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Thema: [Sklavenmarkt] Angus
Faustus Decimus Serapio

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RE: Angus Heute, 17:03 Forum: Mercatus Urbis


Seit den Ludi romani hatte mich der Gedanke, mir wieder eigene Gladiatoren zuzulegen, nicht mehr losgelassen. Ich hatte eine Gladiatorenschule besucht, um mir dort einige der Tirones anzusehen, hatte aber noch keine nach meinem Geschmack gefunden. Denn nicht nur kampfstark sollten sie sein, sondern auch ästhetisch meinen Ansprüchen genügen.
Aus diesem Grund besuchte ich bei Gelegenheit den Sklavenmarkt, ging zu einigen der besseren Händler und ließ mir ihre Ware präsentieren. Meine Custodes Akadios und Pelias flankierten mich professionell, ließen aber hin und wieder eine Bemerkung fallen, der zu entnehmen war, dass sie dies alles aus ethischen Gesichtspunkten für sehr fragwürdig hielten. Nicht zum ersten mal dachte ich, dass es wirklich ein Fehler gewesen war, meine Liberti damals zu den epikureischen Lehrgesprächen mitzunehmen...

Trotzdem war ich fündig geworden. Einen glutäugigen dakischen Stammeskrieger hatte ich erworben, und einen athletischen Orientalen (der angeblich ein verbannter Fürstensohn von einer fernen Hochebene war, wo man mit abgerichteten Adlern jagte – wahrscheinlich stammte er eher aus Antiochias Armenviertel, unzählige Sklaven schwafelten ja so gerne von ihrem noblen Geblüt, aber eine schöne Geschichte war es doch allemal). Beide sahen mir nach gutem Gladiatorenmaterial aus, ich würde sie ausbilden lassen und mal sehen wie sie sich machten. Die beiden Neuerwerbungen trotteten, noch mit Handfesseln, hinter mir her.
Eigentlich hatte ich damit für heute genug eingekauft, doch ein Menschenauflauf machte mich aufmerksam, und über den Köpfen der Menge sah ich auf dem Verkaufspodest... Angus, der Iulier schönen Kelten.

Wie angewurzelt blieb ich stehen. Der Anblick seiner eingeölten Muskelpracht, das sonnenhelle Haar... ein Anflug von Hitze schoss mir ins Gesicht bei der Erinnerung an mein schmieriges, und vollkommen haarsträubendes, und extrem unwürdiges, am besten nie wieder erwähntes, aber doch sehr, sehr heißes Subura-Abenteuer.
"Den will ich." sagte ich leise. Und etwas lauter zu Pelias neben mir. "Den will ich. Biete für mich. Ich will ihn haben. Egal was er kostet."
Selbst vorzutreten, und die Stimme zu erheben, das wollte ich nicht, denn mich plagte die fixe Befürchtung, Angus würde mich ansehen und rufen 'Oh, salve, bist du nicht der Pathicus, der im Hinterhof mir mir rumgemacht hat?'
Pelias war aber nicht einverstanden.
"Serapio, das möchte ich wirklich nur sehr ungern tun. Schon die Jagd nach dem entlaufenen Mundschenk ging für uns hart an die Grenze. Aber auf einen Menschen zu bieten wie auf ein Stück Vieh? Ich selbst stand einmal auf einem solchen Podest. Es ist eine Qual. Flüchtige Gebilde sind wir alle, und die Bestandteile, aus denen der Körper dieses Sklaven zusammengesetzt ist, von dem wiederum seine Seele verströmt, sind in ihrer Natur keineswegs verschieden von denen, die..."-
Oh diese Liberti raubten mir noch den letzten Nerv!
"Nicht jetzt, Pelias." schnitt ich ihm das Wort ab. "Tu es meinetwegen ungern aber tue es. Sieh ihn dir an, er ist ein Löwe unter Pudeln. Soll er in einer Baugrube enden? Also tu es. Jetzt. Bitte."
Pelias und Akadios sahen mich vorwurfsvoll an, aber Pelias trat dann, obschon widerstrebend, doch nach vorne und bot:
"Fünfhundert!"

Eine flavische Dame hatte ebenfalls bieten lassen. Ich sah nur ihre Prunksänfte und hoffte, dass ihr Interesse nicht allzu weit ging... durch Manius hatte ich eine vage Vorstellung von dem unverschämten Reichtum dieser Patrizier (die ja noch dazu viel zu lange das Steuern-zahlen fein uns Plebejern überlassen hatten).
Aus der Menge der Interessenten und der Schaulustigen prasselten derweil von allen Seiten die Fragen auf dem kahlköpfigen Händer ein.
"Kann er kämpfen? Lass ihn was vorführen!"
"Spricht er Latein?"
"Er soll mal seine Zähne zeigen!"
"Ist er wild eingefangen? Kooperiert er, oder braucht er noch die Peitsche?"
Thema: [Subura] Früh übt sich, wer ein Räuber werden will
Faustus Decimus Serapio

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RE: Früh übt sich, wer ein Räuber werden will - und: Wie alt werden Frettchen? Heute, 16:55 Forum: Roma


"Schscht..." gebot ich seinem (halbherzigen!) Protest Einhalt und machte weiter mit dem, was ihm ganz offensichtlich gefiel. Es war wie einen Löwen zu streicheln, der Triumph, das wilde Geschöpf zumindest für den Augenblick gezähmt zu haben, gemischt mit dem prickelnden Hauch der Gefahr, dass es sich jeden Augenblick umentscheiden und zubeißen könnte...
In der dunklen Hinterhof-Ecke drückte ich mich an ihn, umfasste mit der freien linken Hand fest seinen Nacken, grub die Finger in das Blondhaar und atmete seinen Geruch, die Wärme seines Atems, wenn die kundigen Bewegungen meiner Rechten seinen Lippen die schönen Geräusche der Verzückung entlockten. Eine stolze Pracht hatte sich unter meiner Hand erhoben. Selbst heiß entflammt, presste ich meine Lenden hart gegen die des Barbaren, fand zugleich mit den Lippen die seinen und küsste ihn gierig, bis sein Mund sich unter dem meinen öffnete. Ich suchte mit meiner Zunge die seine, schmeckte die Cervisia von eben, trank die Seufzer von seinem Mund...
Thema: Hortus - der Garten
Faustus Decimus Serapio

