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Thema: [Servitriciuum] Sklavenunterkünfte
Iulia Triaria

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RE: Des Wächters neue Kammer 19.08.2019 14:30 Forum: Domus Iulia


[...]



Kednes | Leibwächter der Iulia Triaria

Der Maiordomus - Phocylides sein Name - redete sehr viel. Und das ohne nennenswerte Pause. Also beschränkte sich Kednes zunächst darauf, aufmerksam zu lauschen und gelegentlich bestätigend zu nicken. Wie schon bei der Führung durch Gaius Iulius Caesoninus mühte sich Kednes, möglichst rasch einen vollständigen Überblick in die Struktur des Hauses zu gewinnen. In seiner Funktion mochte sich das als Vorteil erweisen. Dass nun gleich mehrere Ägypter im Haus ihren Dienst versahen, erschien ihm nicht allzu bedeutsam. Ihm war seine Herkunft gleich. Der Maiordomus hingegen schien dies als bemerkenswerte Fügung zu betrachten und Kednes wollte ihn nicht sogleich verärgern. Also hatte er nur gelächelt und geantwortet: "Ich entstamme keinem besonderen Ort. Ein Dorf an der Küste, der Name nicht der Erinnerung wert. Aber es gab viele Fischer." Als ob das nicht in jedem Küstendorf so wäre ...
Die Sklavenunterkünfte waren annehmbar, zumal er eine gewisse Freiheit in der Gestaltung seiner Kammer besaß. Allzu viel Zeit würde er hier wohl ohnehin nicht verbringen, denn als Schatten der Iulia Triaria folgte er ihr überall hin. Und für's Erste würde er auch des Nachts vor dem Eingang zu ihrem Zimmer stehen. Bis er sicher war, dass ihr in diesem Haus keine Gefahr drohte. Einerseits weil er tatsächlich, seinem Status als Sklave zum Trotz, etwas für die Römerin empfand, die er von Kindesbeinen an begleitet hatte. So etwas wie väterliche Zuneigung. Nun, vielleicht auch ein klein wenig mehr. Andererseits - und das war eine sehr praktische Erwägung - weil sein Leben davon abhing. Leibwächter, die in ihrem Dienst versagten, neigten dazu, ihren Herrinnen rasch zu folgen.
Als Phocylides auf den Dienst im Haus zu sprechen kam - die Erwähnung der Gesellschafterin ließ Kednes dabei die Augenbraue hochziehen -, fand er einen Grund, selbst einmal das Wort zu ergreifen. 'Ich kann töten', hätte er beinahe gesagt, doch er erinnerte sich rechtzeitig, dass Triaria ihm abgeraten hatte, diese Fähigkeit zu betonen. Also schwenkte er hin zu einem weniger grausamen Handwerk: "Ich fuhr lange Jahre zur See und beherrsche den Umgang mit Holz und Tuch. Gewiss kann ich das Haus damit unterstützen, soweit meine Domina mich entbehren kann." In seiner Einschränkung lag keinerlei Provokation, nur eine ruhige Feststellung. Denn Kednes war durchaus geneigt, sein Können einem Nutzen zuzuführen. "Ich danke dir, Maiordomus. Und wenn du erlaubst, so habe ich eine Frage: Wer im Haus trägt Sorge für die Sicherheit?"
Thema: [Balneum] Domus Iulia
Iulia Triaria

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RE: Ein Bad nach einer langen Reise 19.08.2019 13:52 Forum: Domus Iulia


Nachdem Caesoninus das Balneum verlassen hatte, war Triaria allein mit Tiburtia. Die Frau - oder das Mädchen, denn es fiel Triaria schwer, ihr wahres Alter abzuschätzen - wartete unbeweglich auf Anweisungen, in Händen den weißen Stoff eines sorgsam gefalteten Kleides. Erneut lagen Triarias Augen einige lange Sekunden musternd auf der Sklavin. Wenn diese den Blick bemerkte - und das war anzunehmen -, ließ sie es sich nicht anmerken.
Schwer hing der warme Wasserdampf in der Luft, kondensierte an den kühlen, das zentrale Becken umringenden Steinsäulen zu glitzernden Tropfen und rann in zufälligen Mustern auf den mit kunstvollen Mosaiken bedeckten Boden. Dahinter erhoben sich aus erdfarbenen Töpfen exotische Pflanzen in einem satten Grün und bildeten einen starken Kontrast zu den roten Tüchern, die zu Wellen geformt die Wände zierten. Das Balneum war nicht neu, sondern wies Gebrauchsspuren auf. Hier ein kleiner Riss im Putz, dort eine abgetretene Kante. Aber diese winzigen Makel täuschten nicht darüber hinweg, welchen Reichtum der Raum zur Schau stellte. Außerdem zeugten sie von Geschichte. Triaria ergriff ein ehrfürchtiger Schauer bei der Vorstellung, dass ihn ganze Generationen ihrer Familie durchquert hatten. Und nun war sie hier. Bei Bellona, sie würde es wert sein!
Ein entschlossener Ausdruck legte sich auf ihre Gesichtszüge und sie trat bis auf einen Schritt an den Rand des Beckens heran. Von der Tür her erklangen leise Stimmen, doch Triaria verstand weder die Worte noch ließ sie sich davon ablenken. Sie streckte stattdessen die Arme zu beiden Seiten hin aus und warf Tiburtia einen auffordernden Blick zu. Ohne Strenge, aber unmissverständlich. Die Sklavin begriff, legte die Kleider in ihrer Hand auf einen trockenen Stein und stand geschwind neben der Römerin. Mit geübten Fingern löste sie Knoten und Spangen, zupfte am Stoff, bis Triarias Tunica an ihr hinab glitt und sich als lose Wolke um ihre Knöchel legte. Ein weiter Schritt, die Sandalen lösten sich von ihren Füßen und schließlich nahm Tiburtia auch die Fascia pectoralis an sich.
"Deine Arme, Domina?", fragte die Sklavin mit einem Mal und Triaria betrachtete die geschundenen Ellbogen. "Später", antwortete sie nur und ihre Zehenspitzen glitten in das Wasser. Mit mühsam kontrollierter Ruhe - denn sie wollte um keinen Preis ihre Anmut zugunsten eines heiteren Sprungs in das verlockende Nass aufgeben - stieg sie in das Becken. Die Wärme umhüllte ihre Beine, ihre Hüften, ihre Brüste, während der Duft des Lavendels beinahe betäubende Intensität annahm. So stand sie, bis ein Seufzen ihren Lippen entwich. Ihre Augen suchten Tiburtia und sie deutete ihr, mit einem Finger auf die bereitliegenden Schwämme zeigend, es ihr gleich zu tun.
Thema: [Balneum] Domus Iulia
Iulia Triaria

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RE: Ein Bad nach einer langen Reise 15.08.2019 11:28 Forum: Domus Iulia


[...]

