Zweimal Verirrung, bitte!

  • "P-o-r-t-u-s M-a-r-e-o-t-i-s", buchstabierte Valeria den in verwitterten Lettern prangenden Schriftzug auf einem Schild. Die angenehme Brise ließ es sachte hin und her schwingen. Sie sah auf das zerknitterte Pergament herunter und verzog das Gesicht. Portus Mareotis stand dort nicht. Hilflos sah sie sich um. Dabei war sie doch nur geradeaus gegangen! Gut, wenn man davon absah, dass sie den schönsten Häusern hinterher gelaufen war...


    Seufzend ließ sie die handgezeichnete Karte sinken und lehnte sich an die hüfthohe Mauer aus Sandstein, die das Wasser vom Kai trennte. Gedankenverloren strich sie sich das ährenblonde Haar zurück und befestigte es erneut mit einer Haarklemme. Ihr Blick fiel auf einen Mann, der so aussah, als würde er sich hier auskennen. Entgegen der landläufigen Meinung, dass es Männer waren, die ungern nach dem Weg fragten, traf dieser Umstand auch auf Valeria zu. Dennoch stieß sie sich nach einem Moment des Nachdenkens entschlossen von der Mauer ab und ging auf den Mann zu. Der leichte Wind zupfte an ihren Haaren und der tiefroten Tunika.


    "Salve!" sprach sie ihn an. "Hast du einen Moment Zeit, um einer Römerin in Not zu helfen?" fragte sie und lächelte dabei so charmant wie nur möglich.



    Sim-Off:

    vorgemerkt :]

  • Einmal mehr bahnte sich der Römer einen Weg durch die großen und kleinen, breiten und schmalen Straßen der Riesenmetropole Ägyptens. Dem Dreh- und Angelpunkt der gesamten Welt südlich des Mittelmeers sah man diese Stellung durchaus an. Aber was einerseits eine große Vielfalt von Völkern, Kulturen, Sitten und nicht zuletzt ein breites Warenangebot brachte, sorgte andererseits für große Menschenmassen, einen Moloch des unliebsamen Geruches und ein Nest des Verbrechens. Ein Straßennetz, welches nicht gerade dafür gebaut war, sich Alexandria als Heimatort zu küren sorgte ebenfalls für gemischte Gefühle. Eigentlich mochte Curio diese Stadt, aber. So fremd sie ihm nach der Zeit noch immer war, hatte sich trotz allem eine erstaunliche Ähnlichkeit mit Rom.


    Der Sergier war sich nicht sicher, wohin ihn sein Weg führte. Das nächste Abenteuer nach einer anstrengenden Arbeitszeit, Abwechslung vom Alltag, einen Ort des Weines, oder vielleicht einfach nur die nächste Kreuzung? Er zupfte seine hellblaue Toga leicht zurecht – er hasste dieses Teil an solch heißen Tagen, nein er hasste dieses unpraktische Stück auch an kalten Tagen – und strich sich über den nicht vorhandenen Bart. Eine kleine, gemütliche Taverne, das war nun der Ort seines Wunsches. Abgelegen, wo ihn keiner erkannte und niemand mit einem klimpernden Lederbeutel in der Hand einen kleinen Gefallen erwünschte. Er unterdrückte ein aufkommendes Gähnen und wollte sich wieder in Bewegung setzen, als eine zarte und offenbar weibliche Stimme ihn daran hinderte.


    Interessiert wandte Caius sich an die Römerin. Ihr Lächeln konnte wahrscheinlich tausende Männer verzaubern und so war es nicht weit her, dass er sich diesem Zauber hingab. “Wie könnte ich die Bitte einer solchen Frau nur abschlagen?“, erwiderte Sergius und versuchte, ein ebenso charmantes Lächeln aufzusetzen. Er war leider etwas außer Übung...

  • Flink huschten ihre Augen vom Kinn über die Wangen zu den Augen hin. Die Augen. Das Blau. Wunderschön. Und außer Übung oder nicht - sein Lächeln verfehlte die Wirkung nicht. Valeria stieg eine zarte Röte auf die Wangen. Zum Glück wirkte die sachte Brise etwas kühlend.


