• Der Meson Pedion ist eine der vier großen Hauptstraßen Alexandrias, die die Stadt im Schachbrettmuster durchziehen.


    Die vier Magistralen sind jeweils 31 ½ Ellen (ca. 14 m) breit, gepflastert und haben zwei Fahrspuren. Auf den Straßen und unter den Arkaden und Stoen, die sich die ganze Straße entlang ziehen herrscht stets ein reges Treiben an Menschen, Wägen und Tieren. Ein breiter Streifen zieht sich durch die Mitte der Straßen, der mit Grünflächen, Brunnen, Heiligtümern und Obeslisken verziert ist und die Pracht der Stadt symbolisiert.

  • Auf dem Meson Pedion, auf der Höhe Alexanderplatz in Richtung Rhakotis drängt sich Timokrates durch das alltägliche Getummel von Menschen, Karren und Nutztieren der Hauptschlagader der Stadt und freut sich, dass noch nicht geerntet wurde, was vor allem zusätzliche freie Nachmittage wie diesem für ihn bedeutet. Er hält bei einem Wasserverkäufer, einen kleinen Ägypter an und gönnt sich einen Schluck.


    Während er seinen Becher austrinkt, sticht ihn ein besonderes Bild aus der Menschenmenge heraus sofort in die Augen: Rotes, lockiges Haar! Dieses Haar gibt es nur einmal auf der Welt, kein Zweifel! Aber warum hier? Timokrates beschließt, dass er keine Zeit zu verlieren hat.


    "Hier, für dich!" sagt er zu dem Wasserjungen und wirft ihn ein paar Münzen hin, die promt auf den Boden fallen. Der arme Knabe, schon genug gestraft durch die schwere Last auf seinen Schultern muss sich bücken und aufpassen, dass die vorbeiziehenden Menschen nicht seine Finger zertreten. Timokrates interessiert das ziemlich wenig, er ist schon weg, schubst sich durch die zähflüssige Fußgängerschaft um die Frau mit den roten Haaren zu erreichen...

  • Ein lauer Wind vom Meer spielte mit den Blättern eines Maulbeerbaumes, der mitten auf der großen Prachtallee gepflanzt worden war und das schon vor vielen Generationen. Seine Zweige ragten hoch hinauf und seine Blätter schillerten im Lichte der glutheißen Sonne, die erneut mit voller Kraft auf die Stadt herunter schien, die sie zu beschützen schien. Wenn man nach dem Gerede der Priester gehen würde. Eine Sänfte aus dunkelbraunen Zedernholz und mit vielen verschnörkelten Verzierungen schob sich durch die Menschen, die über die Allee flanierten, eilten oder sie lediglich nutzten, um die nächste Gasse zu erreichen. Die von der Sonne dunkel gebrannten Männer an den Stangen der Sänfte verharrten wie auf ein Befehl und setzten neben der Sykomore die Sänfte sanft zu Boden. Ein Marmorbrunnen plätscherte sanft zu den Füßen des Baumes. Die Vorhänge der Sänfte teilten sich und eine junge Frau mit goldblonden Haaren stieg heraus. Ihre lange blaues, aber einfaches Gewand umspielte ihren schlanken Körper, eine blonde Strähne verfing sich in ihrem Gesicht, doch sie strich sie achtlos zur Seite und reichte einer weiteren Person in der Sänfte ihre Hand.


    Etwas blass im Gesicht und mit Hilfe ihrer Sklavin entstieg Medeia dem Gefährt, was sie seit einigen Tagen als ihren Besitz, oder mehr das ihres Mannes, wähnte. Zorn blitzte in ihren Augen auf. Der Grund? Unbekannt, doch das Brodeln unter der Oberfläche der rothaarigen Frau schien die Pause bei dem Baum verursacht zu haben. Medeia wandte sich um und ließ ihren Blick über den nahen Alexanderplatz streifen. Ihre Finger streckten sich aus und berührten die rauhe Borke des Baumes. Ihr Kinn hob sich leicht und sie betrachtete das bunte Treiben. „Ich sollte ihn in die Arena geben, wo er eigentlich hingehört.“ Die blauen Augen von Olympia sahen an ihrer Herrin vorbei. „Er hat es nicht Böse gemeint. Es war ein Versehen. Bitte, Domina!“ Medeia presste kurz ihre Lippen aufeinander. „So? Wie kann man im Kauf von einem Haus ein Versehen sehen? Und dann auch noch so ein Haus! Bei den Göttern, genau das wollte ich nicht mehr.“ Olympia senkte ihre Augenlider und schwieg. Aber sie hätte auch nicht mehr zu einer Antwort ansetzen können, denn gerade wollte sich Medeia umdrehen um wieder in die Sänfte zu steigen. Einen Moment lang erblickte Medeia zwischen all den Menschen ein vertrautes Gesicht, doch es war nur ein kurzes Aufblitzen. Medeia umfasste das Holz einer Tragestange und hielt sich daran fest. „Oh, bitte keine Geister wieder. Nicht heute.“, flüsterte sie leise. Doch das Gesicht, was sie eben noch ausgemacht hatte, war ihr wieder aus dem Blick entschwunden.

