• Officium Magistratuum:


    Dies ist das Officium der Magistraten der Stadt Misenum.



    Ein Magistratus ist ein einfacher öffentlicher Beamter einer Stadt. Er wird von den Duumviri mit bestimmten Aufgaben betraut, z.B. der Bauaufsicht oder der Marktaufsicht.
    Für die einfachen Bürger stellt die Tätigkeit als Magistratus den ersten Schritt ins öffentliche politische Leben dar und verschafft ihnen ein gewisses Ansehen.


    An einem regennassen Herbsttag, der die schöne Stadt weniger anziehend erscheinen ließ, traf ich nach einer langen Reise und einer kurzen Nacht in der Curia ein. Ein Schwarm Sklaven begleitete mich, denn die gesamte Stadtverwaltung war nicht nur verstaubt, sie hatte bereits Schimmel angesetzt.


    Mit gerümpfter Nase lief ich durch die Gänge und gab den Bediensteten diverse Anweisungen. Als erstes musste mein Arbeitszimmer hergerichtet werden. Ich traute mich nicht einmal, mich hinzusetzen, derart dreckig kam mir alles vor.


    Ich seufzte. Hier würde viel Arbeit notwendig sein, um aus dem insgesamt verstaubten Ort, einen Anziehungspunkt für reiche, am liebsten adlige Bürger zu machen.

  • Ich kratze mir die Stirn als ich mich umsah. In diesem Dreck soll jemand arbeiten? Eine menge Staub lag in der Luft, so dass ich ein paar mal niesen musste. Das leise Quietschen das ich hörte kam offensichtlich von Mäusen, an den Decken waren Spinnweben zu sehen und der Geruch; reden wir besser nicht drüber!


    Das Arbeitszimmer sah nicht besser aus, am Boden kloppten sich 2 Spinnen um die Beute und der Staub klebte an der Einrichtung. Hoffentlich würde das Wasser sauber sein, sonst kriegt man dieses Dreckloch nie sauber, wenn das überhaupt geht. Ich fummelte an den Überresten meines Bartes herum und sagte:


    „Herrin, das wird ne Weile dauern!“

  • "Iiiiih!" Laut quiekte ich, als ich die dicken Spinnen entdeckte. Mit einem Schütteln lief ich immer noch schreiend aus dem Zimmer. Ich hasste Spinnen wie die Pest!


    Von weitem rief ich Assindius zu: „Kümmerst du dich bitte zunächst um diese Krabbeltiere? Alles andere ist mir egal, aber die müssen weg!“ Meine Stimme klang flehentlich.

  • Was war das denn? Angst vor Spinnen. Au scheiße, die Viecher sind kleiner als meine Hand und schon gar nicht giftig. Ich schüttelte den Kopf und faste an die Stirn. Dann rief ich verwundert:


    „Ja Herrin, natürlich!“


    Die Spinnen stritten sich um die Beute und ich trat auf erst auf die eine, dann auf die andere und schob sie anschließen mit den Füssen in eine Ecke. Dann sah ich mich noch in dem Raum um, ob nicht noch irgendwo welche sein könnten, aber es waren die einzigen.


    „So Herrin, das wäre erledigt, es ist kein Ungeziefer mehr hier drin!“


    Meine erste Heldentat als Leibwächter und dann gegen Spinnen. Nach meinem Tod wird man bestimmt Lieder über mich singen. Jiiha.

  • :D In Gedanken scherzte ich vor mich hin, Römer verstehen etwas von Folter, zuerst werd ich gezwungen den Bart schneiden zu lassen und jetzt muss ich mich zusammenreißen keinen Lachkrampf zu kriegen. :D Hier is wat los.


    „Ja Herrin.“


    Ich streckte die Arme und versuchte an die Decke zu fassen, war aber doch nicht groß genug. Also stieg ich auf einen der Stühle die da rumstanden, strich die Spinnweben von der Decke und von allen Wänden und legte sie in die gleiche Ecke wie die zermatschten Spinnen. Jetzt müsste doch alles erledigt sein.


    „Herrin, die Spinnen sind tot und die Weben sind entfernt!“

  • Tja, aber die Herrin hatte alles mit angesehen. Angefangen vom Anfassen der Spinnweben mit bloßen Händen 8o, bis zum 'Aufräumen' derselben in irgendeine Ecke. ;) Und was entdeckte ich dort noch? 8o8o Zwei Spinnenkadaver!! Riesengroße!


    "Iiiih! Räum die bitte weg!!! Mit weg meine ich weg. Ganz weg und danach desinfiziere bitte deine Hände!" :D


    Weil ich nicht sicher sein konnte, dass aus dem Spinnenhaufen eventuell noch mehr Getier hervorkroch, stieg ich auf einen Stuhl. Sicher ist sicher.

  • :D Treffer, wusste ich es doch, das noch etwas in dieser Art kommen würde. Ich senkte meinen Kopf und ließ mir die Haare ins Gesicht fallen, ich konnte schließlich nicht wissen wie lange ich mir das Lachen und Grinsen noch verkneifen konnte. Bevor ich etwas sagte atmete ich noch mal durch um mich einigermaßen zu fangen.


