Cubiculum | Quintus Flavius Catus Atilianus


  • Unmittelbar nach der Ankunft des jungen Flavius, waren einige dienstbare Geister beauftragt worden, das Cubiculum des jungen Herrn herzurichten. Schnell wurde gewischt, gefegt, hie und da einige Ausbesserungen vorgenommen, so dass das Resultat, welches sich nach einer Stunde dem Betrachter präsentierte, sich sehen lassen konnte.


    Neben dem obligatorischen Bett, welches aus feinstem ägyptischen Akazienholz gefertigt und mit Intarsien aus verschiedenfarbigen Hölzern verziert war, fand sich ebenso eine im gleichen Muster verzierte Kleidertruhe.
    Um das Cubiculum abzurunden, hatte man dem zukünftigen Bewohner noch einen Tisch und zwei Stühle bereitgestellt, welche ebenfalls aus dem gleichen Holz hergestellt waren und ihren Ursprung in dem Land am Nil hatten.


    Sim-Off:

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  • Der jüngst erst eingetroffene Flavius Catus hatte sein Cubiculum inzwischen bezogen, die mitgebrachten Habseligkeiten waren verstaut und es galt, sich wieder weniger trivialen Angelegenheiten zuzuwenden. Furianus hatte nicht gezögert, seinen Ziehsohn bereits bei seiner Ankunft im Atrium mit den ersten Aufgaben zu betrauen, so oblag es nun Catus, ihm alsbald den Entwurf einer Gästeliste zu präsentieren. Ein durchaus auch etwas fordernder Auftrag, wenn man bedachte, dass der junge Flavier kaum einen der zukünftigen Gäste persönlich kannte. Da sein Vater aber bereits einige Namen genannt hatte, zog Catus es vor, zumindest diese zu notieren, bevor sie seinem Gedächtnis wieder entfielen.
    Da an einen Schreibtisch eigens für diverse Arbeiten scheinbar nicht gedacht worden war, setzte sich Catus also kurzerhand an den verzierten Holztisch, griff nach der Tabula, die sein Sklave ihm reichte und wollte bereits zu notieren beginnen.
    "Claudii, Tiberii, Aurelii hat er gesagt. Ein gewisser Vinicius Hungaricus und Flavius Gracchus", rief er sich ins Gedächtnis, bevor wieder Stille einkehrte. Taurion ging natürlich davon aus, dass sein Herr vor allem mit sich selbst kommunizierte und blieb folglich stumm. Der Jüngling hingegen kaute nachdenklich auf der Unterlippe, von der Hoffnung erfüllt, nichts vergessen zu haben. Mit der Frage dem Kaisers höchstselbst einen Platz zwischen den Gästen zu offerieren, würde er sich allerdings später eigens auseinandersetzen.
    "Taurion, du wirst mir demnächst eine Liste aller amtierenden Senatoren beschaffen", meinte er nüchtern und dieses Mal explizit an den Sklaven gerichtet. Irgendein Scriba, der die entsprechenden Informationen bereitstellen konnte, würde sich in der Villa mit Sicherheit finden, und es würde seine Aufgabe bedeutend erleichtern.

  • Als Domitilla aus ihrem Mittagsschlaf aufgewacht war, fand sie ihr cubiculum leer vor. Wo mochte sich Candace nur herumtrieben? Das war gar nicht ihre Art, einfach zu verschwinden. Auch denn nicht, wenn ihre Domina schlief. Und da diese nicht wie wild durch die Villa krakeelen wollte, blieb ihr nichts anders übrig, als sich selbst zu bemühen „Ja sind denn jetzt schon die Saturnalien?!“, grummelte sie verächtlich, nachdem die eine, für ihre Verhältnisse, recht einfache Tunika geschlüpft war und sich notdürftig kämmte, da ihre Frisur etwas gelitten hatte.


