[Atrium] Tiberii hospiti


  • Wortlos und unbekümmert schritt Wonga voran und führte die Besucher in das Atrium des Hauses. Ihm schien es nicht sonderlich zu interessieren, ob die neu eingetroffenen Gäste seinem Schritt würden folgen können oder nicht.
    Erst als sie ihren Bestimmungsort erreicht hatten, erhob er wieder seine tiefe Stimme.


    „Du hier jetzt warten“


    Erstaunlicherweise wandte er sich daraufhin bereits wieder um, keine Antwort abwartend. Lag in seinen Worten eine Warnung, das man besser das Atrium nicht unaufgefordert verlassen sollte?


    Wonga machte sich unterdessen auf die Suche nach der Herrin des Hauses. Und wie es ihm befohlen wurde, würde auch der heute anwesenden Herrn über einen erneuten Besuch für Helena unterrichten

  • Problemlos folgt Tiberius Vitamalacus dem Nubier in das Attrium. Ein Mann, der es gewohnt ist, 30 Meilen am Tag mit Gepäck zu laufen bereitet das Tempo des Nubiers kein Problem.


    Ohne Worte quittiert er die Aussage des Nubiers, stattdessen bleibt er starr stehen, aufrecht und gerade, die Hände auf dem Rücken verschränkt. Geduldig wartet er darauf, das die Hausherrin ihn begrüsst.

  • "WER ist gekommen?" keuchte die Iulierin leise, während die Sklavin, die ihr gerade die Haare richtete, überrascht zu dem hühnenhaften Nubier blickte, der in der Tür ihres cubiculums stand. Oh nein, der Tribun, mit dem sie dieses unglaublich interessante Gespräch mitten in der Nacht geführt hatte. Und jetzt stand er hier, in der Casa. Warum ausgerechnet heute? Sie war doch schon nervös genug wegen des Gastmahls, das heute abend angesetzt war. Kurz überlegte sie, ob sie sie so tun sollte, als ob sie nicht da sei, aber das war einfach nicht angebracht. Knapp nickte sie der Sklavin zu und erhob sich, Wonga mit einer Geste entlassend. Das passte jetzt so rein gar nicht, aber ein Soldat würde ihr vielleicht verzeihen, dass sie nicht perfekt geschminkt war und zudem dieses unangenehme, nervöse Flattern im Magen verspürte.


    Als sie das Atrium betrat, mit einer schlichten, ockerfarbenen Stola angetan, das Haar schon hochgesteckt, begann sie zu lächeln und erhob die Stimme, hoffend, dass sie nicht allzu zitternd klang. "Salve, Tiberius Vitamalacus! Wie schön, dass Du uns hier besuchst. Kann ich Dir etwas anbieten ... ein Getränk vielleicht, oder etwas erfrischendes Obst?"

  • Dem geübten Ohr des Soldaten war nicht entgangen, das sich Schritte näherten, Frauenschritte und wenn er sich nicht irrte, war es sie. Er war es gewohnt, in die Stille zu lauschen und Geräusche, die er hört, zu zuordnen.


    So dreht er sich um, um sie von Angesicht zu Angesicht empfangen zu können. Auf seinem Gesicht liegt ein freundliches, fast schon charmantes Lächeln, es ist nicht gespielt und es fällt ihm auch leicht zu Lächeln seit jener Nacht und in ihrer Gegenwart.


    "Salve, Iulia Helena, ich danke dir, das du mich empfängst."


    Das sie nicht perfekt geschminkt ist, nimmt er so garnicht wahr, da er in den vielen Jahren in Legio und auch davor kaum mit Frauen der höheren Gesellschaft zu tun hatte. Aber er spürt den leicht nervösen Ton in ihrer Stimme.


    "Ich hoffe, ich störe nicht...."


    Sie sah gut aus und ihr Lächeln erfreut den Soldaten mehr als vieles, das er in den letzten Jahren erlebt hat.


    "Gerne nehme ich ein Glas Wein,... "


    Das er diesen gerne unverdünnt hätte, nicht gewässert, erwähnt er nicht. Er zieht es vor, Wasser und Wein getrennt zu trinken. Doch er weis zu genau, das diese Angewohnheit ihn in ein schlechtes Bild rücken könnte und genau dies möchte er nicht in ihren Augen.

