Imperium Romanum » Suche » Suchergebnis » Salve, Peregrinus [Anmelden|Registrieren]
Zeige Beiträge 1 bis 20 von 24 Treffern Seiten (2): [1] 2 nächste »
Autor Beitrag
Thema: [ACHAIA] Athen - Haus des Aristophanes
Paulus von Myra

Antworten: 1
Hits: 70
Die Ersinnung eines Schlachtplans - Teil 1 03.02.2020 23:23 Forum: Restliche Provinzen des Imperiums


Nachdem Paulus durch seinen neuen Freund Aristophanes den einen Teil der Athener Christengemeinde kennengelernt hatte, wollte er nun daran gehen sich auch einmal die Standpunkte der anderen Gruppe näher anzuhören. Davon erhoffte er sich ein klareres Gesamtbild machen zu können und im besten Falle vielleicht sogar einen ersten zarten Trieb einer Lösung zu finden, der die gespaltene Athener Gemeinde am Ende dieses Weges wieder zu einer vereinigen könnte. Doch um das bewerkstelligen zu können, musste er erst einmal in Kontakt mit den Elpenianern (so nannte Nikanors Teilgruppe die anderen Glaubensbrüder, die sich vor über 20 Jahren nach dem Tod von Bischof Dionysios Areopagita mitsamt ihrem prominentesten Mitglied, dem dicken Elpenor, aus Uneinigkeitsgründen über die Natur Christi von ersteren abgespalten hatten) kommen und das war gar nicht so einfach. Aristophanes kannte zwar einige aus der anderen Gruppe, aber Paulus wollte speziell mit Elpenor selbst sprechen, da er sich davon am meisten Nutzen versprach. Auch wenn in beiden Teilgemeinden stets das demokratische Prinzip der Wahl und des Ältestenrats hochgehalten wurden, so stachen einige Persönlichkeiten aus den beiden Gruppen trotzdem mehr heraus als andere, was ihren Einfluss anging, so wie in der einen Gruppe der Älteste Nikanor, oder eben Elpenor bei den anderen.
Der kleine Amphorenhändler hatte Paulus den Weg zu Elpenors Stadthaus genau beschrieben, doch dort angekommen musste er hören, dass der Hausherr ihn nicht empfangen würde. In der nächsten Woche versuchte Paulus es noch ein paar mal, doch der Torwächter hatte jedes Mal dieselbe Antwort für Paulus. Brummig zog er sich wieder in Aristophanes' Haus zurück, um seine weiteren Schritte zu überdenken.
Dieser stellte ihm zurück in der guten Stube einen Becher Milch auf den Tisch und setzte sich neben ihn. "Wieder kein Glück...ich verstehe nicht wieso er sich so resolut dagegen wehrt mich zu empfangen!" mit finsterem Blick ob Elpenors Sturheit nahm Paulus einen Schluck, während Aristophanes mit dem Gesicht auf den Händen gestützt ihn ansah.


Aristophanes, Amphorenhändler

"Hm, und wenn du ihm einen Brief schreibst und den dann an ihn abgibst? Oder dir einen Termin geben lässt?"
Paulus winkte ab.
"Habe ich schon versucht, doch keine Chance. Der Torwächter hat ihn mir gar nicht erst angenommen."
"Und wenn du Nikanor um Vermittlung bittest? Immerhin haben ja die Ältesten beider Gemeinden regelmäßig Kontakt miteinander."
"Auch daran habe ich schon gedacht, aber nein, auch das ist kein gangbarer Weg."
Verwundert machte der kleine Mann ganz große Augen.
"Warum das denn?"
"Weil ich dann befangen wäre und keine unparteiische Person mehr. Bitte ich Nikanor um Hilfe, dann werden mich die Elpenianer als einen aus eurem Lager ansehen und gerade von einer neutralen Warte verspreche ich mir den meisten Erfolg, wenn ich zwischen beiden Lagern vermitteln kann, ohne zu einem von beiden zu gehören."
Aristophanes schnalzte mit der Zunge.
"Tut mir leid, aber ich fürchte dieser Wagen ist abgefahren."
"Wie bitte?"
"Na dass du unparteiisch bist. Die abweisende Haltung Elpenors dir gegenüber spricht Bände und das obwohl er dich nicht einmal persönlich kennt! Ich vermute du bist letztends mit mir von einem oder mehreren Elpenianern gesehen worden, wie wir auf dem Weg zu Aeons Haus gewesen waren. Danach hast du unseren Gottesdienst besucht und du lebst unter meinem Dach, was dich wiederum mit unserer Teilgemeinde verbindet. Aus den Augen der anderen gehörst du voll und ganz zu uns vermute ich."
Auch solche Gedanken waren Paulus jetzt am Ende schon durch den Kopf gegangen, als jeder Kontaktversuch mit Elpenor gescheitert war und das wieder und wieder, sodass man die Sache nicht einmal mehr auf dessen eventuelle Geschäfte oder andere Termine schieben konnte. Seufzend stützte jetzt auch Paulus sein Gesicht auf seine Hände.
"Eine schöne Bescherung...dass ich euren Gottesdienst besucht habe spricht noch lange für keine Gruppenzugehörigkeit meinerseits zu euch. Ich würde ja selbes auch bei ihnen machen, um beide Seiten möglichst gleichwertig kennenzulernen. Wie aber nur, wenn man mich nicht lässt? Es muss doch einen Weg geben!"

Eine Weile schwiegen beide und jeder hing seinen Gedanken nach. Ob er es vielleicht doch bei einem anderen elpenianischen Ältesten versuchen sollte? Aber selbst wenn dies eher gelingen würde, dann hätte er den störrischen Einfluss Elpenors trotzdem immer noch gegen sich. Nein, wenn er Erfolg haben wollte, dann musste er den größten Trotzbrocken gleich als erstes auf seine Seite ziehen. Es brachte keinen Gewinn mehrere kleine Anführerchen zu überzeugen, nur damit Elpenor sie alle am Ende mit seiner übermächtigen Meinung plättete und Paulus' ganze Arbeit für die Katz gewesen war. Also zurück zum Anfang. Inzwischen konnte er das langjährige Spaltungsproblem der Athener Gemeinde noch besser verstehen. Nicht nur, dass es an der Diskussionsfreudigkeit, dem Demokratieempfinden und der Standpunkttreue der Athener lag -so wie Aristophanes behauptet hatte- es wunderte Paulus wirklich nicht, dass nichts weiterging, wenn so gewaltige Sturköpfe wie Elpenor beteiligt waren! Trotz aller Versuche war Paulus diesem illustren Manne immer noch nicht begegnet, aber inzwischen konnte er sich ein sehr gutes Bild von dessen Charackter machen anhand seiner persönlichen Erfahrungen mit ihm und aus diversen Erzählungen des Amphorenhändlers.

"Wie wäre es, wenn du es mit einer Täuschung versuchst? Rasier dir den Bart ab und gib dich als Händler aus, oder lasse dich als Diener anstellen und dann im rechten Moment sprichst du ihn..."
"Das soll wohl ein Scherz sein, oder?" unterbrach ihn Paulus tonlos. Er fühlte sich sehr müde.
Aristophanes verstummte und zog eine Grimasse. "Ja...natürlich....ein Scherz..."
Wieder verfielen beide in tiefes Schweigen.
Wie traf und sprach man eine fremde Person, die partout mit einem nicht in Kontakt treten wollte? Wieso machte Elpenor das überhaupt? Was war der Grund dafür? Wieso lehnte er jede Anbahnung eines Kontakts ab? Mit Nikanor und den anderen Ältesten sprach er doch auch, wenn es sein musste? Eine Täuschung war vermutlich nicht der beste Weg, es war immer am besten alles auf die offenste und ehrlichste Art zu regeln, dieser Ansicht war Paulus so oder so, egal ob er jetzt dem christlichen Glauben anhing, oder nicht.
Der kleine Amphorenhändler brummte und stand vom Tisch auf.
"Mir ist dieses ewige Grübeln zu dumm geworden für heute. Ich werde Abendessen machen, willst du auch etwas?"
Thema: Stellenanzeigen - ID gesucht und geboten (KEIN SPAM!)
Paulus von Myra

Antworten: 278
Hits: 76.848
03.02.2020 23:00 Forum: Ideen-Board


Mein Paulus weilt zwar immer noch in Athen, aber wenn er in fernerer Zukunft einmal nach Rom kommt, biete ich euch gern ein Spiel mit ihm an.
Thema: [ACHAIA] Athen
Paulus von Myra

Antworten: 25
Hits: 2.126
Bei der christlichen Gemeinde Athens 20.10.2019 00:40 Forum: Restliche Provinzen des Imperiums


Aristophanes öffnete für Paulus die Tür und dieser trat in ein anscheinend ganz gewöhnliches griechisches Haus eines wohlsituierten Athener Bürgers ein. Nichts deutete auf den Glauben des Besitzers hin, keine Kreuze und auch keine Fische, nirgendwo.
"Sieht anders aus, als ich es erwartet hatte", meinte Paulus zu Aristophanes, als er sich im Eingangsbereich umsah.
"Was hast du erwartet? Wände, gepflastert mit religiösen Symbolen?! Es gibt auch noch anderes im Leben!"
Der Kleine wirkte irgendwie noch verunsicherter und nervöser als sonst, als er ihn tiefer ins Haus führte. Jetzt konnte auch Paulus schon leises Gemurmel hören. Als sie das triklinion betraten, fand sich dort schon eine Gruppe von etwa fünfzehn Personen versammelt. Es waren Männer wie Frauen anwesend. Jung und alt. Bärtige Griechen, wie auch Römer in Togen. Anscheinend setzte sich die Alters- und Klassenstruktur der Athener Gemeinde aus allen Gesellschaftsschichten zusammen, ohne Unterschied. Das imponierte Paulus sehr. Auch überhaupt fand er diese Leute sehr interessant, wo es heute ja das erste Mal in seinem Leben war, dass er auf eine größere Gruppe von Christen traf. Bislang war das immer etwas privates von ihm gewesen, eine besonders bevorzugte philosophische Spielerei seinerseits neben den anderen großen Philosophien, aber hier vor ihm saßen Menschen, die sich wirklich mit Haut und Haaren ihrem Heiland verschrieben hatten. Eine faszinierende Situation, von der er sich lehrreiche Erkenntnisse versprach.

Ein besonders stolz aussehender Grieche blickte bei ihrem Eintreten auf und sprach den Amphorenhändler an.


Nikanor, Ältester

"Ah, Chaire, Aristophanes! Es freut mich sehr, dich nach so langer Zeit einmal wieder in unserer Mitte zu sehen! Wen bringst du uns denn mit?", fragte der Mann mit interessierten Blick auf Paulus.

Aristophanes sah kurz zu Paulus und dann gleich wieder zu dem Mann zurück und antwortete nach einem kieksen: "Chaire, Chaire, Nikanor! Ja ich.. ich dachte es wär mal wieder Zeit, dass ich vorbeischaue. Und das hier ist, hm, Paulus. Er kommt aus Myra und ist auch im Gefolge des Herrn."
Nikanor stand erfreut auf und breitete weit die Arme aus, als er sprach: "So sei auch du mir Willkommen, Paulus von Myra! Bitte, setz dich doch zu uns!" Anschließend nahm er wieder Platz, während Paulus von seiner Ansprache beeindruckt war. Paulus von Myra, das hatte was! Er nahm sich vor sich so in Zukunft immer vorzustellen.
So nahmen Paulus und Aristophanes also Platz und Nikanor (offensichtlich der Sprecher der Gruppe) begann zur Gemeinschaft zu sprechen: "Ich freue mich euch alle heute Abend hier vereint und versammelt zu sehen. Weiters danke ich unserem Bruder, Aeon, sehr herzlich dafür, dass wir Gast in seinem Haus sein dürfen."
Eine schöne Einleitung, wie Paulus fand, jedoch nicht ganz zutreffend, was das "vereint" sein anging, aber er wollte sich ja nicht in Haaresspalterei ergehen, sondern lauschte lieber den Worten Nikanors.
"Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen. Beginnen möchte ich gerne mit meinem üblichen Spruch vom weisen König Salomo, ehe wir den Herrn preisen mögen. So höret, eine versöhnliche Antwort vertreibt den Zorn, aber ein verletzendes Wort macht alles nur noch schlimmer. Wenn du freundlich mit den Menschen redest, schenkst du ihnen Freude am Leben. Aber Lügen und verletzende Bemerkungen zerstören die Gemeinschaft."