    Eigentlich hätte sie sich „so“ niemals vor die Tür ihres cubiculum gewagt, doch was blieb ihr anderes übrig? „Na warte, wenn du mir wieder unter die Augen trittst!“, murmelte sie drohend, obgleich doch niemand zugegen war, der vor Furcht erzittern konnte, ob solcher unheilvoller Versprechungen.
    Zuerst sah sie sich auf dem Korridor vor ihrem Gemach um, doch nicht ein Sklave ließ sich blicken. Sie ging ein Stückchen weiter den Gang hinunter und blieb unschlüssig stehen. Ob sich die Sklavin in einen der benachbarten Räumen aufhielt? Natürlich lag es unter ihrer Würde, an den Türen zu horchen, ob sich hinter derselben jemand aufhielt. Schließlich kam sie auch zu der einen Tür, dessen Raum, der sich dahinter befand, bis vor wenigen Tagen noch unbewohnt war. Freilich war es der Flavia auch entgangen, dass sich dies eben in den letzten Tagen geändert hatte. Drum fand sie es sehr befremdlich, dass sie eine Stimme hörte, dessen Ursprung dieser eine Raum war.
    Offenbar, so glaubte Domitilla, erlaubte sich ihre Sklavin ein kleines Stelldichein, mit einem anderen Vertreter ihres Standes. Aus diesem Grund fiel es ihr ganz und gar nicht ein, zu klopfen, bevor sie schwungvoll eintrat. „Aha, da hab ich dich, du elendes Scheusal!“, rief sie, in der Hoffnung ihre Sklavin in flagranti zu erwischen. Doch dem war nicht so…

  • Hatte Catus gerade eben noch nachdenklich den Stilus zwischen den Fingern gedreht, schwang nun völlig unerwartet die Tür des Cubiculums auf - noch ehe er sich versah, stand eine ihm fremde Frau im Raum. Tatsächlich irritierte ihr plötzliches und mit lauten Beschimpfungen einhergehendes Aufteten ihn derart, dass sogar dem sonst so kontrollierten Jüngling für einen Augenblick die Gesichtszüge entgleisten und der Griffel fast zu Boden fiel. Beinahe hätte er damit reagiert Taurion anzuweisen, sie noch im selben Moment wieder aus dem Zimmer zu befördern. Im Augenwinkel nahm er noch seinen geschätzten Sklaven wahr, der sich in seiner Verwirrung nicht anders zu helfen wusste, als die Fremde entsetzt anzustarren.
    "Und… mit wem habe ich das Vergnügen?", fragte Catus als er nur kurz darauf seine Contenance wiedergefunden hatte, denn er kam nicht umhin zu vermuten, dass sie ein Teil der Familie war. Den Eindruck einer Sklavin machte sie nicht, und wer sonst sollte sich in diesem Teil der Villa aufhalten? Ob Flavia oder nicht, hoffentlich war sie zu einer Erklärung fähig, so brachte seine gesamte Körpersprache und Mimik vollends Catus' Einstellung ihr gegenüber zum Ausdruck. Ein kühler und dennoch seltsam erwartungsvoller Blick, noch immer saß er am Tisch und machte weder Anstalten aufzustehen, noch vermittelte er den Eindruck, zumindest die Tabula und den Stilus beiseitelegen zu wollen. Die Augen des nach wie vor wie angewurzelt dastehenden Sklaven dagegen sprangen mit inzwischen mäßiger Schockierung zwischen seinem Herrn und der Fremden hin und her - vermutlich hoffte er einfach, möglichst bald irgendeinen Befehl zu erhalten, nur um wieder Gewissheit zu erlangen, wie er sich verhalten sollte.

  • Eigentlich war sie schon kurz davor gewesen, eine weitere Salve aus übelsten Verwünschungen und Beschimpfungen bezüglich der fehlenden Sklavin auszustoßen. Doch noch rechtzeitig erfasste ihr Blick die Situation, die sich ihr in Zimmer bot, hatte sie sich doch in dem Glauben gehüllt, dass es bis dato unbewohnt war. Ganz offensichtlich aber waren einige Vorgänge in der Villa an ihr vorbeigegangen, wofür es natürlich auch nur eine Schuldige gab – Candace! Diese elende Sklavin! Was bildete sie sich nur ein? Und wo steckte sie nur?! Nun ja, in diesem Raum hier wohl nicht! Eine Tatsache, die den Zorn der jungen Patrizierin hätte noch weiter antreiben müssen. Doch statt sich weiter in zügelloser Raserei zu ergehen, erinnerte sich die Flavia ihrer guten Erziehung und schob gekonnt ihren Unmut zumindest für einen Moment zur Seite. Zwar waren ihre Wangen noch leicht ob des Zornes gerötet, doch schon setzte sie ihr distinguiertes Lächeln auf, da es ja wohl keine Zweifel gab, dass es sich bei ihrem Gegenüber um ein geschätztes Familienmitglied handeln musste. Selbstredend war ihr der junge Mann gänzlich unbekannt, was auch nicht unbedingt verwunderlich war. Wie dumm nur, dass diese nichtsnutzige Sklavin nicht zugegen war und ihren Dienst verrichtet hatte, denn so war die Flavia dazu verdammt, sich dem Unbekannten gänzlich ungeschminkt und in einer inakzeptablen Aufmachung vorzustellen. Aber auch über das sah sie gekonnt hinweg, schließlich war sie nicht irgendwer. Sie war davon überzeugt, dass sie selbst in Lumpen gehüllt noch eine gute Figur machte.
    „Nun, mein Name ist Flavia Domitilla. Und… wer bist du, … wenn ich fragen dürfte?“ Hoffentlich kein weiterer Neffe, der sie mit beharrlicher Vorliebe von nun an mit "Tante" zu titulieren gedachte. Aber auch bei genauerem Hinsehen, konnte sie keine Ähnlichkeit mit einem der ihr bekannten flavischen Gesichter feststellen und konnte ihn folglich auch nicht zuordnen. Und selbst wenn sie auf den anwesenden Sklaven geachtet hätte, was aber natürlich nicht tat, wäre ihr dies schwer gefallen.

