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Thema: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomime
Claudia Agrippina

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RE: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomim 18.09.2019 01:39 Forum: Panem et Circenses


Zitat:
Original von Gaius Iulius Caesoninus

Die fremde Schönheit wirkte sympathisch. Und schön, hatte er schon schön erwähnt? Caesoninus wäre nicht Caesoninus gewesen, wenn er seine Gübeleien über den Dienstplan einer Unterhaltung mit deiner adretten Dame vorgezogen hätte, weshalb er jetzt ein gewinnendes Lächeln aufsetzte und sich ebenfalls um Iulia Phoebe zu der Anderen herumdrehte, um ihr zu antworten: „Ich wünschte ich hätte dieselbe Option, doch ich fürchte bei einem Mann würde das komisch wirken“, scherzte er. Dann streckte er über Iulias Schoß hinweg der Dame seine Hand entgegen: „Ich bin Gaius Iulius Caesoninus, Tresvir Capitales, und du, oh Schwester der lieblichen Venus?


Wie Recht doch meine gute Eleni hatte! Wenn jemand wusste, was ich am nötigsten brauchte, dann war das meine gute alte Amme. Ich betete jeden Tag zu den Göttern, dass sie mir noch lange erhalten bliebe. Auch diesmal hatte sie sich keinen Digitus geirrt. Ich hatte jenen jungen Mann mit dem blonden Haar angesprochen, so wie sie es gesagt hatte. Sofort spürte ich eine Form der Wandlung in mir. Etwas schien die Leere in mir zu füllen. Ein Fitzelchen der Leichtigkeit, die ich einst in mir hatte, es schien noch in mir zu sein. Wohl hatte es die ganze Zeit über an einem geheimen Ort geschlummert. Doch nun begann es, zu erwachen. Mir schien, als könne ich nun etwas freier atmen, als sei endlich dieser schwere Quader von meinem Herzen verschwunden. Zum ersten Mal seit Ewigkeiten gelang es mir zu lächeln, ob eines Bonmots, welches mir einfach so über die Lippen gekommen war. Und mein Gegenüber, er schien in mir nicht die von Trauer zerfressene Witwe zu sehen, sondern jenes junge entzückende Wesen, welches ich vor langer Zeit gewesen war.
Iulius Caesoninus, so war sein Name, schmeichelte mir. Er schaffte es, mich erröten zu lassen, als er mich als Schwester der göttlichen Venus verglich. Nein, solcherlei Worte waren schon seit ewigen Zeiten nicht mehr an mein Ohr vorgedrungen. Sie hätten von Maecenas, meinem geliebten Bruder stammen können. Er hatte mich vergöttert, so wie ich ihn.

Während nun dort unten Medea in die Verbannung geschickt wurde, begann sich neben mir eine ganz neue Bekanntschaft zu entwickeln. Die Erste, seit ich zurück war in Rom. Über die junge Dame zwischen uns hinweg, die sich als seine Cousine erwiesen hatte, reichte er mir seine Hand. Bevor ich seinen Gruß jedoch erwidern konnte, schien sie ein Einsehen mit uns zu haben, da sie im Gegensatz zu uns eine Liebhaberin solch tiefgründiger Kunst zu sein schien. Sie erhob sich und tauschte ihren Platz mit ihrem Vetter, so dass er seinerseits zu mir herüber rutschen konnte. Diese großzügige Tat erleichterte doch sehr die gemeinsame Kommunikation.
„Claudia Agrippina. Sehr erfreut!“ Ich reichte ihm nun meine Hand. Ein befreites Lächeln breitete sich über meine Lippen aus. „Wie mir scheint, war mein heutiger Besuch des Theaters doch nicht völlig vergebens. Hätte ich sonst eine solch charmante Bekanntschaft gemacht? Zumindest nimmt das Stück für mich nun eine weitaus bessere Wendung als für Medea.“ Dies alles geschah unter den wohlwollenden Augen Elenis, die neben mir alles genau verfolgte und in sich hinein lächelte.
Medea!? Wer war Medea? In diesem Augenblick schien sie meilenweit entfernt zu sein.
Thema: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomime
Claudia Agrippina

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RE: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomim 13.09.2019 22:04 Forum: Panem et Circenses


Zitat:
Original von Iulia Phoebe

An ihre dunkelblonde Sitznachbarin zu ihrer rechten gewandt sprach sie mit gesenkter Stimme: „Ich bitte um Vergebung, falls mein Vetter dich gestört haben sollte. Es kommt nicht wieder vor.
Noch ein drohender Blick mit gesenkten Augenbrauen in Richtung ihres Vetters und dann wandte auch Iulia wieder den Blick hinunter zum Schauspiel, dabei jetzt schon Caesoninus verfluchend, weil sie ein Stück der Darbietung verpasst hatte.


Nach all dem Ärger um meinen neuen Custos und der erdrückenden Schwere des Stückes, war mir beinahe die Sitznachbarin zu meiner Linken entgangen, die sich kurz zuvor an mich gewandt hatte. Ich musste gestehen, dass ich mich wenig mit den Menschen beschäftigt hatte, die neben mir saßen, außer denen, die zu meinem Haushalt zählten und für die ich Verantwortung trug.
Hatte sich die junge Frau soeben bei mir entschuldigt? Wenn ja, weshalb? „Wie bitte?“ fragte ich höflich, nachdem ich mich leicht zu ihr hingewandt hatte.

