'Metamorphosen' – Werkschau im Atelier des Dolios

  • An der Via Flaminia nahe des Porticus divorum liegt die Bildhauerwerkstatt des Dolios und seiner Schüler. Der Meister ist berühmt für die Lebendigkeit seiner Werke. Insbesondere die 'Minerva, den Speer niederlegend', die er als junger Mann erschaffen hat (und die später auf mysteriöse Weise von ihrem Platz auf dem Forum pacis verschwand), wurde als genial gerühmt.
    Mittlerweile steht der betagte Meister einer großen Werkstatt vor, wo er - mit Hilfe einer Vielzahl von Schülern - Statuen aus Stein und Bronze für die römische Oberschicht erschafft. Einen 'echten Dolios' zu besitzen, gilt als Zeugnis von Kunstsinn. Auch wenn manch einer behauptet, Dolios plagiiere sich mittlerweile nur noch selbst, oder überlasse den Schöpfungsprozess sogar ganz seinen Schülern - die neue Werkschau des Meisters wird mit Spannung erwartet. Sie trägt den Namen 'Metamorphosen' und beginnt genau am Tag nach den Ambarvalia, zur Stunde nach der Siesta. Der Eintritt ist frei. Durch einen Torbogen treten die Besucher in den Innenhof, um den die Räume des Ateliers gruppiert sind...

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    SODALIS FACTIO AURATA - FACTIO AURATA

    Klient - Decima Lucilla

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    Neben dem Torbogen wartete ich, optisch auf Hochglanz, mit meinen Begleitern auf meine Verabredung für den heutigen Nachmittag. Nachdem mir meine Großtante ja nun schon eine Reihe von Treffen mit vielversprechenden Kandidatinnen aus gutem Hause (plus ihren Anstandsdamen, versteht sich) organisiert hatte, war mir dabei auch längst nicht mehr so mulmig wie anfangs. Ich hatte einen Parkspaziergang mit einer jungen Ritterstochter gemacht, die geplaudert hatte wie ein Wasserfall, ich hatte eine Flussfahrt in einer Vergnügungsbarke mit zwei rundlichen Schwestern aus senatorischem Hause gemacht, die beide sehr genaue Zukunftsvorstellungen hatten, ich hatte mich angeschwiegen beim Theaterbesuch mit einer eleganten aber nicht sehr gesprächigen guten Partie aus verarmtem Patrizierstand, ich hatte die neuen Pferde der Aurata besichtigt mit einem etwas lispelnden Nobilitas-Töchterchen, das ganz nett gewesen war, mir aber dann gestanden hatte, dass sie 'niemalsnie!' heiraten wolle.
    Nun ja. All diese Kandidatinnen hatten eben das Manko, dass sie nicht Valentina waren. Großtante Drusillas 'mein lieber Faustus' klang schon ein wenig ungehalten in ihrem letzten Brief.
    Also auf ein neues. Ich kam ja nicht drumherum. Zumindest freute ich mich auf die Werkschau des renommierten Dolios, und es gab einen entscheidenden Vorteil gegenüber einer Verabredung im Theater – ich könnte jederzeit den Rückzug antreten.
    “Wer ist heute nochmal dran?“ erkundigte ich mich wenig enthusiastisch bei meinem Libertus Icarion. Er glättete einmal mehr sorgsam die Falten meiner neuen Toga, welche in einem todschicken blaugrün changierenden Diamantgratmuster gehalten war, und erinnerte mich freundlich:
    “Die Dame Iulia Graecina aus ritterlichem Hause“
    Ach ja, die hatte ich schon mal... 'kennengelernt' ist zu viel gesagt, 'aufgefangen' wohl eher. Das Mädchen, das kein Blut sehen konnte, ich erinnerte mich.

  • Mercatus Urbis>>>

    Valeria Maximilla war das größte Stück des Weges zum Atelier des Dolios zu Fuß gegangen, um ihrem Hund Bewegung zu verschaffen, doch unterwegs fiel ihr ein, dass eine Kunstaustellung kaum der geeignete Platz für ein großes Tier war. Maximilla dachte nicht immer vorher nach .


    Sie schickte zwei ihrer vier Sklaven mit Wölfchen spazieren und nahm zwei von ihnen mit sich. Einer war ein blonder Jugendlicher namens Remigius, der Ältere wurde Antipatros gerufen.


    An der Bildhauerwerkstatt warteten schon viele Menschen. Valeria Maximilla hielt Ausschau nach enem bekannten Gesicht , vielleicht eine der Iulias, Stella oder Phoebe. Vielleicht würde sogar Tiberius noch aufkreuzen, so fern er sich von seinem Tagewerk loseisen konnte.


    Auch Bildhauerei gehörte zu den Dingen, über die eine junge Dame Bescheid wissen sollte.
    Wieder einmal fühlte sich Valeria Maximilla aus der Civitas Aquensis in der Provinz Obergermanien wie eine Banause.


    Als sie allerdings das erste Kunstwerk sah, vergaß sie sämtliche Vorbehalte. Es war eine Replika der berühmten 'Minerva, den Speer niederlegend'. Die Statue war einfach wunderschön. Man konnte glauben, die Göttin würde tatsächlich atmen und sich niederbeugen.


    Valeria Maximilla blieb wie angewurzelt stehen und staunte.


    Antipatros nahm fürsorglich ihren Arm:„Domina, wir stehen etwas im Weg.“, sagte er vorsichtig.
    „Du hast Recht, ich fürchte das tu ich.“, antwortete Valeria Maximilla und ließ sich von dem Sklaven behutsam zur Seite ziehen.