  • Eine sarkastische Bemerkung bezüglich ihrer Aufmachung hielt Catus aus purer Höflichkeit gekonnt zurück, denn seine Vermutung, ein Familienmitglied vor sich zu haben, hatte sich soeben bestätigt. Einzuordnen wusste Catus die Frau dennoch nicht. Vielleicht sollte er Taurion ebenfalls damit beauftragen, ihm einen Stammbaum herbeizuschaffen, selbst wenn es ihn abschreckte, sich unzählige Namen, Beziehungen und Verwandtschaften einprägen zu müssen, nur um auf eventuelle Begegnungen weitestgehend vorbereitet zu sein.
    Das Lächeln der Frau erwiderte er unterdessen mit einem mäßig gelungenen, und stellte sich inzwischen die Frage, ob er womöglich ganz und gar nicht den Eindruck machte, als hätte er zu tun. Er ließ mit zusammengepressten Lippen die Tabula auf den Tisch sinken und sah wieder auf. "Quintus Flavius Catus Atilianus", meinte er in einem Atemzug. "Flavius Furianus ist mein Ziehvater und ich bin erst kürzlich hier in Rom angekommen", fügte er knapp hinzu, um denkbaren weiteren Fragen zuvorzukommen. Erst jetzt bemerkte er, wie seine Finger erneut begonnen hatten, mit dem Stilus herumzuspielen, sodass er sich dazu entschied, ihn fein säuberlich neben der Tabula zu abzulegen. Selbstredend hielt sich seine Begeisterung der unbekannten Flavia gegenüber noch immer in Grenzen, was nicht unwesentlich ihrer jüngsten Darbietung zu verdanken war. Das Wissen um den Anlass, weshalb er in seiner Arbeit unterbrochen worden war, blieb ihm ebenfalls nach wie vor verwehrt – durchaus ein wenig ärgerlich, denn wer sich dazu entschied auf derart unpässliche Weise seine Überlegungen zu sabotieren, sollte dafür zumindest einen triftigen Grund vorbringen können und wie es schien hatte er wohl erst explizit danach zu fragen.

  • Die Körpersprache des jungen Mann beobachtend, vernahm sie seine Antwort. Und sobald er seinen Namen und das dazugehörige Verwandtschaftsverhältnis nannte, begann es in Domitillas Hirn zu rattern. Keine Frage, ein Neffe und somit ein weiterer Anwärter der sie zukünftig als "Tante" titulieren würde, der auch mindestens genauso entfernt verwandt war, wie es Iullus und Scato waren und zu guter Letzt auch noch adoptiert worden war, wie sie unschwer am Namen ablesen konnte. Doch das stellte natürlich keinen Makel an seiner Herkunft da. Soweit ihr bekannt war, hatte Furianus´ Gattin Claudia Catilina Kinder aus erster Ehe mit in ihre zweite Verbindung gebracht. Und eines dieser Kinder hatte sie ganz offensichtlich nun vor sich. Nun ja, von Kind konnte bei ihm wohl kaum noch eine Rede sein. Sie schätzte ihn lediglich auf ein paar Jahre jünger als sie es selbst war.
    „Furianus´ Ziehsohn…“ echote sie nachdenklich. „Dann freut es mich sehr, dich auf diese zugegenermaßen unkonventionelle Art und Weise kennengelernt zu haben.“
    Wieder entging es ihr nicht, wie er abermals mit seinem Stylos herumzuspielen begann. Offenbar hatte sie ihn bei einer wichtigen Tätigkeit unterbrochen und war dabei auch noch buchstäblich mit der Tür ins Haus gefallen. Wie peinlich!
    „Du hast nicht zufällig meine Sklavin gesehen, nein? Etwas so groß, zierlich, blondes Haar, blaue Augen und viel zu blass. Dieses dumme Ding hat sich einfach unerlaubterweise aus meinem cubiculum gestohlen, als ich schlief.“ Mit ihrer rechten Hand deutete sie in etwa Candaces Körpergröße an und als sie weiter sprach, lief sie Gefahr, das ihr Zorn sich ein weiteres Mal entlud, was sie allerdings unbedingt verhindern wollte.