  • Sein Lächeln fand sich auf ihren Lippen offen und warm erwiedert, wenngleich ihre Augen ein wenig flackerten, der deutlichste Hinweis auf eine gewisse Nervosität. Mit einer sanften Geste wies sie auf die gepolsterten Sitzbänke hin, die im Atrium für Besucher bereit standen, bevor sie zweimal gut hörbar in die Hände klatschte. Eine junge Frau betrat den Raum und nahm die Weisung entgegen, Wein und Wasser für zwei zu bringen, bevor sie eilends wieder verschwand.


    "Oh nein, Du könntest wohl nie stören," entgegnete sie mit einem sanften Lächeln. "Ich hoffe nur, Du verzeihst mir meine Aufmachung, denn heute abend steht ein Gastmahl bevor, für das ich noch nicht fertig vorbereitet bin." Sie schritt ihm voran und setzte sich auf eine der beiden Bänke, blickte zu ihm auf und machte eine einladende Geste auf die zweite, freie Bank. "Setz Dich doch zu mir ... es scheint Dir seit unserem Gespräch gut ergangen zu sein, Du wirkst wie das blühende Leben."

  • Das Lächeln des Soldaten erstarb nicht, auch nicht, als er er hörte, das sie ein Gastmahl vorbereiten liess und dies natürlich die Dauern ihres Zusammentreffens beschränken würde. Doch der Soldat lächelt weiter.


    "Ich möchte wirklich nicht stören und dich von deinen Pflichten als Gastgeberin abhalten."


    Aber er nimmt auf der zweiten Bank platz, direkt ihr gegenüber.


    "Doch ich danke dir nochmals für deine Gastfreundschaft. Und für unser Gespräch kürzlich. Es hat mir sehr gefallen... und tat sehr gut."


    Ihn selbst verblüfft die Offenheit mit der er spricht. Und das er, während er redet, sie nich wirklich aus den Augen lässt, gerade zu immer den Kontakt mikt ihren blauen Augen sucht.

  • "Noch sind die Gäste nicht da und die Sklaven haben die Hauptarbeit an alledem," winkte sie lächelnd ab. "Ich werde mich heute abend wohl eher darauf beschränken, hübsch auszusehen, meine Cousine ins rechte Licht zu rücken, dafür zu sorgen, dass keine unangenehmen Gesprächsthemen aufkommen und ansonsten schweigen ..."


    Sie blickte ihm entgegen, ließ den Blick abermals über sein Gesicht schweifen. Wirklich, er sah erholter aus, fast zufriedener - als hätte jenes Gespräch in der Nacht wirklich Folgen über längere Zeit gehabt.
    "Das freut mich sehr zu hören, denn es geht mir genauso. Manchmal reicht es wohl wirklich, über seine Sorgen mit jemandem sprechen zu können, der weiss wie es ist, wie man sich fühlt ... ohne dass man sich ewig lange erklären muss, ohne dass man doch immer ahnt, dass die wortlose Erklärung die bessere wäre ..."


    Sie ließ den Satz offen und atmete leise ein. "... ich denke immernoch, dass dieses Aufeinandertreffen nicht nur ein Zufall, sondern sehr viel mehr ein Glücksfall war."

  • Tiberius Vitamalacus störte sich innerlich an der Rolle, die Helena sich selbst für ihr Gastmahl zu blligte. Sicher, die Sklaven würden wie immer die Arbeit machen,aber ohne die wahre Aufsicht, würden sie die Nachspeise vor der Vorspeise servieren....


    "Es muss eine traurige Gesellschaft werden, wenn du dich nur schweigend an der Konversation beteilligst...."


    Und wieder erstaunte er sich selbst, so offen und direkt seine Gedanken zu äussern. Aber er war eben die Wahrheit, zu sehr hatte er ihr Gespräch genossen und die Vorstellung, das langweilige Plattidüden das Tisch gespräch betimmten....


    Und als sie über ihre Gedanken zu ihren gemeinsamen Gespräch berichtet, fühlt er sich innerlich einfach gut, denn jede dieser Gedanken kann er nur bestätigen...


    "Ich bin immer noch den Göttern über diese Treffen dankbar... Seither sehe ich vieles einfach leichter und ich freute mich darauf, die Zeit zu finden, deiner Einladung in die Casa Iulier zu folgen, auch wenn ich leider zur einer etwas unpassenden Zeit die Zeit und den Weg hierher gefunden haben..."

