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Thema: [Subura] Casa des Nero Helvetius Archias
Angus

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RE: Angus in der Grube 30.03.2020 18:06 Forum: Domus Gentium Romae


„In dem des Germanicus Cerretanus,“ zischte ich verächtlich. Mein Körper versteifte sich mit einem Mal und ich presste meine Hände zu Fäusten, als ich den Namen aussprach. Der Germanicer hatte es doch tatsächlich gewagt, Iduna und mich als Einsatz für ein Würfelspiel zu nehmen. Das war noch gar nicht so lange her, erst vor ein paar Tagen, oder war es doch schon länger her? Verdammt, wie lange hatte ich denn nun wirklich in diesem Loch gesessen? Im Grunde war es ja auch egal! Schlimm genug, dass dieser Schwachkopf Cerretanus bei diesem Würfelspiel verloren hatte! Ausgerechnet an diesen blonden Wichtigtuer, der an jenem Abend zu Gast gewesen war. Der Kerl hatte es doch glatt gewagt und Iduna betatscht! Als ob ihr Bauch ihm gehöre! Ich hatte mich sehr zusammen nehmen müssen, damit ich ihm nicht an die Gurgel gegangen war. Zum Glück war dieser Abend auch vorbei gegangen und ich hatte Iduna noch darin beschwichtigt, dass es doch nur ein Spiel gewesen war. Dass die beiden Römer nicht wirklich um uns gespielt hatten. Nein, das hatten sie doch nicht, oder? Zumindest wurde darüber kein Wort mehr verloren, bevor ich das letzte Mal die Casa Germanica verlassen hatte.

Nun, wahrscheinlich sagte ihm der Name meines Dominus gar nichts. Vielleicht hätte ich eher den des Flaviers nennen sollen. Schließlich hatte es Scato ja ziemlich weit gebracht, bevor er den Löffel abgegeben hatte. Andererseits aber war das Schnee von gestern und mein Gegenüber, dessen Name ich immer noch nicht kannte, musste ja auch nicht alles wissen.

Kaum hatte ich ihn danach gefragt, womit ich denn beweisen sollte, dass ich seiner Truppe würdig war, kamen fast haargenau die Antworten, mit denen ich vorab schon fast gerechnet hatte. Mal abgesehen von dem Mord, den ich begehen sollte. Jemanden beklauen und überfallen, das war eines. Aber jemanden umbringen, das war eine andere Hausnummer.
„Einen unschuldigen umbringen?“, fragte ich zur Sicherheit noch einmal nach. Inzwischen war ich an einem Punkt angelangt, an dem es kein Zurück mehr gab. Entweder ich oder irgendein unschuldiger armer Schlucker, der auf der Straße lebte und dem ich in einer dunklen Ecke meinen Dolch in die Eingeweide rammte, um ihn von diesem jämmerlichen Leben zu erlösen.
„Na schön, wenn´s sonst nichts ist!“, sagte ich großspurig. „Aber zuerst muss ich zurück ins Haus meines Dominus, sonst lässt er noch nach mir suchen. Und keiner von uns will ja schließlich Schwierigkeiten bekommen, nicht wahr!", meinte ich und warf ihm dabei ein kaltes Lächeln zu.
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Angus

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RE: Angus in der Grube 17.03.2020 23:28 Forum: Domus Gentium Romae


Mein Besuch im ‚blinden Esel‘, bei dem mir der Wirt etwas von einer gewissen Krähe erzählt hatte, dann die Kerle, die mich zusammengeschlagen und entführt hatten und schließlich das gute Essen, dass mich seltsamerweise an die besagte Taberna gegenüber der neuen Urbanerstation erinnerte. All das zusammen konnte doch kein Zufall sein.
Als mein Gefängniswärter dann meine Frage so vehement verneinte, war ich mir ganz sicher, dass ich auf der richtigen Fährte war. Daher ließ ich es bei diesem Thema auch bewenden. Ich an seiner Stelle hätte wahrscheinlich genauso gehandelt. Schließlich war ich immer noch ein Fremder.

Während ich mich säuberte begann er an seinem Doch herumzuspielen. Natürlich beobachtete er mich auch weiterhin. Ob mich das nervös machen sollte? Hätte ich mich nicht kooperativ gezeigt, dann wäre ich wahrscheinlich fällig gewesen. Doch heute würde aus mir keine Leiche werden und am Ende des Tages würde mein Kadaver auch nicht im Tiber schwimmen. Nein, ich wollte wirklich dazugehören und mit meinen Kenntnissen war ich sicher auch eine Bereicherung für die Bande der Krähe.

Die kleine Wunde in meinem Gesicht hatte endlich zu bluten aufgehört. Daher ließ ich Vorsicht walten, als ich mir das Gesicht mit einem Leinentuch abwischte. Während ich dann mein Werk im Spiegel begutachtete, begann er scheinbar eine Plauderei. Doch sicher geschah auch dies mit der Absicht, noch mehr Informationen über mich zu gewinnen.
„Ja, ich bin Sklave. Aber das war ich nicht immer!“, antwortete ich. Doch natürlich wollte auch ich nicht alles über mich Preisgeben. Meinen Namen aber konnte er ruhig erfahren. Wahrscheinlich kannte er den eh schon. „Angus ist mein Name.“ Ein wenig stutzig wurde ich, als er mir erklärte, er wolle meine Fähigkeiten testen. Sollte ich etwa jemanden bestehlen oder einen Laden überfallen? Das konnte doch nicht sein Ernst sein! Aber gut, wenn es sein musste. Sollte er seinen Spaß haben! Aber zuerst musste ich zurück zu Iduna. „Was für illegale Dinger schweben dir denn so vor?“
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Angus

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RE: Angus in der Grube 16.03.2020 22:48 Forum: Domus Gentium Romae


Dieser Dreckskerl genoss es, mich so zu sehen. Unter anderen Umständen hätte ich ihm seine dämliche Visage poliert. Allerdings war ich zum einen nicht richtig in der Verfassung, andererseits wollte ich nicht noch länger in diesem Loch eingesperrt sein. Iduna würde es mir niemals verzeihen, wenn ich nicht bei ihr wäre, wenn das Kind kam.

Um mich noch weiter zu reizen, verhöhnte er mich, wie er nur konnte. Dabei unterstellte er mir sogar, meine Entscheidung sei nicht ernst gemeint. Jedoch transportierte er auch kleine Informationen, die mir wenn man genau zuhörte, die eine oder andere Frage beantwortete. So zum Beispiel, wie lange ich hier festgesessen hatte. „Vier Tage?“, fragte ich erschrocken, wobei ich eigentlich bemüht gewesen war, mir nicht noch mehr Schwächen ansehen zu lassen. Doch in dieser Zeit konnte alles Mögliche passiert sein!

