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Thema: Epistolae (FÜR BRIEFE AN DEN IMPERATOR & DIE ADMINISTRATIO – Nicht für Privatpost an die Gens Aelia)
Manius Flavius Gracchus Minor

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Per aspera ad astra 06.10.2018 18:39 Forum: Palatium Augusti


   
Censor Imperator Caesar Tib Aquilius Severus Augustus
Palatium Augusti
Roma


M' Flavius Gracchus Minor Censori suo s.p.d.

Ich möchte dir, auch im Namen der Familie meiner Braut und meiner eigenen, nochmals meinen verbindlichsten Dank aussprechen für deine Teilnahme an der Confarreatio zwischen meiner Gattin Cornelia Philonica und mir.

Der Tradition meiner Familie entsprechend ist mir nach dem Abschluss dieser Festivitäten nun daran gelegen, meinen Pflichten als Patrizier und Spross eines senatorischen Geschlechtes gerecht zu werden, weshalb ich dich, ebenfalls mit Fürsprache meines Vaters und der Empfehlung durch zahlreiche senatorische Anverwandte, ersuche mich in den Stand eines Senators zu erheben, um mir die Möglichkeit einzuräumen, die Geschicke unseres Staatswesens mitzuleiten und mich dadurch umso mehr dessen Dienst zu verpflichten.

Vale bene!



Thema: Ite, missa est! | Brautzug und Ausklang der flavisch-cornelischen Hochzeit
Manius Flavius Gracchus Minor

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RE: Ite, missa est! | Brautzug und Ausklang der flavisch-cornelischen Hochzeit 06.10.2018 18:33 Forum: Villa Flavia Felix


Höchst unkonventionell musste es erscheinen, sich erst zum Ende der Festivitäten, nach dem Brautzuge, auf eine Hochzeit zu begeben, weshalb Manius Minor, zumal Menecrates ihm hatte enthüllt, dass seine Enkelinnen Rom den Rücken hatten gekehrt, mitnichten mit der Präsenz der jungen Claudia mehr rechnete. Dennoch, als sie ins Atrium zurückkehrten, wo die rituelle Entjungferung der Braut mittels des Fascinum des Mutinus Titinus, dessen gewaltiger Phallus-Sitz schon unzähligen flavischen Bräuten als letzter Sitz vor dem Ehebett hatte gedient, wartete, erblickte der Bräutigam hinter dem frisch erkorenen Träger der Hochzeitsfackel den Fokus seiner stillen Begierden, welche zu annihilieren er sich doch so fest hatte vorgenommen. Während Cornelia Philonica, assistiert von ihrer Pronuba Sestia Rebila, ihre Tunica recta lüpfte, um breitbeinig sich über jenes gewaltige Gemächt sich zu setzen und die Menge jubilierte, um der Braut Scham und Furcht vor dem kommenden Akt zu nehmen, waren indessen seine Augen wieder gebannt auf Silana, die so unbefangen sich unter die Menge hatte gemischt. Warum war sie erst jetzt erschienen? Warum hatte ihr Onkel sie exkulpiert, obschon augenscheinlich sie hier war?
Zahllose Fragen kamen dem flavischen Jüngling in den Sinn, während seine Braut sich auf jenem erigierten Holzschaft niederließ, dessen Standfestigkeit der abzuschätzenden Inkapabilität des Bräutigams ebenmäßig zu spotten schien wie die Hohngedichte vor dem Hause.
Sim-Off: Verzeihung, derzeitig ist es mir nur äußerst limitiert möglich, im IR aktiv zu sein, indessen werde ich mich mühen, diese Festivität würdig zu einem Ende zu führen!
Thema: An- / Abwesenheiten
Manius Flavius Gracchus Minor

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12.09.2018 07:40 Forum: Allgemeines


Wie bereits weitgehend erkennbar war, gebricht es mir derzeitig der Zeit für das IR. Bisweilen mag es mir in den nächsten Wochen gelingen ein Posting zu setzen, mit regelmäßiger Aktivität ist indes nicht zu rechnen unglücklich
Thema: Ite, missa est! | Brautzug und Ausklang der flavisch-cornelischen Hochzeit
Manius Flavius Gracchus Minor

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RE: Ite, missa est! | Brautzug und Ausklang der flavisch-cornelischen Hochzeit 26.08.2018 13:19 Forum: Villa Flavia Felix


Zitat:
Original von Herius Claudius Menecrates
Menecrates gehörte als Gast der Feier natürlich auch zu den Teilnehmern des Brautzugs und da er zuvor das Wetter schöngeredet hatte, konnte er unmöglich jetzt klagen, obwohl die Toga immer schwerer wurde und jeder Schritt einem Fußbad glich. Er ging mechanisch, seine Gedanken weilten an einem idyllischeren Ort. Plötzlich drang ein Schrei an sein Ohr. Sein Kopf ruckte hoch und er musste abbremsen, weil der Zug ins Stocken kam.
Schnell sprach es sich herum, dass Braut und Bräutigam gestürzt waren. Menecrates konnte sich kaum ausmalen, wie es in den jungen Leuten aussah. Zwar konnte es nach dieser Hochzeit zukünftig nur besser werden, aber wer wünschte sich schon einen derart schlechten Start. Er suchte den Blickkontakt zu seinem Nachbarn, liftete kurz die Schultern und wartete ab, bis sich der Zug wieder in Bewegung setzte.
Der nachfolgende Spottvers amüsierte ihn dann wieder. Spott gelang nur, wenn der Inhalt stimmte und in diesem Fall traf keineswegs Haus Flavia auf Haus Claudia, auch wenn Menecrates nichts dagegen gehabt hätte, eine seiner Enkelinnen dem jungen Flavier anzuvertrauen.Das Wetter schien geeignet zu sein, die Aufmerksamkeit der meisten Gäste in andere Richtungen zu lenken, sodass sich niemand über den Fehler im Reim äußerte. Menecrates würde ihn zu Hause zum Besten geben, vorerst richtete sich sein Augenmerk auf die nahende Porta der Villa Flavia.

Da die Gäste im Regen verharren mussten, hoffte wohl jeder auf einen baldigen Fackelwurf. Diese Hoffnung des Claudiers musste von den Göttern falsch verstanden worden sein, denn die Fackel hielt direkt auf ihn zu und obwohl er sie von allen Gästen vermutlich am wenigsten fangen wollte, blieb ihm nichts anderes übrig, als zuzugreifen, nachdem sie vor seine Brust knallte. Zweimal musste er nachgreifen, dann hielt er sie in der Hand.

"Bei den Göttern! Was für ein Tag!", rutschte ihm heraus, dann bemühte er sich um ein Lächeln.

"Dir ist augenscheinlich noch weiteres Glück beschieden!"
, kommentierte der Bräutigam, als sein Mentor Menecrates die Hochzeitsfackel erhob, wobei er auf das Consulat des Claudius anspielte, einen Augenblick jedoch darüber nachsann, ob nicht auch neues Eheglück ihm mochte beschieden sein, nachdem bisherig er in diesem Felde wenige Triumphe hatte vermelden können, wie er in ihrem letzten Arbeitsgespräch hatte angedeutet.
Thema: Ite, missa est! | Brautzug und Ausklang der flavisch-cornelischen Hochzeit
Manius Flavius Gracchus Minor

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RE: Ite, missa est! | Brautzug und Ausklang der flavisch-cornelischen Hochzeit 21.08.2018 09:52 Forum: Villa Flavia Felix