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RE: Wo der Schicksalsvogel fliegt Gestern, 21:25 Forum: Casa Quintilia


Überfordert von so viel Tränen setzte ich mich neben Valentina, legte leicht den Arm um sie und streichelte freundschaftlich aber doch recht hilflos ihre zuckenden Schultern.
Auch ich verstand noch immer nicht, was da los war. Da hatte ich nobel das Feld geräumt für das junge Glück, und dann so was? Vielleicht war Casca die ganze Hochzeitssache doch über den Kopf gewachsen.
"Dieser Leichtfuß, dieser elende Hallodri!" zürnte ich – und schämte mich dann sofort dafür, denn ich selbst war ja auch nicht besser.
"Er fürchtet wohl, dass Erbschleicher seine Mutter umschwärmen und ihr den Familienbesitz abluchsen. Vielleicht wollte er dich nicht den Gefahren der Reise aussetzen. Seeräuber, Stürme, verdorbenes Essen..."
Ich kramte ein sauberes Taschentuch hervor und reichte es Valentina.
"Ich bin ja da."
Thema: Auf dem Marsfeld – Equus October
Faustus Decimus Serapio

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RE: Equus October - Präsentation - der vierte Fahrer Gestern, 21:00 Forum: Roma


"Als vierter fährt ein.."
fuhr der dicke Praeco mit der Vorstellung fort, unbeirrt davon, dass wieder ein ganz leichter Nieselregen eingesetzt hatte. Seine Stimme trug weit über den Platz, während der nächste Bigafahrer seine Runde drehte.
"...Aulus Furius Saturninus! Primicerus am Kaiserhof, und doch alles andere als ein Schreibtischtäter! Zum ersten Mal dabei beim Equus October, startet Furius Saturninus für die siegreichste alles Factiones – die Factio Veneta!"

An dieser Stelle mußte der Praeco innehalten, weil die Jubelrufe der Factioanhänger schier ohrenbetäubend waren. Als sie verklungen waren, sprach er weiter:
"Furius Saturninus, der – einige junge Damen fragten mich bereits danach – übrigens noch ledig ist, tritt mit seinem eigenen Gespann an. Sein Leitpferd ist Minos, ein kappadokischer Hengst, neben ihm der Lichtfuchs Malachit."




Thema: Armilustrium - Vorankündigung
Faustus Decimus Serapio

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Gestern, 17:19 Forum: Ideen-Board


Uuuund Action!
Thema: Auf dem Marsfeld – Equus October
Faustus Decimus Serapio

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Equus October - Präsentation - die ersten drei Fahrer Gestern, 12:11 Forum: Roma


"Zu Ehren des Mars, unseres Stammvaters, treten heute am ihm geheiligten Tag an..."
so setzte der dicke Praeco (der eigentlich den Namen Calpetanus trug) mit weit tragender Stimme an.

"... Lucius Vitellius Victorius für das Stadtviertel des Quirinal. Im letzten Jahr auf dem zweiten Platz! Bekannt für seinen unbändigen Siegeswillen, hat er unablässig trainiert, um dieses Jahr den ersten Platz zu Ehren des Mars zu erringen. Vitellius Victorius, Sohn des Senators Vitellius Molo, tritt mit seinem eigenen Gespann an, und fährt zwei gallische Hengste, beides Abkömmlinge des berühmten Rennpferdes Fulmen."
Gleich der erste der Teilnehmer begnügte sich nicht mit einer langsamen Präsentationsrunde – aus dem Stand ließ er seine Pferde angaloppieren, preschte die Bahn entlang, zügelte die Pferde so scharf, dass sie sich aufbäumten, hielt dabei lässig seine Biga im Gleichgewicht. Entzücktes Kreischen brandete auf, der gutaussehende Senatorensohn hatte offenbar eine große Anhängerschaft besonders unter den jungen Damen der Stadt. Sein Gespann war prunkvoll, gezogen von zwei muskulösen Rappen.

"Als nächstes fährt ein: Publius Papius Sufenas von der Vereinigung der Goldschmiede der Trajanischen Märkte! Familienvater und Inhaber von 'Helenas Schmucktruhe'. Sein Herz gehört dem Rennsport, seine Erfahrung ist legendär, und so fordert der Senior dieses Jahres die jungen Kontestanten noch einmal heraus!"
Der zweite Fahrer ließ es langsamer angehen. Er war ein Herr in den besten Jahren, fuhr ein Gespann mit einem stämmigen Braunen und einem langbeinigen Schimmel, die optisch – gerade nach den Prachtrössern des Vitellius Victorius – eher wenig hermachten. Wer genau hinsah, konnte jedoch bemerken, wie gut eingespielt die drei waren, die Pferde gingen perfekt im Gleichtakt und reagierten prompt auf jedes noch so kleine Signal ihres Lenkers. Papius Sufenas winkte freundlich in die Menge und erntete freundliche Zurufe.

"Der dritte Teilnehmer ist Marcus Autronius Tubertus, Fuhrmann seines Zeichens, einfacher Bürger vom Aventin, ein Mann aus dem Volke! Lasst euch nicht verwirren, verehrte Zuschauer, obwohl er einen blauen Mantel trägt, fährt Autronius Tubertus nicht für die Veneta. Was es mit dem Mantel auf sich hat? Den hat ihm seine Verlobte als Glücksbringer gewebt.
Autronius Tubertus selbst hat mir berichtet, wie er bereits als kleiner Junge davon geträumt hat, eines Tages die Ehre zu haben, hier anzutreten. Durch die Unterstützung vieler Bürger des Aventin, die alle zusammengelegt haben, ist sein Traum heute wahrgeworden. Doch kann er auf einen Sieg hoffen? Die Konkurrenz ist hart!"