| Eleni

„Die Dame entschuldigt sich für ihren Vetter. Falls er dich gestört haben sollte.“, wisperte mir Eleni schnell ins Ohr. Im Gegensatz zu mir nahm sie fast alles wahr, was in meiner näheren Umgebung geschah.
„Oh, ach so. Nein, nein,“ meinte ich schnell und räusperte mich. Dann riskierte ich einen kurzen Blick auf den vermeintlichen Übeltäter. Der Ärmste wirkte etwas gelangweilt. Wahrscheinlich hatte er, ähnlich wie ich, die falsche Wahl für diesen Nachmittag getroffen. „Mitnichten! Dein Vetter hat mich keineswegs gestört. Unglücklicherweise sieht es mit meinem neuen Custos etwas anders aus. Ich muss ihn wohl erst noch richtig erziehen, meinen skythischen Barbaren.“ Ich lächelte etwas verlegen und wollte dann eigentlich wieder dem Stück folgen. Doch dann hatte Eleni ganz plötzlich das Bedürfnis, mir etwas mitzuteilen.
„Sieh dir den jungen Mann etwas genauer an! Siehst du es?“ tuschelte sie. Ich blickte sie fragend an, denn ich verstand kein Wort, worauf sie hinaus wollte. „Die Prophezeiung! Die alte Hexe aus Parnes! Weißt du nicht mehr? Der goldene Mann!“ Langsam begann es mir zu dämmern, was sie meinte. Allerdings hielt ich es für absurd, ausgerechnet hier dem rätselhaften goldenen Mann aus der Prophezeiung über den Weg zu laufen. „Ach Eleni, sei nicht albern. Es gibt noch mehr blonde Männer in Rom. Wieso sollte ausgerechnet er dieser mysteriöse goldene Mann sein?“ Manchmal hatte sie wirklich eine blühende Fantasie! Doch meine Amme ließ nicht locker. Sie war ganz von ihrer Idee besessen. „Na los, sprich ihn doch einmal an!“ Sie drängte mich nicht nur mit Worten, auch ihre Gestik war unmissverständlich. Was mich nun trieb, auf die Worte meiner Sklavin zu hören, die im Grunde meine Ersatzmutter war, konnte ich mir nicht erklären. Ich tat es einfach.

„Du hast Recht, dich zu beschweren,“ meinte ich zum Vetter meiner Sitznachbarin. „Ich für meinen Teil sehne eigentlich nur dem Ende entgegen. Ich bin heute nicht in Stimmung für solch schwere Kost. Vielleicht sollte ich einen Schwächeanfall vortäuschen, um das Ganze zu beschleunigen.“
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Claudia Agrippina

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RE: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomim 06.09.2019 21:35 Forum: Panem et Circenses


Um mich herum herrschte lauter Trubel. Die Leute, die immer noch in das Theater hineinströmten versuchten, doch noch einen guten Platz zu finden. Gelegentlich kam es dabei zu Drängeleien oder gereizten Wortwechseln. Ich jedoch schien mich gerade in einem völlig anderen Universum zu bewegen und saß beinahe regungslos da. Ob es wirklich die richtige Wahl gewesen war, heute hierher zu kommen. Medea war beileibe keine leichte Kost. Außerdem glaubte ich immer wieder vereinzelt kleine Parallelen zu meinem Schicksal zu entdecken, wenn ich so über Medea nachdachte.

Lautes Geschrei und ein sanfter Ruck durch Elenis Hand verursacht, katapultierten mich zurück ins Pompeische Theater. Ich blickte meine Amme fragend an. Doch sie musste nicht antworten. Ich vernahm bereits das streitsüchtige Gekeife einer Frau unweit von meinem Platz, die sich doch tatsächlich getraut hatte, sich mit Creton anzulegen, da er ihrer Meinung nach zu viel Platz benötigte. Da der Skythe von Haus aus eher wortkarg war, antwortete er mit einem lauten und grimmigen „GRRRRRRRR!“. Dabei zeigte er ihr seine Zähne und musste sehr gefährlich und verstörend auf sie wirken. Da ich die Angelegenheit nicht weiter eskalieren lassen wollte und auch das Verhalten meines Sklaven bucht tolerieren konnte, gebot ich meinem Sklaven sofort Einhalt. „Creton! Aus!“ Meine Stimme war kaum lauter als sonst, doch klang sie gebieterisch und kühl. „Rücke ein Stück, dann muss sich die Dame auch nicht mehr beklagen!“, fügte ich noch hinzu, woraufhin der Sklave sofort gehorchte und Eleni sich in meinem Namen bei der Frau entschuldigte.
Kurz darauf ertönte der erste Paukeschlag und der Chor begann zu singen, begleitet vom Orchester. Ein wahrhafter Genuss für die Ohren. Dann erschien Polychares auf der Bühne, der vielgerühmte Protagonist, dem scheinbar ganz Rom, ins besondere die römische Damenwelt zu Füßen lag. Ich jedoch konzentrierte mich nur auf die Inhalte, die der Chor sang. Jedes Wort sog ich auf, obgleich es mich schmerzte. All die Trauer, die noch immer nicht recht verarbeitet war, schien mich zu überwältigen. Doch ich versuchte stark zu sein. Nein, tapfer wollte ich sein. Mein starrer Blick verfolgte jeden Gesang und jede Bewegung des Tänzers. Eleni einzig konnte ermessen, wie sehr ich litt. Sie hielt meine Hand, wie eine Mutter, die ihr Kind tröstet.
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Claudia Agrippina

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RE: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomim 03.09.2019 22:55 Forum: Panem et Circenses


Eleni hatte mir den ganzen Morgen in den Ohren gelegen bis sie schließlich gewonnen hatte. Ich hatte mich in meine beste Tunika hüllen lassen und hatte Eirene jegliche künstlerische Freiheit gelassen, um meine Frisur zu richten. Anschließend hatte ich mich in Begleitung meiner Amme und meines skythischen Hünen in die Stadt begeben.

Gerade noch rechtzeitig hatten wir das Pompeische Theater erreicht. Creton hatte dafür gesorgt, dass Eleni und ich sicher ins Innere gelangten und wir dort, trotz des großen Andrangs noch einen angemessen Platz ergattern konnten. Wie man sich vorstellen konnte, hatte das Vorgehen Cretos für Unmut unter den Zuschauern gesorgt. Doch letztendlich hatte es niemand gewagt, sich bei ihm deswegen zu beschweren.