Paulus erkannte die Worte, wenn sie auch sehr verkürzt und mehr pointiert, als in der üblichen Fassung, waren. Doch dennoch verstand er sehr gut, wieso Nikanor ihr gemeinsames Zusammenkommen offenbar jedes Mal mit genau diesen Worten aus dem Buch der Sprichwörter eröffnete, wo diese Sätze doch so sehr zu der Situation der tief gespaltenen Athener Gemeinde passten. Nun begann Nikanor mit dem Lobpreis auf Gott, auf dass sie nachher zusammen das Brot brechen konnten:

"Lasset uns Gott preisen! Halleluja! Lobt Gott in seinem Heiligtum, lobt ihn in seiner mächtigen Feste! Lobt ihn für seine großen Taten, lobt ihn in seiner gewaltigen Größe! Lobt ihn mit dem Schall der Hörner, lobt ihn mit Harfe und Zither! Lobt ihn mit Pauken und Tanz, lobt ihn mit Flöten und Saitenspiel! Lobt ihn mit hellen Zimbeln, lobt ihn mit klingenden Zimbeln! Alles, was atmet, lobe den Herrn! Halleluja!"

Die versammelte Gruppe (mitsamt Paulus) murmelte geschlossen Halleluja, nach Nikanors Ende. Dieser griff nach den bereitstehenden Utensilien Brot und Wein und sprach weiter:

"Nun lasset uns zusammen das Brot brechen, so wie es auch der Heiland einst mit seinen Jüngern gebrochen hat."
Nikanor ergriff den Laib Brot, genauer ein panis decussatus, und hielt ihn für alle gut sichtbar hoch, während er ihnen sagte: " Wir danken dir, Gott, für diesen Laib Brot. Sein Sohn, der Herr sprach: Nehmt und esst; das ist mein Leib." Nikanor brach das Brot und verteilte es auf alle Anwesenden. Jeder machte das Kreuzzeichen beim Erhalt seines Stückes, ehe er oder sie es verzehrte. Aristophanes vollführte zusätzlich noch ein undefinierbares Mienenspiel, als ihm sein Stück gereicht wurde. Dann ergriff Nikanor den Kelch mit Wein und hielt auch ihn empor. "Wir danken dir, Gott, für diesen Kelch Wein. Und der Herr hob den Kelch und sprach weiter: Trinkt alle daraus; das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden." Nikanor trank daraus und reichte ihn Aeon rechts von ihm, der ihn nach einem Schluck an eine junge Frau weiterreichte und dann einmal wieder rundum, bis er bei Nikanor wieder ankam. Dieser lächelte, als er wieder den Kelch in Empfang nahm und neben den Rest Brot abstellte.
"Liebe Brüder und Schwestern, vergesst niemals, Gott ist mit euch und schirmt euch auf allen euren Wegen. Jesus Christus ist für uns am Kreuz gestorben...", die anwesenden Römer machten betretene Mienen, oder sahen stur zu Boden bei dieser Erwähnung, "...zur Erlösung der Welt und dafür wollen wir danken mit jenem Gebet, das er uns einst gelehrt hat; Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen."

Der Gottesdienst war vorbei. Anschließend folgten noch einige Gespräche, in denen sich Nikanor nach den Bedürfnissen und Befindlichkeiten der Anwesenden erkundigte und auch weitere Themen der Gemeinde erörtert wurden. Paulus saß währenddessen still da und lauschte den Gesprächen. Er war immer noch tief bewegt von jenem Gottesdienst, den er soeben mitgemacht hatte. Seiner ersten Feier unter Glaubensgeschwistern. Es war so ein schönes Gefühl gewesen, er wollte es nie wieder anders haben!
In der Gruppe zusammen das Abendmahl feiern war viel viel schöner, als alleine im stillen Kämmerlein ein kurzes Abendgebet zu murmeln und dann in die Federn zu verschwinden. Er war von dieser gemeinsamen Erfahrung sehr viel mehr ergriffen worden, als er zunächst angenommen hatte. Das gemeinsame Erleben der Wandlung von Brot und Wein, die Anhörung der Lobpreisungen Gottes und das Sprechen der Gebete, genauso musste es sein! Er fühlte richtig, wie Jesus Christus unter sie gekommen war während ihres Mahls. Einfach wunderschön. Egal, ob Aristophanes mitkommen wollte, oder nicht, er, Paulus, zumindest wollte jetzt jeden Abend bei der gemeinsamen Andacht dabei sein!

Als dann auch die letzten organisatorischen Belange geklärt waren und sich die Gäste in kleinere Gespräche untereinander vertieft hatten, kam Nikanor zu Paulus und setzte sich neben ihn. "Wie hat dir unsere kleine Feier gefallen? Macht ihr es auf dieselbe Weise in Myra?" Paulus spürte wieder eine Welle positiver Emotionen beim Gedanken an der kürzlich stattgefundenen feierlichen Zusammenkunft der Gemeinde, wenn ihm auch die zweite Frage Nikanors einen kleinen Dämpfer verpasste. "Hab vielen Dank dafür, dass ich heute Abend dabei sein durfte, es hat mir sehr viel bedeutet! Doch wie das in Myra gehandhabt wird weiß ich leider nicht, denn ich war der einzige Christ im Dorf. Zumindest der einzige mir bekannte."
Nikanors Miene fiel ein klein wenig ein. "Oh, tut mir leid, das wusste ich nicht. Das muss hart für dich gewesen sein."
"Ach, halb der Rede wert. Aber du hast die Feier heute wirklich gut geleitet! Und auch die Gespräche danach, man konnte dabei schon fast den Eindruck haben, dass du der Bischof von Athen bist."
Nikanor lächelte gequält. "Danke, zuviel des Lobes. Aber ich bin nicht würdig genug die Last eines Bischofs zu tragen. Ein Episkop muss alle seine Lämmchen behüten, nicht nur einen Teil von ihnen."
Paulus nickte. "Ich habe schon von den Gemeindemitgliedern gehört, die eine andere Ansicht über Christus haben, als die hier versammelten."
"Genau. Die Elpenianer vertreten eine andere Auffassung vom Heiland, als wir."
Paulus war auf diese Aussage hin etwas verwirrt. "Elpenianer?"
Doch Nikanor lächelte. "Oh, bitte entschuldige, das weißt du natürlich nicht. Wir nennen den anderen Teil unserer Gemeinde Elpenianer, nach Elpenor, der damals nach dem Tod von Bischof Dionysios Areopagita als erster und am lautesten gerufen hat, als jener Streit ausbrach, der unsere Gemeinde seit mittlerweile 20 Jahren spaltet. Genauso wie wir treffen sie sich zu separaten Zusammenkünften und haben ihre eigenen Ältesten, so wie unser Gemeindeteil mich und auch noch andere."
Paulus hatte es sich doch gleich gedacht!
"Also bist du einer von den besagten Athener Ältesten, von denen ich schon gehört habe?"
Nikanor nickte. "Genau und ein- oder zwei Mal im Monat kommen wir zu einem gemeinsamen Ältestenrat zusammen, um uns über die gesamte Gemeinde auszutauschen. Dabei findet gelegentlich auch ein gemeinsamer Gottesdienst statt mit der ganzen Gemeinde, so wie früher."
"Das klingt doch viel sinnlicher und unproblematischer, als ich gedacht hatte."
Traurig schüttelte der Älteste aber den Kopf, als er antwortete: "Lass dich von meiner Aussage bitte nicht täuschen, so harmonisch ist es auch wieder nicht und die gemeinsamen Gottesdienste sind nicht zu vergleichen mit der Feier heute zum Beispiel. Vieles muss abgeändert ablaufen und anders als sonst sein, es ist für beide Seiten ungewohnt diese Feiern zu zelebrieren, aber wir sind immer noch eine Gemeinde deselben Glaubens, also muss es auch gelegentlich gemeinsame Messen geben. Ansonsten könnten wir uns gleich spalten und das würde noch größeres Unheil über uns alle bringen."
Paulus überlegte. "Verstehe. Nun gut, Nikanor, ich werde dir helfen, dass das endlich ein für alle Mal ein Ende hat."
Verwirrt starrte der Älteste ihn an. "Von was sprichst du, Bruder?"
Paulus hob das Kinn. "Davon, die Teilung der Athener Gemeinde ein für alle Mal zu überwinden!"

Später, als es schon tiefe Nacht war und alles schlief, befanden sich Paulus und Aristophanes auf dem Rückweg, dabei warf der Amphorenhändler seinem Gast immer wieder beeindruckende Blicke zu.
"Meinst du wirklich, dass du das kannst? Also unsere Gemeinde wieder vereinen?"
Paulus hatte einen flotten Schritt angeschlagen, weshalb der Kleine schon fast laufen musste, um mithalten zu können.
"Ich weiß nur, dass ich nicht tatenlos danebensitzen kann, wenn ich weiß, dass es in meiner neuen Gemeinde tiefgehenden Zwist gibt!"
"Oooh, deiner neuen Gemeinde? Also willst du noch länger bleiben, als bis du alles über die Stoiker gelernt hast?"
Irgendwie war Paulus angespannt gestimmt.
"Wir werden sehen, aber ich weiß, dass ich es zumindest versuchen muss!"
Aristophanes war offensichtlich hellauf begeistert von Paulus' Vorhaben.
"Einigkeit und Eintracht unter der ganzen Gemeinde! Ach, das würde ich gerne sehen! Weißt du was? Bleibe Gast in meinem Haus solange du in Athen weilst! Und wenn es Jahre sind! Eine einige Gemeinde, ach wär das schön."
Ganz verzückt hüpfte Aristophanes in seinem Halblauf einmal.
Trotz seiner etwas brummigen Stimmung konnte es sich Paulus nicht verkneifen, ein wenig Frohsinn über Aristophanes' Benehmen zu empfinden.
Offensichtlich lag dem Kerlchen die Gemeinschaft doch näher am Herzen, als er zugab.

Sim-Off:
Um den allgemeinen Stadt-Thread für Athen jetzt nicht noch weiter mit christlichen Inhalten zuzuspamen geht es mit den Abenteuern von Paulus von Myra und seinem Wirken bei den Athener Christen in folgenden beiden Threads weiter:

-> .) Haus des Aristophanes

-> .) Christliche Gemeinde Athens
Thema: [ACHAIA] Athen - Die Christliche Gemeinde der Stadt
Paulus von Myra

Antworten: 0
Hits: 44
Athen - Die Christliche Gemeinde der Stadt 20.10.2019 00:36 Forum: Restliche Provinzen des Imperiums


   
Die christliche Gemeinde Athens trifft sich in verschiedenen Häusern ihrer Mitglieder, um zusammen Jesus Christus zu gedenken und Gott ihren Herrn zu preisen.



Thema: [ACHAIA] Athen - Haus des Aristophanes
Paulus von Myra

Antworten: 1
Hits: 70
Athen - Haus des Aristophanes 20.10.2019 00:35 Forum: Restliche Provinzen des Imperiums


   
Westlich des Areopag steht in Athen das Haus des Amphorenhändlers Aristophanes. Seine Front ist dicht mit Weinreben bewachsen.