  • Unkonventionell. Catus vermochte ein flüchtiges Lächeln nicht zu vermeiden. Nur langsam bröckelte jedoch seine leichte Verstimmtheit ihr gegenüber.
    "Auch mich freut es, mit dir Bekanntschaft zu machen…", bemerkte er in noch immer recht reserviertem Ton. Doch inzwischen fand er sich damit ab, sich zumindest für die nächsten Minuten seiner Verwandten widmen zu müssen. Seine hellen Augen ruhten auf ihr, während sie ihm etwas anbot, dass einer Erklärung gleichte. Ihre Sklavin suchte sie. Hier war sie jedenfalls nicht, soviel stand fest. Catus schüttelte nach einer kurzen Pause langsam den Kopf.
    "Nein", antwortete er schlicht. Und selbst wenn sie ihm irgendwann über den Weg gelaufen wäre… es war nicht seine Aufgabe und noch weniger sein Bestreben, sich das Gesicht oder gar die Haarfarbe eines jeden Sklaven des Haushalts einzuprägen, wenn er sie denn überhaupt genauer beachtete. Mit einem "Sowas interessiert mich nicht" zu antworten, würde aber vermutlich nicht nur er als recht unhöflich empfinden. Er warf einen Blick über die Schulter zu seinem Sklaven. "Taurion?"
    "Was? Nein, nichts… niemanden habe ich gesehen", meinte dieser noch immer leicht nervös.
    Catus wandte sich wieder an seine Verwandte, musterte sie etwas ratlos und deutete schließlich mit einer kurzen Geste zum zweiten Stuhl.
    "Willst du dich vielleicht… setzen?", fragte er. Jetzt, da sie sich bereits als Flavia vorgestellt hatte, konnte er sie wohl kaum noch aus seinem Zimmer werfen. Und wie sie so herumstand behagte ihm ebenfalls nicht. Was ihm allerdings noch weniger behagte war, dass eine Flavia es offenbar nötig hatte, ihrer eigenen Sklavin hinterherzulaufen. Zustände herrschten hier. Darum konnte sich allerdings auch nachher noch irgendwer kümmern.

  • Ein seltsames Gefühl befiel die Flavia. Ihr Lächeln, falls man es so überhaupt nennen konnte, entwich zusehends. Das Gebaren des jungen Flavius irritierte sie ein wenig. Sie konnte sich nicht des Eindrucks erwehren, dass sie hier unerwünscht war, was man dem jungen Mann zwar nicht einmal übel nehmen konnte, ihr aber gegen den Strich ging. Dabei war sie es doch gewesen, die hier einfach ohne anzuklopfen herein gerauscht war. Seine doch recht kurz angebundene Antwort, bestätigte dies nur. Und als nun endlich feststand, dass auch Candace sich nicht hierher verirrt hatte, gab es eigentlich keinen Grund mehr, noch länger die wertvolle Zeit des Flavius zu stehlen.
    Als Domitilla jedoch bereits im Begriff war, gekränkt den Ort des Geschehens verlassen zu wollen, schien er sich doch noch zu besinnen und bot ihr einen Stuhl an.


    „Aber nur, wenn ich dich nicht störe“, entgegnete sie in der gleichen Reserviertheit. Doch ganz allmählich kehrte ihr Lächeln wieder zurück, als sie endlich Platz nahm und dabei ganz nebenbei die Gelegenheit nutzte, einen Blick auf die Tabula zu werfen, mit der er zweifellos gearbeitet hatte, bevor sie ihn gestört hatte.
    Nun ja, eine kleine Plauderei mit dem Neuankömmling konnte sicher nicht schaden und vertrieb ihr sicher auch ganz nebenbei ihre negativen Gedanken. Alleine schon um festzustellen, ob er tatsächlich so ein Griesgram war, war es eigentlich ihr Pflicht, hier zu bleiben und dies am selbst herauszufinden. „An was arbeitest du denn gerade?“, fragte sie, um ihre Neugier zu befriedigen.

