Jeder schimpft auf das Wetter, aber niemand tut etwas dagegen

  • https://c1.staticflickr.com/9/…66055139_56eac1c126_m.jpg Der Norden hatte im Süden einen Ruf, den man mit viel Optimismus von 'durchwachsenem Charakter' beschreiben konnte. Es waren die tiefen undurchdringlichen Urwälder, die man selbst auf der westlichen Seite des Limes noch nicht hatte bezwingen können (und bis in die späte Neuzeit auch nicht würde bezwingen können). Dann das unwegsame Gelände das aus Hügeln, Bergen, Mooren, Seen, Flüssen und eben den undurchdringlichen Wäldern schon fast willkürlich zusammengewürfelt war. Es gab durchaus Veteranen der römischen Legionen, die mit ihrer Heimat nie warm geworden waren und es nach wie vor mieden die sicheren Städte zu verlassen.
    Dann der doch eher derbe Charakter der Menschen, ihr nach italischen Verhältnissen nichtexistenter Humor und ihre Angewohnheit, nicht einmal den geringsten Anlass verstreichen ließen um sich nach Herzensfrust und Fausteslust zu streiten. Und dann das Wetter. Es kam durchaus vor, dass es im Julius schneite. Zwar war das auch im Norden eine Seltenheit, aber es kam vor. Oft genug, um bei diesem Phänomen nicht in Panik zu verfallen wie es südlich der Fall war (selbst Sonnenfinsternisse hatten im Süden nicht den gleichen Effekt, weil diese nicht auf einen Schlag ganze Ernten vernichteten), aber doch um es mit sorgenvoll zusammengekniffenen Brauen zur Kenntnis zu nehmen.
    Schnee zu Samhain, dem Neujahrsfest der Kelten, war absolut keine Seltenheit. So war auch niemand wirklich überrascht, als er nach durchzechter Nacht aus den eigenen vier Wänden trat und augenblicklich kalte Füße bekam.
    Was jedoch nicht allzu oft vorkam, war die Dimension in der es in der Samhainsnacht geschneit hatte: genug, um den Frühaufstehern nicht nur kalte Füße, sondern auch kalte Knie zu bereiten.


    Bildquelle

  • Trotz des recht frühen Wintereinbruchs, der bei manchen schon Befürchtungen hervor gerufen hatte, war der Winter in Germania bislang – zumindest für die Eingeborenen – verhältnismäßig normal geblieben. Kalt und ungemütlich, auch schneereich in manchen Zeiten, aber für die hiesigen Verhältnisse: normal. Nach den Saturnalien regte sich bei dem ein oder anderen gar die Hoffnung, dem frühen Wintereinbruch möge ein früher Frühlingsanfang folgen... zumindest ließen an manchen Tagen die Temperaturen darauf schließen, und auch der Wind brachte scheinbar den Hauch eines Versprechens mit sich, trug jenen speziellen Duft, weckte jenes Gefühl, das den Frühling schon erahnen lässt.


    Allein: die Hoffnung war eine allzu trügerische. Einige Zeit nach den Saturnalien wurde es wieder kälter, langsam zunächst, und der hellgraue Wolkenhimmel beförderte Schnee in Unmengen zur Erde. Im Flockenflittern, wenn es am dichtesten war, konnte man selbst zur Mittagszeit kaum ein paar Schritt weit sehen. Nach Tagen, in denen der Schneefall kaum Pause machte und kein Ende zu nehmen schien, brach eines Tages endlich ein Morgen an, an dem der Himmel klar war: von einem strahlenden Blau gleißte die Sonne herab. Jeder, der sich über das endlich wieder gute Wetter allerdings freute, merkte spätestens mit einem Schritt vor die Tür den Nachteil: über Nacht hatte es einen massiven Kälteeinbruch eingegeben, so sehr, dass die Feuchtigkeit von aufsteigenden Atemwolken schon in den Haaren zu winzigen Eiskristallen gefroren.


    LDF

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