Haruspex

Aus Theoria Romana

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bild:Haruspex.jpg
Bronzestatuette eines Haruspex
(3. Jh. v. Chr.)

Aufgaben

Bei den Haruspices handelte es sich um Priester, die erst gegen Ende der Republik in einem Kollegium zusammengefasst wurden. Sie waren Spezialisten der Weissagung und praktizierten die Eingeweideschau.

Die Haruspices praktizierten mit der Disciplina Etrusca die von den Etruskern übernommene Kunst der Eingeweideschau. Grundsätzlich kann jedoch gesagt werden, dass die Leberbeschau als Instrument der umfassenden Zukunftsdeutung im römischen Reich nie wirklich Fuß gefasst hat.

Ihre wichtigste Aufgabe war die Deutung von Zeichen, die sie im Auftrag des Senats vornahmen. Vor allem in Begleitung von Magistraten fungierten sie als Seher. Obwohl in der Disciplina Etrusca Leberbeschau und Blitzdeutung in einem Atemzug genannt werden, scheint ihre Kompetenz hierbei nicht benötigt worden zu sein. Die Deutung von Blitzen war in Rom eine Domäne der Auguren, oder aber von den darauf spezialisierten Fulguriatores.

Die zweite wichtige Aufgabe der Haruspices war die Deutung von Wunderzeichen. Sie entschieden, was mit ostenta oder vom Blitz getroffenen Personen oder Dingen zu geschehen hatte. Darüber hinaus verkündeten sie die daraus ersehbaren Zukunftsereignisse. Hier überschnitt sich die Kompetenz etwas mit den Pontifices (und den Sibyllinischen Büchern), die generell für die Empfehlungen bei Sühneleistungen zuständig waren. Der Unterschied bestand darin, dass sich lediglich die Haruspices über die Zukunft äußerten. Daraus resultierende Opfer oder sonstige Handlungen wurde dann wieder von den Pontifices vollzogen. Es gab auch eine Kulthandlung, bei der die Haruspices ausgeschlossen waren: die Devotio (Selbstopferung eines Feldherrn bzw. eines seiner Soldaten um den Schlachtsieg zu erflehen).


Entwicklung & Organisation

Das Wissen um die Eingeweideschau dürfte ursprünglich in den Händen privilegierter etruskischer Familien gelegen sein. Später wurde es schriftlich niedergelegt und immer mehr von den stadtrömischen Magistraten bei Entscheidungen eingesetzt. Besonders seit dem 2. Punischen Krieg ist in erhöhtem Maße die Verwendung von Haruspices nachweisbar; z.B. auch beim Bau des Capitols.

Da die Deutung von Vorzeichen durch Auguren im Felde durch die Ausdehnung des Imperiums immer umständlicher wurde, verdrängten die Haruspices mehr und mehr die Auguren. So wurde die Eingeweideschau die Norm, beim Erkunden des Willens der Götter vor der Schlacht. Das führte dazu, dass die höheren Magistrate eigene Haruspices als Gehilfen zugeteilt bekamen.

Bis in die Kaiserzeit entstammten die Haruspices aus etruskischen Familien. Der Senat sorgte hierbei dafür, dass in den eturischen Städten Söhne von vornehmen Familien in der Kunst der Eingeweideschau ausgebildet wurden. Vermutlich aus dieser Vorgangsweise entstand gegen Ende der Republik mit dem Ordo haurspicum LX ein eigenes Kollegium, dessen fester organisatorischer Rahmen seit Kaiser Claudius belegt ist. An seiner Spitze stand ein haruspex maximus (oder primus). Die Mitglieder des Kollegiums galten nicht als Staatspriester, wie etwa die Quindecimviri. Unter Severus Alexander wurde sogar ein eigener Lehrstuhl für haruspizin (Weissagekunst aus der Eingeweideschau) eingerichtet.

Neben den staatlich organisierten Haruspices gab es auch solche, die von Privatleuten zu Rate gezogen werden konnten. Sie zogen meist als Bettelpropheten durch die Lande und galten oft als Schwindler. Schon Cato meinte, dass er sich wundere, dass die privaten Haruspices nicht lachen mussten, wenn einer dem anderen begegne. Die Scharlatanerie schien immer mehr um sich zu greifen, so dass sich Kaiser Tiberius dazu genötigt sah, Befragungen der privaten Haruspices ohne Zeugen zu verbieten.

Seit diesem Zeitpunkt trachtete die römische Verwaltung die privaten Haruspices durch gesetzliche Massnahmen zu kontrollieren. Es gelang dabei jedoch kaum die Spreu vom Weizen zu trennen. Von einem Verbot dieser Form der Zukunftsdeutung sah man bewusst ab, denn alle Bevölkerungsschichten konnten sich damit identifizieren. Das galt auch ausserhalb Roms in den Provinzen und für das Ausland, wo sich Fürsten eigener Priester für die Weissagung aus der Eingeweideschau bedienten.

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