Dienstantritt des neuen Statthalters Titus Duccius Vala

  • Anders als am Vorabend, als Vala zumindest anfangs stillschweigend in die Stadt einzog und durch seinen Inkognito-Modus auf der Hochzeit seiner Base für mehr Aufsehen gesorgt hatte als ihm lieb gewesen war, ging der Einzug Valas in die altehrwürdige Regia etwas offizieller vonstatten. Man hatte ihn angemeldet, alle Magistrate, Angestellten und Helfershelfer zusammengetrommelt und im Atrium einen offiziellen Empfang organisiert. Während außerhalb des Gebäudes der Einzug des Legaten in den Wohntrakt des Statthalter"palasts" vor sich ging, schritt innerhalb des größeren Verwaltungstrakts also alles auf die Übergabe des Staffelstabs hin.


    Zusammen mit seiner Frau trat Vala, in vollem Amtsornat des Statthalters des Kaisers des römischen Reichs, in das Atrium und blickte vor allem in unbekannte Gesichter. Natürlich, sein Vetter war als Verwalter der kaiserlichen Güter anwesend... und das eine oder andere Gesicht kannte er noch aus seinem letzten Aufenthalt in Mogontiacum und Germania. Aber die meisten machten doch sehr deutlich, dass Vala viel Kennenlern-Arbeit bevorstand. Sehr viel....

  • Witjon war als Eques Imperii und Procurator Rationis Privatae ebenso standesgemäß gekleidet wie sein Vetter. Die Nachwirkungen der Hochzeitsfeier mochte man ihm am leicht müden Blick ansehen, ansonsten schaffte er es aber eine präsentable Erscheinung zu bieten. Für Tiberia Lucia musste er, nun in die römische Toga gewandet, einen krassen Gegensatz darstellen zu dem Witjon, den sie zuvor auf Runas Hochzeit kennen gelernt hatte. Als das Statthalterpaar das Atrium betrat, plauderte Witon gerade mit dem Princeps Praetorii. Ein leises Raunen ging durch die versammelte Beamtenschaft und alle wandten sich zu 'dem Neuen' um, der zukünftig die Geschicke Germania Superiors lenken würde.


    "Der Legatus Augusti Pro Praetore Titus Vala von den Duccii und seine Gattin Lucia von den Tiberii!"


    , verkündete ein Sklave mit gewichtiger Stimme. Der Legatus Iuridicus war als Mann vom höchsten Rang in der Provinzverwaltung nach dem Statthalter gewiss der richtige, um den Duccius nun offiziell willkommen zu heißen. Witjon wollte sich dagegen lieber nicht gleich in den Vordergrund drängen. Es mochte wohl früh genug dazu kommen, dass Alrik ihm besonderes Gehör schenken würde. Da musste er Missgunst und Neid der anderen Beamten nicht schon heute auf sich lenken.

  • Als sie das Atrium betraten, war dies der zweite Kulturschock für Vala. Die Herzlich- und Eigensinnigkeit seiner Familie am gestrigen Abend hatte er dank Witjons nüchterner Schreibweise in den Briefen schon lange mehr als verklärtes Bild denn als wirkliche Erinnerung im Kopf behalten.. und der Moment jetzt war ebenfalls surreal. Dies aber nicht durch die Unterschiede zu Rom, immerhin waren die meisten hier römische Magistrate und nicht alle hatten provinzielle Wurzeln. Wobei, das war gelogen.. nicht einmal der Legatus Iuridicus hatte stadtrömische Wurzeln. Die gesamte Provinzialverwaltung war, konnte man Sirius' Informationen während der Hinreise Glauben schenken, ein Potpourri an Charakteren verschiedenster Herkunft. Der Princeps Praetorii, klar, Abkömmling einer Legionärsfamilie sogar aus dem Ort. Der Procurator Civitatium aus Raetia, der Procurator Rationis Privatae... nun.
    Der Kulturschock kam alleine dadurch zustande, dass die Reaktionen vollkommen an Feindseligkeit vermissen ließen. Als er im Senat aufstieg und er sich den bigotten Hass einer in der Bedeutungslosigkeit versinkenden Kaste verdiente, wurde ihm selbst nie das zuteil was man an anderer Stelle lautstark einforderte. Hier aber war ganz offensichtlich das schlimmste der Gefühle der müde Blick seines Vetters. Nicht, dass man ihn mit herzlichem Schönwetter-Lächeln willkommen hieß - aber alleine das Fehlen von offener Ablehnung war schon... krass.