Um die Festgemeinschaft, von welchen einige sich direkt in das Vestibulum begaben, um nicht im Regen der kommenden Dinge harren zu müssen, nicht weiter warten zu lassen, begann Philonica sodann mit der Salbung der Türpfosten mit Öl und Wolle, welche trotz der Verwahrung in einem Leinenbeutel ein wenig Humidität hatte abbekommen.
Nun kam aufs Neue dem jungen Gracchen die sprichwörtlich tragende Rolle zu, seine Braut auf Händen über die Schwelle zu hieven, was insofern wenig problematisch war, da Cornelia Philonica ob ihrer dürren Figur kaum von größerem Gewicht war, sodass selbst der seit seinem Tribunat kaum mehr sportlich aktive Bräutigam imstande sein durfte, die wenigen Schritte mit jener Last zu vollführen. Als somit er den Arm unter ihre Achseln legte und sich beugte, um mit dem freien Arm ihre Beine zu umfassen, war es eher die infamiliare Nähe, die ihn irritierte. Obschon sie bereits diverse Begrüßungs- und Lebewohl-Küsse hatten ausgetauscht, hatten ihre Körper niemals sich enger touchiert und nun, da ihre knochige Hüfte gegen sein Bäuchlein drückte, und sie auch noch furchtsam quiekte, als er sie anhob und mahnte:
"Gib Acht, dass ich nicht falle!"
, verstärkte sich aufs Neue seine Abscheu gegen über diesem ihm gänzlich konträren Wesen. Jene unattraktive Körperform, die geradehin eine Antithese zu seiner fülligen Gestalt darstellte, war lediglich der äußere Ausweis einer gegenteiligen Person, die weder für Politik, noch für Philosophie sich mochte begeistern, die augenscheinlich gänzlich unreflektiert und doch nahezu zur Perfektion in ihre Rolle sich fügte und doch eine Insekurität an den Tag legte, welche ihr Umfeld nur belästigen konnte. Der Gedanke, in wenigen Minuten auf jenen knochigen Hüften zu ruhen, ihren flachen Brustkorb wie jetzt vor sich zu fühlen, in sie einzudringen und ihre furchtsamen Laute zu vernehmen, während er die Ehe vollziehen sollte, erweckte mitnichten auch nur irgendeine Form von Lust.
Er eilte sich also, ihren insektengleichen Körper über die Schwelle zu heben und sie möglichst sanft wieder im Vestibulum abzustellen und zog sich, als sie zum Dank ihm einen Kuss auf die Wange hauchte, rasch zurück, um von Patrokolos ein Öllämplein und ein Schälchen mit Wasser anzunehmen, mit welchem er seine Braut im Hause zu begrüßen hatte. Fortunablerweise entging ihm ob seiner Fehlsicht der irritierte Blick Cornelias, doch ihr Schweigen, als sie die beiden Gefäße entgegen nahm, um sie ihrerseits ihrer Leibsklavin zu reichen, ließ auch den jungen Flavius erkennen, dass er seine Abscheu zu sehr hatte gezeigt, was wiederum seine Schuldgefühle neu entfachte.
Die Münze, welche Philonica ihm nun reichte, erinnerte ihn daran, dass diese Ehe der Preis für sein gottloses Verhalten war, die Buße für eine Beleidigung der Maiores und Unsterblichen gleichermaßen und eine Sühne, welche zu bewältigen ihm zwar nahezu impossibel erschien, die er jedoch dennoch auf sich zu nehmen und zu meistern hatte. Die Festgemeinde im Schlepptau zogen sie nun zur Cucina, wo das emsige Heer der Köche bereits Kleinigkeiten für das Mitternachtsmahl der Festgemeinde präparierte und innehielt, als die neue Hausherrin den Raum betrat. Immerhin schien die Wärme des Herdes die Feuchtigkeit der Kleidung und Haare ein wenig erträglicher zu machen, was indes umso unannehmlicher es machte, danach aufs Neue in den Regen zurückzukehren, um das dritte As auf dem Altar der Lares compitales unweit der Porta zu platzieren.
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Manius Flavius Gracchus Minor

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RE: Ite, missa est! | Brautzug und Ausklang der flavisch-cornelischen Hochzeit 13.08.2018 21:22 Forum: Villa Flavia Felix


"Das alte Haus der Claudia
trifft altes Haus der Flavia -
bei so viel Alter, Ehemann,
hoff' ich, dass er noch stehen kann!"

Unter Absingen jenes Spottverses erreichten sie die Villa Flavia Felix. Seit dem Sturz hatte Manius Minor es nicht mehr gewagt, das Wort an seine Gattin oder irgendeinen der Gäste zu verlieren, zumal mehrere Male war zu befürchten gewesen, dass auch die Hochzeitsfackel unter den dicken Tropfen vom Himmel erlosch. Mochten seine priesterlichen Gäste das wütende Gewitter noch relativiert haben, der Sturz auf dem Weg als simpler Fehltritt abzutun gewesen sein, so hätte das Verlöschen der Fackel zweifelsohne als böses Omen erkannt werden müssen, welches womöglich zum Abbruch der gesamten Festivität hätte geführt. Indessen erwog der Bräutigam ohnehin, am kommenden Morgen ein besonders üppiges Sühne-Opfer darzubringen, um jene sich offenbarende, potentielle Ira deorum zu stillen.

Zuvor jedoch waren die finalen Zeremonien zu vollziehen, wozu erstlich die Tradition des Kampfes um die Hochzeitsfackel zählte. Fortunablerweise hatte der findige Sciurus die ungünstigen Wetterverhältnisse (noch immer regnete es, wenn auch nicht mehr in jener Intensität wie zuvor) antizipiert und eine Art Baldachin vor der Porta errichtet, unter welche das Brautpaar sich nunmehr flüchtete. Manius Minor nahm dem Jüngling die Hochzeitsfackel ab und entlohnte ihn dafür mit einem Säcklein kandierter Nüsse, ehe er die Fackel Cornelia reichte - weder warf er selbst sonderlich gut, noch wollte er den Göttern Raum geben, auch diese Zeremonie noch ihm zur Strafe mit einem Fluch zu belegen. Augenscheinlich hatte Philonica zumindest ihre Haltung zurückgewonnen und präsentierte, den feucht gewordenen Schleier gelüpft, mit einem Lächeln die Lücke zwischen ihren Schneidezähnen.
"Wer will die Fackel?"
, rief sie sodann und warf sie aus der Trockenheit unter dem Baldachin in die Menge der durchnässten Hochzeitsgäste, unter welchen nun sich ein eher bescheidener Kampf entspann, wer die beliebte Trophäe mit nach Hause würde nehmen dürfen. Der junge Flavius indessen vermochte kaum zu erkennen, wer sich bei dieser Posse durchsetzte, weshalb er eher sich seiner eigenen Person zuwandte, sich das nasse Haar aus dem Gesicht strich (seine sorgsam gelegte Frisur vom Morgen war selbstredend ruiniert) und Patrokolos ersuchte, eine neue, nicht von Regen durchtränkte Toga herbeizuschaffen.
Thema: Ite, missa est! | Brautzug und Ausklang der flavisch-cornelischen Hochzeit
Manius Flavius Gracchus Minor

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RE: Ite, missa est! | Brautzug und Ausklang der flavisch-cornelischen Hochzeit 12.08.2018 17:36 Forum: Villa Flavia Felix