    Neben dem Torbogen stand ein junger Mann. Die Valeria hätte ihn mit seinem dunklen Haaren und blauen Augen beinahe auch für eine sorgfältig bemalte Statue gehalten.
    Doch dann sah sie, wie ein Jüngling dem Wartenden die Toga richtete. Prächtiger Stoff, befand Maximilla, blaugrünes Grätmuster war bestimmt ziemlich schwierig zu weben.

  • Herzklopfen war Graecinas Begleiter, als sie sich zur Werkschau im Atelier des Dolios begab. Sie trug heute ihre beste Tunika aus blauer Seide, in die feine Goldfäden gesponnen waren und ein wenig an Lapis Lazuli erinnerte. Das Haar war züchtig nach oben gesteckt und ihr Gesicht war dezent geschminkt. Der Goldschmuck ihrer Mutter rundete ihre Erscheinung ab.


    Selbstredend war sie nicht alleine gekommen, schließlich traf sie heute ihren potentiellen Ehemann. Damit ihre Sicherheit gewahrt wurde, hatte sie einen der iulischen Custodes mitgenommen, der ihr auf Schritt und Tritt folgte und ihr bei Gefahr beistehen sollte.
    Doch noch wichtiger war ihr Sulamiths Anwesenheit. Ihre Sklavin, die sich glücklicherweise wieder etwas erholt hatte, begleitete sie und hielt die ganze Zeit ihre Hand. Sie sollte als Anstandsdame fungieren. Ein gewisser Decimus hatte sie hierher eingeladen. Sie selbst hatte diese Einladung nicht zu Gesicht bekommen. Ebenso wenig, die Korrespondenz, die diesem Treffen vorausgegangen war. Aber so war es nun einmal Sitte. Umso mehr war sie nun gespannt darauf, wer dieser mögliche Hochzeitskandidat war und vor allen Dingen, wie er aussah. „Oh Sula, lass es keinen Tattergreis sein!“, hatte sie immer wieder der Hebräerin auf dem Weg zu dem Atelier zugeflüstert.


    Zumindest hatte er wohl Sinn für Kunst, gestand sie sich immer wieder ein. Hätte er sie sonst in das Atelier eingeladen? Dies hatte eine beruhigende Wirkung. Wenigstens hatte sie dann ein Gesprächsthema, über das sie sich unterhalten konnte. Doch falls der Heiratskandidat gar zu garstig war, konnte sie immer noch das stille Mauerblümchen geben, das kein Wort sprach.


    Zusammen mit ihren Begleitern betrat sie schließlich das Atelier des Künstlers. Wie sie feststellen konnte, war sie nicht die Einzige. Da war eine andere junge Dame, die nur ein oder zwar Jahre jünger war, als sie selbst. Außerdem erkannte sie, nachdem sie sich weiter umgeschaut hatte, ihren Retter wieder, der sie vor einiger Zeit im Theater zur Hilfe gekommen war. Er hatte sie aufgefangen, nachdem sie aufgrund der blutrünstigen Medea-Aufführung das Bewusstsein verloren hatte. In seinen Armen war sie wieder zu sich gekommen. Seine Augen waren es, in die sie als erstes geblickt hatte.
    „Ja, einer wie er müsste es sein!“, hauchte sie leise mit etwas Wehmut zu Sulamith. „Aber komm, lass uns ihm wenigstens guten Tag sagen, bevor der Decimus eintrifft.“ Zu schade, dass sie sich damals nicht nach dem Namen ihres Retters erkundigt hatte.


    Sie machte ein paar Schritte auf ihn und seinen Begleiter zu. „Salve! Wie schön, dass wir uns hier treffen!“

  • Schon einmal hatte ich Donima Graecina als Custos gedient, obwohl dies im Hause des Iuliers gar nicht meine Aufgabe war. Unglücklicherweise hatte man dort noch nicht meine Fähigkeiten erkannt und mich stattdessen für Arbeiten eingesetzt, die kein anderer machen wollte. Die junge Iulia aber hatte dies schon erkannt, als sie mich wieder zu sich rufen ließ und mir mitteilte, ich solle für ihre Sicherheit sorgen, wenn sie zu dieser Werkschau ging. Was immer das auch sein mochte. Sie sollte dort ihren Zukünftigen treffen, von dem sie, mal abgesehen von seinem Namen, kaum etwas wusste.


    Ihre Sklavin Sulamith, bei deren Rettung ich auch dabei gewesen war, begleitete sie. Nach allem, was in jener Nacht vorgefallen war, hatte sie sich scheinbar wieder erholt. Das arme Ding! Sie war völlig von der Rolle gewesen. Ob man eine Vergewaltigung jemals ganz vergessen konnte? Ich war mir da nicht so sicher. Ob Iduna jemals vergessen konnte, was ich ihr (unter Zwang) angetan hatte? Zumindest gab sie sich mir immer willig hin und sie schien auch Freude daran zu haben. Ob sie mich sogar liebte? Was für Fragen mir schon wieder durch den Kopf gingen! Es war besser, sich jetzt auf die Sache zu konzentrieren!