  • Das Gesicht, das sie ausgemacht hat, ist aber gar nicht verschwunden, sondern wühlt sich mit der Zielsicherheit eines Pheidippides oder die Verkehrslage besser beschreibend: Der Zielsicherheit eines Odysseus durch die Menschenmasse, bis diese den Suchenden endlich ausspuckt und er direkt vor Medeia steht.


    Die meißten Menschen würden in einer solchen Situation wahrscheinlich erst einmal ihrer Perplexität Ausdruck verleihen, Timokrates findet das aber zu unelegant und würdelos. Er entscheidet sich, lieber sein breites Verführergrinsen zu grinsen und Medeia so zu begrüßen, als hätte man sich erst vor Kurzem gesehen und als wäre nichts vorgefallen. Theatralisch breitet er die Arme aus und meint:


    "Medeia, mein hübsches Mädchen! Du bist es tatsächlich! Was für eine Freude, lass dich umarmen!"

  • Einige Kinder liefen mit einem ledernen Ball spielend über den grünen Streifen und warfen sich immer wieder das lederne Rund, mehr Oval, zu. Einen nachdenklichen, nicht sonderlich zugeneigten Blick ließ Medeia auf den Kindern ruhen. Als sie ihr fröhliches Gekreische vernahm, schauderte Medeia einen Moment und wandte sich von dem Anblick ab.


    Weder war Medeia in der Kunst bewandert zu weben, noch würde sie je in die Aussicht kommen, die Unsterblichkeit zu erlangen, weswegen ihr kaum der Name Penelope gegeben werden könnte, selbst wenn ein Odysseus sich ihr näherte. Gerade wollte Medeia sich wieder in die Sänfte begeben, um den Weg fortzusetzen als ein Geist ihrer Vergangenheit, hunderte, nein tausende von römischen Meilen entfernt von dem alten Leben, vor ihr auftauchte. Und selbst wenn Medeia sich stets damit abplagte eine makellose Fassade all jenen zu offerieren, die sie sahen, so gelang es in solchen Momenten selbst oder gerade ihr nicht.


    Ihre Lippen öffneten sich einen Deut und sie holte kurz und tief Luft. Schnellen Blickes versicherte sich Medeia, ob Olympia auch den Neuankömmling sah. Dem war so, denn Olympia, die blonde Sklavin, musterte Timokrates mit unverhohlener Neugier. Also kein Geist, dachte sich Medeia und nach dem Moment der Verblüffung schickte sich Medeia an, ein erfreutes Lächeln auf ihre Lippen zu zaubern. Er gelang ihr zwar ganz gut, war aber nicht ganz perfekt. Denn wie immer, alle Menschen, die von ihrer Vergangenheit in Athen wussten, waren nicht gerade willkommene Gäste auf oder vor der Bühne ihres neuen Lebensstückes namens: „Die anständige und ehrenhafte Medeia“ oder „Arsen und Spitzenhäubchen*!“


    Schnell ging Medeia in Gedanken die möglichen Namen durch, immerhin war es schon eine Weile her und die Anzahl der besonderen Gäste in ihrer Taberna in Athen nicht gering, wenn auch ausgewählt gewesen. „Chaire, Timokrates. Was für eine Überraschung, Dich in Alexandria zu treffen. Und was für eine Freude!“, heuchelte Medeia nun wieder gekonnt und in alter Manier. Auf die Aufforderung der Umarmung ging sie weder mit Geste noch mit Worten ein. Das mit dem Mädchen nahm Medeia nicht übel, im Gegenteil. Denn letztlich hatte sie schon das dreißigste Lebensjahr erreicht, was sie tief verunsichert hatte und nicht im Mindesten erfreut. Medeia musterte Timokrates dezent von oben bis unten. „Mir scheint, Du bist zu neuem Wohlhaben gekommen. Ist Deine Pechsträhne zu Ende?“





    * Denn so manch eine Leiche im Keller wird sich sicherlich auch in Medeias Leben finden lassen.