Nun saß ich hier in aller Öffentlichkeit, darauf wartend, dass die Aufführung endlich begann. Eine befremdliche Situation, angesichts dessen, dass ich fast drei Jahre für solcherlei Vergnügen nicht das Haus verlassen hatte.
Thema: Cubiculum | Claudia Agrippina
Claudia Agrippina

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Agrippinas Rückkehr 03.09.2019 22:38 Forum: Villa Claudia


Neptun hatte uns eine ruhige und unspektakuläre Überfahrt beschert. Wie schon mein ganzes Leben, begleitete mich auch dieses Mal meine gute alte Amme Eleni. Nachdem mein getreuer Onatas vor einigen Monaten einer furchtbaren Krankheit erlegen war, hatte ich mir einen neuen Leibwächter zulegen müssen.


Creton, ein grimmig dreinblickender und muskelbepackter Skythe, schüchterte bereits jeden der ihm in die Quere kam durch seine gigantische Erscheinung ein. In seinem früheren Leben, so hatte man mir auf dem Markt berichtet, sei er ein erfolgreicher Gladiator gewesen. Auch wenn ich mich in seiner Umgebung stets in Sicherheit wiegen konnte fehlte mir doch sehr meinen guten Onatas, der mir zuletzt fast wie ein guter Freund gewesen war. Ich vermisste die geistreichen Gespräche, die wir an manchem Abend geführt hatten.


Dann war da noch Eirene, eine kleine unscheinbare Makedonin, die sich um meine äußere Erscheinung kümmerte. Ich hatte sie aus meinem Haushalt in Athen mitgebracht. Mein verblichener Gatte hatte sie mir zur Hochzeit geschenkt.

Unsere kleine Reisegesellschaft war in Brundisium an Land gegangen und hatte von dort aus den Weg nach Rom mittels eines Wagens zurückgelegt. Nachdem wir die Stadtgrenze der urbs aeterna erreicht hatten, hatte Eleni für mich eine Mietsänfte besorgt, die mich bis zur Villa Claudia bringen sollte. Meine Sklaven hielten sich in meiner unmittelbaren Umgebung auf, auf dass mir nichts Böses geschehe. Durch den dünnen Schleier der Sänfte zog die Stadt an mir vorbei. Hätte Fortuna nicht ein solch abscheuliches Spiel mit mir gespielt, wäre mir bei diesem Anblick sicher das Herz aufgegangen. Doch ich vermied es, eine Gefühlsregung zu zeigen. Ich wollte nur zur Villa Claudia – mehr nicht!
Zielsicher hatten mich die Träger der Mietsänfte zum Eingang meiner römischen Heimstadt gebracht. Eleni hatte sich an der Tür bemerkbar gemacht und meine Ankunft angekündigt. Dann ging alles sehr schnell. Es hatte keine Stunde in Anspruch genommen, bis dass ich wieder in meinem alten Cubiculum wiederfand. Alles sah so aus, als wäre es erst gestern gewesen, dass ich es verlassen hatte.
Thema: [ACHAIA] Eleusis · Landgut der Claudia
Claudia Agrippina

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RE: Das Schicksal ist ein mieser Verräter - Prolog 01.09.2019 09:48 Forum: Restliche Provinzen des Imperiums


Nach Aquillius´ Tod hatte mich nichts mehr in Athen gehalten. Meine Rückkehr nach Eleusis hatte beinahe einer Flucht geglichen. Denn Eleusis war immer mein Anker gewesen, meine Heimat, meine Zuflucht. Doch trotz all der Menschen, die auf dem Landgut lebten, war es für mich dort trostlos und leer. Nach all den Jahren hatte ich nicht die Trauer um meinen geliebten Bruder überwinden können. Die Wunde in meinem Herzen schien so frisch zu sein, als sei es erst gestern gewesen, dass Maecenas von mir gegangen war.

Das Landgut hatte inzwischen einen neuen Verwalter erhalten, da den Maevius wenige Monate zuvor der Schlag getroffen hatte. Eine gerechte Strafe der Götter, wie ich fand. Meine Stiefmutter, um deren Gesundheit es auch nicht mehr zum Besten bestellt war, hatte einen jungen Mann auserkoren, den Sohn eines ehemaligen Klienten meines Vaters, der sich fortan um unseren Besitz kümmern sollte. Glücklicherweise war er nicht im gleichen Maße wie sein Vorgänger bestrebt, mich erneut an den Meistbietenden zu verschachern. Nein, er brachte wesentlich mehr Geduld für mich auf.
Selbstverständlich war mir bewusst, dass ich nach einer angemessenen Zeit wieder heiraten sollte. Diesmal jedoch wollte ich ein Wörtchen dabei mitreden. Doch gab es überhaupt einen Mann von Stand, der sich mit mir einlassen wollte? Einer Frau, der ein gewisser Ruf voraus ging? Gab es den Einen, der mich aus meinem Kummer befreien und mir neuen Lebensmut einhauchen konnte? Diese Fragen stellte ich mir. Ich hatte sogar eine Wahrsagerin bemüht, eine alte Hexe aus den Bergen von Parnes, die mir aus der Hand gelesen hatte und die dort eine sehr ausgeprägte Lebenslinie entdeckt haben wollte. Außerdem sagte sie mir eine glorreiche Zukunft an der Seite eines "goldenen Mannes" voraus, der jenseits des Meeres auf mich wartete.

Der seltsame Spruch der Alten hatte mich wochenlang beschäftigt, so dass ich nach längerem Nachsinnen, mir einer Antwort bewusst geworden war. So sehr ich Eleusis auch liebte, doch hier würde nicht meine Zukunft liegen. Auch wollte ich nicht wieder in die Enge einer Stadt wie Athen zurück. Nein, es musste wieder Rom sein! Das Zentrum der Welt! Jenseits des Meeres. Wenn nicht dort, wo dann?
Thema: [ACHAIA] Eleusis · Landgut der Claudia
Claudia Agrippina

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RE: Das Schicksal ist ein mieser Verräter - Prolog 25.08.2019 18:27 Forum: Restliche Provinzen des Imperiums


Von der Überfahrt hatte ich kaum etwas mitbekommen. Ich hatte mich währenddessen in einem abstrakten Bereich zwischen Leben und Tod befunden. Als die Küste des griechischen Festlandes in Sicht gekommen war, hatten sich die Götter entschieden. Ich sollte leben! Später berichteten mir meine Sklaven, die Fahrt nach Griechenland sei ohne nennenswerte Zwischenfälle verlaufen.