    Wie ein Schatten folgte ich Domina Graecina, die den Weg zu diesem Atelier kannte. Dabei sondierte ich natürlich auch, was links und rechts von ihrem Weg passierte. Nicht dass ein betrunkener Irrer oder sonst ein Tagedieb die junge Frau oder ihre Sklavin belästigte. An einem Torbogen dann blieb sie stehen und tuschelte etwas mit der Hebräerin. Dann ging sie auf diesen Mann zu, der dort mit einem Begleiter, wahrscheinlich sein Sklave, zu warten schien und begrüßte ihn. Er schien um einiges älter zu sein, als sie. Aber anscheinend kannte sie ihn. Sein Begleiter war um einiges jünger an Jahren und wirkte beinahe noch knabenhaft. Da fiel mir ein, dass sich manche Römer hübsche junge Männer als Sklaven hielten, um sich mit ihnen zu vergnügen. Eine widerliche Vorstellung! Zum Glück war mir bisher so etwas erspart geblieben!

  • Casa Furia Ein freier Nachmittag >>>>



    Tiberios war in seinem heimatlichen Alexandreia ein wenig zur Verachtung gegenüber der römischen Dichtung erzogen worden; sie wäre nicht originell und tatsächlich gäbe es nichts, was nicht Hellenen zuvor schon besser, schöner und weiser ausgedrückt hätten.


    Aber der junge Alexandriner hatte schon als scriba personalis seines ehemaligen Herren Latein gelernt und seitdem er nach Roma verkauft worden war, noch verbessert, und er schätzte durchaus auch römische Autoren. Die Metamorphosen von Ovidius gehörten zu seiner Lieblingslektüre, und daher war er gespannt, als er erfuhr, dass der beühmte Bildhauer Dolios das Thema künstlerisch umgesetzt hatte. Außerdem war der Eintritt frei, was Tiberios, der mit seinem peculium immer knapp haushaltete ( Was daran lag, dass er sich gerne gut kleidete und Bücher kaufte) entgegen kam.


    Auch diesmal hatte sich der junge Sklave nach griechischer Mode gekleidet.
    Über seiner hellen Tunika und der Bronzetafel an einer Kette, die ihn als Sklaven kennzeichnete, aber auch auf Botengängen durch den Namen seines dominus schützte, trug er eine braune Chlamys, einen kurzen Mantel, der über der rechten Schulter mit einer Bronzespange befestigt wurde.
    Die Chlamys war schon etwas zu warm für die römischen Temperaturen, doch Tiberios meinte, er sähe damit würdevoller und älter aus. Manchmal hielten ihn Leute nämlich für einen Lustknaben, aber er war der Bibliothekar der Casa Furia und stolz darauf.


    Als der furische Sklave endlich die Werkstätte des berühmten Dolios erreichte, erkannte er am Eingang domina Iulia Graecina und ihre beiden Sklaven Angus und Sulamith.


    Tiberios war schlau genug, mit keinem Wimpernschlag zu verstehen zu geben, dass er diese Leute schon einmal gesehen hatte. Diese ganze längst vergangene Nacht in der Spelunke und das üble Geschick der jungen Sulamith war voller fast irrealer Schrecken gewesen, und es war wohl besser, die Erinnerung daran, tief im Gedächtnis zu vergraben.
    Als Unfreier stand es ihm ohnehin nicht zu, domina Iulia Graecina zuerst anzusprechen.
    Zu gerne aber hätte er sich nach Sulamith erkundigt, unauffällig folgte ihr sein Blick, sie sah besser aus als damals, als sich ihre Wege trennten, doch sie schien ihm sehr schmal und bleich.


    Beim Anblick von Angus fasste sich Tiberios unwillkürlich an die Nase, obwohl der Schlag des iulischen custos keinen bleibenden Schaden hinterlassen hatte.


    Er ging an der Iulia, die einen Bekannten getroffen und ins Gespräch vertieft war, und ihrem Gefolge vorbei und betrat den Innenhof.


    Die erste Statue, die der furische Sklave betrachtete, zeigte die Verwandlung von Kainis in Kaineus. Seine Mutter war nach dieser Kainis benannt, daher gehörte diese Metamorphose zu Tiberios‘ Lieblingsgeschichten.


    „Nec Caenis in ullos
    denupsit thalamos secretaque litora carpens
    aequorei vim passa dei est (ita fama ferebat)..
    ...,“, begann Tiberios leise zu rezitieren und wiederholte für sich die Stelle aus Ovids Metamorphosen:


    " Zu keiner Verbindung
    Mochte sich Kainis verstehn, und wandelnd am einsamen Strande
    Litt sie Gewalt von dem Gotte der Flut: so ging das Gerede.
    Wie als erster die Lust des Umarmens Neptunus genossen,
    Sprach er: "Es sei dein Wunsch vor jeglicher Weigerung sicher:
    Wähle denn, was du begehrst!" So wusste dasselbe Gerede.
    Kainis versetzt: "Mich lässt das Erlittene Großes begehren,
    Dass ich für immer bewahrt davor. Gib, dass ich kein Weib sei:
    Alles gewährst du mir dann." Und siehe, mit tieferem Tone
    Sprach sie den Schluss, und es könnt' als männliche gelten die Stimme,
    So wie sie war; denn gewährt schon hatte der Herrscher des tiefen
    Meeres den Wunsch und verliehen dazu, dass nimmer ein Angriff
    Konnte verwunden den Mann, noch je ihn fällen ein Eisen.
    Froh des Geschenks geht weg der atrakische Kämpfer und widmet
    Männlichen Werken die Zeit und durchirrt die peneischen Fluren."
    *


    Kainis war als junges schönes Mädchen, die Arme flehend erhoben, abgebildet, während Poseidon oder Neptun der Vergewaltigten schon den Wunsch erfüllte, zu einem Manne zu werden, so dass sie von der Hüfte abwärts bereits wie ein Jüngling erschien. Der Hautton des Mädchens war ein lichtes Weiß, durch das Rosé schimmerte, der des Jünglings ein goldener Bronzeton.