    „Ja, Herrin.“


    Dann nahm ich die Spinnweben und die Spinnen aus der Ecke und verließ den Raum und endlich konnte ich los grinsen. Die Überreste schmiß ich nach draußen und anschließend wusch ich mir die Hände. Dann ging ich zurück.


    „Alles erledigt Herrin!“

  • Vollkommen erschöpft stieg ich vom Stuhl und ließ mich nieder. Was für ein Arbeitsstart! War das ein schlechtes Ohmen? Mir standen die Haare zu Berge und eine leichte Gänsehaut überzog meinen Körper. Wie widerlich das doch alles hier war.


    Mit einem Seufzer stand ich auf und ging auf meinen Sklaven zu, um wenigstens ihn auf Unbedenklichkeit zu kontrollieren.
    Ein spitzer Schrei entfuhr mir, als ich auf einer Glibbermasse ausrutschte. Halt suchend ruderte ich mit den Armen.


    „Bei den Göttern! Was war das?“, fragte ich entsetzt, als ich das Gleichgewicht wiedererlangte. Neugierig sah ich mich um.

  • Schnell sprang ich auf die Herrin zu, um sie abzustützen. Aber wie macht man das als Sklave bloß. Was weiß denn ich. Mir schien es das Beste zu sein die Herrin zu umschlingen, was ich dann auch tat. Offensichtlich ist sie ausgerutscht, aber es lag nichts mehr auf dem Boden. In den Fluren sind mir ein paar Kakalaken begegnet, vielleicht sind die hier reingehuscht. Aber ich sage ihr das lieber nicht, sonst steigt sie wieder auf den Stuhl und kommt nie wieder herunter.


    „Ich weiß nicht, auf dem Boden habe ich nichts gesehen. Geht es denn wieder, Herrin?“

  • Oje, hoffentlich hatte das jetzt niemand gesehen. Man kam schnell ins Gerede, manche Leute besaßen viel Phantasie und es war eine Schande, sich mit einem Sklaven einzulassen. Etwas geniert blickte ich dann auch Assindius an.


    „Äh, ja. Ähem, es geht.“


    Verlegen strich ich mir die Tunika glatt, räusperte mich kurz und ach, dann ging es auch schon wieder.


    „Also gut, hier muss eine Putzkolonne rein und ein Kammerjäger. Ich werde das veranlassen. Sieh du noch einmal nach, ob hier fließend Wasser läuft und ob das wenigstens unbedenklich ist. Anschließend werden wir erst einmal gehen.“

  • "Das ist gut. Wenigstens etwas. Lass uns gehen, doch kümmere dich bitte zuvor darum, dass die Sklaven alle wissen, was sie hier während unserer Abwesenheit alles reinigen müssen."


    Ich seufzte. Hoffentlich sah morgen die Welt bzw. die Stadtverwaltung etwas freundlicher aus.

  • „Ich kümmere mich darum!“


    Ich ging durch die Räume, stellte mich in einen der Korridore, pfiff laut mit den Fingern und rief. „Alles her hören.“ Dann wartete ich einen Moment und die meisten der Sklaven die zuvor hier rumflitzten kamen näher und hörten zu. Wenn zu Hause jemand etwas vor der Menge sagt, stellt er sich gewöhnlich auf einen großen Stein oder sonst etwas damit ihn alle sehen können. Das brauchte ich aber gar nicht, da fast alle der Sklaven einen Kopf kleiner waren als ich. Echt scharf, dachte ich und sprach in deutlichem Ton:


    „Mädels, die Herrin hat mir aufgetragen mich darum zu kümmern das hier alles sauber wird. Kümmert euch zu erst um das Ungeziefer. Alles was mehr oder weniger als 2 Beine hat, wird platt gemacht. Seht nach wo es überall Wasser gibt. Als ich mir vorhin die Hände wusch, wurde das Wasser erst etwas später klar, die Rohre müssen wohl erst durchgespült werden. Macht dies bitte. Staub wischen, Spinnweben entfernen, vorhandene Möbel säubern, durch fegen, Boden und Wände schrubben und in einem der Räume war Asche zu sehen, die muss natürlich auch weg. Das aller wichtigste ist der Raum da drüben, das ist der Raum der Herrin, der hat natürlich am hellsten zu glänzen. Zum Schluss noch eins, ihr wisst alle wie milde unsere Herrin uns behandelt. Die Herrin ist milde, ich bin es aber nicht. Falls hier etwas nicht sauber ist wenn wir morgen wiederkommen, reiß ich jedem von euch den Arsch auf. Also los, haut rein!“


    Meine Mitsklaven gingen wieder an die Arbeit und ich zur Herrin. Ich sagte ihr schlicht:


    „Herrin die Sklaven wissen Bescheid!“

  • Ich hatte die Ansprache meines Sklaven gehört und mich fast schlapp gelacht. Als Assindius den Raum aber wieder betrat, setzte ich eine normale Miene auf. Am Ende würde er sonst noch den Respekt vor mir verlieren.