  • Erst hatte Catus das Gefühl gehabt, sie würde sein Angebot nicht annehmen und sich stattdessen wieder aus seinem Cubiculum davonmachen. Was von beidem er in diesem Augenblick bevorzugte, konnte er für sich selbst nur schwerlich beantworten, doch es bestand kein Zweifel, dass sich inzwischen doch Interesse geregt hatte, genauer herauszufinden, wer zuvor aus einem bloßen Missverständnis heraus über ihn hergefallen war.
    "Darüber mache dir keine Sorgen", kommentierte er als sich Domitilla setzte und erwiderte ihr Lächeln flüchtig. Wenn er ehrlich zu sich selbst war, war seine Zeit so eng auch wieder nicht bemessen, dass er nicht ein wenig davon für ein Familienmitglied opfern konnte. Sein Ärger war doch eher Resultat dieses Missverständnisses gewesen, dass die Flavia bereits aufgeklärt hatte.
    "Lediglich Notizen." Auch er selbst besah sich erneut kurz die Tabula. "Für eine Gästeliste…" Besonders viel war in der Wachsschicht noch nicht zu erkennen, lediglich Namen, die sein Ziehvater erwähnt hatte. Wo sie nun aber bereits danach gefragt hatte, würde er bei Gelegenheit allerdings nicht davon absehen, sie nach eventuellen weiteren Kandidaten zu fragen.
    "Flavia Domitilla… ich muss mich für meine Unwissenheit entschuldigen, aber du weißt nicht zufällig, in welchem Verwandtschaftsverhältnis wir zueinander stehen?", stellte er ihr aus purem Interesse heraus eine Frage, denn sie genau einzuordnen vermochte er noch immer nicht und bis auf ihren Namen hatte sie ihm keinerlei Anhaltspunkte gegeben.

  • „Eine Gästeliste..?“, echote Domitilla. „Dann planst du einen Empfang oder gar ein Fest? Wie aufregend!“ Schlagartig verschwanden nun auch die letzten negativ geladenen Teilchen, die zwischen den beiden Flaviern noch umherwuselten und die es der Flavia bis dahin schwer gemacht hatten, eine Art Beziehung zu dem neuangekommenen Verwandten zu knüpfen. Doch nun hatte sie endlich ein Thema gefunden, worüber sie mit ihm ‚plaudern‘ konnte.


    Bevor er sich jedoch auf sie einlassen wollte, schien er zuerst abklären zu wollen, mit wem genau er es hierbei zu tun hatte. Ein Umstand, der ihr absolut plausibel und legitim erschien. Letztendlich war der familiäre Stammbaum doch so umfangreich, dass man schnell den Überblick verlieren konnte.
    „Nun, dann lass mich kurz überlegen. Mein Vater Cnaeus Flavius Aetius ist der Großonkel deines Ziehvaters, was mich …“ wohl oder übel… „zu deiner… äh…“ Oh nein nicht schon wieder! Die Flavia seufzte kurz, bevor sie ihren Satz beendete. „Tante macht… Allerdings bestehe ich keinesfalls darauf, dass du …“ ‚Bitte nicht noch ein Neffe, der sich einen Spaß daraus macht, mich Tante zu nennen‘, betete sie still in sich hinein, wobei sie nach außen hin jedoch lächelte.

