Baustelle des künftigen Tempels des Iuppiter Serapis

  • Nachdem das alte Sacellum Serapis, welches sich an diesem Ort befand, abgerissen worden war, bot sich dem Betrachter dieser baldigen Baustelle aktuell das Bild eines regelmäßig von einem Servus Publicus gefegten, leeren Platzes, der nur darauf wartete in wenigen Tagen eingeweiht und hernach mit neuer Pracht bebaut zu werden.


    Ganz in der Nähe befand sich zudem die - natürlich überwachte - Sammelstelle des noch brauchbaren Materials des alten Sacellums, welches man eventuell für den neuen Tempel des Iuppiter Serapis oder aber im Zweifelsfall auch für andere städtische Bauprojekte würde nutzen können. Die genauen Bestandslisten lagen selbstredend beim Aedilis operum publicorum, der immerhin sogar den Rückbau und Abriss persönlich mitverfolgt hatte.

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    CIVIS
    DECURIO - OSTIA
    INSTITOR - MARCUS IULIUS LICINUS
    IUS LIBERORUM
    VICARIUS DOMINI FACTIONIS - FACTIO VENETA

    Klient - Marcus Vinicius Hungaricus

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    Die Einrichtung der Baustelle war noch das kleinste Problem. Nachdem Kephalos mit dem Duumvirn die Baustelle abgeschritten war und hier und da kleine Anmerkungen gemacht hatte, und schließlich einige Tage später der Baugrund auch die nötigen Weihungen erhalten hatte, um ihn auch sicher der Gewalt der Menschen zu entziehen und der des zugedachten Gottes zu übereignen, konnten er und seine Schüler auch das zurückbehaltene Material gründlich untersuchen und das ein oder andere davon noch aussortieren, da es die neue Bausubstanz wohl doch nicht tragen würde. Und dann ging es auch schon daran, alles zu planen. Mit Loten, einer Groma, Messstöcken und einer Chorobates wurde das Gelände feinst säuberlich vermessen und jede noch so kleine Erhebung aufgeschrieben, um genau zu wissen, an welcher Stelle man später wie tief würde graben müssen. Vor allem der angedachte Brunnen musste hierbei genau geplant und ausgemessen werden, damit die Wasserleitung hierher auch das nötige Gefälle aufweisen würde. Hierfür kam auch extra ein Aquarius der Stadt hinzu, um die nötigen, technischen Details zu klären, damit sie in die Planung einfließen würden.


    Die Gräben auszuheben nutzte indes noch nichts, da erst auch das nötige Baumaterial für die Fundamente benötigt würde, um es auch zeitnah einzubauen. Lange Gräben wochenlang in der Sommerhitze stehen zu lassen barg nur die Gefahr, dass etwas einstürzte oder ein Kind hineinfiel. Daher verzichtete man auf die Suche nach Arbeitern, bis die Verhandlungen über die Materialbeschaffung abgeschlossen wären und die ersten Materialien auch schon angeliefert würden.


    Die ersten waren nicht allzu schwierig in Auftrag zu geben: Ziegel. Jede Menge Ziegel und Sand für den Mörtel, um damit die Wände später mauern zu können. Dafür verhandelte Kephalos gleich mit mehreren Ziegelbrennereien, die dafür natürlich auch wiederum den nötigen Ton ordern mussten, der, je trockener es wurde, nur umso schwerer abzubauen war (wobei es auch wiederum nicht zu nass sein durfte. Den Ausführungen der Zulieferer zufolge war das wohl ein sehr schwieriges Geschäft).
    Etwas schwieriger war da schon das Auffinden von passendem Granitstein. Kephalos beauftragte einen seiner Schüler damit, zu ein paar Stellen zu reisen und sich so ein günstiges Angebot einzuholen. Allerdings würde dieser Schritt Wochen, wenn nicht Monate dauern. Doch zum Glück konnten die Ziegelmauern ja schon begonnen werden, ehe die Säulen und die Verkleidung angebracht werden musste. Auf Marmor war ja verzichtet worden, so dass das Reisen bis nach Luca dann doch zum Glück ausbleiben konnte.
    Allerdings benötigte man noch große Mengen feinen Kies, den Kephalos nicht aus dem Tiber nehmen wollte. Der Fluss stank ihm zu sehr, als dass er Kieselsteine daraus zur Verfüllung und als Estrich benutzen wollte. Wenn der Fluss schon so stank, wenn er Wasser führte, wie rochen dann erst getrocknete Kiesel daraus? Nein, lieber fragte er etwas weiter entfernt an. Auch den Sand nahm er nicht direkt vom Hafen, sondern von einem Strandstück etwas weiter südlich.