Caesoninus' Arme wirbelten umher, zeigten auf Gänge und Räume, während er Triaria den Grundriss der Domus Iulia in all seinen (bedeutsamen) Details erklärte. Die junge Römerin lauschte seinen Worten, nickte hin und wieder zur Bestätigung, dass ihre Konzentration ganz ihm galt, und kam zu der Überzeugung: 'Ich werde mich verlaufen.' Nur die Götter mochten in diesem Labyrinth einen Weg zu ihrem Ziel finden; - doch selbst Bellona war letztlich fehlbar, also konnte es durchaus geschehen, dass man Triaria eines Tages verhungert in einem entlegenen Winkel der Domus Iulia vorfand, wo sie vergeblich auf himmlichen Beistand gewartet hatte. Unwillkürlich schmunzelte sie bei der zugegeben etwas absurden Vorstellung. Je mehr Räume Caesoninus ihr jedoch präsentierte, desto mehr verfestigte sich das Bild.

Im Balneum angekommen sog Triaria die feuchte Luft in sich auf und ihre Augen verdrehten sich dabei nahezu ins Weiß, als sie dem süßlichen Duft des Lavendels gewahr wurde. Sie war im Paradies, es musste so sein. Ihr Begleiter Kednes indes kehrte ohne Anweisung um, nahm mit verschränkten Armen vor dem Eingang zum Balneum Stellung ein und verriet allein durch seinen harten Blick, dass jedermann bei Eintritt einer strengen Musterung unterzogen werden würde. Triaria beachtete diese für sie zur Routine gewordene Reaktion des Ägypters kaum, sondern starrte vielmehr die Sklavin Tiburtia an. Kaum merklich biss sie sich auf die Unterlippe. Nicht nur ein Bad, gar frische Kleidung und eine Massage standen ihr zur Auswahl. Im Grunde hatte es all diese Annehmlichkeiten auch in Athen gegeben, allein das großzügige Ambiente der Domus Iulia ließ das Angebot aber noch um einiges verführerischer erscheinen; - die Strapazen der zurückliegenden Reise taten ihr Übriges dazu. Triaria seufzte wohlig, schon ob der Vorstellung, und wandte sich Caesoninus zu. "Oh, ich vermag gar nicht auszudrücken, wie sehr ich dir für deine Gastfreundschaft danke. Und ich bete, dass ich eine Möglichkeit finde, mich für diese Großzügigkeit erkenntlich zeigen zu können", sagte sie leise. Ihre Augen wanderten dabei mit einem erwartungsvollen Funkeln über das dampfende Becken. Aus ihrem Gepäck würde sie nichts weiter benötigen, denn die Sklaven der Domus Iulia hatten wahrhaftig an alles gedacht. Schmuck der Zierde wegen konnte sie auch später noch anlegen.

Caesoninus strebte schon dem Ausgang des Balneums entgegen, als er nochmals inne hielt. Seine Frage ließ Triaria die Stirn runzeln. Einerseits wäre es von Vorteil, wenn Kednes den Majordomus und seine Unterkunft kennen lernte. Andererseits wurde ihr bewusst, dass sie dann erstmals seit ihrer Ankunft in Rom ohne die Sicherheit spendende Nähe des Ägypters sein würde. Sie zögerte einen Moment und schielte erneut zu Tiburtia, dann traf sie eine Entscheidung. Es würde womöglich als fatales Signal wirken, den Eindruck zu erwecken, sie bräuchte auch im Inneren des Hauses ihren Leibwächter stets an ihrer Seite. Natürlich würde Kednes ihre Entscheidung missbilligen, sich aber fügen. "Ich denke", begann sie nun laut genug, dass der Ägypter sie hören musste, "mein Wächter wird dem Majordomus gerne einen Besuch abstatten. Er allein hat mich auf der Reise begleitet."
Thema: [Atrium] Die Iulia im Griechenpelz - Ankunft
Iulia Triaria

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RE: [Atrium] Die Iulia im Griechenpelz - Ankunft 14.08.2019 16:01 Forum: Domus Iulia


Das Bad war fertig. Triaria hatte das Gefühl, als könne sie das warme Wasser bereits auf ihrer hellen Haut spüren. Und so schloss sie sich Caesoninus an, wobei sie unverhohlen neugierig die Einrichtung der Domus Iulia bewunderte. Dieses Haus war um so vieles größer und prächtiger als die Villa ihrer Tante. Eine leise Stimme in ihrem Hinterkopf fragte, ob dies wohl der Ausdruck von Luxus oder doch nur römischer Standard sei? Triaria brachte die Stimme sofort zum Schweigen. Was für eine sinnlose Frage ... Ersteres natürlich!
Kednes, der schweigsame Ägypter, folgte seiner Herrin und ihrem Gastgeber mit einigen Schritten Abstand. Das Gepäck ließ er auf einen Wink Triarias hin stehen. Ein anderer würde sich zu gegebener Zeit darum kümmern. Sein Blick auf dem Weg zum Balneum war indes weniger von Neugierde, als vielmehr von Wachsamkeit geprägt. Es war offensichtlich, dass er dem Idyll nicht im gleichen Maße traute wie sein Schützling. 'Allzu schnell voller Vertrauen', dachte er still bei sich. Nicht, dass er Caesoninus oder irgendeinem Iulier grundsätzlich schlechte Absichten unterstellte. Andererseits schien Triaria zu vergessen, dass sie einen Grund zur Vorsicht hatte, solange dieser nicht aufgeklärt war. Was sie vergaß, war daher seine Aufgabe ...

