Kandidatur zum Cursus Honorum [08/16] Caius Flavius Scato

  • Für diejenigen Senatoren, die bei den kommenden Wahlen kandidierten, war der entsprechende Auftritt vor dem Senat zweifellos schon Routine, ebenso wie es für den Consul nach einer langen Amtszeit Routine war, Redner anzukündigen. "Als nächstes spricht nun zu uns Caius Flavius Scato, der als Aedil kandidiert."

  • Die Kandidatur seines Neffen war die zweite Kandidatur eines Flavius in diesem Wahlkampf und selbstredend erwartete Gracchus auch von dieser nicht weniger als einen Erfolg. Allfällig weil er sie bereits erwartete schien ihm die Zeit bis dass Scato begann obgleich nur wenige Minuten mochten vergehen beinahe schon als wäre es die Hälfte der Dauer, welche dem Kandidaten für seine Rede, sowie dem Senat für Rückfragen oder Zuspruchbekundungen überhaupt gegeben war. „Er ist wohl nervös, dein Neffe“, erheiterte sich der Consular neben dem Flavier leise, was ihm einen bösen Blick einbrachte, ehedem Gracchus diesen ein wenig besorgt nach vorn wandte, um zu sehen was die Verzögerung tatsächlich verursachte.

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    IUS LIBERORUM

    PONTIFEX PRO MAGISTRO - COLLEGIUM PONTIFICUM

  • Scato war durchaus nicht so ruhig wie er es nach außen hin vermitteln wollte. Mehr noch, er war noch dabei sich zu sammeln, als die Aufforderung kam sich dem Plenum zu stellen.
    Der Flavier, neu-Senator und Aspirant für größere Aufgaben, räusperte sich, und ergriff dann das Wort, während er seinen Onkel kurz anblickte.


    "Patres Conscripti!", begann er, denn seien wir mal ehrlich: Der Einstieg in eine Rede in den Senat war eigentlich immer dasselbe, weshalb er diesen Punkt auch keineswegs mit einer Pause würdigte, und direkt fortfuhr.


    "Ich grüße euch, und viel mehr noch, ich grüße euch heute zum ersten Mal als Senator Roms, als einer unter gleichen, unter euch! Einer Ehre, nach welcher ich lange strebte, natürlich um meinen Großvater, den großen Secundus Flavius Felix mit Stolz zu erfüllen, aber vor allem, um Rom dort zu dienen wo meine Fähigkeiten am wertvollsten sind!" denn wenn wir mal ehrlich waren, dann war Scato einfach furchtbar im Umgang im Waffen.


    "Ich stehe heute vor euch, um euch um euren Segen für ein Aedilat zu bitten. Nicht um meinetwillen, sondern um den Willen Roms!" erklärte er hochtrabend, bevor er erklärte was er eigentlich damit meinte.


    "Der Imperator persönlich gab mir einst den Segen für eine direkte zweite Amtszeit. Der Imperator selbst war es auch, der mich als Magister der Salii Palatini vorschlug, und wer, wenn nicht der große Caesar Augustus wüsste was gut für Rom und die Bürger ist?"


    Natürlich war es damals Teil ein und der selben Vereinbarung, aber allzu großes Mauscheln um Positionen kam wohl nicht gut an, und es ließ sich auch nicht so gut verkaufen, sodass Scato erst einmal andeutete dass er durchaus in der Gunst des Imperators stand.


    "Wir Flavii haben schon immer Politik in Rom betrieben, Politik für Rom, und Politik für die Menschen. Das curulische Aedilat wäre deshalb eine Aufgabe derer ich durchaus würdig wäre, und welche ich, meine Arbeit als Vigintivir und als Quaestor beweisen es, nach bestem Wissen und Gewissen ausführen kann und werde!" erklärte er, um direkt weiter ins Detail zu gehen, "Noch als Quaestor habe ich bei der Verwaltung der Erbschaften geholfen. Nicht weil ich es musste, oder weil ich übermäßig viel Muße hatte nein. Es war meine Pflicht! Es war meine Pflicht dafür zu sorgen dass Witwen nicht hungern müssen, dass Kinder nicht betteln müssen, und dass Ordnung und Recht, wie es schon immer Tradition war, eingehalten und reibungslos umgesetzt werden!"