    Was aber wirkliche Schwierigkeiten bereitete, war das Auftun geeigneten Holzes in ausreichender Länge für die nötigen Abstützarbeiten, den Bau des Krans und nicht zuletzt den dachstuhl des Körpers. Jetzt, nach dem Krieg und dem versinken etlicher Schiffe, weigerten sich viele Sägewerke strikt, an jemand anderen als das Militär zu verkaufen. Angeblich würde das Holz ansonsten ohnehin beschlagnahmt werden, Tempelbau hin oder her. Hier musste sich Kephalos noch wirklich etwas einfallen lassen, um dieses Problem zu lösen.
    Aber zunächst einmal wurden Pläne und Bauzeiten entworfen!

  • | Potitus Asinius Celer


    Nachdem man ihn ganz offiziell zum Decurio Ostiensis ernannt hatte und er zusammen mit dem jüngeren Cassius die Aufsicht über den Bau des Iuppiter-Serpis-Tempels bekommen hatte, machte sich der Asinier sogleich elanvoll auf zum Bauplatz, den er mangels anderer Pläne und Vorhaben, denn er war ja kein Quaestor mehr, von nun an wohl mehr oder weniger täglich besuchen würde. (Im Gegensatz zum Cassier hatte er sich für die Aufgabe schließlich nicht nur gemeldet, um eventuell eine einzelne Dame wiedersehen zu können.)


    So also sah Celer, nachdem er den Architectus begrüßt und sich selbst vorgestellt hatte, dabei zu, wie zunächst das alte Baumaterial des Sacellums untersucht wurde und er notierte sich gewissenhaft, was er dem Aedil weiterleiten würde, das der anderweitig einsetzen könnte, da es für den Tempelbau nicht mehr nutzbar war. Anschließend folgte die haargenaue Vermessung des Grundstücks, die sich der frisch ernannte Decurio jedoch nur halbherzig interessiert aus der Ferne anschaute. So heiß, wie es dieser Tage war, beneidete er den Griechen und dessen Untergebene kaum um deren Tätigkeit. Nachdem auch der Termin mit dem Aquarius vorüber war, hatte der Asinier für diesen Tag wirklich mehr als genug 'frische' Luft geatmet. (Das war hier absolut nicht vergleichbar mit seiner Quaestur, die er größtenteils bequem im schattigen Amtssessel in der Curia Ostiensis verbringen konnte.)
    "Kephalos?", trat er auf den Architekten zu. "Ich denke, ich verabschiede mich für den heutigen Tag. Falls du irgendetwas von Seiten der Stadt brauchst, Fragen oder irgendwelche Wünsche hast, dann lass es mich einfach wissen. Ich werde regelmäßig hier vorbeischauen und sehen, wie der Bau so voran kommt... bei Gelegenheit auch zusammen mit dem gewesenen Duumvir Cassius Hemina Minor, der heute wahrscheinlich noch ein paar andere wichtige Termine hatte.", erklärte er mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen, bevor er sich - so es nicht schon zu diesem Zeitpunkt etwas von Seiten des Griechen gab - verabschiedete und den Heimweg für heute antrat.




    DECURIO - OSTIA
    KLIENT - MARCUS IULIUS DIVES

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    Klient - Marcus Vinicius Hungaricus

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    Wenn es eine Weisheit gab, die insbesondere im Baugewerbe zutraf, dann war es wohl die, das alles, was schief gehen konnte, auch schief ging. Vor allem dann, wenn man es nicht gebrauchen konnte.