[...]
Thema: [Atrium] Die Iulia im Griechenpelz - Ankunft
Iulia Triaria

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RE: [Atrium] Die Iulia im Griechenpelz - Ankunft 13.08.2019 15:58 Forum: Domus Iulia


'Raum VI', ging es Triaria durch den Kopf, während ihr Gastgeber den Sklaven mit befehlsgewohnter Stimme Anweisungen erteilte, 'die Domus Julia ist noch größer, als ich dachte'. Natürlich hatte sie keine Ahnung, wie groß oder weitläufig das Gebäude tatsächlich war. Dimensionen abzuschätzen war nie ihre Stärke gewesen, selbst im Vergleich mit nebenstehenden Bauwerken.
Als Caesoninus für einen Moment die Augen schloss wurde Iulia Triaria unvermittelt aus ihren müßigen Gedanken gerissen. Sie blinzelte, unsicher, wie sie reagieren sollte. Womöglich war sie zu forsch gewesen, weilte sie doch erst sehr kurze Zeit im Haus der Iulier; - kaum lang genug, dass ein von der Krone fallendes Blatt den Boden erreichen konnte. Doch seine Antwort ließ sie sich wieder entspannen. Triaria lächelte erfreut und verwendete einige Augenblicke darauf, Caesoninus zu betrachten. Das konnte ihm kaum entgehen. Die Ruhe im Atrium und das Fehlen jeden gesellschaftlichen Anlass' ließ Triaria ihre damenhafte Zurückhhaltung für zumindest einen Atemzug lang vergessen. Caesoninus' blondes Haar war es, was sie in ihren Bann zog. Ein Mann mit goldenem Haar war ein seltener Anblick. Sein Gesicht dagegen war markant und drückte männliche Dominanz aus. Wäre sie ihm unbekannterweise begegnet, Triaria hätte in ihm wohl einen Soldaten vermutet. Der muskulöse Körperbau widersprach dieser These nicht. Alles an ihm - seine Sprache, seine Mimik und Gestik, seine Haltung - verriet Übung am eigenen Selbst. Für Triaria war er ausgesprochen attraktiv, der Familienname aber schloss jede weitere Überlegung in diese Richtung aus. Jedenfalls vermittelte er ihr Sicherheit, der kurzen Begegnung zum Trotz. Und das empfand sie als sehr beruhigend.
Sie nickte auf seinen Vorschlag hin und erhob sich von der Kline. "Vielen Dank für dein Angebot, Gaius, das ich gerne annehme." Die sich aufdrängenden Gedanken an die Cena unterdrückte sie indes erfolgreich, denn allein die Vorstellung machte sie schon nervös!
Thema: [Atrium] Die Iulia im Griechenpelz - Ankunft
Iulia Triaria

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RE: [Atrium] Die Iulia im Griechenpelz - Ankunft 07.08.2019 13:39 Forum: Domus Iulia


Die Aussicht auf ein Bad - womöglich gar im warmen Wasser - ließ Triaria frohlocken. Mit einem Mal fühlte sie sich schrecklich schmutzig; - wenn sie auch von etwas Staub abgesehen eigentlich recht gebührlich aussah. Sie nickte zustimmend und zog ihre Finger von Caesoninus' Arm zurück. "Vielen Dank, ... Gaius", sagte sie und lächelte. Tief in ihrem Inneren brannte lodernd die Neugier darüber, wer wohl dieser Wonga sein musste, nach dem Caesoninus verlangte. Der Name allein hatte einen brutalen Klang und wahrscheinlich hing es mit dem Zwischenfall am Stadttor zusammen, von dem Triaria ihrem Gastgeber soeben berichtet hatte. Doch sie hütete sich, weitere Fragen zu stellen. 'Es geziemt sich nicht', hatte ihre stets Tante gewarnt, denn eine römische Dame interessiere sich nicht für Gewalt. Triaria selbst sah das naturgemäß ein wenig anders, verstand aber, sich auf subtilere Wege zum passenden Zeitpunkt zu beschränken.
Caesoninus schien seine Beherrschung zurück erlangt zu haben und Triaria neigte sachte den Kopf zur Seite. "Darf ich dich zu späterer Stunde - oder auch morgen, so es deine Zeit erlaubt - um einen Moment der Aufmerksamkeit bitten? Mich begleitet eine Frage, die nicht dringend zu klären ist, deren Antwort ich jedoch hier in Rom zu finden hoffe." Das Funkeln in Triarias braunen Augen wollte nicht gänzlich dazu passen, dass die Frage weniger bedeutsam sei. Doch weder ihre ruhigen, feminin gezeichneten Gesichtszüge noch die klare Modulation ihrer Stimme unterstrichen diesen Eindruck.
Thema: [Atrium] Die Iulia im Griechenpelz - Ankunft
Iulia Triaria

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RE: [Atrium] Die Iulia im Griechenpelz - Ankunft 02.08.2019 23:50 Forum: Domus Iulia