„Der Boss, das ist die Krähe nicht wahr?“ fragte ich, diesmal mit einer etwas festeren Stimme, um von meinem Erstaunen über die Dauer meiner Gefangenschaft abzulenken. „Ja, verdammt, ich will zu seiner Bande dazugehören! Und wie ich das will!“ Bei diesen Worten kehrte so langsam mein altes Ich wieder zurück. Zumindest verspürte ich wieder die Glut des Hasses in mir. Der Hass auf all jene, die mich all die Jahre gedemütigt hatten und die glaubten, einen Anspruch auf mich zu haben.

Als der Kerl sich wieder umdrehte und ich schon befürchten musste, er würde mich noch weiter hier festhalten wollen, blieb ich diesmal standhaft. Nicht noch einmal wollte ich vor diesem Widerling zusammenbrechen. Zu meinem Erstaunen aber ließ er die Zellentür weit offen stehen. Sollte das meine Gelegenheit zur Flucht sein oder war das nur ein Test? Um das herauszufinden, verharrte ich erst einmal an Ort und Stelle und konnte kurze Zeit später feststellen, dass er und ein paar seiner Gehilfen zurückkehrten. Sie trugen alles herbei, was man so benötigte, um nach vier Tagen Kerkerhaft wieder passabel auszusehen. Dagegen hatte ich natürlich nichts, denn ich konnte mich selbst nicht mehr riechen. So sehr stank ich.

Ich ließ mich nicht lange bitten und streifte meine Kleider vom Leib. Dabei war es mir egal ob ich Zuschauer hatte. Mein Körper war muskulös und durchtrainiert. An einigen Stellen kündeten Narben von Auseinandersetzungen, die ich in meinem Leben schon auszufechten hatte. Aber es waren auch Narben von Schlägen, die dokumentierten, wie groß mein Stolz in all den Jahren gewesen war. Die Tätowierungen, die mein Körper vereinzelt zierte, stammten aus einem anderen Leben – einem Leben in Freiheit!

Als ich mit der Rasur begonnen hatte, fragte er mich, was ich nun vorhätte. Das führte dazu, dass ich einen Moment lang unaufmerksam war und mich mit dem Rasiermesser unterhalb des linken Wangenknochens schnitt. Kaum hörbar zischte ich einen Fluch in meiner Muttersprache und griff nach einem Tuch, um damit das Blut aufzufangen. Für einen Moment hielt ich es fest auf die Wunde gedrückt und wandte mich meinem Zuschauer zu. „Als erstes werde ich zurück zu meinem Dominus gehen, damit er keinen Verdacht schöpft. Ich kann ja sagen, dass ich aufgehalten wurde.“ Natürlich erzählte ich dem Kerl nichts von Iduna und dem Kind. Das ging ihn einen feuchten Kehricht an.
Zum Glück stoppte die Blutung bald und ich konnte die letzten Handgriffe machen, bis ich fertig war. Frisch gewaschen, rasiert und in sauberer Kleidung fühlte ich mich gleich viel besser.
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Angus

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RE: Angus in der Grube 11.03.2020 17:18 Forum: Domus Gentium Romae


Ein Häufchen Elend – das beschrieb es wohl am ehesten, wie ich mich fühlte. Ich saß zusammengesunken in einer Ecke meiner Zelle. Mein Haar war völlig struppig und verklebt, in meinem Gesicht spross ein blonder Dreitagebart ungehindert weiter und ich roch säuerlich nach Schweiß, Alkohol und Erbrochenem. Kurz und gut, ich war ein menschliches Wrack. Meine geröteten Augen sahen nach oben, als sich die Zellentür öffnete. Der Glanz war längst aus ihnen verschwunden. Mein Wille war endgültig gebrochen. Nun war ich an einem Punkt angelangt, an dem ich alles, wirklich alles tun würde, nur um hier herauszukommen. Ich wusste, ich musste so schnell wie möglich zurück zu Iduna, denn ich ahnte es bereits, dass etwas während meiner Abwesenheit passiert sein musste. Warum hatte ich sonst so sehr an sie denken müssen und weswegen hatte sie mich ständig in meinen Gedanken heimgesucht? War unser Kind nun endlich zur Welt gekommen? Und war es gesund? Oder hatte sie es etwa verloren? All diese Fragen hatten mich die letzten Tage und Stunden gequält.
Doch nun stand wieder dieser Kerl vor mir, der mir vor wieviel Stunden auch immer etwas davon erzählt hatte, ich sei gestorben und könne nun ein neues Leben haben und einer von ihnen sein, wenn ich diese Zelle verließe.
„Ich will heraus!“, rief ich ihm mit letzter Kraft zu. Meine Stimme klang brüchig. „Ich will einer von euch sein! Aber bitte lass mich endlich hier heraus! Ich tue alles, was ihr wollt! Wirklich alles!“ Dabei hätte ich nur kurz darüber nachdenken sollen, was ich vor einigen Tagen, die mir allerdings wie eine halbe Ewigkeit vorkamen, gesagt hatte. Inzwischen hatte ich versucht, mich aufzuraffen, schaffte es aber nur bis auf meine Knie. Ja, selbst den letzten Rest meines Stolzes hatten diese Tage im Kerker aufgefressen.
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Angus

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RE: Angus in der Grube 07.03.2020 18:19 Forum: Domus Gentium Romae


Anstatt einer vernünftigen Antwort, faselte der Kerl nur wirres Zeug! Weshalb sollte ich mich freuen und wieso war ich gestorben? Das war doch völliger Schwachsinn! Natürlich lebte ich noch! Ich spürte es doch ganz deutlich, denn mein Schädel brummte wie verrückt. Die Müdigkeit und dann diese kryptischen Andeutungen, die dieser Bursche da von sich gab, trieben mich langsam aber sicher in den Wahnsinn. Dabei wäre es wahrscheinlich ganz schlüssig gewesen, hätte ich nur einen klaren Gedanken fassen können. Hinzu kam meine Sorge um Iduna. Es musste jetzt fast jeden Tag so weit sein, bis unser Kind kam. Verdammt und zugenäht und ich sah hier in dieser Zelle! Ich hatte keinerlei Vorstellung mehr, wie lange ich nun schon hier gefangen sein mochte. Wahrscheinlich waren es bereits mehrere Tage oder gar Wochen? Aber hätte ich meinem Besucher genauer folgen können, hätte ich gewusst, dass es nur zwei Tage gewesen waren.