    Angefangen hatte alles noch relativ harmlos, als die Arbeiter beim Ausheben des Fundamentes auf eine größere Menge Sand gestoßen waren. Das war zwar ärgerlich, da der Baugrund so natürlich noch künstlich verfestigt werden musste, aber lösbar. Allerdings hielt es den Bau in dieser Bauphase natürlich dann auf. Das nächste Problem aber ergab sich aber direkt danach, und dieses war nicht so einfach zu lösen. Im Grunde waren es sogar zwei Probleme desselben Ursprungs: Es hatte im Winter zu wenig geregnet und war zu trocken, so dass die Flüsse zu wenig Wasser führten. Und daher konnte der Granit nicht rechtzeitig über die Wasserwege zur Küste und von da weiter nach Ostia transportiert werden. Und ebenfalls wegen des fehlenden Regens konnte auch die Ziegelproduktion nicht die benötigte Menge liefern. Der Ton dafür war schlicht so trocken, dass man daraus nicht vernünftig Ziegel formen konnte, ohne den Boden zuvor künstlich zu wässern.
    Kephalos fürchtete jetzt schon weitere Probleme für den Sommer, wenn dank so wenig Regen weniger Getreide und Gemüse wachsen würde und damit die Arbeiter mehr Geld bräuchten, um ihr Essen zu kaufen.


    Dass dann schließlich noch die Statue, die für den Tempel vorgesehen war, gar nicht ankam, durch die Saturnalien alle Arbeiter auf einmal 2 Wochen lang sich die Sause gaben, einer von Kephalos Gesellen sich spontan entschlossen hatte, zu heiraten und nach Griechenland zu gehen und er selbst sich die dickste Erkältung seines bisherigen Lebens eingefangen hatte, das war dann ja nur noch die Perfektionierung des Chaos.



    So stand also Kephalos erst im Februar so richtig wieder auf der Baustelle, die Nase noch immer rot, und betrachtete die Handvoll Arbeiter, die sich nun doch endlich hier eingefunden hatten. Seine Stimme war dieser Erkältung auch zum Opfer gefallen, so dass ihm nur das ein oder andere Krächzen und hauptsächlich Handzeichen zur Verfügung standen, um den Arbeitern klar zu machen, was sie machen sollten.


    Der Boden war noch vor den Saturnalien verfestigt worden, so dass man nun als allererstes den Zwischenraum zwischen den bislang gebauten Fundamenten verfüllen und begradigen konnte. Dafür wurden Tonscherben fein zermahlen und mit einem Gemisch aus Sand, Zement und Wasser verrührt und erst einmal planeben in mit Brettern abgegrenzte Ebenen gegossen, um so schon einmal einen stabilen und strapazierfähigen Fußboden zu haben. Wenn das geschafft war und alles verhärtet war, hatte man hoffentlich eine Grundlage, die die Spannung des Bodens etwas ausgleichen würde, wenn man die Mauern bis zu ihrer endgültigen Größe hochziehen würde. Und bevor man die Säulen für die Dachkonstruktion aufstellen würde.

  • Anders. Ganz anders hatte er sich das einmal vorgestellt! Ganz groß sollte der neue Tempel zu Ehren des Iuppiter Serapis einmal eingeweiht werden! Faustus ganz hin und weg von dieser iulischen Überraschung wäre tatsächlich verliebt in Dives und die beiden hätten fortan in Ostia, wo sie sich einst im Theatrum Ostiensis kennenlernten und wo nun also dieser Tempel zu Ehren Faustus' Namenspatron stünde, ihre eigene kleine Zuflucht vor der Welt, nah genug bei Roma, um sich regelmäßiger hier zu treffen, weiter genug entfernt von der Urbs, um sich den neugierigen Blicken irgendwelcher Neider zu entziehen. Es war... wäre beinahe perfekt!


    Stattdessen? Stattdessen war... waren... war einfach so viel passiert. Der Bürgerkrieg war passiert; Fausta war ins divitische Leben getreten; der Cornelier war an die Macht gekommen, hatte den fetten Vescularius und mit jenem auch Faustus zu Fall gebracht; Dives indes hatte sich in eine Ehe erpressen lassen. All das und noch mehr spiegelte sich in dieser Bauruine nun, vor welcher der Iulier an diesem so ironisch sonnigen Nachmittag stand. Sein Klient Asinius Celer hatte ihm aus der Curia Ostiensis brandaktuell berichtet, dass der Bau an diesem Tempel nach den diversen Verzögerungen - die der Iulier wohlbemerkt noch immer seinem einstigen Kontrahenten Herennius anlastete - auf unbestimmte Zeit eingestellt wurde. Zu teuer sei mittlerweile der ganze Spaß geworden; zu teuer und zu aufwändig dafür, dass der Tempelbau mal gerade zu vielleicht etwas mehr als 50 Prozent abgeschlossen war. * Und ohne Ocella in der Curia sowie ohne die stimmliche Unterstützung Aculeos war der Einfluss des nun schon seit längerer Zeit in Roma wohnenden Dives mittlerweile zu gering, um die Fortsetzung dieses seines Herzenprojekts weiter durchdrücken zu können. Er hatte schlichtweg versagt... mit allen dazugehörigen Konsequenzen... für jedermann offen in dieser Bauruine sichtbar!