  • Angenehm überrascht konstatierte Catus, dass es keinerlei Problem für sie darstellte, ihn im Stammbaum der Gens Flavia einzuordnen. Natürlich, eine Tante, wenn auch über mehrere Ecken.
    "Ja, ein Fest… und meine Tante sollte ich auf diesem Fest vermutlich auch zu den Gästen zählen, oder?", fragte er mit einem fröhlichen Lächeln. Tabula und Stilus, die noch immer vor ihm auf dem Tisch gelegen hatten, nahm er wieder in die Hände und musterte sie einen Augenblick erwartungsvoll.
    "Wo du gerade hier bist, kannst du mir bestimmt ein paar Namen nennen, die ich auf keinen Fall vergessen sollte", meinte Catus noch und versuchte dabei natürlich mehr beiläufig als hilfsbedürftig zu klingen. Man wollte schließlich nicht den Eindruck vermitteln, bei der recht simpel anmutenden Aufgabe, eine Gästeliste zusammenstellen zu müssen, Hilfe zu benötigen. Und eigentlich war Domitilla ja aus einem völlig anderen Grund hier. Catus warf einen kurzen Blick über die Schulter zu seinem Leibsklaven.
    "Und wenn du willst, kann ich Taurion nach deiner blonden Sklavin schicken. Oder er könnte etwas zu trinken bringen, ganz wie du willst."
    Er deutete mit einer flüchtigen Geste zu Taurion der sich, wie es der Meinung seines Herren nach sein sollte, unauffällig im Hintergrund hielt, und bei dem er sich, wenn der eher wortkarge Sklave sich nicht in seinem Blickfeld befand, oft nicht einmal sicher sein konnte, ob er überhaupt in seiner Nähe war.



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    Taurion hatte seine Fassung inzwischen zurückerlangt und ließ Blick fast schon wieder gelangweilt durch den Raum wandern. Was zwischen den beiden Flaviern geredet wurde war ihm ebenfalls ziemlich gleichgültig, in dem Moment, in welchem sich herausgestellt hatte, dass ihr Gespräch in das gewöhnliche Geplauder abdriftete, hatte er beschlossen, sich wichtigeren Dingen zuzuwenden – wie etwa ob die Möbel sachgemäß abgestaubt wurden.

  • Seine Tante! Sie hatte es ja bereits geahnt und wie es schien, war es eben ihre Prädestination, Tante zu sein. So beschloss sie kurzum, sich nicht mehr länger dagegen zu wehren, sondern ergab sich derselben. Schließlich gab es viel Wichtigeres und wesentlich Angenehmeres zu erörtern. Ein Fest stand an und es verstand sich ja von selbst, dass sie da nicht fehlen wollte!
    „Aber ja!“, entgegnete sie bestimmt. „Sofern ich natürlich eingeladen bin,“ relativierte sie scherzhaft. Sie ging natürlich davon aus, dass dem so war. Catus wollte es sich bestimmt nicht mit ihr verscherzen!
    Doch dann drängte sich ihr bereits die nächste Frage auf. „Welchen Anlass gibt es denn für dieses Fest?“ Sie konnte nur mutmaßen. Die Liberalia hatte er natürlich schon längst hinter sich. Sie reflektierte kurz, wie alt ihr verehrter Neffe denn bereits war, schob aber bald ihre Überlegungen wieder beiseite, als er sie bat, ihm bei der Gästeliste zu helfen. Wie dumm, dass ausgerechnet jetzt Candace nicht anwesend war. Die Sklavin war sozusagen das wandelnde Gedächtnis der Flavia, da sie sich einfach keine Namen merken konnte. Ein kleines Übel, welches sie bislang hatte immer gut überspielen können, da Candace normalerweise ihr Schatten war… Normalerweise!
    „Äh, ja natürlich,“ entgegnete sie etwas zögerlich. Hoffentlich sah man ihr die Befangenheit nicht an. Doch Catus tat gut daran, ihr in letzter Minute aus der Bredouille zu helfen. Domitillas Blick streifte kurz den erwähnten Sklaven, dem sie bislang keinerlei Aufmerksam geschenkt hatte. Ein wirklich ansehnlicher Bursche!
    „Das könnte natürlich dein Taurion für mich erledigen.“ Die Flavia schenkte Catus ein bedeutsames Lächeln. Sie würde ihm dann unendlich dankbar sein, wenn die Sklavin endlich wieder an ihrer Seite war.
    „Aber zuvor darf er mir etwas verdünnten Wein bringen.“ Sie verspürte etwas Durst. Nach ihrem Mittagsschlaf erwachte sie zumeist mit einem trockenen Mund. Da war solch ein Getränk besonders hilfreich.