    Das Bild war hinreißend, und Tiberios betrachtete es lange.





    Sim-Off:

    *Ovid, Metamorphosen 12. Buch Kaineus Übersetzung: Gottwein

  • Bevor die beiden Frauen losgegangen waren, hatte Sulamith ihrer Freundin noch einmal zuversichtlich zugelächelt. Sie hatte gespürt, wie aufgewühlt Graecina war. Auch ihre Anspannung war nicht von der Hand zu weisen. „Du siehst wunderschön aus!“, hatte sie ihr gesagt, als sie die Domus verließen.

    Angus begleitete sie zu ihrer Sicherheit. Seit jener Nacht hatte sie kaum ein Wort mit ihm gewechselt. Überhaupt hatte sie wenig gesprochen. Sie fühlte sich in der Gegenwart von Männern befangen und scheute sich daher, mit ihnen zu sprechen. Lediglich das Allernötigste sagte sie, wenn sie etwas gefragt wurde oder wenn es die Höflichkeit gebot.


    Ihr Ziel war das Atelier eines Künstlers, der dort seine Werke ausstellte. Wie sie gehört hatte, war Delios Bildhauer. Offenbar war er sogar ein ganz Großer seines Faches. Zumindest behaupteten dies die Kunstkenner, zu denen die Hebräerin definitiv nicht gehörte. Ihrem Glauben nach war es eine Sünde, wenn der Mensch sich ein Abbild Gottes schuf. Ebenso galt dies auch für Bildnisse von sich selbst schuf, denn letztlich war der Mensch ein Teil der Schöpfung HaShems. Aus diesem Grund wollte sie sich ganz auf ihre Rolle als Anstandsdame konzentrieren. Auch sie war sehr darauf gespannt, wenn die Iulia dort treffen würde. Und ja, sie hoffte für Graecina, dass es sich nicht um einen Tattergreis handelte.


    Wie es schien, hatte sich schon eine größere Menge von Besuchern eingefunden. Wie es der Zufall wollte, hatte ihre Freundin auch gleich einen Bekannten getroffen, zu dem sich auch sofort gesellte. Natürlich begleitete die Hebräerin sie. Doch vielleicht war es besser, sie daran zu erinnern, dass sie aus einem anderen Grund hier war. „Domina, darf ich dich an deine Verabredung erinnern?“, raunte sie ihr zu. Nur in der Öffentlichkeit nannte sie Graecina Domina. Für manche Menschen wirkte es befremdlich, wenn sich zwischen einer Domina und ihrer Sklavin eine zu freundschaftliche Bindung entwickelte.

  • Zitat

    Original von Tiberios....



    Neulich habe ich gehört, dass an der Via Flamia eine große Ausstellung des berühmten Meisters Dolios in seiner Bildhauerwerkstatt stattfinden sollte, die man besichtigen konnte. Es musste eine Ausstellung seiner Werke unter den Namen "Metamorphosen' von Ovidius sein, die eigentlich nicht zu meiner Lieblingslektüre gehörten. Aber etwas Abwechslung tut immer gut.


    Nach einer kleinen Überlegung entschied ich mich, die "Vernissage" anzusehen.


    Schlicht, aber elegant angezogen erreichte ich bald mit meiner bemalten Sklavin Tuska, die keinen Schritt von mir wich und selbst, wie ein Kunstobjekt aussah, die Werkstatt. Wir gingen durch den Torbogen in den Innenhof, wo schon zahlreiche Besucher die Werke bewunderten. Ich sah mich um, entdeckte aber keine bekannten Gesichter. Langsam betrachtete ich die Kunstwerke. Neben einer Statue stand ein junger Mann und rezitierte leise vor sich hin, vermutlich, ein Gedicht, was ich aber nicht hören konnte, aber den Mann erkannte,


    "Tiberios, du bist es wirklich! Salve! Freut mich, dich wieder zu sehen. Begleitest du deine Herrin Stella? Würde sie gerne begrüßen!"

  • Tiberios verbeugte sich kurz und freute sich, da domina Duccia Clara so freundlich zu ihm sprach, aber als sie nach domina Furia Stella fragte, musste er sie leider enttäuschen.


    Salve, domina Duccia Clara. Nein, ich begleite meine Domina heute nicht.“, antwortete er, ohne einen Grund zu nennen. Domina Duccia Clara würde bestimmt verstehen, dass ihm seine Herrin keine Rechenschaft über ihre Pläne ablegte, schließlich war er nur ein Sklave:
    „Aber domina Stella hat sich sehr über deinen Gruß gefreut den du mir aufgetragen hattest, und sie freut sich schon sehr, bald längere Zeit mit dir zu verbringen, domina.“


    Er warf einen respektvollen Blick auf die Kriegerin Tusca:
    „ Domina Stella hat mir erklärt, was eine Piktin ist.“, sagte er nachdenklich. Das blaue Muster war wirklich außergewöhnlich.


    Dann fügte er an: „Wenn du einen Wunsch hast, bitte lass es mich wissen. Domina Stella ist bestimmt zufrieden, wenn ich dir zu Diensten bin.“
    Er verbeugte sich wieder.
    Er hatte gerade erst " Kainis verwandelt sich in Kaineus" bewundert, doch es gab ja noch mehr Exponate.