„Wer werde ich sein, hä? Wer? Und wer bist du?“, zischte ich. Ein kleines Fünkchen brannte noch in mir, doch dies war leider nicht genug, um ein loderndes Feuer zu entfachen. Zwar hatte es mir hier an gar nichts gefehlt. Im Gegenteil, das Essen, das man mir immer wieder vorgesetzt hatte, war viel zu viel gewesen. Ich schaffte es gar nicht, dass alles zu essen. Genau das gab auch der Spitzbube zu bedenken. Selten hatte ich so gut gespeist, wie hier in dieser Zelle. Doch was nützte einem das beste Essen, wenn man eingesperrt war und sich nach der Freiheit sehnte! Verdammter Mist - Freiheit! Diese Freiheit gab es doch gar nicht! Nicht für mich, nicht für Iduna und auch nicht für unser Kind.

Der Kerl faselte etwas von Kameraden, die immer für einen da waren, wenn man sie brauchte. Ja, das wäre wirklich gut gewesen! Vielleicht hätten sie uns helfen können. Natürlich wäre diese Kameradschaft nicht umsonst gewesen! Aber was war denn noch umsonst? Seine Worte prasselten weiter auf mich ein, wie ein starker Regenguss in meiner Heimat. Doch dann plötzlich ließ er mich einfach stehen und ging. „He, warte doch! Du musst mir helfen! Ich brauche deine Hilfe! Ich tue alles, was du willst!“ Den letzten Satz konnte er eigentlich gar nicht mehr gehört haben, da er bereits den Kerker verlassen hatte. Doch ich ließ mich langsam hinunter auf den Boden gleiten und versank in meinem Gram. „Du musst uns helfen!“ rief ich noch einige Male. Meine Stimme aber wurde immer leiser. „Iduna und das Kind! Ihr müsst mich gehen lassen!“, sagte ich dann immer wieder fast gebetsmühlenartig, bis ich irgendwann verstummte und nur noch vor mich hinstarrte.
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Angus

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RE: Angus in der Grube 04.03.2020 21:12 Forum: Domus Gentium Romae


Vielleicht hätte es mir beim Geschmack des Lammtopfes bereits auffallen müssen. Er hatte mir wirklich sehr gemundet. Genauso wie der in dieser neuen Taberna! Aber mir waren einfach zu viele Dinge durch den Kopf gegangen, dass mir das völlig entgangen war. Stattdessen wuchs in mir die Wut auf denjenigen, der mich hier eingekerkert hatte.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer auf meine baldige Freilassung keimte auf, als ich nahende Schritte hörte. Doch der Kerl der sich meiner Zelle näherte, sprach kein Wort. Als hätte man ihm voher die Zunge herausgeschnitten! Er wechselte nur die Öllampe aus. Alle paar Stunden kam ein anderer, der diesen Dienst versah. Alle waren sie stumm geblieben.

Der, der mich hier festhielt, war es anscheinend besonders wichtig, dass ich regelmäßig mit Essen und Getränken versorgt wurde. Jedoch war das für mich zweitrangig geworden. Dadurch, dass es die ganze Zeit über taghell war, verlor ich nach den ersten Stunden meiner Gefangenschaft bereits mein Zeitgefühl. Die Ungewissheit, was als nächstes passieren würde, brachte mich schier zum Wahnsinn. Die Männer, die mich mit Essen versorgen hatte ich anfangs mit Fragen gelöchert und da sie nicht geantwortet hatten, hatte ich ihnen Schläge angedroht. Doch jedes Mal wurden sie von bewaffneten Spießgesellen begleitet, die mich auf Abstand hielten und mir deutlich machten, dass sie keineswegs zögern würden, ihre Waffen an mir auszutesten.

Die Zeit tat ihr übriges. Nach etlichen Stunden begann ich mich müde zu fühlen. Doch an einen festen tiefen Schlaf war nicht zu denken! Die verdammten Öllampen standen alle außerhalb meiner Zelle, so dass ich nicht an sie heran kam. Irgendwann kam es mir dann auch so vor, als ob ständig jemand kam, der peinlichst genau darauf achtete, dass das Licht niemals erlosch. All das machte mich langsam aber sicher mürbe. Wenn ich den in die Finger bekam, der sich diese Folter ausgedacht hatte!

Dann, nach unendlich vielen Stunden ohne Schlaf näherten sich wieder Schritte. Ich hatte Mühe meine Augen aufzuhalten. Der Kerl kam mir bekannt vor. Es war einer von denen, die mich überwältigt hatten. „Was wollt ihr von mir? Wer seid ihr? Wieso bin ich hier!“, brach es wieder aus mir heraus. Ich wollte endlich Antworten, auch wenn es mir schwer fiel, mich darauf zu konzentrieren.
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Angus

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RE: Angus in der Grube 15.02.2020 17:46 Forum: Domus Gentium Romae


Mein Kopf dröhnte vor Schmerzen. Es kam mir so vor, als ob sich alles drehe. Mir war schlecht und alles war schwarz vor meinen Augen. Von weitem hatte ich Stimmen wahrgenommen. Aber die waren inzwischen verstummt. Ich hatte keinen blassen Schimmer davon, was mir zugestoßen war und wo ich mich befand. Sämtliche Knochen taten mir weh. Aber meine Kopfschmerzen waren am unerträglichsten.
Offenbar waren meine Haare nass. Meine Hand fuhr an meinen Hinterkopf. Da war tatsächlich etwas feuchtes Klebriges. Mit viel Mühe gelang es mir, meine Augen zu öffnen. Zum Glück sorgten ein paar Öllampen für schummriges Licht, sonst hätte ich rein gar nichts erkennen können. Ich lag auf einem Lager aus Stroh. Dann sah ich an meine Hand und erkannte, dass es Blut war, was an meinen Haaren klebte. Das musste eine Platzwunde sein von einem Schlag. Verdammt, was war nur passiert? Je mehr ich mich anstrengte und nachdachte, umso schlimmer wurden die Kopfschmerzen. Also blieb ich am besten noch eine Weile auf dem Lager liegen und schloss wieder meine Augen, in der Hoffnung, dass mein Zustand sich verbesserte.
Langsam begannen Gedanken durch meinen Kopf zu schwirren. Von Ereignissen der letzten Tage. Vielleicht erinnerte ich mich dann auch, was passiert war. Da waren Iduna, der verdammte Germanicer und noch ein Römer. So ein blonder Jungspund in feinen Klamotten. Der Kerl hatte Iduna begrabscht, als wäre sie ein reifer Apfel, den man bald ernten musste. Ich spürte jetzt noch die Wut in mir, die ich dabei empfunden hatte und sie kam auch sofort wieder hoch. Ich erinnerte mich noch an ein Würfelspiel. Wer hatte gespielt? Ich und der Kerl in der Taberna? Ich wusste noch, ich hatte mich mit ihm unterhalten und hatte dabei ein paar Cervisia getrunken und einen Lammeintopf gegessen. Aber ab dann war alles weg. Ich konnte auch nicht sagen, wann ich mit dem Mann gesprochen hatte. Heute, gestern oder vor ein paar Tagen?