    "Die Herren, es ist mir eine Ehre, mit euch zusammen die Geschicke der Provinz leiten zu dürfen.", grüßte Vala die Umstehenden, indem er ihnen gleich eine Portion Honig um's Maul schmierte, "Ich bestelle euch die besten Grüße des Princeps, der mir versicherte die Provinz sei in formidablen Zustand. Dass dies ruhigen Gewissens auch in schwerer Krankheit meines Patrons, meines Vorgängers Marcus Vinicius Hungaricus über die Provinz gesagt werden kann zeigt deutlich, welch kompetente und pflichteifrige Männer die Administratio Provincialis bevölkern.
    Ich habe irgendwie das Gefühl, dass ich mich und meinen Werdegang nicht mehr vorzustellen brauch.. ihr wisst sicherlich wer ich bin und wie sich meine Vergangenheit gestaltete. Dies ist meine liebreizende und tugendhafte Ehefrau, Lucia von den Tiberiern, Tochter des Tiberius Decius Metellus, Nichte des Senators Publius Tiberius Maximus. Ich erfreue mich der Gewissheit, sie hier in der Regia in einem Umfeld zu wissen, dass ihr die Ehrerbietung zukommen lässt die einer Frau ihrer Herkunft gebührt... so wie ich mich in der Gewissheit in die Arbeit stürzen kann, von euch die Unterstützung und Treue zu erfahren, die dem Stellvertreter des Kaisers gebührt."
    , verklausulierte Vala in Blumen nichts anderes, als dass er sich bedingungslose Loyalität von seinem Verwaltunsstab erwartete.

  • Nach der Hochzeit gestern glaubte Lucia, dass sie nichts mehr schocken konnte. Gerade der Dienstantritt kam ihr wie ein sicherer Hafen vor. Das waren doch alles römische Beamte. Sie waren in der Regia. Das musste doch gut-römisch werden!
    Tatsächlich wurden sie ordentlich angekündigt und Lucia sah viele Togen und keine Hosen. Sie merkte erst, wie verspannt sie gewesen war, als sich ihre Schultern merklich senkten. Diesen vertrauten Anblick genießend, ließ sie die Augen über die Menge schweifen. Natürlich kannte sie keinen einzigen, aber sie schenkte jedem, mit dem sie Blickkontakt aufnahm, ein strahlendes Lächeln. Moment, kannte sie wirklich niemanden?! Leicht verwirrt starrte Lucia Duccius Marsus in seiner Amtstracht an. Beinahe hätte sie ihn nicht erkannt. Er sah so anders aus! Aber eindeutig besser! Ihr verblüffter Blick wandelte sich in ein anerkennendes Lächeln. Ja, so konnte sie den Mann wirklich ernst nehmen. Das war gestern sicher nur eine Ausnahme für die Hochzeit...
    Vala ergriff das Wort und riss Lucia so aus ihrer Betrachtung. Sie wurde vorgestellt und sie senkte tugendhaft den Blick, solange ihre Verwandtschaft aufgezählt wurde. Doch dann musste sie einfach wieder aufsehen, um mitzubekommen, wie die Menge auf sie (und ihretwegen auch auf Vala) reagierte.

  • Der neue Statthalter der obergermanischen Provinz fand zum Amtsantritt sogleich die passenden Worte. Es war stets vorteilhaft, den zukünftigen untergebenen Beamten Honig ums Maul zu schmieren, was Vala auch unverhohlen tat. Sodann konnte er mit seiner patrizischen Ehefrau punkten und schwor die Provinzbeamten schließlich auf eine gedeihliche Zusammenarbeit ein - selbstredend im Wege einer angemessenen Hierarchie.


    Auf die kurze Rede des Statthalters folgte artiger Applaus der Belegschaft. Besonders die anwesenden Männer höheren Standes, die Equites, Mitglieder des Ordo Senatorius und nicht zuletzt der einzige andere Senator im Raum, der Legatus Iuridicus, zeigten sehr deutlich ihre Zuneigung zu diesem bestimmt aber freundlich auftretenden Statthalter. Witjon dagegen registrierte vor allem das anerkennende Lächeln, das Tiberia Lucia ihm zwischenzeitlich zuteil werden ließ. Es war schon bemerkenswert, wie schnell man ausschließlich aufgrund eines anderen Auftretens andere Menschen beeindrucken konnte.


    http://www.kulueke.net/pics/ir/nscdb/e-roemer-maenner/23.jpg "Werter Legatus Augusti Pro Praetore Duccius", ergriff der Legatus Iuridicus Kaeso Veturius Gratus letztlich das Wort, womit er den höflichen Applaus der Anwesenden langsam zum Abklingen brachte. "Wir alle heißen dich und deine Familie herzlich willkommen in Germania Superior. In unser aller Namen danke ich dir für deine Worte voll des Lobes über die hiesige Administratio. Ich bin sicher, dass hier jeder deinem Vertrauensvorschuss entsprechend seine Pflichten erfüllen wird."
    Und dann stellte er die einzelnen Personen vor. "Den Procurator Rationis Privatae kennst du ja bereits, hö hö." Es folgte die Vorstellung der einzelnen Schreiber, allen voran deren direkter Vorgesetzter: "Dies ist im übrigen der Princeps Praetorii Volusus Palfurius Bolanus." Mit der nötigen Ehrerbietung entboten die Genannten dem Statthalter sowie dessen Frau ihren Gruß. Auch der etwas in die Jahre gekommen Flamen Divi Augusti und der Procurator Augusti wurden vorgestellt, wobei letzterer eine recht gleichgültige Miene aufsetzte. Er schien als einziger im Raum kein großer Fan des duccischen Statthalters zu sein.