  • Zitat

    Original von Valeria Maximilla


    Schicksalsergeben wartete ich, und betrachtete derweil die Besucher. Ein junges braungelocktes Mädchen stand vor der Minerva, so überwältigt, dass ihr Begleiter sie am Arm aus dem Menschenstrom geleiten musste. Durch die vielen Menschen sah ich das Kunstwerk selbst nur teilweise, ich würde es mir später gerne genauer betrachten. Aber ich war ja nicht zum Spaß hier. Ich bemerkte, dass das Mädchen mich genauer ins Auge gefasst hatte, und unwillkürlich straffte ich mich, wie ein Ala-Pferd wenn von ferne das Horn bläst – war sie etwa meine Verabredung? Reflexartig setzte ich ein charmantes Lächeln auf, und meine Hand griff schon nach dem Blumenstrauß, den der geschmackssichere Icarion vorbereitet hatte, doch einen Wimpernschlag später erinnerte ich mich, dass die Iulia, die ich erwartete, den Göttern sei Dank, doch schon ein klein wenig erwachsener war.


    Zitat

    Original von Iulia Graecina, Angus und Sulamith


    Und da trat sie auch schon auf mich zu, mit ihrem Gefolge, und begrüßte mich, wobei sie ehrlich erfreut wirkte. Auch sehr jung und sehr zart, dabei von dezenter Eleganz. Also ließ ich auf ein neues ein glutvolles hispanisches Lächeln erstrahlen.
    “Salve Iulia Graecina! Die Freude ist ganz auf meiner Seite. Wie geht es dir und deiner werten Gens? Erlaube mir...“
    Und schon hatte mein Libertus mir den Strauß angereicht und ich wiederum überreichte diesen artig der Iulia. Es war eine kleine Komposition von violett getupften interessanten Bergorchideen und elfenbeinfarbenen Duftrosen, verziert mit filigranen Silberornamenten, so wie es dieses Jahr (laut Icarion) der letzte Schrei war.
    “...obgleich sie, ähem, freilich vor deinem Liebreiz nur verblassen können.“ schloß ich, nun doch recht nervös.
    Den blonden Hühnen, der ihr da wachsam auf den Fuß folgte, maß ich mit einem musternden Blick – so ein Prachtstück, so einen würde ich nicht von der Bettkante schubsen. Mein Custos, der dunkle Natakamani, war in meinem Rücken fast mit der Mauer verschmolzen. Auch der niedlichen kleine Sklavin an Iulias Seite (an soviel erinnerte mich mich noch, aus meinem pflichtbewußten Studium der Ars Amatoria: man muß sich immer die Zofe gewogen machen, dann klappt es auch mit der Herrin), die Iulia gerade etwas zuraunte, schenkte ich einen freundlichen Blick. Ja, ich war bereit mich ins Gefecht zu stürzen.

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    SODALIS FACTIO AURATA - FACTIO AURATA

    Klient - Decima Lucilla

  • Zitat

    Original von Faustus Decimus Serapio


    Schicksalsergeben wartete ich, und betrachtete derweil die Besucher. Ein junges braungelocktes Mädchen stand vor der Minerva, so überwältigt, dass ihr Begleiter sie am Arm aus dem Menschenstrom geleiten musste. Durch die vielen Menschen sah ich das Kunstwerk selbst nur teilweise, ich würde es mir später gerne genauer betrachten. Aber ich war ja nicht zum Spaß hier. Ich bemerkte, dass das Mädchen mich genauer ins Auge gefasst hatte, und unwillkürlich straffte ich mich, wie ein Ala-Pferd wenn von ferne das Horn bläst – war sie etwa meine Verabredung? Reflexartig setzte ich ein charmantes Lächeln auf, und meine Hand griff schon nach dem Blumenstrauß, den der geschmackssichere Icarion vorbereitet hatte, doch einen Wimpernschlag später erinnerte ich mich, dass die Iulia, die ich erwartete, den Göttern sei Dank, doch schon ein klein wenig erwachsener war.


    Der Mann in der blaugrün schillernden Toga gefiel Valeria Maximilla gut.
    Er schien nämlich kein Schnösel zu sein.
    ( Schnösel bedeutete für die Valeria verweichlicht, wehleidig und übermäßig eitel. )
    Trotz der prunkvollen Kleidung hatte der Fremde jedoch eine soldatische Haltung und wies zudem noch das passende Heiratsalter auf.


    Obwohl der Gutaussehende gerade in ihre Richtung lächelte und sogar einen Blumenstrauß in der Hand hielt, erlaubten es die römischen Sitten nicht, ihn einfach anzusprechen.
    Valeria Maximillas Herz klopfte schneller.
    Sie bedauerte es, Wölfchen mit zwei Sklaven zum Spazierengehen geschickt zu haben. Über den großen Wolfshund kam sie mit den meisten Leuten ins Gespräch.


    Aber da sah sie auch schon, dass eine junge Dame in Begleitung ihres Leibwächters und einer jungen Sklavin auf den Mann zuschritt. Die Dame trug ein blaues Seidengewand und war, da kannte die Valeria keinen Neid, eine Schönheit.
    Maximilla seufzte. Den Götter sei Dank hatte sie den Fehler nicht gemacht, den Fremden einfach anzuquatschen.
    Dennoch, erst vierzehn Jahre alt zu sein und dazu klein von Gestalt, das war manchmal schon blöd.


    Aber Valeria Maximilla ließ den Kopf nicht hängen:
    "Kommt, Jungs!", sagte sie zu Remigius und Antpatros:
    "Schauen wir uns noch mehr Kunstwerke an!"