Gleich einem Retter in der Nacht erschien Manius Maior im Gesichtsfeld Manius Minors, als dieser im Schmutze liegend nach Orientierung rang. Behände half er Philonica auf, während sein Sohn allein genötigt war sich vom Boden zu erheben und neuerlich einen sicheren Stand zu finden. Für einen Augenschlag fragte der Jüngling sich, ob nicht er ein wenig zu sehr dem Weine zugesprochen hatte und deshalb ob seines Fehltrittes den Stand hatte verloren, doch währenddessen war seine Braut bereits wieder in die Vertikale verbracht und erklärte ihrem Schwiegervater lakonisch:
"Ich bin unverletzt."
Ihr Ricinium war nicht lediglich durchnässt, sondern ebenso mit dem gewässerten Schmutz der Straße bespritzt, was sich ebenso auf ihre Tunica recta bezog, welche darunter in vormals makellosem Weiß hervorgespitzt hatte. Selbst ein weniger exerziertes Gehör als das des jungen Gracchen mochte erkennen, dass jenes Missgeschick der Cornelia durchaus zusetzte.
"Ein kleiner Fehltritt, nichts weiter. Ich danke dir, Vater."
, fügte er den Worten Philonicas an und bot ihr neuerlich seinen Arm, welchen sie artig aufs Neue ergriff, obschon bereits jene Stütze sich als tückisch hatte erwiesen, gleichwie der Jüngling generell zu argwöhnen begann, welche Ungerechtigkeit es doch mochte sein, dass die arme Cornelia vom Schicksal dazu verdammt war worden, einen Ehemann zu haben, welcher sie weder liebte, noch schätzte und nicht einmal imstande war, ihr jenes zuckersüße Hochzeitsfest zu bescheren, welches jede Jungfrau von patrizischem Geblüt sich ersehnte.
Indessen konnte auch sein Vater diese Last, welche sie beide nun zu tragen hatten, nicht mindern, sodass er Gracchus Maior nochmalig zunickte und sodann seinen Weg fortsetzte in der Erwartung, dass jener sich zurück auf seinen Platz begab und der verbleibende Brautzug ohne Komplikationen verlief.
Thema: Officium| Eheregistratur
Manius Flavius Gracchus Minor

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Pacta sunt servanda 10.08.2018 14:49 Forum: Regia des Cultus Deorum


Ein Bote überbrachte einen Brief an die Ehe-Registratur:
   
Eheregistratur des Cultus Deorum
Regia, Roma


M' Flavius Gracchus Minor s.d.

Hiermit ersuche ich um die Registratur meiner Confarreatio mit Cornelia Philonica, Tochter des verstorbenen Caius Cornelius Scapula, welche ANTE DIEM XI KAL IUL DCCCLXVIII A.U.C. (21.6.2018/115 n.Chr.) gemäß den Riten der Maiores unter Teilnahme des Pontifex Maximus sowie des Flamen Dialis stattfand. Unsere Verlobung liegt bereits viele Jahre zurück und wurde nun gemäß den Absprachen meines Vaters und Cornelias Onkel eingelöst.

Vale bene!



Thema: Domus Cornelia | Pacta sunt servanda oder die flavisch-cornelische Hochzeit
Manius Flavius Gracchus Minor

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RE: Ite, missa est - der Brautzug 10.08.2018 14:41 Forum: Domus Gentium Romae


Nachdem nun die Braut ihren Platz an der Seite ihres Gatten hatte gefunden, formierte sich der Brautzug. Als die drei Knaben, welche aus der Verwandtschaft der Cornelii stammten und somit Manius Minor weithin unbekannt waren, ihren Platz einnahmen, dachte er zurück an seinen eigenen Dienst auf jenem Posten, welcher Jahrzehnte zurück lag. Noch trefflich vermochte er den heiligen Ernst zu memorieren, mit dem er die Hochzeitsfackel getragen hatte und die Unkenntnis über jene Dinge, welche die Spottverse auf dem Zuge thematisierten. Inzwischen war jene infantile Unschuld von ihm gewichen, das vorwitzige Unwissen war durch eine allzu genaue Kenntnis der Geschehnisse ersetzt worden, die in jenem vor ihm liegenden Tête-a-tête die Gefahr des Versagens identifzierte. Schon bei seinem ersten Mal mit einer überaus ansehnlichen Lupa, jener mysteriösen Morrigan, deren Weg sich kürzlich wieder mit dem seinen hatte gekreuzt, hatte seine Virilität ihn für eine ganze Weile im Stich gelassen und seither war derartiges mit mancher Sklavin selbst in seinen sorgenfreien alexandrinischen Tagen geschehen, weshalb er geradehin gewiss war, dass dies bei der unattraktiven Cornelia neuerlich der Fall würde sein. Er wusste von Giftmischern, welche Mittel zur Hebung der Potenz vertrieben, doch hatte er bisher nicht gewagt, derartiges zu erwerben, zumal die Medici überaus kontrovers über deren Wirksamkeit disputierten.

Womöglich ließ der Vollzug der Ehe jedoch sich ohnehin prokrastinieren, wie der junge Gracche beim Betreten der Straße sich dachte, als der unvermindert prasselnde Regen ihn schlagartig aus den Gedanken riss. Sogleich eilte Patrokolos herbei und hielt über das Brautpaar einen Sonnenschirm. Dennoch befahl Philonica sogleich:
"Einen Mantel!"
Zweifelsohne wollte sie ihr sorgsam gewirktes Kleid und ihre aufwändig geordnete Staffage vor dem Verlaufen bewahren, während Manius Minor mitnichten bemüßigt sich fühlte, dem Regen weiter Resistenz zu leisten. Mochten die Temperaturen durch die permanente Humidität dieses Tages abgekühlt sein, so fröstelte ihn kein bisschen ob der externen Umstände.
Dennoch würden sie sich eilen müssen, um nicht allzu durchnässt die Villa Flavia Felix zu erreichen.
Thema: Ite, missa est! | Brautzug und Ausklang der flavisch-cornelischen Hochzeit
Manius Flavius Gracchus Minor

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Ite, missa est! | Brautzug und Ausklang der flavisch-cornelischen Hochzeit 10.08.2018 14:39 Forum: Villa Flavia Felix


In strömendem Regen also machte die Festgesellschaft sich von der Domus Cornelia aus auf den Weg durch die Gassen Roms, um zeitig die Villa Flavia Felix zu erreichen, wo das Fest würde ausklingen, während das Brautpaar sich in seine Gemächer zurückzog. Nicht allein der Regen drang jedoch auf das Brautpaar ein, sondern ebenso jene anzüglichen Reime, die zu diesem Anlass gesungen zu werden pflegten, wobei Lucretius Carus, der Jugendfreund des Bräutigams, den Anfang machte:
"Wo Hermesstab die Wölfin findet,
wo Gänserich die Gans sich bindet,
zieh'n Hitze, Glut und Wollust ein
und zeugen viele Kinderlein!"

Sehr wohl erkannte der junge Flavius die Anspielung auf jenes kleine Gedichtlein, mit welchem die Hochzeitseinladungen waren eingeleitet worden, was womöglich in anderen Umständen seine Admiration hätte evoziert. Doch stattdessen erschien es ihm als Mahnung, dass der Vollzug der Ehe keineswegs ewiglich zu prokrastinieren war, sondern dass nicht allein die Gesellschaft Roms, sondern ebenso seine Ahnen und die Götter erwarteten, dass ihrer Ehe auch Kinder entsprangen. Gewiss war es möglich, einen Erben zu adoptieren, doch würde auch dies einen Schatten der mangelnden Frugalität auf ihr Haus werfen. Im Grunde würde ein einziges, erfolgreiches Mal genügen, doch wusste Manius Minor von diversen Gesprächen mit Patrokolos und anderen, dass ein Zeugungsakt allein regulär keineswegs genügte, sondern dass es, einer Lotterie gleich, für gewöhnlich mehrerer Anläufe bedurfte, um den Hauptgewinn zu erringen, wobei manche Gynäkologen argwöhnten, dass die Lust der Frau sich dabei als dienlich erwies.

Als hätte er die Gedanken des Bräutigams gelesen, meldete in jenem Augenblick ein weiterer Gast mit einem Spottvers zu Worte, welches lautstark er durch die Gassen krakeelte:
"Statt Rosen regnet's Wassermassen -
die Braut kann doch ihr Glück kaum fassen:
Denn nass wird heut' nicht nur das Dach -
sonst gibt's am Hochzeitsmorgen Krach!"