  • "Nun, … mich", beantwortete Catus Domitillas Frage mit einer Auskunft, die selbst ein seinen Ohren etwas zu selbstgefällig klang, und schenkte ihr deshalb ein entschuldigendes Lächeln. "Ein Fest mit welchem mein Ziehvater wohl meine zukünftige politische Karriere einzuläuten gedenkt", führte er genauer aus.
    Aber natürlich, etwas verdünnter Wein schadete bestimmt nicht. "Selbstverständlich." Er sah, davon ab, ihren Wunsch dem griechischen Sklaven gegenüber zu widerholen und ging schlichtweg davon aus, dass Taurion sich selbstständig darum kümmerte. Dieser machte sich auch nach einem nach einem bestätigenden Nicken, welchem ohnehin keine Aufmerksamkeit geschenkt wurde auf den Weg, den gewünschten Wein zu beschaffen.
    So widmete sich Catus wieder seiner eigentlichen Aufgabe und legte Domitilla die Tabula mit seinen bisherigen Notizen vor.
    "Ich hatte gerade erst begonnen, als …" … du mich unterbrochen hast. Was einem als erstes in den Sinn kam, entsprach allerdings nicht immer dem, was auch gesagt werden sollte. Zudem klang es bei weitem zu vorwurfsvoll und inzwischen hatte sich ihre Gesellschaft doch als angenehm herausgestellt. "… ich deine Bekanntschaft machen durfte", entschuldigte er also den Umstand, dass bisher kaum Namen auf der Liste vorzufinden waren. Sogleich fuhr er auch fort, um ihr die derzeitige Lage vermitteln.
    "Natürlich sind die Mitglieder unserer Familie eingeladen, die ich hier vorerst nicht aufzähle. Den Senator Vinicius Hungaricus hat mein Vater ausdrücklich als Gast erwähnt. Senator Claudius Menecrates kann die Zeit hoffentlich ebenfalls erübrigen, genauso wie die anderen vielversprechenden Mitglieder seiner Familie. Welche Aurelii, abgesehen von Senator Aurelius Lupus derzeit in Roma verweilen entzieht sich mir leider. Zu den Tiberii bin ich noch nicht gekommen, genausowenig zu den meisten Mitgliedern plebejischer Familien."


    Herius Claudius Menecrates
    Marcus Claudius Centho
    Quintus Claudius Felix


    Sextus Aurelius Lupus


    Marcus Vinicius Hungaricus

  • Die Zeit war gekommen nun Ergebnisse einzufordern. Und da sein Sohn es bewundernd schaffte die letzten Tage seinem Vater nicht für einen Augenblick unter die Augen zu geraten, so musste es dieser selbst erwirken.


    Also machte er sich eines schönen Nachmittages, von welchem der kranke Flavier ohnehin nichts hatte, zum Cubiculum seines Sprosses, um darauf hin anzuklopfen.

  • Nun, der junge Mann verfügte über ein gesundes Maß an Selbstvertrauen, was aufgrund seiner Abstammung allerdings wenig erstaunte. Schließlich gehörte er als Sohn eines Senators automatisch zur zukünftigen Elite Roms. Auf affektierte Weise erwiderte Domitilla sein Lächeln. „Ahja, ein würdiger Anlass also,“ stellte sie fest und nahm den Becher entgegen, den ihr Cautus´ Sklave reichte.
    Ein Fest, bei dem die wichtigsten Familien Roms geladen waren, war gewiss ein kluger Zug, um sich bekannt zu machen. Zwar konnten diese Feste zuweilen recht schnell zur Ermüdung führen, wenn man an im Zuge der Konversation an einen Langweiler geriet, doch hatten solche Ereignisse auch ihr Gutes. Sie waren eine weitere gute Gelegenheit, um mit Seinesgleichen in Kontakt zu kommen, um Freundschaften oder gar Bündnisse zu schmieden. Natürlich hatte die Flavia einen ganz bestimmten Standesgenossen im Sinne, den sie gerne wiedersehen wollte, damit man sich endlich auch offiziell kennenlernte…


    Domitilla nippte an ihrem Becher. Lieber hätte sie einen großen Schluck genommen, doch das schickte sich wohl kaum für eine junge Patrizierin. Wohl oder übel war es nun an ihr, ihrem neugewonnenen Neffen bei der Gästeliste zu helfen. Welch ein Graus, dachte sie sich und verfluchte ein weiteres Mal ihre Sklavin, die sie nun so feige im Stich ließ.
    Catus schob ihr die Tabula zu. Seine Liste war in der Tat noch nicht weit gediehen. „Nun ja,“ räusperte sie sich, „das sieht ja schon ganz gut aus. Die Claudier natürlich… Claudius Felix und sein Bruder Centho… die Aurelier… in der Vergangenheit waren die Bande unserer Familien recht eng. Mein Bruder und meine Schwester sind… waren mit Vertretern dieser Gens vermählt. Meine Schwägerin Aurelia Prisca weilt noch in Rom… und die Tiberer… nun ja…“ Wie hieß doch gleich noch die Tiberia, die sie in den Thermen kennengelernt hatte? Und wo blieb nur der Sklave, der ihre Candace finden sollte!? Um etwas Zeit zu gewinnen nippte sie noch einmal an ihrem Becher, jedoch war dies nicht wirklich hilfreich. Wesentlich besser war es dagegen für etwas Ablenkung zu sorgen. „Was schweb dir denn für dein Fest vor? Hast du bestimmte Vorstellungen? “, fragte die Flavier übertrieben interessiert. Schließlich war das auch ein wichtiger Punkt bei der Planung eines Festes.