  • Obwohl zutiefst enttäuscht über diese formelle Begrüßung (aber was hätte er auch anderes erwarten sollen?), behält Timokrates sein freudenstrahlendes Lachen im Gesicht bei, wenn es auch jetzt noch unglaubwürdiger ausschaut, als zuvor. Dann bricht die Fassade ganz zusammen. "Öhm, von welcher Pechsträhne redest du?" Kurz rattert es im Gehirn, dann erwähnt er: "Ach, die Pechsträne meinst du. Naja, das Leben ist ein ständiges Auf und Ab, weißt du..." Er schweigt für einen Moment, irgendwie betreten, um sich danach umso stolzer aufzurichten und mit der Simme und Mimik eines Kindes, das gerade ein lang ersehntes Spielzeug erhalten hat, zu verkünden: "Ich bin jetzt Archiprytanes in dieser Stadt, weißt du?"

  • Ein zweites Mal glitt ein dezenter Blick (wie sähe es denn aus, wenn jemand Medeia beim Begaffen erwischen würde, selbst wenn sie es im Grunde tat? ;) ) über die Gestalt von Timokrates. Und was sie dort sah, missfiel ihr gewiss nicht. Im Gegenteil, es gefiel ihr sogar außerordentlich gut. Die letzten Reste eines jungen Mannes hatte Timokrates abgestreift und sah dabei nicht nur ausgesprochen gut aus, er hatte das gewisse Etwas, was Medeia schon vor vielen Jahren aufgefallen war. Innerhalb einen Bruchteils eines Momentes gingen Medeia die verschiedensten Gedanken und Empfindungen durch Leib und Geist.


    Vorallem kam einen winzigsten Moment lang der Hauch von Bedauern auf, dass sie verheiratet war. Sicherlich, früher hätte sie sich nicht an diesem 'Detail' gestört, hatte es auch nicht bei ihrem ersten Mann, der schließlich auch damit zufrieden war, auf Medeias Tasche zu liegen. Aber sie hatte noch gut Plautius Worte im Ohr, die in verschiedenen Varianten folgende Aussagen beinhalteten. 'Dem breche ich jeden Knochen im Leib, schleife ihn an einem Seil hinter meinem Pferd durch die Stadt, bestreiche ihn mit flüssigem Pech und hänge ihn mit mit den Kopf nach unten an einen Galgen, nachdem er kastriert wurde.' Das waren noch die harmlosesten Versprechen, die einen möglichen Seitensprung von Medeia blühen konnte.


    Und solch eine mögliche Gräueltat wollte sie nicht unbedingt Timokrates zumuten. Dennoch bedauerte sie es trotzdem, denn immerhin war sie mittlerweile in dem dankbaren Alter, ab dem sie dererlei wie einen kostbaren und deliziösen Wein genießen konnte. Und es war womöglich auch die Jahre und die Unbedarftheit, die Plautius ihr immer mehr entlockt hatte, die in diesem Bruchteil der Sekunden das kurze Bedauern über die ihr verstellte Möglichkeit zu ihrer Oberfläche trug. „Archiprytanes?“ Medeia lächelte, konnte das Unglauben darüber schnell überspielen. Denn sie wusste, dass Oberflächen einen flüchtigen Beobachter trügen konnte und es bei Timokrates ganz sicher so war. Seine Leichtigkeit vermochte über den Ehrgeiz hinweg zu täuschen. „Dann stehe ich also einem der wichtigsten Männer dieser Stadt gegenüber?“