Thema: [ACHAIA] Athen
Paulus von Myra

Antworten: 25
Hits: 2.126
Auf dem Weg zum Abendgebet 19.10.2019 20:30 Forum: Restliche Provinzen des Imperiums


Es war später Abend des nächsten Tages, als Aristophanes Paulus durch die Schatten der Straßen Athens führte. Sie marschierten schon eine ganze Weile südlich der Akropolis in östliche Richtung. "Ist es noch weit?" fragte Paulus, mehr aus Interesse, denn Ermüdung.


Aristophanes, Amphorenhändler

"Oh, nein nein, keineswegs! Heute trifft sich ein Teil der Gemeinde aber in Bruder Aeons Haus und das liegt östlich des Dionysostheaters. Der Versammlungsort wird nämlich wöchentlich gewechselt, weißt du?" Paulus nickte. "Ja, ich verstehe schon." Die Buchstaben des Gesetzes garantierten den Christen zwar die "heimliche" Ausübung ihres Glaubens in Privathäusern, genauso wie das Christentum an sich legal war, jedoch sah die Realität dahingehend aus, dass Mitglieder der christlichen Gemeinde oft diffamiert, verfolgt und aus der Gesellschaft ausgestoßen wurden, wegen ihres Glaubens. Auch von Verfolgungen konnte man teils sprechen. Daher war es klug, dass die Athener Gemeinde ihren Ort des Zusammenkommens regelmäßig wechselten. Doch eine Kleinigkeit war Paulus schon aufgefallen, die er näher wissen wollte. "Du sagtest, dass sich bloß ein Teil der Gemeinde trifft, was ist denn mit den übrigen?"
Aristophanes kiekste wieder einmal auf seine ganz eigene Art und wackelte mit dem Kopf. "Naja, bei Aeon treffen sich zumindest alle, die an die richtige Lehre glauben."
"Und das wäre?"
"Hm? Na dieses Ding mit, dass Gott-Vater und Gott-Sohn schon gleich sind und so weiter?" antwortete, bzw. fragte der Amphorenhändler verunsichert zurück. Paulus musste wieder einmal wegen ihm lächeln.
"In diesem Lager also spielst du mit!"
Ein obligates Wackeln mit dem Kopf, dann: "Tja, jeder muss halt irgendwo dabei sein oder?"
"Und weshalb denkst du, dass es die richtige Auslegung des Wesens Christi sein soll? Wieso kann nicht auch die Meinung des anderen Teils der Gemeinde richtig sein?"
Aristophanes lachte kurz nervös auf. "Und da sind sie schon wieder diese Anklänge einer religiösen Diskussion. Tut mir leid, aber dafür bin ich der falsche Ansprechpartner. Ich bin bloß Amphorenhändler, weiter nichts."
Paulus hatte auch schon früher gemerkt, dass man mit Aristophanes nicht über den Glauben diskutieren konnte und dieser beim Aufkommen des Themas immer sofort gleich abblockte. Schade eigentlich. Auch schien er nur oberflächliche Kenntnisse über das Christentum zu haben.
"Aristophanes, was mich noch interessieren würde, wenn du nicht gern tiefer über das Wesen Christi nachdenken magst, wieso bist du dann überhaupt Christ geworden?"
"Hm? Ich und Christ? Ja das ist so, ich mag es daran zu glauben, dass es nur einen Gott gibt und der alle liebt, anstatt viele Götter, denen man egal ist und die man sich auch trotzdem dann noch alle merken muss. Außerdem sind die ständig unzufrieden und verlangen Opfer, was es beim Gott der Christen nicht gibt. Ich mag die positive Botschaft und dass jeder mal gerettet wird nach seinem Tod. Außerdem hatte ich großes Pech, als ich noch an die alten Götter geglaubt hatte. Doch dann erzählte mir ein guter Mann, der jetzt schon verstorben ist, vom Glauben der Christen und er sagte mir sofort zu! Ich begann mich dafür zu interessieren und zack! Kaum hatte ich begonnen mich mit ihren Lehren auseinanderzusetzen, hatte ich die Chance auf einen Standplatz direkt auf der Agora, anstatt wie bisher in den Außenbezirken, bekommen und seither läuft mein Geschäft famos! Das sah ich als Zeichen dafür, dass Jesus den richtigen Weg weist und deshalb wurde ich Christ."
Aristophanes' Erzählung war beinahe schon rührend, doch der kleine Mann setzte gleich noch einen Nachsatz hinzu:
"Aber das bedeutet nicht, dass ich gleich ihr ganzes Buch auswendig lerne und mir tiefschürfende philosophische Gedanken mache! Musste man im alten Glauben ja auch nicht! Deshalb verschon mich bitte mit derlei in Zukunft, ich verspreche dir bei der Versammlung wirst du genug Leute dafür finden, um mit ihnen über Gott und die Welt zu fachsimpeln bis du schwarz wirst und in den Had.. äh ich meine ins Jenseits kommst!"
Sie hatten ohne anzuhalten miteinander gesprochen, doch jetzt stoppte Aristophanes plötzlich und wies auf die Tür des Hauses vor ihnen.
"Wir sind da."
Thema: [ACHAIA] Athen
Paulus von Myra

Antworten: 25
Hits: 2.126
Ein jahrzehntelanger Streit 18.10.2019 16:53 Forum: Restliche Provinzen des Imperiums


Zitat:
Original von Paulus von Myra
[...]
Als Paulus nach seiner Ankunft die Athener Agora erreichte, verdichteten sich die lateinischen Tedenzen. Hier standen nach wie vor die althergebrachten griechischen Markt- und Verwaltungsgebäude, doch nur etwas weiter östlich erhob sich eine eigene römische Agora, wo man wesentlich mehr Togenträger antraf, als Paulus bisher hier zu Gesicht bekommen hatte.

Ein Scheppern ließ Paulus aufhorchen und sich umdrehen. Einem Mann mit blondem Haupthaar waren mehrere Amphoren zu Boden gefallen und krachend zerschellt. Wie selbstverständlich steuerte er auf den Unbekannten zu und bückte sich seinerseits, um die Scherben aufzuheben. Der Mann, der offensichtlich keine Hilfe erwartet hatte, schaute verwundert auf und lächelte ihm erfreut zu.


Aristophanes, Amphorenhändler

"Hab Dank, mein Freund für deine Hilfe." sprach er. Paulus nickte ihm wohlwollend zu und wollte sich wieder umdrehen, als der Fremde plötzlich sein Handgelenk packte. Erstaunt starrte er auf das Fischsymbol in Paulus' Olivenstab, dann blickte er wieder ihn selbst an, ehe er noch breiter lächelte und sagte: "Was für ein wunderschöner, kräftiger Wanderstab! Du musst von weither kommen, oder? Ich bin Aristophanes, wie nennst du dich, Wanderer?"
Die Art wie Aristophanes Paulus' Stab betrachtet hatte, ließ darauf schließen, dass er wohl die Bedeutung des Fisches durchaus erkannt hatte und deshalb plötzlich so aufgeschlossen war. Doch mit welcher Absicht? Wollte er ihm helfen, oder schaden? "Mein Name ist Paulus, ich komme aus Myra in Anatolien." antwortete er ihm. Es bestand für ihn wohl keine Gefahr, weshalb er bei Aristophanes vorerst einmal von guten Absichten ausging. "Nun, Paulus aus Myra, ich freue mich deine Bekanntschaft zu machen! Ich habe schon einiges von Myra gehört, wollen wir nicht auf ein Schlückchen Wein irgendwo einkehren? Ich würde gerne mehr von deiner Heimatstadt hören, falls du mir davon erzählen willst. Ich lade dich ein."
"Hab Dank für dein großzügiges Angebot, jedoch bin ich gerade erst in Athen angekommen und..."
"Macht nichts, macht nichts", unterbrach ihn da der Amphorenhändler mit abwehrender Geste, "ich kann dich schon verstehen, dass du dann natürlich nicht gleich wieder stillsitzen willst. Doch weißt du was? Sei mein Gast heute Abend! Bestimmt hast du noch keine Bleibe für die Nacht, oder?"
Paulus schüttelte den Kopf. "Na also! So komm heute Abend zu mir und ich werde dich reich bewirten und du kannst mir von deinen Reisen erzählen, na wie klingt das?"
Sein herzensgutes Angebot freute Paulus sehr. "Ich nehme an und bedanke mich jetzt schon dafür, dass du mir Obdach für diese Nacht bieten willst. Zu erzählen gibt es jedoch nicht so viel wie du denkst, fürchte ich."
Lachend streckte ihm Aristophanes die Hand entgegen, "Das macht doch nichts, ich habe auch so gerne Gesellschaft! Es freut mich, dass du einwilligst! Mein Haus liegt direkt westlich des Areopag mit einer großen Front, bewachsen mit Weintrauben, du kannst es nicht verfehlen! So auf bald, mein neuer Freund!" "Auf bald", antwortete Paulus mit einem Lächeln und ergriff Aristophanes' Hand zum Abschied, ehe er weiter seiner Wege ging, um noch mehr von Athen zu sehen. Wie im Vorbeigehen hatte er sich gerade ein Quartier für die Nacht beschafft, wenn das kein gutes Zeichen für seine kommende Zeit in Athen war.


Zitat:
Original von Paulus von Myra
Paulus freute sich sehr, dass die Römerin ihm nun weiterhelfen wollte und sie schien sich in Athen auszukennen, was ihren Tipp um Damianos nochmal so wertvoll machte, da er darauf vertrauen konnte, dass die Informationen halbwegs akurat waren. Sie hatte zwar gelangweilte Schüler erwähnt, was mitunter ja auch durchaus ein Rückschluss auf die Lehrmethoden des Meisters sein konnten, doch aus einem anderen Winkel betrachtet, welcher Lehrer hatte im Laufe seiner Karriere noch nicht faule, verzogene Schüler gesehen, die unmotiviert und desinteressiert aus und in den Unterricht gingen, bloß motiviert in der Hinsicht, dass sie in einigen Jahren den gesamten Besitz von ihrem lieben Vati erben würden? Paulus jedenfalls würde sich persönlich ein Bild von diesem Damianos machen und dann erst urteilen. Wer weiß, vielleicht war er wirklich ein brillianter Lehrmeister?
[...]
Doch egal, gewiss würde ihm daraus kein Nachteil erwachsen. Jedenfalls freute er sich, dass die Römerin ihm ein wenig in seiner Suche weiterhelfen hatte können, weshalb er sich artig mit den Worten bedankte: "Der Philosoph Damianos also, wohnhaft am Fuße des Nymphenhügels? Hab Dank für deine großzügige Auskunft, Römerin, ich werde deinen Ratschlag beherzigen und mir diesen Mann genauer ansehen. Mögen die Götter über alle deine Wege wachen, Vale."



Nach seinem freundlichen kleinen Gespräch mit der Römerin, hatte sich Paulus, ganz wie von ihr empfohlen, gleich sofort weiter auf den Weg zur Stoa Poikile gemacht, um sich nach dem Stoiker Damianos zu erkunden. Doch die anwesenden Männer konnten ihm nicht mehr sagen, als dass Damianos schon seit ein paar Tagen nicht mehr hier gewesen wäre. Hm, konnte man nichts machen, doch vielleicht hatte Paulus ja bei dem, von der Römerin erwähnten, Wohnhaus des Philosophen am Fuße des Nymphenhügels mehr Glück? So ließ er sich den Weg dahin genau beschreiben und wanderte von der Agora bergan zu besagtem Hügel. Dort fand er auch wirklich das Haus des Damianos, doch es schien verwaist und auch auf sein Klopfen und Rufen öffnete niemand. Die Nachbarn hatten den Philosophen ebenfalls schon seit geraumer Zeit nicht mehr gesehen. Merkwürdig. Was wohl mit ihm passiert sein mochte? Alles hatte den Anschein, dass Damianos Athen von einem Moment auf den anderen verlassen hatte. So also musste er sich doch wieder jemand anderen suchen. In Gedanken versunken kehrte er zur Stoa Poikile zurück, um den Rest des Tages dort zu verbringen. Für heute hatte er nichts mehr geplant, bis es endlich Zeit wäre, zu dem Amphorenhändler Aristophanes aufzubrechen. So saß Paulus bei den Männern und lauschte aus den hinteren Reihen den hier ausgetragenen stoischen Debatten zwischen den Rednern und Lehrmeistern. So konnte er sich schon einmal ein erstes grobes Bild von den hier vertretenen Ansichten und Sprechern machen für eine spätere Auswahl seiner stoischen Studienausrichtung. Zu Mittag wanderte er noch etwas in der Stadt herum und kehrte in einer kleinen Nebengasse in eine besonders delikate Taverne ein und ließ sich ein herzhaftes Mittagessen schmecken, ehe es für ihn zur Stoa Poikile zurück ging.