  • "Ich möchte schließlich nicht die ganze Zeit sprechen, weisst Du? Meine Cousine ist die eigentliche Hauptperson dieses Gastmahls und ich möchte, dass sie Zeit und Raum erhält, sich ein wenig von ihren besten Seiten zu zeigen. Ich muss mir selbst nicht mehr beweisen, dass ich mit anderen sprechen kann ... und will sie auch nicht durch zu viel Wortbeiträge meinerseits beiseite drängen," meinte sie lächelnd und nickte der Sklavin zu, die auf dem kleinen Tisch zwischen den beiden Bänken einen irisierenden, grünen Glaskrug mit Wein darin und einen mit Wasser servierte, dazu ebenso grüne Glasbecher. Ein weiteres Nicken ihrer Herrin entließ die junge Frau, die eilig knickste und aus dem Atrium lief, wohl um sich den anderen, anstehenden Aufgaben zu widmen.


    "Wie möchtest Du Deinen Wein? Pur oder halb-halb? Titus wollte ihn immer nur pur, und ich habe ihn damit immer aufgezogen," ein vergnügtes Zwinkern kam von ihrer Seite bei diesen Worten. Normalerweise half diese Bemerkung, um einem Besucher über die eventuelle Frage, ob man schon am Nachmittag den Wein pur trinken durfte, hinweg zu helfen. "Und selbst wenn ich Dir heute nicht so viel Zeit widmen kann, wie ich es gerne würde, es gibt auch andere Tage, quaestor ... und andere Gelegenheiten für ein Gespräch."

  • Constantius blickt nachdenklich zu Wonga, als dieser den Türrahmen zu seinem cubiculum ausfüllte.
    „Ein Gast. Jetzt schon? Ist es denn nicht zu früh?“
    Es war mehr eine rhetorische Frage gewesen, als das Constantius eine tatsächliche Antwort von dem Nubier erwartet hätte. Wenigstens schien diese Welt noch einige Konstanten zu besitzen, denn Wonga enttäuschte den Hausherrn nicht. Er schwieg und blickt unbeirrt geradeaus zu Constantius, als hätte dieser nicht einen einzigen Ton von sich gegeben.
    „Ist gut Wonga. Ich werde einmal nachsehen“, sprach der junge Iulier und erhob sich von seinem Stuhl. Wer immer jetzt schon eingetroffen war, Constantius war sich sicher, dass es ausgesprochen unhöflich gewesen wäre den neuen Besucher nicht zu begrüßen. Was ihm glücklicherweise auch einen Grund lieferte seine Neugier zu befriedigen und dem inneren Wachinstinkt gerecht zu werden.


    Hätte Constantius sich auf leisen Sohlen dem Atrium genähert, hätte er gewiss einen Großteil des Gesprächs belauschen und beobachten können. Hätte wichtige Informationen sammeln und gewinnen können. Doch es wäre wohl nicht Constantius gewesen, hätte er sich stattdessen nicht mit kräftigen, stolzen, selbstbewussten Schritten genähert.
    Er betrat das Atrium mit einem höflichen Lächeln und ging auf die Sitzbänke zu, auf denen Helena und ihr Besuch platz genommen hatten. In einem gebührenden Abstand hielt er in seiner Bewegung inne, richtete seinen Blick zunächst zu Vitamalacus, dann zu Helena und ließ ihn schließlich wachsam auf Vitamalacus ruhen. Mit einem Lächeln auf den Lippen erhob der Iulier freundlich die Stimme:


    „Willkommen in der Casa Iulia. Wie ich sehe ist der erste unserer Gäste bereits eingetroffen.“

  • In Gedanken grübelt Tiberius Vitamalacus, wenn denn die Cousine von helena sein könnte. Seit einigen Tagen hat er sich durch so viele Stammbäume gewälzt, doch er kommt zu einem Entschluss, wer diese Cousine sein könnte.


    "Deine Cousine ist Iulia Livilla ? Die Tochter meines Freundes Numerianuns ?"


    Und als sie über das mischungsverhältnis des Weines spricht, lacht er leise, aber sehr herzlich wie schon lsnge nicht mehr.


    "Ich ziehe es vor, ihn Pur zu trinken. Vielleicht eine gewohnheit eines Soldaten, denn schon mein Grossvater pflegte es, Wasser und Wein getrennt zu trinken."