    "Ach, da bin ich aber froh. Weißt du, ich bin erst seit gestern hier in Alexandria, ich komme eigentlich aus Rom. Ich war auch noch nie hier voerher. Und jetzt, naja, ich weiß nicht wie..." Die Röte vertiefte sich nochmals. Es war Valeria so peinlich!
    "Alles ist mir fremd... Ich habe mich verlaufen. Könntest du mir sagen, wie ich zum Museion zurückkomme?" Hoffnungsvoll sah Valeria den Römer an. Er sah ganz so aus, als wäre er wichtig oder zumindest von der Stellung her ein höherer Beamter. Das helle Blau stand ihm prima zu Gesicht und Valeria entschloss sich kurzerhand dazu, ihm noch eine Frage zu stellen.


    "Falls du mir einen Weg nennen kannst, auf dem eine Taverne liegt, könntest du mir auch dort erklären, wie ich zurück finde - ich lade dich ein. Leider ist auf meiner Karte dieser Portus Mareotis nicht einmal eingezeichnet", sagte sie. Valeria hielt ihm die Pergamentzeichnung hin, die Antigonos gehörte, und zuckte mit den Schultern.
    "Ich bin übrigens Valeria. Freut mich, dich kennenzulernen, mein Retter", fügte sie an und strahlte ebendiesen herzerfrischend an.

  • Mit dieser Frage hatte sie ihn nun direkt auf dem falschen Fuß erwischt. Ein Jammer, dass sich der Vergleich einer zweiseitigen Medaille doch auch immer wieder auf das Leben anwenden ließ. Eine faszinierende und anmutige Seite ging Hand in Hand mit einem... Orientierungsproblem. Dass Curio leider nicht die Möglichkeit hatte, ihr da weiterzuhelfen, konnte sie nicht wissen. Alexandria war ihm immer noch Tag für Tag ein Rätsel und er bezweifelte, dass er es jemals ansatzweise vollständig ergründen würde. Sorgfältig bedachte er schon die Worte, mit denen er um Verzeihung bitten würde, mit denen er seine Unwissenheit bekunden musste, als ihn ein ganz anderes Gefühl einen Strich durch die Rechnung machte: der Stolz!


    Wie würde er sich vorkommen, wenn er zurückdenken und sich an diesen Moment erinnern würde. Den Moment, an dem er die Chance einer durchaus netten Bekanntschaft dadurch zunichte machte, dass er offen zugab, ihr nicht helfen zu können. Fortuna hatte ihn bisher immer auf einen guten Weg geführt und er hoffte, dass dies zumindest heute ebenfalls so sein würde. Vielleicht war er auch nur so hingerissen, dass er gar nicht anders konnte...


    “Der 'Retter' heißt Sergius Curio und keine Sorge, Alexandria ist wohl für jeden Neuankömmling eine schier unüberschaubare Metropole“ Natürlich bemerkte Curio die leicht gerröteten Wangen, welche nicht gerade dafür sorgten, dass sein Lächeln schwächelte. Im Gegenteil, es zeigte Wirkung, da konnte er doch nicht aufhören.


    “Zum Museion möchtest Du...“, wiederholte er noch einmal. Wenn er ehrlich war hatte er keine Ahnung, wie man von hier aus dort hinkam, er war ja schon froh, wenn er eine Taverne fand. Moment... da gab es doch so eine... gar nicht weit von hier – oder?
    “Also, Valeria, ich denke... ich kenne da eine gemütliche kleine Taverne auf dem Weg. Ich wurde zwar bisher noch von keiner Frau eingeladen, aber einmal ist immer das erste mal, oder wie heißt es?“ Ein freches Grinsen huschte kurz über seine Lippen. Er erwartete fast schon, dass sie sich an einen anderen wenden würde. Das Lächeln hatte ja angeschlagen, aber so ungeschickt hatter schon lange nicht mehr gesprochen, oder war seine Selbstkritik bedeutungslos? Letztendlich würde er es sehen, in wenigern Augenblicken.

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