Die weibliche Lust mochte ein Tabu darstellen, da doch ihr Leib nicht mehr war denn eine Ackerfurche, in welche der Mann seinen Samen legte, doch waren auch Manius Minor die Differenzen einer lustvollen Vereinigung und einer egoistischen Triebbefriedigung dessen, der das Weib bestieg, wohlbekannt, zumal in seinem Myrmidonenkreis einige Jünglinge waren gewesen, welche sich auf die Befriedigung ihrer Partnerinnen geradezu kapriziert und dies bei ihren regelmäßigen Gastmählern wortreich hatten erörtert. Bei einer wunderschönen, aufreizenden Gespielin, von welchen er als finanzkräftiger Aristokrat sowohl in Alexandria, als auch in Roma er mit zahlreichen hatte das Bett geteilt, war auch bei ihm bisweilen eine diesbezügliche Motivation erwacht, doch würde es ihm bereits genügen, wenn ihm bei der tropfnassen Gestalt zu seiner Rechten, welche in ihre Gewänder und den Mantel gehüllt mehr einem Gespenst als einer Person aus Fleisch und Blut glich, zumindest die Insemination gelingen würde.

"Talassio!"
, rief aufs Neue die Versammlung und Philonica hielt an, um einem passierenden, augenscheinlich bereits ein wenig alkoholisierten Mann eine Nuss zu reichen. Als sie neuerlich sich in Bewegung setzten, geschah endlich das Erwartete: Der Calceus des jungen Flavius stieß gegen einen falsch eingeschätzten Stein auf dem Boden, er verlor das Gleichgewicht, griff panisch um sich und bekam den Mantel der Cornelia zu fassen, glitt auf dem nassen Boden aus und stürzte mit einem Ruck zu Boden, wobei er auch die Braut, welche einen spitzen Schrei ausstieß, mit sich riss. Sogleich eilten Sklaven herbei, doch das Paar lag bereits in einer Pfütze.
"Muss denn alles schiefgehen an diesem verfluchten Tag?"
, zeterte Philonica mit weinerlichem Timbre, als sie beide wieder auf ihren Füßen standen und den Schmutz auf der erlesenen Toga und dem feinen Mantel sowie der darunter vorscheinenden Tunica recta inspizierten, welchen selbst Manius Minor bei Dunkelheit zu identifizieren imstande war.
"Du musst sie ja nicht mehr tragen heute."
, mühte sich der junge Flavius sie zu trösten, obschon neuerlich die Imagination, dem entblößten Körper des Mädchens gegenüber zu stehen, ihm Gänsehaut bereitete. Dennoch fragte auch er sich, ob all jene Missgeschicke nicht waren als böse Omen zu ponderieren, welche eine eiligste Scheidung forderten. So oder so hatte er versagt, seiner unschuldigen Gattin einen erquicklichen Tag zu bereiten, obschon die größte Desillusion sie noch erwartete.
"Im Freien schon liegt Frau auf Mann,
weil er es nicht erwarten kann!"

, erfolgte prompt der wenig erbauliche, scherzend intendierte Kommentar eines Hochzeitsgastes.
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Manius Flavius Gracchus Minor

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Ite, missa est - der Brautzug 08.08.2018 17:22 Forum: Domus Gentium Romae


Das Dessert war soeben abgetragen worden, als der Herold hereintrat, sich vor der festierenden Gemeinschaft verneigte und mit klarer Stimme erklärte:
"Die Venus ist aufgegangen!"
Dies war das Zeichen für den finalen Schritt des Rituals: der Domum Deductio der Braut. Nichts an diesem Tage fürchtete Manius Minor mehr als diesen Schritt, implizierte er doch diverse Probleme, welche zu extinguieren auch seinem getreuen Patrokolos impossibel waren: So würden einerseits sie durch das nächtliche Rom schreiten müssen, was für den fehlsichtigen Gracchen die Gefahr zu stolpern oder zu stürzen und sich damit zum Gespött der gesamten Gesellschaft zu machen, mit sich brachte. Hinzu kamen die Spottverse, welche zu diesem Anlass zu singen gepflogen wurden und in dem Jüngling die Furcht erweckten, man würde die augenscheinliche Hässlichkeit seiner Angetrauten offen thematisieren, was zweifelsohne sie noch scheuer und furchtsamer würde erscheinen lassen. Schließlich symbolisierte dieser Zug jedoch die letzte Station vor dem Vollzug der Ehe selbst, welche ihm am meisten Bedenken bereitete, da er sich außerstande sah, Begehren für Cornelia zu erwecken, sodass die Hochzeitsnacht zwangsläufig würde desaströs enden müssen.

Hatte das Gastmahl mit der erquicklichen Konversation seinen Trübsinn ein wenig gemindert (insonderheit ob des Umstandes, dass Cornelia Philonica kaum sich hatte beteiligt), kehrten Melancholie und Furcht somit rasch zurück, als er sich erhob und die jüngeren Gäste sich um ihn scharten, um die Braut ihrer nächsten Verwandten, der Gattin Scapulas, zu entreißen.
"Auf, Flavius, holen wir uns deine Braut!"
, rief Lucretius Carus vergnügt und schob den jungen Gracchen vorwärts, sodass er mäßig lustvoll den Arm seiner Gattin ergriff und sie nach kurzem Widerstand zu sich zog, woraufhin scherzhaft die Braut rief:
"Zu Hilfe, Onkel Scapula!"
Dem jungen Flavius erschien dieser Raub indessen als ein ridikulöser Brauch, welchen zwar manch volkstümlicher Narr lustvoll zelebrierte, doch insonderheit in seinem Falle ihm als groteske Verkehrung der Wahrheit sich darbot, da doch jener inszenierte Raub einer ungestüme, zweifelsohne erotisch konnotierte Begierde Ausdruck verlieh, derer er gänzlich entbehrte. Vielmehr hätte er noch Stunden und Tage sich in den vergnüglichen Gesprächen des Brautmahles ergehen können, um jene Stunde zu prokrastinieren, in welcher er allein mit seiner Gattin würde sein müssen.
"Talassio!"
, rief bereits Cornelius Philonicus, der Bruder der Braut und klopfte seinem Schwager auf die Schulter.
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RE: Ad laudem et gloriam nominis sui, ad utilitatem quoque nostram - Das Festmahl 05.08.2018 21:53 Forum: Domus Gentium Romae


Die Erwähnung des germanischen Waldes erweckte in dem jungen Flavius Reminiszenzen an zahllose Märsche durch die Dickichte jener Vegetation, entsann sich jenes Duftes nasser Bäume, welchen der Claudius lobte, jedoch ebenso der Unannehmlichkeit durchtränkter Kleidung bei kühlen Temperaturen.
"Durchaus!"
, konfirmierte er somit und fügte an
"In Sommertagen durchaus erquicklich, doch im Herbst, Lenz und Winter kreucht der Regen bis unter die Haut und scheint geradehin von innen heraus zu kühlen."
Er blickte hinauf zum Gebälk, wo noch immer das monotone Klopfen der Regentropfen war zu vernehmen.
"Wie gut, dass wir die Hochzeit nicht in den Winter gelegt haben."
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RE: Ad laudem et gloriam nominis sui, ad utilitatem quoque nostram - Das Festmahl 01.08.2018 21:51 Forum: Domus Gentium Romae


Die vitalisierende Funktion des Regens hatte der Bräutigam überhaupt nicht bedacht und das einhellige Credo einer glückverheißenden Qualität der Wetterverhältnisse kalmierten ihn doch ein wenig. Dass der Aurelius hingegen schwieg, notierte er kaum.
"Nun, dies beruhigt mich."
, konfirmierte er daher und lächelte seiner Braut aufmunternd zu.