    So langsam kam Scato auf seinen Punkt, weshalb er sich auch entlang des Plenums in Bewegung setzte.
    "Ich bin ein Mann mit einem Interesse an Recht, an Ordnung, an Tradition. Aber ich bin auch an Ideen, Veränderungen und vor allem der Rechtsordnung interessiert, welche das Zusammenleben der Bürger erleichtert, und nicht behindert. Die Märkte benötigen Ordnung, sie benötigen Regeln, doch es Bedarf manchmal auch Veränderungen, um den Händlern das Leben zu erleichtern, und die Wirtschaft und somit den Wohlstand aller florieren zu lassen." sprach er, und nahm sich dort auch nicht raus, auch wenn er als Flavier nicht wirklich in Geldnöten war.
    "Versteht mich nicht falsch ehrenwerte Senatoren, ich will keinesfalls revolutionäre Neuerungen auf den Weg bringen, denn ich denke nicht dass es großen Bedarf daran gibt. Viel mehr will ich die Regelungen meiner Vorgänger aufgreifen, sie reflektieren, und mit einem offenen Ohr für die Händler perfektionieren!"


    Ein letztes Mal suchte sich Scato einen festen Stehplatz, "Patres conscripti! Ich stehe vor euch als Mann mit Prinzipien, als Mann, welcher den Göttern bei den Saliern dient, und Rom im Senat, wie auch schon in meiner Laufbahn zuvor. Ich bitte euch um nicht mehr als eben jenen Pfad weitergehen zu können. Und ich bitte euch um nicht weniger als das curulische Aedilat." ein deutliches Nicken in die Runde, und schon war Scato bereit für die Fragen aus dem Plenum.

  • Mit großem Interesse hatte der Iulier auf den Moment der flavischen Rede gewartet - und hatte selbstredend auch einige Fragen für den Patrizier vorbereitet.
    "Candidatus Flavius", begann der Iulier also, nachdem er sich im Anschluss an die Rede das Wort hatte erteilen lassen, "ich möchte dir für deine Ausführungen danken, wie selbige bei mir jedoch einige Fragen offen lassen und andere gar neu eröffnen." Kurz sortierte Dives seine Gedanken. "So sagtest du bei deiner letzten Kandidatur vor diesem ehrwürdigen Gremium, dass du - mit deinen Worten - beinahe 'töricht' den Princeps um sein Patronat gebeten hattest - eine Bitte, die, so teiltest du uns mit, der Princeps sodann ausschlug.", unterminierte Dives indirekt die flavische Argumentation, in welcher der Princeps selbst als Argument herhalten sollte. "Da interessiert es nun gewiss nicht nur mich, zu erfahren... Welche Fortschritte konntest du im Finden eines Patrons seither machen?", lautete die erste Frage des iulischen Quaestoriers.


    "Ich sprach davon, dass nach deinen Ausführungen sowohl einige Fragen bei mir offen geblieben sind, wie jedoch auch neue sich mir eröffneten. Daher möchte ich auch gleich noch eine zweite, eine neue Frage an dieser Stelle an dich richten.", erklärte er hernach. "So sprachst du heute von Recht und Ordnung und Tradition, die auch mir allesamt sehr am Herzen liegen. Daher auch weiß ich, dass es Tradition ist, dass ein Aedil mindestens 27 Jahre alt sein sollte. Daher auch weiß ich, dass es das Recht der Lex Iulia et Papia ist, dass ein Römer spätestens im Alter von 25 Jahren verheiratet sein sollte. Und daher auch weiß ich, dass es die Ordnung gebietet, dass ein Senator - bevor er als ein solcher auftritt und sich beispielsweise für eine Aedilität zur Wahl stellt - zunächst einen gesetzlich festgeschriebenen Amtseid in diesen heiligen Hallen zu leisten hat, was du jedoch bis zu diesem Zeitpunkt hier und heute offenkundig versäumtest.", strich Dives Punkt für Punkt heraus. "Meine zweite Frage also lautet wie folgt. Erfüllst du, der du dich selbst als einen 'Mann mit Prinzipien' beschreibst, deine eigenen Standards in Bezug auf Recht und Ordnung und Tradition - oder intendierst du, selbige Standards im Falle deiner Wahl zum curulischen Aedil lediglich an die übrige Bevölkerung von Roma anzulegen?" Dass Dives nach der Hochzeit des flavischen Consulars Gracchus von keiner größeren Eheschließung der Flavier gehört hatte, interpretierte der Iulier als klares Zeichen dafür, dass Flavius Scato folglich entweder zu arm war, eine angemessene Hochzeit zu zelebrieren, was allerdings hinsichtlich der Bewerbung um die kostenintensive Aedilität alles andere als ein gutes Argument wäre, wie auch der gegenteilige Fall dem Patrizier jedoch gewiss nicht schmeichelte, da er entweder mit 27 Jahren noch unverheiratet wäre oder das Mindestalter selbst noch nicht erreicht hatte. Exakt welcher dieser Punkte ein Loch hatte, konnte der Iulier selbstredend nicht mit absoluter Gewissheit sagen. Allein dass hier ein solches Loch - neben dem den Amtseid betreffend - existierte, das schien ihm doch überaus gewiss.