    Der attraktive Mann, der sich nun angeregt mit der jungen Dame unterhielt, war schließlich nicht der einzige Römer in Rom.

  • Zitat

    Original von Tiberios....


    "Danke, Tiberios, ich brauche nichts ... Schade nur, dass Domina Stella nicht gekommen ist, nun, wie du sagst, wir werden bald eine schöne Zeit zusammen am Meer verbringen",


    So wie es aussah, war er Stellas Vertrauter, wenn sie ihm über unsere Reise erzählte. Nun, das ist kein Wunder, Tiberios hatte einen sehr netten Eindruck auf mich gemacht. Ein höflicher und zuvorkommender junger Mann und niemand wäre auf den Gedanken gekommen, er sei ein Sklave...


    Tusca hat wohl den anerkennenden Blick den Griechen wahrgenommen, zeigte aber keine Regung, denn sie verstand unsere Sprache nicht und blieb, wie eine Statue neben mir stehen.


    "Diese Statue ist wirklich sehr beeindruckend, ich kenne auch die Geschichte dazu ... ", wollte mich aber nicht weiter dazu äußern, "Möchte nun wissen, ob es hier auch eine Darstellung von neun pierischen Musen gibt, die zur Strafe für ihr anmaßendes Verhalten in Elstern verwandelt wurden?"


    Elstern waren meine Lieblingsvogel, aber das behielt ich für mich, nur lächelte sanft.

  • Tiberios lächelte ebenfalls und zitierte den Vers mit den Elstern, wobei man dem jungen Griechen ansah, dass er einfach große Freude an Klang und Schönheit von Worten hatte:
    ...ales erat. numeroque novem sua fata querentes
    institerant ramis imitantes omnia picae...

    Vögel waren es, neun an der Zahl, die, klagend ihr Schicksal,
    Auf das Gezweig sich hatten gesetzt, nachsprechende Elstern….
    " *


    "Domina Duccia Clara, gerne frage ich nach, ob und an welchem Standort Meister Dolios die Pieriden verewigt hat....", fügte er an.


    Insgeheim war er froh, dass die römische Herrin nach der Verwandlung der neun pierischen Musen und nicht etwa nach der Kentauromachie aus dem zwölften Buch fragte, denn erstere war auf jeden Fall eine weit weniger blutrünstige Geschichte und wesentlich geeigneter für die Augen und Ohren einer edlen Dame.


    Tiberios hielt Ausschau nach einem Bediensteten oder Schüler des Bildhauers.
    Dann sah er einen jungen Sklaven in einer kurzen Tunika, der wohl ins Haus gehörte, denn einige Besucher befragten ihn und er wies dort oder da hin.
    Er eilte los und kam zurück, mit der Auskunft, dass es tatsächlich weiter hinten im am Innenhof angrenzenden hortus eine solche Skulpturengruppe gäbe.




    Sim-Off:

    * nach Gottwein , Ovid, Fünftes Buch

  • Ihren Retter musste der Himmel geschickt haben. Diese Augen und dieses Lächeln konnten nur göttlicher Natur sein. Das zumindest glaubte Graecina das, als sie freudestrahlend auf ihn zuging. Denn auf diese Weise war sie wenigstens für eine Weile abgelenkt, bis jener Decimus hier auftauchte, mit dem sie sich eigentlich treffen sollte.
    Scheinbar war die Freude auch ganz auf seiner Seite, denn er begrüßte sie sehr herzlich, sogar mit Namen. Wie dumm dass sie seinen nicht kannte! Sula, die gute Seele, erinnerte sie sofort aus reinem Pflichtbewusstsein an ihr Treffen. Sie seufzte leise, denn eigentlich wollte sie ihrem Gegenüber schon wieder Lebewohl sagen, als dieser, scheinbar aus dem Nichts, einen wunderschönen Blumenstrauß hervorzauberte. Graecina war völlig überrascht, denn sie hatte bisher noch nicht viele Männer getroffen, die dazu spontan fähig waren. Glücklicherweise verfügte sie über eine rasche Auffassungsgabe und sie zählte eins und eins zusammen.
    „Ohh, sind die aber wunderschön!“ Die herrlichen bunten Orchideen und die wohlduftenden Rosen waren eine wahre Pracht Die Iulia nahm die Blumen entgegen und konnte sich kaum daran sattsehen. „Oh, du schmeichelst mir aber hab vielen Dank… äh Decimus…“ Wie lautete doch noch gleich sein Cognomen? Ach richtig „Serapio“. Sie sprach seinen Namen voller Wonne aus, denn sie hatte soeben begriffen, dass sie den Hauptgewinn gezogen hatte. Der Decimus war kein alter Tattergreis, wie Onkel Antipater! Na schön, er mochte vielleicht gut zwanzig Jahre älter sein, als sie selbst. Aber dafür sah er noch richtig knackig aus und bestimmt hatte er auch noch keinen Mundgeruch. Denn seinem Lächeln zu urteilen, waren seine Zähne noch gut intakt.


    Sie reichte den Blumenstrauß an Sula weiter, nicht nur damit sie sich auch noch daran erfreuen konnte, sondern dass sie wieder ihre Hände frei hatte. „Oh, der Familie geht es gut. Danke der Nachfrage. Mein Vetter Iulius Caesoninus wird in Kürze nach Germania reisen, um dort sein Tribunat abzuleisten.“ Und statt seiner war kürzlich Onkel Antipater auf den Plan getreten, der ihn in dieser Zeit vertreten sollte. Das bedeutete, ein ganzes Jahr würde er hier in Rom weilen, wenn ihn nicht vorher der Schlag traf.
    „Ich freue mich wirklich sehr, dass wir uns ausgerechnet hier treffen, denn ich liebe die Bildhauerei. Wenn ich mich nicht irre, befindet sich sogar eines von Dolios Werken in der Domus Iulia.“ Gewiss hatte ihr Vetter die Statue eines tanzenden Fauns aus der Werkstatt des Dolios nicht angeschafft, denn bisher hatte sie ihn eher als Kunstbanausen wahrgenommen.