    Es war womöglich die alten Erinnerungen, die bei Medeia zwar mit einem unangenehmen Lebensabschnitt verbunden war, weil er sie sehr kompromittieren konnte, aber dann hatte sie durchaus auch gefällige Andenken an die Jahre, was womöglich der Grund war, warum sie folgendes sprach. „Wenn dem so ist, dann kann ich gar nicht hoffen, ob ich Dir den heutigen Nachmittag stehlen darf?“



    [SIZE=7]Edit: Je später die Nacht, desto mehr Fehler zeigen sich...[/SIZE]

  • Im Gegensatz zu Medeia, die natürlich nicht weiß bzw. sich vielleicht eigentlich schon denken könnte, dass Timokrates im Laufe seines Lebens schon oft mit Ehemännern zu tun gehabt hatte, die ihm jeden Knochen im Leib brechen, ihn an einem Seil hinter ihrem Pferd durch die Stadt schleifen, mit flüssigem Pech bestreichen und ihn, nachdem sie ihn kastriert hätten, mit mit den Kopf nach unten an einen Galgen hängen wollten, und noch jedesmal mehr als gimpflich davon gekommen war, macht sich Timokrates nicht erst jetzt Gedanken über Medeias Reize. Im Grunde genommen war die Aussicht auf die Auffrischung seines früheren kleinen Abenteuers mit der schönen Athenerin von Anfang an der Hauptgrund, warum er sie überhaupt ansprach. 8) Medeia gehörte zu den wenigen Frauen, die er nie vergessen konnte und wollte. Denn neben ihrer außerordentlichen Attraktivität - schöne Frauen gab es viele auf der Welt - besaß sie auch noch einen ausgeprägten Charakter, ein Wesenszug, den Timokrates selbst zwar auch besaß, aber immer gerne bereit war, gegen die Aussicht auf ein lukratives Geschäft oder eine kleinere Gaunerei einzutauschen. Oft genug hatte er damals, in Athen, davon geträumt, die Frau zu ehelichen und mit ihr zusammen eine berühmte und erfolgreiche Räuber- oder Piratenbande zu gründen, ließ diese Pläne dann aber fallen Angesichts der Tatsache, dass die meisten Ehen von männlicher Seite her mit derartigen Wünschen begannen, später aber in der lebenslänglichen beschaulichen Idylle eines Landhäuschens mit zwei Kindern, einen Wagen und nen Hund endeten und zog es vor, abzuhauen.


    Deshalb steht er jetzt auch hier, das charmanteste Lächeln aufgesetzt, dass sich in seinem weiten Reportoire an Gesten und Mimiken befindet, und antwortet kokettierenderweise: "Oh, einer der wichtigsten Männer ist aber übertrieben. Man tut eben, was man kann...


    Und wie sollte ich die Bitte der schönsten Frau des Mittelmeerraumes abschlagen können, mir den heutigen Nachmittag zu stehlen?" Mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht blickt er ihr tief in die Augen. Dann meint er, fast unpassend knapp und eilig: "Wo soll's hingehen?"

  • Das dichte Gedrängel auf der Strasse machte Medeia zunehmend nervöser. Sie hatte einen solchen Menschenauflauf noch nie sonderlich angenehm empfunden und liebte lieber große, leere Häuser, einsame Gärten oder die Ruhe eines Waldes (wenn letzterer frei von Insekten, Tieren und Pflanzen wäre). Ihre dunklen Wimpern (die ägyptische Schminkkunst war wirklich so sensationell wie man immer hörte) senkten sich ein wenig und sie betrachtete ihr gegenüber mit einem verschmitzten Glitzern in den Augen. Die falsche Bescheidenheit von Timokrates amüsierte Medeia durchaus. So wölbten sich auch ihre Lippen ein wenig nach oben. „Den Meister der Übertreibung sehe ich mehr vor mir, Timokrates.“ Schmeicheleien ließen Medeia natürlich nicht kalt (immerhin war sie eine Frau), aber bei einem Hellenen berührte sie es nicht sonderlich. Gerade bei einem solchen Mann nicht, hatte sie das in Athen doch teilweise in ähnlicher Ausführung dutzende Male an einem Tag vernommen und die wenigsten Männer meinten es ernst. Von den Lippen Gabriels, dem ehrlichsten Menschen, dem Medeia jemals begegnet war, hätten die gleichen Worte wohl eine andere Bedeutung. Aber es ging schließlich nicht um Ehrlichkeit, sondern darum ein gewisses Geplänkel und die Form zu wahren. An etwas anderes glaubte Medeia nicht. So zückte sie ihr geziertes Lächeln, was sie jedes Mal bei derartigen Komplimenten offerierte. „Du schmeichelst mir zu sehr, Timokrates. Aber Du warst schon von je her ein ganz hervorragender Charmeur.“ Ihre Lippen kräuselten sich leicht und sie begegnete den Blick recht ungerührt und ohne Anzeichen eines Techtelmechtel-Beginns. „Das ist Deine Stadt, Timokrates. Was meinst Du, was darf ich auf keinen Fall in dieser Perle Ägyptens verpassen?“

