Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomime

  • Es war ein schwüler Sommertag, der Himmel von einem verwaschenen Blau, bedeckt von zarten Wolkenschleiern, durch die ein diesiges Licht auf die weitgeschweiften, von Menschen wimmelnden Ränge des Pompeiustheaters fiel. Durch Ausrufer, Graffiti und von Mund zu Mund war es kundgetan worden, dass hier und heute - als Vorveranstaltung zu den nahen Ludi Romani - in den Nachmittagsstunden eine Aufführung der Medea frei nach Euripides stattfinden würde.
    Ganz dem Geschmack der Zeit entsprechend, würde die Tragödie als eine Pantomime dargeboten.
    Der für seine Ausdruckskraft viel gerühmte Schauspieler und Tänzer Polychares, ein Stern an Roms Theaterhimmel, ebenso bejubelt wie harsch kritisiert, würde, so wie es Brauch war, nicht nur die Hauptrolle, sondern unter wechselnden Masken alle Rollen übernehmen. Der Chor und das Orchester des Pompeiustheaters hatten einen hervorragenden Ruf und viele eingefleischte Bewunderer, so dass sich an diesem Tag, wie zu erwarten, die Ränge des Theaters rasch füllten.
    Die unzähligen Stimmen vereinten sich zu einem dumpfen Brausen und Summen, das man wohl irgendwo zwischen Meeresbrandung und Bienenstock hätte einordnen können, da hinein mischten sich die Klänge der Instrumente, die von den Musikern eben noch einmal gestimmt wurden, und in der Luft lag die gespannte Erwartung der vielen Tausend theaterfreudigen Zuschauer...



    Sim-Off:

    Mitspieler sind willkommen. Auf die historische Sitzordnung würde ich verzichten, damit mehr Interaktion möglich ist. :)




    [Blockierte Grafik: https://www.bilder-hochladen.net/files/m625-l-bf25.jpg]

  • Iulia liebte die Stücke des Euripides!
    Andromeda, Antigone, Kyklops und Elektra und wie sie nicht alle hießen. Jedes von ihnen war sehr unterhaltsam und genau das, was Iulia nach einem langen Tag entweder im Theater sehen, oder zuhause im Bett lesen wollte. Doch nicht nur das, auch eine weitere Kunstform verehrte sie; die Pantomine.
    Wie faszinierend es war dabei Zeugin zu sein, wie ein einzelner Mann alle Rollen bediente und so völlig neue Ausdrucksformen der bekannten Geschichte erzeugen konnte. Die einprägsamen Lieder, die das szenisch dargestellte begleiteten und erst die Masken!


    Daher verwunderte es kaum, dass Iulia ganz aus dem Häuschen war, als sie eines Tages beim Einkaufen am Argiletum mitbekam, dass der große Polychares wieder nach Rom kommen und eine Pantomine zu Euripides‘ „Medea“ zum Besten geben würde! Zwei ihrer Lieblingsfreizeitbeschäftigungen vereint zu einer Darbietung das MUSSTE sie einfach sehen! Doch natürlich nicht alleine so als Frau. Deshalb hatte sie sehr lange und sehr intensiv ihren Vetter Gaius Iulius Caesoninus angebettelt, dass sie sooo gerne dieses Stück sehen wolle und dafür eine Begleitung brauche, mit dem Ergebniss, dass sie jetzt hier im Pompeiustheater sitzen und sich auf Polychares freuen konnte.
    Ja, das Leben war schön.

  • Götter...was machte man nicht alles für die Familie...
    Es hätten so tolle Dinge heute geschehen können. Irgendwas aufregendes, keine Ahnung genau was. Vielleicht irgendwelche Gladiatorenspiele, oder eine nervenaufreibende Debatte im Senat oder eine Rabattaktion in einem Lupanar...doch wo saß Caesoninus jetzt?
    Im Theater.
    Im Theater!!
    Und als ob es das nicht schon gewesen wäre war es zu allem Übel auch noch eine Pantomine. Leider etwas, was Caesoninus überhaupt nicht zusagte. Gut, als Einschlafhilfe bestenfalls. Aber wie gesagt, der Familie, oder in diesem Fall; Iulia Phoebe, zuliebe saß er jetzt da und ließ den „Spaß“ über sich ergehen.
    Als sie ihn das erste Mal gefragt hatte, ob er als ihre männliche Begleitung mitkommen wollte hatte er natürlich gelacht und Nein gesagt. Aber Iulia hatte nicht klein beigegeben und so lange gejammert, sie wolle das Stück sehen, bis Caesoninus doch noch eingeknickt war.


    So saß er jetzt missmutig dreinblickend neben ihr, das Gesicht auf beide Hände gestützt und betete inbrünstig zu den Göttern, dass ein Feuer ausbrechen möge.

  • Nicht nur Iulia Phoebe war eine große Liebhaberin des Theaters gewesen. Auch die junge Graecina hatte von dem Tag an, an dem sie lesen gelernt hatte, die Tragödien der griechischen Dichter regelrecht verschlungen. Besonders Euripides hatte es ihr angetan.


    Als es ihr nun zu Ohren gekommen war, im Pompeiustheater spiele man dieser Tage ein Stück des Euripides, genauer gesagt die Tragödie um die Königstochter Medea, erwuchs in ihr der große Wunsch, der Aufführung beizuwohnen zu können. Zuhause in Lappa hatte sie einige Male mit einem ihrer großen Brüder das kleine Provinztheater besucht. Natürlich waren dort keine berühmten Schauspieler aufgetreten. Was war schon Lappa? Doch nun lebte sie in der urbs aeterna und hier war es Gang und Gebe, dass solche Publikumslieblinge wie jener Polychares auftraten.
    Ob der Tänzer tatsächlich so ausdrucksstark war, wie alle sagten? Graecina hätte sich sehr gerne mit eigenen Augen davon überzeugt. Doch ganz allein einen Besuch ins Theater zu unternehmen schickte sich nicht für sie. Daher war sie überglücklich, als es ihrer Cousine Phoebe gelungen war, ihren Verwandten Caesoninus davon zu überzeugen, wie spannend und betörend doch ein Nachmittag im Theater sein konnte.
    Beschwingt hatte sich die junge Iulia ihren beiden Verwandten angeschlossen, als diese zum Pompeiustheater aufbrachen. Endlich kam sie einmal hinaus aus der Casa, in der sie sich in den letzten Monaten fast ausschließlich aufgehalten hatte.