Unterdessen wurde der folgende Gang gereicht, eine Variation von Wildtieren, pikantiert mit einer scharfen Sauce. Dass just der greise Claudius den Regen schätzte, bemüßigte den jungen Flavius indessen zu einer weiteren Assoziation:
"Wie man hört, entschieden die Wetterverhältnisse ja manche Schlacht. Aus einer günstigen Stellung mag durch ein wenig Regen rasch ein unmanövrierbares Morast entstehen, nicht wahr?"
Nicht wenige der bei Tische liegenden Gäste waren kriegserprobt und auch Manius Minor schätzte seit seiner Kur von den epikureischen Flausen das Soldatenfach wieder wie in Kindheitstagen.
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Manius Flavius Gracchus Minor

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RE: Ad laudem et gloriam nominis sui, ad utilitatem quoque nostram - Das Festmahl 25.07.2018 21:55 Forum: Domus Gentium Romae


Nachdem die Reihe der Gratulanten abgearbeitet war, führten Sklaven die Festgemeinschaft ins Triclinium, welches ebenfalls prächtig war präpariert. Mehrere Klinengruppen sollten sämtlichen Gästen Platz bieten, doch selbstredend waren die exquisitesten Gäste, darunter selbstredend der Princeps, der Flamen Dialis, der Haruspex Primus sowie Consular Claudius Menecrates an den Tisch des Brautpaares und der Brauteltern gelegt worden.

Exhaustiert von der Pflicht, jener Schar an Gratulanten ein Lächeln zu schenken und den glücklichen Bräutigam zu geben, gab der Jüngling sich anfänglich ein wenig wortkarg, doch während des zweiten Ganges, welcher aus einem Potpourri an Seefischen, die in hellenischer Manier lediglich mit Kräutern und Brot serviert wurden, sich zusammensetzte, hob er doch zu ein wenig Konversation an:
"Nun, ich hoffe, dass sich der Regen ein wenig legt bis zum Brautzug."
, stellte er fest und blickte zur Kassettendecke, über der man dumpf das Prasseln des Regens auf die Ziegel vernahm.
"Wenn es in dieser Jahreszeit regnet, dann richtig."
, fügte Cornelius Scapula an, woraufhin der junge Gracchus mit Blick auf die zahlreichen präsenten Pontifices, Haruspices und erfahrenen Convivianten bemerkte:
"Ich hoffe, dies ist kein übles Omen."
Womöglich würde einer der Gäste diesbezüglich einige kalmierende Bemerkungen offerieren können.
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Manius Flavius Gracchus Minor

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Ad laudem et gloriam nominis sui, ad utilitatem quoque nostram - Das Festmahl 21.07.2018 17:59 Forum: Domus Gentium Romae


Nachdem schließlich die Zeremonie war vollzogen, folgte nunmehr der weniger ritualisierte Teil der Feierlichkeiten, welcher sich in einem heiteren Gastmahl im Haus der Brauteltern, respektive ihres Oheims, sowie dem vergnüglichen Brautzug sollte ergehen. Deplorablerweise schien just in diesem Augenblick das Gewitter sein Zentrum über die Domus Cornelia verlegt zu haben, sodass nicht lediglich endlose Fäden von Regen die Oberfläche des Impluvium aufwühlten, sondern auch das uralte Dachgebälk des Hauses unter dem Aufschlag der Tropfen auf die ebenso uralten Ziegel rasselte.

Nachdem der Flamen Dialis seine Hände gereinigt und zuerst Cornelia Philonica, sodann dem jungen Gracchen seine Referenz hatte erwiesen, nutzte dieser die Okkasion, noch vor der endlosen Schlange der Gratulanten einige Worte an die versammelte Festgemeinde zu richten:
"Werte Gäste!"
, begann er mit erhobener Stimme und nötigte sich zu einer freundlichen Miene.
"Ehe wir alle uns in den Schlemmereien ergehen, welche mein geschätzter Schwiegeronkel und väterlicher Freund Cornelius Scapula für uns hat präparieren lassen, möchte ich einige Worte an euch richten."
Das Gemurmel, welches nach dem Ende des Opfers hatte angehoben (zweifelsohne nicht selten bezugnehmend auf das missliche Wetter, welches manchem zweifelsohne als bedrohliches Omen mochte erscheinen), erstarb langsam.
"Er ist es auch, dem ich als erstem an diesem Tage danken möchte. Schon vor vielen Jahren, als Cornelia Philonica und ich noch arglose Kinder waren, hat er diese Verbindung mit meinem Vater besiegelt, um das Fortleben unserer beiden Häuser zu sichern. Um in den Metaphern meiner bisherigen Wahlkampfreden zu bleiben: Er hat die Saat gelegt, welche heute endlich aufgeht und hoffentlich noch reiche Früchte wird tragen."
Er lächelte genant, als mancher im Publikum ebenfalls seinem Amusement Ausdruck verlieh, da jener floralen Metaphorik, welche in seinen Wahlreden und Res Gestae manchem mochte als stringentes Mittel, manchem als ennuyante Spielerei erscheinen, selbst hier nicht zu entrinnen war.
"Ich danke indessen ebenso meiner eigenen Familie, besonders meinem geschätzten Vater Manius Flavius Gracchus, der nicht lediglich mich zu dem Manne heranzog, der ich heute bin und mir nahezu alles vermittelte, was ich weiß und vermag, sondern ebenso zu dieser Festivität seinen Beitrag leistete, indem er seine Beziehungen spielen ließ, um uns heute Morgen von niemand geringerem als dem Haruspex Primus Sextus Aurelius Lupus die Zukunft deuten zu lassen, ebenso jedoch unseren Flamen Dialis Ovius Lyso und sogar unseren allseits verehrten Pontifex Maximus höchstpersönlich für diese Zeremonie zu gewinnen."
Nachdem mit offener Dankbarkeit er seinen Vater eines liebevollen Blickes hatte bedacht, suchten seine Augen sodann in der Schar der Gäste auch die erwähnten Priester, was trotz seiner Fehlsicht sich nicht sonderlich schwierig gestaltete, da Ovius und Augustus in vorderster Reihe standen und auch der Aurelius sich nicht gerade inmitten der Menge verbargen.
"Dies verleiht mir die Gelegenheit, auch ihnen für den Vollzug unserer Confarreatio zu danken. Cornelia und mir war es ein Bedürfnis, diese Ehe nach jenem alten Ritus zu vollziehen, den unsere Väter und Ahnen bereits seit Jahrhunderten favorisieren, um Mann und Frau aneinander zu binden und sind dankbar, dass diese Ehre nun auch uns zuteil wird. Aurelius Lupus weissagte uns heute Morgen doppelte Freude und doppeltes Leid für unsere Ehe. Ich hoffe, dass eines jener Leiden bereits das Wetter des heutigen Tages ist, doch hoffe ich ebenso, dass unsere und eure Freude über den heutigen Bund dieses Leid überwindet!"
Ein Sklave passierte soeben mit einem Tablett voller Weinbechern das Brautpaar, sodass der Bräutigam eilig nach einem von ihnen griff.
"Zuletzt danke ich all unseren lieben Freunden und Anverwandten, die heute gekommen sind, um mit uns zu feiern. Ich trinke auf euch und auf meine geliebte Mutter und meine Schwester, die zweifelsohne gern Zeugen dieses Festes geworden wären. Ich hoffe, dass wir einst im Elysium Gelegenheit werden, auch mit ihnen diese Feier nachzuholen!"
Rasch hob er seinen Becher und nahm einen tiefen Schluck, um auch die neuerliche Melancholie zu verbergen, welche ihn befiel, als er, einer spontanen Eingebung folgend, seine verstorbenen Anverwandten thematisiert hatte. Seiner Mutter fühlte er sich noch immer verbunden, in der Tat. Doch auch Flavia Flamma fehlten ihm nun, da er an sie dachte, und ebenso sein lieber Titus, der noch immer mit Serenus im Orient weilte und womöglich erst die Einladung zu dieser Festivität würde erhalten, wenn Philonica in die Villa Flavia Felix war eingezogen. Manius Maior war mit ihm, durchaus, doch von seinen über sein Leben liebgewonnenen weiteren Anverwandten war kaum einer gekommen: Weder Onkel Aristides, noch sein Vetter Serenus oder selbst sein Bruder hatten den Weg hierher gefunden. Flamma hingegen war tot, womöglich tatsächlich ermordet von der aurelischen Natter, die heute geradezu an ihrer Stelle an dieser Festivität partizipierte. Scato war hier, doch dessen Bruder Iullus, zu dem stets er eine weitaus cordialere Relation hatte gepflegt, war ebenso verschieden wie sein Kamerad aus Kindertagen Caius Flavianus Aquilius. Würde einst auch sein Vater das Zeitliche segnen, würde er gänzlich allein sein in dieser Welt...