Nachdem unser Schiff in Piräus eingelaufen war, hatten meine Sklaven dafür gesorgt, dass mich ein Reisewagen unverzüglich nach Eleusis brachte. Eleni hatte mich begleitet und Onatas sollte für meine Sicherheit auf der Fahrt nach Hause sorgen. Der Wagen hatte den Weg in knapp zwei Stunden geschafft.

Mein Brief hatte inzwischen meine Stiefmutter erreicht, so dass die genügend Zeit hatte, alles für meine Heimkehr zu veranlassen. Unser Wiedersehen war von Trauer geprägt und verlief sehr tränenreich. Mein bleiches Gesicht, die leeren Augen und mein ausgezehrter Körper hatten nicht nur die Sklaven in Bestürzung versetzt. Kreton, ein langjähriger Sklave meiner Familie, hatte mich auf seinen Armen in das Herrenhaus hineingetragen und mich schließlich auf mein Bett in meinem Cubiculum gebettet.

Ich wusste nicht, wie viele Wochen oder gar Monate vergingen, bis ich zumindest wieder äußerlich vollkommen hergestellt war. Tief in mir drinnen herrschte eine bedrückende Leere. Nichts hatte mich zum Lächeln bringen können. Selbst Maevius Tullinus, der nach seiner Rückkehr und seit dem Tod meines Bruders das Landgut verwaltete, hatte ich kein Paroli zu bieten. Ich ließ ihn gewähren und protestierte auch nicht, als er eine Verbindung mit einem Zweig der in Athen ansässigen Gens Aquillia arrangiert hatte.
Lucius Aquillius Gallus, ein Mann mittleren Alters, der in der Tradition seiner Familie als Jurist tätig war, nahm mich zur Frau. Jedoch war es nur eine leere Hülle, die er in sein Haus geführt hatte. Aquillius Gallus war ein guter Mann gewesen. Er hatte versucht, mir jeden Wunsch zu erfüllen, in der Hoffnung, damit mein Herz zu erobern. Doch wo nichts Lebendiges vorhanden war, konnte auch nichts erobert werden. Dennoch erfüllte ich meine eheliche Pflicht, so dass nach einem halben Jahr ein Kind in meinem Körper heranzureifen begann. Doch wie hätte ich Leben spenden können, wenn doch in mir nicht die Flamme des Lebens loderte? Ich verlor das Kind zwei Monate vor der Zeit.

Mein Gemahl flüchtete sich danach in seine Arbeit und vermied es, mehr Zeit als nötig mit mir zu verbringen. So lebte ich Tag für Tag und spielte der Welt die untröstliche Matrone vor. Hinter meinem Rücken tuschelten die Sklaven über mich. Domina Agrippina – die Unnahbare, Domina Agrippina – die Unfruchtbare. Als zwei Jahre später Aquillius das zeitliche segnete, sagte man, er sei an Kummer gestorben…
Thema: "Salve, ...
Claudia Agrippina

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RE: "Salve, ... 11.08.2019 21:14 Forum: Anmeldung


Wenn ich mich einmischen darf...
zur Zeit werden auch die Flavier noch bespielt.

Und wenn ich etwas eigennützig sein darf großes Grinsen ...
Agrippina wird demnächst nach Rom zurückkehren und einen adäquaten Gemahl benötigen! cool
Thema: [ACHAIA] Eleusis · Landgut der Claudia
Claudia Agrippina

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Das Schicksal ist ein mieser Verräter - Prolog 05.08.2019 22:34 Forum: Restliche Provinzen des Imperiums


Maecenas war tot! Die Nachricht von seinem Tod hatte meine Welt aus den Fugen gehoben und ins Wanken gebracht. Nichts war mehr so gewesen, wie es hätte sein sollen. Anfangs hatte ich niemanden sehen wollen, hatte es vermieden, das Haus zu verlassen.

Doch dann schien auch mein eigener Lebenswille schwinden zu wollen. Ich war krank geworden. Die Ärzte hatten keinen Rat mehr. Sie hatten mich bereits aufgegeben, denn mein Körper war jeden Tag schwächer geworden. Mein einziger Wunsch war es, noch einmal Eleusis sehen. Noch einmal dort sein, wo er zuletzt gewesen war, bevor er ins Elysion gegangen war.

Gegen die Empfehlungen der Ärzte hatte meine Eleni, die Tag und Nacht an meiner Seite gewacht hatte, schließlich alles für meine Heimreise veranlasst. Meinem Aristoteles hatte ich ein paar Briefe diktiert. Unter anderem an Flavius Scato, um ihm alles zu erklären und ihn um Verzeihung zu bitten. Ein weiterer Brief sollte meine Stiefmutter davon in Kenntnis setzen, dass ich nach Hause kommen würde, sofern es der Wille der Götter sei…
Thema: In Exilium
Claudia Agrippina

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Rückkehr 01.08.2019 09:21 Forum: Allgemeines


Nach langer Abstinenz bin ich wieder der Versuchung erlegen, hier mitzuschreiben.