    Sie nahm den Platz neben Cesoninus ein. Er wurde nun sozusagen von den beiden iulischen Damen in die Zange genommen, auf dass es für ihn keinerlei Möglichkeiten zur Flucht mehr gab.

  • In Marcellas Lockenpracht blitzte hell ein Reif, der mit Feueropalen besetzt war, und golddurchwirkt schimmerte ihr rotes Byssusgewand, als die junge Matinia aus dem Vomitorium trippelte, sich dann gefolgt von ihrer Lieblingszofe zu ihrem Platz begab.
    Diese drapierte erst ein weiches Kissen, mit Genswappen bestickt, auf dem Stein, dann nahm Marcella etwas geziert Platz, grüßte freundlich die neben ihr sitzende dunkelblonde junge Dame:
    "Salve."
    Und fächelte sich anmutig Luft zu, hauchte dabei:
    "Oh diese Hitze."
    Ihr Fächer bestand, farblich passend, aus Federn vom Goldfasan. Die Zofe nahm hinter ihrer Herrin Platz und hielt fortwährend ein bunt bemaltes Sonnenschirmchen über deren Haupt. Marcella liebte das Sehen und Gesehen werden und freute sich ausserdem schon ganz besonders auf die Chorgesänge.

  • Carbo war gerade in einer Gasse kurz nach dem Forum Boarium unterwegs gewesen, als er es bemerkt hatte. Dort an einer verwitterten alten Wand aus halb zerfallenen Ziegelsteinen war ein kleines Ankündigungsplakat gewesen. Er war schon halb daran vorbei, als ihm erst die ganz oben abgebildeten Theatermasken ins Auge gefallen waren. Das hatte ihn dazu bewegt umzukehren und sich die Sache näher anzusehen. Das Plakat hatte eine Pantomine rund um Euripides‘ Stück „Medea“ angekündigt. Interessant, interessant.
    Wenn Carbo sich recht besann, so hatte er noch nie zuvor so eine Art darstellendes Spiel gesehen. Bloß konventielle Stücke, die er unter anderem ja auch schon selbst in Mogontiacum veranstaltet hatte. Was so eine Pantomine wohl sein mochte?


    Das herauszufinden war nun sein Ziel und so verwunderte es nicht weiters, dass man Carbo Tage später auf den Tribünen des Pompeiustheaters wiederfand, wie er dort hochvergnügt auf den Beginn der Vorstellung wartete.

  • Hatte Chronos, der Gott der Zeit, dieselbe extra verlangsamt, oder wieso konnte Caesoninus sonst beinahe schon spüren, wie sich jedes einzelne Korn geradezu quälend langsam durch die Enge seiner imaginären Sanduhr quälte? Die Zeit wollte und wollte einfach nicht vergehen! Er seufzte. Hoffentlich dauerten solche Pantominen in der Regel kürzer, als gewöhnliche Dramen, ansonsten hätte er ein riesen Problem. Also von der Langeweile her.


    Die schnatternde Menge in den unteren Reihen merkte nicht, wie der missmutige Blick Caesoninus‘ immer wieder über sie hinwegstreifte, in der Hoffnung irgendwas interessantes zu entdecken, doch leider Fehlanzeige. Gewöhnliche Menschen in gewöhnlicher Aufmachung die sich auf die Vorstellung freuten. Wie öde nur.
    Er konnte ja nicht einmal aufstehen und sich eine Kleinigkeit zu essen holen (oder verschwinden), da links Iulia Graecina und rechts von ihm Iulia Phoebe saßen und besonders letztere wusste ja wie er zum heutigen Tageshöhepunkt stand.
    Traditionelle Theaterstücke sagten ihm mehr zu, z.B. Stücke mit Hercules gefielen Caesoninus sehr, auch ein paar Klassiker des griechischen Theaters wie König Ödipus. Aber Medea in Pantomine??
    Als es ihm zu lang wurde mit der ewigen Warterei konnte er es sich nicht mehr an sich halten. „Wann fängt der Mist denn endlich an?!“ rief Caesoninus aus.

  • Wie herrlich war es, wieder zu Hause zu sein, im Herzen der Zivilisation Komfort und Kultur zu genießen. Freudig ließ ich von meinem Platz aus den Blick über die bunte Menschenmenge schweifen, hielt mit zusammengekniffenen Augen unwillkürlich Ausschau, ob ich rein zufällig vielleicht Manius irgendwo auf den senatorischen Plätzen erspähen konnte – dem war aber nicht der Fall. Darauf besah ich mir andächtig die Einzelheiten des Bühnenbildes.
    Sogar Cascas aufmüpfigen kleinen Blondschopf sah ich heute mit wohlwollendem Auge. Ich hatte mir das Mädchen von ihm ausgeliehen, weil ich mich aus Gründen der Fassade ja nicht immer nur mit schönen Männern sondern auch mit holder Weiblichkeit umgeben mußte. Und das Mädchen war, von ihrem vorwitzigen Wesen mal abgesehen und solange sie den vorlauten Mund nicht aufmachte, ja wirklich allerliebst, die schönste Sklavin im Haus. So bekam sie eben eine zweite Chance bei mir, obgleich sie die erste maximal vermasselt hatte. Ich hatte auch Anweisung gegeben dass sie sich wusch und was hübsches zum Anziehen bekam.
    "Bring mir bitte einen Becher verdünnten Wein, kleine Nymphe." wies ich sie an, drückte ihr ein paar Münzen in die Hand. Die fliegenden Händler waren ja überall. "Du kannst dir auch einen holen. Und besorg mir eine Handvoll Pistazien."