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    Zumindest den Namen hatten die Eltern richtig gewählt, dachte sie Taurion, während er Flamma zum Cubiculum seines Dominus führte. Wenn man bei der jungen Flavia nicht aufpasste, konnte man sich an ihr zweifellos verbrennen. Als Sklave erst recht. Da hoffte er lieber darauf, dass sein eigener Dominus ein weiteres Mal gnädig mit ihm sein würde.
    Vor der entsprechenden Tür blieb er schließlich stehen und öffnete sie, bevor er eintrat, um die Flavia anzukündigen.


    Catus sah auf, als sein Sklave das Cubiculum wieder betrat. Wie so oft, wenn er sich seiner Lektüre widmete - oder besser widmen wollte -, saß er an dem Tisch, bis vor kurzem noch ungeduldig abwartend, nun leicht ärgerlich, sowie er registrierte, dass die Bücher ganz offensichtlich fehlten. Doch noch bevor er sich dazu äußern konnte, machte Taurion einen Versuch die Situation aufzuklären ...
    "Dominus... Ich wollte die Bücher holen, ganz so wie du es mir aufgetragen hast, und dann auf dem Weg in die Bibliotheca begegnete ich Flavia Flamma, und weil sie..."
    ... bis Catus abwinkte, und den viel zu schnell erklärenden Sklaven so zum schweigen brachte. Er warf einen Blick auf das blonde Mädchen. Bevor hier irgendetwas geklärt würde, würde er sich erst mit der Flavia bekannt machen wollen, die sich ganz offensichtlich zu ihm hatte führen lassen.
    "Salve, Flavia Flamma. Tritt ein", grüßte er höflich, wenn auch mit etwas skeptischem Blick. "Gibt es ein Problem mit meinem Sklaven?" - Und ob es dieses gab. Je länger sie in Roma verweilten, desto fauler und unaufmerksamer wurde Taurion, selbst wenn Catus den Grund dafür nicht kannte. Die Frage war vielmehr, ob es noch mehr Probleme gab.

  • Zitat

    Original von Lucius Flavius Furianus
    Die Zeit war gekommen nun Ergebnisse einzufordern. Und da sein Sohn es bewundernd schaffte die letzten Tage seinem Vater nicht für einen Augenblick unter die Augen zu geraten, so musste es dieser selbst erwirken.


    Also machte er sich eines schönen Nachmittages, von welchem der kranke Flavier ohnehin nichts hatte, zum Cubiculum seines Sprosses, um darauf hin anzuklopfen.


    Und weil keine Antwort kam, schnaubte der Consular und klopfte heftiger. Sein Sohn mochte jetzt schon nicht taub sein.

  • Wer auch immer Catus einen Besuch abzustatten gedachte, war so leicht wohl nicht von seinem Vorhaben abzubringen.
    Der treue Sklave Taurion öffnete die Tür, blickte nicht unwesentlich überrascht in das Gesicht des Consulars und trat sogleich zur Seite. Um seinen verärgerten Vater durfte sich sein Herr gerne selbst kümmern.
    "Salve, Vater", grüßte dieser und blickte den Ziehvater fragend an. "Entschuldige, dass ich dich eben warten ließ."

  • "Tu das nie wieder!", harschte er ihn an und trat ein. Mit den Armen hinter dem Rücken verschränkt ging er ein paar Schritte im cubiculum herum und begutachtete dieses.


    "Geschmack fehlt dir, Atilianus. Aber du bist auch kein Weibsbild.", merkte er dann mehr murmelnd an, drehte sich zu seinem Ziehsohn.


    "Wie sieht es mit deiner Vorstellung aus? Wie weit bist du?"

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