Im Hintergrund erklingt nun...

  • bedauerlicherweise wenig antike römische Musik. ;)


    Unsere Theoria Romana schweigt sich über Klang und Theorie der antiken römischen Musik etwas aus.
    Logischerweise gibts keine Originaltondokumente, aber vielleicht kennt sich hier jemand mit der Materie aus und kennt Ergebnisse aus der Experimentellen Archäologie.


    Haben die Römer, wie so vieles andere einfach das übernommen, was die Griechen vorgemacht haben, die ja schon über eine extrem elaborierte Musiktheorie verfügten?

  • Hier wurde das Thema schonmal behandelt. Ich habe jetzt erstmal nicht weiter gesucht, aber vielleicht findet sich in der Forensuche noch mehr dazu. Bei den Youtube-Empfehlungen aus dem ersten Links sind ja meist auch weiterführende Links verfügbar.


    Edit: Und auch Wikipedia bietet einen Überblick mit ein paar Literaturangaben und einem Link zu einer Internetseite, die sich "Musikarchäologie" nennt, wo ich gleich auch nochmal reinschauen werde. 8)

  • Jo, da gibt es tatsächlich wenig Anhörungsmaterial, ist mir auch schon aufgefallen. Musica Romana und Synaulia sind wohl die einzigen bekannteren Gruppen, die sich mit (möglichst) authentischer römischer Musik befassen
    (Siehe Curio's Link).
    Deswegen tauchen die auch immer wieder im Hintergrund von Historienschinken, zB. bei Gladiator auf, und auch hier in einem kurzen Abriss vom hessichen Rundfunk: Kurzbeitrag HR


    Was mir beim Anhören immer wieder auffällt, ist die Ähnlichkeit zumindest von Tänzen und "Volksweisen" mit der mittelalterlichen Musik. Da hat sich vermutlich über die Jahrhunderte nicht all zu viel verändert. Und was die Sakralmusik betrifft, die findet sich realtiv unverfälscht in den byzantinischen und gregorianischen Chorälen wieder.


    Ich denke, es ist im großen und ganzen so wie du schreibst: Die Römer haben wohl eher summerische, ägyptische und schließlich griechische Musik interpretiert als eine eigene spezifisch römische Musik zu entwickeln.

  • Also, nachdem ich mir grade längere Zeit was von den angesprochenen Synaulia angehört hab, muss ich sagen, dass es auf mich deutlich fremdartig wirkt. Von der Tonalität, Melodieverläufe und den Akkorden her (die btw. eine Mehrstimmigkeit herstellen)


    Zitat

    Die Römer haben wohl eher summerische, ägyptische und schließlich griechische Musik interpretiert als eine eigene spezifisch römische Musik zu entwickeln.


    griechische und römsiche Musik ist wahrscheinlich tatsächlich kaum zu trennen.


    Was ägyptische bzw. sumerische Musik angeht hab ich folgendes gefunden:


    ägyptisch: https://www.youtube.com/watch?v=ntnBuQAvFjA


    sumerisch: https://www.youtube.com/watch?v=QUcTsFe1PVs


    wahscheinlich auch nicht besonders musikarchäologisch aber für einen Eindruck reicht es auf jeden Fall aus.


    Zitat

    Und was die Sakralmusik betrifft, die findet sich realtiv unverfälscht in den byzantinischen und gregorianischen Chorälen wieder.


    Zumindest das mit der Gregorianik kann man diskutieren, weil die, wenn mich mein Schulwissen und Wikipedia nicht trügt erst Siebenhundert-tobak entstanden ist und dann erst hundert Jahre später systematisiert worden sind (Kirchentonarten nd so). Außerdem: Hätten die frühen Christen sich für ihre heiligen Gesänge wirklich ausgiebig bei den heidnischen Vorgängern bedient? Ich weiß ja nicht...

  • Zitat

    Original von Marcus Octavius Maro
    Außerdem: Hätten die frühen Christen sich für ihre heiligen Gesänge wirklich ausgiebig bei den heidnischen Vorgängern bedient? Ich weiß ja nicht...


    Nein, haben sie nicht. Deshalb war in der frühen Kirchengeschichte auch reine Instrumentalmusik lange, lange verboten. Denn das haben die "Heiden" gemacht.


    Man weiß sehr wenig über römische Musik "dank" der Christianisierung des römischen Reiches. Denn als die Christen dann die vorherrschende Macht wurden und alles "heidnische" dann verboten haben, haben die auch alles daran gesetzt, das alles möglichst effektiv aus der Geschichte zu tilgen. Deshalb wissen wir heutzutage auch fast nichts mehr über die Hochkultur der Etrusker (von denen die Römer auch sehr viel übernommen haben. Auch viel in Sachen Musik), da die für die Christen wohl der Inbegriff des Heidentums waren.

  • Tja, bei solchen Umbrüchen, wie dem Austausch der Religion bleibt halt einiges auf der Strecke.