Caesoninus' heftige Reaktion überrumpelte Triaria. Natürlich, die Verletzung hatte auch sie erzürnt, aber es würde verheilen und letztlich hatte jede Faser in ihr nur noch danach verlangt, endlich die Domus Iulia zu erreichen; - in der sie nun war. Sie starrte den Mann überrascht an, ihr Mund öffnete und schloss sich, ohne dass sie die richtigen Worte finden konnte. Ein Teil von ihr begann zu ahnen, dass die Verletzung selbst nicht der primäre Grund für seine Wut war, sondern der Affront der Tat selbst. Eine Iulierin war verletzt worden. Triaria, die bisher in Athen ein eher unbedeutendes, wenn auch behütetes Leben geführt hatte, war mit dieser Perspektive nicht vertraut. Eine Iulierin zu sein war eine Ehre, ein Privileg, eine Gabe der Götter, doch ihr war nicht in den Sinn gekommen, dass sie unantastbar sein könnte. In Rom galten - wie es schien - andere Gesetze. "Nun", begann sie und schluckte, "der Mann hieß ... hieß ...", sie rang um den Namen, bis Kednes ihr zur Hilfe kam. Mit fester Stimme sagte er an Caesoninus gewandt: "Areus, Dominus. Ein Transportunternehmer aus Ostia."
"Ja, richtig!", pflichtete Triaria dem Sklaven bei und ein Lächeln schob sich auf ihre Lippen. "Areus war sein Name. Ein zwielichtiger Kerl, der mich auf seinem Wagen nach Rom brachte. Am Stadttor verweigerte er sich einer Inspektion und versuchte vor den Wachen zu fliehen. Dabei ging sein Maultier durch; - ein uraltes Tier, es muss Zeuge von Jupiters Geburt gewesen sein. Ich fiel aus dem Wagen und ..." Sie deutete mit den Augen auf ihre Ellbogen. "Aber es ist nicht so schlimm. Ich glaube, die Torwache hat ihn gefangen genommen?" Fragend wandte sie sich wieder an Kednes, der zustimmend nickte. "Er hatte eine Begegnung mit einem Schild." "Ich erinnere mich. Verzeih, werter Caesoninus, es war nicht meine Absicht, deinen Zorn zu erwecken und dich mit derlei zu belästigen." Sachte und mit dem gebotenen Abstand einem fast unbekannten Mann gegenüber berührte Triaria Caesoninus' Unterarm mit den Fingerspitzen.
Thema: [Atrium] Die Iulia im Griechenpelz - Ankunft
Iulia Triaria

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RE: [Atrium] Die Iulia im Griechenpelz - Ankunft 30.07.2019 12:50 Forum: Domus Iulia


Erst Caesoninus' Grinsen verriet Triaria, dass ihr Gegenüber sich lediglich einen Scherz erlaubt hatte. Unwillkürlich waren ihre braunen Augen um eine Nuance schmaler geworden bei der Beschreibung des 'Jochs' durch die Römer über die Griechen. Dann aber lächelte sie verstehend und nickte. Sie öffnete schon den Mund, um zu einer Erwiderung anzusetzen, als ihr Gastgeber unvermittelt aufstand und sich über den auf einem Tisch ausgebreiteten Stammbaum beugte. Mit dem leisen Klicken ihrer Zähne verschwanden die Worte wieder und sie streckte sich voller Neugierde soweit nach vorne, wie es der Anstand und die Grazie zuließen.
Caesoninus' Aufforderung, einfach weiter zu sprechen, ließ sie die Augenbraue heben und sie tauschte einen Blick mit Kednes, der nach wie vor unbewegt schräg hinter ihr stand, umgeben vom Gepäck ihrer Reise. Bevor sie jedoch zum ursprünglichen Thema zurückkehrte, wandte sie sich an den Sklaven - Caesoninus hatte ihn Maahes genannt - und hob dabei ihre Arme soweit, dass die Schürfwunden an den Ellbogen zutage traten. Halb an ihren Gastgeber gerichtet fragte sie: "Wäre es wohl möglich, eine Schale Wasser und ein wenig Tuch zu bekommen? Roms Straßen erwiesen sich als ungeahnt raues Pflaster und nicht jeder Weggefährte als vertrauenswürdig." Inzwischen, da sie zur Ruhe kam und die Aufregung langsam verblasste, begannen die Wunden - so unbedeutend sie waren - auch zunehmend zu schmerzen. "Ich gestehe, ich weiß nicht, welche Stadt die Ältere ist. Athen ist geteilt in Bezirke. Dort wohnen die wahren Athener, wie sie sich selbst nennen. Hier die Römer und andernorts die Griechen aus verschiedenen Teilen des Landes, etwa Korinth oder Sparta. Ist Rom auch in dieser Weise geordnet?"
Thema: [Atrium] Die Iulia im Griechenpelz - Ankunft
Iulia Triaria

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RE: [Atrium] Die Iulia im Griechenpelz - Ankunft 22.07.2019 14:22 Forum: Domus Iulia


Der Stammbaum, nach dem Caesoninus verlangte, machte Triaria keine Sorgen. Ihr Name stand selbstverständlich auf diesem Dokument. Er musste darauf stehen; - es sei denn, ihre Tante hatte ihr in all den vergangenen Jahren eine Lüge vorgespielt. Doch war das in etwa so wahrscheinlich wie der plötzliche Abstieg Bellonas aus den himmlichen Gestaden, um nach einem heroischen Opfer zu verlangen. 'Andererseits', ging es Triaria durch den Kopf, 'kenne ich bis heute nicht den Grund, weshalb ich in Athen aufwuchs und nicht in Rom.' Vielleicht hatte man ihre Existenz verleugnen wollen. 'Unsinn', schalt sie sich selbst für diese allzu paranoiden Gedanken. Nach außen hin nickte sie verständnisvoll, ergriff ihren Becher Wein - wobei sie recht unverholen den attraktiven Sklaven musterte, der ihn angereicht hatte - und sagte: "Meine leiblichen Eltern sind Lucius Iulius Augustinus und Neria Olympias. Das erleichtert womöglich die Suche in dem wohl doch recht umfangreichen Stammbaum."
Triaria schmunzelte, ihre Selbstsicherheit kehrte zurück und sie nippte an dem Becher. Der Wein war genießbar. Womöglich schmeckte er gar vorzüglich, aber sie war schlicht keine Freundin dieses bei vielen so beliebten Getränks. "Nun", begann sie, während sie mit überschlagenen Beinen eine betont feminine Haltung einnahm, "Athen ist eine große Stadt." Beinahe konnte Triaria ihren Begleiter Kednes lachen hören, während sie das offensichtlichste an der griechischen Hauptstadt beschrieb. "Künstler, Philosophen und Staatsmänner reichen sich dort die Hand. Athen ist ein Ort der Bildung. Stolz, in gewisser Weise jedoch auch bedrückt. Es fällt den Griechen noch immer schwer, natürlich nur im Flüsterton gesprochen, das Recht der römischen Herrschaft anzuerkennen. Es ist weder offener Widerstand noch klare Ablehnung und doch ... spürbar. Wie steigende Kälte in der Abenddämmerung. Verzeih, mir fällt keine treffendere Beschreibung dafür ein." Triaria lächelte entschuldigend. "Für das einfache Volk ist Athen wohl eine Stadt wie jede andere. Der Alltag bestimmt das Leben. Geschäfte - derer es viele gibt - säumen die Straßen zwischen oftmals beeindruckenden Bauwerken vergangener Tage. Denn Athen lässt einen stets wissen, eine alte Stadt zu sein. Ich kenne Rom kaum, daher fällt mir ein Vergleich schwer." Die junge Römerin hob den Blick und überlegte. "Dem ersten Eindruck nach würde ich sagen: Rom quillt über vor Lebendigkeit, während Athen bedächtig agiert."
Thema: [Atrium] Die Iulia im Griechenpelz - Ankunft
Iulia Triaria