Zwei Redner fielen ihm besonders auf. Ein Mann namens Hippoxantes und ein Hebräer namens Salomo. Beide befehdeten sich leidenschaftlich miteinander und es war wirklich inspirierend ihren Exkursen über die stoischen Weltansichten zu lauschen. Hippoxantes bestach durch ausgezeichnete Kenntnisse der Materie und durch eine Redekunst die oft Argumente hervorbrachte, denen sein rhetorischer Gegner oft schwer etwas entgegenzusetzen hatte. Salomo hingegen war ein Exot für sich. Er war der erste Mann aus Judäa, den Paulus je angetroffen hatte, der sich mehr für Philosophie, denn für den hebräischen Glauben interessierte. Doch auch er war trotzdem nicht unbedingt schlechter, in seinem Stil, als Hippoxantes. Anders eben. Salomo verband viel stoisches Gedankengut mit der jüdischen Glaubenswelt, in seinen Beispielen und Gleichnissen über diese und jene Bewandnis griff er immer wieder auf erzählerische Vorbilder aus dem Tanach zurück. Dadurch ergaben sich häufig sehr faszinierende neue Blickwinkel und (gedachte) Zusammenhänge zwischen den Stoikern und den Juden. Paulus hing Salomo bei jedem seiner Worte gebannt an den Lippen, doch von der Argumentation und Gedankenwelt des Hippoxantes wollte er auch keinen einzigen Satz verpassen. Wer nur der beiden sollte sein Lehrmeister werden? Denn dass es entweder Hippoxantes oder Salomo werden sollte, hatte er schon für sich festgelegt.

Beim angeregten Lauschen der beiden Kontrahenten bemerkte Paulus gar nicht wie die Zeit verging und eh er's sich's versah war der Nachmittag auch schon in den Abend übergegangen. Zeit aufzubrechen. Paulus erhob sich von seinem Sitzplatz und verließ die Stoa Poikile. Gemächlich schlenderte er über die Agora und sah dabei zu, wie die Händler schön langsam ihre Waren und Stände zusammenpackten, um sie für die kommende Nacht sicher zu verstauen, ehe es morgen wieder von vorne losgehen würde mit dem Verkauf. Die Sonne hing schon glutrot und tief am Horizont und da und dort glommen bereits die ersten Kerzen und Öllampen auf. Dies tat dem Gewusel auf den Straßen jedoch keinen Abbruch. Die Griechen waren ein nachtaktives kleines Völkchen. Paulus genoss die Atmosphäre rund um ihm herum, ja Athen war wirklich seine Stadt. Wie es um die Tischsitten ihrer Einwohner stand, davon würde er sich ja selbst gleich ein Bild machen können.
Von der Agora aus wanderte Paulus nach Süden und danach immer am Nordhang der Akropolis entlang, bis er zum Aeropag anlangte, dem alten hohen Gerichtshügel Athens.
Paulus langte am Haus des Amphorenhändlers an. Ganz gewiss musste es das sein, denn es war (soweit er es erkennen konnte) weit und breit das einzige Haus westlich des Aeropags, dessen Front dicht mit Weinreben bewachsen war. Passend eigentlich für einen Amphorenhändler, wie er fand. So klopfte Paulus und wartete ab, was als nächstes Geschehen würde.


Aristophanes, Amphorenhändler

"Ich komme! Moment!" drang es aus dem Hausinneren. Dann folgten tapsige Schritte, ein Ächzen und schon öffnete sich die Tür. Aristophanes strahlte, als er seinen Gast erblickte. "Ah! Paulus aus Myra, sei mir Willkommen!"
Auch Paulus neigte leicht das Haupt. "Chaire, Aristophanes."
Der Amphorenhändler führte ihn ins triklinion, wo schon ein einfaches Abendmahl bereitet war. Hungrig stellte Paulus seinen Wanderstab ins Eck und ließ sich nieder.
"Ein Schälchen Wein?" fragte Aristophanes, dabei geschäftig am Verschluss einer Weinamphore herumnestelnd.
"Danke, aber für mich bitte bloß etwas Wasser."
Der Schalk saß Aristophanes halb verborgen in den Augen, als er plötzlich von der Amphore abließ und Paulus fester ins Visier nahm. "Wasser? Passend zu deinem Fisch?"
"Hm?" So ganz war er nicht sicher, worauf sein Gastgeber damit hinauswollte. Fisch gab es jedenfalls nicht bei ihrem Essen.
"Na der Fisch, der Fisch den du auf deinem Stab eingeritzt hast!"
Jetzt ging ihm ein Licht auf, woher der Wind wehte. "Ach der..."
Aristophanes nickte heftig. "Ja genau! Eine schöne Gravur, ich muss schon zugeben. Doch wie ein Fischer siehst du mir nicht aus mit deinen langen Gewändern. Wie kommt es also, dass du ausgerechnet dieses Wesen auf deinem Stab spazieren führst?"
Es war klar, dass der Amphorenhändler mit offensichtlichen Hintergedanken im Kopf diese Frage stellte. Doch zu Paulus' Gunst, oder Verderben? Er wusste nicht genau wie es um die Akzeptanz von Christen hierzulande stand, aber aus Rom hatte er schon von diversen Restriktionen und Verfolgungen gehört. Er beschloss vorsichtig zu bleiben, aber Aristophanes glatt anzulügen ging für ihn auch nicht in Ordnung. So entschloss er sich also für eine ausweichende und vage Antwort.
"Der Fisch... ist meine Leitfigur auf meinem Pfad durch dieses Leben."
"Ha! Genau was ich dachte!" Sprunghaft wie der kleine dickliche Mann nun einmal war, fuhr er herum und begann etwas aus einem kleinen Schränkchen zu ziehen. Paulus schluckte. Was mochte es wohl sein? Ein Dolch?

Doch nichts dergleichen. Als Aristophanes sich wieder umwandte, hatte er bloß ein Stück Leder in der Hand. Er näherte sich wieder Paulus und hielt es ihm hin, dabei immer wieder darauf deutend.
Auf dem Leder war ein Fisch eingeritzt.
"Meine auch!"
Paulus' Augen weiteten sich. Abwechselnd sah er hoch in sein Gesicht und wieder hinunter auf den Fisch.
"Dann bist du also..."
"Mhm, genau!" Aristophanes nickte und behielt seinen ganz eigenen vielsagenden Blick. "Noch einmal, willkommen in meinem Heim, mein Bruder!" Er streckte ihm seinen rechten Arm aus und Paulus ergriff ihn zu einem Druck.
Also war Aristophanes ebenfalls Christ! Kein Wunder, dass er ihm auf der Agora gleich so offenherzig begegnet war! Da schmeckte das Essen gleich doppelt so gut, wenn man sich in so warmherziger Gesellschaft wusste.
"Hier dein Wasser"
"Vielen Dank."
Aristophanes ließ sich gegenüber von Paulus nieder und begann seinerseits zu essen. Dabei sah er immer wieder seinen Gast an.
Dann nach einer Weile: "Was führt dich nach Athen, mein Freund? Das Geschäft?"
Ein Lächeln stahl sich kurz über Paulus' Antlitz. Diese Frage musste ja früher oder später kommen. "Nein, das Studium. Ich bin nach Athen gekommen, um die Lehren der Stoiker zu studieren. Ich war dafür heute schon den ganzen Nachmittag auf der Agora und habe mir ihre Debatten angehört. Sehr interessante Leute."
Wieder machte der Amphorenhändler große Augen. "Oooh, ach deshalb! Tja, wenn nicht in Athen, wo sonst, hm?" Aristophanes kickste.
"Doch sag einmal, ist das überhaupt mit deinem Glauben vereinbar? Griechische Philosophien zu studieren und so weiter?"
Paulus stellte nach einem tiefen Zug seinen Wasserbecher ab.
"Natürlich, warum denn nicht? Was sagt uns unser Herr im ersten Gebot?"
Der kleine Mann wackelte mit dem Kopf.
"Ähm, du sollst keine anderen Götter anbeten? Oder so?"
Paulus nickte.
"Exakt. Und bete ich andere Götter an, wenn ich mich z.B. mit dem Weltbild der Stoiker auseinandersetze? Oder steht irgendwo geschrieben, dass man als Philosoph den Musen, oder Apollon, oder sonst einem Gott Opfer darbringen muss?"
Das ganze ging nun offensichtlich ein klein wenig zu sehr über Aristophanes' Begriffsvermögen, seinem Gesichtsausdruck nach.
"Nun, ähm... äh ich denke nicht? "
Lächelnd nickte Paulus. "Genau, also gibt es kein Problem."
"Hm, wenn du das sagst." Der Amphorenhändler wusste wohl immer noch nicht so recht, was jetzt genau davon stimmte, oder nicht.
"Doch wenn du schon den Glauben ansprichst, ich hörte, dass die Athener Gemeinde jetzt schon seit über 20 Jahren keinen Bischof mehr hat, stimmt das?"
Wieder kiekste der kleine Mann. "Och das, ja so ist das. Zwei Jahrzehnte schon, unglaublich, einfach unglaublich wie schnell die Zeit vergeht, hm."
"Aber wieso wurde nicht schon längst ein neuer Bischof ernannt? Und wie löst ihr dann Fragen der Gemeinde, oder wer schlichtet eure Streitfälle, wenn es keinen Oberhirten mehr gibt?"
Besonders diese beiden Fragen interessierten Paulus schon, seit er den Athener Boden das erste Mal berührt gehabt hatte. Es war sehr unüblich, dass es in so langer Zeit bislang keinen Nachfolger gegeben hatte.
"Hm, tja typisch Athen eben. Nach dem Tod von Dionysios Areopagita gab es Streit über die Ernennung seines Nachfolgers. Es hatten sich nämlich zwei mächtige Lager in der Gemeinde herausgebildet. Die einen, die sagen, dass Gott-Vater und Gott-Sohn gleich sind, während die anderen die Meinung vertreten, dass Gott-Vater und Gott-Sohn ungleich sind. Frag mich bitte nicht nach den Details, ich bin weiß Gott nicht tief genug dafür in der Materie drinnen, aber ja, das ist unser kleines spezielles Problemchen in der Gemeinde, das alles aufhält."
Also ein philosophischer Disput. Interesant.
"Gut, ich verstehe ja, dass über das Wesen Christi gestritten wird. Das gibt es ja anderswo auch. Aber dass diese Frage gleich zwanzig Jahre die Ernennung eines neuen Bischofs aufhält? Und wie fällt ihr dann Entscheidungen ohne ihn?" wiederholte Paulus seine Frage von vorhin.
Aristophanes liebte es offenbar (oder es fiel ihm gar nicht mehr auf), denn er wackelte schon wieder mit dem Kopf bei seiner Antwort: "Wie gesagt, wir lösen alles sehr speziell auf Athener Art. Also Demokratie. Du glaubst ja gar nicht wie oft schon versucht worden war einen neuen Bischof zu ernennen! Doch egal aus welchem Lager er kam, es gab hinterher immer Streit und jede Ernennung wurde deswegen kurz darauf auch schon wieder gekippt. Es gab auch schon Versuche zwei Bischöfe zur gleichen Zeit zu ernennen, das Chaos hinterher kannst du dir gar nicht denken, also auch keine brauchbare Lösung auf Dauer." Aristophanes seufzte. "So also tagt seit der Vakanz des Bischofsstuhls eine Art Ältestenrat als provisorischer Ersatz. Beide Lager stellen für dieses Gremium Abgesandte aus und dieses entscheidet durch Abstimmungen alle Belange der Gemeinde. Aber die Findung eines neuen Bischofs steht trotzdem permanent im Raum, das kannst du mir glauben." Vielsagend nickte er.
Paulus hingegen schüttelte leicht zweifelnd den Kopf. "Das klingt vernünftig, aber eine zwanzigjährige(!) gegenseitige Blockade, bloß wegen der einen, oder der anderen Interpretation des Wesens Christi? Das erscheint mir immer noch ein wenig unglaubwürdig."
Aristophanes zuckte mit den Schultern und lächelte verlegen. "Du vergisst wohl wo du dich hier befindest. Das hier ist Athen! Die Heimstatt der verbissendsten und verbiestertsten Debattierer und Rhetoriker der Welt! Aber gib diesen Wortlaut bitte bloß nicht weiter!" beeilte er sich noch hinzuzufügen, ganz erschrocken über seine eigene Kühnheit. "Aber gut. Athener debattieren nun einmal gerne und sie stimmen natürlich genauso gern über alles mögliche ab. Aber du wirst keinen Menschenschlag finden, der vehemmenter auf seinem Standpunkt beruht, wenn er ihn einmal erst genommen hat. Bei diesen Leuten hast du keine Chance, wenn du nicht grade mit Argumenten um die Ecke kommst, die einen Berg erschlagen könnten!"
Nicht ganz schlüssig sein letzter Vergleich, aber Paulus verstand, worauf Aristophanes hinaus wollte.
Die Athener Gemeinde versprach ein ganz besonders ausgemachter Haufen von Streithähnen zu sein, aber Paulus' Neugier war auf jeden Fall geweckt.
"Wann kannst du mich mit ihren Anführern bekannt machen?"
Thema: Rufos Elysium
Paulus von Myra