  • Mit düster dräuenden Klängen setzte das Orchester ein, unheilvoll dröhnten die Trommeln, untermalte die Wasserorgel, schluchzten die Kitharas, klagten die Flöten vom kommenden Verderben. Die letzten Gespräche waren verstummt. Ein opulentes halb plastisches Bühnenbild zeigte das Haus des Iason und der Medea, dahinter Korinth am blauen Mare nostrum, überragt von der Akrokorinth auf hohem Bergesrücken.


    Die im Original langen Dialoge der Hausangestellten in der Eingangsszene waren in dieser Pantomime zu Gunsten der sensationelleren Momente radikal gekürzt. Sowieso kannte ja jeder halbgebildete Römer die Geschichte, wie die zauberkundige Königstochter Medea dem Helden Iason beim Erringen des goldenen Vlieses beistand, aus Liebe zu ihm den Vater verriet und dem Bruder den Tod brachte, wie sie sich mit Iason und den zwei gemeinsamen Söhnen in Korinth niederließ, wie der treulose Heroe sie dort im Stich ließ, um statt ihrer die Tochter des Königs von Korinth zu ehelichen, wie das Urteil des Königs erging, Medea und ihre Söhne aus dem Land zu verbannen...


    Ein Paukenschlag, und der Chor der Sänger, ganz in weiß, auch die Gesichter und die Haare geweißt, statisch verharrend und zugleich die Stimmen in herrlichem Klang vereinend, setzte ein, leise wie von ferne zuerst, dann lauter wie näherkommend, sang vom Orchester untermalt die Klage der verlassenen Kolcherin:


    Der Chor als MEDEA:
    "Ach weh!
    Ich unglückseliges, leidendes Weib!
    Ach, weh mir! Wär ich doch tot nur!"


    Zugleich trat die Protagonistin auf, aus der Tür ihres Hauses tretend, die Maske der Medea getragen von dem großen Polychares, der im faltenreichen dunklen Frauenkleid jeden Zoll den unendlichen Jammer und das verzweifelte Aufbegehren der Verlassenen verkörperte. Ausdrucksvolle Gebärden vollführten die tänzerisch geschmeidigen Glieder, ein mitleiderregend elendes Hinsinken auf den Boden, und dabei stand in den abgezirkelten Gesten zugleich ein bedrohlich schwelender Zorn und Rachedurst. So tanzte er die Medea, während der Chor ihre Worte sang:


    Der Chor als MEDEA:
    "Ach, ach! Elend ist, was ich erduld,
    Elend und wert lauten Bejammerns!
    O verwünschte, verderbt, Kinder der leidigen
    Mutter, mitsamt ihm,
    Und gehe zugrunde das Haus ganz!
    Ach, ach!
    Oh, schlüge durchs Haupt mir vom Himmel der Blitz!
    Was brächte mir noch mein Leben Gewinn?
    Oh, gäbe der Tod mir Erlösung, weh!
    Von diesem verleideten Dasein!"


    Darauf sang der CHOR, musikalisch untermalt vom Thema der korinthischen Frauen, seine eigene Strophe:
    "Hörst du es, o Zeus und Erd und Licht,
    Welch ein Wehruf von der unseligen
    Ehfrau hertönt?
    Was, Törin, so unersättlich
    Verlangst du des Mannes Liebe?
    Was suchst du des Tods Erlösung?
    Das flehe mitnichten!
    Hat ein neues Band deinen Gemahl entfremdet,
    Zeus wird mit dem Recht – was tobst du! –
    Dir dafür Rache verschaffen. Härm dich nicht
    Zu sehr, weinend um deinen Ehgemahl!"


    Und wiederum als MEDEA, während der Pantomime die Hände zu den unsterblichen Göttern erhob, flehend, racheheischend:
    "Themis und Artemis, schaut, ihr Mächtigen,
    Was man mir antut, die mit gewaltigem
    Eidschwur sich verband den verfluchten Gemahl!
    Ha, säh ich ihn nur und die Braut mitsamt
    Den Gemächern des Glücks einst noch zerschmettert,
    Die frei sich erfrecht, mich zu beleidigen!
    O Vater und Heimat, denen ich schnöd
    Absagt, indem ich den Bruder erschlug!"


    Darauf der CHOR:
    "Wehschrei hör ich, vielen Weinens Klaggestöhn.
    Sie schreit in hellem Jammerruf:
    Der schlechte Gatte, der Eheverräter!
    Laut beschwöret die Tiefgekränkte
    Das Recht vom Himmel, welches im Schutze des Eidschwurs
    Über die See in das griechische Land sie geführt in der Nacht
    Hin durch des Meers undurchdringliche Pforten."



    [Blockierte Grafik: https://www.bilder-hochladen.net/files/m625-l-bf25.jpg]

  • Zitat

    Original von Matinia Marcella


    Die junge Iulia konnte es kaum glauben! Sie saß tatsächlich hier im Theater des Pompeius. Das Beste des Tages aber war, dass es sich nur noch um wenige Minuten handeln konnte, bis der großartige Polychares höchstpersönlich dort unten auf der Bühne erscheinen würde und sie Zeugin seines großartigen Könnens werden würde. Man sagte ja, er sei von wohlgeformter Gestalt und sein ebenmäßiges Gesicht ähnelt dem göttlichen Antlitz des Apolls. Gleich konnte sie sich selbst davon überzeugen.