Bitte einmal zurück aus dem Exil. smile
Thema: In Exilium
Claudia Agrippina

Antworten: 1.200
Hits: 244.906
19.07.2016 16:50 Forum: Allgemeines


Liebe Mitspieler,

ich möchte mich zunächst bei allen, die ich so lange habe warten lassen, entschuldigen. Ich habe mich nun endlich dazu durchgerungen, vorerst alle meine Chars ins Exil zu schicken. Da in diesem Jahr bei mir beruflich große Veränderungen anstehen, fehlt mir schlichtweg die Zeit für´s IR. Zunächst hatte ich gehofft, "so nebenbei" hier mitschreiben zu können. Allerdings klappt das nicht. Außerdem fehlt mir gerade ein wenig die Motivation und der Spaß am Schreiben.
Ich hoffe, dass wird sich in einigen Monaten wieder legen - dann wenn sich im RL alles gut eingespielt hat.

Bis dahin macht´s gut! Danke für die schöne Zeit mit Euch!


PS: Vielen Dank für die Genesungswünsche an meine Tochter. Sie hat alles gut überstanden und ihr geht´s auch wieder gut. Augenzwinkern
Thema: An- / Abwesenheiten
Claudia Agrippina

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07.04.2016 22:09 Forum: Allgemeines


Ich muss mich leider für die nächsten Tage komplett ausklinken. Meine Tochter musste heute ins Krankenhaus... unglücklich
Thema: Cubiculum | Claudia Agrippina
Claudia Agrippina

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RE: Agrippinas neue Sklaven 29.03.2016 08:10 Forum: Villa Claudia


Eines musste man dem Sklaven lassen, er hatte eine gesunde Selbsteinschätzung. Auch wenn ich gerade das Gegenteil behauptet hatte und ihn in den Himmel gelobt hatte. Aber da er es nun ja schon selbst erwähnte, begann ich beipflichtend zu nicken. „Sagen wir es einfach mal so, Onatas. Du bist so etwas wie ein ungeschliffener Edelstein. Um dein wahres Können, deine wahre Schönheit zu offenbaren, muss man dich erst noch formen.“ Das war wohl gesprochen, aber wie genau sollte man ihn formen, beziehungsweise formen lassen? Sollte ich ihn etwa auf eine Schule schicken, damit er das Dichten von der Pieke auf lernte? Doch dann fiel mir sein dezenter Hinweis auf seine Freizeit wieder ein. Nun ja, Freizeit war nicht unbedingt das, was ein Sklave en masse hatte. Dennoch war ich bereit, sie ihm in Maßen einzuräumen. Natürlich würde ich diesen Freiraum nicht als Freizeit deklarieren. „Also gut, neben deinen Pflichten, dich um mein Wohlergehen und meine Sicherheit zu kümmern, wirst du dich von nun an kundig machen. Die Villa verfügt über eine ganz passable Bibliothek. Dort wirst du von nun an…“ Staub wischen? Nein! „…die Dichtkunst studieren. Dort hast du Gelegenheit, dich einzulesen und …dich inspirieren zu lassen.“ Die letzten Worte sprach ich mit einem erwartungsvollen Grinsen. Dann versuchte ich in der Mimik meines Sklaven herauszulesen, wie ihm diese Anweisung wohl schmeckte. Erst eine Weile später fuhr ich weiter fort. Denn ich wollte meinen „orientalischen Smaragden“ auch noch in eine andere Richtung formen lassen.
„Nun, wie du dir sicher denken kannst, ist es nicht nur wichtig, deinen Geist zu fördern, sondern auch deinen Körper. Damit du mir tatsächlich so dienen kannst, wie ich es wünsche, wirst du dich an Gundalf wenden. Er wird dich ertüchtigen und dir alles beibringen, was ein guter Custos wissen muss.“ Gundalf war einer jener Custodes, die mit mir nach Rom gekommen waren. Eigentlich hätte er den Maevius wieder zurück nach Achaia begleiten sollen, doch auf dessen Drängen war er hier geblieben. Der Germane war ein riesenhafter Hüne, der zwar über eine Menge Muskeln jedoch über wenig Hirn verfügte. Alleine schon seine Erscheinung schlug so manchen Angreifer in die Flucht. Doch Onatas würde von ihm nichts zu befürchten haben, solange Gundalf ihn als seinen „Freund“ ansah.
Thema: Porta - Der Eingang der Villa Claudia
Claudia Agrippina

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RE: Schöne Erledigungen 28.03.2016 12:02 Forum: Villa Claudia


| Sharif

Sharif, der claudische Ianitor, raffte sich seufzend auf, um seines Amtes zu walten. Was er erblickte, als er die Porta öffnete, ließ ihn verwundert stauen. In letzter Zeit war das Schwarz der Trauer die vorherrschende Farbe in der Villa gewesen, doch was sich dem Sklaven nun darbot, war der krasse Gegenteil davon. Sklaven in feinen farbenfrohen Tuniken waren damit beschäftigt, einem feinen Herrn aus der Sänfte zu helfen und ein ebenso farbenfroh gekleideter Sklave hatte gerade angeklopft. „Äh ja?“ fragte er ganz verdattert. Womöglich hatte sich die Gesellschaft an der Porta geirrt.
Thema: Das Atrium
Claudia Agrippina

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RE: Unschöne Erledigungen 28.03.2016 11:50 Forum: Villa Claudia


Sim-Off: Sorry! unglücklich


Die ganze Situation hatte ihren Tiefpunkt erreicht. Unter anderen Umständen wäre es mir sicher leichter gefallen, die Unterhaltung mit dem Jugendfreund meines Bruders aufrecht zu erhalten. Doch die Trauer saß so tief und so war es wohl das Beste, als Scato uns verließ.