Der Mann aus dem Volke lenkte zwei sehnige braune Wallache - einer sehr dunkel, einer hell - sorgfältig und akkurat. Er trug bereits seinen gepolsterten Lederhelm, wirkte etwas schüchtern und winkte nur kurz. Seine Unterstützer hingegen waren sehr zahlreich und machten einen riesigen Radau.



Thema: Via Labicana – am Wegschrein neben dem Aquädukt – bei Sonnenaufgang
Faustus Decimus Serapio

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RE: Via Labicana – am Wegschrein neben dem Aquädukt – bei Sonnenaufgang 18.10.2020 15:12 Forum: Italia


Eine böse Zunge hatte mir einmal nachgesagt, ich würde das Bigafahren nur betreiben, um Gespielen abzuschleppen. Das war natürlich gelogen, ich liebte den Rennsport über alles! Wie herrlich war es, so dahin zu brausen. Der frische Fahrtwind wehte mir um die Nase, und einige goldene Sonnenstrahlen tasteten sich über den Horizont, verliehen den Wipfeln der Pinien einen smaragdgrünen Schimmer. In der Ferne, am Wegschrein, da war tatsächlich eine Gestalt auszumachen... ein Mann in Rot. Ich hielt auf ihn zu, der Mann hob grüßend die Hand, und ich erkannte frohlockend – unglaublich, er war es! Ich zügelte die Pferde und brachte die Biga vor ihm zum Stehen.
"Marsyas!" Strahlend sah ich ihn an. "Was für eine Freude, dich zu sehen! Ich war mir schon nicht mehr so ganz sicher, ob du real bist oder nur... ein Wunschtraum rauschhafter Seligkeit. Komm, steig ein!"
Die Zügel nahm ich in die Linke, und bot ihm die Rechte zum Einsteigen. Die Locken waren ab, das sah ich, und der malerische rote Mantel, den er um sich geschlagen hatte, erinnerte mich an die Figuren auf einem heroischen Wandbild im Kaiserpalast, von der Schlacht an den Thermopylen. Bei den Wachinspektionen auf dem Palatin kam ich daran häufiger vorbei.
"Bei Diana und allen ihren Hunden, ich schwöre, du siehst aus, als wärst du direkt aus einem Fresko herausgetreten, von König Leonidas und seiner heiligen..." Ups, nein, da hatte ich etwas verwechselt, wie kam das bloß? "...ähem, ich meine natürlich tapferen Schar."
Ein bisschen zerschlissen war sein Gewand, sogar ein bisschen sehr, und erstaunt bemerkte ich, dass er zudem barfuß ging. Bei der herbstmorgendlichen Kühle fand ich das sehr asketisch... und kam mir angesichts dieser Schlichtheit mit einem mal unangenehm dekadent vor, und vielleicht sogar etwas eitel, mit meinen punzierten Calcei und überhaupt dem ganzen Gepränge.
Thema: Hortus - der Garten
Faustus Decimus Serapio

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RE: Wo der Schicksalsvogel fliegt 18.10.2020 11:56 Forum: Casa Quintilia


Valentina war umgeben von ihrer Vertrauten und ihrem kleinen Schoßtier – das so klein gar nicht mehr war, sondern ordentlich gewachsen in der Zwischenzeit.
Als sie den Kopf hob und mich ansah, mit ihren verweinten Augen, trostlos, da wurde mir ganz elend ums Herz. Auch ich hatte ihr einmal einen solchen Kummer bereitet, und machte mir deswegen noch immer große Vorwürfe, und nun war sie schon wieder, und das ausgerechnet durch meinen Cousin, mit zerschlagenen Hoffnungen allein zurückgelassen worden. An ihrer Stelle würde ich alle Decimer in die sizilianischen Schwefelminen wünschen! Es war ein Zeichen ihrer noblen Gesinnung, dass sie mich überhaupt noch empfing.
"Valentina. Amica. Carissima. " Meine Stimme war ganz kratzig. Ich nahm ihre Hände in meine, führte sie an die Lippen und drückte einen verehrungsvollen Kuss darauf.
"Meine Liebe. Meine Arme. Was ist denn passiert? Habt ihr euch gestritten?"
Thema: Tote schlafen fest – oder: Das Mysterium des verblichenen Optios
Faustus Decimus Serapio

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RE: Tote schlafen fest – oder: Das Mysterium des verblichenen Optios 18.10.2020 11:48 Forum: Cohortes Praetoriae


In meinem Officium in der Principa erwartete ich also den trauernden Hinterblieben. Natürlich hatte ich alle geheimen Unterlagen beiseite geräumt. Die großen Karten hingen sowieso im Nebenzimmer. Der Raum war nur funktionell, ich hatte nie Mühe darauf verwendet, ihn repräsentativ zu machen, anders als damals in meinem Präfekten-Officium. Auf dem Schreibtisch stand noch immer das Modell des innovativen neuen Geschützes "Stachelschwein", daneben lag das glattgestrichene Stück Papyrus, das ich in der Stube des verblichenen Optios gefunden hatte. Am Rüstungsständer in der Ecke hing meine Paraderüstung, aus den Augenwinkeln immerzu an eine dunkle Gestalt erinnernd. Das Fenster stand einen Spalt offen, vom Campus her waren aus der Entfernung die üblichen Geräusche des Drills zu vernehmen.

Ich hatte damit gerechnet, dass die Jahre Dives' Glanz abgestumpft hätten, doch als er dann hereintrat, war es nicht anders als früher. Veilchenblaue Augen, güldenes Haar, ein stolzes Antlitz über dem ihn sehr gut kleidenden Trauergewand, etwas markanter war er geworden, doch noch immer hätte er jederzeit Modell für seinen meistverehrten Gott stehen können, kurz: Dives war und blieb das reine Unheil!
Wenn ich eine Rangliste angelegt hätte, welche fatalen Schönen mich in der Vergangenheit zu den den fatalsten Torheiten und allernärrischsten Idiotien getrieben hatten, dann hätte Marcus 'Dulcis' Dives unangefochten ganz oben auf der Liste gestanden, noch vor Manius. Vorsicht war geboten bei ihm, und das noch immer. Zugleich gab es gemeinsame Erinnerungen, die ich um keinen Preis der Welt hätte missen wollen.