    Doch bis es soweit war, beobachtete sie ihre nächste Umgebung. Langsam aber sicher füllten sich die Reihen. Als direkt neben ihr eine Dame Platz nahm, sah sie kurz zu ihr hinüber, lächelte freundlich und erwiderte ihren Gruß. „Salve!“ Die Dame war offenbar alleine erschienen. Lediglich eine Sklavin begleitete sie, die nun den weißen Teint ihrer Herrin mit einem Sonnenschirm zu schützen gedachte. Wahrscheinlich würde sie später damit den Unmut der weiter hinter ihr Sitzenden auf sich ziehen. Überhaupt schien die Nachmittagshitze der Dame sehr zuzusetzen. Der auffällige Fächer, mit dem sie sich etwas kühle Luft zufächerte, war Graecina sofort ins Auge gesprungen. Nun ja, Graecina war solche Hitze gewohnt. Der Sommer auf Kreta konnte gelegentlich unerträglich heiß sein. „Oh ja! Einfach schrecklich!“, entgegnete sie ihr aus reiner Höflichkeit. „Dein Fächer ist wunderschön! Sind das Pfaufedern, wenn ich fragen darf?“ In der Tat, das Utensil bestach tatsächlich durch seine außergewöhnlich prachtvolles Aussehen. Graecina liebte solche Sachen. Leider hatte sie ihren Fächer zu Hause vergessen. Ober was war schon ein Fächer gegen das Vergnügen, den großen Polychares sehen zu dürfen!


    Dem gelangweilten Grummeln ihres Vetters schenkte sie vorerst keine Aufmerksamkeit. Sie war ihm zwar dankbar, dass er sie mitgenommen hatte. Doch den Nachmittag wollte sie sich nicht von ihm verderben lassen.

  • Zitat

    Original von Faustus Decimus Serapio
    ...
    "Bring mir bitte einen Becher verdünnten Wein, kleine Nymphe." wies ich sie an, drückte ihr ein paar Münzen in die Hand. Die fliegenden Händler waren ja überall. "Du kannst dir auch einen holen. Und besorg mir eine Handvoll Pistazien."


    Die Strafarbeiten, die mir Dominus Serapio aufgegeben hatte, waren alle erledigt worden. Einen Teil davon hatte ich sogar gemacht. Es hatte sich doch tatsächlich ein nützlicher Idiot gefunden, der für mich die wirklich dreckigsten Aufgaben, wie z.B. die Latrinen reinigen, erledigt hatte. Natürlich hatte der Sklave von mir eine Belohnung erhalten. Zum Glück hatte er sich damit begnügt, mich einmal nackt sehen zu dürfen. Das allein hatte ihm schon genügt, um glücklich zu werden. Mir konnte das nur recht sein, denn ich mochte es nicht besonders, von fremden Kerlen betatscht zu werden.


    Es verstand sich ja von selbst, dass ich von nun an in Dominus Serapios Gegenwart immer superfreundlich war und mich besonders unterwürfig verhielt. Es gelang mir sogar, meine dummen Sprüche und schnippischen Bemerkungen für mich zu behalten. Obwohl mir das verdammt schwergefallen war! Letztendlich wollte ich mir es mit Dominus Serapio nicht ganz verscherzen. Schließlich schuldete er mir noch eine Geschichte!


    Als dann am Morgen einer von seinen Sklaven bei mir angetrabt kam und mir erzählte, sein Dominus hätte sich mich bei meinem Dominus ausgeliehen und ich solle mich jetzt schön machen und einen besonders hübschen Fummel anziehen, konnte ich es kaum glauben. JA! Ich hatte es geschafft!!! Ich war wieder in seiner Gunst gestiegen. Er hatte mich nicht vergessen!


    Danach hatte ich erst einmal ausgiebig gebadet, damit all der Dreck von der harten Arbeit von mir abfiel. Ausgerechnet Amanirenas, die eingebildete Ziege, war dazu abgestellt worden, um mir die Haare schön zu machen und mich zu schminken. Auch wenn sie ein zickiges Miststück war – von ihrem Handwerk verstand sie etwas. Sie hatte meine Haaren zu einem aufgetürmten Wunderwerk gesteckt, dass jede Frau blass werden ließ - besonders aber die anderen Sklavinnen! Mal ganz abgesehen von den bunten Farben, die nun mein Gesicht verschönerten! Ich kam mir vor, wie eine feine Dame.
    Ich erhielt dann noch ein Gewand aus wollweißer Seide im Stil eines griechischen Peplos, der mit einer Schnur aus Goldfäden geschnürt wurde. Der Stoff wurde an meinen Schultern ganz locker mit goldfarbenen Fibeln festgehalten, so dass er immer leicht über sie rutschen konnte. Ich sah wirklich unglaublich aus! So etwas hatte ich noch nie getragen. Was der Decimer nur mit mir vorhatte?


    Die Antwort auf diese Frage erhielt ich umgehend, nachdem ich mit Dominus Serapio das Haus verließ. In ein Theater wolle er mit mir gehen, hatte er mir unterwegs verraten und etwas von einem Stück eines Griechen erzählt, dessen Name ich aber sofort wieder vergessen hatte. Natürlich war ich vorher noch nie in einem Theater gewesen. Allerdings hatte ich hin und wieder ein paar Schauspielern auf der Straße zugeschaut, die dort ein paar deftige Komödien zum Besten gegeben hatten und damit ihr Publikum hellauf begeistert hatten. Ob das, was mich dort Theater erwartete ähnlich war, konnte ich nur mutmaßen. Aber ich beschloss, mich einfach überraschen zu lassen. Ich fand es einfach richtig toll von Dominus Serapio, dass er mich hierher mitgenommen hatte!


    Massig viele Leute waren bereits schon im Theater. Ich folgte dem Decimer einfach, bis er einen Platz für uns gefunden hatte. Bevor ich mich jedoch setzen konnte, schickte er mich Getränke und Knabbereien holen. Das versprach ein richtig gemütlicher Nachmittag zu werden! Ich konnte mein Glück kaum fassen!
    Bei einem der Verkäufer, die zwischen den Reihen umherliefen, um ihr Zeug an den Mann zu bringen kaufte ich dann unsere Verpflegung und kehrte wieder zu unserem Platz zurück.
    „Hier Dominus! Bitte schön!“ Ich reichte ihm seinen Becher, das Restgeld und anschließend die Tüte mit den Pistazien. Dann sah ich mich erst einmal um, trank einen Schluck von meinem Wein und setzte mich neben ihn. „Das ist ja riesengroß, dieses Theater! Ich war noch nie in solch einem Theater! Vielen Dank, dass ich mitkommen durfte, Dominus Serapio!“ Mein Staunen und die Dankbarkeit, die ich ausdrückte waren wirklich echt gemeint. Das war schon alles sehr beeindruckend hier!