    Schließlich trat Witjon an die Seite des Legatus Iuridicus und erklärte feierlich: "Geschätzter Vetter, auch wenn wir in der bedauernswerten Abwesenheit deines Vorgängers gewiss pflichteifrig wie stets unseren Aufgaben nachgegangen sind, so blicken wir doch erwartungsvoll darauf, dass du die Leitung unserer Geschäfte übernimmst. Denn lange genug war diese Provinz ohne Aufsicht eines fähigen kaiserlichen Stellvertreters und es gibt wahrlich Aufgaben in diesen Tagen, die deine Aufmerksamkeit verlangen."
    Womit er sich Tiberia Lucia zuwandte und weiter sprach: "Und mit deiner Gattin kehrt der leuchtende Glanz des stadtrömischen Adels in Mogontiacum ein. Auch dir, Tiberia, noch einmal ein herzliches Willkommen in Mogontiacum. Unsere Stadt ist zwar nicht vergleichbar mit der Urbs Aeterna, aber du wirst feststellen, dass es auch in der Provinz eine ganze Menge Annehmlichkeiten gibt, die einem das Leben erleichtern."

  • "Palfurius, ich habe bereits einiges von dir gehört. Man sagt, dass du den Vinicius manchmal stärker stütztest, als es jeder Stock vermocht hätte.", zeigte Vala sich durch Witjon informiert und auf dem neuesten Stand, um den Menschen hier zu zeigen, dass er durchaus wusste mit wem er es zu tun hatte. Bevor er es aber mit der Vorstellungsrunde tat, gab es noch etwas, das ebenso öffentlich geschehen sollte, weshalb er sich wieder dem Senator und momentanen Legatus Iuridicus zuwandte: "Der Kaiser lässt dich noch im besonderen grüßen, aber ich denke, das liest du besser selbst..", sprach's und ließ sich in perfekter Choreographie eine Schriftrolle mit dem makellosen Purpursiegel des Kaisers reichen, um sie gleich darauf dem Rechtsvertreter in die Hand zu drücken.

  • http://www.kulueke.net/pics/ir/nscdb/e-roemer-maenner/29.jpgVolusus Palfurius Bolanus zeigte lediglich ein äußerst schmales Lächeln, als er vom neuen Statthalter derart gelobt wurde. Ihm war es offensichtlich unangenehm, in großer Runde so hervorgehoben zu werden. "Ich bin lediglich meiner Arbeit nachgegagenen, wie es jeder gute Beamte unserer Provinzverwaltung tut", gab er sich betont bescheiden.
    Witjon registrierte erleichtert, dass Vala die vorangegangene Einweihung in die personalen Strukturen der Verwaltung behalten hatte. Er erwartete natürlich nicht, dass der Statthalter jeden einzelnen Scriba mit Namen kannte, aber die wichtigsten Beamten sollte er dann doch auf Anhieb benennen können.

    http://www.kulueke.net/pics/ir/nscdb/e-roemer-maenner/23.jpg
    Der Legatus Iuridicus zeigte sich daraufhin erfreut über das persönliche Schreiben des Imperators, das ihm überreicht wurde. Er freute sich stets über kaiserliche Aufmerksamkeit. Erst recht, wenn die gesamte Belegschaft mit ansah, dass jene ihm zuteil wurde. Sobald er die Schriftrolle allerdings in Händen hielt, wurde Veturius bewusst, dass diese auch Befehle enthalten konnte. Bona Dea, womöglich eine Amtsenthebung auf Bestreben des neuen Statthalters? Oder nur eine Versetzung? Kaeso Veturius Gratus schluckte seine Befürchtungen herunter und erwiderte höflich: "Vielen Dank, Legatus Augusti Duccius." Woraufhin er das kaiserliche Siegel brach und die Zeilen studierte. Schließlich sah er auf und erklärte etwas kryptisch: "Nun, du wirst auf meine Unterstützung als Legatus Iuridicus wohl verzichten müssen. Unser geliebter Princeps bedarf meiner Dienste andernorts..."

  • "Das betrübt mich sehr, habe ich mich doch sehr auf die Zusammenarbeit mit einem derart fähigen Juristen wie dir gefreut." , log Vala ohne mit der Wimper zu zucken und freute sich innerlich sehr, einen Klotz am Bein losgeworden zu sein. Nicht, dass er großartige Antipathie gegen den Veturius hegte. Als der Mann noch in Rom und Vala ein aufstrebender Senator gewesen war, hatte er sich als vergleichsweise zurückhaltend und neutrale Standpunkte vertretend ausgezeichnet. Allerdings zog Vala es vor, gleich unabhängig und vor allem ohne mit einem gesetzten Iuristen auf der Schulter handeln zu können.
    "Ich bin mir allerdings sicher, dass der Kaiser dich an einer Stelle einsetzt, die deinen Fähigkeiten und Qualifikationen entspricht. Rom ist nach wie vor voll des Lobes über deine Kenntnisse." , bauchpinselte Vala ein wenig weiter, um dem Eindruck vorzubeugen er würde sich über die Versetzung des Senators freuen.

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