    Fakt ist, dass die Musik heute ohne die christliche Gregorianik nicht da wäre wo sie heute ist. Und die greift ja durchaus auf antike Vorbilder zurück. Phythagoras fanden die für ihre Tonskalen ganz toll.

  • Ich mische mich jetzt nach etwas Recherche auch mal mit ein :D


    Ich bin jetzt kein ausgewiesener Experte zum Thema Musik allgemein aber ich kenne mich mit Märschen und daher konsequenter Weise auch mit Militärmusik und deren Entwicklung etwas aus. Ich lasse jetzt mal das Standard Thema Musik großteils außen vor den du oder ihr findet ja bereits den allgemeinen Wissensstand hier im Wiki.


    Ich hoffe ich kann das Thema interessiert den ein oder anderen, und macht etwas den Ablauf des Legionärs leben verständlicher. Vorne weg ich lasse etwas eigene Erfahrung und Meinung einfließen und ich bekomme für mein wissen auch nicht mehr alle Quellen zustande.


    Leider muss man ja sagen sind die Spuren etwas sehr dürftig dennoch habe ich mich der Römischen Militärmusik gewidmet, damals war ja Militärmusik nicht einfach nur der Ausdruck von Kunst und Zeremoniellen Zwecken sondern hatte in erster Linie ganz Praktische gründe, und zudem gibt es ja durchaus immer Berührungspunkte zwischen „Zivilmusik“ und „Militärmusik“.


    Die Römer, so steht es geschrieben hatten bereits ein äußerst Ausgeprägtes Wesen für Militärmusik, so ist überliefert das die Musik zur Signalgebung genutzt wurde, es gab Soldatenlieder und es gibt auch Belege aus der Kaiserzeit dafür das bereits Musik zum Marschieren genutzt wurde.


    Das römische Heer verfügte über eine sehr ausgebildete und ausgeprägte Signalmusik als Element der Truppenführung. So waren Musiker zu Fuß und zu Pferd fest in die Gefechtsordnung eingebunden.


    Die Tuba war hierbei das römische Kriegsinstrument schlecht hin, es war eine Bronzene in die Länge gezogene Trompete, die für allerlei Signale genutzt wurde aber auch eine schöne frühzeitige Fanfaren Wirkung hatte den sie klang sehr rau und mächtig. Der Klang galt zur Aufmunterung der Männer und Einschüchterung des Feindes. Aufmarsch, Aufbrechen, Angriff und Rückzug ohne Tuba undenkbar im römischen Heer auch Exerzieren, der Ruf zur Arbeit oder das Verkünden der Nachtwache waren von den klängen der römischen Tuba geprägt. In der Schlacht wurde der Tuba Befehl des Feldherrn von den tubicines der einzelnen Einheiten übernommen und wiederholt und nach der Schlacht in Triumphzügen und Begräbnissen waren die tubicines stets nicht wegdenkbar.


    Auch die Lituus hatte ihren festen Platz, nämlich bei der Kavallerie, eine mittelgroße Trompete, die schrill und hart ihre Signale von sich gab. Und wahrscheinlich die tuba der Infanterie ersetzte, obwohl auch von tubicines in der Kavallerie in Überlieferungen die Rede ist.


    Die Infanterie hatte noch ihre Cornu, ein gebogenes Blasinstrument aus Horn oder Metall aus der sich wahrscheinlich mit der Zeit die Posaune entwickelte und einen rauen und dumpfen Lärm von sich gab. Bürger in Rom wurden von diesem dumpfen Lärm zu Versammlungen oder als Angeklagte zur Gerichtsversammlung gerufen im Heer hingegen galten diesem Instrument der cornicines die Befehle von „In Bewegung setzen“, „Halt machen“, „Standarte aufstellen“, “Nachtwachen schichtende“


    Und wenn mal Cornu und Tuba zusammen das classicum bliesen dann galt dies dem Angriff oder dem Rückzug des Heeres.


    Es ist auch von einer bucina die Rede die wohl sehr ähnlich wie das cornu war und einen schrecklichen Ton hatte, die bucinatores dienten in der Reiterei, den Prätorianern und vereinzelt in den Legionen und Auxiliakohorten. Die bucina signalisierte im Feldlager und wahrscheinlich auch in den römischen Kasernen die Tageszeiten für die Wachablösungen, sodass Dienstpläne bestimmte bucinatermine nutzen konnten indem die Zeiteinteilung einfach durchnummeriert wurde. Es sind sogar von Kriegslisten die Rede das Befehlshaber in heimlich geleerten Lagern die bucinatoren weiter die Nachtstunden ankündigen Liesen, um dem Feind ein volles Lager vorzugaukeln.


    Die Zuteilung verschiedener Instrumente zu verschiedenen Truppengattungen lässt den Schluss zu das einzelne Truppenteile und Waffengattungen eigene Signale kannten. Überliefert ist zum Beispiel aus der Entscheidungsschlacht in Afrika das Scipio den Lanzenträgern separat zum Rückzug blasen lies.