  • Zitat

    Original von Iulia Graecina
    „Oh ja! Einfach schrecklich!“, entgegnete sie ihr aus reiner Höflichkeit. „Dein Fächer ist wunderschön! Sind das Pfaufedern, wenn ich fragen darf?“ In der Tat, das Utensil bestach tatsächlich durch seine außergewöhnlich prachtvolles Aussehen. Graecina liebte solche Sachen. Leider hatte sie ihren Fächer zu Hause vergessen. Ober was war schon ein Fächer gegen das Vergnügen, den großen Polychares sehen zu dürfen!


    "Zu liebenswürdig!", flötete Marcella, als ihre sympathische Sitznachbarin ganz offen den extravaganten Fächer bewunderte. Ihre ungekünstelte Art unterschied sich von der in Marcellas Freundinnenkreis, wo kaum ein Kompliment ohne verborgene Widerhaken ausgesandt wurde. "Was für ein hübscher Fächer! Er erinnert mich an den, den mir mein Gemahl vorletzte Saison verehrte. Wie gewagt, ihn zu dieser Stola zu tragen." So etwa.
    "Es sind Federn vom Chrysolophus-Hahn. Sie sind importiert. Ich habe ihn aus einer ganz reizenden kleinen Boutique am Augustusforum.", plauderte Marcella, und wendete den Fächer langsam, so dass ein Sonnenreflex darüber glitt und das satte Blutrot der kürzeren Sprösselfedern sowie das gebänderte Goldbraun der langen wippenden Schweiffedern zum Schimmern, ja fast zum Glühen brachte. Wie sie dieses Farbenspiel liebte!
    "Ich bin rasend gespannt auf das Stück. Polychares soll sich mal wieder selbst übertroffen haben! ...Wobei manche ihn ja auch für weit überschätzt halten. Wie siehst du das?", so erkundigte Marcella sich interessiert nach der Einschätzung ihrer Nachbarin. Der Pantomime war Stadtgespräch, sie und ihre Freundinnen konnten stundenlang von ihm schwärmen.
    Die Musikanten unten griffen schon zu ihren Instrumenten, jeden Moment schien es loszugehen. Doch Marcella fiel auf, dass sie sich noch gar nicht vorgestellt hatte. Das holte sie gleich selbstbewusst nach.
    "Wenn ich mich vorstellen darf: Matinia Marcella. Ich bin die Enkelin des Consulars und Censorius Matinius Agrippa. Mit wem habe ich das Vergnügen?"

  • Eleni hatte mir den ganzen Morgen in den Ohren gelegen bis sie schließlich gewonnen hatte. Ich hatte mich in meine beste Tunika hüllen lassen und hatte Eirene jegliche künstlerische Freiheit gelassen, um meine Frisur zu richten. Anschließend hatte ich mich in Begleitung meiner Amme und meines skythischen Hünen in die Stadt begeben.


    Gerade noch rechtzeitig hatten wir das Pompeische Theater erreicht. Creton hatte dafür gesorgt, dass Eleni und ich sicher ins Innere gelangten und wir dort, trotz des großen Andrangs noch einen angemessen Platz ergattern konnten. Wie man sich vorstellen konnte, hatte das Vorgehen Cretos für Unmut unter den Zuschauern gesorgt. Doch letztendlich hatte es niemand gewagt, sich bei ihm deswegen zu beschweren.


    Nun saß ich hier in aller Öffentlichkeit, darauf wartend, dass die Aufführung endlich begann. Eine befremdliche Situation, angesichts dessen, dass ich fast drei Jahre für solcherlei Vergnügen nicht das Haus verlassen hatte.

  • Zitat

    Original von Grian


    Als Wohltäter gepriesen zu werden, das war natürlich immer schön. Und Barbaren zum Staunen zu bringen, über die monumentalen Wunder unserer Ewigen Stadt, das machte mir auch immer Spaß. Ihre Begeisterung ließ mich schmunzeln, auch wenn ich davon ausging, dass sie gerade ihren Charme einsetzte, um mich um den Finger zu wickeln. Es hatte keine Klagen über sie gegeben in der letzten Woche, es fehlte auch nichts im Haus, und so bestand wohl doch noch Anlass zur Hoffnung. Auch sah sie wirklich sehr hübsch aus, so zurechtgemacht, konnte optisch gut als meine elegante Konkubine durchgehen, genau diesen Eindruck hatte ich angestrebt.
    Ungemein großzügig überließ ich ihr die 2 As Restgeld, die sie mir brav zurückgebracht hatte.
    "Für dein Peculium. - Dieser Peplos steht dir übrigens sehr gut." bemerkte ich, die raffiniert immer nur fast-abrutschende Schulterpartie und den schönen Faltenwurf bemerkend. "Du solltest einen Nymphen-Namen dazu tragen. Casca hat dir noch keinen neuen Namen gegeben, oder? Hm..."
    Natürlich gehörte sie nicht mir, aber es gab nun mal Dinge, die gingen vom ästhetischen Standpunkt aus einfach mal gar nicht. Dazu gehörte ihr Barbarenname, der klang als habe man eine Halsentzündung. Und ich wollte sie nicht immer nur 'Mädchen' nennen.
    "Ich für meinen Teil werde dich Daphne nennen. Oder vielleicht Phyllis. Oder Cynthia? Welcher gefällt dir am besten?"
    Ich trank einen Schluck Wein und knackte ein paar Pistazien, aß diese genüsslich. Ja, die kleinen Annehmlichkeiten des Lebens, wie hatte ich diese während meiner Mission vermisst.