Verborgen hinter dem Rand des Bechers gewährte der Bräutigam sich einen trübsinnigen Blick, als plötzlich er vor sich Lucretius Carus erkannte, was seine Melancholie prompt vertrieb.
"Flavius, ich gratuliere dir noch einmal! Bist du endlich auch in den Hafen der Ehe eingelaufen!"
, gratulierte er sichtlich erfreut und herzte seinen Freund sogleich, was der junge Gracche von Herzen erwiderte. Angeschmiegt an den Körper seines alten Freundes, der am Morgen bereits als Zeuge in den Ehevertrag war aufgenommen worden, erschien es doch gewiss, dass er nicht gänzlich allein war, dass er trotz seines eingezogenen Wesens zumindest einen Getreuen in seiner Alterkohorte hatte.
"Lucretius, ich danke dir! Dass du mit deinem guten Namen dich für mich verbürgt hast und für deine Freundschaft!"
, erklärte er, als sie sich wieder gelöst hatten, mit einem ein wenig gläsernen Blick, was den stets heiteren Lucretius selbstredend ein wenig amüsierte.
"Da überschlagen sich die Emotionen wohl ein wenig! Ich habe zu danken! Und jetzt kümmere dich um deine Gäste!"
Nochmals lächelte Carus und klopfte den Bräutigam zum Abschluss aufmunternd auf den Arm, um sodann seinen Platz für die übrigen Gratulanten zu räumen.
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Manius Flavius Gracchus Minor

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Suscipiat Dominus sacrificium de manibus tuis - Die Zeremonie 21.07.2018 17:19 Forum: Domus Gentium Romae


Dem Opfer auf dem Fuße folgte die eigentliche Zeremonie der Confarreatio, wofür bereits die emsigen Opferhelfer die Zeit der Eingeweideschau hatten genutzt, um das Lämmlein nicht lediglich seiner Vitalia zu berauben, sondern ihm ebenso das Fell abzuziehen, welches nun als Sitzpolster für das Brautpaar mochte dienen. Ein wenig barbarisch erschien es dem jungen Flavius schon, als man das zwangsläufig blutige Fell auf den Stühlen drapierte, auf welchen sie nun würden Platz nehmen, doch mehr noch okkupierte ihn die Frage, ob Cornelia Philonica auch in der Lage war, ihm bisweilen das Fell über die Ohren zu ziehen, ja sie jene Stärke und Tapferkeit würde aufweisen, welche auch seine geliebte Mutter einst hatte besessen. Bisherig war sie ihm stets als eine recht stille, ob ihrer mäßigen Attraktivität geradehin unscheinbare junge Dame erschienen, deren mangelndes Selbstbewusstsein wohl ebenfalls ein Grund mochte sein, warum er sie wenig schätzte. Die Perspektive indessen, tagein tagaus mit einer notorischen Ja-Sagerin verbunden zu sein, vermochte seine Stimmung kaum zu heben.

Als Pronuba für die heutige Zeremonie diente ihre Schwägerin Sestia Rebila, deren zentraler Auftritt nun erfolgte. Mit der Grazie, welche lediglich eine Patrizierin in jener Formvollendung mochte präsentieren, baute sie sich vor den beiden Stühlen auf und winkte das Paar herbei. Manius Minor und die Braut traten sodann vor sie und während Philonica prompt ihre sorgsam manikürte Hand erhob, zögerte der junge Flavius einen Augenschlag, ehe auch er seine Hand zur Verbindung öffnete. Doch die Sestia griff sogleich beherzt nach ihrer Schwägerin Hand und legte sie in die seine, um sodann mit ihren eigenen Händen jene Verbindung zu umschließen.
"Vor allen Göttern und Menschen erkläre ich euch hiermit zu Mann und Frau. Mögen die Götter diese Ehe segnen!"
, explizierte sie sodann die symbolische Geste und schenkte beiden Brautleuten ein Lächeln. Sodann trat sie beiseite und wies mit einer Hand auf die beiden Stühle, auf welche die Diener das blutige Fell legten. Einige blutige Flecken waren darauf zu erkennen und für einen Augenschlag fürchtete der junge Gracche, dass seine makellose Toga würde Schaden nehmen, doch da vor jenem Ritual zu flüchten ebenso außer Frage war wie sich dieser Ehe zu entziehen, welche nun ohnehin war begründet, setzte sodann er sich doch mit einem kaum vernehmlichen Seufzen und ergriff aufs Neue die von seiner Braut dargebotene Hand. Mochte diese erneute Berührung nicht im Ritual vorgesehen sein, über welches der Flamen Dialis die beiden am Vortage nochmals intensiv informiert hatte, so konnte er den genanten, insekuren Blick Philonicas unter ihrem Schleier beinahe spüren und lenkte ein. Womöglich würde sie ihn nicht mit scharfen Worten und hitzigen Streitigkeiten, sondern weitaus hinterlistiger mit Mitleid und Demut dominieren.

Der Flamen Dialis reichte ihnen nun unter Formulierung der altehrwürdigen Worte das Farreum libum, das der junge Flavius als zukünftiges Familienoberhaupt nun teilte. Intuitiv brach er die Speise in der Mitte und reichte der Cornelia willkürlich eines der Stücke, obschon er sich fragte, wer zukünftig von dieser Verbindung wohl stärker würde profitieren und sogleich argwöhnte, dass nicht er selbst es würde sein. Ein wenig bitter erschien ihm die Speise daher, als er von seinem Anteil ein weiteres kleines Stück abbrach und es andächtig zerkaute. Zukünftig würden sie unzählige Mahlzeiten gemeinsam einnehm, selbst wenn wohl kaum sie mehr derart grob gemahlenes Brot würden aufgetischt erhalten. Zu Tisch liegend würden sie indessen nicht mehr Brot, sondern das Leben teilen, würden sich von ihrem Tagewerk berichten und verhoffentlich eines Tages auch an den Abenteuern ihrer Kinder sich ergötzen, selbst wenn er noch immer nicht auch nur imaginieren wollte, mit diesem unattraktiven Mädchen solche zu zeugen.