Antworten: 1.208
Hits: 39.075
25.08.2019 13:10 Forum: Allgemeines


Zu arg, dass in einer Woche schon wieder Septemberbeginn ist (gefühlsmäßig für mich Ende des Sommers, Herbstanfang), besonders die letzten Sommerwochen sind viel zu schnell vorübergezogen (+ vielen vielen Regenwolken...).

So wenigstens 14 Tage Sommer wären schon noch schön gewesen.
Thema: [ACHAIA] Athen
Paulus von Myra

Antworten: 25
Hits: 2.126
RE: Ankunft in Athen 08.04.2019 08:27 Forum: Restliche Provinzen des Imperiums


Paulus freute sich sehr, dass die Römerin ihm nun weiterhelfen wollte und sie schien sich in Athen auszukennen, was ihren Tipp um Damianos nochmal so wertvoll machte, da er darauf vertrauen konnte, dass die Informationen halbwegs akurat waren. Sie hatte zwar gelangweilte Schüler erwähnt, was mitunter ja auch durchaus ein Rückschluss auf die Lehrmethoden des Meisters sein konnten, doch aus einem anderen Winkel betrachtet, welcher Lehrer hatte im Laufe seiner Karriere noch nicht faule, verzogene Schüler gesehen, die unmotiviert und desinteressiert aus und in den Unterricht gingen, bloß motiviert in der Hinsicht, dass sie in einigen Jahren den gesamten Besitz von ihrem lieben Vati erben würden? Paulus jedenfalls würde sich persönlich ein Bild von diesem Damianos machen und dann erst urteilen. Wer weiß, vielleicht war er wirklich ein brillianter Lehrmeister?
Paulus fand es trollig, dass die Römerin seine Heimat als "weit entfernt" ansah, doch wer weiß, ob sie überhaupt jemals Athen verlassen hatte? Dann war es natürlich etwas anderes, dann mochte selbst Sparta von Athen aus als "weit entfernt" eingeordnet zu werden. Paulus selbst musste sich zwar auch erst noch an Fernreisen und den damit verbundenen Strapazen gewöhnen, doch die Überfahrt von Myra nach Piräus und den dabei geführten Gesprächen mit der Schiffsbesatzung, hatten ihm bereits ein erstes, wages Gefühl dessen gegeben, in welchen Dimensionen Seeleute und Händler dachten. So winkte er daher bescheiden ab und antwortete: "Ach, so weit ist meine Heimat gar nicht weg, gerade mal über die Ägeis mit dem Schiff und schon ist man da. Ich habe ungefähr eine Woche hier her gebraucht, es war meine erste Reise zu Wasser." kurz stutzte er. Wieso hatte er gerade diese zusätzliche, unnötige Information über sein Privatleben geäußert? Doch egal, gewiss würde ihm daraus kein Nachteil erwachsen. Jedenfalls freute er sich, dass die Römerin ihm ein wenig in seiner Suche weiterhelfen hatte können, weshalb er sich artig mit den Worten bedankte: "Der Philosoph Damianos also, wohnhaft am Fuße des Nymphenhügels? Hab Dank für deine großzügige Auskunft, Römerin, ich werde deinen Ratschlag beherzigen und mir diesen Mann genauer ansehen. Mögen die Götter über alle deine Wege wachen, Vale."
Thema: [ACHAIA] Athen
Paulus von Myra

Antworten: 25
Hits: 2.126
RE: Ankunft in Athen 02.04.2019 13:00 Forum: Restliche Provinzen des Imperiums


"Oh, ich bin kein Grieche, falls du das meinst" beeilte sich Paulus zu antworten, "Ich komme aus Asia Minor, genauer gesagt aus der Provinz Lycia et Pamphylia. Doch Philosoph bin ich durchaus. Mich interessieren alle Sichtweisen der Menschheit und deshalb studiere ich ihre einzelnen Philosophien, um ihre Standpunkte besser nachvollziehen zu können und so meinerseits neue Erkenntnisse über unsere Welt gewinnen zu können."
Paulus wunderte sich. Sah man ihm das denn so offensichtlich an? Nunja...wenn man genauer darüber nachdachte, musste man das ja auch zwangsläufig, denn egal welche Kleidung er auch immer tragen mochte (und sei es die Purpurtoga des römischen Imperators persönlich), seine physische Erscheinung konnte Paulus nicht verbergen, die klar in den nahöstlichen Bereich einzuordnen war. In diesem Zusammenhang fand er plötzlich die Frage interessant, ob seine Familie immer schon Syrer aus Antiochia gewesen waren, oder ob ihr eigentlicher Ursprung doch noch einmal ganz woanders lag. Womöglich ja im alten Tyros, dieser einstigen Hochburg der Phönizier? Er musste zugeben, bislang hatte er sich noch nie für derartiges interessiert und auch nie seinen Vater, oder seine Großmutter dahingehend befragt. Natürlich hätte es ihn auch jetzt interessiert, ob die Römerin ihrerseits einheimische Athenerin, oder doch aus Italien war, doch fand er sich leider nicht in der Position wieder, sie persönliche Dinge fragen zu dürfen, nachdem er schon mit ihr zusammengestoßen war und sie Leibwächter besaß (neben der rechtlichen Überflügelung mit ihrem römischen Bürgerrecht gegenüber Paulus' "bloßem" Peregrinus-Status natürlich ebenfalls auch). Doch das war natürlich auch nicht weiters von Belang, denn sie hatte ihm eine durchaus interessante Neuigkeit preisgegeben. War da etwa wirklich ein stoischer Meister, der sich als Lehrer anbieten könnte? "Das freut mich sehr zu hören! Ist dieser... Damianos denn gerade anwesend? Und besitzt er einen guten Ruf als Stoiker?" Das war natürlich auch wichtig für ihn, dass er sich keinem Scharlatan hingab, wo er doch noch so vieles kennenlernen und erfahren wollte. Da waren Unwissende, oder Betrüger leider nur Zeitverschwendung für Paulus in seinen Studien und diese junge Römerin schien diesen Damianos ja anscheinend zu kennen. Vielleicht konnte sie ihm gleich Auskunft darüber erteilen, ob sich seine Suche schon gelohnt hatte, oder, ob er sich nach einem anderen Stoiker umsehen musste.
Thema: [ACHAIA] Athen
Paulus von Myra

Antworten: 25
Hits: 2.126
RE: Ankunft in Athen 31.03.2019 19:22 Forum: Restliche Provinzen des Imperiums


Eine Römerin.
Paulus war geradewegs in eine Römerin hineingerannt!
Jesus Christus! Was man nicht alles erlebte, wenn man bloß einfach so über die Athener Agora lief. Zuerst war er mit einem griechischen Amphorenhändler ins Gespräch gekommen, als er ihm geholfen hatte einige Scherben seiner Ware wieder aufzuklauben und jetzt war er gleich darauf geradewegs mit einer jungen Römerin kollidiert. Und dazu noch mit einer wohlhabenden vermutlich, wenn man sich all den Schmuck und ihren Begleiter ansah, der in Form eines großen Ägypters in Erscheinung trat. Wenn er ihr Gesicht studierte, kam er zu dem Schluss, dass sie ganz und gar nicht glücklich darüber war, dass ein bärtiger, drahtiger Mann frühen mittleren Alters körperliche Bekanntschaft mit ihrem eben jenen gemacht hatte, was für einen kleinen Peregrini wie er es war durchaus schnell gefährlich werden konnte. Wie oft kam das vor, dass ein versnobter Römer seine Schergen und Schläger ausschickte, um wehrlose Peregrini zu foltern, bloß zum persönlichen Amusement, oder jemandem eines auszuwischen? Und dazu bedurfte es gewöhnlich weit (weit!!) weniger, als mit betreffendem Römer zusammenzuprallen. Der Miene der Fremden nach schien eben jenes Paulus zu blühen und in seinem Augenwinkel sah er den Leibwächter vortreten und für einen Bruchteil einer Sekunde war er sicher, dass er jetzt gleich entweder fliehen musste, oder große Schmerzen erleiden würde, doch dann kam es zum Glück doch noch einmal ganz anders. Die ruhige Stimme beruhigte ihn, ja es wirkte sogar fast so, als ob der Ägypter Schlimmeres für Paulus verhütet hatte, denn auf seine Worte hin schien auch die Römerin beruhigt(er). Paulus atmete erleichtert aus. Ja mehr noch, es schien sich sogar so etwas wie ein gewöhnliches Gespräch im entwickeln zu begriffen sein, denn die Römerin fragte ihn nach dem Grund, was er hier zu suchen hätte. Wieder ein Grund erleichtert zu sein, immerhin war Paulus' Grund ja wirklich mehr als unverfänglich (sogar im Gespräch mit Römern), weshalb er freien Gewissens antwortete: "Meine... "Schritte" lenkten mich heute hierher auf die Agora, da ich den Wunsch habe die Lehren der Stoa zu studieren und wo könnte man das besser als hier in Athen, der Wiege dieser und aller anderen großen Philosophien unserer Zeit?" meinte er und wies um sich.
Doch ganz war die Frage der Römerin natürlich noch nicht beantwortet, weshalb er als Nachsatz hinzufügte: "Konkreter war ich gerade auf dem Weg zur Stoa Poikile hier hinter uns in der Hoffnung, dort einen stoischen Lehrmeister für mich zu finden. Die Stoa Poikile ist jener Ort, an dem einst vor vierhundert Jahren Zenon von Kition, der Gründer der Stoa, gelehrt hatte, wusstest du das Römerin?"
Thema: [ACHAIA] Athen
Paulus von Myra

Antworten: 25
Hits: 2.126
RE: Ankunft in Athen 30.03.2019 13:57 Forum: Restliche Provinzen des Imperiums