    Zitat

    Medea - erste Szene - die Klage der Verlassenen
    "Ach weh!
    Ich unglückseliges, leidendes Weib!
    Ach, weh mir! Wär ich doch tot nur!"

    ...


    Das Stück begann. Ich lehnte mich zurück, lauschte der Musik, dem erhabenen Gesang, und war sogleich gebannt vom Auftritt des Pantomimen und seiner kunstvollen Darstellung des unendlichen Leids der Medea. Doch etwas störte hartnäckig....


    Zitat

    Original von Matinia Marcella
    .... Die Zofe nahm hinter ihrer Herrin Platz und hielt fortwährend ein bunt bemaltes Sonnenschirmchen über deren Haupt.


    Und zwar ein kleiner Sonnenschirm, der in der Reihe vor mir gehalten wurde, und der immer wieder in mein Gesichtsfeld ragte. Ich neigte mich nach rechts, um die Gestalt der Medea auf der Bühne wieder sehen zu können... dann nach links... Bona dea! Wie rücksichtslos. Ich tippte der Frau, die den Schirm hielt, sacht auf die Schulter, um sie auf mich aufmerksam zu machen, und machte ihr - stumm, denn ich wollte ja niemanden in seinem Kunstgenuss stören – Zeichen, doch bitte den Schirm zu senken.

  • Zitat

    Original von Matinia Marcella


    Die junge Iulia lächelte. Der Fächer der Dame neben ihr passte perfekt zu dem Rest ihres prachtvollen Äußeren. Offenbar achtete sie sehr darauf, wie sie in der Öffentlichkeit in Erscheinung trat. Sicher verkehrte sie in den besten und teuersten Läden der Stadt. Nach ihrer Antwort zu urteilen tat sie das auch.
    „Das ist ja interessant!“, entgegnete Graecina. „Diese Boutique befindet sich am Augustusforum? Ich schätze, meine Cousinen und ich werden dieser Boutique demnächst einen Besuch abstatten müssen.“ Die Iulia neidete dieser Dame ganz und gar nicht ihr außergewöhnliches Accessoires. Neid vergiftete den Geist der Menschen. Das hatte ihr Sula erzählt. Die Hebräerin hatte ihr noch mehr erzählt. Auch von diesem geheimen Treffen, dem sie vor einigen Tagen beigewohnt hatte. Noch hatte sich Graecina nicht dazu durchringen können, ihre Sympathien, die sie für diese neuen Lehren aus dem Osten empfand, nach außen zu tragen. Sie trug eine Maske, ähnlich wie Polychares, der soeben auf der Bühne erschienen war.


    "Ich sehe Polychares heute zum ersten Mal. Doch was man so hört, muss er ja ein Schauspieler von Weltklasse sein. Man sagt auch, er sei sehr attraktiv. Ein wahrer Schönling!" Wie schade, dass man sein Gesicht nicht sehen konnte.


    Die Dame stellte sich als Matinia Marcella vor. Ein Name, den sie sich merken wollte. Zwar weilte sie schon mehrere Monate in Rom, doch kannte sie außer ihrer Familie niemand in dieser Stadt.
    „Ich freue mich sehr, dich kennenzulernen. Ich bin Iulia Graecina und dies sind meine beiden lieben Verwandten, Iulius Caesoninus und Iulia Phoebe, die mich heute begleitet haben.“ Sie hatte sich zu ihrem Vetter umgewandt und ihn leicht an seiner Schulter angetippt.

  • Das Stück begann und damit auch die eigentliche Qual. Was hatte ihn nur dabei geritten zuzustimmen mitzukommen? Es war zum Mäuse melken. Und dann nicht einmal attraktive Damen auf der Bühne, sondern wie üblich ein reines Männergeschäft. Wenn es wenigstens ein neues Stück gewesen wäre, aber nein, Medea musste gespielt werden. Sowas altes, dass er (wie vermutlich auch der Rest der Zuseher) bereits auswendig kannte.
    Doch gut ok, bei näherem nachdenken waren die meisten Stücke antik. Richtig gute neue Bühnenwerke aus Griechenland gab es praktisch nicht und den neumodernen abstrakten Mist, den die römischen Schreiberlinge so fabrizierten, konnte man sowieso nur unter Pilzeinfluss genießen.
    Caesoninus seufzte tief und ließ seinen Kopf auf seinen Armen gestützt. Lustlos verfolgte er das Stück, dabei etwas vom Geschnatter auf seiner linken Seite gestört. Offenbar hatte Iulia Graecina eine neue Freundin gefunden. Als diese dann seinen Namen erwähnte und ihn antippte, wandte er kurz den Kopf und nickte der Fremden kurz zu. Ganz nettes Mädchen. Dann hieß es sich weiterquälen durch die Darbietung. Rechts von ihm eine Reihe zurück hörte er eine Beschwerde, doch ignorierte er sie. Dass rund um ihm geredet wurde war wohl ein Zeichen dafür, dass nicht nur er sich langweilte. Als er dann auch noch merkte, dass einige seiner liebsten Nebenszenen fehlten wurde es ihm zu bunt und Caesoninus konnte nicht länger an sich halten: „Ach kommt schon! Die können ja nicht das ganze Stück auslassen!

  • Nein, was war Iulia entzückt über die Kunst des Polychares! Es war genauso wie sie es sich vorgestellt hatte. Sie hatte den Atem angehalten, als Medea das erste Mal auf der Bühne erschienen und der Chor zu singen begonnen hatte. Zu welch fließenden Bewegungen dieser Schauspieler in der Lage war, man konnte ja beinahe schon denken, dass man selbst Teil des Stückes war, so sehr fesselte die Pantomine Iulias Aufmerksamkeit.