In dem Moment, als ich mich wieder zurückziehen wollte, richtete dann doch noch einmal mein Onkel das Wort an mich. Man konnte es an seiner Stimme hören, dass es ihn einiges an Überwindung gekostet hatte. Doch vielleicht war es besser, das Leben einfach weiter voranschreiten zu lassen, statt in der Trauer und in den Erinnerungen zu verharren. Also versuchte auch ich die Traurigkeit für einen Moment beiseite zu schieben und mich auf seine Frage zu konzentrieren. „Ja, ich verstehe,“ antwortete ich zunächst, um mir etwas mehr Zeit zu verschaffen. Von meinem Vater wusste ich, dass er stets daran arbeitete, das familiäre Vermögen zu mehren, um letztendlich die Früchte seiner Arbeit an seine Kinder weiter zu geben. Wie ernüchternd musste es für Onkel Menecrates sein, dass nun auch noch seine beiden Enkel in das Elysium eingetreten waren. So war ich wohl noch seine einzige Möglichkeit, woraufhin ich es zu meiner Pflicht ansah, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Ja richtig, es gehörte dazu ein gewisses Maß an Verantwortungsgefühl, denn hinter all den Zahlen und Namen standen auch Menschen, meist Sklaven zwar, die die Güter bewirtschafteten. Doch meinem Vater lag auch immer deren Wohlergehen am Herzen. Sie waren im Grunde die Basis von allem und sie mussten auch versorgt werden. „Nun, wenn ich mich entscheiden soll, dann würde ich den Gewürzhändler, den Metzger und den Jäger übernehmen.“ Letztendlich war eine begüterte Frau auch immer eine gute Partie. Ein Gedanke, der mich auf eine Idee brachte.
„Da wäre noch etwas, Onkel. Du weißt ja, es gab ja einen bestimmten Grund, weshalb mich mein Bruder nach Rom sandte…“
Thema: Cubiculum | Claudia Agrippina
Claudia Agrippina

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RE: Agrippinas neue Sklaven 07.02.2016 10:00 Forum: Villa Claudia


Mein fordernder Blick lag nun auf Onatas, meinem selbsternannten Dichtersklaven. Durch meine Forderung hatte ich ihn sichtlich aus der Fasson gebracht. Schwerfällig begann er nun nach Worten zu suchen. Vielleicht wurde ihm ja nun auch nur selbst bewusst, dass er seinen Mund ein wenig zu voll genommen hatte. Wenn dem so war, was sollte ich dann tun? Ihn bestrafen, weil er mich zum Narren gehalten hatte? Und wenn ja, womit? Nur ungern wollte ich ihm weh tun, denn irgendetwas, ich konnte es gar nicht recht in Worte fassen, fühlte ich in meinem Innersten. Keine Frage, der Sklave hatte mir von Anfang an gefallen! Sonst hätte ich für ihn wohl kaum eine Unsumme an Geldstücken für ihn bezahlt. Doch wie mir nun langsam bewusst wurde, waren es nicht nur die Äußerlichkeiten, die mich an ihm entzückten. Nein, da war mehr, ein ganzes Stück mehr. Seltsame Gefühle empfand ich, als hätten geheime Mächte mich verzaubert. Es war so ähnlich wie die Vorliebe für ein geliebtes Spielzeug oder für einen Hund mit weichem Fell und feuchter Nase. Ja, so war es wohl, ein Spielzeug! Aber im Gegenzug zu meinen Puppen war dieses Spielzeug sehr lebendig, was den Reiz an ihm nur noch um ein Vielfaches vergrößerte.

Letztendlich folgten seinem Stottern und Räuspern, zwar noch immer zögerlich, ein paar zusammenhängende Worte. Ein Gedicht über den Winter! „Aha“, entgegnete ich gespannt. Mehr wollte ich sein Vorhaben nicht kommentieren, um ihn nicht noch mehr zu verunsichern. Lediglich nickte ich ihm nun aufmunternd zu, um tatsächlich noch in den Genuss seiner dichterischen Ergüsse zu gelangen.
Endlich gelang es dann auch Onatas, sein Unbehagen soweit auszublenden, um beginnen zu können. Noch lächelte ich gespannt, als er begann, jedoch schwand ganz allmählich mein Strahlen, indem sich meine Wangenknochen der Schwerkraft unterwarfen und ich zu guter Letzt nur noch mit einem offenen Mund da saß. Das änderte sich auch nicht, als er sich über die über die Blume ausließ.
„Äh ja…“ Begann nun ich recht unbeholfen. „Das war einfach…äh…“ grauenhaft! „... wunderbar“ hörte ich mich nur sagen. Wunderbar?! Das sollte daran denn wunderbar gewesen sein? Hätte ich mich in diesem Augenblick im Spiegel betrachten können, hätte ich ein seltsam anmutendes Lächeln entdecken können. Was war nur mit mir los?
Thema: Officium des Tresvir Capitalis
Claudia Agrippina

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RE: Ein Besuch aus traurigem Anlass heraus 05.02.2016 09:02 Forum: Basilica Ulpia


Wenn man in jungen Jahren schon derlei herbe Verluste hinnehmen musste, dann war es wohl unvermeidlich, sich recht schnell mit der Tatsache vertraut zu machen, dass das Leben nicht immer ein Honigschlecken war. Spätestens nach dem Tod meines Bruders hatte ich Bodenhaftung erfahren und mir war klar geworden, was wirklich wichtig im Leben war. Nun lag es an mir, an den richtigen Fäden zu ziehen, damit meine Zukunft so verlief, wie es der Wunsch meines Vaters, meines Bruders und nicht zuletzt auch mein eigener Wunsch war. Der Vorteil, Scato als Gatten zu wählen, lag doch klar auf der Hand! Er war noch recht jung, ganz ansehnlich, kam aus guter Familie, war aufstrebend und hatte glänzende Aussichten, noch weiter aufzusteigen… und, was noch viel entscheidender war – ich kannte ihn bereits! Zwar waren inzwischen schon einige Jahre vergangen, seit seiner Studienzeit in Achaia, doch hatte ich keineswegs vergessen, wie nah wir uns damals gewesen waren. Er war nicht nur für Maecenas wie ein Bruder gewesen, nein auch für mich war er das. Umso gespannter stand ich nun vor ihm, um seine Antwort abzuwarten. Offenkundig war dies das Letzte, womit er gerechnet hatte, denn der Beginn seiner Entgegnung erfüllte nicht gerade meine Erwartungen. Fast schon schwerfällig kamen die Worte zunächst über seine Lippen, weshalb ich bereits begann, mir Sorgen zu machen. Hatte ich ihm etwa zu viel zugemutet? Oder war es etwa noch zu früh, so kurz nach Maecenas‘ Tod, weshalb er noch immer, von der Trauer um den geliebten Freund, außer Stande war, einen klaren Gedanken zu fassen?
Doch nein! Mir fiel ein Stein vom Herzen, als er endlich das sagte, was ich hören wollte. Er hatte also selbst schon daran gedacht, schoss es mir durch den Kopf. Na bestens! Natürlich war es sicher nur den tragischen Umständen geschuldet, weshalb er nicht selbst schon längst die Initiative ergriffen hatte, denn letztendlich hatte ja auch mein Onkel den Tod zwei seiner Enkel zu betrauern.
„Natürlich werde ich sie nicht selbst initiieren,“ gab ich sogleich zurück. Was war denn schon dagegen einzuwenden, wenn man ihm ein wenig auf die Sprünge half? „Sehe mein Vorpreschen lediglich als Vorschlag an und sei gewiss, dass du in mir eine Braut hast, die sich nichts Sehnlicheres wünscht. Natürlich obliegt es an dir, bei meinem Onkel um meine Hand anzuhalten. Und ehrlich gesagt, wüsste ich nicht, was Onkel Menecrates einzuwenden hätte.“ Letzteres behauptete ich einfach einmal in meinem jugendlichen Leichtsinn, ohne genau zu wissen, wie mein Onkel tatsächlich zu den Flaviern stand.
Thema: Cubiculum Claudia Agrippina | Der Unterricht beginnt
Claudia Agrippina