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RE: [Atrium] Die Iulia im Griechenpelz - Ankunft 16.07.2019 21:06 Forum: Domus Iulia


Das also war Gaius Iulius Caesoninus. Nun kannte sie seinen vollständigen Namen. Triaria erhob sich von der Kline, was ihr überraschenderweise einige Schwierigkeiten bereitete. Kednes war erfahren genug, ihr in diesem Moment keine helfende Hand zu bieten. Denn eine solche Peinlichkeit noch bei der Vorstellung hätte ihr die Schamesröte ins Gesicht getrieben. Stattdessen richtete sich Triaria kerzengerade auf, zauberte ihr freundlichstes Lächeln hervor - das wirklich sehr herzlich aussah - und kam ihrem Gastgeber einige Schritte entgegen. Für wenige Sekunden kam ihr der verrückte Gedanke, Caesoninus wolle sie mit seinen ausgebreiteten Armen symbolisch im Schoß der Familie willkommen heißen. Aber natürlich war seine Geste nicht ganz so direkt gemeint. Im gebührenden Abstand, wie es sich für eine Dame geziemte, blieb Triaria vor Caesoninus stehen und vollführte einen formvollendeten Knicks, der sowohl Dankbarkeit als auch Ehrerbietung zum Ausdruck brachte. "Vielen Dank für deine freundlichen Worte und die offene Porta. Das Angebot einer Erfrischung nehme ich gerne an, denn es war eine lange Reise. Erlaube mir, mich zunächst vorzustellen." Eine kurze Pause folgte, kaum einen Atemzug lang, dann fuhr die junge Römerin fort: "Mein Name ist Iulia Triaria. Ich verbrachte lange Jahre in Athen und bin nicht sicher, ob mein Name in diesem Haus noch einen vertrauten Klang besitzt." Selbstverständlich nicht ... doch die Formulierung bot einen einladenden Ansatz zum Gespräch.
Thema: [Atrium] Die Iulia im Griechenpelz - Ankunft
Iulia Triaria

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RE: [Atrium] Die Iulia im Griechenpelz - Ankunft 11.07.2019 01:44 Forum: Domus Iulia


[...]

Mit einem wohligen Seufzen ließ sich Triaria auf die Kline sinken. Sitzend, ihre Füße berührten noch immer den Boden. Und zum ersten Mal seit dem Aufbruch aus Athen spürte die junge Römerin die Erschöpfung in ihren Beinen. Nun, da sie ihr Ziel erreicht hatte, fiel nahezu die gesamte Anspannung von ihr ab und eine wohlige Müdigkeit breitete sich in ihr aus. Für einen kurzen Moment schloss sie die Augen; - der Moment dauerte indes lange genug an, dass Kednes ihr schließlich auf die Schulter tippte.
Der alte Ägypter hatte Triarias Gepäck auf den Boden des Atriums gestellt und stand, ganz seiner Rolle als Leibwächter entsprechend, mit verschränkten Armen neben der Kline. Im Gegensatz zu seiner Herrin wirkte er voll konzentriert. Denn trotzdem sie sich in der Domus Iulia befanden - oder gerade deshalb - galt seine ganze Aufmerksamkeit dem Schutz Triarias. Schließlich konnte auch hier Gefahr für sie lauern, bis man sich der Aufrichtigkeit der Hausherren sicher war. Unwillkürlich empfand Triaria seine Fürsorge als übertrieben, andererseits war ihr bewusst, welche Stütze Kednes ihr stets bot und dass seine Anwesenheit - gepaart mit seiner beeindruckenden, muskulösen Statur - das Fundament ihres Selbstbewusstseins bildete. Sie lächelte sanft und ließ ihn gewähren.
Es schien, als habe ihre Ankunft den routinierten Ablauf des Haushaltes aus dem Takt gebracht, denn Sklaven eilten durch das Atrium, um Botschaften zu überbringen und andere Aufgaben zu erledigen. Im Haus ihrer Tante war die Zahl der Sklaven weit geringer gewesen, was für den Reichtum der römischen Iulier sprach. "Wir haben es geschafft", sagte Triaria an ihren Begleiter gewandt und ließ das Atrium auf sich wirken.
Thema: Porta Iuliana | Eingang
Iulia Triaria

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RE: Eine Römerin im Griechenpelz 11.07.2019 00:19 Forum: Domus Iulia


Der Name Iulia konnte Türen öffnen. Für Triaria war das keine unbedingt neue Erkenntnis, dennoch verspürte sie Erleichterung, als der Ianator den Weg freigab. Ihr kam in den Sinn, dass ihr Name in Rom mehr Gewicht haben mochte als in Athen. Denn letztlich, bei aller Höflichkeit der Griechen, hatte man in ihr doch stets eine Besatzerin gesehen. Gleichwohl betrachtete Triaria die römische Herrschaft über Griechenland als natürliches Recht.
Aber all das lag nun bis auf Weiteres hinter ihr. "Danke", sagte sie, gab dem schwer beladenen Kednes einen Wink, ihr zu folgen und betrat gemächlichen Schrittes das Atrium der Domus Iulia. "Caesoninus", murmelte sie dabei leise und nur hörbar für jene, die direkt neben ihr standen. Der Klang dieses Namens war ihr nicht unvertraut, wer sich dahinter verbarg, wusste sie allerdings nicht ...