    Umso unerfreulicher war daher dann, als Caesoninus neben ihr seinem Ärger wieder Luft machte. Das ließ auch Iulia etwas schnippisch werden. „Psst, was machst du nur. Sei leise!
    An ihre dunkelblonde Sitznachbarin zu ihrer rechten gewandt sprach sie mit gesenkter Stimme: „Ich bitte um Vergebung, falls mein Vetter dich gestört haben sollte. Es kommt nicht wieder vor.
    Noch ein drohender Blick mit gesenkten Augenbrauen in Richtung ihres Vetters und dann wandte auch Iulia wieder den Blick hinunter zum Schauspiel, dabei jetzt schon Caesoninus verfluchend, weil sie ein Stück der Darbietung verpasst hatte.

  • Zitat

    Original von Faustus Decimus Serapio


    Zu meinem Erstaunen schenkte er mir das Restgeld. Das waren zwei As! Meine Güte, zwei As! Damit konnte man sich schon etwas leisten. Dominus Serapio war kein Geizhals. Nein, er konnte richtig großzügig sein. So langsam begriff ich auch, was ich tun musste, damit das so blieb. Er musste eigentlich immer nur das Gefühl haben, dass man auf ewig dankbar und leicht unterbelichtet war. Außerdem musste man ihm verdeutlichen, was für ein toller Hecht er doch war. Und schon lief der Hase in die richtige Richtung.
    „Du willst mir die 2 As wirklich überlassen? Danke Dominus! Vielen Dank!“, flötete ich und ließ die Münzen in einem Säckchen unter meiner Kleidung verschwinden. Apropos Kleidung, der Fummel, den ich da angezogen hatte, war ein echter Volltreffer gewesen. Mir hatte der Peplos ja auch von Anfang an gefallen. Und dann der fallende und leicht durchscheinende Stoff, der gerade so vermuten ließ, was sich darunter befand.
    „Ja, wirklich? Gefällt dir meine Kleidung? Ich fand den Peplos auch einfach nur hübsch! Und der Stoff ist so schön weich und hauchdünn.“ Dabei strich ich mit meinen Fingern leicht über den Stoff, der mein Dekolleté zur Hälfe bedeckte. Jedoch begriff ich nicht ganz, was er mit diesem Nymphen-Namen meinte. Dominus Casca hatte sich bis jetzt nicht wegen meines Namens beschwert. Grian war doch ein hübscher Name, der genau zu mir passte. Meine Eltern hatten sich damals schon etwas dabei gedacht, als sie mich so genannt hatten. Außerdem fand ich Daphne oder Phyllis auch nicht gerade besser.
    „Aber Dominus, was hast du gegen meinen Namen? Gefällt dir ‚Grian‘ denn nicht? Das ist ein gallischer Name und bedeutet so viel wie ‚Sonne‘. Meine Eltern haben mich so genannt wegen meinem Haar, weil es so schimmert wie die Sonne.“ Vielleicht konnte ihn ja meine Erklärung umstimmen, denn ich war nicht besonders scharf auf einen neuen Namen. Aber dann dachte ich wieder an meine neugewonnene Erkenntnis… Na ja, wenn es ihn glücklich machte. Also gut! „Aber wenn er dir nicht gefällt, kannst du mich auch Cynthia nennen, Dominus,“ warf ich in einem leicht ernüchterten Ton hinterher.


    Inzwischen hatte sich etwas dort unten auf der Bühne getan. Erst hatte ich einen Paukenschlag gehört, dann begann ein Chor zu singen. Dummerweise verstand ich ungefähr nur die Hälfte von dem Singsang, der da gerade zum Besten gegeben wurde. Was sonst noch geschah, konnte ich gar nicht richtig sehen, da ein dämlicher Sonnenschirm mir fast die ganze Sicht nahm.
    „Dominus, worum geht es eigentlich in dem Stück?“, flüsterte ich leise, um wenigstens halbwegs eine Ahnung zu haben, worum es gerade ging. Doch je länger ich auf den blöden Schirm starren musste, begann mir langsam aber sicher der Kragen zu platzen.
    „Dieser blöde Schirm! Man kann ja gar nichts sehen!“ brauste es aus mir heraus. Dominus Serapio hatte indes das Problem auf einem anderen Weg zu lösen versucht.


  • Verwundet und doch mit ungebrochenem Stolz, so wandte sich die Medea nun an den Chor der korinthischen Frauen. Hochaufgerichtet war die Gestalt, allein und dunkel aufragend auf der Bühne, zugleich lag in den geschmeidig vollführten großen Gesten und ausdrucksstarken Tanzfiguren, welche bis in die obersten Ränge des Theaters zu erkennen und zu lesen waren, ein Ausdruck tiefster Einsamkeit, schwankend zwischen der spröden Erhabenheit, welche die Medea als Königstochter und Götterenkelin über die Frauen von Korinth erhob, und dem Sehnen nach der Gemeinschaft, welche ihr als Fremde in der Polis verschlossen blieb. Stumm tanzte so der Pantomime die Medea, die Worte darstellend, während der Chor diese sang und das Orchester eine düster einprägsame einpeitschende Melodie spielte.
    Nicht nur ihr eigenes Leid nach dem Verrat des Iason beschrieb Medea, sie prangerte das allgemeine traurige Los der Frauen in der Ehe an, namentlich die Unterwerfung unter den Gemahl. Zuletzt beschwor sie erneut ihren Rachdurst.



    Der Chor als MEDEA:
    "Korinthsche Frauen, euch zulieb erschein ich hier,
    Damit ihr nicht mich scheltet. Manche, weiß ich wohl,
    Die draußen leben, ihrer Heimat ferne, sind
    Hochmütgen Wesens; andern bringt Gleichgültigkeit
    Und auch Verkennung ihr bequemer Fuß zuweg.
    Denn Menschenaugen üben nicht Gerechtigkeit,
    Wenn man, bevor des Nächsten Herz man prüft genau,
    Vom bloßen Blick den hasset, der kein Leids getan.
    Anschmiegen müssen Fremde sich der Bürgerschaft.
    Auch nicht den Bürger lob ich, welcher störrgen Sinns
    Den Bürgern unverträglich lebt aus Unverstand.


