Erste Anhörung IUD MIN IV/DCCCLVII - Tiberius Caecilius Metellus vs. Tiberius Flavius Quirinalis

  • Der Termin für die erste Anhörung im Fall Tiberius Caecilius Metellus vs. Tiberius Flavius Quirinalis wird vom Praetor Urbanus auf den ANTE DIEM VI ID SEP DCCCLVII A.U.C. (8.9.2007/104 n.Chr.) festgesetzt.

  • Und tatsächlich kam Tiberius gerade um die Ecke gebogen als der Schreiber aus dem Verhandlungssaal kam. So nickte er zunächst dem Scriba zu, betrat den Saal und setzte sich auf den der Anklage vorbehaltenen Platz.


    "Salve, Praetor." grüßte er und wartete dann.

  • "Schön, die Anklage hat sich also herbequemt. Caecilius Metellus, nehme ich also an? Und wo ist die andere Partei?" Der Praetor wandte seinen Kopf, vielleicht kam der andere ja auch um die Ecke gebogen.

  • "Ganz recht, ich bin Tiberius Caecilius Metellus." antwortete er, erhob sich und sah sich demonstrativ nach allen Seiten hin um.


    "Wie es aussieht hat die andere Partei es vorgezogen zu diesem Prozess keine Stellungnahme abzugeben; Ich kann dies nur als ein Schuldeingeständnis deuten."


    Damit setzte er sich wieder und drehte Däumchen.

  • "Als was sie gedeutet werden soll ist meine Sache." antwortete der Prätor sehr knapp und lehnte sich in seinen curulischen Stuhl zurück. "Also gut, ich gebe der angezeigten Partei noch einige Momente."

  • "Ausgezeichnet. Dann sind wir ja alle da." Der Praetor sank noch etwas tiefer in seinen curulischen Stuhl und ließ sich von seinem Sklaven etwas verdünnten Wein geben. "Die anzeigende Partei hat nun das Wort. Sie möge mit ihrer Darstellung beginnen."

  • Tiberius erhob sich, verneigte sich kurz ein wenig in RIchtung des Praetors und begann mit seiner Darstellung.


    "Dem Patrizier Tiberius Flavius Quirinalis wird vorgeworfen, gegen Paragraph drei Absatz fünf der Lex Mercatus zu verstoßen. Er besitzt eine Schmiede, bei der es sich wohl nicht um einen landwirtschafltiche Produkte verarbeitenden Betrieb handelt, und der Besitz eines solchen Betriebes ist ihm als Angehörigen des Ordo Patricius laut Lex Mercatus Paragraph 3 Absatz 5 untersagt.


    Damit verstößt der Beklagte nicht nur gegen geltendes römisches Recht, nein, er schädigt auch die Geschäftsinteressen anderer, legitimer Besitzer von Schmieden wie der Kläger einer ist."


    Soweit Tiberius' Darstellung, sehr viel mehr gab es dazu zunächst wohl nicht zu sagen.

  • Auf einer kleinen Tafel machte sich der Prätor Notizen, während Caecilius seine Ausführungen darlegte. Ohne aufzublicken sprach er nach Beendigung der Rede des Anzeigers: "Was sagt die Gegenpartei zu diesen Vorwürfen?"

  • Ich stand auf, räusperte mich und begann meine Ausführungen:


    "Nun, ich weiß nicht, wann genau es war, aber es war letztes Jahr - als Patrizier auch noch nicht-landwirtschaftliche Betriebe besitzen durften.
    Da machte ich mich auf zu einer Reise nach Germanien, um genau zu sein, nach Moguntiacum. Dort wurde ich von Räubern verschleppt und kam erst Monate später durch Hilfe eines Händlers frei. Da ich überhaupt nicht wusste, wo ich zu diesem Zeitpunkt war, dauerte es wieder Monate bis ich zurückkehren konnte nach Hispania. Das war vor ungefähr anderthalb Monaten.


    Ziemlich schnell habe ich dann erfahren, dass Patrizier keine nicht-landwirtschaftlichen Betriebe besitzen durften. Also habe ich auf dem Forum von Tarraco einen Aushang gemacht, auf dem ich meine Schmiede zum Verkauf angeboten habe. Leider hat sich jedoch kein Interessent gemeldet. Außerdem habe ich in dieser Schmiede schon lange nichts mehr produziert und demzufolge auch nichts verkauft."


    Tief atmete ich durch.


    "Das ist alles, was ich dazu zu sagen habe."

  • Der Prätor kritzelte ein paar Worte in seine Unterlagen, sagte aber zu den Verteidigungen nichts, vorerst zumindest. Dann sah er auf und blickte zu Caecilius. "Möchte die anzeigende Partei dazu etwas entgegnen?"

  • Tiberius hörte den Ausführungen - oder waren es Ausflüchte? - des Beklagten an, dann erhob er das Wort als der Praetor die Frage an ihn richtete.


    "Ja, wenn du gestattest.
    Zunächst einmal frage ich mich ob es irgendwelche Beweise für diese deine Behauptungen gibt.


    Weshalb wurde die Schmiede nicht nach einer angemessenen Zeit, als offensichtlich wurde dass keine Interessenten kommen würden, geschlossen?


    Ob in der Schmeide etwas produziert wurde oder nicht ist in diesem Zusammenhang völlig unerheblich, es geht ja um den Besitz."


    Damit schloss Tiberius vorerst und war auf die Antwort des Flaviers gespannt.

  • "Es gibt Beweise dafür, dass ich sie zum Verkauf angeboten habe. Ich sagte doch schon, auf dem Forum von Tarraco habe ich einen Aushang erstellt."


    Naja, zum anderen Punkt musste ich auch hier die Wahrheit sagen. Warum hatte ich die Schmiede nicht geschlossen? Weil ich es schlicht und einfach vergessen hatte.


    "Das die Schmiede nicht geschlossen ist, ist mein Fehler. Ich habe es einfach versäumt."


    Natürlich hatte ich nicht vor gehabt, gegen römisches Recht zu verstoßen. Es war einfach nur ein blöder Fehler von mir.

  • Der Prätor hörte sich ruhig die Argumente und Verteidigungen an, schrieb ab und an etwas in seine Unterlagen und räusperte sich dann, um den Belag auf seinen Stimmbändern zu entfernen. "Wie ihr sicher wisst, besteht der Sinn einer Ersten Anhörung vor allem darin, eine gütliche Einigung zu erzielen. Im Falle des reuigen Angezeigten bin ich mir sicher, dass dies möglich sein sollte." Er legte seinen Stilus, mit dem er wieder ein wenig gekritzelt hatte, weg. "Wäre eine Schließung des fraglichen Betriebes und eine Zahlung eines kleinen Obolusses im Sinne beider Parteien?"

  • Erleichtert atmete ich auf. Wenn ich Glück hatte, wurde mein dummer Fehler relativ einfach aus der Welt geschafft. Die ganze Geschichte sollte mir eine Lehre sein.


    "Ich wäre damit einverstanden.", sagte ich und hoffte, das Metellus ebenso denken würde.

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