  • Die Hebräerin staunte nicht schlecht, als Graecinas Bekannter plötzlich einen Blumenstrauß in der Hand hielt und diesen der Iulia überreichte. Sollte das etwas der Decimus sein, den sie erwarteten? Hätte er sonst diesen bezaubernden Blumenstrauß parat gehabt? Und hätte er ihrer Freundin dann auch noch solch ein Kompliment gemacht? Nein, nein, Graecina hatte den richtigen Riecher gehabt, als sie auf ihn zugegangen war. Also hatte HaShem ihren Wunsch erfüllt.


    Graecina überreichte ihr die herrlichen Blumen und für einen Moment begannen ihre Augen wieder wie früher zu strahlen. Diese Blumen waren wahrlich der Beweis, dass es Gott gab. Hätte es denn sonst etwas so schönes auf dieser Erde geben können?


    Ihre Freundin hatte zum Glück auch sofort begriffen, dass dies der von ihnen erwartete Decimus war. Um genauer zu sein: Decimus Serapio, dessen Name sie noch kurz vor ihrem Aufbrechen in einer Notiz gelesen hatte. Vielleicht war dies ja der Zukünftige ihrer Freundin und Herrin. Zumindest schenkte er auch ihr einen freundlichen Blick, den sie allerdings aufgrund der letzten Ereignisse erröten ließ und sie sich plötzlich etwas unwohl fühlte. Um ihren Blick abwenden zu können, wandte sie sich zu dem Custos um und überreichte ihm den Blumenstrauß. Außerdem konnte sie so auch ihrer Aufgabe als Anstandsdame besser gerecht werden.

  • Valeria Maximilla sah einen jungen Mann, der genauso aussah wie sie sich einen Griechen vorstellte.
    Er arbeitete bestimmt in dem Atelier des Dolios, denn er erklärte gerade einer Dame etwas und wies ihr die Richtung.
    Die Valeria machte ihm ein Zeichen:
    „Salve, du kannst mir doch bestimmt etwas zu der nächsten Statue erklären.
    Ich habe nichts gegen Nachtvögel.
    Doch warum bitte wird ein Mann in einen Uhu verwandelt?“

  • Zitat

    Original von Tiberios....



    Tiberios war so nett, mir zu helfen, die Elstern zu finden. Er verschwand für einen kurzen Moment, kam dann zurück und erzählte mir, wo diese Skulpturengruppe zu finden ist.


    "Danke Tiberios, dann gehe ich mal los und werde meine Vögel bestauen! Und du möchtest bestimmt auch andere Exponate anschauen ... Dann sehen wir uns später hier irgendwo ..."


    sagte ich mit undefinierbarer Geste, lächelte leicht und eilte in die Richtung, die Tiberios mir gezeigt hatte. Tusca im Schlepptau ...

  • Damit ich nicht ganz wie ein begossener Pudel wirkte, begann ich die Umgebung mit meinen aufmerksamen Blicken zu sondieren, während die Iulierin sich mit diesem Kerl unterhielt. Schließlich machte ich so etwas nicht zum ersten Mal.
    Ach nein, war das da drüben nicht dieser Grieche? Tiberios hieß er. Bei unserer letzten Begegnung hatte ich ihm eine verpasst, weil ich geglaubt hatte, er hätte sich an Domina Graecinas kleinen Hebräerin vergangen. Doch wie sich herausgestellt hatte, war er völlig harmlos. Eigentlich war er nur ein schleimiger Speichellecker, der vor allem und jedem im Staub kroch. Was er hier nur machte? Anscheinend hielt er irgendwelche Volksreden zur Unterhaltung der Gäste. Ob er mich gesehen hatte? Im Augenblick konnte mir das egsl sein, denn ich hatte hier ja einen Job zu erledigen.

    Als ich das Gefühl hatte, beobachtet zu werden, ging mein Blick zurück zur Domina und diesem Fremden. Ich blickte ziemlich argwöhnisch drein, als ich merkte, dass der Bekannte der Iulierin mich von Kopf bis Fuß musterte und scheinbar sehr davon angetan war, was er sah. Mir schwante, dass er auch einer von diesen Römern war, die sich an alles heran machten, was nicht bei drei auf den Bäumen war.


    Endlich ließ sein Blick von mir ab. Als ob es abgesprochen war, reichte ihm plötzlich sein Sklave einen Strauß mit bunten Blumen, den er der Iulia schenkte. Die schien deswegen ganz aus dem Häuschen zu sein, bis der Strauß zu Sulamith wanderte. Die fand die Blumen anscheinend auch nett, doch nach kurzer Zeit hielt sie mir die Blumen entgegen, auf dass ich sie nehmen sollte.
    Letztendlich sah ich dann doch wie der größte Depp aus, mit dem Blumenstrauß in meinen Händen.

  • Zitat

    Original von Duccia Clara
    ...


    Tiberios freute sich, dass er domina Duccia Clara, der guten Freundin von domina Furia Stella, die gewünschte Auskunft hatte geben können, verbeugte sich kurz und sah ihr und der beeindruckenden Keltenkriegerin einen Moment hinterher.