Plötzlich war mir, als roch ich etwas. Der Duft von frischem Essen war in meine Nase gekrochen und verursachte in mir ein Verlangen, dem ich nicht lange standhalten konnte. Wieder öffnete ich meine Augen und sah mich um. Ich begriff, dass ich in einem Raum war, der recht spärlich eingerichtet war. Auf dem Boden stand ein Tablett bereit, welches mit einer Schale Eintopf und einem Teller mit Brot bestückt war. Außerdem entdeckte ich zwei gefüllte Kannen und einen Becher.
Ich erhob mich und schritt zunächst zur Tür. Wie ich erwartet hatte, war sie verschlossen. Ich war gefangen! Aber wo nur und wer hielt mich gefangen? War es etwa der Germanicer?! Aber weshalb? Was hatte ich getan? Doch ich hatte im Laufe der Zeit gelernt, dass diese dreckigen Römer keinen triftigen Grund benötigten, um einen ihrer Sklaven tagelang, ja wochenlang gefangen zu halten. Ich erinnerte mich noch gut daran, wie Scato (verdammt soll er sein und alle Flavier) mich wochenlang im Carcer der Urbaner hatte schmoren lassen – nur weil ich sein verfluchtes Leben gerettet hatte. Ein unbändiger Hass stieg in mir auf, auf die Flavier, auf den Germanicer und überhaupt alles, was römisch war. Rom, das war mein Verderben! Dann dachte ich wieder an Iduna und an unser Kind, die inmitten dieser Schlangengrube saßen. Ich seufzte schwer und wandte mich um zu der Kanne, in der sich der Wein befand. Ich schenkte mir einen Becher ein und verzichtete natürlich darauf, das Gesöff mit Wasser zu verdünnen. Schließlich war ich keiner dieser verweichlichten Römer! Doch bevor ich den Wein hinunterkippen wollte, kam mir plötzlich der Gedanke, dass der Wein und auch das Essen vergiftet sein könnten. Wer bei Venus´ Titten versorgte einen gefangenen Sklaven mit Wein und gutem Essen in seinem Gefängnis?! Aber vielleicht war es ja auch eine Art Henkersmahlzeit, weil man mich in ein paar Stunden schon ans Kreuz schlagen wollte, warum auch immer.

„Ach, scheiß drauf!“, zischte ich und leerte den Becher in einem Zug. Der Wein war gut und der Lammeintopf auch. Obwohl er schon etwas kalt war.
Thema: [Subura] Dunkel war´s, der Mond schien helle...
Angus

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RE: Dunkel war´s, der Mond schien helle... 09.02.2020 20:20 Forum: Roma


Nachdem das, was zu viel in meinem Magen gewesen war, auf dem Straßenpflaster gelandet war, fühlte ich mich einen Moment besser. Aber dann kam gleich wieder das flaue Gefühl in meinem Magen. Das wurde nur noch von einem unerwarteten harten Schlag auf den Hinterkopf getoppt.
Augenblicklich wurde mir schwarz vor Augen. Lediglich einen lauten Seufzer gab ich von mir. Bevor ich in mein Erbrochenes hinabsinken konnte, wurde ich unsanft gegen die Hauswand gedrückt und an meiner Kehle spürte ich etwas Metallenes.
Verdammter Mist, hätte ich doch bloß nicht so viel gesoffen! Benommen nahm ich eine Stimme wahr. Das musste der Kerl sein, der mich gegen das Mauerwerk drückte und wahrscheinlich war er es auch, der mich niedergeschlagen hatte.
„Lass mich… lass mich los, du… du Dreckskerl!“, lallte ich mit letzter Kraft. Mein Kopf dröhnte vor Schmerzen.
Langsam wurde mir bewusst, dass da noch mehr Männer waren. Offenbar war ich einer Räuberbande über den Weg gelaufen. Was für eine Ironie! Vor einigen Stunden hatte ich mich noch selbst einer solchen Bande anschließen wollen, nun wurde ich selbst zum Opfer einer solchen!
„Was… was wollt ihr von mir? Ihr Idioten habt nur einen verdammten Sklaven erwischt! Bei mir ist nichts zu holen!“ Ich rechnete fest damit, dass der Kerl mir nun die Kehle durch schnitt. Sollte er doch! Was hielt mich hier noch? Iduna und unser ungeborenes Kind!
Thema: [Subura] Io Saturnalia! Wein, Weib un... die Zweite!
Angus

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RE: Io Saturnalia! Wein, Weib un... die Zweite! / Sigrun vs A.C.R 19.01.2020 21:28 Forum: Roma


Ich hatte mich in der Schönen nicht getäuscht. Eine wie sie bediente nicht einfach nur in solch einem Laden. Sie stand den Gästen auch noch in anderer Hinsicht zu Diensten. Ihre aufgesetzte Empörung war natürlich nur gespielt. Sicher war sie nicht wesentlich teurer, wie jede andere Hure in dieser Stadt. „Das lass mal meine Sorge sein!“, antwortete ich ihr und wischte den Schaum von meinen Lippen, nachdem ich einen großen Schluck der Cervisia genommen hatte. Mein Geldbeutel war gut gefüllt, da ich mir bei Botengängen gelegentlich einige Münzen abzwackte – sozusagen als Bonus. Der Germanicer hatte bis jetzt davon nichts gemerkt. Solange ich nicht zu gierig wurde, würde sich wahrscheinlich daran auch nichts ändern.
Doch kurz bevor wir beide uns einigen konnten, drängte sich so ein älterer Geldsack in feiner Kleidung dazwischen, der meiner Schönen auf den Allerwertesten klatschte und sie, vor Sarkasmus nur so strotzend, anpöbelte. Bevor ich jedoch diesem Möchtegern – Schürzenjäger den Marsch blasen konnte, übernahm das die hübsche Bedienung, die ihm auf gleiche Weise antwortete. Was machte so einer eigentlich hier? Na egal. Es waren Saturnalia!
„Also, was ist jetzt mit uns beiden?“, fragte ich die Schöne, um mich wieder in Erinnerung zu bringen.
Thema: Das Los der SimOff-herrenlosen Sklaven
Angus

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Das Los der SimOff-herrenlosen Sklaven 06.01.2020 02:24 Forum: Allgemeines


Ich möchte hier auf das Dahinvegetieren zweier Chars aufmerksam machen, die durch unüberlegtes Handeln ihrerseits aber auch durch das anderer Spieler in die Enge getrieben wurden, aus der es nun schon seit gut acht Monaten scheinbar kein Entrinnen gibt.

