jedes Mal über ein Signal informiert, dem er seiner eigenen Anweisung entsprechend folgte und die signalgebende Truppe aufsuchte. Der als Schreiber auserkorene Miles Annius machte die Notizen und Claudius’ Sklave, den er speziell zur seiner Versorgung mitgenommen hatte, trug die gesammelten Wachstafeln, deren Menge sich jedoch noch im Rahmen hielt. Überaus desolat war der Zustand von Roms Wege und Plätze also nicht.


    Als die Truppenteile am Sammelplatz eingetroffen waren und die Meldung der kommandierenden Stubenältesten erfolgt war, trat der Quaestor vor die Männer.


    "Milites, das Tagessoll ist erreicht, wir ziehen uns nun in den von mir vorgesehenen Abschnitt des Terrains zurück und bauen unser Marschlager auf. Genächtigt wird also für die nächsten Tage im Freien, die Pritschen in der Castra gehören der Vergangenheit an.


    Milites, aequatis passibus! pergite!"


    Claudius begab sich an die Spitze und erteilte dem "Schildträger" die Anweisungen für das Ziel.

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