Ovius Lyso streckte neuerlich die Hände aus, was Manius Minor erinnerte, dass der Speltkuchen in seiner Majorität den Göttern als Opfer würde dienen. So würde es letztlich auch mit ihrem zu teilenden Leben sein: Sein Leben war ein Opfer für die Götter, er hatte keinen Anspruch darauf, es zu genießen, selbst wenn sie einen Teil der Gabe ihm gleich dem Opferfleisch der Staatsopfer zum Verzehr würden übereignen. Ja, er würde demütig das verzehren, was sie ihm hinterließen gleich einer Löwin, die erst zu fressen wagte, nachdem ihr majestätisches Männchen sich an der von ihr erjagten Beute hatte gütlich getan.
Neuerlich intonierte der Flamen ein langes, uraltes Gebet und bot nun auch das Farreum libum sowie einige Früchte den Schutzmächten der Ehe dar, was dem flavischen Jüngling keine Zeit ließ, weiterhin sich in trübsinnige Gedanken zu ergehen, denn während jenes finale Opfer seinen Lauf nahm, hatte er gemeinsam mit seiner Braut den Altar zu umschreiten, was schicksalsergeben er unternahm. Als indessen Ovius Lyso einige Trauben gen Himmel reckte, rollte neuerlicher Donner über Roms Himmel und zugleich erhellte ein Blitz das dunkle Atrium, als wolle Iuppiter selbst eine Replik auf die Intonationen seines Priesters geben. Auch Cornelia Philonica zuckte zusammen, sodass das Paar zum Stehen kam, ehe es, ein wenig beklommen ob der Frage, was jene himmlischen Aktivitäten für ihre Ehe mochten bedeuten, ihre Runde fortsetzten.
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RE: Das Fest 19.07.2018 07:19 Forum: Domus Gentium Romae


Zitat:
Original von Herius Claudius Menecrates
Menecratres erwiderte das Lächeln gleichermaßen aufrichtig, denn er hegte schon länger väterliche Sympathien für den jungen Flavier. Ihm blieb auf den letzten Doppelschritten wenig Zeit, darüber nachzudenken, wann diese einsetzten. Es könnte aber auf einem der Besuche in der Villa Flavia geschehen sein, zu der Zeit, als Scato um Menecrates‘ Enkelin warb. Andererseits, ein unaufrichtiges Lächeln bekam sonst auch niemand von ihm zu sehen, denn entweder lächelte Menecrates ehrlich oder er lächelte eben nicht.

"Meine herzlichsten Glückwünsche, Flavius Gracchus Minor." Sein Blick umfing den Jüngeren, bevor er zur weiblichen Hauptperson des Tages schaute. "Und auch dir, Cornelia Philonica. Möge die Zukunft nur Gutes für euch bereithalten." Mit einem Lächeln verschaffte er sich kurz Zeit, bevor er versuchte, ihre Frage zu beantworten. "Ja, das ist so eine Sache mit den jungen Menschen. Sie leben abseits Roms, fallen dann in dein Haus ein, sehen sich nach potentiellen Ehepartnern oder lukrativen Karriereplänen um und ehe du dich versiehst, ziehen sie wieder aus."

Manius Minor erschrak angesichts der Replik des Claudius, welche ein wenig nebulös sich gestaltete, jedoch andeutete, dass auch Claudia Silana, sein favorisierter Enkel Menecrates', Rom den Rücken zugewandt, ja womöglich bereits einen Ehepartner gefunden hatte.
"Deine Enkelinnen und Enkel haben Rom den Rücken gekehrt?"
, fragte er deshalb mit mehr Bestürzung, als es einem Bräutigam am Tage seiner Eheschließung anstehen mochte.
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RE: Orate, fratres, ut meum ac vestrum sacrificium acceptabile fiat - Das Opfer 14.07.2018 18:13 Forum: Domus Gentium Romae


Zitat:
Original von Manius Flavius Gracchus
Mit einem sublimen Lächeln bedachte der ältere Manius Flavius Gracchus die Opferzeremonie, welche dem jüngeren Manius Flavius Gracchus und Cornelia Philonica den Segen der Götter würde zuerkennen, und war sich bis dahin kaum mehr der prekären Wetterlage bewusst. Das Schaf war gut genährt, hatte ein makelloses Fell und war gänzlich ruhig - was stets ein gutes Zeichen für gesunde Organe war, und der Schein der Feuerschalen und Öllampen trug zur kultischen Atmosphäre bei. Als indes ein Lichtblitz die Szenerie erhellte zuckte Gracchus merklich zusammen und wandte mehr als besorgt seinen Blick zu der Öffnung über dem Impluvium, durch welche der Anschein eines düsteren Himmels zu sehen war. Beunruhigt suchte er in die Ferne zu hören nach einem Donnergrollen, suchte gleichsam den Blick Scapulas und Ovius Lysos zu erhaschen. Der Cornelier jedoch trug weiterhin ein getragenes, doch unverkennbar zufriedenes Lächeln auf den Lippen als wäre er nicht einmal des Blitzes gewahr geworden, und auch der Flamen Dialis - immerhin der Mittler zwischen Iuppiter und den Menschen - fuhr ungerührt mit der Opferung fort. Der Flavier suchte sich zu kalmieren, dass Blitze die Zeichen des Göttervaters waren, dachte an den arbor felix im Garten der flavischen Villa, dass dies Leuchten über der Eheschließung seines Sohnes allfällig sogar ein überaus ungewöhnliches, doch gutes Zeichen Iuppiters Segen war. Solange nicht Ovius Lyso nervös wurde, gab es keinen Grund zur Sorge. Nicht einen einzigen.

Aufmerksame Zeugen der Zeremonie mochten die ersten Tropfen vernehmen, welche hinter der Festgemeinde durch das Compluvium flogen und im Wasser des Impluviums regelmäßige Wellen schlugen. Doch die Blicke aller waren eher auf das Lämmlein gerichtet, dessen Beine bisweilen noch zuckten, als die Schlächter das Tier aufbrachen, um das Tier auszuweiden. Manius Minor hingegen wandte den Blick voller Degout ab, da niemals der Anblick blutiger, schleimiger Organe ihm sonderliches Interesse hatten bereitet, er jedoch ebenso sich fragte, ob nicht die Last jener unwillkommenen Ehe auch ihn würde ausweiden, sodass gleichsam als entleerte Hülle er würde existieren, bis der Tod ihn verhoffentlich für jene Strapazen entlohnte.

Erneut durchzuckte ein Blitz den Himmel den sinistren Himmel über Rom und erhellte auch für einen Augenschlag das Atrium und die Gesichter der Gäste. Ovius Lyso und auch das Brautpaar blickten unwillkürlich um sich, wandten sich sodann jedoch neuerlich dem Opfer zu, da nun die findigen Finger der Ministri die Vitalia herausgelöst und in einer Schale drapiert hatten. Jene wurde nun unter unvermindertem Flötenspiel und einem rituellen Summen der Musikanten dreimal um das Brautpaar getragen, um sodann sie dem Pontifex Maximus zur Inspektion zu offerieren. Neuerlich gedachte Manius Minor der Weissagung Lupus' am Morgen: Und so sagen die Götter für diese Verbindung zweifache Freude voraus, aber ebenso zweifaches Leid. Eine fruchtbare Verbindung, die noch wachsen wird und von uns freudig gefeiert werden sollte. Ob die Unsterblichen jenen Worten etwas hinzuzufügen hatten? Ob eines jener Leiden die Verschmähung des Opfers war?
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RE: Orate, fratres, ut meum ac vestrum sacrificium acceptabile fiat - Das Opfer 08.07.2018 13:24 Forum: Domus Gentium Romae


Zitat:
Original von Manius Flavius Gracchus Minor
Als alle sich versammelt hatten, begann die Opfer, an welchem nicht lediglich der Flamen Dialis, sondern ebenso der Princeps würde partizipieren, während das Brautpaar eine eher passive Rolle war beschieden. Während somit der Flamen das präparierte Schaf den Unsterblichen weihte und Iuno, Tellus und Ceres im Voropfer anrief, blieb Manius Minor Raum die Konsequenzen dieses Tages aufs Neue zu bedenken. Die Erwähnung jener divinen Matronen weckten Reminiszenzen an seine eigene Mutter, welche ihm Tellus, Iuno und Ceres in einem gewesen war, da sie ihn doch nicht lediglich geboren, sondern ebenso genährt hatte und ihm bis heute einer himmlischen Königin und Übermutter glich, zu welcher er in Ehrfurcht aufblickte. Ihre eigene Iuno war bereits vor Jahren vom Lararium der Villa Flavia Felix geschieden, als auch sie diese Welt verlassen hatte, doch wäre sie zweifelsohne stolz gewesen, an diesem Tage an der Seite ihres Sohnes zu stehen. Und wahrhaftig stand er allein ihr zuliebe nun vor dem Altar, auf welchem Paullus Ovius Lyso nun unter Nennung diverser Namen jener drei Matronen das Voropfer darbrachte.