Mit interessiertem Blick bewegte sich Paulus durch die Menschenmenge und beobachtete all die Menschen rund um ihn herum. Sie alle waren sehr interessant für ihn und wohl so ziehmlich alle Länder dieser Welt hatten einen Vertreter hier. Er sah natürlich in erster Linie viele Griechen und einige Römer, klar, doch das dort hinten, war das nicht ein parthischer Teppichverkäufer? Und der dicke Glatzkopf nicht weit von ihm, der Parfüme und Schminkutensilien an den Mann brachte, Paulus wollte auf der Stelle ein Heide sein, wenn das kein Ägypter war! Dieser Schalen- und Schüssel-Verkäufer links von ihm war bestimmt Phönizier der Kleidung nach zu urteilen. Paulus hätte am liebsten mit ihnen allen gesprochen. Hier machte er zum ersten Mal die Erfahrung, dass man in einer Metropole, wie Rom, Athen, oder Alexandria Leute aus allen Landstrichen des Mittelmeers kennenlernen konnte, jeweils nur ein paar hundert Schritte voneinander entfernt, während man ansonsten mehrere tausend Meilen reisen musste, wenn man z.B. einen Anatolier in Anatolien und danach einen echten Ägypter in Ägypten kennenlernen wollte. Hier würde er bestimmt einiges mehr erfahren können über die verschiedensten Länder, ohne auch nur einen Fuß aus Athen hinaussetzen zu müssen.
Dazu hatte er später bestimmt noch Zeit sich mit einigen dieser interessanten Leute und Peregrini hier zu unterhalten, doch gleichzeitig durfte er auch seine eigentlichen Ziele nicht aus den Augen verlieren; Kontakt zur christlichen Gemeinde Athens herzustellen und sich um einen geeigneten Stoiker umsehen, bei dem er noch so einiges über diese Philosophie lernen könnte. Das sollte nicht so schwer werden, vermutete Paulus. Er wusste, dass die Philiosophie des Stoizismus seinen Namen davon hatte, dass Zenon von Kition seine Erkenntnisse über die Welt immer in einer Athener Stoa verbreitet hatte, genauer in der Stoa Poikile ("bunte Stoa"). Eine Stoa war meist eine lange schmale Halle, deren Rückseite aus einer massiven Wand bestand, während die Front offen war und durch Säulen getragen wurde. Athen besaß gleich ganze sechs Exemplare dieses Gebäudetypus, die die Funktion hatten die Agora als Platz vom Rest der Stadt abzugrenzen und als Treffpunkt für Athener Bürger und Ausstellungsort für Gesetzestafeln und Kriegsbeute vergangener Tage zu fungieren (die Stoa des Attalos jedoch war doppelgeschossig und diente auf beiden Etagen als Handelszentrum). Jetzt galt es nur noch herauszufinden, welche dieser sechs Stoen die richtige war.

Paulus befand sich gerade zwischen der Statuengruppe der Eponymen Heroen und dem Metroon, dem ehemaligen Athener Staatsarchiv. Nicht weit von ihm pries ein Händler kleine Götterstatuetten aus Ton an. Paulus ging zu ihm hin und fragte ihn: "Chaire*, mein Freund. Kannst du mir sagen, wo ich hier die Stoa Poikile finde?" Der Händler wollte ihm gerade antworten, als da eine korpulente Frau bei seiner Ware stehen blieb, offenbar in der Absicht etwas zu kaufen. Da das natürlich mit einem Schlag wichtiger war, als eine bloße Auskunft, deutete er nur schnell grob über den Platz und wandte sich dann gleich seiner potenziellen Kundschaft zu. Paulus nickte ihm zu und ging in die besagte Richtung. Für Dank, oder weiteren Worten war der Händler wohl derzeit nicht empfänglich in seiner Gier nach Münzen. So überquerte Paulus die Agora in der Absicht, sich bei den in der Stoa befindlichen Personen nach stoischen Philosophen umzuhören. Die stoische Philosophie war mittlerweile über vierhundert Jahre alt und der Kontakt mit der lateinischen Kultur und der Integration der griechischen Welt als bloße Provinzen ins riesige römische Imperium hatten ebenfalls starke Auswirkungen auf ihre Lehren gehabt. Daher war es nur zu leicht möglich, dass Paulus vielleicht nur einem Gespenst der Vergangenheit nachjagte, wenn er hoffte, hier am Gründungsort der Stoa irgendwelche Stoiker zu finden. Was, wenn sich deren Lehrzentren bereits seit Jahrhunderten woanders befanden? Oder sogar außerhalb von Athen in ganz anderen Weltgegenden? Paulus wusste auf all dies keine Antwort, nicht bevor er sich in der Stoa Poikile näher umgehört hatte. So ging er zielstrebig auf die Stoa zu, als er kurz davor plötzlich an einem ungesehenen Widerstand aufprallte und zurücktaumelte. Paulus sah auf, er war mit einer jungen Frau zusammengestoßen in seiner Hast. "Ich bitte vielmals um Verzeihung! Hast du dir etwas getan, junges Fräulein? Ich habe dich nicht gesehen, ich entschuldige mich." versuchte er mit diesen ersten Worten die Lage zu retten.

* = altgr. "Chaire" -> Sei gegrüßt/Hallo
Thema: [ACHAIA] Athen
Paulus von Myra

Antworten: 25
Hits: 2.126
RE: Ankunft in Athen 26.03.2019 09:26 Forum: Restliche Provinzen des Imperiums


Athen war eine äußerst beeindruckende Stadt, so etwas ähnliches hatte Paulus bisher noch nie zuvor gesehen gehabt. Ganz anders als Myra. Eigentlich hatte er schon seine Heimatstadt für ziehmlich stattlich gehalten (auch wenn er gehört hatte, dass die Heimat seiner Familie, Antiochia, noch prächtiger sein sollte, ganz zu schweigen von Megametropolen wie Alexandria oder Rom), doch verglichen mit dem pulsierenden Leben und der Architektur und der Größe überhaupt hier war Myra ein hoffnungsloses Provinznest bzw. Fischerdorf. Staunend wanderte Paulus mit seinem neuen Olivenholzstab (in dem er einen Fisch hineingeschnitzt hatte) durch die sich drängenden Menschenmassen und versuchte sämtliche Eindrücke auf einmal in sich aufzunehmen und hinter seinem geistigen Auge zu bannen. Wohin man sah nichts als Menschen, Menschen und nochmal Menschen, eingerahmt mit einem prächtigen Hintergrund aus Häusern, erbaut aus Stein, Holz und Marmor. Und über all dem thronte gut sichtbar von jedem denkbaren Standpunkt die Akropolis, gleich einem marmornen Kronjuwel mit ihrem übergroßen Tempel der Athena Parthenos. Paulus vermutete, dass von den Dimensionen her nur wohl der Tempel des Zeus in Olympia und der Kapitolische Tempel in Rom mit dem Parthenon von Athen mithalten konnten, eine wirklich bemerkenswerte Leistung von menschlicher Schaffenskraft und Intuition. Trotz aller griechischer Vorherrschaft an diesem Ort war jedoch der römische Einfluss durchaus auch da und dort zu bemerken. Soldaten und Offiziere der römischen Legionen sah man immer wieder Mal in der Menge und vereinzelt fanden sich auch einige römische Bürger in Togen gekleidet, oder Frauen, deren Kleidung, Frisuren und Schmuck römisch anmutete. Auch Domi und Insulae nach Art der Besatzer fanden sich inzwischen im Stadtbild dieser Polis.
Als Paulus nach seiner Ankunft die Athener Agora erreichte, verdichteten sich die lateinischen Tedenzen. Hier standen nach wie vor die althergebrachten griechischen Markt- und Verwaltungsgebäude, doch nur etwas weiter östlich erhob sich eine eigene römische Agora, wo man wesentlich mehr Togenträger antraf, als Paulus bisher hier zu Gesicht bekommen hatte.

Ein Scheppern ließ Paulus aufhorchen und sich umdrehen. Einem Mann mit blondem Haupthaar waren mehrere Amphoren zu Boden gefallen und krachend zerschellt. Wie selbstverständlich steuerte er auf den Unbekannten zu und bückte sich seinerseits, um die Scherben aufzuheben. Der Mann, der offensichtlich keine Hilfe erwartet hatte, schaute verwundert auf und lächelte ihm erfreut zu.


Aristophanes, Amphorenhändler

"Hab Dank, mein Freund für deine Hilfe." sprach er. Paulus nickte ihm wohlwollend zu und wollte sich wieder umdrehen, als der Fremde plötzlich sein Handgelenk packte. Erstaunt starrte er auf das Fischsymbol in Paulus' Olivenstab, dann blickte er wieder ihn selbst an, ehe er noch breiter lächelte und sagte: "Was für ein wunderschöner, kräftiger Wanderstab! Du musst von weither kommen, oder? Ich bin Aristophanes, wie nennst du dich, Wanderer?"
Die Art wie Aristophanes Paulus' Stab betrachtet hatte, ließ darauf schließen, dass er wohl die Bedeutung des Fisches durchaus erkannt hatte und deshalb plötzlich so aufgeschlossen war. Doch mit welcher Absicht? Wollte er ihm helfen, oder schaden? "Mein Name ist Paulus, ich komme aus Myra in Anatolien." antwortete er ihm. Es bestand für ihn wohl keine Gefahr, weshalb er bei Aristophanes vorerst einmal von guten Absichten ausging. "Nun, Paulus aus Myra, ich freue mich deine Bekanntschaft zu machen! Ich habe schon einiges von Myra gehört, wollen wir nicht auf ein Schlückchen Wein irgendwo einkehren? Ich würde gerne mehr von deiner Heimatstadt hören, falls du mir davon erzählen willst. Ich lade dich ein."
"Hab Dank für dein großzügiges Angebot, jedoch bin ich gerade erst in Athen angekommen und..."
"Macht nichts, macht nichts", unterbrach ihn da der Amphorenhändler mit abwehrender Geste, "ich kann dich schon verstehen, dass du dann natürlich nicht gleich wieder stillsitzen willst. Doch weißt du was? Sei mein Gast heute Abend! Bestimmt hast du noch keine Bleibe für die Nacht, oder?"
Paulus schüttelte den Kopf. "Na also! So komm heute Abend zu mir und ich werde dich reich bewirten und du kannst mir von deinen Reisen erzählen, na wie klingt das?"
Sein herzensgutes Angebot freute Paulus sehr. "Ich nehme an und bedanke mich jetzt schon dafür, dass du mir Obdach für diese Nacht bieten willst. Zu erzählen gibt es jedoch nicht so viel wie du denkst, fürchte ich."
Lachend streckte ihm Aristophanes die Hand entgegen, "Das macht doch nichts, ich habe auch so gerne Gesellschaft! Es freut mich, dass du einwilligst! Mein Haus liegt direkt westlich des Areopag mit einer großen Front, bewachsen mit Weintrauben, du kannst es nicht verfehlen! So auf bald, mein neuer Freund!" "Auf bald", antwortete Paulus mit einem Lächeln und ergriff Aristophanes' Hand zum Abschied, ehe er weiter seiner Wege ging, um noch mehr von Athen zu sehen. Wie im Vorbeigehen hatte er sich gerade ein Quartier für die Nacht beschafft, wenn das kein gutes Zeichen für seine kommende Zeit in Athen war.
Thema: Rufos Elysium
Paulus von Myra

Antworten: 1.208
Hits: 39.075
18.03.2019 14:12 Forum: Allgemeines


Hat jemand von euch auch schon "Assassin's Creed: Odyssey" gespielt? Falls ja, wie findet ihr das Spiel bzw. wenn ihr es auch nicht habt, wie ist sonst eure Meinung darüber?