  • Fieberhaft geht der (übrigens in seiner Eitelkeit durchaus ebenso geschmeichelte) Neualexandriner die besten und romantischsten Möglichkeiten durch, einen Nachmittag in Alexandria mit einer Frau zu verbringen. Antirhodos? Nein, nur was für ältere Ehepaare, die meinen, ihre Beziehung wieder in Gang bringen zu müssen. Pharos? Nur was für Touristen - oder? Die Ruinen sind ganz nett, aber erst Abends. Ebenso verhält es sich mit so gewissen Etablissements, außerdem: Das lassen wir lieber gleich, denn die sind sicher nichts für eine Dame... Aufs Land? Kanopus? Nein, zu weit weg. Bleibt eigentlich nur noch...


    "Bist du zum ersten Mal in der Stadt, meine Liebe?"

  • Voll der Neugier in den Augen betrachtete die junge Sklavin hinter Medeia ( ihre Herrin konnte es so ja nicht sehen), denn Hellenen und Politiker der Stadt Alexandria. Olympia gefiel es in Alexandria ausgesprochen gut, denn dadurch, dass es ihrer Herrin in letzter Zeit nicht sonderlich gut ging, durfte sie immer öfter alleine in die buntschillernde und so farbenprächtige Stadt. Medeia ließ Timokrates auch nicht aus den Augen und nickte kurz. „In der Tat, ich bin das erste Mal in dieser Stadt. Ich habe aber eine formidable Reiseerzählung von Plutarch erwerben können. Somit bin ich zumindest nicht ganz unwissend, was die Stadt des Alexanders angeht.“ Was sie dennoch nicht davor beschützt hatte, sich zu verlaufen. Und ausgerechnet in das Elendsviertel. Doch aus diesem Fehler war durchaus etwas Gutes entstanden, wenn sie Medeia daran zurück entsann.

  • Erfreut und mit den vor Begeisterung glühenden Augen eines Liebhabers der eigenen Stadt (und vor allem eines Liebhabers rothaariger, hübscher Frauen) antwortet Timokrates: "Dann weiß ich, wo wir hingehen, komm mit-" und streckt die Hand nach ihr aus, in der Hoffnung, dass sie sie annimmt...

  • Ein flaues Gefühl machte sich in ihr breit und die Hitze des Tages machte Medeia wieder zu schaffen. Am Liebsten hätte sie wieder die Sänfte bestiegen, um sich in dem Schatten der Dachbedeckung und dem Komfort der zahlreichen Kissen von dem kurzen Ausflug an die Tageshitze zu erholen. Doch die Pläne des Tages meinten es nicht ganz so gnädig mit Medeia. Ambivalenter Gefühle sah Medeia auf die dargebotene Hand. Zum einen reizte es Medeia ungemein, zu erfahren was Timokrates vor hatte. Neugier war nun mal ein kleines Laster von ihr, wenn sie sich schon seit Jahren stetig bemühte alle anderen Laster, die sie jemals hatte, los zu werden. Und dazu gehörte nun mal, höchst anständig zu leben. Und was war einer römischen Frau (so wie es Medeia stets annahm, denn im Grunde war sie doch mehr Griechin) ein Greuel? In aller Öffentlichkeit einen Mann vertraut zu berühren. Schon auf ihrer eigenen Hochzeit hatte Medeia ihrem frisch angetrauten Mann jegliche Innigkeiten über das rituelle Binden ihrer Hände hinaus auszudehnen verboten. Doch immerhin waren sie hier in Alexandria und nicht in Italia. Nach einem kurzen Zögern hob Medeia die Hand, unterdrückte ein resigniertes Seufzen. Denn scheinbar vermochten die Schatten ihrer Vergangenheit (so gut sie auch aussahen und charmant sich diese 'Schatten' ihr offenbarten) stets etwas von ihrer neuen Fassade abbröckeln zu lassen. Und ähnlich wie bei einer Mauer dauerte es stets lange, diese wieder zu restaurieren. Doch Medeia lächelte dann und sah Timokrates fragend an. „Dann führe mich und ich werde Dir für heute folgen.“ Den überraschten Ausdruck von Olympia nahm Medeia nicht wahr.