Nicht das Schaf, welches darauf zur Schlachtbank geführt wurde, sondern der junge Flavius selbst, sein gesamtes, vor ihm liegendes Leben an der Seite jener Cornelia waren das Opfer, welches er den Unsterblichen zu Füßen legte, um mit seiner persönlichen Iuno, Claudia Antonia, einst vereint zu sein. Wie der Flamen mit dem Culter das Opfertier symbolisch entkleidete, so hatte auch er sich seiner Wünsche und Bedürfnisse, seiner Begierde zu Claudia Silana wie seines einstigen Traumes, das Leben eines Philosophen fern der oft so müßigen Werke der Politik zu führen, entkleidet und in jenes Schema gefügt, welches als den Göttern gefällig wurde erachtet. Mitnichten waren es in seinem Falle infulae und vittae, güldene Hörner oder ein makelloses Fell, doch auch er hatte eine Fassade zu präsentieren, welche ihm in seinen epikureischen Tagen als Farce war erschienen und die er nun doch Stein um Stein errichtete, beginnend bei seinem Streben im Cursus honorum bis hin zum Schluss dieser Ehe, für welche nun der Segen jener göttlichen Indigitamenta wurde erbeten, deren Anrufung die Mores maiorum für eine Confarreatio verlangten.
Gleich einer Konfirmation jener Regungen erschien ihm die Anrufung von Iuga und Iugatius, die Ovius Lyso als Schutzwesenheiten der Ehe nannte, da doch ihr Name nichts anderes war als der Plural von Iugum - dem Joch - , welches nicht nur er selbst mit diesem Tag würde auf sich nehmen, sondern ebenso die unglückliche Cornelia, der eine Ehe mit einem Manne war beschieden, welcher sich weder liebte noch begehrte. Manturna, die die Gattin bei ihrem Manne sollte halten, würde zweifelsohne vor einer größeren Aufgabe stehen als gewöhnlich, nicht weniger Subigus Pater und die zahlreichen weiteren Indigitamenta, die der Flamen im Opfergebet nannte.

Es würde eine Ehe voller Schmerz werden, wie der junge Gracche erkannte, als plötzlich ein Blitz das düstere Atrium erhellte, in dessen Licht er das dumpf dreinblickende Schaf erkannte, welchem der Victimarius soeben das Messer an die Kehle legte. Diese miserable Kreatur schien mitnichten zu erwarten, was ihm bestimmt war, wie Manius Minor nicht ohne Neid erkannte, denn obschon bereits Epikur hatte geraten, dem Leiden mit Gleichmut zu begegnen, so funktionierte dies in der Realität doch kaum.
"Agone?"
, formulierte der Victimarius jene Frage, die auch Manius Minor sich stellte. Noch war diese Ehe nicht vollzogen, selbst wenn sie am Morgen bereits den Ehevertrag hatten unterzeichnet, noch bestand zumindest theoretisch die Chance, diese gesamte Festivität zu annullieren und ohne eine Gattin in sein Heim zurückzukehren.
Doch Ovius Lyso verlieh seiner Pietas, jenem unbarmherzigen Gefühl der Pflicht gegen lebende wie verstorbene Ahnherren und insonderheit jene eine Ahnherrin, eine Stimme, als er den Opferbefehl sprach:
"Age!"
Der Opferschlächter waltete seines Amtes und das Vieh hauchte seinen Geist aus. Und erstmals seit vielen verspürte der junge Flavius wieder Empathie für jene Kreatuer, denn so, wie dieses sein Leben nun hingab als gefällige Gabe der Unsterblichen, so offerierte auch er selbst an diesem Tage sein Leben zur Besänftigung der Götter. War die Aufgabe jener Irrlehren des Epikur ihm ein Leichtes gewesen, nachdem seine Vision diese ad absurdum hatte geführt, hatte die Last des Cursus Honorum ihm zwar Mühen bereitet, doch bisweilen auch in Freude und Stolz gemündet, so erschien dieser Bund vor den Göttern und Menschen ihm als wahrhaftig blutige Gabe, da diese Ehe doch nicht allein Worte und Gesten, sondern seine gesamte Leiblichkeit forderte. Fortan würde er jeden Tag mit seiner Braut zusammenleben, würde selbst, trotz seines Degouts ihr gegenüber, genötigt sein mit ihr einen Erben zu zeugen, ihre Gesellschaft auf Gastmählern und Einladungen ertragen und ihren ennuyanten Erzählungen lauschen. Zweifelsohne würde er sich, nachdem seine Pflicht war vollzogen, stärker von ihr separieren können, mochte sie womöglich aufs Land verbannen, damit sie auf seinem Gute nahe Ostia oder eine andere Villa Flavia ihr Dasein fristete und ihn mit ihrer ungeschätzten Präsenz verschonte, doch würden Anstand und Sittlichkeit es gebieten, bisweilen dennoch an ihrer Seite sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren und keine amoureusen Relationen zu anderen Damen von Stand zu unterhalten. All dies bedeutete somit zwar nicht, sein Blut zu vergießen und sein Leben darzubringen, wie jenes Schaf es heute tat, doch immerhin das Vergießen von Schweiß und womöglich mancher Träne und mit größter Sekurität das Sterben zahlreicher kleiner Tode an jedem Tage des künftigen Lebens.
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RE: Das Fest - Die Begrüßung der Gäste 07.07.2018 18:38 Forum: Domus Gentium Romae


Zitat:
Original von TIBERIUS AQUILIUS SEVERUS AUGUSTUS
Auch seinen ehemaligen Pontifex pro Magistro begrüßte der Kaiser mit einem Lächeln. Da er aber gerade mit seinem Sohn sprach, wandte er sich zuerst diesem zu: "Er verhandelt nach wie vor mit dem König von Parthia. Meinen letzten Informationen zufolge trifft er sich in Amida mit dessen Gesandten." Er zog ein wenig die Brauen zusammen. "Es sind scheinbar harte Verhandlungen. Aber ich bin sicher, dass Appius das meistern wird." Immerhin hatte Severus ihm gute Berater mitgegeben.

Dann vertagte der Bräutigam aber schon die Unterhaltung. Sicher keine schlechte Idee. Immerhin gab es noch weitere Gäste zu begrüßen. Und er konnte sich ja dem älteren Flavier zuwenden.
"Der Augusta geht es gut. Meinen letzten Informationen nach ist sie in Mogontiacum angekommen. Die Germanen sind dankbar, dass ein Mitglied des Kaiserhauses sie am Rand des Imperiums besucht. Ich hoffe nur, dass sie mir bald ausführlicher über die Lage vor Ort Bericht erstattet. Nach dem Unfall von Duccius Vala scheint es bei der Legio II zu gewissen Reibungen zwischen Offizierskorps und Mannschaften gekommen zu sein." plauderte er etwas aus dem Nähkästchen. "Aber ich bin sicher, dass Veturia und Decimus Livianus der Lage Herr werden."

Dem jungen Flavius war unbekannt, wo genau sich jenes Amida befand, da die Geographie des Ostens stets lediglich sein mäßiges Interesse hatte gefunden. Indessen war er überzeugt, dass derartige Verhandlungen, die ihn (selbstredend mit größerer politischer Tragweite) an seine eigenen am anderen Ende des Imperiums erinnerten, den Caesar rüsten würden, um einst in die Fußstapfen seines Vaters zu treten.

"Wie ist es im Übrigen um den Bund mit den Chatten, welchen ich einst aushandelte? Haben sie ihre Zusagen eingehalten? Und was ist mit ihren Auxiliartruppen geschehen?"
, fragte er schließlich, als der Augustus auf die Reise seiner Gattin gen Germania zu sprechen kam.
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