    Gerade will er sich zu möglichen zukünftigen Gesprächen äüssern, da nimmt er aus dem Augenwinkel den jungen Mann wahr, der heran tritt. Wieder kombiniert er, das es sich dabei um Helenas Bruder Handeln muss.


    Militärisch steif erhebt er sich und antwortet dem jungen Mann in der für ih üblichen direkten Tonlage eines Stabsoffiziers.


    "Sei gedankt, auch wenn ich nicht Gast eures Mahles bin ! Iulius Constantius, nehme ich an ? Quintus Tiberius Vitamalacus mein Name, vom Senat bestellt zum Quaestor Consullum."

  • "Ja, natürlich ... Iulia Livilla. Kennst Du sie?" Aber natürlich, er musste sie zumindest dem Namen nach kennen, ihr Onkel war schließlich Offizier in der Legio, der Vitamalacus ebenso gedient hatte. "Sie ist noch ein bisschen sehr an das Leben in Germanien gewöhnt, und ich hoffe, dass sie sich an die römischen Verhältnisse bald anpasst, damit sie sich hier auch zurecht findet ..." sagte sie lächelnd und schenkte ihm den Becher mit Wein in etwa zur Hälfte voll, sich selbst nur Wasser, immerhin musste sie bis zum Abend halbwegs Form und Farbe bewahren, da konnte man nicht mit Alkohol am Nachmittag beginnen.


    "Constantius!" Es klang nicht erschreckt oder unwillig, sondern nur erfreut, als sie ihren Bruder erblickte, dann tappte sie schon mit der freien Hand auf den Platz neben sich. Dass sich der Quaestor selbst vorstellte, nahm sie mit einem sachten Nicken zur Kenntnis und meinte: "Nun lernst du auch meinen jüngsten und liebsten Bruder kennen, Caius Iulius Constantius, der mit Stolz sich zu den tapferen Männern der Cohortes Urbanae zählen darf." Auch wenn Caius 'nur' ein miles war, sie war doch stolz auf ihn, dass er diesen Dienst ohne zu murren verrichtete. "Möchtest Du etwas zu trinken, Constantius? Setz Dich ruhig zu uns .."

  • Er nickte respektvoll Vitamalacus zu und für die Dauer eines Wimperschlages gesellte sich Verlegenheit zu seinem Lächeln. Er wusste, dass der Stolz in der Stimme seiner Schwester aufrichtig und uneingeschränkt gültig war, obwohl er nur ein einfacher Miles war, der wie so viele andere durch die teilweise sehr dreckigen Gassen Roms patrouillierte. Nichts im Vergleich zu dem hohen Gast, der seinen Weg in die Casa gefunden hatte. Erstaunlicherweise waren es stets verdiente Männer, die ihren Weg in die Räumlichkeiten der iulier fanden. Oder besser gesagt, den Weg zu Helena fanden.
    Doch wie schon so oft, ließ sich der junge Iulier nicht von Titeln und Anreden innerhalb der eigenen Wände beirren und behielt sein höfliches Lächeln bei.


    „Du nimmst richtig an, ich bin Caius Iulius Constantius. Es ist mir eine Ehre dich hier begrüßen zu dürfen.“


    Die ersten Worte waren gesprochen. Worte, die einwandfrei einem hart erlernten und doch recht beschränktem Sortiment an Begrüßungsfloskeln entliehen waren. Dankbar darüber, dass die Hürde der Fortsetzung der Konversation noch einen Moment hinausgeschoben werden konnte, setzte sich Constantius neben Helena auf dem ihm zugewiesenen Platz.
    Sein Blick galt einen Moment wieder Vitamalacus, als der Iulier über die Frage seiner Schwester bezüglich eines Getränks sinnierte. Sicherlich war es unhöflich einen Gast alleine etwas trinken zu lassen. Außerdem wäre ein Weinkelch immerhin etwas, an dem man sich festhalten und in entscheidenden Momenten auch durch den Raum werfen konnte.