Mir ist sehr wohl bewusst, dass die Spieler, die sich für Sklaven-Chars entschieden haben und sich über den offiziellen Sklavenhändler versteigern lassen, dem fügen müssen, wie es SimOn ausgespielt wird. D.h. die Sklaven Iduna und Angus wurden SimOn an Paullus Germanicus Cerretanus verkauft. Das haben wir auch akzeptiert. Unglücklicherweise hat uns PGC schon kurz nach Abschluss seines Kaufs SimOff wissen lassen, dass er kaum Zeit haben wird für ein gemeinsames Spiel mit uns. Iduna und ich haben uns natürlich gefragt, weshalb er uns dann überhaupt gekauft hat. Fakt ist, dass unsere beiden Chars dadurch in gewisser Weise kalt gestellt wurden.

Schließlich wurde SimOff nach einer Lösung gesucht und man einigte sich darauf, dass Gaius Iulius Caesoninus die beiden PGC abkaufen sollten. Im Mai letzten Jahres wurde also hier damit begonnen, eine Cena auszusimmen, bei der GIC auf die beiden Sklaven aufmerksam werden und sie dann kaufen oder gewinnen sollte. Der Thread kam nur sehr schleppend in Gang (wahrscheinlich auch wegen der Urlaubszeit im Sommer). Seit Mitte August ist dort leider gar nichts mehr passiert, was für Iduna und mich bedeutet, dass wir fest sitzen. Auf die Dauer ist das sehr ermüdend und frustrierend. Man kann zwar noch so viele andere Threads auf anderen Schauplätzen aufmachen und spielen, so wie ich es gerade versuche, doch letztendlich tritt man doch immer nur auf der Stelle. Iduna hat noch zusätzlich das Problem, dass sie irgendwann noch das Ende ihrer Schwangerschaft ausspielen möchte. Als SimOn-Hochschwangere ist es dann doppelt schwer, sich eine Geschichte zum Zeitvertreib aus den fingern zu saugen.

Ich frage mich nun, was wir tun können, um diese Miesere zu beenden, damit allen Spielern geholfen ist. In Zeiten, in denen man sich fragt, wie man das IR noch retten kann, ist diese Frage ebenso berechtigt, finde ich. Was können wir also tun? Noch schaut Iduna hin und wieder hier im IR vorbei. Aber wie lange noch? Die einfachste Lösung wäre sicher, den obengenannten Thread als „erledigt“ zu sehen und die beiden Sklaven in den Besitz von GIC übergehen zu lassen. Aber vielleicht findet Spielleitung auch noch eine bessere Lösung oder kann zumindest Stellung zu unserem Problem nehmen.
Vielen Dank!
Thema: [Subura] Io Saturnalia! Wein, Weib un... die Zweite!
Angus

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RE: Io Saturnalia! Wein, Weib un... die Zweite! 05.01.2020 20:43 Forum: Roma


Auf meine Cervisia musste ich etwas warten. Offenbar war ich in einem Laden gelandet, der nur hin und wieder Cervisia ausschenkte. So ein verdammter Mist! Wieder einmal dachte ich mit Wehmut an meinen alten Freund Cian und seine selbstgebraute Cervisia. Wenn ich nur gewusst hätte, wo er war und wie es ihm und seiner Familie ging. Bevor ich jedoch in Schwermut verfallen konnte, kehrte die blonde Schönheit doch noch mit einer gefüllten Kanne und einem Becher an meinen Tisch zurück. Sie war verdammt groß für eine Frau. Wahrscheinlich überragte sie mich sogar um einige Fingerbreit. Auch entsprach sie nicht wirklich meinem Beuteschema. Aber heute war mir das ziemlich egal. Ich hatte schon lange keine Frau mehr gehabt. Es war an der Zeit, dies zu ändern.

"Vielen Dank, meine Schöne!", antwortete ich ihr grinsend während ich zwei Asse aus meinem kleinen ledernen Beutel herauszog und ihr die Münzen in ihre offene Hand legte, die sie mir entgegenstreckte. Bevor sie diese aber nun wegziehen konnte, griff ich nach ihrem Handgelenk, um sie daran zu hindern, gleich wieder zu gehen. "Na, wie wär´s mit uns beiden? Du und ich, jetzt gleich! Ich bezahle auch gut!" Dabei deutete ich auf meinen Geldbeutel, den ich um den Hals unter meiner Tunika trug. Mit Sicherheit gab es in der Taverne noch ein nettes ruhiges Hinterzimmer, in dem die Hübsche hier noch weitere Dienste anbieten konnte.
Thema: [Subura] Io Saturnalia! Wein, Weib un... die Zweite!
Angus

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Io Saturnalia! Wein, Weib un... die Zweite! 05.01.2020 01:05 Forum: Roma


Diese beschissenen Saturnalien! Gut und gerne hatte ich auf das heuchlerische Getue des Germanicers verzichtet und hatte mich noch vor der Saturnalienfeier abgesondert. Das war das einzig Gute an diesem scheiß Fest, dass ich niemand Rechenschaft schuldig war. Ich hatte ein Bad genommen, eine gute Tunika angezogen und mich am Duftwasser des Germanicers bedient. Über die Tunika hatte ich noch eine Paenula gezogen. Mein gefüllter Geldbeutel hielt ich unter meiner Tunika verborgen. Man konnte ja nie wissen, welchen kaputten Typen man in der Subura über den Weg lief. Zur Sicherheit hatte ich auch ein Messer dabei, welches ich ebenfalls unter meiner Kleidung trug. Natürlich wusste ich, dass das Tragen von Messern verboten war, erst recht für Sklaven. Aber wo kein Richter, da kein Henker, wie man so schön sagte. Ich hoffte auf einen amüsanten Abend mit viel Wein, Cervisia und einer hübschen Lupa oder auch zwei. Dabei hoffte ich, dass mich die Erinnerungen an Morrigan nicht wieder heimsuchten. Morrigan, mein Rabenmädchen, dass ich vor so vielen Jahren an den Saturnalien kennengelernt hatte. Aber Morrigan war unendlich weit weg.