[...]
Thema: Porta Iuliana | Eingang
Iulia Triaria

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RE: Eine Römerin im Griechenpelz 10.07.2019 10:25 Forum: Domus Iulia


Iulia Triaria spürte regelrecht, wie die Muskeln in ihrem rechten Arm sich anspannten, um die Hand zu heben und den Zeigefinger in Richtung der Tür auszustrecken. 'Ich will da rein', hallten die Worte durch ihren Kopf und legten sich schon auf ihre Lippen. Sie tat jedoch nichts von all dem, sondern starrte den Ianator - seinen sichtbaren Teil hinter der um einen Spalt geöffneten Porta - nur an. Bis Kednes sich unauffällig räusperte. Unwillkürlich schien Triaria um einen Zentimeter zu wachsen. Ihre Haltung wurde steif und mit einem formvollendet eleganten Nicken - das zweifellos einstudiert war - grüßte sie den Ianator. Ihr fiel ein, sich keinerlei Gedanken darüber gemacht zu haben, was sie bei ihrer Ankunft in Rom eigentlich sagen sollte. "Salve! Mein Name ist Iulia Triaria", antwortete sie daher schließlich und ergänzte: "Tochter von Lucius Iulius Augustinus und Neria Olympias. Mein Weg führte mich von Athen über das Meer nach Rom, um meine Familie kennen zu lernen, die zu verlassen ich vor langer Zeit gezwungen war." Etwas umständlich ausgedrückt, aber es klang gut. Triaria setzte ein freundliches Lächeln auf, während Kednes an ihrer Seite - beladen mit Gepäck - weiter ungerührt dreinblickte. In seinen Augen aber blitzte es amüsiert.
Thema: Porta Iuliana | Eingang
Iulia Triaria

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Eine Römerin im Griechenpelz 09.07.2019 11:47 Forum: Domus Iulia


[...]

"Lass mich das machen", sagte Triaria, als sie und Kednes vor der verschlossenen Porta der Domus Iulia standen. "Bist du sicher?", fragte der Ägypter und biss sich sogleich auf die Zunge. Natürlich war sein Schützling in der Lage, gegen eine Tür zu klopfen. Bisher war ihm diese Aufgabe lediglich zugefallen. Immer, solange er zurückdenken konnte. Also weshalb ...? "Ich muss das tun", bekräftigte Triaria, die zu Verhaltensfragen schon immer ein sehr ambivalentes Verhältnis hatte. Manchmal war sie aristokratischer als die Frau des Kaisers höchstselbst, an anderen Tagen konnte sie einem Bauernmädchen die Schamesröte ins Gesicht treiben. Insofern verlor sie über Kednes' vermeintliche Frechheit kein Wort. "Sieh es als eine Art ... mhm ... Ritual. Wenn ich klopfe, endet mein Leben in Griechenland. Immerhin könnte ich hier und jetzt umdrehen. Theoretisch." 'Gewiss, meine Liebe', dachte Kednes, 'nur ob du lebend Athen erreichst, ist zumindest fraglich.'
Triaria holte Luft und ließ ihre Faust gegen das dunkle Holz der Porta krachen. Einmal, zweimal, dreimal ... das Geräusch klang eigentümlich hohl in ihren Ohren. Ihr Arm war noch immer vom Blut der Schürfwunden an ihren Ellbogen gezeichnet, denn sie hatte auf dem Weg durch die Stadt keine Möglichkeit gefunden, sich zu waschen. Zugegeben hatte sie auch nicht danach gesucht.
Thema: Am Stadttor
Iulia Triaria

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RE: Im Schatten der Mauer 09.07.2019 10:38 Forum: Roma


Die Ereignisse überschlugen sich. Während der "Transportunternehmer" Areus im vollen Lauf durch das offene Stadttor zu gelangen versuchte, landete Triaria auf dem harten Straßenboden. Sie wusste sofort, sich keinen Knochen gebrochen zu haben, dennoch tat der Aufprall weh und warmes Blut rann von ihren Ellbogen die Unterarme hinab. Mehr vor Schreck denn vor Schmerz stöhnte sie vernehmlich. Als sich ein Schatten über sie legte, öffnete sie - auf den Händen abgestützt - die Augen und sah nach oben. Kednes' besorgtes Gesicht ragte über ihr auf. "Hast du dich verletzt?", fragte er hastig und Triaria schüttelte zur Antwort den Kopf. "Nicht ernsthaft." Sie betrachtete die Schürfwunden an ihren Armen. Es würde narbenlos verheilen und vielleicht konnte sie mit ihren "Kriegsverletzungen" ein wenig angeben, nachdem die Schiffsreise so bemerkenswert ereignislos verlaufen war. Unwillkürlich grinste die Römerin und Kednes atmete erleichtert aus. Dann wandte er sich herum ...

Gerade rechtzeitig, denn mit einem lauten, widerhallenden 'Wump' krachte das Schild eines Torwächters gegen den sprintenden Areus. Der Mann wurde abrupt von den Fußen gerissen und schlug gegen die raue Mauer unter dem Torbogen. Noch ehe er zu Boden sinken konnte, stürzten zwei weitere Soldaten heran und nahmen Areus in einen harten Griff; - wie man Gefangene im Allgemeinen zu behandeln pflegte. Triaria hatte keine Zweifel, dass Areus in diesem Moment mehr Leid empfand als sie, worauf sein benommener Blick einen deutlichen Hinweis gab.
Gestützt von Kednes' Hand richtete sie sich auf und klopfte das Tuch ihres Gewands ab. Glück im Unglück: Sie war weder in einer Pfütze noch in sonstigem Unrat gelandet, sodass keine auffälligen Spuren verblieben. "Danke", sagte sie zu Kednes und legte in ungewohnter Ernsthaftigkeit eine Hand an seinen bloßen Oberarm. An den Soldaten gewandt, der nun akribisch den Wagen mit dem steinalten Maulesel nach dem Grund für Areus' Flucht zu durchsuchen begann, ergänzte sie: "Mit diesem Zwischenfall sollten nun alle Ungewissheiten aufgeklärt sein, nicht wahr?" Der entschlossene Tonfall in Triarias Stimme erstaunte Kednes, doch er vermutete, dass auch sein Schützling nun an dem Punkt angekommen war, da sie das Ende der Reise herbeisehnte. Und tatsächlich drehte sich die Römerin ohne weitere Worte kurzerhand um, verließ den Schatten der Mauer und trat in das Licht der ewigen Stadt ...