    „Etwas gewässerter Wein wäre sicherlich recht angenehm zu trinken.“


    Er ließ seinen Worten eine kleine Pause folgen und richtete sich mit seinen folgenden Worten ohne expliziten Adressaten an beide..
    „Ich hoffe ich habe euer Gespräch nicht unterbrochen“

  • Die Herrin des Hauses klatschte fast sofort wieder in die Hände und rief damit die Sklavin von eben herbei, der sie auftrug, einen weiteren Becher zu holen - und recht schnell hatte die junge Frau den Becher gebracht, den sie an Helena übergab. Mit geübter Hand schenkte sie den Wein und das Wasser für ihren Bruder ein, in jenem Mischverhältnis, von dem sie wusste, dass er es schätzte, dafür kannten sie sich inzwischen einfach gut genug, um sich darüber nicht austauschen zu müssen. Schließlich reichte sie ihm mit einem Lächeln den Becher und meinte freundlich:


    "Aber nein, wir haben uns gerade über Livilla unterhalten - und auch über das Gastmahl heute abend. Du weisst ja, sie war ein bisschen nachdenklich die letzten Tage und ich hoffe wirklich, dieser Abend heute wird ihre Laune bessern und sie wieder lächeln lassen." Irgend etwas bedrückte ihre Cousine, soviel war sicher, aber was es war, das würde sie noch irgendwann herausfinden müssen. Sie wollte schließlich nicht mit der Tür ins Haus fallen. "Constantius, solltest Du jemals vieles über die Legio erfahren wollen, so ist Tiberius Vitamalacus Dein Mann - er kann wirklich gut erzählen und kennt das Leben in der Legio aus erster Hand. Unser Onkel Numerianuns dient sogar unter ihm."

  • "Nur Flüchtig, sie war mit ihrem Vater und auch ihrem Onkel Gast bei einem Abendessen in meiner Casa im Castellum !"


    Helena gegenüber war sein Blick freudlich und zu vorkommend, doch dann als sich Tiberus Vitamalacus ihrem Bruder zu wendet, nimmt der Blick des Soldaten jene züge an, die zuvor schon so viele Männer erdulden mussten.
    Es ist die simple Prüfung, ob sein Gegenüber ein guter Soldat ist oder nicht. Und Helenas Bruder scheint diese Prüfung zu bestehen. Zumindest zeigt der junge Mann Respekt aber auch Selbstbewusstsein.


    So setzt sich Tiberius Vitamalacus wieder, Helena und ihrem Bruder gegenüber und nimmt das Glas Wein in die Hand.


    "Du tust alsi Dienst in der Cohortes Urbanes ? Ihr erfahrt eine gute Ausbildung, davon konnte ich mich überzeugen."


    Die Worte, ehrlich gemeint und mit eigenener Erfahrung geprägt, sind an den Bruder gerichtet, doch der Blick liegt mehr bei der Schwester.

  • Für einen Moment fühlte sich Constantius an seinen Tribun Dragonum erinnert, als dieser dem vorlauten Probatus Constantius die Vorteile der Latrinenreinigung näher brachte. Es war ein ähnlicher musternder Blick. Ein Blick, der durch die äußere Gestalt hindurchging und versuchte die Wesenszüge des untersuchten Objekts zu erfassen.
    Vielleicht war es ein Blick, den man als Tribun einfach besitzen musste. Etwas über das Constantius später sicherlich noch nachdenken würde.
    Im Moment galt es dem Blick des Tribuns zu widerstehen, seine Prüfung zu bestehen. Nicht wie bei Tribun Dragonum mit entschlossener Gleichgültigkeit, sondern mit dem dezenten freundlichen Lächeln eines Hausherrn.


    „Ja ich versehe meinen Dienst in der Cohortes Urbanae. Die Ausbildung ist für unsere Aufgaben angemessen. Princeps Prior Sura bereitet uns gründlich auf die kommenden Ereignisse, so gründlich wie es möglich ist.“


    Dies war wohl nicht der Moment um zweifelnde Worte anzubringen. Im Grunde waren die Worte des Tribuns wohl auch nicht mehr als eine Floskel gewesen. Er hätte ja schlecht sagen können, dass die Ausbildung der Cohortes Urbanae sich nicht mit der Legion messen konnte. So wie es gerüchteweise unter den Miles die Runde machte. Außerdem was hatte ein Tribun schon mit einem einfachen Miles zu besprechen. Er war ja nicht hier um Constantius zu sehen. Nein, er war hier um Helena zu sehen, was seine Blicke eindeutig bewiesen.
    Constantius straffte seine Haltung. Die angespannte Nackenmuskulatur bescherte ihm eine sehr aufrechte Haltung. Vor einem Tribun wollte er sicherlich nicht wie ein Häufchen Elend sitzen.