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RE: Cubiculum Claudia Agrippina | Der Unterricht beginnt 09.01.2016 09:46 Forum: Villa Claudia


Offensichtlich hatte ich mit der Drohung des claudischen Carcers genau ins Schwarze getroffen. Prinzipiell gab es wohl kaum einen Sklaven, der nicht davor zitterte – vor dem berühmt berüchtigten „Loch“. Jeder Sklave, der nach ein paar Tagen aus absoluter Dunkelheit und stetig feucht kalter Umgebung wieder ans Tageslicht kam, schien danach verändert. Im besten Falle hatte er dadurch Läuterung erfahren.
„Da könnte ich dir durchaus zustimmen. Doch mein Vater, der unglücklicherweise bereits im Elysium weilt, hatte im Bezug auf störrische und unverschämte Sklaven stets eine klare Haltung. In seinem Umgang mit ihnen war er immer darauf bedacht, möglichst selten eine Wertminderung zu provozieren. Das bedeutet im Klartext, dass nur im äußersten Notfall die Peitsche zum Einsatz kam. Denn die Peitsche, wenn man sie richtig anwendet, hinterlässt meist hässliche Narben. Außerdem können sich die Wunden bei falscher Behandlung entzünden und der Sklave stirbt daran. Zumindest aber ist er für mehrere Tage nicht einsatzfähig. Wodurch eine Menge Geld verloren gehen kann, was zwar in deinem Fall nicht wirklich zutreffend wäre, wenn man einmal die Kosten für deine Verpflegung außer Acht lässt. Viel effektiver hingegen waren seine anderen Maßnahmen, um dem Unfreien klar zu machen, wer am längeren Hebel sitzt und wem allein er sein kümmerliches Dasein zu verdanken hat. Alleine die Drohung, der Sklave müsse die nächsten Tage im Carcer zubringen, half oft schon, um der Einsicht einen Weg zu bereiten. Und wie ich sehe, vermag es bei dir ähnliche Assoziationen hervorzurufen. Das ist gut! Du weißt also bereits, wer dein Herr, oder in diesem Fall deine Herrin, ist und welche Macht sie über dich besitzt. Du tust also gut daran, sie nicht weiter zu reizen, denn wisse Sklave, für dich ist allzeit ein Platz im Loch frei!“ Ich beobachtete ihn kurz, ohne eine Miene zu verziehen. Lediglich Naevia deutete ich an, mir etwas von dem verdünnten Traubenmost in meinen Becher zu gießen, da meine Kehle sich trocken anfühlte. Nach einem großen Schluck sprach ich dann weiter. „Fakt ist, ich habe dich auf Betreiben Maevius Tullinus als Paedagogus gekauft. Alleine schon aus ökonomischer Sicht wäre es reinste Verschwendung, dich niedere Arbeiten verrichten zu lassen, da ich zu der Einsicht gelangt bin, aus dir und deiner Profession durchaus einen Nutzen ziehen zu können. Da ich nun deine Herrin bin und nicht etwa der Mavius, wirst du mir von nun an den nötigen Respekt zukommen lassen, selbst dann wenn du deiner Aufgabe als Paedagogus nachkommst. Desweiteren wirst du dich in Zukunft mit mir… und nur mit mir über den Lehrstoff beraten. Zusammen werden wir dann ein passendes Curriculum erstellen. Nun, was sagst du dazu?“
Thema: Officium des Tresvir Capitalis
Claudia Agrippina

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RE: Ein Besuch aus traurigem Anlass heraus 06.01.2016 21:22 Forum: Basilica Ulpia