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  • Interessant was der Iulier sich alles so merken konnte. Zwei Jahre waren vergangen seit Scato das letzte Mal vor dem Senat gesprochen hatte, was den Menschenfreund Scato zu der Annahme führte, dass Iulius Dives entweder ein ziemlicher Rosinenpicker war, oder aber extrem schnell mit dem Griffel, und sich während Scatos Rede alles fix notiert hatte. Faszinierend war es in jedem Falle, doch Scato antwortete natürlich mit einem Lächeln auf den Lippen und einem Groll im Herzen, auch wenn er teilweise durchaus Sympathie für den Iulier empfand, und auch schon zarte politische Bände zu eben jenem geknüpft hatte..


    "Eine berechtigte Frage Iulius, eine berechtigte Frage!" entgegnete er dem Iulier und hob dabei kurz den Zeigefinger um diesen Punkt theatralisch anzuerkennen, "Als Neffe eines Consuls, als Magister einer Sodalität der ein Caesar angehört, als ehemaliger Tiro eines altgedienten Senators und als Enkel des großen Flavius Felix fiel es mir doch recht schwer einen geeigneten Patron zu finden, der meinem Stand, und ich betone, meinem Stand hinsichtlich meines Umfeldes und nicht meinem Stand hinsichtlich meiner eigenen Leistungen gerecht geworden wäre." erklärte Scato und zuckte demonstrativ mit den Schultern während er mit den Lippen eine abwägende Gestik vollführte...
    Und tatsächlich: Von nicht flavischen Senatoren, zumindest von denen mit einigermaßen bekannten Namen patrizischer Herkunft hatte man schon länger nichts mehr gehört. Ein Patronat innerhalb der eigenen Familie hatte etwas albernes und trauriges, und ein Patronat unter einem Plebejer... Diese Vorstellung wirkte ja gar grotesk.
    "Natürlich halte ich weiterhin Ausschau nach einem Patron. Doch auch ich werde Fördern, und weitere tüchtige junge Römer auf den Pfad der Rechtschaffenheit fürs Volk und das Imperium führen, sowie es nun einmal Brauch ist." erklärte Scato, während er Dives mit seinen kühlen Augen ins Visier nahm.


    "Deine Anmerkungen sind alle korrekt Senator Iulius. Jedoch, und ich denke dass auch du das Spiel der Götter nicht beeinflussen kannst, gibt es gewisse Umstände die ein Mann nicht zu ändern vermag. So war eine Verbindung mit den Claudiern angedacht, doch familiäre Umstände nötigten die angedachte Braut zu einer Absenz aus Rom. Einen Umstand, den ich weder beeinflussen noch unterbinden konnte, da ich darüber hinaus auch die guten und langen Beziehungen zum Haus der Claudier auf keinen Fall beeinträchtigen wollte." erklärte Scato die Ränkespiele der Patrizier, eine Welt so dachte Scato, die dem Iulier als Plebejer höchst fremd sein musste.
    "Meine Erhebung in den Senatorenstand Senator Iulius, erfolgte auch recht kurzfristig, was deinen wachsamen Augen sicher ebenfalls nicht entgangen ist. Ich bitte deshalb um Entschuldigung hinsichtlich dieser... unkonventionellen... Herangehensweise. Denn natürlich habe ich den Eid keineswegs vergessen, es war mir schlichtweg noch nicht möglich diesen angemessen zu begehen." fuhr er fort und zwang sich ein Lächeln ab.
    "Wie du siehst gelten die von mir angelegten Maßstäbe für alle Römer. Aber sowie diese Maßstäbe für alle Römer gelten, so kann auch ein starres Recht nicht immer alle Umstände erfassen welche es zu erfassen versucht. Ein fester, entschlossener Griff, doch mit genug Platz zum Atmen und zum Streben nach Verbesserung. So sehe ich die römischen Tugenden für jeden Römer, und so sehe ich auch meine Politik. Die Gesetze und Traditionen achten, ehren, sich aber nicht hinter ihnen verstecken."