    Mich hat dies wider Hoffen zugestoßne Leid
    Zum Tod verwundet, Beste: hin bin ich; mir ist
    Des Lebens Reiz verschwunden und der Tod ersehnt.
    Er, der – ach, leider seh ich's ein! – mein alles war,
    Mein Gatte, hat als schlimmster Mann sich mir bewährt.
    Von allem, was auf Erden Seel und Leben hat,
    Die allerärmsten Wesen sind wir Frauen doch.


    Wettstreit des Geldes erstlich muß den Gatten uns
    Erkaufen, dem als Herren unser Leib sodann
    Gehört; und dies ist übler als das Übel selbst!
    Dabei ist großes Wagnis, ob er bieder ist,
    Ob böse: denn unrühmlich ist dem Weibe stets
    Die Scheidung, und verschmähn den Bräutgam darf sie nicht!


    Gekommen dann zu ungewohnter Sitt und Sinn,
    Erraten muß sie, nicht vom Hause her belehrt,
    Wie eben ihres Ehgemahles Wesen sei.
    Wenn nun dies alles glücklich ihr vonstatten geht
    Und ihr Verlobter froh mit ihr im Bunde lebt,
    Dann ist ihr Leben neidenswert – sonst besser tot!


    Der Mann, wenn's ihm, daheim zu sein, verleidet ist,
    Er findet auswärts, was des Herzens Ärger stillt,
    Bei einem Freund, in altersgleicher Männer Kreis;
    Wir aber müssen nach des einen Launen sehn.
    Sie sprechen wohl, wir leben frei von Fährlichkeit
    Im Zimmer, während sie bestehn den Schlachtenkampf –
    Und denken töricht: wollt ich dreimal lieber doch
    In Schlachten stehen, als gebären einmal nur! –


    Doch dein Verhältnis, meinem ist's mitnichten gleich:
    Du hast doch Heimat, hast Verwandte und Vaterhaus,
    Genuß des Lebens, einen Kreis von Freundinnen.
    Ich bin verlassen, ohne Heimat, bin verhöhnt
    Vom Manne, der aus fremdem Land mich weggeraubt,
    Hab weder Mutter weder Bruder weder Freund,
    Um wegzuziehen, fort von diesem Ungemach!


    Drum nur das eine wünsch ich mir von euch gewährt:
    Wenn wo ein Mittel, wenn ein Weg sich mir entdeckt,
    Für dieses Unrecht meinen Mann zu züchtigen
    Und, der die Tochter ihm vermählet, samt der Braut,
    Dann schweigt! In andrem ist das Weib voll zager Furcht,
    Zu feig zu kämpfen und zu trotzen blankem Schwert,
    Doch wo das Recht des Ehebunds gekränket ist,
    Ist in der Welt auch kein Gemüt rachsüchtiger."





    [Blockierte Grafik: https://www.bilder-hochladen.net/files/m625-l-bf25.jpg]

    cp-tribunuscohortispraetori.png decima.png

    SODALIS FACTIO AURATA - FACTIO AURATA

    Klient - Decima Lucilla

  • Um mich herum herrschte lauter Trubel. Die Leute, die immer noch in das Theater hineinströmten versuchten, doch noch einen guten Platz zu finden. Gelegentlich kam es dabei zu Drängeleien oder gereizten Wortwechseln. Ich jedoch schien mich gerade in einem völlig anderen Universum zu bewegen und saß beinahe regungslos da. Ob es wirklich die richtige Wahl gewesen war, heute hierher zu kommen. Medea war beileibe keine leichte Kost. Außerdem glaubte ich immer wieder vereinzelt kleine Parallelen zu meinem Schicksal zu entdecken, wenn ich so über Medea nachdachte.


    Lautes Geschrei und ein sanfter Ruck durch Elenis Hand verursacht, katapultierten mich zurück ins Pompeische Theater. Ich blickte meine Amme fragend an. Doch sie musste nicht antworten. Ich vernahm bereits das streitsüchtige Gekeife einer Frau unweit von meinem Platz, die sich doch tatsächlich getraut hatte, sich mit Creton anzulegen, da er ihrer Meinung nach zu viel Platz benötigte. Da der Skythe von Haus aus eher wortkarg war, antwortete er mit einem lauten und grimmigen „GRRRRRRRR!“. Dabei zeigte er ihr seine Zähne und musste sehr gefährlich und verstörend auf sie wirken. Da ich die Angelegenheit nicht weiter eskalieren lassen wollte und auch das Verhalten meines Sklaven bucht tolerieren konnte, gebot ich meinem Sklaven sofort Einhalt. „Creton! Aus!“ Meine Stimme war kaum lauter als sonst, doch klang sie gebieterisch und kühl. „Rücke ein Stück, dann muss sich die Dame auch nicht mehr beklagen!“, fügte ich noch hinzu, woraufhin der Sklave sofort gehorchte und Eleni sich in meinem Namen bei der Frau entschuldigte.
    Kurz darauf ertönte der erste Paukeschlag und der Chor begann zu singen, begleitet vom Orchester. Ein wahrhafter Genuss für die Ohren. Dann erschien Polychares auf der Bühne, der vielgerühmte Protagonist, dem scheinbar ganz Rom, ins besondere die römische Damenwelt zu Füßen lag. Ich jedoch konzentrierte mich nur auf die Inhalte, die der Chor sang. Jedes Wort sog ich auf, obgleich es mich schmerzte. All die Trauer, die noch immer nicht recht verarbeitet war, schien mich zu überwältigen. Doch ich versuchte stark zu sein. Nein, tapfer wollte ich sein. Mein starrer Blick verfolgte jeden Gesang und jede Bewegung des Tänzers. Eleni einzig konnte ermessen, wie sehr ich litt. Sie hielt meine Hand, wie eine Mutter, die ihr Kind tröstet.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!