Ludi Compitales DCCCLXIX A. U. C.

  • Das Neujahr hielt eine ganz besondere Aufgabe für Carbo bereit, die Ludi Compitales standen an! Die Compitalien waren ein dreitägiges Fest nach den Saturnalien, zu Ehren der Schutzgeister der Wegkreuzungen. Und da der Kult der Lares Compitales in den Aufgabenbereich des Magister Vicis fiel, wurde von diesem natürlich auch dann die Organisation und Austragung der Compitalien in seinem Vicus erwartet. Insbesondere, dass er für Spiele sorgte. Carbo war nur durch Zufall daran erinnert worden, als er Mitte December mit einem Einwohner seines Bezirks gesprochen hatte. Also zum Glück noch rechtzeitig, um alles nötige organisieren zu können.


    Carbo selbst hatte noch nie an den Compitalien in Mogontiacum teilgenommen, doch von 1-2 Besuchen dieses Festes zuhause früher in Noricum wusste er zumindest ungefähr, was er alles tun musste. Er wusste, dass die Familien zuerst bei ihnen zuhause zusammenkommen würden, um gemeinsam zu speisen und zu trinken und in der Nacht vor und nach den Ludi Compitales für jedes freie Familienmitglied je eine Wollpuppe und für jeden Sklaven ein Wollknäuel in die häusliche Kultnische gehängt. Das war der private Teil, der Carbo nichts anging. Er war Kraft seines Amtes jedoch für den öffentlichen Teil zuständig. Bänke und Tische mussten her, um an jeder größeren Wegkreuzung beim dortigen Larenschrein aufgestellt zu werden. Auch Wein, Essen und je zwei Musiker zur musischen Untermalung des Festschmauses an jeder Kreuzung (letzteres eine Idee Carbos) wollten organisiert werden. Und natürlich die Spiele. Gladiatorenspiele waren in Carbos ohnehin schon mehr als knapp bemessenen Budget einfach nicht drinnen, weshalb er umdisponieren musste. Wenn die Leute Spiele wollten, mussten sie eben dafür auf 1-3 Wochen Theater (während seiner Amtszeit gab es ja jede Woche je eine Vorstellung eines immer anderen Stücks) verzichten. So plante er also das Geld, das eigentlich für insgesamt drei Vorführungen im Theater geplant war, herzunehmen, um damit einmal Gladiatorenspiele am zweiten Tag der Compitalien zu finanzieren. Ein Kompromiss, den er schon Tage vor Beginn des Festes überall im Vicus Apollinensis öffentlich nachlesbar anschlagen hatte lassen.


    Die Bänke und Tische waren kein Problem, da hierfür die Curia welche besaß, die jedes Jahr immer aufgestellt wurden. Was das Essen und den Wein anging, so hatte Carbo schon Tage zuvor damit begonnen Vorräte anzukaufen und entsprechende Aufträge an die entsprechenden Betriebe, wie Bäcker, Garküchen und Schlachter, etc. zu verteilen, damit genug Essen für alle da war während dieser drei besonderen Tage.