  • Der iulische Quaestorier beobachtete genau, wie der Flavier auf die vorgebrachten Argumente reagierte, während er sich von dessen etwaig unterkühlten Blicken jedoch mitnichten einschüchtern ließ.
    "So lässt sich folglich zusammenfassen, dass du bisher keine Fortschritte machen konntest, einen eigenen Patron zu finden.", stellte Dives nüchtern fest. "Auch eine Frau hast du bisher also noch nicht geehelicht, obgleich die Lex Iulia et Papia dies wohl seit mindestens zwei Jahren von dir verlangt.", bezog er den Aspekt auf das Mindestalter für die Aedilität. "Und auch den Amtseid als Senator bist du dem hohen Senat also bisher schuldig geblieben.", führte er noch einmal Fakt für Fakt aus.


    "Du sagst, dass du aufgrund einer erst kurzfristig erfolgten Berufung in den Senat noch nicht die Gelegenheit hattest, deinen Amtseid zu leisten. Wie kommt es, dass du im Gegensatz dazu jedoch offenkundig die Gelegenheit hattest, dich für die Aedilität zu bewerben, eine Kandidaturrede vorzubereiten und selbige hier nun zu halten?", machte Dives auf einen Widerspruch hinsichtlich der Prioritäten des Kandidaten aufmerksam. "Auch für das Finden eines Patrons und das erfolgreiche Schließen einer Ehe hattest du bisher offenbar nicht genug Zeit. Wie kommt es, dass dir im Gegensatz dazu diese Zeit nicht fehlte, dich um die Aedilität zu bewerben, eine Kandidaturrede vorzubereiten und selbige hier nun zu halten?", setzte er anschließend nach. "Oder fehlte dir am Ende vielleicht doch eher der nötige Elan bei der Verfolgung all dieser Vorhaben?", äußerte der Iulier die Vermutung.


    "Ich frage mich, weshalb denkst du, dass du trotz dieser Vielzahl vorhandener Versäumnisse dennoch ein geeigneter Candidatus für die Aedilität wärst?", erkundigte er sich. "Oder bist du, der du dich zwar als ein 'Mann mit Prinzipien' beschreibst, der du unser römisches Recht aber deinen Worten nach offenbar für etwas zu starr hälst, der Meinung, dass es für einen Senator und Bewerber um ein Amt des Cursus Honorum nicht so wichtig ist, urrömische Werte nach außen zu tragen und einen Patron zu haben, familiäre Werte vorzuleben und eine Ehefrau zu haben, Recht und Gesetz auch am eigenen Beispiel hochzuhalten und einen Amtseid zu leisten?" Dives zuckte nun seinerseits unbeeindruckt kühl mit seinen Schultern, bevor er bereits vor einer etwaigen Reaktion des Patriziers seine finale Entscheidung getroffen hatte.


    "Ich muss sagen, dass ich deine Kandidatur sehr gerne unterstützen würde. Jedoch scheint mir deine Bewerbung zu unvorbereitet, zu überstürzt, zu früh.", fasste Dives seinen heutigen Eindruck zusammen. "Daher kann ich dich hier und heute leider nicht unterstützen und rate indes dazu, dass du zunächst einige Zeit als Senator dieses Senates deine Erfahrungen sammelst, bevor du auf Grundlage dieser Voraussetzung sowie mit einem Patron, einer Ehefrau und einem geleisteten Amtseid in einem Amtsjahr noch einmal gestärkt auf diese Rednerstelle trittst, uns deine Wahl zum curulischen Aedil zu empfehlen.", schloss der divitische Quaestorier seine Wortmeldungen zu dieser Bewerbung erst einmal ab.

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