Ich habe es mir beim kürzlichen Steam-Sale geholt (+ Seasonpass versteht sich) und liebe es jetzt schon. fröhlich
Außerdem, nachdem ich inzwischen beinahe 24h durchs antike Griechenland gelaufen, geschlichen, geklettert, gesprungen, gefallen, geschlittert, geritten und gesegelt bin, sehe ich auch unser antikes Griechenland hier im Forum mit anderen Augen (auch sehr viel plastischer!), was sehr nützlich und GUT ist, wo sich mein Paulus ja gerade in Athen aufhält. großes Grinsen
Thema: [ACHAIA] Athen
Paulus von Myra

Antworten: 25
Hits: 2.126
RE: Ankunft in Athen 25.02.2019 13:05 Forum: Restliche Provinzen des Imperiums


Der nächste Morgen begann schlabberig.
Das erste, was Paulus wahrnahm war etwas nasses, fleischiges, das über sein Gesicht herumwischte. Mit einem Ruck fuhr er plötzlich hellwach zurück und stieß sich prompt den Hinterkopf äußerst schmerzhaft am Stamm des Olivenbaumes, der ihm als Nachtlager gedient hatte. "Hee!" rief er. Der Esel, der ihn gerade noch abgeleckt hatte, wieherte in einem protestierenden I-AH-Laut auf und hob ein wenig auf die Hinterläufe an, ehe er sich umdrehte und weglief. Paulus sah ihn brummend nach, während er sich mit seinem Reisegewand das Gesicht abwischte. Mit einem letzten Kopfschütteln in Richtung Esel stand er auf und sah sich um.
Am frühen Morgen sah seine Umgebung sogar noch idyllischer und schöner aus im Licht des jungen Tages. Nicht weit von ihm bemerkte er auch jetzt eine kleine Herde wilder Esel, die zwischen den Wurzeln der Bäume am Boden grasten. Er beobachtete er sie einen Moment, ehe er noch einmal über sein Gesicht wischte und anschließend sich auf den Weg zurück nach Piräus machte. Als er um die Küstenbiegung herumkam, an der er heute genächtigt hatte, kam auch der Athener Hafen wieder in Sicht. Zumindest seine Wasserflächen, denn Piräus selbst war natürlich von seinen hohen Schutzwällen verdeckt. Doch es musste schon geschäftiges Treiben herrschen, Paulus sah nämlich viele Fischerboote im Hafen ein und ausfahren und auch ein großes Handelsschiff phönizischer Bauart war gerade im Begriff in den Hafen einzufahren. Begleitet wurden sie vom Gesang der Möwen. Ein im Gras liegender Ast erregte seine Aufmerksamkeit. Er musste vom Olivenbaum über ihm stammen und würde sich perfekt als Wanderstab eignen, weshalb er sich rasch bückte und ihn aufhob. Knorrig und dick genug, um als stabile Stütze zu dienen auf langen Fußmärschen, einfach perfekt. Derart ausgerüstet machte er sich auf den Weg in die Hauptstadt der Philosophen, Athen. Was war schon gegen diese gigantische, altehrwürdige Mutter der griechischen Kultur dieser kleine, nichtsnutzige Jammer von römischer Provinzhauptstadt Korinth! Athen sollte eigentlich das Haupt Achaeas werden, wenn es nach Paulus ging. Alleine wenn es um die Frage ging welche der großen Städte Griechenlands die erste Harfe spielen sollte konnte man schon eine wunderbare, philosophische Diskussion darüber vom Zaun brechen und genau das liebte Paulus an ihr, dass sie immer und überall anwendbar war und Sichtweisen und Standpunkte offenbarte, derer man zuvor vielleicht nicht so gewahr gewesen war.
Er freute sich auf seinem Weg schon auf die vielen kommenden Stunden der Erkenntnis und der Diskussionen. Doch nicht nur die vier großen griechischen Philosophien; der Stoizismus, der Epikureismus, der Platonismus und der Aristotelismus, lockten Paulus nach Athen, er war auch sehr daran interessiert die hier ansässige christliche Gemeinde kennenzulernen. Er hatte gehört, dass die Gemeinde seit gut schon 20 Jahren keinen Bischof mehr ernannt hatte und war demgemäß natürlich neugierig darauf zu erfahren, wie sich die Athener Christen in der Zwischenzeit als Gesellschaft entwickelt hatten, so ganz ohne lokalen Oberhirten.
Thema: [ACHAIA] Athen
Paulus von Myra

Antworten: 25
Hits: 2.126
Ankunft in Athen 24.02.2019 14:56 Forum: Restliche Provinzen des Imperiums


Paulus Überfahrt von Myra nach Piräus, dem Hafen Athens, dauerte ungefähr eine Woche. Währenddessen lernte er die Freuden und Leiden der Schiffahrt kennen. Natürlich arbeitete er Zeit seiner Anwesenheit an Bord mit, um sich ein wenig Geld zu sparen. Er hatte genug Gold, um in den kommenden Monaten keine Not leiden zu müssen, doch pflegte Paulus ja ohnehin einen sehr asketischen Lebensstil.
Das Schiff lief genau bei Sonnenuntergang in Piräus ein. Dort freuten sich die Matrosen schon auf einige ordentliche Becher echten griechischen Weines in den Hafentavernen und einiger draller Hafendirnen auf ihren Schößen. Paulus jedoch hatte anderes im Sinne, als er von Bord ging und damit das erste Mal in seinem Leben griechischen Boden betrat. Er würde seine erste Nacht hier irgendwo auf freiem Felde unter dem Sternenzelt verbringen und dann sich auf den Weg nach Athen machen. Dort würde er die Lehren der Stoa studieren wollen, die einst vor gut vierhundert Jahren vom Philosophen Zenon von Kition aufgestellt und seither von seinen Anhängern, den Stoikern, weiterverbreitet und -entwickelt worden waren.
Piräus war mit Athen über einen Weg verbunden, der links und rechts vollkommen mit Mauern umsäumt war, sodass der Stadt auch im Falle einer Belagerung nicht der Zugang zum Meer abgeschnitten werden konnte. Hier also würde er keinen geeigneten Schlafplatz finden. Glücklicherweise standen jedoch die Stadttore noch offen. Paulus durchquerte eines und fand sich gleich darauf auf freier Flur wieder. Hinter ihm die Mauern des Athener Hafens, zu seiner Linken das sanft wellenschlagende Wasser der Ägeis, vor ihm die Pflasterstraße nach Korinth und zu seiner rechten eine sanfte Hügellandschaft voller alter knorriger Olivenhaine. Erfüllt von dem Frieden dieses Ortes, wanderte er eine Weile auf der insgesamt 53 römische Meilen langen Straße entlang, bis die Sonne ganz untergegangen war. Hier dann legte er sich unter einen Olivenbaum, um für diese Nacht zu rasten, während ober ihm bereits die ersten Sterne am Firmament erblühten.
Thema: [ASIA] Aufbruch aus Myra
Paulus von Myra

Antworten: 4
Hits: 224
RE: Aufbruch aus Myra 22.02.2019 17:21 Forum: Restliche Provinzen des Imperiums


Die Tür knarzte, als sie ins Schloss fiel. Vater musste sie unbedingt einmal wieder ölen. Ob er noch einmal schnell zurückgehen und es ihm sagen sollte? Doch nein, besser nicht. Paulus starrte unverwandt die Eingangstür seines Elternhauses an. Es war alles gepackt und verladen, heute war der Tag seines Aufbruchs aus Myra gekommen. Soeben hatte sich die Eingangstür dieses Hauses zum letzten Mal in seinem Leben geöffnet und wieder geschlossen. Paulus würde dieses Haus nie wieder betreten. Er seufzte, tief in Gedanken, als ihm das vollends bewusst wurde. Eine Möwe kreischte über ihm auf einer nahen Hausfassade sitzend. Es war früher Morgen und alle Bewohner Myras schliefen noch. Auch sein Vater. Es war fast genauso wie damals, als Paulus draußen auf dem Strand gestanden und mit seinem Gewissen gerungen hatte. Er würde nicht mehr zurückgehen, um das mit der quietschenden Tür weiterzusagen, sein Vater würde heute aufwachen und ein leeres Haus ohne Paulus vorfinden. Genug Scherereien hatte es in letzter Zeit gegeben, so war der Abschied am besten. Das hatte er sich auch heute Nacht schon immer wieder in seinem Bett vorgesagt, als er nicht schlafen konnte. Paulus gab sich einen Ruck und machte eine Vierteldrehung mit seinem Körper in Richtung Meeresgewässer.Eine ganze Weile stand er einfach nur da. Seine Füße fühlten sich bleischwer an. Ja nicht von der Stelle zu bekommen, als wäre Paulus plötzlich festgewachsen. Komm schon! Du hast das wochenlang geplant! Schalt er sich gedanklich selbst, ein wenig ärgerlich über diese Angst in ihm vor diesem großen Schritt wegzugehen. Mit Mühe machte er den ersten Schritt und dann den zweiten und dann immer so weiter, bis er einen flüssigen Gang hatte ohne stockende Bewegungen. Mit jedem Schritt fiel es ihm leichter, jeder Schritt der ihn weiter vom Haus seiner Eltern wegbrachte, war ein Schritt in die Freiheit. Wo die Luft klar und gesund war und nichts auf den Magen, oder die Schultern drückte. Schon kurze Zeit später begann er auch das Tempo zu erhöhen, immer rascher.
Am Ende bewegte sich Paulus fast schon im Laufschritt. Nur weg von hier! Das Schiff, das ihn aus Myra wegbringen würde, war bereits schon zu sehen. Es ankerte weiter draußen vor der Küste. Ein Handelsschiff mit Kurs nach Athen. Am Strand lag das Ruderschiff der Händler, bereit auszulaufen. Die Kaufleute waren schon vollzählig versammelt, sie warteten nur noch auf Paulus. Er eilte zu ihnen hin und begrüßte sie, ehe er mithalf das Boot in tiefere Gewässer zu schieben und danach hineinzuklettern und zum Schiff zu rudern. Er war derartige Anstrengung nicht gewohnt. Schnell wurde er müde und die Arme begannen zu schmerzen, doch Paulus biss die Zähne zusammen. Immer weiterrudern.
Endlich erreichten sie den Kahn und müde und ausgelaugt kletterte er an Deck. Beim Setzen der Segel war er keine große Hilfe, das erledigten die seeerprobten Matrosen des Schiffes. Affengleich hangelten sie sich in der Takelage herum und brachten die Segel in Stellung. Ein Windstoß blähte sie auf und das Schiff setzte sich in Bewegung. Weg von Myra. Paulus Heimat. Von allem, was er bisher geliebt und gekannt hatte.
Thema: Eure Meinung und Mithilfe ist gefragt
Paulus von Myra

Antworten: 108
Hits: 7.239
Wikiergänzung 11.01.2019 08:17 Forum: Allgemeines


Hallo liebe Wikibetreuer.

Bei meiner Recherche für meinen neuesten Beitrag im Thread "Aufbruch aus Myra" hatte ich nach dem Fachbegriff für einen antik-griechischen Essensraum in einem griechischen Haushalt gesucht und bin dabei auf Wikipedia darauf gestoßen, dass die römisch-lateinische Bezeichnung triclinium sich eigentlich aus dem griechischen triklinion ableitet, ergo die römischen Speiseliegen und der Name des lateinischen Esszimmers eigentlich eine griechische Erfindung ist bzw. die Römer von den alten Griechen übernommen haben.