  • Timokrates Gesichtsmuskeln kennen sehr viele Stufen von Grinsen und in den letzten Minuten wurden fast alle abwechselnd durchgespielt. Aber das jetztige Grinsen, als er Medeias Hand packt und sich daran macht, sie in Richtung Westen mitzuschleifen, stellt den absoluten Höhepunkt dar. Schnell, aber doch vorsichtig, zieht er sie mit in Richtung Paneion, was vielleicht nicht die beste Wahl für ein nettes Zusammensein zu Zweit ist, aber immerhin ein Anfang. Timokrates ist eigentlich immer noch fremd in der Stadt. Wo die richtig geheimen und romantischen Orte sind, davon hat er keine Ahnung. Aber das muss Medeia ja nicht wissen...

  • Nachdem sie das Stadttor passiert hatten, kamen Thimótheos und seine Brüder Ánthimos und Ilías auf den Meson Pedion, eine der zwei Hauptschlagadern der Stadt. Zuerst konnte er vor lauter Menschen nicht viel erkennen, da das Gewühle so dicht war. Er entdeckte eine Stoa, die auf einem Sockel stand. Er bedeutete seinen Brüdern, ihm dorthin zu folgen und stieg die wenigen Stufen zum Fuß der Säule hinauf. Was er dann sah, verschlug ihm zunächst die Sprache.


    Dieser riesige Boulevard zog sich bis zum Ende der Stadt. Die Straße war geschätzte 30 Ellen breit (womit Timos ziemlich nah dran war) und hatte zwei Fahrspuren, die von einem breiten Grünstreifen getrennt waren. Auf diesem Streifen standen etliche Kunstwerke, Schreine, Brunnen und andere Objekte, die von der Pracht dieser Stadt zeugten.
    Alexandria...


    Er sah zu seinen Brüdern hinab, die noch am Fuß der Stufen standen und gerade zusahen, wie ein aufgebrachter Kaufmann mit einem Kunden darüber stritt, ob sein Fisch frisch war oder nicht.
    "He Leute! Schaut euch das an! Diese Metropole ist noch größer als Memphis und Theben zusammen. So etwas habe ich noch nie gesehen!"
    Er deutete die Straße entlang und genoß dann die Frische Brise, die vom Hafen her wehte. Er sog die Luft tief ein, herrlich....bis ihm ein ziemlich widerlicher Gestank in die Nase stieg. Er rümpfte die Nase. "Blärch! Aber stinken tut es hier genauso wie in Memphis..."



    *Ich kam, ich sah,...ich staunte (frei nach Caesar)


    Edit: Die liebe Rechtschreibung..

  • Ànthimos war erstaunt. Sowas hatte er sicherlich nicht erwartet. Die Pracht und die Größe Alexandrias lähmte ihn förmlich. Aber eines wusste er sofort: Hier würde ihre Zukunft liegen. Bei dem Gedanken legte er seine Arme auf die Schultern seiner Brüder. Sicher gab es hier für drei junge Männer unendlich viele Möglichkeiten sich einen Namen und Geld zu machen. Nur wollte ihm momentan noch keine einfallen.


    "Was machen wir jetzt? Sollen wir uns eine Taberna suchen, in der wir übernachten können?"

  • Ilías staunte nicht schlecht, als er die Straße mit den vielen Menschen sah. So etwas hatte er wirklich noch nie gesehen. Er konnte nicht begreifen, wie so viele Menschen in einer Stadt leben konnten. Er folgte dem Gespräch seiner Brüder.


    "Ja. Ich bin müde von der Reise und Hunger hab ich auch. Lasst und jemanden fragen, wo die nächste Taberna ist."


    Er sah seine Brüder an, die ihn so anschauten, als wären sie damit einverstanden.

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