Ich stand auf, und kam hinter meinem Schreibtisch hervor, um ihm die Hand zu drücken. Aber vorsichtig. Er hatte mir nicht geantwortet, auf meine Nachricht nach Bovillae hin. Ich nahm an, dass ich ihm damit wohl zu nahe getreten war, aber etwas gekränkt war ich schon, dass der an Worten so Überreiche für mich nach meiner Rückkehr aus Nabataea nicht ein einziges hatte übrig gehabt.
"Salve Senator Iulius Dives." flüchtete ich mich aus der Befangenheit in pure Förmlichkeit und nüchternen Bericht. "Bitte nimm doch Platz."
Ein Besucherstuhl, der dem meinen an Höhe genau gleichkam, stand für ihn bereit. Seinen Begleiter musterte ich kurz, wies diesem dann mit einer Handbewegung eine einfachere Sitzgelegenheit zu.
"Möchtest du einen Schluck trinken?"
Ein Krug mit trockenem Caecuber stand bereit, und wenn er es wünschte, würde ich ihm einen Becher einschenken. Ich brauchte jedenfalls einen.
"Mein Beileid zu eurem Verlust. Optio Iulius Labeo ist heute morgen von seinen Kameraden tot aufgefunden worden. Er lag in seinem Bett in der Stube, ist wohl auch dort verstorben. Es gibt... keine Verletzungen, keine Kampfspuren, kein Zeichen dass jemand sich Zugang zu seiner Stube verschafft hätte. Der Medicus hat auch nichts ungewöhnliches feststellen können. Gestern Abend haben seine Leute den Optio zuletzt gesehen, da wirkte er erschöpft vom Training, aber sonst vollkommen normal. Natürlich... macht das hellhörig, angesichts der grausamen Morde neulich an zweien deiner Verwandten, aber... so wie es sich darstellt, weist hier erst einmal nichts auf eine Fremdeinwirkung hin."
Und es gab ja doch leider immer wieder Fälle, in denen Menschen entweder mitten aus dem Leben heraus der Schlag traf, oder sie unmerklich aus dem öffentlichen Leben verschwanden, als würden sie verblassen, und man erst Monate später erfuhr, dass sie einer namenlosen Krankheit erlegen waren.
"Was allerdings merkwürdig ist..." Ich schob ihm das Papyrus herüber, das stark nach Testamentsentwurf aussah. Ich war es den Iuliern schuldig, die Karten auf den Tisch zu packen.
"...ist das hier, das lag in seiner Stube, zerknüllt. Außerdem war er vorgestern in der Stadt unterwegs, und ließ wohl gegenüber einem Kameraden verlauten dass er zum Vestatempel wolle."
Nachdenklich fasste ich Dives ins Auge.
"Hat er euch gegenüber etwas anklingen lassen? Feinde? Bedrohung? Ein Todeswunsch? Irgendeine Krankheit, die er vor uns verheimlicht haben könnte?"
Thema: hortus | Diana-Laube
Faustus Decimus Serapio

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RE: Umgürte dich mit Wut und bereite dich zum Untergang vor mit allem Zorn – zur hora nona 17.10.2020 22:50 Forum: Casa Decima Mercator


Das Deklamieren und das Gespräch machten mir eine Menge Spaß, und ich verstand gar nicht, warum mein Icarion auf einmal so unentspannt schien. Begütigend legte ich ihm in vertrauter Geste eine Hand auf den Unterarm und bremste seine Kampfeslust.
"Beide Stücke sind unvergleichliche Kunstwerke. Sie stehen für sich, genauso wie die griechische Literatur eben ihre Blüte in der Vergangenheit hatte und unsere römische heutzutage."

Wie der Jüngling Tiberios errötete, auf die Frage nach seinen Auftritten, diese Mischung von Freimut und Scheuheit, das war allerliebst anzusehen. Auch wenn er nur ein Sklave war, so konnte ich die Freude, die große Freude, von der er sprach so gut nachvollziehen... Und was für eine Augenweide noch dazu! Ein wenig schmal war er zwar für meinen Geschmack, doch das Funkeln seiner Augen und die elegante Neigung seines Nackens, in die sich ein paar goldbraune Löckchen schmiegten verströmten einen süßen Reiz.
Ich lachte auf, als er zugab, sich bei den Ludi an mein Gefolge gehängt zu haben.
"Hahaha, Schlitzohr!"
Aber nein, ich schüttelte den Kopf und kramte in meiner Erinnerung, nicht mit den Ludi verband ich ihn, sondern...
"Hm..."
Auf eine selbstverständliche Weise streckte die Hand nach ihm aus, fasste sein Kinn, und ließ ihn den Kopf zur Seite wenden, um mir sein Profil anzusehen.
"Hm... Ah, heureka, ich habs!" Spielerisch ließ ich die Rückseite meiner Finger flüchtig über seine Wange streichen, als ich meine Hand zurückzog.
"Du erinnerst mich an jemanden aus Alexandria. Seltsam, es ist eine Ewigkeit her." Ich meinte auch, bei Tiberios eine ganz leichte alexandrinische Klangfärbung zu vernehmen, wenn er sprach. Vielleicht lag es daran?
Ich lehnte mich zurück, gegen einen Pfeiler der Laube, und erzählte den beiden, in Erinnerungen schwelgend:
"Ich war damals in Alexandria stationiert. Also, um genau zu sein, in Nikopolis, bei der XXII. Eines Tages begab ich mich in die sagenumwobene Bibliothek des Museion, um vor einem Feldzug in den Süden – es ging gegen die Blemmyer – etwas Recherche zu betreiben. Es hieß ja, sie wären kopflose Monstrositäten, die Münder und Augen auf der Brust tragen! Die Bibliothek ist natürlich gigantisch. Ein Bibliothekar kam mir damals zur Hilfe, ein junger Mann von geschliffener Sprache und exzellenten Manieren, der das ganze Labyrinth der Schriften wie seine Gürteltasche kannte. Es war beeindruckend, und hat bei mir wirklich einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Erst später habe ich dann erfahren, dass das der Epistates tou Mouseion höchstpersönlich gewesen ist. Nikolaos Kerykes hieß er. Ja, an den hast du mich erinnert, Tiberios, lebhaft, obgleich du ungleich mehr Zauber der Jugend besitzt – der Keryke war kränklich und früh ergraut."
Thema: hortus | Diana-Laube
Faustus Decimus Serapio