  • Am ersten Tag des Festes war Carbo schon früh auf den Beinen. Man sah ihn in der ganzen Stadt herumhuschen, stets darauf bedacht zu kontrollieren, ob alles vorhanden war und der Rest seine Richtigkeit hatte. Bisher war alles gut gegangen. Seine Helfer hatten an den Kreuzungen die Bänke aufgestellt, für die Logistik der Nahrungsverteilung auf den öffentlichen Festtafeln war auch gesorgt und die Musiker ebenfalls vollzählig anwesend. Innerlich seufzte Carbo immer noch, was für einen Berg an Geld alleine dieses eine Fest von seinem Budget fressen würde, doch zum Glück waren die Compitalien schon zuvor in seinen Finanzrahmen einkalkuliert gewesen, ehe er das Fest vollkommen vergessen hatte....nunja also zumindest fast ganz einkalkuliert. Denn die aufzuführenden Gladiatorenspiele hatte Carbo ja in seiner Rechnung vergessen gehabt, dafür hatten nun dann gleich drei Theatervorführungen glauben müssen, doch jetzt am Tag des Geschehens war alles nötige geregelt.
    Am Vormittag waren die Tafeln an den Larenschreinen schon gut besucht, die Bewohner Mogontiacums frönten dem Leben und schlemmerten unter Gerufe und Gelache. Begleitet von den beiden Musikern, die an jeder großen Kreuzung standen und ihre Instrumente zupften zur lautmalerischen Unterhaltung der Gäste. Carbo selbst kümmerte sich um die reibungslosen Abläufe des Festes, doch auch so fand er immer wieder die Zeit, um sich zu dem einen, oder anderen Tisch hinzuzusetzen. Er plauderte mit den Einwohnern und guten Bekannten von ihm und natürlich nahmen ihn einige Leute sogar heute in seiner Funktion als Magister Vici in Beschlag, in dem sie ihm ihre Probleme vortrugen. Ein paar konnte Carbo gleich vor Ort abhandeln, die komplizierteren Fälle jedoch ließ er sich von seinem Schreiber Titus notieren, damit er sich später darum kümmern könnte. So verging der erste Tag der Compitalien und es wurde Abend und wieder Tag.


    Dieser bildete den Höhepunkt des Festes, denn heute fanden die Gladiatorenkämpfe statt! Das Volk strömte schon frühmorgens herbei und es herrschte noch ausgelassenere Stimmung, als am Vortag. Endlich einmal wieder Gladiatorenspiele! Doch auch Carbo war höchst nervös und euphorisch, denn als amtierender Magister Vici, der die Compitalien für Mogontiacum austrug, besaß er für die Dauer des Festes das Privileg eine römische Toga anlegen zu dürfen. Er, der kleine Peregrinus aus Noricum dürfte für drei Tage eine Toga tragen! Und noch besser, nicht irgendeine, sondern eine purpurverbrämte Toga praetexta! Das Amtszeichen der höheren römischen Magistrate und einiger Priester. Er freute sich schon ungemein auf dieses Ereignis, doch hatte Carbo eine Entscheidung getroffen. Er wollte, dass das ein ganz besonderer Augenblick für ihn bleiben würde, weshalb er die Toga praetexta nur heute am zweiten Tag, während der Spiele, tragen wollte. Als die Ränge zum größten Teil gefüllt waren und auch Carbo in seiner staatstragenden Aufmachung auf dem ihm zugedachten Platz war, eröffnete er die Spiele und das erste Paar Gladiatoren trat in die Arena. Ein Murmillo gegen einen Retiarius. Der Kampf dauerte seine Zeit, denn der Retiarius war geschickt. Er nutzte seine höhere Bewegungsfreiheit aus, um den mehr gepanzerten Murmillo ständig zu umtänzeln und mit dem Dreizack wo es nur ging diesem Stöße zu versetzen, gleichzeitig dabei stets jedoch darauf bedacht selbst außer Reichweite seines Gladius zu bleiben. Meist konnte der Murmillo die Dreizackangriffe mit seinem Scutum abwehren, doch wurde er schon bald davon müde und seine Deckung begann löchrig zu werden, ein Umstand, der ihm auf Dauer den Sieg kostete und der Retiarius gewann.
    Carbo jubelte ihm genau wie alle anderen zu, natürlich hatte auch er auf den Dreizackkämpfer gesetzt. Nach dem ersten Gladiatorenpaar folgte ein Thraker gegen einen Secutor, eine spannende Mischung, da beide besser ausgerüstet waren (in etwa auf dem gleichen Level) als die anderen Kontrahenten zuvor. Diesen Kampf gewann der Secutor und so ging es immer weiter, bis sich irgendwann auch Tag 2 der Compitalien seinem Ende näherte und nach einem nochmaligen ausgedehnten Mahl an den Kreuzungen sich die Leute gesättigt und glücklich nachhause begaben, um Kraft für den dritten und letzten Tag anzusparen.


    Der letzte Festtag gestaltete sich ähnlich wie der erste und so fanden die Compitalien schließlich ihr Ende. Carbo ging am letzten Abend grinsend nachhause mit einem bisher nur selten empfundenen Hochgefühl. Diese Aufgabe hatte er gemeistert.

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