    Sim-Off:

    * In Absprache mit Axilla, der ich auch hier noch einmal dennoch ganz herzlich danken möchte für ihren Einsatz bis hierher und unser dazugehöriges gemeinsames Spiel: Merci beaucoup!


    In einer schlicht in weiß gehaltenen Bürgertoga betrat der Iulier das Tempelareal, auf welchem noch immer hier und dort einzelne, nicht verbaute Stein- und Marmorblöcke standen. Und sogar eine Palette Holz befand sich noch immer in ihrer Transportsicherung am Rande des geweihten Grundstücks. Stufe um Stufe erklomm Dives sodann den eigentlichen Tempelbau, schritt zwischen zwei halbhohen Säulenstümpfen in die einst beeindruckend geplante Vorhalle. Der Baustellenstaub auf dem Boden war nur direkt vor ihm in einem kleinen Pfad von vielen einzelnen Fuß- und Sandalenabdrücken unterbrochen. Offenbar nutzten die Menschen diesen ehemaligen Ort des kleinen Sacellum Serapis trotz nicht Fertigstellung des neuen Tempels einfach weiter. Wer wollte es ihnen auch verdenken? Der Iulier winkte seinen fünf Sklaven ihm zu folgen, bevor er durch den türlosen Eingang ins Innere ging. Einigermaßen kraftlos ließ er sich vor dem behelfsmäßig nicht von ihm aber von anderen aufgestellten einfachen Altar auf die Knie fallen und blickte durch das nicht vorhandene Dach direkt in den so freundlich hellblauen Himmel. Er hatte versagt... für alle sichtbar... auf ganzer Linie.

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  • Es dauerte eine geschlagene Sechstel-, Fünftel- oder Viertelstunde - wer wusste das schon so genau zu sagen - bis die fünf Sklaven von der Straße vor dem Bauruinenkomplex Dives erreicht hatten. Jener nutzte indes die Zeit, um in sich zu gehen, sich zu sammeln und sich nach Kräften mental vorzubereiten auf das, was hier noch kommen und folgen sollte... Er wollte wenigstens einen Teil seines Gelübdes noch einlösen und zeigen, dass er immerhin den festen Willen besaß jenes wohl bereits gebrochene nicht zu brechen.


    Die ohne Sockel etwa eine Pertica hohe Kultstatue, die in lebensechter Bemalung einen aufrecht stehenden, stolzen Iuppiter Serapis zeigte, hatte bereits eine gewaltige Reise hinter sich. Für in Summe sechs Aurei hatte der Geschäftsmann M. Petronius Crispus * das marmorne Monstrum in einer der beiden germanischen Provinzen anfertigen und hernach bis nach Ostia in die Villa Iuliana Ostiensis liefern lassen. Und diesen letzten Weg nun hatten sich die iulischen Sklaven mit dem Transport bis zum Bauruinenkomplex abgemüht, wo das Kultbild zunächst mit etwas Weihwasser aus einem Aspergillum sowie einem entsprechenden Gebet symbolisch gereinigt wurde, bevor es nach langer Reise endlich seinen finalen Bestimmungsort erreichte - auch wenn jener eben leider mitnichten fertiggestellt war.


    Sim-Off:

    * Ihm sei auch Dank für das angehängte kolorierte Bild der Kultstatue.


    "Dorthin, direkt hinter diesen kleinen Altar.", wies der Iulier seine Sklaven an, wo genau sich fortan der Marmor gewordene Gott erheben und Kraft und Wärme spenden sollte. Es folgte ein kleines Opfer bestehend aus etwas Weihrauch, der sich allerdings nur allzu schnell durch das nicht vorhandene Dach gen Himmel verflüchtigte, sieben weißen Zeus-Blumen, etwas rotem Wein sowie einigen leicht verbrannten Opferkuchen. Da letztere jedoch im Zuge der Opferung eh verbrannt wurden, um sie der Gottheit zukommen zu lassen, fiel das sicherlich nicht weiter ins Gewicht. Am Ende, nachdem die Gaben dargebracht und das Kultbild erfolgreich gestiftet worden waren, wischte der Iulier noch einmal betrübt mit einem Tuch über die Inschrift auf dem Sockel der Statue:



    IOVI SERAPI


    M. IVLIVS DIVES


    V.S.L.M.