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RE: Umgürte dich mit Wut und bereite dich zum Untergang vor mit allem Zorn – zur hora nona 17.10.2020 22:43 Forum: Casa Decima Mercator


| Decimianus Icarion

Mit einem sanften Lächeln hatte Icarion zugesehen und zugehört, wie die beiden Freunde der Kunst sich mit dem Dialog vergnügten. Sein Urteil behielt er freilich für sich. Hauptsache der Patron war glücklich. Doch als Tiberios in der Frage Medea vs Jason sowie Seneca vs Euripides entbrannte, und in Icarions Ohren ausgesprochen vorlaut tönende Reden schwang, da trat eine gewisse Anspannung in das Lächeln, wenn auch kaum merklich, eine abfällige Note, wie Schierling in Honig.

"Besser sagte ich, aber doch nicht gut." verteidigte er sich vordergründig heiter gegenüber Serapio.
"Reine Helden oder..." – mit einer Geste zu Tiberios – "Heldinnen sucht man natürlich in beiden Stücken vergeblich. Dabei arbeitet Seneca den Iason viel mehr als Realpolitiker heraus, während die Kindsmörderin in beiden Stücken gleich greulich ist. Auch bei Euripides bleiben die Kinder lediglich tragische Opfer."
Er fasste Tiberios ins Auge wie ein Bogenschütze die Zielscheibe.
"So bittet Jason die Medea: 'Laß zum Bestatten, zum Betrauern die Leichen mir.' Sie aber antwortet: ' Mitnichten! Meine Hand begräbt und übergibt / Sie dort geweihtem Boden bei der Hera Burg, / Damit sie meine Feinde nicht mißhandeln und / Ihr Grab umwühlen.' Daraus eine Verwandlung in Heroen abzuleiten erscheint mir eine recht eigene Interpretation."



Thema: [Subura] Früh übt sich, wer ein Räuber werden will
Faustus Decimus Serapio

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RE: Früh übt sich, wer ein Räuber werden will - und: Wie alt werden Frettchen? 17.10.2020 18:03 Forum: Roma


Mit dem Gedanken, dass ich nun wohl besser nach Hause gehen und ein Bad in wohlriechenden Essenzen zusammen mit einem ebenso wohlriechenden Libertus nehmen sollte, schob ich meinen Mantel über die Schulter, wollte mich schon zum Gehen wenden, hielt dann aber doch noch ein letztes Mal Ausschau nach dem goldenen Barbaren... und fand mich auf einmal von hinten gepackt und gegen die Mauer gepresst, wie von einer Schraubzwinge. Mein erschrockenes Japsen wurde erstickt von einer schwieligen Hand, die mir den Mund verschloss. Der Angreifer hatte mich kalt erwischt, und er war enorm stark. Zu Tode erschrocken glaubte ich tatsächlich im allerersten Moment, das mörderische Rabenaas Sciurus sei dem nassen Grab entstiegen, um sein Werk zu vollenden und mich doch noch zu erdrosseln, krallte die Hand in den mich umschlingenden Arm, um meine Kehle zu schützen und versuchte instinktiv den Mund frei zu bekommen.
Die Stimme, die an mein Ohr drang, war aber nicht die des albtraumhaften Garotteurs, es war die des schönen Kelten... Der anscheinend nicht auf mein Leben aus war, sondern auf etwas ganz anderes. Bona Dea! Ich sollte vorsichtiger sein, mit dem was ich mir wünschte. Seine Nähe war mir ja nun beileibe nicht unwillkommen, aber solche brutalen Spiele waren nicht nach meinem Geschmack! Ungestümer Wilder!
Als er einen Arm von mir löste, und damit begann, sich auf Touren zu bringen, sah ich meine Chance gekommen, umgriff sein Handgelenk, die Fingerspitzen genau dahin bohrend wo es weh tat, gab seinem mich umschlingenden Arm einen kleinen Dreh-Impuls und wand mich nach unten aus seiner Umklammerung heraus, tauchte zur Seite weg und rappelte mich zwei Schritt weiter wieder auf, tief einatmend – wie köstlich die stinkige Luft hier doch sein konnte!
"Wer wird denn gleich grob werden?" Ich lachte, erleichtert nach dem ausgestandenen Schrecken, und klopfte mir eine Wolke von Mauerstaub von der Tunika. "Ein Adonis wie du, Angus..." wobei ich wieder auf ihn zutrat, und die Hand nach ihm ausstreckte, "bekommt doch auch so alles was er will." Meine Hand wanderte zu der seinen, die eben noch so hektisch auf und ab gegangen war, und umfasste sie. Ich warf einen Blick zu beiden Seiten – wir waren für den Augenblick zumindest allein in dem Hinterhof. Das war hier gerade... sehr verboten und sehr aufregend...
"Lass mich mal." forderte ich ihn kokett auf, schob seine Hand sanft aber bestimmt beiseite, und ließ die meine unter dem Saum seiner Tunika verschwinden, in der Absicht ihm ein wenig behilflich zu sein.
Thema: Auf dem Marsfeld – Equus October
Faustus Decimus Serapio

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Auf dem Marsfeld – Equus October 15.10.2020 21:00 Forum: Roma


Am Tag des Equus October:
Graue Wolken lagen über der Stadt. Am Morgen war ein Regenschauer niedergegangen. Der Sand der Rennbahn auf dem Marsfeld war noch feucht.
Auf der Tribüne, die neben der Bahn errichtet worden war, eilten einige Sklaven umher und rieben eilig die Sitze trocken. Doch trotz des mässigen Wetters belebte sich das Marsfeld schon zu früher Stunde. Arm und Reich, Alt und Jung, alles drängte sich, um einen Platz mit guter Sicht zu ergattern. Die meisten mussten natürlich stehen. Sänften und Tragsessel zogen wie Schiffe ihre Bahn über die Köpfe der Menge.