    Sein Blick wanderte zu Helena. Bedankte sich mit einem warmen Lächeln wortlos für den gereichten Wein.


    „Ich glaube kaum, dass der Tribun unbedingt die Fragen eines Miles zur Legion hören möchte.“


    Er fügte eine kleine Pause ein um einen Themenwechsel zu ermöglichen.


    „Ich hoffe auch, dass der heutige Abend Livilla wieder lächeln werden lässt. Sie wird so gewiss auf andere Gedanken kommen.“

  • Die Haltung von Tiberius Vitamalacus auf der Bank den beiden Geschwistern gegenüber ist so aufrecht und militärisch steif wie für ihn üblich. Fast scheint es so zu sein, das über seiner Tunika eine Rüstung zu liegen scheint.
    Vielleicht wäre seine Haltung etwas Lockerer, wenn er nur mit Helena im Attrium sitzen würde, aber auch so bleibt sein freundlicher Gesichtsausdruck bestehen und auch der Blick mit dem er Helenas Bruder gemustert hatte, hatten zahlreiche Probati harter und durchdringender erlebt.


    "Für mich ist die Legion meine Familie und ich bin stolz darauf, in der Legio IX. dienen zu dürfen. Auch wenn ich gerade beurlaubt bin, ich beantworte jede Frage, die du zur Legion hast."


    Aufmerksam hatte er die kurzen Einlassungen von Constantius verfolgt. Auch wenn er als Soldat ein direktes Wort vorzieht, er hat auch gelernt zwischen die Worte zu lauschen, eben auf jene, die nicht fallen.
    Mit einer dankbaren Geste nimmt er den Becher Wein, den seine Gastgeberin ihm eingeschenkt hat.


    "Rom ist eine riessige Stadt, besonders wenn man das Leben in einer Provinzstadt gewöhnt ist. Die vielen Eindrücke, die gerade in den ersten Tagen auf einen herabstürzen, können einem doch auf das Gemüt schlagen. Mein Sklave Cato flehte mich gerade zu an, das er nicht nach Rom mitreisen musste. Er ist nur das Leben in kleinen Städten gewöhnt und wahscheinlich wäre er gier nicht zu gebrauchen, da er sich meistens verlaufen würde."


    Das Catos Wunsch, im Castellum zu bleiben, vornehmlich einen anderen Grund hatte, darauf muss er nicht eingehen.

  • Constantius und seine elende Schüchternheit! Innerlich seufzte die Iulierin leise und hätte ihrem Bruder am liebsten einen aufmunternden Tritt versetzt. Nun war schon einmal ein Tribun im Haus und auch willig, über seine Legionserfahrungen zu sprechen, und schon kniff er. Aber das würde sie zu verhindern wissen - zumindest nahm sie sich das sehr ernst vor. Auch Constantius sollte ein bisschen mehr lächeln können, als er die letzten Tage gelächelt hatte, dafür wusste sie um seinen Schmerz mit Samira zu gut.


    "An Rom muss man sich eben erst gewöhnen. Wäre ich nicht eine Zeit hier aufgewachsen, fände ich es wohl auch ausgesprochen verwirrend, aber Menschen sind fähig, sich zu wandeln, glücklicherweise." Genau wie sich ein nachdenklicher, verschlossener Mann zu einem Mann wandeln konnte, der erstaunlich viel zu lächeln verstand - wohlwollend ruhte ihr Blick eine Weile lang auf Vitamalacus und sie entschied für sich, dass ihm dieses Lächeln ausnehmend gut stand.


    "Aber Constantius, was denkst Du, wieso ich den Tribun zu uns eingeladen habe? Damit Du ihn kennenlernst und ihm all die Fragen stellen kannst, die unser Onkel meist zu müde war zu beantworten. Also hege keine Scheu und lass Dich von Deiner Begeisterung für die Legionen leiten, lieber Bruder, die Gelegenheit ist günstig und unser werter Besucher hoffentlich willig." Dann, mit einem verschmitzten Schmunzeln auf den Lippen, fügte sie an: "Und wenn Du nicht willig sein solltest, Tiberius Vitamalacus, muss ich Dir diesen Willen zur Not einprügeln ..." Prompt sah sie sich um und tat so, als würde sie ein geeignetes Werkzeug zu erspähen versuchen, unter der vorhandenen Auswahl an Geschirr und im Atrium stehender Vasen.