Wie damals führte mich mein Weg direkt in die Eingeweide dieses Mollochs. Dorthin, wo man für einige Stunden Ablenkung finden konnte, wenn man dafür bezahlte. Auch diesmal begegneten mir gutgelaunte Menschen, die lachten und sangen. Wie damals drang aus den überfüllten Tavernen ein Gemisch aus Gegröle und Gelächter an meine Ohren. Selbst auf den Straßen fanden sich Leute zusammen, die gemeinsam tranken und feierten. Mir war so, als hätte ich ein verdammtes Déjà-vu. Das konnte ja heiter werden! Also steuerte ich die nächst beste Taverne an, um meine aufkeimenden Erinnerung mit Alkohol zu betäuben.
Nun ja, es war nicht der beste Laden, aber auch nicht der Schlechteste. Es gab sogar noch einige freie Plätze. "Eine Cervisia!", rief ich der hübschen Kellnerin zu, als sich mich an einen der wenigen freien Tische setzte.
Thema: [Subura] Dunkel war´s, der Mond schien helle...
Angus

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Dunkel war´s, der Mond schien helle... 15.12.2019 22:16 Forum: Roma


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Ich hatte ordnungsgemäß alle meine Aufgaben erledigt, die ich erledigen sollte. Der Germanicer konnte mir also nichts vorwerfen. Doch statt vor Sonnenuntergang in die Casa zurückzukehren, hatte ich es vorgezogen, mir ordentlich die Kante zu geben. Der Besuch der Taberna in der Mittagszeit hatte mich auf eindrucksvolle Weise zur Einsicht gebracht, dass ich nur ein dreckiger verkommener Sklave war, der immer noch seinem alten Leben nachtrauerte und nicht wahrhaben wollte, dass ihm die Zukunft nichts weiter mehr zu bieten hatte. Einer von Hunderttausenden also. Ich würde niemals wieder frei sein und auch mein Kind und Iduna waren dazu verdammt, ewig dem Gutdünken irgendeines Römers ausgeliefert zu sein. Diese Erkenntnis, so war ich der Meinung, musste begossen werden! Mit Alkohol! Mit viel Alkohol!

In meinem Geldbeutel befanden sich noch genügend Münzen für ein gepflegtes Besäufnis. Und welche Umgebung wäre dafür besser geeignet gewesen, als die Subura?

Ich konnte nicht mehr genau sagen, in welche Spelunke es mich verschlagen hatte oder wie viel ich eigentlich getrunken hatte. Es war mehr als mir gut getan hatte, was man sehr gut an meinem torkligen Gang erkennen konnte. Außerdem gab ich unverständliche Fragmente eines nicht mehr genau identifizierbaren Trinkliedes von mir, bis ich schließlich in einer dunklen Ecke stehen blieb, da ich das dringende Bedürfnis verspürte, mich zu übergeben.
Thema: [Subura] Taverne "Zum blinden Esel" gegenüber der neuen Urbanerstation
Angus

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RE: Ein anderer schlechter Tag in Rom 15.12.2019 13:22 Forum: Roma


Ja, es war nur eine fixe Idee gewesen. Ein Gedankenspiel, welches niemals Realität werden würde. Ich war dazu verurteilt, bis an meinen letzten Tag als Sklave zu leben, genauso wie Iduna und unser Kind. Ich war dazu verdammt, zusehen zu müssen, wie man es uns eines Tage entreißen würde, um es als Sklaven zu verkaufen. Und selbst Iduna konnte man mir einfach entreißen. Genauso sah meine Zukunft aus. Also wäre es eigentlich sinnvoller gewesen, alles in Bewegung zu setzen, um sich mit dem Germanicer gut zu stellen, damit ich und somit auch die meinen nicht in Ungnade fielen. Wäre da nur nicht mein unbändiger Stolz gewesen, den selbst die langen Jahre der Sklaverei hatten nicht brechen können. Der Stolz eines Sklaven - wie lächerlich! Im Grunde machte ich mir nur etwas vor und wollte einfach nicht die Fakten anerkennen. Die Zeit des Kriegers Angus war längst vorbei. Übriggeblieben war der Sklave Angus, der das nur nicht akzeptieren wollte.
Der Wirt war so freundlich gewesen, mir lediglich nur vier Sesterzen für das Essen abzunehmen. Das Bier schenkte er mir. Wahrscheinlich hatte ich ihn mit meinem Gerede gut unterhalten und ihm die Zeit vertrieben, weshalb er mir einen Teil meiner Schuld erließ.

„Das ist sehr großzügig von dir! Vielen Dank!“ antwortete ich brav und lächelte, wenn auch etwas verbittert. Ich nickte ihm noch einmal zu. Dann ging ich meiner Wege. Ich hatte schließlich noch einiges zu tun.

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Thema: [Subura] Taverne "Zum blinden Esel" gegenüber der neuen Urbanerstation
Angus

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RE: Ein anderer schlechter Tag in Rom 09.11.2019 16:00 Forum: Roma


Schließlich kratzte ich mit meinem Löffel den allerletzten Rest des Lammeintopfes zusammen und ließ diesen dann in meinem Mund verschwinden. Ein Schluck Cervisia krönte das Ganze und sorgte dafür, dass ich zufrieden rülpsen konnte. Ahh, das war wirklich gut gewesen! „Ein Hoch auf die Frauen!“, rief ich bevor ich noch einmal einen Schluck nahm. Ob Iduna auch so gut kochen konnte? Ich hatte noch nie darüber nachgedacht, dass sie bisher kein einziges Mal für mich gekocht hatte. Doch ich war ganz davon überzeugt, dass sie unser Kind gut versorgen konnte, sobald es endlich geboren war.

Der Wirt hatte sich nicht geirrt, meine Enttäuschung über alles, was nach Scatos Tod geschehen war, konnte ich einfach nicht verbergen. Ich hatte einfach zu lange gewartet. Ich hatte mich zu lange meinen Selbstzweifeln hingegeben und hatte dadurch den richtigen Zeitpunkt für eine Flucht mit Iduna verpasst. Aber hier in der Subura konnte er sich für eine begrenzte Zeit frei fühlen, denn wie der Wirt richtig bemerkte, in der Subura gab es keine Herren.
„Germanicus Cerretanus hat mich gekauft.“ Den Namen meines neuen Dominus hatte ich mit reinster Abscheus ausgesprochen, ganz so, als handle es sich dabei um eine unangenehme Krankheit. Der Gedanke, dass dieser Mistkerl demnächst schon der Besitzer unseres Kindes sein sollte, bereitete mir Übelkeit. Liebend gerne wollte ich dem Kerl in der Nacht die Kehle durchschneiden. Jedoch war mir bewusst, welche Konsequenzen diese Tat für Iduna und alle anderen Sklaven des Haushalts haben würden. Nur dieses Wissen hinderte mich daran, mein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Wenn der Germanicer jedoch das Opfer einer Räuberbande werden würde, sah die Sache schon anders aus.