    Dann sprach ihn eine Römerin in Begleitung zweier Sklaven an:


    Zitat

    Original von Valeria Maximilla


    Tiberios schaute zu der braungelockten jungen Dame hin- meinte sie ihn? Vermutlich ja, also hörte er sich ihre Frage an:


    Domina, gerne erkläre ich dir etwas zu dieser Statue.“, sagte der furische Sklave.


    Dann fasste er die Darstellung genauer ins Auge: Tatsächlich verwandelte sich ein Mann in einen Uhu ( Oder war es gar eine Eule? - Tiberios zoologische Kenntnisse waren höchstens Mittelmaß), das linke Auge blickte noch menschlich, das rechte war rund und groß, die Nase endete in einem gebogenen Schnabel, bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Federn sprossen aus dem Hals, der Mund war aufgerissen, als würde sich die Person in Qualen winden. Kleine Flammen flossen wie Wasser die Arme entlang und züngelten in das kunstvoll bemalte steinerne Fleisch.


    „Das Kunstwerk erzählt die Metamorphose von Askalaphos, einem daimon der Unterwelt.“, meinteTiberios schließlich:
    „Als Hades Persephone – ihr Römer nennt sie Pluto und Proserpina- entführt hatte, durfte sie nichts an Speisen in der Unterwelt zu sich nehmen, denn sonst konnte sie nicht wieder in unsere Welt zurück kehren. Aber in Gedanken versunken aß sie beim Spazierengehen einige Granatapfelkerne. Askalaphos hatte das gesehen und veriet es Hades. Als Persephone davon erfuhr, mahm sie Tropfen aus dem Flammenfluss Phlegethon und verwandelte Askalaphos in einen Uhu...
    ...regina Erebi testemque profanam
    fecit avem sparsumque caput Phlegethontide lympha...

    Erebos' Königin seufzt und gibt dem gemeinen Zeugen
    Vogelgestalt, und das Haupt, das Phlegethons Wasser bespritzen
    Bildet zum Schnabel sie um, zu Federn und stierenden Augen.
    Er wird braun mit Flügeln bekleidet
    Und wird dicker am Kopf
    und krümmt ausgreifende Krallen,
    ....


    ich hoffe, die Auskunft stellt die domina zufrieden, obwohl auch ich nur ein Besucher bin .“, erwiderte der junge Grieche etwas amüsiert.


    Zitat

    Original von Angus
    Damit ich nicht ganz wie ein begossener Pudel wirkte, begann ich die Umgebung mit meinen aufmerksamen Blicken zu sondieren, während die Iulierin sich mit diesem Kerl unterhielt. Schließlich machte ich so etwas nicht zum ersten Mal.
    Ach nein, war das da drüben nicht dieser Grieche? Tiberios hieß er. Bei unserer letzten Begegnung hatte ich ihm eine verpasst, weil ich geglaubt hatte, er hätte sich an Domina Graecinas kleinen Hebräerin vergangen. Doch wie sich herausgestellt hatte, war er völlig harmlos. Eigentlich war er nur ein schleimiger Speichellecker, der vor allem und jedem im Staub kroch. Was er hier nur machte? Anscheinend hielt er irgendwelche Volksreden zur Unterhaltung der Gäste. .


    Tiberios hob den Kopf und sah zurück in Richtung Eingang. Iulia Graecina war immer noch in das Gespräch mit dem fremden Römer vertieft, Sulamith stand neben ihr.
    Angus beschützte die Iulia natürlich als Custos.
    Aber diesmal hielt der blonde Mann wie ein Symbol des Friedens einen Blumenstrauß in der Hand, und soweit Tiberios, der Blumen für etwas hielt, das der Schönheit und Harmonie zuträglich war, es ausmachen konnte, handelte es sich um ein Bukett kostbarer Rosen und Orchideen.
    Der junge Alexandriner lächelte versonnen. War der Strauß von dem Römer? Zumindest hatte der ihn vorher dabei gehabt.
    Er hoffte sehr, dass Angus ihn bemerken würde, als er ihm zuzwinkerte und die Hand mit dem Daumen nach oben hob.
    Der Römer in der blaugrün schillernden Toga war ein ansehnlicher Mann, und die Blumen waren bestimmt nicht billig gewesen, er, Tiberios, hatte im Gegensatz zu Angus jetzt bisher noch nie welche von einem Verehrer bekommen.

  • Zitat

    Original von Tiberios.


    „Ich war mir recht sicher, dass du hier arbeitest, obwohl deine Hände nicht wie die von einem Bildhauer aussehen“, sagte Maximilla:
    „Ich hoffe, du hast dich nicht geärgert, weil ich dich nach der Statue gefragt habe. Wenn sich anderseits ein Sklave jedesmal darüber ärgern würde, wenn er etwas gefragt wird, würde er den ganzen Tag aus dem Ärgern nicht mehr herauskommen. Meinst du nicht auch?"


    Maximilla hatte keine besondere Sympathie für Griechen und fühlte sich gerade nicht ernst genommen. Die Valeria wußte schon, warum sie sich keinen Lehrer aus diesem Volk kaufen wollte.


    Sie kramte einen Sesterz aus ihrem Geldbeutel und drückte ihn Tiberios in die Hand:
    „Also dennoch Danke und das ist für deine Mühe. Leb wohl!“,
    Valeria Maximilla machte kehrt und ging weiter in Richtung Garten.
    Ihre beiden eigenen Sklaven folgten ihr.

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