Wär das nicht eine denkwürdige und interessante Ergänzung für unser Wiki?
Thema: [ASIA] Aufbruch aus Myra
Paulus von Myra

Antworten: 4
Hits: 224
RE: Aufbruch aus Myra 11.01.2019 08:09 Forum: Restliche Provinzen des Imperiums


Hinterher betrachtet war es doch schwerer gewesen, als er es zuvor angenommen hatte.
Nachdem Paulus vor den Stufen des Tempels der Artemis Eleuthera für sich entgültig den Schluss gezogen hatte Myra verlassen zu wollen, hatte er damit begonnen verschiedene Vorbereitungen zu treffen. Eine davon war neben weltlichen Dingen, wie der Besorgung von Proviant gewesen, es auch seiner restlichen noch lebenden Familie mitzuteilen, dass sie ihn schon bald möglicherweise für Jahre, oder Jahrzehnte (oder gar nie wieder?) nicht mehr zu Gesicht bekommen würden. Dafür hatte er alle seine Geschwister, seinen Vater, seine steinalte Großmutter, des Vaters Bruder und des Vaters vier Schwestern samt ihren Ehemännern und deren Kinder in das triklinion ihres Hauses geladen. Nach Speis und Trank, wo Paulus noch einmal versucht hatte mit so vielen Mitgliedern seiner Familie Gespräche zu führen und ihnen noch einmal ins Gesicht sehen zu können, hatte er nach Ende des Mahls dann schließlich um Ruhe gebeten. Als alle Aufmerksamkeit dann auf ihm ruhte, hatte er sich aufgerichtet und begonnen zu sprechen: "Meine lieben Freunde, es freut mich, dass wir die letzten Stunden in so inniger Eintracht zusammen verbringen hatten können und es war ein wirklich großer Trost für mich jeden einzelnen von euch noch einmal zu sehen. Denn ich habe euch nicht grundlos heute hierher bestellt, nein, so schwer es mir fällt, ich habe euch etwas zu sagen. Ich verlasse euch." Da ging plötzlich ein Raunen durch die Menge, verwirrte Blicke wurden getauscht und in verschiedensten Formulierungen ertönten da und dort immer wieder "Warum?". Paulus atmete einmal tief ein und aus. Natürlich war das nur die logische Folge einer solch ungeheuerlichen Verkündung. Vor allem sein Vater blickte ihn überrascht und ungläubig an. An seinem Mienenspiel war zu erkennen, dass er nicht wusste, ob er wütent, traurig, oder glücklich darüber sein sollte. Ständig hin und hergerissen zwischen diesen drei Emotionen. Paulus hob die Hand, um seine Angehörigen zu beruhigen. Auch wenn er ihnen im folgenden jetzt erklären würde, wieso er fort müsse, wusste Paulus jetzt schon, dass seine Gründe sie noch weniger erfreuen würde. "Bitte doch, meine Lieben, so hört mich an! Ich will euch ganz genau erklären, wieso ich fortgehe. Denn dieser Grund, oder besser gesagt diese Gründe sind vielfältig. Ich weiß nicht wie ich alles richtig in Worte fassen soll, um jeden Gedanken mit euch sinngemäß teilen zu können ohne Missverständnisse, doch ich will es versuchen. Ein Grund ist der Tod meiner vielgeliebten Mutter, meiner Geschwister hochverehrten Mutter, meines Vaters vergötterten Eheweibes, ihrer eigenen Geschwister unabkömmlichen Schwester und ebenfalls geliebten Tochter ihrer bereits verschiednen Eltern. Es herrscht seit ihrem Tod so eine große Kluft an jenem Platz in meinem Herzen, wo sie einst saß, dass ich diesen Schmerz nicht länger ertrage, ich muss in die Welt hinausziehen und versuchen dort irgendwie auf Reisen meinen Kummer zu überwinden." "So gehst du auf Handelsreisen? Machst du Geld und Gewinn?" quakte da gleich seine steinalte Großmutter zwischen all ihren Runzeln hervor. Das war nur eine natürliche Annahme für sie, wo es doch ihr Sohn damals zu erstaunlichem Reichtum gebracht hatte, nachdem er, Paulus' Vater, Antiochia, die ehemalige Heimat der Familie, verlassen hatte. Doch in diesem Punkt musste Paulus das alte, atmende Lebendskelett enttäuschen. "Nein, nicht das Streben nach Gold, oder anderen weltlichen Gütern ist es, die mich außerdem forttreibt, sondern der Versuch nach höherem Wissen und Erkenntnis zu trachten." Wieder ein Raunen, das durch die Menge ging. Paulus wollte fortlaufen, um bei Nichtsnutzen wie Philosophen herumzuhängen und Wolkenschlösser im Kopf zu erbauen, anstatt dass er sich eine eigene Existenz z.B. durch ein von ihm gegründetes Handelsunternehmen aufbaue? Nicht gerade so wirklich gern gesehen in einer traditionellen Handelsfamilie, die zwar wohlhabend, aber ohne jede politische Ambition war. Doch Paulus ließ sich nicht beirren, sondern fuhr fort: "Schon immer hat es mich fasziniert die Wunder und Geheimnisse unserer wunderschönen Welt und der des Geistes zu finden und zu erforschen und zu studieren wie mannigfaltig verschieden all diese Menschen auf der Welt in ihren unterschiedlichen Kulturen darüber denken. Dieser Professur will ich verstärkt meine Aufmerksamkeit schenken und auch dem höheren Wohl."
Bei Paulus' letzten Worten mischten sich wieder einige verwirrte Wortmeldungen und Blicke untereinander in die anwesende Menge, nur Paulus' Vater und einige seiner Geschwister seufzten auf (teils genervt), oder verdrehten die Augen, denn sie wussten natürlich wohl, was ihr Angehöriger damit gemeint hatte; seinen Glauben an diesen jüdischen Wanderprediger.

Paulus wusste nicht, ob er diesen letzten Aspekt seiner Gründe näher erläutern sollte. Bisher hatte er gute und für einfache Leute nachvollziehbare Gründe geliefert, wieso er fort wollte. Um die Trauer um seine tote Mutter zu bewältigen und sich nebenbei zum größeren Philosophen heranzubilden, als er jetzt schon war. Doch wenn er jetzt auch noch damit beginnen würde, von seinem Glauben zu erzählen? Keine leichte Entscheidung. Letzteres war der dritte wichtige Grund für seinen Weggang und es wäre mit seinem christlichen Ehrgefühl unvereinbar gewesen, hätte er gerade diesen Aspekt seiner kommenden Reise verschwiegen. Andererseits wusste er sehr genau, dass seine (heidnische) Familie es nicht gut auffassen würde, ja nicht wirklich verstehen würde und es nur böses Blut gebe, was er doch vermeiden wollte. Und zudem hatte er mit seiner abschließenden Metapher ihnen doch schon irgendwo seine finalen Absichten erläutert, besonders erkenntlich an den Reaktionen seiner engeren Familie, weshalb Paulus sich entschied es damit gut sein lassen zu wollen. Zu weitschweifenderen Ausführungen diesbezüglich war er (noch) nicht bereit. Eines Tages vielleicht, doch nicht heute.
"Dies zumindest sind meine Gründe, die ich euch hiermit mitgeteilt habe." Meinte er abschließend und setzte sich und eine Flut an Fragen und Anmerkungen in der Menge und auch in seine Richtung begann.
Thema: [ASIA] Aufbruch aus Myra
Paulus von Myra

Antworten: 4
Hits: 224
RE: Aufbruch aus Myra 22.12.2018 00:40 Forum: Restliche Provinzen des Imperiums


Drei Wochen waren seit dem Begräbnis von Paulus' Mutter vergangen, doch fühlte er sich noch immer nicht besser. Noch immer saß der Schmerz tief in ihm. Er vermisste sie, ganz so wie das eben natürlich war bei einer gesunden Mutter-Sohn-Beziehung. Zusätzlich noch diese Sache um ihr Seelenheil, da sie ja als Heidin gestorben war. Paulus beschäftigte dieser Umstand selbst jetzt nach all diesen Wochen noch, was ihn sogar ein wenig selbst überraschte. Doch jetzt konnte er schwerlich noch etwas für sie tun, außer sie täglich in sein Abendgebet miteinzubeziehen. Vielleicht würde ja das etwas bringen. Wie dumpf wanderte Paulus durch die Straßen Myras. So viel grauer und kälter wirkte die Welt seit Mutters Dahinscheiden für Paulus. Doch das schien seine Mitmenschen nicht zu kümmern. Fröhlich plauderten, riefen, pfiffen und lachten sie auf den Straßen und Märkten durcheinander, als gebe es kein Leid auf der Welt, das sie erschüttern könnte und alles perfekt wäre. Vor dem großen Tempel der Artemis Eleuthera, der Schutzgöttin Myras, herrschte ein reges Gedränge. Hausierer und Münzwechsler boten ihre Waren und Dienstleistungen feil und am Tempelvorplatz drängten sich mehrere Stände, die Weihrauch, Opfergaben, oder kleine Artemisstatuen als Souvenier für Durchreisende, verkauften. Der Kult rund um die keusche Göttin der Jagd war ein reges Geschäft für die Stadt Myra, dachte sich Paulus, als er mit seinem toten Inneren so dasaß und beobachtete, wie eine Gruppe orientalisch gekleideter Pilger mit Wanderstäben und langen Rauschebärten die Stufen zum Tempel hinaufstiegen.

Dass es die Göttin nicht verärgerte, dass Sterbliche mit ihrem Heiligtum Schindluder trieben und es für bare Münze vermarkteten und in Paulus' Augen entehrten. Natürlich war das bei so ziehmlich jedem größeren heidnischen Tempel Gang und Gebe, wenn man bedenkt, sogar einst in Jerusalem waren diese Art Geschäfte im jüdischen Tempel des Salomo abgewickelt worden, ehe der Heiland kam und dem Spuk ein Ende bereitete (und die Römer dem Tempel selbst im Jahre des Herrn 70). Normalerweise hatte Paulus ja auch ein doch entspannteres Verhältnis, da er ja durch seine vielen diversen philosophischen Studien die Blickwinkel anderer Weltanschauungen verfolgte und verstand, doch seit er so neben der Bahn war, war ihm das was er sah ein Graus. Sein erster Impuls war es im Namen des Herrn dorthin zu gehen und die Tische der Tempelhändler umzustoßen und sie Gott zu lehren, doch halt. Ruhig Blut, Paulus, das wäre der falsche Weg. Denn erstens, war dieser Ort ja gar nicht seinem Gott geweiht, sondern sowieso einer heidnischen Götze und zweitens, würde Paulus sich strafbar machen. Zu einem wegen Sachbeschädigung fremden Eigentums und zum anderen wegen des begangenen Vergehens von der öffentlichen Prädigung des Wortes des christlichen Gottes, was gemäß dem römischen Gesetz, genauer dem Decretum Christianorum, verboten war und Myra war nun einmal Teil des römischen Imperiums. Ach die Römer, Paulus verzog am Gedanken an sie leicht den Mundwinkel. Sie kamen in die Länder Anderer und nahmen es sich mit Gewalt. Sie plündern und saugen ihre Provinzen bis auf den letzten Sesterz und die letzte wertvolle Ressource aus und im Gegenzug bieten sie ein Leben in Knechtschaft. Verhält man sich gut, darf man weiterhin seine althergebrachten kulturellen und religiösen Gebräuche fortführen, doch nicht im Falle der Christen, was Paulus sehr verwunderte. Aus irgendeinem Grund bereitete gerade die kleine, unbedeutende Gruppe der Christen den Römern so viel Angst, dass sie extra für sie (und nur für sie!) Verbotsdekrete erlassen hatten. Paulus spürte leichten Groll tief in sich regen. Er musste zu seinem Glauben schweigen und die Peitsche fürchten, während diese Tempelhändler dort vor sich offen ihre Ware für den Kult an die heidnische Götze veräußern durften. Das war ungerecht!
Wie kamen seine Glaubensbrüder dazu, unter diesem Umstand leiden zu müssen? Paulus brummte.

Es war Zeit, dass sich jemand darum kümmern würde, dass er, Paulus, sich darum kümmern würde. Jetzt hielt ihn sowieso nichts mehr an diesem Ort. Es war soweit, dass Paulus Myra verlassen wollte.
Zeige Beiträge 1 bis 20 von 24 Treffern Seiten (2): [1] 2 nächste »
Homepage des Imperium Romanum  |  Impressum
Powered by: Burning Board 2.3.6 © 2001-2003 WoltLab GmbH