Die fixe Idee, sich einer solchen Bande anzuschließen wurde jedoch vom Wirt sofort wieder gedämpft. Zunächst wollte ich ihm widersprechen, als er meinte, es sei gegen das Gesetz, sich einer solchen Bande anzuschließen. Stattdessen grinste ich nur. Ich war an einem Punkt angekommen, an dem mir alles Legale an meinem Allerwertesten vorbei ging.
„Na schön, dann muss ich wohl wieder“ ,meinte ich nachdem ich den letzten Rest meiner Cervisia in einem Schluck genommen hatte und von meinem Platz aufgestanden war. „Was schulde ich dir für das Essen und die beiden Cervisiae?“ Ich kramte bereits meinen Geldbeutel hervor, um für Speis und Trank zu zahlen.
Thema: prima il dovere, poi il piacere ~ erst die arbeit, dann das vergnügen
Angus

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RE: prima il dovere, poi il piacere ~ erst die arbeit, dann das vergnügen 30.09.2019 19:09 Forum: Mercatus Urbis


Eireann hieß also die schöne. Ob sie auch von daher kam? Scheinbar war auch sie unfrei, so wie ich. Nun denn, es war sicher am einfachsten, wenn wir den Verletzten erst einmal in die Taberna ihres Dominus brachten, wo sie ihm dann Umschläge machen konnte, so wie sie sagte. Norius war auch damit einverstanden. Für mich war es selbstverständlich, ihm zu helfen.
"Natürlich!" Ich bückte mich, um ihm aufzuhelfen. Dann legte ich mir seinen Arm um den Nacken, um ihm Halt zu gehen. "Geht es so? Ist es so angenehm?" fragte ich ihn, bevor wir losgingen.
"Geh du vor! Zeig uns den Weg zur Taberna deines Dominus!" meinte ich mit einer auffordernden Kopfbewegung zu der hübschen Sklavin.
Thema: [Subura] Taverne "Zum blinden Esel" gegenüber der neuen Urbanerstation
Angus

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RE: Ein anderer schlechter Tag in Rom 29.09.2019 07:17 Forum: Roma


Oh, da kam endlich der langersehnte Lammeintopf, dessen Duft mir schon die ganze Zeit den Mund wässrig gemacht hatte. Passend dazu brachte der Wirt mir auch die zweite Cervisia, die ich bestellt hatte. „Vielen Dank!“, entgegnete ich freundlich dem Wirt, als er den Teller und den Becher vor mir abstellte. Das Essen sah wirklich köstlich aus. Ich nahm den Löffel, rührte den Eintopf ein wenig um, damit er etwas abkühlen konnte, bevor ich den ersten Löffel zum Mund führte.
Dann endlich war es so weit. Ich kostete den Eintopf, auch wenn er noch etwas heiß war. Sein Duft hatte nicht zu viel versprochen. Die Geschmacksknospen in meinem Mund vollführten ein wahres Feuerwerk der Genüsse. Selten hatte ich etwas so Gutes gegessen. Der Eintopf konnte sich auf jeden Fall mit dem von dem armen Cian messen. Er schmeckte fast so, wie zu Hause.
„Der Eintopf ist hervorragend! Besser hätte ihn meine Frau nicht kochen können!“, meinte ich lobend, nachdem ich den ersten Bissen mit einen Schluck Cervisia hinuntergespült hatte. Doch sofort kehrte wieder die Ernsthaftigkeit ein, als der Wirt fortfuhr, mir etwas über Cians Schicksal und dem Verbleib seiner Familie erzählte. Dass was er nun über dessen Machenschaften erzählte, klang für mich ziemlich plausibel. Irgendwie musste man sich ja in dieser Stadt durchschlagen, wenn man eine Familie zu ernähren hatte, auch wenn seine Taberna ganz gut lief. Aber hier in der Subura galten eben andere Regeln, wie vielleicht anderswo.

„Die Krähe,“ widerholte ich nachdenklich die Worte des Wirtes und nahm dann einen weiteren Bissen von meinem Eintopf. Seitdem Iduna in mein Leben getreten war, hatte ich immer wieder darüber nachgedacht, was ich tun könnte, um uns beide aus unserer nicht hinnehmbaren Situation zu befreien, sei es durch Flucht oder indem ich genug Geld zusammen bekam, um mich und meine Liebste freizukaufen. Wenn ich darauf hoffte, genug Peculium zusammenzusparen, dann würden wir beide wohl alt und grau sein, bis ich uns freikaufen konnte. Damit konnte und wollte ich mich nicht zufrieden geben. Spätestens in ein oder zwei Jahren wollte ich endlich wieder frei sein.

Die Frage des Wirtes riss mich aus meinen Gedanken. Natürlich hatte ich ihn durch meine Bemerkung neugierig gemacht. „Nein, ich hatte weder ein Haus noch ein Geschäft dort. Trotzdem lebte ich in einer vornehmen Villa auf der nördlichen Kuppe des Quirinals – als Sklave! Als mein Dominus starb, lange soll er im Tartaros schmoren, hat er mich dummerweise nicht in seinem Testament berücksichtigt, worauf man mich wie einen räudigen Hund aus der Villa warf und wie Vieh auf dem Sklavenmarkt verkaufte.“ All die Jahre, die ich bei den Flaviern verbracht hatte, all die Demütigungen, die ich dort hatte hinnehmen müssen, hatten nichts an meiner Lage geändert. Im Gegenteil! Ich war von meiner Freilassung so unermesslich weit fort, wie man es sich nur vorstellen konnte. Ebenso Iduna. Da sie schon bald unser Kind zur Welt bringen würde, war sie eine lohnenswerte Geldanlage, die durchaus in der Lage war, noch viele weitere Sklaven zu produzieren.

„Diese Krähe, weißt du, wo er zu finden ist? Meinst du, er könne einen wie mich gebrauchen?“, frage ich den Wirt, nachdem ich den letzten Bissen hinuntergeschluckt hatte.
Thema: [Subura] Taverne "Zum blinden Esel" gegenüber der neuen Urbanerstation
Angus

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RE: Ein anderer schlechter Tag in Rom 21.09.2019 03:28 Forum: Roma


Der Duft des Essens lag nun scheinbar allgegenwärtig in der Luft und ließ mir das Wasser im Munde zusammenlaufen. Jetzt meldete sich der Hunger erst recht. Doch es würde nicht mehr lange dauern, bis ich ihn stillen konnte.