    Im Bewusstsein des römischen Soldaten war die Musik der Bläser so sehr mit Krieg verbunden das Selbst in Friedenszeiten beim Ertönen der Tuba zu den Waffen gegriffen wurde.


    Des Weiteren möchte ich nicht ausschließen, dass die Römer auch trommeln zum Marschieren und im Kampf nutzten, denn die Trommel ist nicht nur eines der ältesten menschlichen Instrumente, sondern hat vor allem eine immense Wirkung auf Marschierende oder auf den Gegner. Allerdings habe ich hier für keine Hinweise gefunden, sondern spreche aus Erfahrung.


    Im Römischen reich gab es ja bereits Berufsmusiker die eine besondere Anerkennung genossen, aber auch im Militär genießen Musiker einen hohen Stellenwert, denn noch viel stärker als die Signalgebung im Heer wussten die Römer bereits um den mächtigen psychologischen Effekt der Musik auf dem Schlachtfeld (auch die Germanen kannten Kriegsgesang) zur Motivation der eigenen Truppen und Einschüchterung des Feindes.


    Bereits in der Schlacht bei Zama war die Musik des römischen Heeres so machtvoll das die Kriegselefanten der Karthager scheu wurden und sich gegen ihre Herren wanden.


    Seit Augustus gehörten Bläser die bei großen Feierlichkeiten mitwirkten, dem Ritterstand an und im Heer zu den Unteroffizieren. Die tubicen standen über den cornicen und ganz unten die bucinatores. Die Befehle wurden wahrscheinlich von aeneatoreas an die Bläser der Untereinheiten weitergeben.


    Die Römer setzten auf Blasmusik, wie Quintilian sagte „Die Notwendigkeit eines nationalen Bekenntnis, da der größeren Lautstärke der römischen Instrumente ihr größter Ruhm unter den Völkern entspreche“


    Außerdem hatten die Römer nachweislich eine Abneigung gegenüber dem Gegner verständlicher Signale, dem nach lässt sich schließen das wahrscheinlich die Signale auf dem Feld regelmäßig einem wechselt zufolge hatten dennoch gab es wahrscheinlich festgelegte Melodie- und Rhythmusfolgen für einzelne Befehle. Die Musik war also im Heer überaus wichtig und verfolgt damit bereits damals die Ziele der modernen Militärmusik „die Möglichkeit der Steigerung des Lebensgefühls, des Mutes, der Lust durch die Musik“.


    Und wer einmal vor einem ausgezeichneten Fanfarenzug stand, mit welcher Macht es dort vonstattengeht. Man seine Augen schließt und sich ein in der Sonne glitzerndes Heer vorstellt, der weis wohl welche Macht die Truppen spürten, wenn die Töne in Mark und Seele übergehen.


    Des Weiteren mochten die Römer sehr wahrscheinlich die Musik zum Marschieren Nutzen, von Virgil und Caesar kann ein Gleichschritt der römischen Legionen entnommen werden, was die Voraussetzung für Marschmusik darstellt.


    Die vor Arminius fliehenden Römer retteten sich vor der Vernichtung durch Trompeter, die ein trochäisches Stück bliesen und so die Verfolger glauben Liesen, dass eine neue Abteilung des römischen Heeres anrückte. Auch von gleichsam in Musik begleitetem Rückmarsch durch Lagertrompeter statt wilder Flucht ist in einigen Überlieferungen die Rede. Somit mussten die Römer mehrere Werke der Marschmusik gekannt haben, obwohl nichts wirklich überliefert ist.


    Quellen:


    Musica Romana: Die Bedeutung der Musik im Leben der Römer von Günther Wille
    Kaiserzeitliche Staatsreliefs und römische Militärmusiker: Die Säulen des Traian und des Marcus Aurelius in Rom von Jana Sperling


    Militärmusik
    Musik der Antike


    Musikzug.at
    Wissen.de
    ]Suite101.de


    Forum Traiani Instrumente
    Forum Traiani Intrusmente
    Forum Taiani Instrumente
    Forum Traiani Musik im antiken Rom

    Der alte Schäfer auf Einsamen Feld kennt seine Schafe und auch die Welt, er lächelt leise, weil er es versteht, das Glück der Erde es kommt und geht.

    Einmal editiert, zuletzt von Myrddin Ariamir ()

  • Zitat

    Original von Myrddin Ariamir
    Ich mische mich jetzt nach etwas Recherche auch mal mit ein :D


    Wenn du schon so engagiert bist und sogar Quellen angibst, dann frag doch Macer einfach mal nach einem Wiki-Account und hack deine Recherchen dort ein. Profitieren wir nur von. ;)

  • Das habe ich bereits Decimus Duccius Verus :D


    am 30.07.2015 um genau zu sein, aber bisher ohne Antwort :D

    Der alte Schäfer auf Einsamen Feld kennt seine Schafe und auch die Welt, er lächelt leise, weil er es versteht, das Glück der Erde es kommt und geht.

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