Ungerecht und bei Zeiten sadistisch – oh ja! Scato hätte es nicht treffender ausdrücken können. Es gab mir Kraft, jedenfalls für den Moment, mit ihm in Trauer vereint zu sein. Unvergessen waren die heiteren Tage – damals in Achaia.
Auch ich griff zu meinen Becher, um auf das Andenken meines Bruders zu trinken. Der leicht herbe Geschmack des verdünnten Weines harmonierte perfekt mit meiner Stimmung. Jedoch war es wohl kaum ratsam für eine Frau wie mich, Trost im Alkohol zu finden. Körperliche Nähe wäre vielleicht hilfreich gewesen. Ein tröstendes in-den-Arm-genommen werden. Aber auch das wäre hier an diesem Ort kaum angebracht gewesen. So begnügte ich mich mit Scatos tröstenden Worten und horchte auf, als er plötzlich von Manius' letztem Brief an seinen alten Freund zu sprechen begann.
„Nach mir zu sehen… ja, so etwas in dieser Art sagte er auch mir,“ sinnierte ich vor mich hin, während ich in meinen Gedanken schon einen Schritt weiter ging. Ich war eine junge Frau, fremd in dieser Stadt. Zudem auch noch vaterlos, bruderlos… Der Maevius, Manius' rechte Hand, hatte vor einigen Wochen bereits die Heimreise angetreten. Lediglich meinen Onkel, den Senator Claudius Menecrates konnte ich noch Familie nennen. Manius hätte mit Sicherheit nichts einzuwenden gehabt, wenn ich nun selbst die Initiative ergriff.
„Scato!,“ rief ich bestimmt und trat einen Schritt auf ihn zu. Meine Tränen waren verebbt und ich hatte mich aus der Lethargie meiner Trauer erhoben. „Ich weiß, es ist nicht unbedingt schicklich, dass ich… Nun ja, ich will es geradeheraus sagen, was mich dahingehend tangiert. Ich meine, was den Willen meines Bruders betrifft. Es war der Wunsch meines Vaters und natürlich auch der von Manius, hier in Rom eine gute Partie zu finden. Nun, ich könnte mir keine Bessere als dich selbst vorstellen! Was sagst du dazu?“
Thema: Urbaner auf Patrouille - Ein Abstecher zum Markt
Claudia Agrippina

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RE: Urbaner auf Patrouille - Ein Abstecher zum Markt 06.01.2016 14:50 Forum: Mercatus Urbis


Eigentlich hatte ich die Saturnalien immer gemocht. Mein Bruder hatte sich für mich stets etwas Witziges einfallen lassen, um mich zu überraschen. Doch in diesem Jahr, glichen die frohen Tage eher einem Trauerspiel. Ich vermied es, unnötigerweise das Haus zu verlassen. Zwar hatte mein Onkel eine Einladung zum Fest der Decimer erhalten, doch nicht nur mein Onkel, auch ich zog es offenbar vor, diese Einladung verstreichen zu lassen. Zu frisch waren noch die Wunden, als dass ich hätte fröhlich sein können.

| Eleni
Trotz der Saturnalien war mir meine gute alte Amme nicht von der Seite gewichen. Für Eleni war ich wie ihr eigenes Kind. Und das eigene Kind ließ man in solch schwierigen Zeiten eben nicht sich selbst überlassen.
An jenem Tag war es dann auch Eleni gelungen, mich zu einem Spaziergang zu überreden. Die frische Luft tut dir gut, Kind, hatte sie gesagt und ich hätte ja einen netten kleinen Spaziergang durch einen Parkt favorisiert, da dieser um diese Jahreszeit von nicht allzu vielen Menschen frequentiert wurde. Doch Eleni meinte, die Märkte seien nun voller Leben und genau das bräuchte ich! Neues Leben! Vielleicht, so meinte Eleni, träfe ich ja auf ein bekanntes Gesicht. Gerne hätte ich auf die Gesellschaft anderer Leute, bekannt oder auch nicht, verzichtet, doch dann gab ich schließlich nach. So konnte ich meiner Amme wenigstens diesen einen Wunsch erfüllen.

Ich begab mich also wieder unter Menschen. Ein gemütlicher Bummel über den Markt sollte es werden. Gemeinsam wollten wir uns die Auslagen der Marktstände ansehen. Gelegentlich griff ich auch zu meiner Börse und klaubte ein paar Münzen hervor, um etwas zu kaufen. Jedoch schien es auch hier nichts zu geben, was mich hätte aufmuntern können. Eigentlich wollte ich schon wieder gehen, als uns ein Fremder ansprach. Jener Mann war in eine exotisch anmutenden Tunika gekleidet. Er nannte sich selbst „den großen Magus Meister Siavash“. Passend dazu trug er noch Pluderhosen und eine Art Turban auf dem Kopf. Fast schon glaubte ich, meinen Sklaven Onatas vor mir zu haben. Jedoch war diese Ausgabe um einiges älter als mein Syrer. Seinem Akzent nach stammte er wohl auch aus den östlichen Provinzen oder gar aus Parthien selbst. Alleine das hatte bereits meine Aufmerksamkeit erregt. Doch was dann geschah, ließ mir glatt den Atem stocken. Er behauptete doch tatsächlich die Gabe zu besitzen, mit den Toten zu sprechen! Normalerweise hätte ich dies als Scharlatanerie abgetan, denn tot war schließlich tot. Doch in meiner Trauer war ich wohl eher dazu geneigt, mich solchem transzendenten Hokuspokus hinzugeben, statt rational zu denken.
Trotz der Warnungen meiner Amme vertraute ich mich diesem Fremden an, der mich sogleich in ein provisorisch zusammen geschustertes Zelt mitnahm. Nur ich sollte eintreten dürfen, nicht Eleni! Da meine Amme zu sehr seine positiven Schwingungen stören würde, meinte er. So wartete Eleni alleine vor jenem Zelt und beobachtete die vorbeigehenden Passanten. Mit einem Ohr jedoch, versuchte sie zu lauschen, was drinnen vor sich ging. Lediglich ein seltsames Murmeln war zu hören, was dazu führte, dass die alte Amme noch mehr ihre Ohren spitzte. Als sie dann plötzlich den spitzen Schrei ihrer Herrin vernahm, gab es für sie kein Halten mehr! Sie stürmte das Zelt. Es gab einen heftigen Tumult. Glas ging zu Bruch. Meister Siavash begann in einer unverständlichen Sprache zu fluchen und schlug um sich. Eleni schrie, ich schrie und zu guter letzt stürmten noch zwei Gehhilfen des Meisters herbei, die nur noch mehr Verwirrung stifteten, da inzwischen das Zelt einzustürzen drohte. „Hilfeee!“ krakelte Eleni, als sich einer jener Gehilfen auf mich stürzte.
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