Ganz so wie ich es gehofft hatte, konnte der Wirt ein wenig über Cians Verbleib Auskunft geben. Wenn tatsachlich die Urbaner im Spiel gewesen waren, war das mit Sicherheit in der Nachbarschaft nicht unbemerkt geblieben. Zumal die Menschen der Subura ganz anders tickten als die ‚noblen Herrn‘ in den ‚besseren‘ Stadtteilen. Was allerdings der Wirt zu berichten hatte, passte so gar nicht in mein Bild, welches ich von Cian hatte. Natürlich hatte er gelegentlich gewisse Waren geschmuggelt, war vielleicht auch manchmal an leicht krummen Geschäften beteiligt oder hielt sich nicht immer haargenau an die Gesetze. Aber darin unterschied er sich kaum von den übrigen Bewohnern in dieser Stadt. Er war es ja auch, der mir angeboten hatte, Iduna und mich bei unserer Flucht zu unterstützen. Leider war nichts daraus geworden, weil sich sozusagen über Nacht unser Leben komplett verändert hatte. Cian hatte indessen offensichtlich ein wenig über die Stränge geschlagen und war dadurch ins Visier der Urbaner geraten.
„Er hat sich mit dem organisierten Verbrechen eingelassen?“, rief ich verblüfft. Allerdings war es sicher keine hohe Kunst, hier in der Subura in die Fänge solcher Leute zu geraten. Das bestätigte ja auch der Wirt. Fragte sich nur, was nun aus Cian und den seinen werden würde. „Und was ist mit seiner Familie geschehen? Hast du etwas gehört? Wurden die auch mitgenommen?“ Hoffentlich nicht! Aber wenn doch, was hätte ich dagegen tun können?

Ein bitteres Lächeln konnte ich mir nicht verkneifen, als der Wirt „die da oben auf den sieben Hügeln“ erwähnte. Wie Recht er doch damit hatte. Diese blasierten und degenerierten Schwachköpfe! Wenn ich dabei nur an die Flavier dachte, wurde mir bereits speiübel! „Wie Recht du doch hast! Diese Leute haben keine Ahnung vorm wirklichen Leben. Ich habe lange genug unter ihnen gelebt!“ An dieser Stelle hätte ich so manche derbe Geschichte zum Besten geben können. Aber ich wollte mir ja nicht selbst den Appetit verderben. Doch das Cervisia war süffig und die Stimmung war gut. Wer vermochte zu wissen, wie sich mein Besuch in der Taberna noch entwickeln sollte?
Thema: [Subura] Taverne "Zum blinden Esel" gegenüber der neuen Urbanerstation
Angus

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RE: Ein anderer schlechter Tag in Rom 17.09.2019 03:54 Forum: Roma


Trotz der heruntergekommenen Einrichtung war der Wirt sehr freundlich und umgänglich. ‚Mein Herr‘ hatte schon Ewigkeiten keiner mehr zu mir gesagt. Die unsichtbaren Ketten der Sklaverei, sie waren für einen Moment lang nicht mehr vorhanden. Er schaffte es, dass ich begann mich wohlzufühlen. Für die kurze Zeit meines Besuches hier konnte ich mich als Mensch fühlen und nicht als Sache. Die Subura konnte zwar noch so heruntergekommen sein, doch die Menschen, die hier wohnten, hatten sicher ihr Herz am rechten Fleck. Genauso wie der Wirt, der von hier stammte, so wie er sagte. Sein Laden war allerdings neu, so wie ich es vermutet hatte.

Während er sich um mein Cervisia kümmerte, begann er ein wenig zu erzählen. Tatsächlich, viele seiner Kunden waren Urbaner. Wenn ich also noch ein Weilchen hier blieb und sich vielleicht noch ein paar von ihnen hierher verirrten, bekam ich womöglich doch noch meine Informationen. Zuerst aber widmete ich mich meinem frisch gezapften Gerstensaft, der mit seiner Schaumkrone wirklich sehr verführerisch aussah – ganz anders als Cians Gebräu.
„Oh, das sieht ja gut aus!“ Der Wirt stellte das Getränk vor mir ab und meine Gesichtsmuskeln verzogen sich zu einem Lächeln – das Erste an diesem Tag! Ich nahm sofort einen großen Schluck. „Ahh, ist das gut!“, machte ich. Der Schaum des Bieres klebte über meiner Oberlippe und ich wischte es mit meinem Handrücken ab. Wenn der Lammeintopf jetzt genauso gut schmeckte, konnte ich, was das Leibliche betraf, zufrieden sein.

„Wenn du hier schon immer wohnst, kennst du vielleicht auch Cian. Er und seine Familie sind vor einigen Jahren von Britannien nach Rom übergesiedelt. Er hat hier, nur ein paar Straßen weiter auch eine Taberna. Eigentlich sollte ich sagen hatte, denn seit neustem ist sein Laden dicht. Das ist wirklich ein Jammer!“ Vielleicht hatte der Wirt ja auch etwas gehört. Zumindest aber konnte es der Beginn einer (vielleicht netten?) Unterhaltung sein, bis mein Lammeintopf fertig war. Bis dahin genoss ich mein Getränk, das ich tatsächlich nach wenigen Zügen schon geleert hatte. Das war gegen den Durst, jetzt noch eins für den Genuss. „Dein Cervisia ist wirklich verdammt gut! Kann ich noch eins haben?“
Thema: [Subura] Taverne "Zum blinden Esel" gegenüber der neuen Urbanerstation
Angus

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RE: Ein anderer schlechter Tag in Rom 07.09.2019 07:51 Forum: Roma


Ich hatte nicht lange warten müssen, bis der geschäftstüchtige Wirt zu mir an den Tisch getreten kam. Seine Begrüßung war freundlich und zuvorkommend, so wie man es eben von einem Wirt erwartete, der darauf hoffte, dass man bestimmt wieder kam. Er fragte mich nach meinen Wünschen und tatsächlich knurrte mir plötzlich in dem Moment der Magen. Dann fiel mir ein, dass ich eigentlich seit heute Morgen gar nichts mehr gegessen hatte. Ich überschlug schnell in Gedanken, was ich mir finanziell denn so leisten konnte uns spielte mit dem Gedanken, dass es heute wieder mal Fleisch sein durfte. Dabei fiel mir der leckere Lammeintopf ein, den ich bei Cian häufig gegessen hatte und der mich oft so sehnsüchtig an zu Hause erinnert hatte. Und dazu jetzt ein süffiges Cervisia! Das würde die ganze Sache noch abrunden! Allerdings bezweifelte ich stark, dass das angebotene Cervisia hier in irgendeiner Weise an Cians Selbstgebrautes auch nur ansatzweise herankam. Aber ich ließ mich gerne überraschen.

„Hast du Eintopf da? Vielleicht Lammeintopf? Ein Cervisia dazu wäre nicht schlecht.“ Gespickt vielleicht mit noch ein paar Informationen zu den Urbanern, die hier hoffentlich auch verkehrten.
„Sag, bist du neu hier? Dein Laden ist mir bisher nie aufgefallen. Hast sicher viel Kundschaft, seitdem es die neue Station da drüben gibt?“ Ein bisschen mit dem Wirt plaudern, konnte sicher nicht schaden. Dabei konnte man vielleicht an das eine oder andere interessante Fitzelchen an Informationen gelangen. Und falls doch nicht, dann überbrückte es wenigstens die Wartezeit.
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