[...]
Thema: Am Stadttor
Iulia Triaria

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RE: Im Schatten der Mauer 04.06.2019 22:01 Forum: Roma


"Seit den Morgenstunden", antwortete Iulia Triaria dem Soldaten und warf einen fragenden Blick zu ihrem Sklaven Kednes, der ihre Worte mit einem Nicken bestätigte; - dabei aber weiter den immer nervöser werdenden Areus im Auge behielt. "Seit wir von Ostia aufgebrochen sind", ergänzte die junge Römerin und runzelte die Stirn. Sie sah zu dem Gepäck, das auf dem Karren verteilt lag und seufzte. War all dies wirklich nötig? Ungeduld und Erschöpfung vermischten sich in Triaria zu dem Drang, möglichst bald das nun schon so nahe Ziel zu erreichen. Das Kompliment des Soldaten ließ sie hingegen lächeln und besänftigte ihre widerstreitenden Gefühle dahingehend, dass sie mit einer beiläufigen Handbewegung der Kontrolle schließlich zustimmte. "Wenn es denn sein muss. Ich möchte dich nicht an der Erfüllung deiner Pflichten hindern."
Kaum hatte Triaria ihren Fuß auf den Rand des Karrens gesetzt, um - etwas umständlich - gen Boden zu klettern, da versetzte Areus dem Maultier in der Deichsel einen plötzlichen Schlag mit seinem Stock. Und auch wenn das Tier älter als Jupiter selbst sein mochte, tat der Hieb seine Wirkung. Mit einem Satz sprang das Maultier einen halben Meter vor, zog den Karren ruckartig mit sich und brachte Triaria aus dem Gleichgewicht. Begleitet von einem Schrei der Überraschung verlor die Römerin das Gleichgewicht und stürzte auf die Straße. Kednes erneuter Griff nach ihren Beinen kam zu spät. Areus indes nutzte den Augenblick der Ablenkung, sprang von seinem Sitzbrett und rannte so schnell ihn seine Füße zu tragen vermochten in Richtung des offenen Stadttores ...
Thema: Am Stadttor
Iulia Triaria

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RE: Im Schatten der Mauer 28.05.2019 18:22 Forum: Roma


"Nichts", antwortete Areus hastig und wisch dem Blick des Torwächters weiter aus. Es schien, als ringe er um eine Erklärung, doch Triaria kam ihm in ihrer unverblümten Art zuvor. Sie breitete die Arme aus, ein wenig pikiert über die für sie nicht recht nachvollziehbare Befragung durch den Soldaten. "Das würde ich so nicht behaupten. Der gute Mann - sein Name ist übrigens Areus - bot mir an, mich mit seinem Karren nach Rom zu bringen. Ein wahrhaftiges Abenteuer, aber eines mit gutem Ausgang. Ich dachte, du würdest ihn kennen?", hob sie fragend die Augenbrauen. Schließlich war es nur logisch anzunehmen, dass ein "Transportunternehmer", der regelmäßig zwischen Rom und Ostia verkehrte, den Torwachen vertraut war.
Nur beiläufig registrierte die junge Römerin, dass Kednes, ihr ägyptischer Sklave, seine Hände von ihren Unterschenkeln löste, nun, da der Karren zum Stillstand gekommen war und wohl kein Sturz mehr drohte. Stattdessen rückte er näher an Areus heran und in seinen grauen Augen lag jener vielsagende Ausdruck, der nach sofortiger Auskunft verlangte. Areus räusperte sich vernehmlich. "Sicher kennt man mich! Nicht wahr? Wie oft bin ich schon durch diese Tore gefahren. Vielleicht wirke ich etwas nervös, solch wertvolle Fracht begleite ich selten."
Thema: Am Stadttor
Iulia Triaria

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RE: Im Schatten der Mauer 25.05.2019 15:24 Forum: Roma


"Salve", grüßte Triaria den Soldaten am Tor. Stehend auf dem Karren sah sie auf ihn herab und erst jetzt fiel ihr auf, dass Kednes mit seinen großen Händen ihre Unterschenkel umklammert hielt. Sie warf ihm kurz einen skeptischen Blick zu, der Ägypter schien indes nicht gewillt, sie los zu lassen. So zuckte Triaria mit den Schultern und wandte sich wieder dem Soldaten zu. "Meine Zukunft", antwortete sie auf seine Frage und wies durch das offene Tor in die Stadt. "Aus Athen komme ich. Und mein Weg führt mich in die Domus Iulia." Während Triaria von der Überzeugung beseelt, dass der Weg nach Rom ihr selbstverständlich eröffnet würde, ihr Ziel vorstellte, rutschte der "Transportunternehmer" Areus unruhig auf seinem Platz hin und her. Die Zügel des Maultiers hielt er dabei fest in Händen und er wisch dem Blick des Soldaten scheu aus. Kednes entging dieses eigentümliche Verhalten des Mannes nicht, er unterließ es jedoch, ihn darauf anzusprechen. Sollte er es wagen - gleich auf welche Art - Iulia Triaria in Schwierigkeiten zu bringen, würde er ihm den Hals umdrehen; - langsam.
Thema: Am Stadttor
Iulia Triaria

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Im Schatten der Mauer 24.05.2019 16:08 Forum: Roma


[...]