Das langgestreckte Oval der Rennbahn war mit Pollern und Seilen abgegrenzt, lediglich an den Stirnseiten auch mit einer Bretterbande. Diese, ebenso wie die Seiten der Tribüne waren, obschon erst kürzlich gezimmert, bereits über und über mit Graffiti bedeckt, gekritzelte Darstellungen der Fahrer, Lobpreisungen und Schmähungen, und herzhafte Ausdrücke der Rivalitäten zwischen den verschiedenen Factiones, Stadtvierteln und Händlervereinigungen, die heute hier mitmischten.
Am Rande des Marsfeldes wiederum standen allerlei Verkaufsbuden, wo man Getränke, schnelles Essen auf die Hand oder auch bunte Tücher zum Winken in den Factiofarben erwerben konnte... Auch fliegende Händler waren unterwegs und priesen aufdringlich ihre Waren an.
Wetten wurden abgeschlossen und todsichere Tipps ausgetauscht. Gerade zog ein Gerücht durch die Menge – man habe heute Morgen eine Fluchtafel vergraben im Sande gefunden! Doch gegen wen sie sich gerichtet habe, da gingen die Meinungen auseinander.

Die Fahrer, die heute zu Ehren des Mars mit ihren Gespannen antreten würden, sammelten sich bereits am Startpunkt. Ein würdevoller Herr vom Cultus Deorum winkte nachlässig mit dem Digitus salutaris, und daraufhin erhob sich der allseits beliebte städtische Ausrufer, meist nur "der dicke Praeco" genannt, unverwechselbar durch seine enorme Leibesfülle und seine volltönende Stimme. Er wischte sich einen Regentropfen aus dem Gesicht, hob in schöner Rednergeste die Hand, holte tief Luft und bedeutete dem ersten der Teilnehmer, eine langsame Runde um die Bahn zu fahren, um sich der Menge zu präsentieren, während der Praeco ihn vorstellte.




Thema: Vor der Casa Didia – Im Visier der Garde – Observation
Faustus Decimus Serapio

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Das Imperium schlägt zurück – Phase 1 - In einer Neumondnacht, nahe der Casa Didia 14.10.2020 21:54 Forum: Casa Didia


Das Prätorianergeschäft konnte sehr einsam sein. Von Zeit zu Zeit war mir das ganz besonders bewusst. So war es zum Beispiel an diesem Abend gewesen, als ich nach den Geschäften des Tages noch in meinem Officium über den neuesten Berichten gehangen hatte und in Gesellschaft eines herben Caecubers versuchte hatte, mit einem Plan der Stadt, Nägeln und einer Menge Garn die vielfältigen Verstrickungen der Christianer dieser Stadt (rotes Garn), mutmaßlicher Christianer (orangenes Garn) und des Sympathisierens Verdächtiger (gelbes Garn) sichtbar zu machen...
Meine Leute waren auf der Spur der enervierenden Wohltäterin der Waisen einem brandheißen neuen Christianernest am Aventin auf die Schliche gekommen. Dadurch ergaben sich nun wieder Verbindungen, Verdächtige und neue Observationsziele, so dass mir langsam aber sicher die Leute ausgingen, um der Sache mit dem gebührenden Nachdruck nachzugehen.
Natürlich hätte ich einen der anderen Tribune hinzuziehen können, doch ich traute den wenigsten von denen auch nur einen Handbreit, vermutete noch immer einen Maulwurf unter uns, und war mir außerdem ausnahmslos sicher, dass ein jeder von ihnen versuchen würde, mir etwaige Lorbeeren zu stehlen.
Aus einem Impuls heraus war ich statt dessen am Officium des Centurio Octavius Maro vorbeigegangen. Ich kannte ihn von den gemeinsamen Stabsbesprechungen mit den Urbanern, zudem hatte er sich kürzlich einen Namen als Schrecken ruchloser Subura-Mörderbanden gemacht.
Bei ihm brannte noch Licht. Ich trat ein und schlug ihm eine Kooperation vor...

So kam es, dass wir beide nun in gedecktem Zivil, die Waffen gut verborgen, in stockdunkler Nacht am Aventin unterwegs waren. Vorüber an den langgestreckten Lagerhäusern am Tiberufer ging es, dann in ein Wohnviertel.
"Das ist es." bezeichnete ich ihm schließlich mit gedämpfter Stimme das stattliche Domus.
"Die Casa Didia, das Christianernest."
Verborgen im tintenschwarzen Schatten einer überhängenden Hecke betrachten wir das Haus. Die Leute, die ich zur Observation abkommandiert hatte, sah ich natürlich nicht, sie verstanden ihr Geschäft.
Thema: Via Labicana – am Wegschrein neben dem Aquädukt – bei Sonnenaufgang
Faustus Decimus Serapio

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Via Labicana – am Wegschrein neben dem Aquädukt – bei Sonnenaufgang 12.10.2020 21:35 Forum: Italia


Am bezeichneten Tag lenkte ich meine Jagdbiga die Via labicana entlang. Es war der dritte meiner Streitwägen, technisch enorm ausgereift, nicht nur auf Schnelligkeit sondern vor allem auf Geländegängigkeit ausgerichtet. Mit extragroßen Rädern, einer Art "Federung" des Kanzelbodens durch Ledergeflecht, leichten Seitenwänden aus gehärteter Rohhaut über einem Eschengerüst, und nicht zuletzt über und über kunstvoll mit Jagdszenen aus der Mythologie verziert. Angespannt hatte ich heute zwei feurige junge Wallache, Söhne meiner guten Tertia - beide so schneeweiß wie sie geraten - und eines kyrenäischen Hengstes. Mit diesen hispano-kyrenäischen Kreuzungen hatten wir gute Erfahrungen gemacht, sie waren sehr leichtfüßig, trittsicher und verständig, wenn auch manchmal etwas schreckhaft.