  • Als ihr Blick für eine weile auf ihm ruht, hellt sich der Gesichtsausdruck des Tribuns noch etwas weiter auf. Es ist nicht so, das er seit jener Nacht beim Ianusbogen ständig lächelt, meist ist sein Gesichtsausdruck so verschlossen wie davor, allerdings gerade jetzt ist davon kaum etwas zu sehen.


    "Werte Iulia Helena, sei versichert, ich bin gerne bereit Fragen zur Legion zu beantworten, es ist nicht nötig, das du der Einrichtung schaden zukommen lässt." Seine Stimme klingt äusserst ernst und besorgt und er hebt scheinbar zur Abwehr die Hände , doch das verschmitzte Funkeln in seinen Augen und das Lächeln auf seinen Lippen sprechen eine ganz andere Sprache. "Obwohl, einer meiner Klienten würde sich freuen, wenn du bei ihm neue Vasen und Becher kaufst."

  • Land auf, Land ab wird es ebenso viele erstaunte, verdutzte Gesichter geben, wie es überraschende Ereignisse gibt. Allzu gern wird dabei der erstaunte Gesichtsausdruck durch besonders geweitete Augen in Geschichten und Erzählungen umschrieben.
    Doch in der Casa Iulia wäre diese Art der Umschreibung wohl nicht gerechtfertigt, als Helena ihren Bruder sehr deutlich zu einem Gespräch mit dem Tribun zwingen wollte. Nein sie war deshalb nicht gerechtfertigt, da sie den erstaunten, perplexen Gesichtsausdruck des Iuliers nur sehr unzureichend beschrieben hatte. Ein wohl geübter Schriftsteller hätte, wollte er diesen sonderbaren Moment beschreiben, wohl ein neues Wort erfinden müssen.


    So schnell konnte man also in die Enge getrieben werden. So schnell verlor man das Heft aus der Hand, obwohl man doch nur die Rolle eines aufmerksamen Beobachters einnehmen wollte.
    Was dachte sich Helena nur. Vor ihm saß immerhin ein Tribun. Ein Miles richtet nicht unaufgefordert das Wort an einen Tribun. Wenn überhaupt salutiert man pflichtbewusst und macht sich schnellstens aus dem Staub, wenn ein so hoher Offizier nahte. Und gewiss löcherte man ihn nicht mit einfachen, neugierigen Fragen. Und sollte er wirklich glauben, dass dieser Tribun hier her gekommen ist um dem Miles Rede und Antwort zu stehen? Wäre Constantius nicht so perplex gewesen, hätte er wohl kurz höhnisch aufgelacht. Warum schaute dann jener Besuch nur beständig zu Helena? Nein, Constantius war vielleicht kein Offizier, doch dumm war er nicht.


    Es dauerte einen Moment, bis sich die Gesichtsmimik des jungen Mannes langsam wieder um ein sachtes Lächeln bemühte.


    „Mir war nicht bewusst, dass du den werten Tribun eingeladen hast, damit er mir Fragen beantworten kann.“


    Wie würde er sich nur wieder aus seiner Zwickmühle befreien können. Was waren die passenden Worte oder was war die passende Frage? Wie reagierte man auf offensive Worte?
    Ein leichtes Ein- und Ausatmen, leise und doch nicht zu verbergen, verriet, dass er um die richtigen Worte rang.
    Die Antwort auf eine Offensive, war eine Gegenoffensive, wenn man vergessen hatte einen Hinterhalt zu legen. Und die Zeit hatte nicht einmal gereicht, um auch nur an ein solch taktisch kluges Manöver zu denken. Es war also Zeit für eine Gegenoffensive.


    „So gestattet mir eine Frage Tribun. Es gibt Gerüchte, dass die Ausbildung der Legionäre die der Cohortes Urbanae bei weitem übertrifft. Anderen Gerüchten zur Folge soll die Cohortes urbanae kein hohes Ansehen in der Legion genießen. Sagt man doch angeblich, dass wir nur zum Halten eines Scutum und zur Bildung einer Reihe geeignet wären und somit in einer Schlacht nur die letzte Reserve darstellen würden.. Wie unterscheidet sich die Ausbildung der Legionäre von den Soldaten der Cohortes Urbanae?“

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!