Die Frage nach dem 'Wie' würde Triaria nicht mit endgültiger Gewissheit beantworten können. Letztlich aber hatte das alte Maultier sie zuverlässig bis zu den Toren Roms getragen. Sie, ihren Sklaven Kednes und den freundlichen, wenn auch etwas zwielichtig erscheinenden "Transportunternehmer" Areus. Während der Fahrt von Ostia in die ewige Stadt hatte Triaria Gelegenheit gehabt, die Landschaft Italias in all ihrem facettenhaften Reichtum kennen zu lernen. In vielerlei Hinsicht unterschied sie sich oberflächlich nicht sonderlich von Griechenland, in den Details entfaltete sich indes ihr ganz eigener Charakter. Je näher sie Rom kamen, desto unruhiger wurde Triaria und sie versuchte wiederholt, sich in dem schaukelnden Karren zu erheben, um einen Blick gen der Mauern zu erhaschen. Mit Mühe gelang es Kednes, seinen Schützling von diesem Vorhaben abzuhalten. Denn schon an Bord der Corbita hatte sich die junge Römerin unter dem Einfluss der Wellen nur bedingt als standfest erwiesen; - immerhin war sie von der Seekrankheit verschont geblieben. Mehr und mehr Menschen füllten die Straße, wobei der Karren kaum schnell genug war, sie zu überholen. So ergaben sich mitunter seltsame Momente, wenn das Maultier neben einer Fußgruppe dahin trottete und Triaria den Menschen über lange Zeit in die Augen sehen konnte. Manch neugieriger Blick wurde ihr zugeworfen, ein Gespräch ergab sich hingegen nicht. Ein jeder schien vor allem mit sich selbst beschäftigt zu sein. Was durchaus verständlich war, schließlich neigte sich der Tag zusehends seinem Ende entgegen.

Und schließlich waren sie da. Nun konnte kein bestimmendes Wort Triaria mehr auf der Sitzbank halten. Als die Straße sich zu Rom hinab wandte, sprang die Römerin auf, was das Maultier mit einem Schnauben quittierte und Kednes veranlasste, sie an ihren Beinen festzuhalten. "Sieh doch, wir sind endlich da!", rief sie ihrem ägyptischen Sklaven zu, der zur Antwort lächelte. Unbemerkt lag in seinen Augen gleichwohl ein Hauch der Unruhe, denn er empfand ihrer beider Schicksal nicht ganz so offensichtlich, wie Triaria das tat. "Bitte, du bringst Hermes' Tritt durcheinander", mahnte Areus seinen Fahrgast erfolglos und führte sein Gespann in den Schatten der Stadtmauer.
Thema: [Taverna] Zum Sonnenuntergang
Iulia Triaria

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RE: Warmes Brot 21.05.2019 11:50 Forum: Portus Ostiensis


Nachdem sie - persönlich - gezahlt und dem Wirt versprochen hatte, seine Gaststätte bei passender Gelegenheit zu empfehlen, verließ Iulia Triaria die Taverna 'Zum Sonnenuntergang'. Ihre Vorräte aus Athen waren nun vollends aufgebraucht. Zusammen mit den Oliven und dem warmen Brot aber hatten sie ein üppiges Mahl ergeben. Gleichwohl hoffte sie, der nächste Tisch würde etwas festlicher gedeckt sein; - oder anspruchsvoller. Ja, 'anspruchsvoll' war das richtige Wort.
Die Straße vor der Taverna war so belebt wie zuvor. Schnellen Schrittes folgten Triaria und ihr Sklave Kednes ihrer neuen Bekanntschaft, dem Transportunternehmer - so bezeichnete er sich selbst - mit Namen Areus. Nur kurz ging es durch eine schmale Nebengasse, bis sie einen kleinen, grob gezimmerten Stall hinter der Taverna erreichten. Und dort stand das Gefährt. Voller Stolz, die Mundwinkel zu einem strahlenden Lächeln erhoben, breitete Areus seine Arme aus und wies auf den Karren, in dessen Deichsel ein Maultier eingespannt war. Mit Sicherheit handelte es sich um das älteste Maultier, das Triaria jemals erblickt hatte. Vermutlich mochte es gar das älteste Maultier aller Zeiten sein. Fell und Schweif waren so grau wie der Horizont bei Regen. Mit größter Sorgfalt zog das Tier einige Halme aus dem Strohhaufen vor sich und nahm dabei von den Menschen keinerlei Notiz. Fraglich war, ob das Maultier sie überhaupt sehen konnte, denn der Blick seiner runden Augen war grünlich trüb.
Kednes hob die Augenbrauen. In seinem Gesicht präsentierten sich Überraschung und Zorn gleichermaßen. "Ist das ein Scherz? Dieses Ding wird kaum die Stadtgrenze erreichen und schon zusammenbrechen!" Areus schien die Worte des Ägypters als persönliche Beleidigung aufzufassen. "Hermes!", rief er aus, "ist weiter gereist als mancher Feldherr und der Pfad nach Rom keine Herausforderung für ihn!" Triaria starrte das Maultier noch immer an. Gut genährt war es, keine Frage. Aber auch sie hegte ernsthafte Zweifel ob seiner Leistungsfähigkeit, trotzdem sie von Zugtieren zugegeben keine Ahnung hatte. Andererseits war der Preis für die Fahrt nach Rom erschwinglich; - wenn auch erst durch Verhandlung. Triaria seufzte und gewiss hätte sie eine andere Möglichkeit gefunden, nach Rom zu gelangen. Nur fühlte sie keinen Antrieb, eine solche Alternative zu suchen. Zudem würde sie eine Geschichte zu erzählen haben, wie sie mit dem ältesten existierenden Maultier eine Reise unternommen hatte. "Nun gut, Kednes, verlade das Gepäck. Um deines Friedens willen hoffe ich, dein Gefährt hält, was du versprichst, Areus." Während Kednes zunächst protestieren wollte, fiel ihm der "Transportunternehmer" ins Wort und bot Triaria die Hand, um ihr beim Einstieg in den Karren behilflich zu sein. "Wir werden in Rom sein, bevor du des Anblicks von Italias Landschaft überdrüssig wirst", beschwor er feierlich.

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