    Hernach schickte er seine Sklaven wieder zurück in die Villa Iuliana Ostiensis, während er selbst noch einen weiteren Gang vor sich hatte. Es galt für ihn nach langer Zeit mal wieder einen alten Freund zu besuchen...

  • Sperandus führte das Grauchen. Ich für meinen Teil trottete gähnend neben dem ratternden Karren her, und verjagte von Zeit zu Zeit einen Gassenjungen, der versuchte, uns etwas von der Ladung zu stibitzen. Nachdem wir in elender Hergottsfrühe unsere Mission auf dem ostientischen Fischmarkt erledigt hatten, wollten wir nur noch kurz im ostiensischen Heiligtum des Serapis ein kleines Opfer bringen. Dann würden wir uns auf den Rückweg nach Rom machen. Der mit einem so primitiven Gefährt wie dem unseren echt lange dauern würde...


    Die Familie von Glaubensgenossen, die uns letzte Nacht ihre Gastfeundschaft geschenkt hatten, hatten uns erzählt, von dem mehr als ambitionierten Bauprojekt der Stadt. Zuerst, so sagten sie, seien sie sehr froh gewesen zu sehen, die Verehrung des Ewigen von höchster Stelle gefördert zu sehen. Dann sei alles im Sande verlaufen, und nun habe man nicht mal mehr das schöne alte Sacellum. Nichts halbes und nichts ganzes, das sei doch wieder typisch für die Großkopferten.


    Von daher war ich vorbereitet auf den Anblick der verwaisten Baustelle. Während Sperandus draussen auf unser bescheidenes Fuhrwerk aufpasste, ging ich zuerst hinein. Fußabdrücke und breite Schleifspuren bezeichneten den Weg, ich folgte ihnen ins Innere der Bauruine. Es schien ein wirklich gigantisches Bauvorhaben gewesen zu sein! Um so trauriger, wie es nun darniederlag... Eine riesige Kultstatue erwartete mich im Inneren. Ich stand davor, bestaunte sie, den Kopf in den Nacken legend. Milde und rätselhaft sah der Wissende auf mich herab, majestätisch prunkte sein Purpurgewand, und grollend fletschte der Cerberus an seiner Seite die Zähne.


    "Serapis, Ewiger, allgewaltiger Meister der Zeit, Behüter der Menschen,"
    sprach ich ehrfürchtig zu ihm,
    "ich danke dir für den Schutz, den du Sperandus und mir auf unserer kleinen Reise gewährt hast. Und ich kann gar nicht sagen, wie überglücklich es mich macht, dass du gestern meinen Weg und den von Appius miteinander gekreuzt und wieder in Eintracht verflochten hast. Ich danke dir aus ganzer Seele!"
    Als Opfergabe hatte ich nur ein Blumengewinde – was mir echt kärglich erschien (vor allem im Vergleich zu den verschwenderischen Opfern die ich früher so hatte springen lassen), aber es war immerhin hübsch leuchtend goldgelb, der Sonne gleich als die sich Serapis-Osiris nach jeder dunklen Nacht aufs neue leuchtend wiedergeboren erhebt. Und natürlich kam es von Herzen und so.
    Jedenfalls drapierte ich es geschmackvoll auf dem Altar vor den großen Sandalen des Gottes. Es lagen da natürlich auch noch die Überreste voriger kleiner Opfer herum, darunter, so fiel mir auf, auch ein paar verwelkte weiße Nelken. Oder schöner: Dianthusblumen. Ach.
    Ausgerechnet weiße Nelken – die Blumen, die ich wohl nie mehr in meinem Leben mit Freude betrachten konnte! Für immer würde mir ihre reine Schönheit vergällt sein – und wer hatte Schuld daran?!
    Mit spitzen Fingern nahm ich eine der verdorrten Blumen. Schon durch diese leise Erschütterung verabschiedeten sich die Blütenblätter, und taumelten sachte zu Boden. Melancholisch folgten ihnen mein Blick – und dann wurde ich ganz blass, denn mein Auge war auf die Inschrift unten auf dem Sockel der Statue gefallen, und da war zu lesen:
    IOVI SERAPI M. IVLIVS DIVES V.S.L.M.


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