Auch wenn ich mittlerweile im Grunde nicht mehr daran glaubte, dass der mysteriöse Fremde auftauchen würde – wer nahm schon eine dubiose Verabredung im nächtlichen Rausch ernst, und wie zum Henker war ich auf die Verrücktheit gekommen, dass ein Rendez-vous bei Sonnenaufgang eine gute Idee wäre? - so hatte ich doch den ein oder anderen Gedanken an meine Erscheinung verschwendet, und mir zu diesem Anlass einmal wieder ein neues Jagd-Ensemble anfertigen lassen, in Abstufungen von Waldgrün mit eingewebten Ranken und aparten herbstroten Akzenten, eine Farbe die durch das Leder meines Gürtels und die halbhohen Jagdcalcei wieder aufgegriffen wurde.
Verschnürt in zwei Bündeln an den Rändern der Kanzel lagen die Jagdwaffen und etwas Proviant. Meine treuen Custodes Akadios und Pelias, zum Glück kürzlich endlich von ihrer endlosen Sklavenhatz zurückgekehrt, folgten mir. Akadios ritt einen imposanten silbergrauen Hengst, Pelias eine zähe braune Stute.

Die Straße verlief neben dem Aquädukt, das von hier aus bis in die Albaner Berge führte. Dort wollte auch ich hin. Hoch spannten sich die Bögen des Bauwerkes in den kühlen Morgenhimmel. Auf der anderen Seite säumten Pinien den Weg. Ich reckte mich, versuchte schon den besagten Wegschrein zu erspähen. Die Spannung wuchs, und es schien mir unwirklich, dass Marsyas, überragender Gefährte einer Nacht voll Seligekeit, tatsächlich auch im Licht des Tages existieren und mir begegnen könnte, an einem ganz normalen Straßenrand, wie ein ganz gewöhnlicher Passant!
Doch auch wenn er nicht da sein sollte... ich war entschlossen, die Jagdpartie zu genießen. Die letzten Wochen waren mehr als ereignisreich gewesen, nun standen Equus October und Armilustrium vor der Türe, ich musste mal den Kopf frei bekommen. Nur für den Fall, dass er aber vielleicht doch da sein sollte - es ging schließlich nichts über einen gelungenen ersten Eindruck - trieb ich meine Rösser in einen flotten Trab, um formvollendet vor dem Wegschrein vorzufahren.
Thema: [Subura] Früh übt sich, wer ein Räuber werden will
Faustus Decimus Serapio

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RE: Früh übt sich, wer ein Räuber werden will - und: Wie alt werden Frettchen? 12.10.2020 20:01 Forum: Roma


Nein, kein Fausthieb war die Antwort – ich entspannte mich. Stattdessen begann er seinerseits zu flirten. Ich nahm zumindest an, dass er das tat
"Das kann ich mir lebhaft vorstellen!" rief ich wahrheitsgemäß, und sah den schönen Barbaren vor meinem inneren Auge, hochaufgerichtet auf einem Streitwagen von zwei zottigen Riesenrössern gezogen, seine Hünenstatur von blauer Kriegsbemalung apart betont.
Leider verabschiedete er sich dann aber abrupt zur Latrine. Ich widmete mich meinem Essen, trank noch einen Schluck... und überlegte, ob ich seine Zeichen falsch gedeutet hatte, und er mir auf seine barbarisch-unbefangene Art im Grund signalisiert hatte, ihm zu folgen?

Unschlüssig aß ich noch einen Bissen, doch dann sagte ich mir einmal wieder Fortes fortuna adiuvat, erhob mich, strich meinen Mantel zurecht, um den Pugio weiter zu verbergen, und zahlte bei der vierschrötigen Dame des Hauses am Tresen. Darauf nahm ich den Weg durch einen dunklen Hausflur zum Hinterhof, wo es deutlich nach Latrine stank.
Fast wäre ich über eine abgetretene Stufe gestolpert. Die Mauern waren brüchig, und irgendwelches Gerümpel das da herumlag, war schemenhaft auszumachen. Den Kelten sah ich gerade nicht, und ich begann mich zu fragen, was ich hier eigentlich veranstaltete... drückte mich in schmierigen Subura-Winkeln herum, einem Sklaven nachstellend, wie die Karikatur eines pathicus...
Thema: Tote schlafen fest – oder: Das Mysterium des verblichenen Optios
Faustus Decimus Serapio

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RE: Tote schlafen fest – oder: Das Mysterium des verblichenen Optios 12.10.2020 16:31 Forum: Cohortes Praetoriae


Hier war mehr Expertise gefragt. Ich ließ mir Medicus Vibius, den Leiter des Valetudinariums kommen. Er war ein nervöser Mann, immer den Kopf zwischen den Schultern vergraben, stets in Eile.
"So kann ich gar nichts sagen." murrte er, nachdem er den Leichnam im Bett begutachtet hatte, ihn hin und her wuchtend, nicht anders als handle es sich um einen Sack Zwiebeln.
"Erstens brauche ich mehr Licht. Zweitens, Tribun, die Toten geben ihr Geheimnis nicht so einfach preis. Wenn du wirklich Antworten willst, dann muss ich schon reingucken."
"Wie bitte?"
"Aufschneiden."
"Ausgeschlossen!"
Was wenn sein Totengeist sich rächend an unsere Fersen heften würde?! Außerdem war es verboten. Und zudem – davor graute mir tatsächlich in diesem Moment spontan noch viel mehr – Dives würde mir den Kopf abreißen! (Dass Iulius Dives zurückgekehrt war, seinen Platz als Oberhaupt der Iulier wieder eingenommen hatte und bereits als der kommende Praetor gehandelt wurde, war kein allzugroßes Geheimnis mehr.) Aber das würde er vielleicht sowieso. So hinreißend mein Ex war, ebenso nachtragend war er auch.... und er hatte ein sehr gutes Gedächtnis.