    "Sehr schön. Lass uns zur Villa gehen. Morgen ist auch noch ein Tag und der bringt für uns beide Arbeit. Ich sehe hier recht wenige Schreibutensilien. Es wird dein Job morgen sein, mich mit allerhand notwendigen wie nützlichen Dingen einzudecken." :)


    Ich nickte meinem Sklaven zu und machte mich auf den Heimweg.

  • Callidus war nach Süden gereist. Nach Rom war es kein weiter Weg, dort war er öfter mit dem Sklaven seines Vaters gewesen und hatte die gigantischen Gebäude bewundert. Die meiste Zeit verbrachte er aber im bescheidenen Haus der Familie in Ostia und wurde dort in der Literatur unterrichtet. Nun wollte er gegen den Willen seines verstorbenen Vaters in die Ämterlaufbahn einsteigen, und hoffte, in Misenum eine Verwaltungsstelle zu bekommen.
    Er hatte sich druchgefragt und erreichte nun die Curie und das Zimmer des zuständigen Magistraten...


    > Salve, Magistratus, mein Name ist Marcus Aelius Callidus. Ich bin auf der Suche nach einer Tätigkeit in der Verwaltung. Könnt ihr mir vielleicht weiterhelfen?<

    Quidquid agis, prudenter agas et respice finem.

  • Vertieft in einige Papyrusrollen blickte ich etwas widerwillig auf, sah mir den Besucher an und runzelte etwas die Stirn. Dem Auftreten zufolge erschien er mir gebildet zu sein, obwohl man das nie vom Aussehen allein bewerten konnte.
    Ich war nicht gerade bester Laune, richtete mich dennoch an Callidus:


    "Nun, ich weiß ja nicht von wo du stammst, oder aus welcher Familie du kommst. Aber bei mir bedeutete eine geschlossene Tür, dass man nicht einfach in ein Zimmer marschiert. Aber da du nun schon mal da bist, sag mir an was du denn gedacht hast."


    Mit finsterem Blick sah ich Callidus in die Augen....

  • Callidus sah, dass der Magistratus in seine Arbeit vertieft schien und sich etwas gestört fühlte. Seine ungestühme Art, in das Zimmer zu treten, hatte die Laune des Mannes nicht gerade gehoben...


    >Verzeiht mir, dass ich ganz ohne Anmeldung hier hereinstürme. Ich komme aus Ostia und war nur froh, dass ich die Reise hinter mir und Euer Zimmer gefunden hatte. Ich entstamme der gens Aelia. Mein Vater war Gnaeus Aelius Rufus; sicher ist dir der Name unseres pater familias, Lucius Aelius Quarto, des derzeitigen praetor urbanus in Rom geläufig.
    Ich habe gehört, dass es noch freie Stellen gäbe und ich will versuchen, mich verdient zu machen. Vielleicht anfangs als Stadtschreiber? Ich habe gehofft, dass Ihr meine Arbeitskraft gebrauchen könntet...<

    Quidquid agis, prudenter agas et respice finem.

  • *Stadtschreiber? Warum nicht, ich könnte wirklich einen gebrauchen* dachte ich mir. Dann deutete ich Callidus sich erst einmal zu setzen:


    "Du möchtest also Stadtschreiber werden. Nun gut, es ist tatsächlich ein SribaPosten frei. Aber bevor ich dich blindlings einstelle, erzähl mir etwas mehr über dich. Vor allem deine politische Gesinnung und deine Referenzen interessieren mich."

  • Es dauerte eine Zeit, bis er bemerkte, dass der Magistrat ihm deutete, dass Callidus sich setzen könne. Hätte er nach seinem Auftreten doch die Chance, die Stelle zu bekommen...


    >nun, wie gesagt komme ich aus Ostia, wo meine Familie ein bescheidenes Haus besitzt. Ich gehöre, wie meine gesamte Familie, der factio veneta an. Mein Vater hatte sich aus verschiedenen Gründen aus der Politik zurückgezogen und ist von Rom nach Ostia gegangen. Dort wuchs ich unter der Obhut meines Vaters Sklaven auf, der mich auch unterrichtete. Ich verfüge über exzellente Kenntnisse der lateinischen Sprache und Literatur. Es war der Wille meines Vaters, dass ich besonders die Werke Ciceros lesen sollte, mir gefielen Ovid und Martial aber besser...<


    Er musste schmunzeln, als er an die witzigen und auch anstößigen Epigramme erinnert wurde.


    >...des Griechischen bin ich auch etwas mächtig. Ich hoffe, dass ich, was ich Euch erzähle, in Kürze durch ein Diploma der schola Atheniensis in den Kursen Latein sowie res vulgares untermauern kann.<


    der Magistrat Maxentius hörte Callidus ohne sichtbare Regung zu. Offensichtlich konnte er für Ovid nicht so viel Begeisterung aufbringen...aber wie würde er nun reagieren...?

    Quidquid agis, prudenter agas et respice finem.

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