"In meiner Zeit in Alexandria haben wir damit wirklich gute Erfahrungen gemacht, Tribun. Wir konnten so viele Erkenntnisse gewinnen! Einmal haben wir zum Beispiel eine frische Wasserleiche auf den Tisch bekommen, ein Mädchen von dem angenommen wurde, es habe sich ertränkt, als wir jedoch die Brust öffneten...-"
Vibius' Augen leuchteten, doch ich schnitt ihn energisch das Wort ab.
"Wir sind hier in Rom. Nicht in Alexandria." Und war es nicht sogar dort streng verboten?
"Es kommt nicht in Frage, Medicus, basta. Nimm die Leiche mit ins Valetudinarium, sieh ihn dir bei Licht an, lass ihn aufbahren. Aber bleib ihm mit deinen Messern vom Leib."
Enttäuscht fügte er sich.

Ich rieb mir die Schläfen, meine Kopfschmerzen waren stärker geworden. Ich öffnete das Fenster. Es ging hinaus auf die Mauer der nächsten Baracke, dazwischen wuchs etwas vergilbtes Gras. Keine Spuren.

Ich beschloss zu delegieren. Ließ eine Wache vor der Stube und begab mich in mein Officium, wo ich einen Becher verdünnten Wein trank, und dazu ein paar Blätter Khat kaute. (Denn wohlgemerkt lehnte ich nicht alles aus Alexandria ab, bei weitem nicht, ich hatte ausgesprochen reizvolle Erinnerungen an diese Stadt.) Die belebende Wirkung hatte schon eingesetzt, als der einbestellte Miles Nasica bei mir erschien. Seine Physiognomie erinnerte an einen traurigen Hund, und nicht nur optisch war er ein verteufelt guter Schnüffler. Wenn er nicht dieses Problem mit Autoritäten gehabt hatte – sehr unglücklich das, als Soldat – wäre er wahrscheinlich selbst längst Tribun...
Ich trug ihm auf, die letzten Tage im Leben des Optio Iulius zu rekonstruieren und machte mich dann widerwillig an meine nächste Pflicht - die Familie zu informieren. Um genau zu sein: Dives.



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Thema: Porta Iuliana | Eingang
Faustus Decimus Serapio

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Tote schlafen fest 12.10.2020 16:30 Forum: Domus Iulia


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Ein Soldat, unschwer als Prätorianer zu erkennen, pochte an der Porta des Hauses und gab eine versiegelte Botschaft ab.
"Für den Senator Iulius Dives. Dringend und persönlich."

   



Gardetribun F. Decimus Serapio grüßt Senator M. Iulius Dives.

Es ist lange her, Senator Iulius, und es tut mir leid, Dich nach Deiner Rückkehr nach Rom ausgerechnet mit einer so traurigen Nachricht empfangen zu müssen.
Dein Verwandter, Gnaeus Iulius Labeo, der erst vor einigen Tagen seinen Dienst als Optio bei uns antrat, ist letzte Nacht überraschend verstorben.
Du kannst mich jederzeit in der Castra Praetoria aufsuchen. Die Wache wird Dich zu mir geleiten.*

Vale bene








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Thema: area et fabrica
Faustus Decimus Serapio

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RE: Oh großer Freiheit jähes Ende 12.10.2020 16:13 Forum: Casa Decima Mercator


"Tonto, Kürbiskopf, undankbarer Strolch!" zürnte ich dem Sklaven. "So dankst du es meiner Familie, das wir immer gut für dich und die deinen gesorgt haben? Du wirst schon sehen was du davon hast."
Bestrafen musste ich ihn natürlich gebührend, auch wenn ich wenig Lust darauf hatte und mir einer gewissen... Mitschuld wäre jetzt zu viel gesagt.... nennen wir es 'Involviertheit' an dem ganzen Desaster bewusst war. Aber die Disziplin der Sklaven musste gewahrt werden.
"Sperrt ihn in den Keller, bis zu seiner Bestrafung." befahl ich, und wollte mich schon hoheitsvoll abwenden.
Aber die Casa war nun mal nicht die Castra.
"Alle Kellerräume sind belegt, Dominus." raunte mir unsere Vilica Rhea diskret zu.
"Er kommt mir nicht in den Weinkeller." beschloss unsere alte Kellermeisterin Pontia majestätisch.
"Nicht, dass er die Amphoren leertrinkt!"
"Und was ist, wenn er mal muss?" piepste Silas' goldiges kleines Schwesterchen unschuldig.
"Und auch nicht in die Vorratskammer." fuhr Pontia fort.
"Per omnes deos, sperrt ihn eben in den Holzschuppen!" befahl ich ungnädig. "Argus, kümmer dich drum."
Der Grobknecht legte seine große Hand auf Silas Rücken und führte den Delinquenten nachdrücklich ab. Ich löste die Versammlung auf und nahm Akadius und Pelias auf einen Becher Wein mit ins Haus, um mir genaueres von ihrer Sklavenhatz berichten zu lassen.
Thema: area et fabrica
Faustus Decimus Serapio

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RE: Oh großer Freiheit jähes Ende 12.10.2020 16:02 Forum: Casa Decima Mercator


Na endlich hatten sie ihn erwischt. Ich trat zu meinen treuen Custodes, die ich in der Zwischenzeit mehr als einmal vermisst hatte. Meine besten Leibwächter hatte ich dem dummen Jungen hinterhergeschickt (nicht ahnend, dass es so lange dauern würde ihn zu finden).
Der Flüchtige selbst sah nicht gerade angemessen zerknirscht aus, eher bockig. Ich würdigte ihn erst mal keines weiteren Blickes und begrüßte Akadios und Pelias dankbar mit Handschlag.
"Gut euch wiederzusehen. Und?"
"Am Hafen von Misenum haben wir ihn gefunden. Er hatte auf einem Schiff angeheuert. Ist dann ohne Sperenzchen mitgekommen." berichtete Akadios.
"Gut gemacht."
Ich wandte mich zu dem Ausreißer und herrschte ihn an:
"Was hast du dazu zu sagen?!"
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